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Das Mondtal

Jack London: Das Mondtal - Kapitel 6
Quellenangabe
authorJack London
titleDas Mondtal
publisherUniversitas
year1929
translatorErwin Magnus
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Vier große Ereignisse trafen im Laufe des Winters ein. Bert und Mary heirateten und mieteten ein Häuschen in der Nähe von Saxon und Billy. Billys Wochenlohn wurde wie alle andern Fuhrmannslöhne in Oakland herabgesetzt. Billy begann einen Rasierapparat zu benutzen. Und endlich hatte Saxon sich als schlechte Prophetin erwiesen und Sarah als eine gute. Saxon wollte ihrer Sache erst ganz sicher sein, ehe sie es Billy erzählte. Anfangs, als es nur ein Verdacht war, hatte sie sich bei dem Gedanken an das Neue, Unbekannte nicht von einer gewissen Unruhe und Angst befreien können. Dann hatten sich wirtschaftliche Sorgen gemeldet, und sie dachte an die unumgängliche Folge: vermehrte Ausgaben. Als sie aber allmählich ihrer Sache ganz sicher wurde, spülte eine warme Freudenwoge alle Sorgen fort. Ihr und Billys Kind! Der Satz tauchte immer wieder in ihren Gedanken auf, und jedesmal gab es ihr vor Freude einen Stich im Herzen.

An dem Abend, als sie Billy die große Neuigkeit mitteilte, hielt er zurück, was er ihr von der Lohnherabsetzung hatte erzählen wollen, und war ebenso glücklich über das kleine Wesen, das bald kommen sollte.

»Was machen wir? Gehen wir zur Feier des Tages ins Theater?« fragte er, und seine Arme, die sie so hart gepreßt hatten, lockerten sich so weit, daß sie antworten konnte. »Oder wollen wir zu Hause bleiben, nur du und ich und – und wir drei?«

»Laß uns zu Hause bleiben«, erklärte sie. »Du sollst mich nur festhalten und immer festhalten.«

Es lag Frost in der Luft, und Billy holte den großen Sessel und stellte ihn vor den Herd. Saxon kuschelte sich hinein, den Kopf an seiner Schulter, und er drückte ihre Wange an sein Haar.

»Wir haben doch nicht falsch gehandelt, daß wir uns heirateten, als wir uns erst eine Woche kannten«, sagte er nachdenklich. »Ja, weißt du, Saxon, wir sind beinahe verliebter ineinander als in der ersten Zeit – und jetzt – – lieber Gott, Saxon, es ist fast zu herrlich, um wahr zu sein. Der kleine Spitzbube! Ich möchte darauf wetten, daß es ein Junge wird! Und du kannst darauf schwören, daß ich ihn lehren will, seine Fäuste zu gebrauchen und sich durchzuschlagen. Und Schwimmen soll er auch lernen. Wenn er nicht schwimmen kann, ehe er sechs –«

»Aber wenn er nun ein Mädchen wird?«

»Sie muß ein Junge sein«, antwortete Billy.

Sie lachten beide, küßten sich und seufzten vor Zufriedenheit.

»Und jetzt werde ich das Geld festhalten«, erklärte er, als sie eine Weile in tiefe Gedanken versunken dagesessen hatten. »Keine Runde mehr für die Kameraden! Nein, jetzt halten wir uns an den Wasserwagen. Und der Tabak wird auch ein bißchen herabgesetzt. Hm, warum sollte ich mir nicht selbst meine Zigaretten drehen können? Das ist zehnmal billiger, als wenn man fertige kauft. Ich kann mir auch den Bart stehen lassen. Es ist eine Menge Geld, die der Barbier im Jahre aus einem herauszieht. Ja, für die Summe kann man sich direkt ein Kind halten.«

»Wenn Sie sich den Bart stehenlassen, Herr Roberts, lasse ich mich von Ihnen scheiden«, drohte Saxon. »Du bist so hübsch mit einem glattrasierten Gesicht. Ich liebe dein Gesicht zu sehr, als daß ich es mir verdecken lassen wollte. Oh, mein lieber, lieber Billy! Ich habe nie gewußt, was Glück ist, ehe wir heirateten.«

»Ich auch nicht.«

»Und so soll es bleiben, nicht wahr?«

»Darauf kannst du Gift nehmen«, versicherte er.

Und Billy verschwieg ihr hartnäckig die Lohnherabsetzung. Erst zwei Wochen später, als sie in Kraft trat, und er ihr die verminderte Summe in den Schoß schüttete, erzählte er ihr den Zusammenhang. Am nächsten Tage kamen Bert und Mary, die jetzt schon einen Monat verheiratet waren, zum Mittagessen und sprachen davon. Bert war sehr pessimistisch und machte unheilverkündende Andeutungen von einem bevorstehenden Eisenbahnerstreik.

»Wenn ihr nur den Mund halten wolltet«, sagte Mary scharf, »so würde alles gut gehen. Aber die Gewerkschaftsagitatoren machen die Eisenbahner ganz wild. Es ist direkt, um Krämpfe zu kriegen – wie sie die Leute aufputschen. Wenn ich Chef wäre, würde ich allen, die sie anhörten, die Löhne herabsetzen.«

»Aber du bist doch selbst Mitglied der Plätterinnengewerkschaft«, sagte Saxon mit mildem Vorwurf.

»Ja, weil ich mußte – wenn ich Arbeit haben wollte.«

»Aber sieh doch, Billy«, fuhr Bert fort. »Die Fuhrleute haben nicht gemuckst, alles sieht schön und herrlich aus, und da, bums, auf einmal eine Herabsetzung von zehn Prozent. Zum Kuckuck, welche Möglichkeiten haben wir? Wir verlieren. Es ist kein Platz für uns in dem Land, das wir und unsere Väter und Mütter für uns geschaffen haben. Wir werden zerquetscht – und dabei sind wir der alte Stamm, Söhne und Töchter der weißen Leute, die sich von England losrissen, die die Sklaven befreiten, mit den Indianern kämpften und den ganzen Westen machten.«

»Aber was sollen wir denn dabei machen?« fragte Saxon besorgt.

