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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 24
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authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
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Vierundzwanzigstes Abenteuer

Wie Werbel und Schwemmel die Botschaft brachten

Als Etzel seine Fiedler · hin zum Rheine sandte,
Da flogen diese Mären · von Lande zu Lande:
Mit schnellen Abgesandten · bat er und entbot
Zu seinem Hofgelage · da holte mancher sich den Tod.

Die Boten ritten hinnen · aus der Heunen Land
Zu den Burgunden · wohin man sie gesandt
Zu dreien edeln Königen · und ihrer Mannen Heer:
Daß sie zu Etzeln kämen · da beeilten sie sich sehr.

Zu Bechlaren ritten · schon die Boten ein.
Ihnen diente man da gerne · und ließ auch das nicht sein:
Ihre Grüße sandten · Rüdger und Gotelind
Den Degen an dem Rheine · und auch ihr beider liebes Kind.

Sie ließen ohne Gaben · die Boten nicht hindann,
Daß desto sanfter führen · die Etzeln untertan.
Uten und ihren Söhnen · entbot da Rüdiger,
Ihnen so gewogen hätten · sie keinen Markgrafen mehr.

Sie entboten auch Brunhilden · alles, was lieb und gut,
Ihre stete Treue · und dienstbereiten Mut.
Da wollten nach der Rede · die Boten weiter ziehn;
Gott bat sie zu bewahren · Gotlind die edle Markgräfin.

Eh noch die Boten völlig · durchzogen Baierland,
Werbel der schnelle · den guten Bischof fand.
Was der da seinen Freunden · hin an den Rhein entbot,
Davon hab' ich nicht Kunde · jedoch sein Gold also rot

Gab er den Boten milde · Als sie wollten ziehn,
»Sollt' ich sie bei mir schauen« · sprach Bischof Pilgerin,
»So war' mir wohl zumute · die Schwestersöhne mein:
Denn ich mag leider selten · zu ihnen kommen an den Rhein.

Was sie für Wege fuhren · zum Rhein durch das Land,
Kann ich euch nicht bescheiden · Ihr Gold und ihr Gewand
Blieb ihnen unbenommen · man scheute Etzels Zorn:
So gewaltig herrschte · der edle König wohlgeborn.

Binnen zwölf Tagen · kamen sie an den Rhein,
Gen Worms in die Veste · Werbel und Schwemmelein.
Da sagte man's dem König · und seinen Mannen an,
Es kämen fremde Boten · Gunther zu fragen begann.

Da sprach der Vogt vom Rheine · »Wer macht uns bekannt,
Von wannen diese Gäste · ritten in das Land?«
Davon wußte niemand · bis die Boten sah
Hagen von Tronje · der begann zu Gunthern da:

»Wir hören Neues heute · dafür will ich euch stehn:
Etzels Fiedelspieler · die hab' ich hier gesehn;
Die hat eure Schwester · gesendet an den Rhein:
Ihres Herren willen · sollen sie uns willkommen sein.«

Sie ritten ohne Weilen · zu dem Saal heran:
So herrlich fuhr wohl nimmer · eines Fürsten Fiedelmann.
Des Königs Ingesinde · empfing sie gleich zur Hand;
Herberge gab man ihnen · und bewahrte ihr Gewand.

Ihre Reisekleider waren · reich und so wohlgetan,
Sie mochten wohl mit Ehren · sich so dem König nahn;
Doch wollten sie nicht länger · sie dort am Hofe tragen.
Ob jemand sie begehre · ließen da die Boten fragen.

Da waren auch bedürftige · Leute bei der Hand,
Die sie gerne nahmen · denen wurden sie gesandt.
Da schmückten mit Gewanden · so reich die Gäste sich,
Wie es Königsboten · herrlich stand und wonniglich.

Da ging mit Urlaube · hin, wo der König saß,
Etzels Ingesinde · gerne sah man das.
Herr Hagen gleich in Züchten · den Boten entgegen sprang,
Sie freundlich zu begrüßen · des sagten ihm die Knappen Dank.

Da hub er um die Kunde · sie zu befragen an,
Wie Etzel sich gehabe · und die ihm Untertan.
Da sprach der Fiedelspieler · »Nie besser stand's im Land,
Das Volk war niemals froher · das sei euch wahrlich bekannt.«

Sie gingen zu dem Wirte · der Königssaal war voll:
Da empfing man die Gäste · wie man immer soll
Boten freundlich grüßen · in andrer Kön'ge Land.
Werbel der Recken · viel bei König Gunthern fand.

