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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 25
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authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
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Fünfundzwanzigstes Abenteuer

Wie die Könige zu den Hennen fuhren

Wie man dort gebarte · vernahmt ihr nun genug.
Wohl kamen nie gefahren · in solchem stolzen Zug
So hochgemute Degen · in eines Königs Land.
Sie hatten, was sie wollten · beides, Waffen und Gewand.

Der Vogt vom Rheine kleidete · aus seinem Heergeleit
Der Degen tausendsechzig · so gab man uns Bescheid,
Und neuntausend Knechte · zu dem Hofgelag';
Die sie zu Hause ließen · beweinten wohl es hernach.

Da trug man ihr Geräte · zu Worms übern Hof.
Wohl sprach da von Speier · ein alter Bischof
Zu der schönen Ute · »Unsre Freunde wollen fahren
Zu dem Gastgebote · möge Gott sie da bewahren!«

Da sprach zu ihren Söhnen · Ute, die Fraue gut:
»Ihr solltet hier verbleiben · Helden hochgemut.
Geträumt hat mir heute · von ängstlicher Not.
Wie all das Gevögel · in diesem Lande wäre tot.«

»Wer sich an Träume wendet« · sprach dawider Hagen,
»Der weiß noch die rechte · Kunde nicht zu sagen,
Wie es mög' am besten · um seine Ehre stehn:
Es mag mein Herr nur immer · mit Urlaub hin zu Hofe gehn.

»Wir wollen gerne reiten · in König Etzels Land:
Da mag wohl Kön'gen dienen · guter Helden Hand,
So wir da schauen sollen · Kriemhildens Hochzeit.«
Hagen riet die Reise · doch ward es später ihm leid.

Er hätt' es widerraten · nur daß Gernot
Mit ungefügen Reden · ihm Spott entgegenbot.
Er mahnt' ihn an Siegfried · Frau Kriemhildens Mann:
Er sprach: »Darum steht Hagen · die große Reise nicht an.«

Da sprach von Tronje Hagen · »Nicht Furcht ist's, daß ich's tu.
Gebietet ihr es, Helden · so greift immer zu:
Gern will ich mit euch reiten · in König Etzels Land.«
Bald ward von ihm zerhauen · mancher Helm und Schildesrand.

Die Schiffe standen fertig · gar mancher fand sich ein:
Was sie an Kleidern hatten · trug man für sie darein.
Sie fanden viel zu schaffen · bis zur Abendzeit;
Sie hüben sich von Hause · zur Reise freudig bereit.

Sie schlugen auf im Grase · sich Hütten und Gezelt
Jenseits des Rheines · Als dies war bestellt,
Da bat noch zu verweilen · Gunthern sein schönes Weib;
Sie herzte nachts noch einmal · des Mannes waidlichen Leib.

Flöten und Posaunen · erschollen morgens früh,
Den Aufbruch anzukündigen · da griff man bald dazu.
Wem Liebes lag im Arme · herzte des Freundes Leib;
Mit Leid trennte viele · hernach des König Etzels Weib.

Der schönen Ute Söhne · die hatten einen Mann,
Der kühn war und bieder · Als man die Fahrt begann,
Sprach er zu dem Könige · geheim nach seinem Mut.
Er sprach: »Ich muß wohl trauern · daß ihr die Hofreise tut.«

Er war geheißen Rumold · ein Degen auserkannt.
Er sprach: »Wem wollt ihr lassen · Leute nun und Land?
Daß niemand doch euch Recken · wenden mag den Mut!
Die Mären Kriemhildens · dauchten niemals mich gut.«

»Das Land sei dir befohlen · und auch mein Söhnelein;
Und diene wohl den Frauen · das ist der Wille mein.
Wen du weinen siehest · dem tröste Herz und Sinn;
Es wird uns nichts zu Leide · Kriemhild tun, die Königin.«

Die Rosse standen aufgezäumt · den Mannen wie den Herrn:
Mit minniglichem Kusse · zog da mancher fern,
Dem noch in hohem Mute · lebte Seel und Leib;
Das mußte bald beweinen · manches waidliche Weib.

Als man die schnellen Recken · sah zu den Rossen gehn,
Fand man viel der Frauen · in hoher Trauer stehn.
Ihnen würd' ihr langes Scheiden · so sagt' ihnen wohl der Mut,
Zu großem Schaden kommen · das tut keinem Herzen gut.