»Kämpfen. Das ist alles. Das Land ist in den Händen einer Räuberbande. Seht die Süd-Pazifik-Bahn. Die regiert ganz Kalifornien.«

»Ach Unsinn, Bert«, fiel Billy ihm ins Wort. »Du läufst mit halbem Wind. Die Eisenbahn kann doch nicht Kalifornien regieren.«

»Du bist ein Esel«, sagte Bert spöttisch. »Und eines Tages, wenn es zu spät ist, werden du und die andern Esel das erkennen. Es ist faul, sage ich dir. Es stinkt! Ja, wahrhaftig – jeder, der in das Parlament hinein will, muß nach San Franzisko fahren, auf dem Kontor der Süd-Pazifik antreten und demütig um Erlaubnis bitten. Ich sage euch, die Gouverneure von Kalifornien sind Direktoren der Eisenbahn gewesen und das schon, ehe du und ich geboren waren. Hu! Du kannst mir nicht widersprechen. Wir sind erledigt. Aber ich möchte gern helfen, einige von den dreckigen Dieben aufzuhängen, ehe ich selber flötengehe. Wißt ihr, was wir sind? Wir, der alte weiße Stamm, der im Kriege kämpfte, das Land schuf und es zu dem machte, was es ist? Soll ich es euch sagen? Wir sind die letzten Mohikaner.«

»Er ängstigt mich zu Tode mit seiner Heftigkeit«, sagte Mary mit einer Bitterkeit, die sie nicht zu verbergen suchte. »Es endet noch damit, daß er aus der Werkstatt rausgeschmissen wird. Und was sollen wir dann tun? An mich denkt er überhaupt nicht. Aber eines sage ich euch, und das ist mein Ernst. In die Plätterei gehe ich nicht wieder.«

»Ach, ich weiß, wo du hinwillst«, sagte Bert hart. »Und das sage ich dir nur, ob ich lebendig oder tot bin, ob ich Arbeit habe oder nicht, ja, und wie es mir auch geht – wenn du den Weg gehst, ist es aus.«

»Na, ich hab' mich doch brav gehalten, bis ich dich traf«, antwortete sie und warf den Kopf zurück. »Und seit ich dich traf, habe ich mich auch brav gehalten, und das will nicht wenig sagen.«

Bert wollte heftig antworten, aber Saxon legte sich ins Mittel und stiftete Frieden. Sie hatte große Angst, wie es den beiden in ihrer Ehe gehen sollte. Beide hatten ein sehr hitziges Temperament, beide waren heftig und reizbar. Und ihre ewigen Streitereien prophezeiten nichts Gutes für die Zukunft. –

Der Rasierapparat war eine der großen Taten Saxons. Sie beriet sich im geheimen mit einem Bekannten, einem Kommis in Pierces Eisenhandlung, und kaufte dann den Apparat. Als Billy am Sonntagmorgen nach dem Frühstück zum Barbier gehen wollte, führte sie ihn ins Schlafzimmer, zog hastig ein Handtuch beiseite und zeigte ihm Rasierapparat, Becken, Seife, Pinsel und Wasser – alles gebrauchsfertig. Billy trat ein paar Schritt zurück, begann dann aber alles neugierig zu untersuchen. Er sah den Rasierapparat mitleidig an.

»Hm, und das nennt man eine Männerwaffe!«

»Tausende von Männern gebrauchen das täglich!«

Aber Billy schüttelte den Kopf und wandte sich ab.

»Du läßt dich dreimal wöchentlich rasieren«, sagte sie eindringlich. »Das macht fünfundvierzig Cent, sagen wir, einen halben Dollar die Woche, und das Jahr hat zweiundfünfzig Wochen. Sechsundzwanzig Dollar jährlich für Rasieren. Komm jetzt, mein Freund, und versuch ihn. Zahllose Männer schwören darauf.«

Er schüttelte den Kopf, und in der Tiefe seiner Augen, wo die Wolken immer kamen und gingen, zog es zum Sturm auf. Sie liebte den verdrossenen Ausdruck, der ihn so hübsch und jungenhaft machte, und sie küßte ihn lächelnd, worauf sie ihn auf den Stuhl niederzwang, ihm den Rock auszog und Hemd und Sweater öffnete.

Und mit der Drohung: »Wenn du den Mund aufmachst, kriegst du es direkt in den Hals«, begann sie ihn einzuseifen.

»So«, sagte sie, als sie ihm das Gesicht gründlich eingeseift hatte. »Jetzt kannst du anfangen; aber bilde dir nicht ein, daß ich das immer für dich tue.«

Halb im Ernst, halb im Scherz eifrig protestierend, ließ er den Apparat ein paarmal über das Kinn gleiten.

Dann fuhr er heftig zusammen und rief:

»Heiliger Bimbam!«

Er untersuchte sein Gesicht im Spiegel, und mitten im Seifenschaum kamen ein paar Tropfen Blut zum Vorschein.

»Ich habe mich geschnitten, und das mit einem Rasierapparat! Und auf sowas schwören die Leute!«

»Wart einen Augenblick!« flehte Saxon. »Er muß eingestellt werden. Das sagte mir der Kommis selber. Sieh die kleine Schraube hier. So – so ist es richtig. Dreh sie ein bißchen.«

Billy führte wieder den Apparat über sein Kinn. Als er es ein paarmal getan hatte, untersuchte er sich im Spiegel, grinste und rasierte weiter. Schnell und gewandt kratzte er sich den Seifenschaum vom Gesicht. Saxon klatschte in die Hände.

»Großartig!« sagte Billy begeistert. »Großartig. Gib deine Hand – da sollst du sehen, wie es geht.«

Er rieb ihre Hand an seinem Kinn. Mit einem kleinen Schrei riß Saxon sich los und begann, ihn kritisch zu untersuchen.

»Aber er hat ja gar nichts abgenommen«, sagte sie.

»Die Geschichte ist Schwindel; er schabt die Haut, aber nicht den Bart ab. Ich bitte um einen Barbier.«

Aber Saxon wollte sich nicht geschlagen geben. »Du hast es noch nicht richtig gemacht. Er ist zu stark angeschraubt. Laß mich versuchen. So – halbwegs. So, jetzt seif dich wieder ein und versuch es noch einmal.«

Diesmal konnten sie deutlich ein kratzendes Geräusch wie von Sandpapier hören – es waren die Bartstoppeln, die abgeschnitten wurden.

»Wie geht es jetzt?« fragte sie besorgt.

»Er nimmt – au – das Haar weg«, grunzte Billy, während er die Stirn runzelte und eine Grimasse schnitt. »Aber – au – es reißt wie der Teufel – au!«

»Nur weiter«, ermunterte sie ihn. »Gib nicht gleich den Kampf auf, du großer Indianer. Denk an das, was Bert sagte, und tu, als seist du der letzte Mohikaner.«

Eine Viertelstunde später wusch er sich die Seife vom Gesicht und trocknete sich mit einem Seufzer der Erleichterung ab.

