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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 13
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typepoem
authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
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Dreizehntes Abenteuer

Wie sie zum Hofgelage fuhren

All ihr Bemühen · lassen wir nun sein
Und sagen, wie Frau Kriemhild · und ihre Mägdelein
Hin zum Rheine fuhren · von Nibelungenland.
Niemals trugen Rosse · so viel herrlich Gewand.

Viel Saumschreine wurden · versendet auf den Wegen.
Da ritt mit seinen Freunden · Siegfried der Degen
Und die Königstochter · in hoher Freuden Wahn;
Da war es ihnen allen · zu großem Leide getan.

Sie ließen in der Heimat · Siegfrieds Kindelein
Und Kriemhildens bleiben · das mußte wohl so sein.
Aus ihrer Hofreise · erwuchs ihm viel Beschwer:
Seinen Vater, seine Mutter · ersah das Kindlein nimmermehr.

Mit ihnen ritt von dannen · Siegmund der König hehr.
Hätt' er ahnen können · wie es ihm nachher
Beim Hofgelag' erginge · er hätt' es nicht gesehn:
Ihm könnt' an lieben Freunden · größer Leid nicht geschehn.

Vorausgesandte Boten · verhießen sie bei Zeit.
Entgegen ritten ihnen · in herrlichem Geleit
Von Utens Freunden viele · und König Gunthers Lehn.
Der Wirt ließ großen Eifer · für die lieben Gäste sehn.

Er ging zu Brunhilden · wo er sie sitzen fand:
»Wie empfing euch meine Schwester · da ihr kämet in dies Land?
So will ich, daß ihr Siegfrieds · Gemahl empfangen sollt.«
»Das tu ich,« sprach sie, »gerne · ich bin ihr billiglich hold.«

Da sprach der mächtige König · »Sie kommen morgen früh;
Wollt ihr sie empfangen · so greift nur bald dazu,
Daß sie uns in der Veste · nicht überraschen hie:
Mir sind so liebe Gäste · nicht oft gekommen wie sie.«

Ihre Mägdelein und Frauen · ließ sie da zur Hand
Gute Kleider suchen · die besten, die man fand,
Die ihr Ingesinde · vor Gästen mochte tragen.
Da taten sie doch gerne · das mag man für Wahrheit sagen.

Sie zu empfangen eilten · auch die in Gunthers Lehn;
All seine Recken · hieß er mit sich gehn.
Da ritt die Königstochter · hinweg in stolzem Zug.
Die lieben Gäste grüßte · sie alle freudig genug.

Mit wie hoher Freude · da empfing man sie!
Sie dauchte, daß Frau Kriemhild · Brunhilden nie
So wohl empfangen habe · in Burgundenland.
Allen, die es sahen · war hohe Wonne bekannt.

Nun war auch Siegfried kommen · mit seiner Leute Heer.
Da sah man die Helden · sich wenden hin und her
Im Feld allenthalben · mit ungezählten Scharen.
Vor Staub und Drängen konnte · sich da niemand bewahren.

Als der Wirt des Landes · Siegfrieden sah
Und Siegmund den König · wie gütlich sprach er da:
»Nun seid mir hochwillkommen · und all den Freunden mein;
Wir wollen hohen Mutes · ob eurer Hofreise sein.«

»Nun lohn' euch Gott,« sprach Siegmund · der ehrbegier'ge Mann.
»Seit mein Sohn Siegfried · euch zum Freund gewann,
Riet mir all mein Sinnen · wie ich euch möchte sehn.«
Da sprach der König Gunther · »nun freut mich, daß es geschehn.«

Siegfried ward empfangen · wie man das wohl gesollt,
Mit viel großen Ehren · ein jeder ward ihm hold.
Des half mit Rittersitten · Gernot und Geiselher;
Ich glaub', man bot es Gästen · so gütlich wohl nimmermehr.

Nun konnten sich einander · die Königinnen schaun.
Da sah man Sättel leeren · und viel der schönen Fraun
Von der Helden Händen · gehoben auf das Gras:
Wer gerne Frauen diente · wie selten der da müßig saß!

Da gingen zueinander · die Frauen minniglich.
Darüber höchlich freuten · viel der Ritter sich,
Daß der beiden Grüßen · so schön war zu sehn.
Man sah da manchen Recken · bei den Jungfrauen stehn

Das herrliche Gesinde · nahm sich bei der Hand;
Züchtiglich sich neigen · man allerorten fand
Und minniglich sich küssen · viel Frauen wohlgetan.
Das sahen gerne Gunthers · und Siegfrieds Mannen mit an.