Die schnellen Burgunden · begannen ihren Zug.
Da ward in dem Lande · das Treiben groß genug;
Beiderseits des Rheines · weinte Frau und Mann.
Wie auch das Volk gebarte · sie fuhren fröhlich hindann.

Niblungens Helden · zogen mit ihnen aus
In tausend Halsbergen · die hatten dort zu Haus
Viel schöne Fraun gelassen · und sahn sie nimmermehr.
Siegfriedens Wunden · die schmerzten Kriemhilden sehr.

Da lenkten mit der Reise · auf den Mainstrom an
Hinauf durch Ostfranken · die Gunthern untertan.
Hagen war ihr Führer · der war da wohlbekannt.
Ihr Marschall war Dankwart · der Held von Burgundenland.

Da sie von Ostfranken · durch Schwalefelde ritten,
Da konnte man sie kennen · an den herrlichen Sitten,
Die Fürsten und die Freunde · die Helden lobesam.
An dem zwölften Morgen · der König an die Donau kam.

Da ritt von Tronje Hagen · den andern all zuvor:
Er hielt den Nibelungen · zumal den Mut empor.
Bald sprang der kühne Degen · nieder auf den Strand,
Wo er sein Roß in Eile · fest an einem Baume band.

Die Flut war ausgetreten · die Schifflein verborgen:
Die Nibelungen kamen · da in große Sorgen,
Wie sie hinüber sollten · das Wasser war zu breit.
Da schwang sich zur Erde · mancher Ritter allbereit.

»Übel« sprach da Hagen · »mag dir wohl hier geschehn,
König an dem Rheine · du magst es selber sehn:
Das Wasser ist ergossen · zu stark ist seine Flut:
Ich fürchte, wir verlieren · noch heute manchen Recken gut.«

»Hagen, was verweist ihr mir?« · sprach der König hehr,
»Um eurer Hofzucht willen · erschreckt uns nicht noch mehr.
Ihr sollt die Furt uns suchen · hinüber an das Land,
Daß wir von hinnen bringen · beides, Ross' und Gewand.«

»Mir ist ja noch,« sprach Hagen · »mein Leben nicht so leid,
Daß ich mich möcht' ertränken · in diesen Wellen breit:
Erst soll von meinen Händen · ersterben mancher Mann
In König Etzels Landen · wozu ich gute Lust gewann.

»Bleibet bei dem Wasser · ihr stolzen Ritter gut.
So geh' ich und suche · die Fergen bei der Flut,
Die uns hinüber bringen · in Gelfratens Land.«
Da nahm der kühne Hagen · seinen festen Schildesrand.

Er war wohl bewaffnet · den Schild er bei sich trug;
Sein Helm war aufgebunden · und glänzte hell genug.
Überm Harnisch führt' er · eine breite Waffe mit,
Die an den beiden Schärfen · aufs allergrimmigste schnitt.

Er suchte hin und wieder · nach einem Schiffersmann.
Da hört' er Wasser rauschen · zu lauschen hub er an.
In einem schönen Brunnen · tat das manch weises Weib:
Die gedachten da im Bade · sich zu kühlen den Leib.

Hagen ward ihrer inne · da schlich er leis heran;
Sie eilten schnell von hinnen · als sie den Helden sahn.
Daß sie ihm entrannen · des freuten sie sich sehr.
Da nahm er ihre Kleider · und schadet' ihnen nicht mehr.

Da sprach das eine Meerweib · Hadburg war sie genannt:
»Hagen, edler Ritter · wir machen euch bekannt,
Wenn ihr uns, kühner Degen · die Kleider wiedergebt,
Was ihr auf dieser Reise · bei den Heunen erlebt.«

Sie schwammen wie die Vögel · schwebend auf der Flut.
Da daucht' ihn ihr Wissen · von den Dingen gut:
So glaubt' er um so lieber · was sie ihm wollten sagen.
Sie beschieden ihn darüber · was er begann sie zu fragen.