»Das ist selbstverständlich auch eine Art, sich zu rasieren, Saxon, aber ich kann nicht sagen, daß ich gerade begeistert bin.«

Dann stöhnte er laut, als dächte er an ein neues Unglück.

»Was ist jetzt los?« fragte sie.

»Mein Nacken. Wie kann ich mich im Nacken rasieren?«

Saxons Bestürzung war direkt tragisch; aber sie dauerte nur einen Augenblick. Dann nahm sie selbst den Pinsel in die Hand.

»Setz dich, Billy.«

»Wie? – Willst du es tun?« fragte er bestürzt.

»Ja eben! Wenn irgendein Barbier gut genug ist, dich im Nacken zu rasieren, so kann ich es auch.«

Billy ergab sich stöhnend und seufzend auf Gnade und Ungnade und ließ sie tun, was sie wollte.

»So, jetzt ist es gut«, sagte sie, als sie fertig war. »Es ist kinderleicht. Und außerdem bedeutet es sechsundzwanzig Dollar jährlich. Dafür kann man ein Kinderbett und einen Kinderwagen und eine ganze Menge anderer Dinge bekommen. So, sitz noch ein bißchen still.«

Sie wusch und trocknete ihm den Hals und puderte ihn zuletzt mit Talkum.

»Jetzt bist du so fein und hübsch wie ein kleines Kind, mein süßer Billy.«

Die unerwartete Berührung ihrer Lippen, die sich in einem langen Kuß auf seinen Nacken preßten, ließ ihn sich wie in Schmerzen winden, aber wenn seine Gefühle auch sehr gemischt waren, so waren sie doch keineswegs direkt unangenehm.

Zwei Tage darauf ließ er sich wieder von Saxon beim Rasieren helfen, wenn er sich auch in der Zwischenzeit geschworen hatte, daß er nichts mehr mit der Höllenmaschine zu tun haben wollte. Diesmal ging es schon leichter.

»Das ist gar nicht so schlecht«, räumte er ein. »Ich komme der Geschichte auf die Spur. Es liegt alles am Regulieren. Man kann sich so fein rasieren, wie man will. Das kann ein Barbier nicht. Ab und zu schneidet er mich doch.«

Von jetzt an machte er eifrig Proselyten für den Rasierapparat. Er konnte Berts Besuch nicht abwarten, sondern schleppte den Apparat in sein Haus, um ihn ihm zu zeigen.

»Wir sind ein paar schöne Idioten gewesen, Bert, all die Jahre, die wir uns in den Barbierstuben allen möglichen Krankheiten ausgesetzt haben. Sieh mal her. Sieh, wie das geht. Weich wie Seide. Leicht wie gar nichts. Sechs Minuten nach der Uhr. Kannst du es besser? Wenn ich erst richtige Übung habe, mache ich es in drei. Man kann im Dunkeln damit arbeiten. Man kann sich einfach gar nicht schneiden, selbst wenn man es möchte. Und ich spare sechsundzwanzig Dollar im Jahr damit. Saxon hat es selbst ausgerechnet, und sie versteht sich darauf, sage ich dir.«

 

Die Handelsverbindung zwischen Saxon und Mercedes entwickelte sich immer mehr. Mercedes konnte offenbar jede feine Handarbeit verkaufen, die Saxon ihr lieferte, und Saxon war froh und glücklich über ihre Arbeit. Das Kind, das sie erwartete, und Billys herabgesetzter Lohn ließen sie mehr über die wirtschaftliche Grundlage ihrer Existenz nachdenken. Es wurde zu wenig Geld auf die Sparkasse gebracht, und sie fühlte Gewissensbisse, wenn sie daran dachte, wieviel sie für die kleinen Bedürfnisse des Hauses und ihrer Person opferte. Dazu war es das erstemal, daß sie das Geld eines andern verbrauchte. Seit ihrer frühesten Jugend war sie gewohnt gewesen, nur ihr eigenes Geld zu verbrauchen, und jetzt hatte sie dank Mercedes wieder Geld zur Verfügung und konnte sich von ihrem Verdienst noch teurere und herrlichere Wäsche leisten.

Mercedes machte Vorschläge, und Saxon verfertigte die hübschen Dinge aus leichten Stoffen und Spitzen, zuweilen sogar mit gewissen Verbesserungen, die sie selbst erfand. Sie nähte feine Batisthemden mit ihren eigenen feinen Spitzen und französischer Stickerei auf Brust und Schultern; sie verfertigte handgenähte Kombinations, auch aus Batist, und Nachthemden, so leicht und fein wie Spinnweben, gestickt und mit Besatz aus irischen Spitzen. Auf Mercedes' Vorschlag nähte sie ferner ein ganz entzückendes, sehr kompliziertes Morgenhäubchen, für das die alte Frau ihr zwölf Dollar bezahlte.

Sie war glücklich und arbeitete jeden Augenblick des Tages eifrig, und auch die Ausstattung des Kindes wurde nicht versäumt. Die einzigen Kleidungsstücke, die sie fertig kaufte, waren drei feine kleine Strickjacken. Alles andere verfertigte sie mit eigenen Händen – kleine Windeln versah sie mit Hexenstich, sie strickte ein Jäckchen und ein Häubchen und Fäustlinge, nähte Mützchen, glatte Prinzeßkleidchen von sehr vernünftiger Länge, Hemdchen mit winzigen Passen, mit Seide gestickte Flanellröcke; sie strickte Strümpfe und häkelte Schuhe, die sie bei der Arbeit ausgefüllt sah von den kleinen unruhigen, rosigen Zehen und den runden Schenkelchen, und verfertigte schließlich viele herrliche, weiche, viereckige Mullstücke. Etwas später lieferte sie ihr Meisterstück, ein Mäntelchen aus weißer Seide mit Stickerei. Wenn sie sich aber recht bedachte, wußte sie gut, daß die Liebe, die sie in alles einnähte, eher Billy gehörte als diesem verschwommenen, unfaßbaren kleinen neuen Leben, das sich trotz all ihren Versuchen, es vor sich zu sehen, doch nie fassen lassen wollte.

»Hm«, sagte Billy, als er die ganze Garderobe des kleinen Geschöpfes untersucht hatte und auf die gestrickten Jäckchen zurückkam, »die sehen mehr als alles nach einem richtigen Jungen aus. Ich kann ihn schon in richtigem Männerzeug sehen.«

Saxon, deren Augen sich plötzlich mit Freudentränen füllten, drückte eines der Jäckchen an seine Lippen. Er küßte es feierlich, aber sein Blick ruhte in dem Saxons.