Der König wohlgezogen · zu grüßen sie begann:
»Willkommen, beide Fiedler · die Etzeln Untertan,
Mit euern Heergesellen! · wozu hat euch gesandt
Etzel der reiche · zu der Burgunden Land?«

Sie neigten sich dem König · Da sprach Werbelein:
»Euch entbietet holde Dienste · der liebe Herre mein
Und Kriemhild deine Schwester · hierher in dieses Land:
Sie haben uns euch Recken · auf gute Treue gesandt.«

Da sprach der reiche König · »Der Märe bin ich froh.
Wie gehabt sich Etzel« · der Degen fragte so,
»Und Kriemhild meine Schwester · in der Heunen Land?«
Da sprach der Fiedelspieler · »Das mach' ich gern euch bekannt.

»Besser wohl gehabten · sich Menschen noch nie,
Als sie sich gehabten beide · vernehmet das allhie,
Und ihre Degen alle · Freund und Untertan.
Sie freuten sich der Reise · da wir schieden hindann.«

»Nun Dank ihm für die Dienste · die er mir entbeut,
Ihm und meiner Schwester · gern erfahr' ich heut',
Daß sie in Freuden leben · der König und sein Lehn;
Meine Frage war nach ihnen · in großen Sorgen geschehn.«

Die beiden jungen Könige · waren auch gekommen,
Die hatten diese Märe · eben erst vernommen.
Geiselher der junge · die Boten gerne sah
Aus Liebe zu der Schwester · gar minniglich sprach er da:

»Ihr Boten sollt uns beide · hochwillkommen sein;
Kämet ihr nur öfter · geritten an den Rhein,
Ihr fändet hier der Freunde · die ihr gerne möchtet sehn.
Euch soll hierzulande · wenig Leides geschehn.«

»Wir versehn uns alles Guten · zu euch,« sprach Schwemmelein;
»Ich könnt' euch nicht bedeuten · mit den Worten mein,
Wie minnigliche Grüße · euch Etzel hat gesandt
Und eure edle Schwester · die da in hohen Ehren stand.

»An eure Lieb' und Treue · mahnt euch die Königin
Und daß ihr stets gewogen · war euer Herz und Sinn.
Zuvörderst euch, Herr König · sind wir hieher gesandt,
Daß ihr geruht zu reiten · in des König Etzels Land.

»Daß wir euch darum bäten · dringend er uns gebot:
Etzel der reiche · euch allen das entbot,
Wenn ihr nicht kommen wolltet · eure Schwester sehn,
So möcht' er doch wohl wissen · was euch von ihm war' geschehn,

»Daß ihr ihn also meidet · und auch sein Reich und Land.
Wär' euch auch die Königin · fremd und unbekannt,
So möcht' er selbst verdienen · ihr kämet ihn zu sehn:
Wenn ihr das leisten wolltet · so war' ihm Liebes geschehn.«

Da sprach der König Gunther · »Nach der siebten Nacht
Will ich euch bescheiden · wes ich mich bedacht
Hab' im Rat der Freunde · geht derweilen hin
Zu eurer Herberge · und findet gute Ruh' darin.«

Da sprach wieder Werbel · »Könnt' es nicht geschehn,
Daß wir unsre Fraue · die reiche Ute, sehn,
Eh' wir müden Degen · fragten nach der Ruh?«
Da sprach wohlgezogen · der edle Geiselher dazu:

»Das soll euch niemand wehren · wollt ihr vor sie gehn,
So ist auch meiner Mutter · Will' und Wunsch geschehn,
Denn sie sieht euch gerne · um die Schwester mein,
Um Frau Kriemhilde · ihr sollt ihr willkommen sein.«

Geiselher sie brachte · hin, wo er Uten fand.
Die sah die Boten gerne · aus der Heunen Land
Und empfing sie freundlich · mit wohlgezognem Mut.
Da sagten ihr die Märe · die Boten höfisch und gut.

»Meine Frau läßt euch entbieten« · sprach da Schwemmelein,
»Dienst und stete Treue · Wenn es möchte sein,
Daß sie euch öfter sähe · so glaubet sicherlich,
Wohl keine andre Freude · auf Erden wünschte sie sich.«

Da sprach die Königin Ute · »Das kann nun nicht sein.
So gern ich öfter sähe · die liebe Tochter mein,
So wohnt zu fern uns leider · die edle Königin.
Nun geh' ihr immer selig · die Zeit mit Etzeln dahin!

