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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 12
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authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
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Zwölftes Abenteuer

Wie Gunther Siegfrieden zum Hofgelage lud

Da dacht' auch alle Tage · Brunhild die Königin:
»Wie trägt nur Frau Kriemhild · so übermüt'gen Sinn?
Nun ist doch unser Eigen · Siegfried ihr Mann:
Der hat uns nun schon lange · wenig Dienste getan.«

Das trug sie im Herzen · in großer Heimlichkeit;
Daß sie ihr fremde blieben · das war ihr bitter leid,
Daß man ihr Dienst so selten · entbot von Siegfrieds Land,
Woher das wohl käme · das hätte gern sie erkannt.

Sie versucht' es bei dem König · ob es nicht geschehn
Möchte, daß sie Kriemhild · noch sollte wiedersehn.
Sie vertraut' ihm heimlich · worauf ihr sann der Mut;
Da dauchte den König · der Frauen Rede nicht gut.

»Wie können wir sie bringen« · sprach der König hehr,
»Her zu diesem Lande? · das fügt sich nimmermehr.
Sie wohnen uns zu ferne · ich darf sie nicht drum bitten.«
Da gab ihm Brunhild Antwort · mit gar hochfährt'gen Sitten:

»Und wäre noch so mächtig · eines Königs Mann,
Was ihm sein Herr gebietet · daß muß doch sein getan.«
Lächeln mußte Gunther · ihrer Rede da:
Er nahm es nicht als Dienst an · wenn er Siegfrieden sah.

Sie sprach: »Lieber Herre · bei der Liebe mein,
Hilf mir, daß Siegfried · und die Schwester dein
Zu diesem Lande kommen · und wir sie hier ersehn:
So könnte mir auf Erden · nimmer lieber geschehn.

»Deiner Schwester Güte · und ihr wohlgezogner Mut,
Wenn ich daran gedenke · wie wohl mir's immer tut,
Wie wir beisammen saßen · als ich dir ward vermählt!
Sie hat sich mit Ehren · den kühnen Siegfried erwählt.«

Da bat sie ihn so lange · bis der König sprach:
»Nun wißt, daß ich Gäste · nicht lieber sehen mag.
Ihr mögt mich leicht erbitten · ich will die Boten mein
Zu ihnen beiden senden · daß sie kommen an den Rhein.«

Da sprach die Königstochter · »So sollt ihr mir sagen,
Wann ihr sie wollt besenden · oder zu welchen Tagen
Die lieben Freunde sollen · kommen in dies Land;
Die ihr dahin wollt senden · die macht zuvor mir bekannt.«

»Das will ich,« sprach der König · »Dreißig aus meinem Lehn
Laß ich zu ihnen reiten« · Die hieß er vor sich gehn:
Durch sie entbot er Märe · in Siegfriedens Land.
Da beschenkte sie Frau Brunhild · mit manchem reichen Gewand.

Da sprach der König Gunther · »Ihr Recken sollt von mir sagen
Und nichts von dem verschweigen · was ich euch aufgetragen,
Siegfried dem starken · und der Schwester mein,
Ihnen dürf' auf Erden · nimmer jemand holder sein.

»Und bittet, daß sie beide · uns kommen an den Rhein:
Dafür will ich und Brunhild · ihnen stets gewogen sein.
Vor dieser Sonnenwende · soll er hier manchen sehn,
Er und seine Mannen · die ihm Ehre lassen geschehn.

»Vermeldet auch dem König · Siegmund die Dienste mein,
Daß ich und meine Freunde · ihm stets gewogen sei'n,
Und bittet meine Schwester · daß sie's nicht unterläßt
Und zu den Freunden reitet · nie ziemt' ihr so ein Freudenfest.«

Brunhild und Ute · und was man Frauen fand,
Die entboten ihre Dienste · in Siegfriedens Land
Den minniglichen Frauen · und manchem kühnen Mann.
Nach Wunsch des Königs hoben · sich bald die Boten hindann.

Sie standen reisefertig · ihr Roß und ihr Gewand
War ihnen angekommen · da räumten sie das Land.
Sie eilten zu dem Ziele · dahin sie wollten fahren.
Der König hieß die Boten · durch Geleite wohl bewahren.

Sie kamen in drei Wochen · geritten in das Land,
Zu Nibelungens Veste · wohin man sie gesandt:
In der Mark zu Norweg · fanden sie den Degen:
Roß und Leute waren · müde von den langen Wegen.

Siegfried und Kriemhilden · war eilends hinterbracht,
Daß Ritter kommen wären · die trügen solche Tracht,
Wie bei den Burgunden · man trug der Sitte nach.
Sie sprang von einem Bette · darauf die Ruhende lag.

Zu einem Fenster ließ sie · eins ihrer Mägdlein gehn;
Die sah den kuhnen Gere · auf dem Hofe stehn,
Ihn und die Gefährten · die man dahin gesandt.
Ihr Herzeleid zu stillen · wie liebe Kunde sie fand!