Saxons Wohlstand sollte jedoch bald aufhören, und zwar auf eine sehr traurige und demütigende Art. Eines Tages, als eines der großen Warenhäuser Ausverkauf hatte, fuhr sie über die Bucht nach San Franzisko, um Einkäufe zu machen. Als sie durch die Sutter Street ging, wurde ihr Blick von einigen Waren gefesselt, die in einem kleinen Ladenfenster ausgestellt waren. Sie wollte zuerst ihren Augen nicht trauen, denn dort, auf dem Ehrenplatz, stand das herrliche Morgenhäubchen, für das Mercedes ihr zwölf Dollar gegeben hatte. Der Preis, der daran stand, betrug achtundzwanzig Dollar. Saxon ging hinein und sprach mit der Geschäftsinhaberin, einer mageren Frau mittleren Alters mit einem scharfen Blick und von fremder Abstammung.

»Es ist nicht meine Absicht, etwas zu kaufen. Aber ich mache feine Handarbeiten von der Art, wie Sie sie haben, und ich möchte gern wissen, was Sie dafür bezahlen – zum Beispiel für das Morgenhäubchen im Fenster.«

Die Frau warf einen hastigen, prüfenden Blick auf Saxons linke Hand, bemerkte die vielen kleinen Stiche der Nähnadel in ihrem Zeigefinger und betrachtete dann forschend ihre Kleidung und ihr Gesicht.

»Können Sie so etwas machen?«

Saxon nickte.

»Ich habe der Frau, die das gemacht hat, zwanzig Dollar bezahlt.«

Saxon schnappte unwillkürlich nach Luft, bezwang sich aber und dachte einen Augenblick über die Sache nach. Mercedes hatte ihr zwölf Dollar gegeben, Mercedes hatte also acht Dollar in die eigene Tasche gesteckt, während sie, Saxon, Material und Arbeit geliefert hatte.

»Wollen Sie so freundlich sein und mir andere Handstickereien zeigen – Nacht- und Taghemden und dergleichen und mir sagen, was Sie dafür bezahlen?«

»Können Sie so etwas machen?«

»Ja.«

»Und wollen Sie es mir verkaufen?«

»Selbstverständlich«, antwortete Saxon. »Deshalb bin ich ja hier.«

»Wir berechnen uns eine kleine Provision von dem, was wir verkaufen«, fuhr die Fremde fort. »Wir müssen ja Licht und Miete und dergleichen bezahlen und schließlich auch etwas daran verdienen – sonst könnten wir das Geschäft nicht betreiben.«

»Das ist nicht mehr als billig«, räumte Saxon ein.

Unter den schönen Dingen, die Saxon jetzt sah, fand sie ein Nachthemd und eine Kombination, die sie selbst verfertigt hatte. Für das Nachthemd hatte Mercedes ihr acht Dollar gegeben, während es hier achtzehn kostete und die Ladeninhaberin vierzehn bezahlt hatte; für das andere Stück hatte Saxon sechs Dollar bekommen, es war mit fünfzehn ausgezeichnet und mit elf bezahlt.

»Danke sehr«, sagte Saxon und zog sich die Handschuhe an. »Ich werde Ihnen gern etwas von meiner Arbeit zu den Preisen verkaufen.«

»Und es wird mir ein Vergnügen sein, es zu kaufen – wenn es gut genug ist.« Die Fremde sah sie streng an. »Aber vergessen Sie nicht: es muß ebensogut sein wie dies hier. In diesem Fall kann ich Ihnen oft Bestellungen zukommen lassen.«

Mercedes war nicht im geringsten verlegen, als Saxon ihr Vorwürfe machte.

»Sie sagten, daß Sie sich nur eine Provision berechneten«, sagte sie anklagend.

»Das sagte ich, und das habe ich auch getan.«

»Aber ich leistete alle Arbeit, kaufte das ganze Material, und Sie haben noch mehr daran verdient als ich. Sie haben sich den Löwenanteil genommen.«

»Ja, warum sollte ich das nicht, Kindchen? Ich war Zwischenhändler. So ist nun mal der Gang der Welt. Der Zwischenhändler bekommt den Löwenanteil.«

»Das finde ich sehr ungerecht«, sagte Saxon, mehr, weil es sie schmerzte, als weil sie böse darüber war.

»Beklagen Sie sich über die Welt, nicht über mich«, antwortete Mercedes scharf, schlug aber wie gewöhnlich ebenso plötzlich um und fügte sanfter hinzu: »Wir wollen uns nicht streiten, Kindchen, dazu habe ich Sie viel zu gern. La la, was bedeutet das für Sie, die Sie jung und stark sind und einen jungen und starken Mann haben. Und der alte Barry kann nicht viel für mich tun. Er pfeift auf dem letzten Loch. Vergessen Sie nicht, daß ich ihn begraben muß. Und ich tue ihm eine große Ehre an, denn er soll seinen letzten langen Schlaf an meiner Seite schlafen. Das Grab ist gekauft und bezahlt – die letzte Abzahlung habe ich teilweise mit der Provision gemacht, die ich mir von Ihren Sachen berechnete. Und dazu kommen die Begräbniskosten. Es soll alles hübsch werden. Ich muß viel dazu sparen. Und Barry kann jeden Tag um die Ecke gehen.«

Saxon zog vorsichtig die Luft ein und erkannte, daß die alte Frau wieder getrunken hatte.

»Kommen Sie, Kind, ich will Ihnen etwas zeigen.« Sie führte Saxon an eine große Schiffskiste im Schlafzimmer und hob den Deckel. Ein feiner Duft, wie von Rosenblättern, stieg aus der Kiste auf. »Sehen Sie, das ist meine Begräbnisausstattung. So werde ich mit dem Staub vereinigt werden.«

Saxons Erstaunen stieg, als die alte Frau ihr Stück für Stück den leichtesten, feinsten, entzückendsten Brautstaat mit allem, was dazu gehörte, zeigte. Mercedes hielt ihr einen Elfenbeinfächer vor die Augen.

»Den bekam ich in Venedig, Kindchen. – Sehen Sie diesen Schildpattkamm – den verfertigte Bruce Anstey für mich eine Woche, bevor er seine letzte Flasche trank und sich eine Kugel durch den Kopf schoß – ein tüchtiger und toller Kerl war er – eine Revolverkugel schwersten Kalibers. – Und dieser Schal: La la, echt Liberty –«

»Und all das soll mit Ihnen begraben werden?« sagte Saxon nachdenklich. »Ach, welche Verschwendung!«

Mercedes lachte.