Sie sprach: »Ihr mögt wohl reiten · in König Etzels Land:
Ich setz' euch meine Treue · dafür zum Unterpfand:
Niemals fuhren Helden · noch in ein fremdes Reich
Zu so hohen Ehren · in Wahrheit, ich sag' es euch.«

Der Rede war da Hagen · im Herzen froh und hehr;
Die Kleider gab er ihnen · und säumte sich nicht mehr.
Als sie umgezogen · ihr wunderbar Gewand,
Vernahm er erst die Wahrheit · von der Fahrt in Etzels Land.

Da sprach das andre Meerweib · mit Namen Siegelind:
»Ich will dich warnen, Hagen · Aldrianens Kind.
Meine Muhme hat dich · der Kleider halb belogen:
Und kommst du zu den Heunen · so bist du übel betrogen.

»Wieder umzukehren · wohl war' es an der Zeit,
Dieweil ihr kühnen Helden · also geladen seid,
Daß ihr müßt ersterben · in der Heunen Land:
Wer da hinreitet · der hat den Tod an der Hand.«

Da sprach aber Hagen · »Ihr trügt mich ohne Not:
Wie sollte das sich fügen · daß wir alle tot
Blieben bei dem Hofgelag' · durch jemandes Groll?«
Da sagten sie dem Degen · die Märe deutlich und voll.

Da sprach die eine wieder · »Es muß nun so geschehn,
Keiner wird von euch allen · die Heimat wiedersehn
Als der Kaplan des Königs · das ist uns wohlbekannt,
Der kommt geborgen wieder · heim in König Gunthers Land.«

Ingrimmen Mutes · sprach der kühne Hagen:
»Das ließen meine Herren · schwerlich sich sagen,
Wir verlören bei den Heunen · Leben all und Leib;
Nun zeig' uns übers Wasser · allerweisestes Weib.«

Sie sprach: »Willst du nicht anders · und soll die Fahrt geschehn,
So siehst du überm Wasser · eine Herberge stehn:
Darin ist eine Ferge · und sonst nicht nah noch fern.«
Weiter nachzufragen · des begab er nun sich gern.

Dem unmutsvollen Recken · rief noch die eine nach:
»Nun wartet, Herr Hagen · euch ist auch gar zu jach;
Vernehmt noch erst die Kunde · wie ihr kommt durchs Land.
Der Herr dieser Marke · der ist Else genannt.

»Sein Bruder ist geheißen · Gelfrat der Held,
Ein Herr im Baierlande · nicht so leicht es hält,
Wollt ihr durch seine Marke · ihr mögt euch wohl bewahren
Und sollt auch mit dem Fergen · gar bescheidentlich verfahren.

»Der ist so grimmes Mutes · er läßt euch nicht gedeihn,
Wollt ihr nicht verständig · bei dem Helden sein.
Soll er euch überholen · so bietet ihm den Sold;
Er hütet dieses Landes · und ist Gelfraten hold.

»Und kommt er nicht bei Zeiten · so ruft über Flut
Und sagt, ihr heißet Amelrich · das war ein Degen gut,
Der seiner Feinde willen · räumte dieses Land:
So wird der Fährmann kommen · wird ihm der Name genannt.«

Der übermüt'ge Hagen · dankte den Frauen hehr.
Er schwieg fürder stille · und redete nicht mehr.
Dann ging er bei dem Wasser · hinauf an dem Strand,
Wo er auf jener Seite · eine Herberge fand.

Laut begann zu rufen · der Degen über Flut:
»Nun hol' mich über, Ferge« · sprach der Degen gut,
»So geb' ich dir zum Lohne · eine Spange goldesrot;
Mir tut das Überfahren · das wisse, wahrhaftig not.«

Es brauchte nicht zu dienen · der reiche Schiffersmann,
Lohn nahm er selten · von jemandem an;
Auch waren seine Knechte · zumal von stolzen Mut.
Noch immer stand Hagen · diesseits allein bei der Flut.

Da rief er so gewaltig · der ganze Strom erscholl
Von des Helden Stärke · die war so groß und voll:
»Mich Amelrich hol' über · ich bin es, Elses Mann,
Der vor starker Feindschaft · aus diesen Landen entrann.«

Hoch an seinem Schwerte · er ihm die Spange bot,
Die war schön und glänzte · von lichtem Golde rot,
Daß er ihn überbrächte · in Gelfratens Land.
Der übermut'ge Ferge · nahm selbst das Ruder an die Hand.