»Ihr sollt mich wissen lassen · eh' ihr von hinnen müßt,
Wann ihr reiten wolltet · ich sah in langer Frist
Boten nicht so gerne · als ich euch gesehn.«
Da gelobten ihr die Knappen · ihr Wille solle geschehn.

Zu den Herbergen gingen · die von Heunenland.
Der reiche König hatte · die Freunde nun besandt.
Gunther der edle · fragte Mann für Mann,
Was sie darüber dächten · Wohl manche hüben da an,

Er möge wohl reiten · in König Etzels Land.
Das rieten ihm die Besten · die er darunter fand.
Hagen nur alleine · dem war es grimmig leid.
Zum König sprach er heimlich · »Mit euch selbst seid ihr im Streit.

»Ihr habt doch nicht vergessen · was ihr von uns geschehn:
Vor Kriemhilden müssen · wir stets in Sorge stehn.
Ich schlug ihr zu Tode · den Mann mit meiner Hand:
Wie dürften wir wohl reiten · hin in König Etzels Land?«

Da sprach der reiche König · »Meiner Schwester Zürnen schwand.
Mit minniglichem Kusse · eh' sie verließ dies Land,
Hat sie uns verziehen · was wir an ihr getan,
Es wäre denn, sie stände · bei euch, Herr Hagen, noch an.«

»Nun laßt euch nicht betrügen« · sprach Hagen, »was auch sagen
Diese Heunenboten · wollt ihr's mit Kriemhild wagen,
Da verliert ihr zu der Ehre · Leben leicht und Leib:
Sie weiß wohl nachzutragen · dem König Etzel sein Weib!«

Da sprach zu dem Degen · der junge Geiselher:
»Ihr mögt aus guten Gründen · fürchten dort den Tod
In heunischen Reichen · ständen wir drum an
Und mieden unsre Schwester · das wär' übel getan.«

Da sprach zu dem Degen · der junge Geiselher:
»Da ihr euch, Freund Hagen · schuldig wißt so sehr,
So bleibt hier im Lande · euer Heil zu wahren;
Nur laßt, die sich's getrauen · mit uns zu meiner Schwester fahren.«

Darob begann zu zürnen · von Tronje der Held:
»Ich will nicht, daß euch jemand · sei bei der Fahrt gesellt,
Der an den Hof zu reiten · sich mehr getraut als ich:
Wollt ihr's nicht bleiben lassen · ich beweis' es euch sicherlich.«

Da sprach der Küchenmeister · Rumold der Degen:
»Der Heimischen und Fremden · mögt ihr zu Hause pflegen
Nach euerm Wohlgefallen · da habt ihr vollen Rat;
Ich glaube nicht, daß Hagen · euch noch je vergeiselt hat.

»Wollt ihr nicht Hagen folgen · so rät euch Rumold,
Der ich euch dienstlich · gewogen bin und hold,
Daß ihr im Lande bleibet · nach dem Willen mein
Und laßt den König Etzel · dort bei Kriemhilden sein.

»Wo könntet ihr auf Erden · so gut als hier gedeihn?
Ihr mögt vor euern Feinden · daheim geborgen sein,
Ihr sollt mit guten Kleidern · zieren euern Leib,
Des besten Weines trinken · und minnen manches schöne Weib.

»Dazu gibt man euch Speise · so gut sie irgendwann
Ein König mag gewinnen · und fehlt' es auch daran,
Den schönen Fraun zuliebe · bleibet doch zu Haus,
Eh' ihr so kindisch setzet · das Leben diesem Wagnis aus!

»Drum rat' ich euch zu bleiben · Reich ist euer Land:
Ihr könnt hier besser lösen · was ihr gabt zu Pfand,
Als dort bei den Heunen · wer weiß, wie es da steht?
Verbleibet hier, ihr Herren · das ist, was Rumold euch rät.«

»Wir wollen nun nicht bleiben« · sprach da Gernot.
»Da es meine Schwester · so freundlich uns entbot
Und Etzel der reiche · was führen wir nicht hin?
Die nicht mit uns wollen · mögen bleiben immerhin.«

Zur Antwort gab da Hagen · »Laßt euch zum Verdruß
Meine Rede nicht gereichen · was auch geschehen muß,
Das rat' ich euch in Treuen · wenn ihr euch gern bewahrt,
Daß ihr nur wohlgerüstet · zu dem Heunenlande fahrt.