»Warum nicht? Ich will sterben, wie ich gelebt habe. Das ist nun einmal mein Vergnügen. Wie eine Braut will ich in die Erde gesenkt werden. Ich will kein schmales, kaltes Bett. Ich wünschte, es wäre ein breites Lager, bedeckt mit allen weichen Teppichen und Kissen des Orients – unbegrenzten Mengen von Kissen.«

»Aber mit dem hier könnten Sie doch zwanzig Begräbnisse und Gräber bezahlen«, protestierte Saxon, ganz entsetzt über diese gotteslästerliche Auffassung vom Tode – vom Tode, der für alle gleich war. »Das ist doch direkt sündig.«

»Ja, dann entspricht es meinem Leben«, sagte Mercedes ruhig. »Und es wird eine feine Braut sein, die neben dem alten Barry liegt.« Sie schloß die Kiste und seufzte. »Nun, ich möchte, es wäre Bruce Anstey oder einer meiner stolzen jungen Männer, der in der Dunkelheit neben mir läge und mit mir zusammen zu dem Staub verwitterte, der der eigentliche Tod ist.«

»Aber fürchten Sie sich denn nicht vor dem Tode – nicht im geringsten?«

Mercedes schüttelte eifrig den Kopf.

»Der Tod ist stark und gut und mild. Ich fürchte den Tod nicht. Die Menschen sind es, die ich nach dem Tode fürchte. Deshalb treffe ich meine Vorbereitungen. Sie sollen mich nicht haben, wenn ich tot bin.«

Saxon sah sie verständnislos an.

»Aber dann brauchen die Sie doch nicht mehr!«

»Die brauchen viele«, lautete die Antwort. »Wissen Sie, was aus armen alten Menschen wird, die kein Geld für die Beerdigung haben? Sie werden nicht begraben. Lassen Sie mich Ihnen erzählen. Wir standen vor großen Türen. Er war ein merkwürdiger Mann, ein Professor, der Räuber hätte sein sollen, ein Mann, der Studenten Vorlesungen hielt, während er befestigte Städte hätte stürmen oder Banken plündern sollen. Er war schlank wie Don Juan. Seine Hände waren stark wie Stahl und seine Seele auch. Und er war toll, ein klein wenig toll, wie alle meine jungen Liebhaber es waren. ›Komm, Mercedes‹, sagte er, ›wir wollen unsere Brüder ansehen und uns in Demut freuen, daß wir nicht sind wie sie – jedenfalls noch nicht. Und nachher werden wir noch mehr Appetit für unser Mittagessen haben, und wir wollen ihnen in goldenem Wein zutrinken, der doppelt golden wird, weil wir sie gesehen haben. Komm, Mercedes.‹

Er öffnete die großen Türen, nahm mich bei der Hand und führte mich in den Saal. Es war eine traurige Versammlung. Vierundzwanzig Stück, die auf Marmorplatten lagen oder halb saßen, mit einer Stütze im Rücken, während viele junge Leute mit funkelnden Augen und funkelnden kleinen Messern in den Händen neugierig von ihrer Arbeit aufblickten.«

»Sie waren tot?« unterbrach Saxon sie atemlos.

»Es waren die armen Toten, mein liebes Kind. ›Komm, Mercedes‹, sagte er. ›Ich will dir noch mehr zeigen, daß wir uns richtig unseres Lebens freuen können.‹ Und er nahm mich mit – zu den Trögen. Zu den Salztrögen, Kindchen. Ich fürchtete mich nicht, als ich sie aber sah, dachte ich daran, wie es mir wohl nach meinem Tode gehen würde. Da lagen sie wie tote Schweine. Und es kam eine Bestellung auf, eine Frau, eine alte Frau, und der Mann, der dort arbeitete, griff in die Tröge. Das erste, was er zu fassen bekam, war ein Mann. Da fischte er wieder und rührte in dem Trog herum. Es kam noch ein Mann. Er wurde ungeduldig und verfluchte sein Pech. Dann zog er wieder etwas aus der Salzlake heraus; es war eine Frau, und an ihrem Gesicht konnte er sehen, daß sie alt war, und da freute er sich.«

»Das ist nicht wahr!« rief Saxon.

»Ich habe es gesehen, mein Kind, und ich weiß es. Und ich sage Ihnen, Sie brauchen Gottes Zorn nicht zu fürchten, wenn Sie tot sind. Fürchten Sie nur die Salztröge. Und während ich das sah und er mir alles zeigte, betrachtete er mich lächelnd und fragte mich aus und machte mich ganz toll mit seinen irrsinnigen, schwarzen Augen, die müde vom vielen Studieren waren, und da wußte ich, daß es mit meinem teuren Leib nicht so gehen sollte. Mir ist er teuer, dieser Leib, teuer, wie er den andern gewesen ist. La la, der Salztrog ist nicht der rechte Ort für diese Lippen, die so oft geküßt wurden, und für diesen Leib, an den so viel Liebe verschwendet wurde.« Mercedes hob den Kistendeckel und warf einen langen, zärtlichen Blick auf ihren Begräbnisstaat. »Und deshalb will ich mir mein Lager bereiten, und bald werde ich darin ruhen. Ein alter Philosoph hat gesagt: ›Wir wissen, daß wir sterben sollen, aber wir glauben es nicht.‹ Aber alte Leute glauben es. Ich glaube es.

Mein liebes Mädel, denken Sie an die Salztröge und seien Sie mir nicht böse, weil ich mir eine gute Provision berechnet habe. Es gibt nichts, das ich nicht tun würde, um den Salztrögen zu entgehen – ich würde das letzte Scherflein der Witwe, die Brotrinde der Waise und den Spargroschen eines Toten stehlen.«

»Glauben Sie an Gott?« fragte Saxon plötzlich, und trotz der Angst, die sie durchschauerte, hielt sie sich tapfer.

Mercedes ließ den Deckel fallen und zuckte die Achseln.

»Wer weiß? Ich werde weich ruhen.«

»Und die Strafe?« fragte Saxon.