Auch hatte dieser Ferge · vor kurzem sich beweibt:
Die Gier nach großem Gute · zu bösem Ende treibt:
Er dachte zu verdienen · Hagens Gold so rot,
Da litt er von dem Degen · hier den schwertgrimmen Tod.

Der Ferge zog gewaltig · hinüber an den Strand.
Welcher ihm genannt war · als er den nicht fand,
Da hub er an zu zürnen · als er Hagen sah,
Mit grimmen Ungestüme · zu dem Helden sprach er da:

»Ihr mögt wohl sein geheißen · mit Namen Amelrich;
Doch seht ihr dem nicht ähnlich · des ich versehen mich.
Von Vater und von Mutter · war er der Bruder mein:
Nun ihr mich betrogen habt · so müßt ihr dieshalben sein.«

»Nein! um Gotteswillen« · sprach Hagen dagegen.
»Ich bin ein fremder Recke · besorgt um andre Degen.
So nehmet denn freundlich · hin meinen Sold
Und fahrt uns hinüber · ich bin euch wahrhaftig hold.«

Da sprach der Ferge wieder · »Das kann einmal nicht sein,
viel der Feinde haben · die lieben Herren mein.
Drum fahr' ich keinen Fremden · hinüber in ihr Land:
Wenn euch das Leben lieb ist · so tretet aus an den Strand.«

»Das tu ich nicht« sprach Hagen · »traurig ist mein Mut.
Nehmt zum Gedächtnis · die goldne Spange gut
Und fahrt uns über, tausend Ross' · und auch so manchen Mann.«
Da sprach der grimme Ferge · »Das wird nimmer getan.«

Er hob ein starkes Ruder · mächtig und breit,
Und schlug es auf Hagen · (es ward ihm später leid),
Daß er im Schiffe nieder · strauchelt' auf die Knie.
Solchen grimmen Fergen · fand der von Tronje noch nie.

Noch stärker zu erzürnen · den kühnen Fremdling, schwang
Er seine Ruderstange · daß sie gar zersprang,
Auf das Haupt dem Hagen · er war ein starker Mann:
Davon Elses Ferge · bald großen Schaden gewann.

Mit grimmigem Mute · griff Hagen gleich zur Hand
Zur Seite nach der Scheide · wo er ein Waffen fand:
Er schlug das Haupt ihm nieder · und warf es auf den Grund.
Bald wurden diese Mären · den stolzen Burgunden kund.

Im selben Augenblicke · als er den Fährmann schlug,
Glitt das Schiff zur Strömung · das war ihm leid genug.
Eh' er es richten konnte · fiel ihn Ermüdung an:
Da zog am Ruder kräftig · König Gunthers Untertan.

Er versucht' es umzukehren · mit manchem schnellen Schlag,
Bis ihm das starke Ruder · in der Hand zerbrach.
Er wollte zu den Recken · sich wenden an den Strand;
Da hatt' er keines weiter · wie bald er es zusammen band

Mit seinem Schildriemen · einer Borte schmal.
Hin zu einem Walde · wandt' er das Schiff zutal.
Da fand er seinen Herren · sein harren an dem Strand;
Es gingen ihm entgegen · viel der Degen auserkannt.

Mit Gruß ihn wohl empfingen · die edeln Ritter gut:
Sie sahen in dem Schiffe · rauchen noch das Blut
Von einer starken Wunde · die er dem Fergen schlug:
Darnach ward von den Degen · befraget Hagen genug.

Als der König Gunther · das heiße Blut ersah
In dem Schiffe schweben · wie bald sprach er da:
»Wo ist denn, Herr Hagen · der Fährmann hingekommen?
Eure starken Kräfte haben · ihm wohl das Leben benommen.«

Da sprach er mit Verleugnen · »Als ich das Schifflein fand
Bei einer wilden Weide · da löst' es meine Hand.
Ich habe keinen Fergen · heute hier gesehn;
Leid ist auch niemand · von meinen Händen geschehn.«

Da sprach von Burgunden · der König Gernot:
»Heute muß ich bangen · um lieber Freunde Tod,
Da wir keinen Schiffmann · hier am Strome sehn:
Wie wir hinüber kommen · darob muß ich in Sorgen stehn.«

Laut rief Hagen · »Legt auf den Boden her,
Ihr Knechte, das Geräte · ich gedenke, daß ich mehr
Der allerbeste Ferge war · den man am Rheine fand:
Ich bring' euch hinüber · gar wohl in Gelfratens Land.«

Daß sie desto schneller · kämen über Flut,
Trieb man hinein die Mähren · ihr Schwimmen ward so gut,
Daß ihnen auch nicht eines · der starke Strom benahm.
Einige trieben ferner · als sie Ermüdung überkam.