Sie säumten da nicht länger · und ritten nach der Stadt.
Der Wirt seinen Gästen · zu erweisen bat,
Daß man sie gerne sähe · in der Burgunden Land.
Manches schöne Kampfspiel · man vor den Jungfrauen fand.

Da ließ von Tronje Hagen · und auch Ortewein,
Wie sie gewaltig waren · wohl offenkundig sein.
Was sie gebieten mochten · das ward alsbald getan.
Man sah die lieben Gäste · viel Dienst von ihnen empfahn.

Man hörte Schilde hallen · vor der Veste Tor
Von Stichen und von Stößen · Lange hielt davor
Der Wirt mit seinen Gästen · bis alle waren drin.
In mancher Kurzweil gingen · ihnen schnell die Stunden hin.

Vor den weiten Gästesaal · sie nun in Freuden ritten.
Viel kunstvolle Decken · reich und wohlgeschnitten,
Sah man von den Sätteln · den Frauen wohlgetan
Allenthalben hangen · da kamen Diener heran.

Zu Gemache wiesen · sie die Gäste da
Hin und wieder blicken · man Brunhilden sah
Nach Kriemhild der Frauen · schön war sie genug:
Den Glanz noch vor dem Golde · ihre hehre Farbe trug.

Da vernahm man allenthalben · zu Worms in der Stadt
Den Jubel des Gesindes · König Gunther bat
Dankwart, seinen Marschall · es wohl zu verpflegen:
Da ließ er die Gäste · in gute Herbergen legen.

Draußen und darinnen · beköstigte man sie:
So wohl gewartet wurde · fremder Gäste nie.
Was einer wünschen mochte · das war ihm gern gewährt:
So reich war der König · es blieb keinem was verwehrt.

Man dient' ihnen freundlich · und ohn' allen Haß.
Der König zu Tische · mit seinen Gästen saß;
Siegfrieden ließ man sitzen · wie er sonst getan.
Mit ihm ging zu Tische · gar mancher waidliche Mann.

Zwölfhundert Recken · setzten sich dahin
Mit ihm an der Tafel · Brunhild die Königin
Gedachte, wie ein Dienstmann · nicht reicher möge sein.
Noch war sie ihm günstig · sie ließ ihn gerne gedeihn.

Es war an einem Abend · da so der König saß,
Viele reiche Kleider wurden · da vom Weine naß,
Als die Schenken sollten · zu den Tischen gehn:
Da sah man volle Dienste · mit großem Fleiße geschehn.

Wie bei Hofgelagen · Sitte mochte sein,
Ließ man zur Ruh geleiten · Fraun und Mägdelein.
Von wannen wer gekommen · der Wirt ihm Sorge trug;
In gütlichen Ehren · gab man Allen genug.

Die Nacht war zu Ende · sich hob des Tages Schein;
Aus den Saumschreinen · mancher Edelstein
Erglänzt' auf gutem Kleide · das schuf der Frauen Hand.
Aus der Lade suchten sie · manches herrliche Gewand.

Eh' es noch völlig tagte · kamen vor den Saal
Ritter viel und Knechte · da hob sich wieder Schall
Vor einer Frühmesse · die man dem König sang.
So ritten junge Helden · der König sagt' ihnen Dank.

Da klangen die Posaunen · von manchem kräft'gen Stoß;
Von Flöten und Drommeten · ward der Schall so groß,
Worms die weite Veste · gab lauten Widerhall.
Auf die Rosse sprangen · die kühnen Helden überall.

Da hob sich in dem Lande · ein hohes Ritterspiel
Von manchem guten Recken · man fand ihrer viel,
Deren junge Herzen · füllte froher Mut;
Unter Schilden sah man · manchen zieren Ritter gut.

Da ließen in den Fenstern · die herrlichen Fraun
Und viel der schönen Maide · sich im Schmucke schaun.
Sie sahen kurzweilen · manchen kühnen Mann;
Der Wirt mit seinen Freunden · zu reiten selber begann.

So vertrieben sie die Weile · die dauchte sie nicht lang.
Da lud zu dem Dome · mancher Glocke Klang:
Den Frauen kamen Rosse · da ritten sie hindann;
Den edeln Königinnen · folgte mancher kühne Mann.

Sie stiegen vor dem Münster · nieder auf das Gras.
Noch hegte zu den Gästen · Brunhild keinen Haß.
Sie gingen unter Krone · in das Münster weit.
Bald schied sich diese Liebe · das wirkte grimmiger Neid.

Als die Messe war gesungen · sah man sie weiter ziehn
Unter hohen Ehren · sie gingen heiter hin
Zu des Königs Tischen · ihre Freude nicht erlag
Bei diesen Lustbarkeiten · bis gegen den eilften Tag.

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