»Wenn ihr's euch unterwindet · so entbietet euer Heer,
Die Besten, die ihr findet · und irgend wißt umher,
Aus ihnen allen wähl' ich · dann tausend Ritter gut:
So mag euch nicht gefährden · der argen Kriemhilde Mut.«

»Dem Rate will ich folgen« · sprach der König gleich.
Da sandt' er seine Boten · umher in seinem Reich.
Bald brachte man der Helden · dreitausend oder mehr.
Sie dachten nicht zu finden · so großes Leid und Beschwer.

Sie ritten hohes Mutes · durch König Gunthers Land.
Sie verhießen allen · Ross' und Gewand,
Die ihnen geben wollten · zum Heunenland Geleit.
Da fand viel gute Ritter · der König zur Fahrt bereit.

Da ließ von Tronje Hagen · Dankwart den Bruder sein
Achtzig ihrer Recken · führen an den Rhein.
Sie kamen stolz gezogen · Harnisch und Gewand
Brachten viel die schnellen · König Gunthern in das Land.

Da kam der kühne Volker · ein edler Spielmann,
Mit dreißig seiner Degen · zu der Fahrt heran.
Ihr Gewand war herrlich · ein König mocht' es tragen.
Er wollte zu den Heunen · ließ er dem Könige sagen.

Wer Volker sei gewesen · das sei euch kund getan.
Es war ein edler Herre · ihm waren Untertan
Viel der guten Recken · im Burgundenland;
Weil er fiedeln konnte · war er der Spielmann genannt.

Hagen wählte tausend · die waren ihm bekannt;
Was sie in starken Stürmen · gefrommt mit ihrer Hand
Und sonst begangen hatten · das hatt' er oft gesehn:
Auch alle andern mußten · ihnen Ehre zugestehn.

Die Boten Kriemhildens · der Aufenthalt verdroß;
Die Furcht vor ihrem Herren · war gewaltig groß:
Sie hielten alle Tage · um den Urlaub an.
Den gönnt' ihnen Hagen nicht · das ward aus Vorsicht getan.

Er sprach zu seinem Herren · »Wir wollen uns bewahren,
Daß wir sie reiten lassen · bevor wir selber fahren
Sieben Tage später · in König Etzels Land:
Trägt man uns argen Willen · das wird so besser gewandt.

»So mag sich Frau Kriemhild · bereiten nicht dazu,
Daß uns nach ihrem Rate · jemand Schaden tu'.
Will sie es doch versuchen · so fährt sie übel an:
Wir führen mit uns von hinnen · manchen auserwählten Mann.«

Die Sättel und die Schilde · und all ihr Gewand,
Das sie führen wollten · in König Etzels Land,
War nun bereit und fertig · für manchen kühnen Mann.
Die Boten Kriemhildens · rief man zu Gunthern heran.

Da die Boten kamen · begann Herr Gernot:
»Der König will leisten · was Etzel uns entbot.
Wir wollen gerne kommen · zu seiner Lustbarkeit
Und unsre Schwester sehen · daß ihr des außer Zweifel seid.«

Da sprach der König Gunther · »Wißt ihr uns zu sagen,
Wann das Fest beginnet · oder zu welchen Tagen
Wir erwartet werden?« · Da sprach Schwemmelein:
»Zur nächsten Sonnenwende · da soll es in Wahrheit sein.«

Der König erlaubte · das war noch nicht geschehn,
Wenn sie Frau Brunhilden · wünschten noch zu sehn,
Daß sie mit seinem Willen · sprächen bei ihr an.
Dem widerstrebte Volker · da war ihr Liebes getan.

»Es ist ja Frau Brunhild · nun nicht so wohlgemut,
Daß ihr sie schauen möchtet« · sprach der Ritter gut.
»Wartet bis morgen · so läßt man sie euch sehn.«
Sie wähnten sie zu schauen · da könnt' es doch nicht geschehn.

Da ließ der reiche König · er war den Boten hold,
Aus eigner hoher Milde · daher von seinem Gold
Auf breiten Schilden bringen · wohl war er reich daran.
Ihnen ward auch reiche Schenkung · von seinen Freunden getan.

Geiselher und Gernot · Gere und Ortewein,
Wie sie auch milde waren · das leuchtete wohl ein:
So reiche Gaben boten · sie den Boten an,
Daß sie's vor ihrem Herren · nicht getrauten zu empfahn.