Sie trugen zu dem Schiffe · ihr Gut und ihre Wehr,
Nun einmal ihre Reise · nicht zu vermeiden mehr.
Hagen fuhr sie über · da bracht' er an den Strand
Manchen zieren Recken · in das unbekannte Land.

Zum ersten fuhr er über · tausend Ritter hehr
Und seine sechzig Degen · dann kamen ihrer mehr:
Neuntausend Knechte · die bracht' er an das Land.
Des Tages war unmüßig · des kühnen Tronejers Hand.

Da er sie wohlgeborgen · über Flut gebracht,
Da war der fremden Märe · der schnelle Held bedacht,
Die ihm verkündet hatte · das wilde Meerweib:
Dem Kaplan des Königs ging es · da schier an Leben und Leib.

Bei seinem Weihgeräte · er den Pfaffen fand,
Auf dem Heiligtume · sich stützend mit der Hand:
Das kam ihm nicht zugute · als Hagen ihn ersah;
Der unglücksel'ge Priester · viel Beschwerde litt er da.

Er schwang ihn aus dem Schiffe · mit jäher Gewalt.
Da riefen ihrer viele · »Halt, Hagen, halt!«
Geiselher der junge · hub zu zürnen an;
Er wollt' es doch nicht lassen · bis er ihm Leides getan.

Da sprach von Burgunden · der König Gernot:
»Was hilft euch wohl, Herr Hagen · des Kaplanes Tod?
Tat' dies anders jemand · es sollt' ihm werden leid.
Was verschuldete der Priester · daß ihr so wider ihn seid?«

Der Pfaffe schwamm nach Kräften · er hoffte zu entgehn,
Wenn ihm nur jemand hülfe · das konnte nicht geschehn,
Denn der starke Hagen · gar zornig war sein Mut,
Stieß ihn zu Grunde wieder · das dauchte niemanden gut.

Als der arme Pfaffe · hier keine Hülfe sah,
Da wandt' er sich ans Ufer · Beschwerde litt er da.
Ob er nicht schwimmen konnte · doch half ihm Gottes Hand,
Daß er wohlgeborgen · hinwieder kam an den Strand.

Da stand der arme Priester · und schüttelte sein Kleid.
Daran erkannte Hagen · ihm habe Wahrheit,
Unmeidliche, verkündet · das wilde Meerweib.
Er dachte: »Diese Degen · verlieren Leben und Leib.«

Als sie das Schiff entladen · und ans Gestad' geschafft,
Was darauf besessen · der Kön'ge Ritterschaft,
Schlug Hagen es in Stücke · und warf es in die Flut;
Das wunderte gewaltig · die Recken edel und gut.

»Bruder, warum tut ihr das?« · sprach da Dankwart,
»Wie sollen wir hinüber · bei unsrer Wiederfahrt,
Wenn wir von den Heunen · reiten an den Rhein?«
Hernach sagt' ihm Hagen · das könne nimmermehr sein.

Da sprach der Held von Tronje · »Ich tat's mit Wohlbedacht:
Haben wir einen Feigen · in dieses Land gebracht,
Der uns entrinnen möchte · in seines Herzens Not,
Der muß an diesen Wogen · leiden schmählichen Tod.«

Sie führten bei sich einen · aus Burgundenland,
Einen Helden gar behende · Volker war er genannt.
Der redete da launig · nach seinem kühnen Mut:
Was Hagen je begangen · den Fiedler dauchte das gut.

Die Rosse standen harrend · die Säumer wohl geladen;
Sie hatten auf der Reise · bisher noch keinen Schaden
Genommen, der sie schmerzte · als des Königs Kapellan:
Der mußt' auf seinen Füßen · sich zum Rheine suchen Bahn.

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