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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 28
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authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
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Achtundzwanzigstes Abenteuer

Wie Kriemhild Hagen empfing

Als die Burgunden · kamen in das Land,
Da erfuhr es von Berne · der alte Hildebrand.
Er sagt' es seinem Herren · Dietrichen war es leid;
Er hieß ihn wohl empfangen · der kühnen Ritter Geleit.

Da ließ der starke Wolfhart · die Pferde führen her;
Dann ritt mit dem Berner · mancher Degen hehr,
Sie zu begrüßen · zu ihnen auf das Feld.
Sie hatten aufgeschlagen · da manches herrliche Zelt.

Als sie von Tronje Hagen · aus der Ferne sah,
Wohlgezogen sprach er · zu seinen Herren da:
»Nun hebt euch von den Sitzen · ihr Recken wohlgetan,
Und geht entgegen denen · die euch hier wollen empfahn.

»Dort nahet ein Gesinde · das ist mir wohlbekannt;
Es sind viel schnelle Degen · von Amelungenland.
Die führt der von Berne · sie tragen hoch den Mut.
Laß euch nicht verschmähen · was man an Diensten euch tut.«

Da sprang von den Rossen · wohl nach Fug und Recht
Mit Dietrichen nieder · mancher Herr und Knecht.
Sie gingen zu den Gästen · wo man die Helden fand,
Und begrüßten freundlich · die von der Burgunden Land.

Als sie der edle Dietrich · ihm entgegen kommen sah,
Nun mögt ihr wohl vernehmen · was er sagte da
Zu Frau Utens Söhnen · leid war ihm ihre Fahrt:
Er wähnte, Rüdger wüßt' es · und hätt' es ihnen offenbart.

»Willkommen mir, ihr Herren · Gunther und Geiselher,
Gernot und Hagen · Herr Volker auch so sehr,
Und Dankwart der schnelle! · Ist euch das nicht bekannt?
Schwer beweint noch Kriemhild · den von Nibelungenland.«

»Sie mag noch lange weinen« so sprach da Hagen:
»Er liegt seit manchem Jahre · schon zu Tod erschlagen.
Den König der Heunen · mag sie nun lieber haben:
Siegfried kommt nicht wieder · er ist nun lange begraben.«

»Siegfriedens Wunden · lassen wir nun stehn:
So lange lebt Frau Kriemhild · mag Schade wohl geschehn.«
So redete von Berne · der edle Dietrich:
»Trost der Nibelungen · davor behüte du dich!«

»Wie soll ich mich behüten?« · sprach der König hehr.
»Etzel sandt' uns Boten · was sollt' ich fragen mehr?
Daß wir zu ihm ritten · her in dieses Land.
Auch hat uns manche Botschaft · meine Schwester Kriemhild gesandt.«

»So will ich euch raten« · sprach wieder Hagen,
»Laßt euch diese Märe · doch zu Ende sagen
Dieterich den Herren · und seine Helden gut,
Daß sie euch wissen lassen · der Frau Kriemhilde Mut.«

Da gingen die drei Könige · und sprachen unter sich
Herr Gunther und Gernot · und Herr Dieterich:
»Nun sag' uns, von Berne · du edler Ritter gut,
Was du wissen mögest · von der Königin Mut.«

Da sprach der Vogt von Berne · »Was soll ich weiter sagen?
Ich höre alle Morgen · weinen und klagen
Etzels Weib, Frau Kriemhild · in jämmerlicher Not
Zum reichen Gott vom Himmel · um des starken Siegfried Tod.«

»Es ist halt nicht zu wenden« · sprach der kühne Mann,
Volker der Fiedler · »was ihr uns kund getan.
Laßt uns zu Hofe reiten · und einmal da besehn,
Was uns schnellen Degen · bei den Heunen möge geschehn.«

Die kühnen Burgunden · hin zu Hofe ritten:
Sie kamen stolz gezogen · nach ihres Landes Sitten.
Da wollte bei den Heunen · gar mancher kühne Mann
Von Tronje Hagen schauen · wie der wohl wäre getan.

Es war durch die Sage · dem Volk bekannt genug,
Daß er von Niederlanden · Siegfrieden schlug,
Aller Recken stärksten · Frau Kriemhildens Mann:
Drum ward so großes Fragen · bei Hof nach Hagen getan.

Der Held war wohlgewachsen · das ist gewißlich wahr,
Von Schultern breit und Brüsten · gemischt war sein Haar
Mit einer greisen Farbe · von Beinen war er lang
Und schrecklich von Antlitz · er hatte herrlichen Gang.

Da schuf man Herberge · den Burgundendegen;
Gunthers Ingesinde · ließ man gesondert legen.
Das riet die Königstochter · die ihm viel Hasses trug:
Daher man bald die Knechte · in der Herberg' erschlug.

Dankwart, Hagens Bruder · war da Marschall;
Der König sein Gesinde · ihm fleißig anbefahl,
Daß er sie gut verpflege · und ihnen geb' genug.
Der Held von Burgunden · holden Sinn dem Heere trug.

Kriemhild die schöne · mit dem Gesinde ging,
Wo sie die Nibelungen · mit falschem Mut empfing.
Sie küßte Geiselheren · und nahm ihn bei der Hand.
Als das Hagen sah von Tronje · den Helm er fester sich band.