Da sprach zu dem König · der Bote Werbelein:
»Herr König, laßt die Gaben · nur hier im Lande sein.
Wir können's nicht verführen · weil uns der Herr verbot,
Daß wir Geschenke nähmen · auch tut es uns wenig not.«

Da ward der Vogt vom Rheine · darüber ungemut,
Daß sie verschmähen wollten · so reichen Königs Gut.
Da mußten sie empfahen · sein Gold und sein Gewand,
Daß sie es mit sich führten · heim in König Etzels Land.

Sie wollten Ute schauen · vor ihrer Wiederkehr.
Die Spielleute brachte · der junge Geiselher
Zu Hof vor seine Mutter · sie entbot der Königin,
Wenn man ihr Ehre biete · so bedünk' es sie Gewinn.

Da ließ die Königswitwe · ihre Borten und ihr Gold
Verteilen um Kriemhildens · denn der war sie hold,
Und König Etzels willen · an das Botenpaar.
Sie mochten's wohl empfahen · getreulich bot sie es dar.

Urlaub genommen hatten · nun von Weib und Mann
Die Boten Kriemhildens · sie fuhren wohl hindann
Bis zum Schwabenlande · dahin ließ Gernot
Seine Helden sie begleiten · daß sie nirgend litten Not.

Als die von ihnen schieden · die sie sollten pflegen,
Gab ihnen Etzels Herrschaft · Frieden auf den Wegen,
Daß ihnen niemand raubte · ihr Roß noch ihr Gewand.
Sie ritten sehr in Eile · in des König Etzels Land.

Wo sie Freunde wußten · da machten sie es kund,
In wenigen Tagen kämen · die Helden von Burgund
Vom Rhein hergezogen · in der Heunen Land.
Pilgerin, dem Bischof · ward auch die Märe bekannt.

Als sie vor Bechlaren · die Straße niederzogen,
Da ward um die Märe · Rüdger nicht betrogen,
Noch Frau Gotelinde · die Markgräfin hehr.
Daß sie sie schauen sollten · des freuten beide sich sehr.

Die Spielleute spornten · die Rosse mächtig an.
Sie fanden König Etzeln · in seiner Stadt zu Gran.
Gruß über Grüße · die man ihm her entbot,
Brachten sie dem Könige · vor Liebe ward er freudenrot.

Als Kriemhild der Königin · die Märe ward bekannt,
Ihre Brüder wollten · kommen in ihr Land,
Da ward ihr wohl zumute · sie gab den Boten Lohn
Mit reichlichen Geschenken · sie hatte Ehre davon.

Sie sprach: »Nun sagt mir beide · Werbel und Schwemmelein,
Wer will von meinen Freunden · beim Hofgelage sein,
Von den höchsten, die wir luden · hieher in dieses Land?
Sagt an, was sprach wohl Hagen · als ihm die Märe ward bekannt?«

»Er kam zu ihrem Rate · an einem Morgen früh;
Wenig gute Sprüche · redet' er dazu,
Als sie die Fahrt gelobten · nach dem Heunenland:
Die hat der grimme Hagen · die Todesreise genannt.

»Es kommen eure Brüder · die Kön'ge alle drei,
In herrlichem Mute · Wer mehr mit ihnen sei,
Darüber ich des weitern · euch nicht bescheiden kann.
Es will mit ihnen reiten · Volker der kühne Fiedelmann.«

»Des mag ich leicht entbehren« · sprach die Königin,
»Daß ich auch Volkern sähe · her zu Hofe ziehn;
Hagen bin ich gewogen · der ist ein Degen gut:
Daß wir ihn schauen sollen · des hab' ich fröhlichen Mut.«

Hin ging die Königstochter · wo sie den König sah.
Wie minnigliche Worte · sprach Frau Kriemhild da:
»Wie gefallen euch die Mären · viellieber Herre mein?
Wes mich je verlangte · das soll nun bald vollendet sein.«

»Dein Will' ist meine Freude« · der König sprach da so:
»Ich war' der eignen Freunde · nicht so von Herzen froh,
Wenn sie kommen sollten · hieher in unser Land.
Durch deiner Freunde Liebe · viel meiner Sorge verschwand.«

Des Königs Amtleute · befahlen überall
Mit Gestühl zu schmücken · Pallas und Saal
Für die lieben Gäste · die da sollten kommen.
Durch die ward bald dem König · viel hoher Freude benommen.

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