»Unmöglich, mein Kind! Wie ein alter Dichter sagt: ›Gott ist ein braver Bursche!‹ Gott brauchen Sie nicht zu fürchten. Fürchten sie nur die Salztröge und alles das, was Menschen Ihrem schönen Körper antun können, wenn Sie tot sind.«

Billy schien es fast, als ginge es ihm bald zu gut. Er hatte das Gefühl, im Verhältnis zu dem Lohn, den er verdiente, zu wohlhabend zu sein. Bei dem Geld, das immer auf die Sparkasse gebracht wurde, bei der Miete und der Abzahlung auf die Möbel, bei dem reichlichen Taschengeld und der ausgezeichneten Kost konnte er nicht verstehen, wie Saxon sich noch das Material für all ihre feinen Dinge anschaffen konnte. Er hatte mehrmals erklärt, daß er nicht begreifen könnte, wie sie es machte, und jedesmal hatte Saxon gelacht, ein geheimnisvolles Lachen, das ihn nur noch mehr verwirrte.

»Ich verstehe nicht, wie du das mit dem Geld machen kannst«, sagte er eines Abends.

Er wollte noch mehr sagen, beherrschte sich aber und grübelte fünf Minuten lang mit gerunzelten Brauen.

»Hör einmal«, sagte er schließlich. »Was ist aus dem Morgenhäubchen mit all den Spitzen geworden, an dem du so fleißig arbeitetest? Ich habe dich nie damit gesehen, und für das Kleine war es doch zu groß.«

Saxon bedachte sich einen Augenblick, während sie ihn mit zusammengepreßten Lippen und einem necklustigen Ausdruck in den Augen ansah. Es war ihr immer schwer geworden, eine Unwahrheit zu sagen, und Billy gegenüber war es ihr ganz unmöglich. Sie konnte sehen, wie ein Sturm in den blauen Augen aufzog, und wie sein Gesicht gleichsam erstarrte, wie es immer tat, wenn er zornig werden wollte.

»Sag mal, Saxon – du – du verkaufst doch wohl nicht deine Arbeit?«

Da erzählte sie ihm alles, auch von Mercedes Higgins' Anteil an dem Geschäft und von Mercedes Higgins' wunderbarem Begräbnisstaat. Aber Billy wollte sich nicht vom Kern der Sache ablenken lassen. In Ausdrücken, die alles eher als zweideutig waren, verkündete er Saxon, daß sie nicht für Geld arbeiten durfte.

»Aber ich habe doch so viel freie Zeit, lieber Billy«, sagte sie flehentlich.

Er schüttelte den Kopf.

»Nein, daraus wird nichts. Davon will ich nichts hören. Ich habe dich geheiratet, und ich werde auch schon für dich sorgen. Niemand soll sagen, daß Bill Roberts' Frau arbeiten muß.«

»Ja, aber Billy –«, begann sie wieder.

»Nein, das ist das einzige, was ich mir nicht gefallen lasse, Saxon. Nicht, daß mir deine Handarbeiten nicht gefielen, aber ich will sie an dir sehen. Mach du nur weiter, was du willst, aber mach es für dich selber – ich werde es schon bezahlen. Sieh, ich pfeife den ganzen Tag vor lauter Freude bei dem Gedanken an dich und den Jungen, und ich kann dich zu Hause all die hübschen Dinge arbeiten sehen, weil ich weiß, wie glücklich du bist, wenn du es tust. Aber, weiß Gott, Saxon, die ganze Freude wäre mir verdorben, wenn ich wüßte, daß du es für Geld tätest. Bill Roberts' Frau braucht nicht zu arbeiten.«

»Du bist so gut, Billy«, flüsterte sie und war trotz ihrer Enttäuschung sehr glücklich.

»Ich will, daß du alles haben sollst, worauf du Lust hast«, fuhr er fort. »Und du sollst es schon bekommen, solange ich diese beiden Fäuste habe. Ich weiß auch wohl, wie sehr mir die hübschen Sachen, die du trägst, gefallen. Ich habe, ehe ich dich kannte, manches gelernt, was ich besser nicht gelernt hätte. Aber ich weiß, wovon ich rede, und ich habe nie eine Frau gesehen, deren Wäsche sich mit deiner messen konnte. Ach –«

Er hob verzweifelt die Hände, als sei er nicht imstande auszudrücken, was er dachte und fühlte. Und dann versuchte er es wieder:

»Es kommt nicht allein auf die Sauberkeit an, obgleich das schon viel bedeutet. Es gibt massenhaft Frauen, die sauber sind. Aber das ist es nicht. Es ist mehr und etwas ganz anderes. Es ist – nun ja, es ist so, wie es aussieht, so weiß und hübsch und lecker, das setzt sich einem im Kopf fest. Du kannst nach meinem Geschmack nicht zu viel hübsche Dinge bekommen, und du kannst sie auch nicht zu hübsch bekommen.

Deswegen also, Saxon, mach nur weiter. Man kann massenhaft Geld verdienen, ganz kinderleicht. Billy Murphy bekam fünfundsiebzig blanke Dollar – und das ist erst eine Woche her –, weil er den ›Stolz der Nordküste‹ schlug. Von dem Geld hat er uns die fünfzig zurückbezahlt.«

Aber diesmal war es Saxon, die protestierte.

»Oder denk an Karl Hensen«, fuhr Billy fort. »›Sharkey den Zweiten‹ nennen die Idioten, die Sportreferenten, ihn. Und er nennt sich selbst ›Champion der Marine der Vereinigten Staaten‹. Nun, den habe ich mir jetzt angesehen. Er ist ein richtiger Bär. Ich habe ihn kämpfen sehen, und ich kann ihm einen Schlaftrunk geben – ganz einfach. Der Sekretär des Sportklubs hat versprochen, einen Match zwischen uns zu arrangieren, und der Gewinner verdient hundert blanke Dollar.«

»Wenn ich nicht für Geld arbeiten darf, so darfst du auch nicht boxen«, lautete Saxons Ultimatum, das sie jedoch gleich wieder zurücknahm. »Aber es soll nicht gleich und gleich zwischen uns beiden heißen. Und wenn du mich auch für Geld arbeiten lassen wolltest, so würde ich dir das Boxen doch nicht erlauben. Und wenn du nicht boxt, dann werde ich auch nicht mehr für Geld arbeiten – ja, das ist meine Meinung. Und mehr noch – ich werde nie etwas tun, das du nicht haben willst, Billy.«

»Einverstanden«, meinte Billy. »Aber ich möchte doch verflucht gern ein einziges Mal den Ochsenschädel Hensen verhauen.« Er lächelte vergnügt bei dem Gedanken. »Aber weißt du, laß uns jetzt alles vergessen und spiel ›Wenn die Tage des Herbstes vorbei‹ auf dem – ja, zum Teufel, wie nennst du doch das Instrument?«

Sie sang das Lied, das er wünschte, zur Begleitung der Ukulélé, und als sie fertig war, schlug sie sein trauriges Lied »Die Klage des Kuhhirten« vor. So wunderbar und unerklärlich sind die Wege der Liebe, daß sie das einzige Lied ihres Mannes liebgewonnen hatte. Weil er es sang, hatte sie dieses sinnlose, langweilige Geistesprodukt gern, am meisten aber, so schien es ihr, liebte sie seine völlig hoffnungslosen falschen Töne. Sie konnte es sogar mit ihm zusammen singen, ebenso gründlich und entzückend falsch wie er. Und sie erschütterte ihn nicht in seinem großartigen Glauben an sich.