Sie sprach zu dem Könige · »Seht ihr, wie sie stehn,
Die mit dem starken Gere · auf dem Hofe gehn,
Die uns mein Bruder Gunther · nieder schickt den Rhein.«
Da sprach der starke Siegfried · »Die sollen uns willkommen sein.«

All ihr Ingesinde · lief hin, wo man sie sah.
Jeder an seinem Teile · gütlich sprach er da
Das Beste, was er konnte · zu den Boten hehr,
Ihres Kommens freute · der König Siegmund sich sehr.

Herbergen ließ man Geren · und die ihm untertan
Und ihrer Rosse warten · Die Boten brachte man
Dahin, wo Herr Siegfried · bei Kriemhilden saß.
Man lud sie vor zu Hofe · darauf befolgten sie das.

Der Wirt mit seinem Weibe · erhob sich gleich zur Hand.
Wohl ward empfangen Gere · aus Burgundenland
Mit seinen Fahrtgenossen · aus König Gunthers Lehn.
Den Markgrafen Gere · bat man nicht länger zu stehn.

»Erlaubt uns die Botschaft · eh' wir uns setzen gehn;
Uns wegemüde Gäste · laßt uns so lange stehn,
So melden wir die Märe · die euch zu wissen tut
Gunther mit Brunhilden · es geht ihnen beiden gut;

»Und was euch Frau Ute · eure Mutter, her entbot,
Geiselher der junge · und auch Herr Gernot
Und eure nächsten Freunde · die haben uns gesandt
Und entbieten euch viel Dienste · aus der Burgunden Land.«

»Lohn' ihnen Gott,« sprach Siegfried · »ich versah zu ihnen wohl
Mich aller Lieb' und Treue · wie man zu Freunden soll.
So tut auch ihre Schwester · ihr sollt uns ferner sagen,
Ob unsre lieben Freunde · hohen Mut daheim noch tragen.

»Hat ihnen, seit wir schieden · jemand ein Leid getan,
Meiner Fraue Brüdern? · Das saget mir an.
Ich wollt' es ihnen immer · mit Treue helfen tragen,
Bis ihre Widersacher · meine Dienste müßten beklagen.«

Zur Antwort gab der Markgraf · Gere, ein Ritter gut:
»Sie sind in allen Züchten · in Wahrheit hochgemut.
Sie laden euch zum Rheine · zu einer Lustbarkeit.
Sie säh'n euch gar gerne · daß ihr des außer Zweifel seid,

»Und bitten meine Fraue · auch mit euch zu kommen.
Wenn nun der Winter · ein Ende hat genommen,
Vor dieser Sonnenwende · da möchten sie euch sehn.«
Da sprach der starke Siegfried · »Das könnte schwerlich geschehn.«

Da sprach wieder Gere · von Burgundenland:
»Eure Mutter Ute · hat euch sehr gemahnt
Mit Gernot und Geiselher · ihr sollt es nicht versagen.
Daß ihr so ferne wohnet · hör' ich sie täglich beklagen.

»Brunhild meine Herrin · und ihre Mägdelein
Freuen sich der Kunde · und könnt' es jemals sein,
Daß sie euch wiedersähen · ihnen schuf es hohen Mut.«
Da dauchten diese Mären · die schöne Kriemhilde gut.

Gere war ihr Vetter · der Wirt ihn sitzen hieß;
Den Gästen hieß er schenken · nicht länger man das ließ.
Da kam dazu auch Siegmund · als der die Boten sah,
Freundlich sprach der König · zu den Burgunden da:

»Willkommen uns, ihr Recken · in König Gunthers Lehn!
Da sich Kriemhilden · zum Weibe hat ersehn
Mein Sohn Siegfried · man sollt' euch öfter schaun
In diesem Lande, dürften wir · bei euch auf Freundschaft vertraun.«

Sie sprachen: wenn er wolle · sie würden gerne kommen.
Ihnen ward mit Freuden · die Müdigkeit benommen.
Man hieß die Boten sitzen · Speise man ihnen trug:
Deren schuf da Siegfried · seinen Gästen genug.

Sie mußten da verweilen · volle neun Tage.
Darob erhoben endlich · die schnellen Ritter Klage,
Daß sie nicht wieder reiten · durften in ihr Land.
Da hatt' auch König Siegfried · zu seinen Freunden gesandt:

Er fragte, was sie rieten · er solle nach dem Rhein.
»Es ließ mich entbieten · Gunther der Schwager mein,
Er und seine Brüder · zu einer Lustbarkeit:
Ich möcht' ihm gerne kommen · liegt gleich sein Land mir so weit.