»Nach solchem Empfange« · so sprach da Hagen,
»Mögen wohl Bedenken · die schnellen Degen tragen;
Man grüßt die Fürsten ungleich · und den Untertan:
Keine gute Reise haben wir · zu dieser Hochzeit getan.«

Sie sprach: »Seid willkommen · dem, der euch gerne sieht:
Eurer Freundschaft willen · kein Gruß euch hier geschieht.
Sagt, was ihr mir bringet · von Worms Überrhein,
Daß ihr mir so höchlich · solltet willkommen sein?«

»Was sind das für Sachen« · sprach Hagen entgegen,
»Daß euch Gaben bringen · sollten diese Degen?
So reich wär' ich gewesen · hätt' ich das gedacht,
Daß ich euch meine Gabe · her ins Land hätt' gebracht.«

»Nun frag' ich um die Märe · weiter bei euch an:
Der Hort der Nibelungen · wohin ward der getan?
Der war doch mein eigen · das ist euch wohl bekannt:
Den solltet ihr mir haben · gebracht in König Etzels Land.«

»In Treuen, Frau Kriemhild · schon mancher Tag ist hin,
Den Hort der Nibelungen · seit ich des ledig bin:
Ihn ließen meine Herren · senken in den Rhein;
Da muß er auch in Wahrheit · bis zum jüngsten Tage sein.«

Die Königin versetzte · »Ich dacht' es wohl vorher.
Ihr habt mir noch wenig · davon gebracht hieher,
Wiewohl er war mein eigen · und ich sein weiland pflag;
Drum hab' ich seither immer · gar manchen traurigen Tag.«

»Ich bring' euch den Teufel!« · sprach wieder Hagen,
»Ich hab' an meinem Schilde · so viel zu tragen
Und an meinem Harnisch · mein Helm der ist licht,
Das Schwert an meiner Seite · drum bring' ich ihn euch nicht.«

Da sprach die Königstochter · zu den Recken allzumal:
»Man soll keine Waffen · tragen hier im Saal;
Vertraut sie mir, ihr Helden · zur Verwahrung an.«
»In Treuen,« sprach da Hagen · »das wird nimmer getan.

»Ich begehre nicht der Ehre · Fürstengattin mild,
Daß ihr zur Herberge · tragt meinen Schild
Und ander Streitgeräte · ihr seid hier Königin.
So lehrte mich mein Vater · daß ich selbst ihr Hüter bin.«

»O weh dieses Leides!« · sprach da Kriemhild:
»Warum will mein Bruder · und Hagen seinen Schild
Nicht verwahren lassen? · Gewiß, sie sind gewarnt:
Und wüßt' ich, wer es hat getan · der Tod der hielt' ihn umgarnt.«

Im Zorn gab ihr Antwort · Dietrich sogleich:
»Ich bin es, der gewarnt hat · die edeln Fürsten reich
Und Hagen den kühnen · der Burgunden Mann:
Nur zu, du Braut des Teufels · du tust kein Leid mir drum an.«

Da schämte sich gewaltig · die edle Königin:
Sie fürchtete sich bitter · vor Dietrichs Heldensinn.
Sie ging alsdann von dannen · kein Wort mehr sprach sie da,
Nur daß sie nach den Feinden · mit geschwinden Blicken sah.

Da nahmen bei den Händen · zwei der Degen sich,
Der eine war Hagen · der andere Dietrich.
Da sprach wohlgezogen · der Degen allbereit:
»Eure Reise zu den Heunen · die ist in Wahrheit mir leid,

»Da die Königstochter · so gesprochen hat.«
Da sprach von Tronje Hagen · »Zu allem wird schon Rat.«
So sprachen zueinander · die Recken wohlgetan.
Das sah der König Etzel · der gleich zu fragen begann:

»Die Märe wüßt' ich gerne« · befrug der König sich,
»Wer der Recke wäre · den dort Herr Dietrich
So freundlich hat empfangen · er trägt gar hoch den Mut;
Wie auch sein Vater heiße · er mag wohl sein ein Recke gut.«

Antwort gab dem König · ein Kriemhildens Mann:
»Von Tronje ist er geboren · sein Vater hieß Aldrian;
Wie zahm er hier gebare · er ist ein grimmer Mann:
Ich lass' euch das noch schauen · daß ich keine Lüge getan.«

»Wie soll ich das erkennen · daß er so grimmig ist?«
Noch hau' er nicht Kunde · von mancher argen List,
Die wider ihre Freunde · die Königin spann,
Daß aus dem Heunenlande · ihr auch nicht Einer entrann.

»Wohl kannt' ich Hagen · er war mein Untertan.
Lob und große Ehre · er hier bei mir gewann.
Ich macht' ihn zum Ritter · und gab ihm mein Gold;
Weil er sich getreu erwies · war ich immer ihm hold.

»Daher ist mir von Hagen · alles wohlbekannt.
Zwei edle Kinder bracht' ich · als Geisel in dies Land,
Ihn und von Spanien Walther · die wuchsen hier heran.
Hagen sandt' ich wieder heim · Walther mit Hildegund entrann.«

So gedacht' er alter Zeiten · und was vordem geschehn.
Seinen Freund von Tronje · hau' er hier gesehn,
Der ihm in seiner Jugend · oft große Dienste bot;
Jetzt schlug er ihm im Alter · viel lieber Freunde zu Tod.

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