»Ich fürchte nur, daß Bert und alle andern mich necken werden«, sagte er.

»Ja, wir beide machen das großartig«, sagte sie, indem sie die Wahrheit vorsichtig umging. Denn in derlei Dingen hielt sie Unwahrheit nicht für eine Sünde.

 

Im Laufe des Frühlings kam der Eisenbahnerstreik. Am Sonntag, bevor der Streik erklärt wurde, aßen Saxon und Billy bei Bert. Saxons Bruder war auch da, ohne Sarah, da er sie nicht dazu hatte bewegen können, ihre Tagesarbeit so zu unterbrechen. Bert befand sich in sehr düsterer, pessimistischer Stimmung.

Mary ging umher und bereitete das Mittagessen mit einem Gesicht, das deutlicher als Worte sagte, daß sie sehr aufrührerisch gestimmt war, und Saxon krempelte sich die Ärmel auf, band sich eine Schürze um und begann, die Frühstücksteller aufzuwaschen. Bert holte eine Kanne schäumendes Bier aus der Wirtschaft an der Ecke, und die drei Männer rauchten und unterhielten sich über den bevorstehenden Streik.

»Er hätte vor mehreren Jahren kommen sollen«, erklärte Bert. »Je früher desto besser, sage ich, aber jetzt ist es zu spät. Wir sind zu schlapp geworden, und jetzt kriegen die letzten Mohikaner, was ihnen gut tut, und das gerade auf den Deetz!«

»Ach, ich weiß nicht«, begann Tom vermittelnd – er hatte dagesessen und feierlich seine Pfeife geraucht. »Die Arbeiterorganisationen werden mit jedem Tage stärker. Ich erinnere mich noch der Zeit, als es in Kalifornien überhaupt keine Gewerkschaften gab. Und sieh nur jetzt – Löhne, feste Arbeitszeit und alles.«

»Du redest wie ein Agitator«, spottete Bert, »von der Art, die den Idioten was erzählen. Aber wir wissen besser Bescheid. Mit allen Gewerkschaften und Normallöhnen können wir für unsere Arbeit nicht so viel bekommen wie in alten Tagen, als wir nicht organisiert waren. Sie haben uns in der Klemme. Denk nur an San Franzisko – dort betreiben die Arbeiterführer eine noch dreckigere Politik als die alten Parteien, prügeln sich um Trinkgeld und lassen sich bestechen, während – ja, was machen die Zimmerleute in San Franzisko? Ich will dir etwas sagen, Tom Brown, wenn du dir alles anhörst, was gesagt wird, dann wirst du erfahren, daß jeder Zimmermann in San Franzisko Gewerkschaftler ist und vollen Gewerkschaftlerlohn bekommt. Glaubst du das? Es ist verfluchte Lüge! Es gibt nicht einen Zimmermann, der nicht jeden Sonnabend dem Unternehmer einen gewissen Prozentsatz von seinem Lohn geben muß. Und die Führer reisen für das Geld, das sie aus den Idioten herauspressen, nach Europa, wenn sie es nicht an die Rechtsanwälte hinausschmeißen müssen, um nicht eingesperrt zu werden.«

»Ja, das ist sehr richtig«, gab Tom zu. »Niemand wird das leugnen. Das Schlimme ist, daß den Arbeitern die Augen noch nicht geöffnet sind. Sie sollten sich selbstverständlich mehr um Politik kümmern, aber es muß die richtige Politik sein.«

»Man muß wirklich ehrliche Männer finden«, sagte Billy. »Das ist das ganze Unglück. – Nicht, daß ich auf den Sozialismus hielte, denn das tue ich nicht. Alle unsere Vorfahren haben seit langer Zeit in Amerika gelebt, und was mich betrifft, so will ich mir nicht gefallen lassen, daß eine Herde fetter Deutscher oder schmutziger russischer Juden mir erzählen soll, wie ich mein Land regieren soll, wenn sie nicht einmal meine Sprache richtig sprechen können.«

»Dein Land!« rief Bert. »Aber, du Esel, du hast ja gar kein Land. Das ist ja nur etwas, das die Leute, die von Bestechung leben, dir erzählen, sooft sie dich noch mehr plündern wollen.«

»Aber dann dürfen wir nicht mehr für die Männer stimmen, die von Bestechung leben«, ereiferte Billy sich. »Wenn wir ehrliche Männer wählten, würden sie auch ehrlich gegen uns sein.«

»Ich wünschte, du kämest manchmal zu unsern Versammlungen, Billy«, sagte Tom ernst. »Wenn du das tätest, würden dir die Augen geöffnet werden, und du würdest bei der nächsten Wahl für die Sozialisten stimmen.«

»Nein, das tue ich nicht, darauf kannst du Gift nehmen«, erklärte Billy. »Ich laufe nicht zu Sozialistenversammlungen, ehe sie gelernt haben, wie weiße Männer zu reden.«

Bert summte:

»Wir leben in einer komischen Zeit,
In der der Dollar rollt.«

Mary war zu zornig auf ihren Mann wegen des Streiks und seiner ketzerischen Bemerkungen, um sich weiter mit Saxon zu unterhalten, die deshalb darauf angewiesen war, der Diskussion der Männer zuzuhören.

»Aber wo soll das alles enden?« fragte sie mit einer Unbesorgtheit, welche die Angst in ihrem Herzen verdecken sollte.

»Enden?« knurrte Bert. »Es ist ja schon vorbei.«

»Aber Fleisch und Petroleum sind schon wieder gestiegen«, sagte sie empört. »Und Billys Lohn ist herabgesetzt und der Lohn der Eisenbahner auch voriges Jahr. Es muß etwas geschehen.«

»Es ist nichts zu tun, als wie der Teufel zu kämpfen«, antwortete Bert. »Kämpfen und kämpfend untergehen. Das ist alles. Wie es auch gehen mag, wir sind erledigt, aber wir wollen doch wenigstens ein bißchen Vergnügen davon haben.«

»So darf man nicht reden«, sagte Tom vorwurfsvoll.

