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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 32
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typepoem
authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
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Zweiunddreißigstes Abenteuer

Wie Blödel erschlagen wurde

Blödels Recken standen · gerüstet allzumal.
In tausend Halsbergen · erreichten sie den Saal,
Wo Dankwart mit den Knechten · an den Tischen saß.
Da hob sich unter Helden · der allergrimmigste Haß.

Als der Degen Blödel · vor die Tische ging,
Dankwart der Marschall · ihn freundlich empfing:
»Willkommen hier im Hause · mein Herr Blödelein:
Mich wundert euer Kommen · sagt, was soll die Märe sein?«

»Du brauchst mich nicht zu grüßen« · sprach da Blödelein,
Denn dieses mein Kommen · muß dein Ende sein
Um Hagen deinen Bruder · der Siegfrieden schlug.
Des entgiltst du bei den Heunen · und andre Helden genug.«

»Nicht doch, mein Herr Blödel!« · sprach da Dankwart,
»So möchte sehr uns reuen · zu Hofe diese Fahrt.
Ich war ein Kind, als Siegfried · Leben ließ und Leib:
Nicht weiß ich, was mir wolle · dem König Etzel sein Weib.«

»Ich weiß dir von der Märe · nicht mehr zu sagen;
Es taten's deine Freunde · Gunther und Hagen.
Nun wehrt euch, ihr Armen · ihr könnt nicht länger leben,
Ihr müßt mit dem Tode · hier ein Pfand Kriemhilden geben.«

»Wollt ihr es nicht lassen?« · sprach da Dankwart,
»So gereut mich meines Flehens · hätt' ich das gespart!«
Der schnelle kühne Degen · von dem Tische sprang,
Eine scharfe Waffe zog er · die war gewaltig und lang.

Damit schlug er Blödeln · einen schwinden Schwertesschlag,
Daß ihm das Haupt zur Stelle · vor den Füßen lag.
»Das sei die Morgengabe« · sprach der schnelle Degen,
»Zu Nudungens Witwe · der du mit Minne solltest pflegen.

»Vermähle man sie morgen · einem andern Mann:
Will er den Brautschatz haben · wird ihm wie dir getan.«
Ein getreuer Heune · hatt' ihm das hinterbracht,
Wie die Königstochter · auf ihr Verderben gedacht.

Da sahen Blödeis Mannen · ihr Herr sei erschlagen;
Das wollten sie den Gästen · länger nicht vertragen.
Mit aufgehobnen Schwertern · auf die Knappen ein
Drangen sie mit Ingrimm · das mußte manchen gereun.

Laut rief da Dankwart · all das Gesinde an:
»Ihr seht wohl, edle Knechte · es ist um uns getan.
Nun wehrt euch, ihr Armen · fürwahr, das tut uns not,
So gütig es den Gästen · die edle Kriemhild entbot!«

Die nicht Schwerter hatten · die griffen vor die Bank,
Vom Boden aufzuheben · manchen Schemel lang.
Die Burgundenknechte · wollten nichts vertragen:
Mit schweren Stühlen sah man · starker Beulen viel geschlagen.

Wie grimm die armen Knappen · sich wehrten in dem Strauß!
Sie trieben zu dem Hause · die Gewaffneten hinaus:
Fünfhundert oder drüber · erlagen drin dem Tod.
Da war das Ingesinde · von Blute naß und auch rot.

Diese schwere Botschaft · drang in kurzer Zeit
Zu König Etzels Recken · ihnen war's grimmig leid,
Daß mit seinen Mannen · Blödel den Tod gewann;
Das hatte Hagens Bruder · mit den Knechten getan.

Eh' es vernahm der König · stand schon ein Heunenheer
In hohem Zorn gerüstet · zweitausend oder mehr.
Sie gingen zu den Knechten · es mußte nun so sein,
Und ließen des Gesindes · darin nicht einen gedeihn.

Die Ungetreuen brachten · vors Haus ein mächtig Heer.
Die landlosen Knechte · standen wohl zu Wehr.
Was half da Kraft und Kühnheit? · sie fanden doch den Tod.
Darnach in kurzer Weile · hob sich noch grimmere Not.