»Sie bitten Kriemhilden · mit mir zu ziehn.
Nun ratet, liebe Freunde · wie kommen wir dahin?
Und sollt' ich heerfahren · durch dreißig Herren Land,
Gern dienstbereit erwiese · sich ihnen Siegfriedens Hand.«

Da sprachen seine Recken · »Steht euch zur Fahrt der Mut
Nach dem Hofgelage · wir raten, was ihr tut:
Ihr sollt mit tausend Recken · reiten an den Rhein:
So möget ihr wohl mit Ehren · bei den Burgunden sein.«

Da sprach von Niederlanden · der König Siegmund:
»Wollt ihr zum Hofgelage · was tut ihr mir's nicht kund?
Ich will mit euch reiten · wenn ihr's zufrieden seid;
Hundert Degen führ' ich · damit mehr' ich eur Geleit.«

»Wollt ihr mit uns reiten · lieber Vater mein«,
Sprach der kühne Siegfried · »des will ich fröhlich sein.
Binnen zwölf Tagen · räum' ich unser Land.«
Die sie begleiten sollten · denen gab man Ross' und Gewand.

Als dem edeln König · zur Reise stand der Mut,
Da ließ man wieder reiten · die schnellen Degen gut.
Seiner Frauen Brüdern · entbot er an den Rhein,
Daß er gerne wolle · bei ihrem Hofgelage sein.

Siegfried und Kriemhild · so hörten wir sagen,
Beschenkten so die Boten · es mochten es nicht tragen,
Die Pferde nach der Heimat · er war ein reicher Mann.
Ihre starken Säumer · trieb man zur Reise fröhlich an.

Da schuf dem Volke Kleider · Siegfried und Siegemund.
Eckewart der Markgraf · ließ da gleich zur Stund'
Frauenkleider suchen · die besten, die man fand
Und irgend mocht' erwerben · in Siegfriedens ganzem Land.

Die Sättel und die Schilde · man da bereiten ließ.
Den Rittern und den Frauen · die er sich folgen hieß,
Gab man, was sie wollten · nichts gebrach daran.
Er brachte seinen Freunden · manchen herrlichen Mann.

Nun wandten sich die Boten · zurück und eilten sehr.
Da kam zu den Burgunden · Gere, der Degen hehr,
Und wurde schön empfangen · sie schwangen sich zutal
Von Rossen und von Mähren · dort vor König Gunthers Saal.

Die Jungen und die Alten · kamen, wie man tut,
Und fragten nach der Märe · Da sprach der Ritter gut:
»Wenn ich's dem König sage · wird es auch euch bekannt.«
Er ging mit den Gesellen · dahin, wo er Gunthern fand.

Der König vor großer Freude · von dem Sessel sprang;
Daß sie so bald gekommen · sagt' ihnen Dank
Brunhild die schöne · Zu den Boten sprach er da:
»Wie gehabt sich Siegfried · von dem mir Liebe viel geschah?«

Da sprach der kühne Gere · »Er ward vor Freuden rot,
Er und eure Schwester · So holde Mär' entbot
Seinen Freunden nimmer · noch zuvor ein Mann,
Als euch der edle Siegfried · und sein Vater hat getan.«

Da sprach zum Markgrafen · des reichen Königs Weib:
»Nun sagt mir, kommt uns Kriemhild? · Hat noch ihr schöner Leib
Die hohe Zier behalten · deren sie mochte pflegen?«
»Sie wird euch sicher kommen« · so sprach da Gere der Degen.

Ute ließ die Boten · alsbald vor sich gehn.
Da war's an ihrem Fragen · leichtlich zu verstehn,
Was sie zu wissen wünsche · »War Kriemhild noch wohlauf?«
Er gab Bescheid, sie käm' auch · nach kurzer Tage Verlauf.

Da blieb auch nicht verhohlen · am Hof der Botensold,
Den ihnen Siegfried schenkte · die Kleider und das Gold:
Die ließ man alle schauen · in der drei Fürsten Lehn.
Da mußten sie ihm Ehre · wohl für Milde zugestehn.

»Er mag,« sprach da Hagen · »mit vollen Händen geben:
Er könnt' es nicht verschwenden · und sollt' er ewig leben.
Den Hort der Nibelungen · beschließt des Königs Hand;
Hei! daß der jemals käme · her in der Burgunden Land!«

Da freuten sich die Degen · am Hof im voraus,
Daß sie kommen sollten · Beflissen überaus
Sah man spät und frühe · die in der Kön'ge Lehn.
Großes Heergestühle · ließ man vor der Burg erstehn.

Hunold der kühne · und Sindold der Degen
Hatten wenig Muße · des Amtes mußte pflegen
Truchseß auch und Schenke · und richten manche Bank;
Auch Ortwein war behülflich · des sagt' ihnen Gunther Dank.

Rumold der Küchenmeister · wie herrscht' er in der Zeit
Ob seinen Untertanen! · Gar manchen Kessel weit,
Häfen und Pfannen · hei! was man deren fand!
Denen ward da Kost bereitet · die da kamen in das Land.

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