Nun mögt ihr Wunder hören · und Ungeheures sagen:
Neuntausend Knechte · lagen tot geschlagen,
Darüber zwölf Ritter · in Dankwartens Lehn.
Man sah ihn weltalleine · noch bei seinen Feinden stehn.

Der Lärm war beschwichtigt · das Tosen eingestellt.
Über die Achsel blickte · Dankwart der Held:
Er sprach: »O weh der Freunde · die ich fallen sah!
Nun steh' ich leider einsam · unter meinen Feinden da.«

Die Schwerter fielen heftig · auf des einen Leib:
Das mußte bald beweinen · manches Helden Weib.
Den Schild rückt' er höher · der Riemen ward gesenkt:
Mit rotem Blute sah man · noch manchen Harnisch getränkt.

»O weh mir dieses Leides!« · sprach Aldrianens Kind.
»Nun weicht, Heunenrecken · und laßt mich an den Wind,
daß die Lüfte kühlen · mich sturmmüden Mann.«
Da sah man den Recken · stolz und herrlich dringen an.

Als der Streitmüde · aus dem Hause sprang,
Wie manches Schwert von neuem · auf seinem Helm erklang!
Die nicht gesehen hatten · die Wunder seiner Hand,
Die sprangen da entgegen · dem aus Burgundenland.

»Nun wollte Gott,« sprach Dankwart · »daß mir ein Bote käm',
Durch den mein Bruder Hagen · Kunde vernähm',
Daß ich vor diesen Recken · steh' in solcher Not!
Der hülfe mir von hinnen · oder fände selbst den Tod.«

Da sprachen Heunenrecken · »Der Bote mußt du sein,
Wenn wir tot dich tragen · vor den Bruder dein.
Dann sieht erst sein Herzeleid · Gunthers Untertan.
Du hast dem König Etzel · hier großen Schaden getan.«

Er sprach: »Nun laßt das Dräuen · und weicht zurück von mir,
Sonst netz' ich noch manchem · mit Blut den Harnisch hier.
Ich will die Märe selber · hin zu Hofe tragen
Und will meinen Herren · meinen großen Kummer klagen.«

Er verleidete so sehr sich · dem Volk in Etzels Lehn,
Daß sie ihn mit Schwertern · nicht wagten zu bestehn:
Da schössen sie der Speere · so viel ihm in den Rand,
Er mußt' ihn seiner Schwere · wegen lassen aus der Hand.

Sie wähnten ihn zu zwingen · weil er den Schild nicht trug;
Hei, was er tiefer Wunden · durch die Helme schlug!
Da mußte vor ihm straucheln · mancher kühne Mann,
Daß sich viel Lob und Ehre · der kühne Dankwart gewann.

Von beiden Seiten sprangen · die Gegner auf ihn zu.
Wohl kam ihrer mancher · in den Kampf zu früh.
Da ging er vor den Feinden · wie ein Eberschwein
Im Walde tut vor Hunden · wie mocht' er wohl kühner sein?

Sein Weg war stets aufs neue · genetzt mit heißem Blut.
Wie konnte je ein Recke · allein wohl so gut
Mit so viel Feinden streiten · als hier von ihm geschehn?
Man sah Hagens Bruder · herrlich hin zu Hofe gehn.

Truchsässen und Schenken · vernahmen Schwerterklang:
Gar mancher die Getränke · aus den Händen schwang
Oder auch die Speisen · die man zu Hofe trug.
Da fand er vor der Stiege · noch starker Feinde genug.

»Wie nun, ihr Truchsässen?« · sprach der müde Degen,
»Nun solltet ihr die Gäste · gütlich verpflegen
Und solltet den Herren · die edle Speise tragen
Und ließet mich die Märe · meinen lieben Herren sagen.«

Wer da den Mut gewonnen · und vor die Stieg' ihm sprang,
Deren schlug er etlichen · so schweren Schwertesschwang,
Daß ihm aus Schreck die andern · ließen freie Bahn,
Da hatten seine Kräfte · viel große Wunder getan.

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