»Die Zeit, da Reden einen Zweck hatte, ist überhaupt vorbei, alter Wetterhahn. Jetzt heißt es kämpfen.«

»Ja, und du hättest große Aussichten gegen reguläre Truppen und Maschinengewehre«, antwortete Billy.

»Ach, ich meine nicht so. Es gibt etwas wie schmierige Stöcke, die mit großem Lärm in die Luft fliegen und Löcher machen. Es gibt etwas, das Schmirgel heißt –«

»Ach so«, fiel Mary ihm ins Wort, die Hände in die Hüften gestemmt. »So, das ist die Meinung. Dazu sollte der Schmirgel in deiner Westentasche also gebraucht werden?«

Ihr Mann ignorierte sie. Tom rauchte seine Pfeife mit besorgtem Ausdruck. Billy war sehr peinlich berührt. Das konnte man ihm ansehen.

»Das machst du doch nicht mit, Bert?« fragte er, und aus dieser Frage ging deutlich hervor, daß er ein Nein von seinem Freund erwartete.

»Natürlich mache ich mit, wenn du es durchaus wissen willst. Ich möchte sie in der Hölle sehen, wenn ich könnte – ja, die ganze Bande, ehe ich abhaue.«

»Er ist der richtige, blutdürstige Anarchist«, klagte Mary. »Leute wie er sind es, die McKinley und Garfield ermordet haben. Er wird noch gehängt werden. Ja, ihr werdet schon sehen, daß ich recht bekomme.«

»Es ist sein gewöhnlicher Unsinn«, tröstete Billy sie.

»Er will dich nur necken«, sagte Saxon beruhigend. »Er neckt immer so gern.«

Aber Mary schüttelte den Kopf.

»Ich weiß es. Ich höre ihn im Schlafe reden. Er flucht und zieht vom Leder, daß es ganz schrecklich ist, und knirscht mit den Zähnen.«

Tom sagte etwas von Vernunft und Gerechtigkeit, und Bert wandte sich gegen ihn.

»Gerechtigkeit, sagst du, Gerechtigkeit? Ja, das ist auch so ein verfluchtes Hirngespinst. Soll ich dir zeigen, welche Gerechtigkeit es für die arbeitende Klasse gibt? Erinnert ihr euch an Forbes – J. Alliston Forbes, der das Alta-California-Verwaltungsinstitut ruinierte und zwei Millionen in seine eigene Tasche steckte? Gestern sah ich ihn in einem großen Auto, das geradeswegs in die Hölle fuhr. Was hat er bekommen? Acht Jahre. Wie lange hat er gesessen? Nicht einmal zwei. Ihm wurde die Strafe erlassen – aus Gesundheitsrücksichten. Gesundheitsrücksichten – ich will ihn gehängt sehen! Wir sind alle tot und verfault, ehe er abfährt. Da! Seht aus dem Fenster! Könnt ihr die Rückseite des Hauses sehen, wo das Geländer zerbrochen ist? Dort wohnt Danakers Witwe. Sie wäscht für andere. Ihr Mann wurde im Dienst der Eisenbahn getötet. Nicht einen Groschen Schadenersatz – Unvorsichtigkeit, Nachlässigkeit oder sonst ein Quatsch. Das kriegte sie bei den Gerichten heraus. Ihr Junge, Archie, war sechzehn Jahre alt. Er war ein richtiger kleiner Vagabund. Er brach in Fresno ein, und ein Betrunkener kam dabei um. Wollt ihr wissen, wieviel er erwischte? Zwei Dollar und achtzig Cent. Habt ihr verstanden – zwei Dollar – und – achtzig Cent. Und was versetzten die Richter ihm? Fünfzig Jahre. Er ist jetzt schon seit acht Jahren in San Quentin. Und dort bleibt er, bis er krepiert. Seine Mutter sagt, daß er Tuberkeln hat – die hat er im Gefängnis gekriegt. Aber niemand verschafft ihm die Freiheit. Ein Kerl wie Archie stiehlt einem Betrunkenen zwei Dollar und achtzig Cent und kriegt fünfzig Jahre dafür. J. Alliston Forbes beschwindelt die Alta um zwei Millionen und kriegt nicht einmal zwei Jahre. Wem gehört das Land nun, wenn ich fragen darf? Euch und Archie? Nein, euch weiß Gott nicht! J. Alliston Forbes –«

Mary, die an die Aufwasch trat, wo Saxon gerade den letzten Teller gewaschen hatte, band ihr die Schürze ab und küßte sie mit dem Mitgefühl, das nur Frauen füreinander hegen, wenn eine von ihnen bald Mutter sein soll.

»Na, setz dich, Kind. Du darfst dich nicht so ermüden – es ist noch lange bis dahin. Jetzt hol ich dir dein Nähzeug, und dann kannst du auf das Geschwätz der Männer hören. Aber höre nicht auf Bert. Er ist ganz verrückt.«

Saxon nähte und hörte zu, und Berts Gesicht wurde finster und bitter, als er das Kinderzeug sah, das sie auf dem Schoß hielt.

»Ja, so ist es!« rief er plötzlich. »Kinder in die Welt setzen, das könnt ihr, aber ihr habt nicht die geringste Gewähr dafür, daß ihr sie ernähren könnt.«

»Du hast heute wohl ordentlich eingeheizt?« lachte Tom.

Bert schüttelte den Kopf.

»Nun ja«, sagte Billy. »Was hilft es, sich die Laune zu verderben? Es ist doch sonst ein sehr braves Land.«

»Es war ein sehr braves Land«, antwortete Bert, »als wir alle noch Mohikaner waren. Aber jetzt nicht mehr. Wir sind betrogen. Wir sind in eine Ecke gedrängt. Wir haben unsere Ohrfeigen abgekriegt und sind rausgeschmissen. Meine Vorfahren haben für dieses Land gekämpft, das haben eure auch, alle. Wir gaben den Negern die Freiheit, töteten die Indianer, hungerten, froren und schwitzten und kämpften. Das Land hier gefiel uns. Wir rodeten es und bebauten es, legten Wege an und bauten Städte. Und es gab mehr als genug für uns alle. Und wir schlugen uns weiter dafür. Ich hatte zwei Onkel, die bei Gettysburg getötet wurden. Aber alle unsere Vorfahren hatten Bauernhöfe, Pferde und Vieh, auch Marys –«

»Und sie hätten klug daran getan, es festzuhalten«, warf sie ein.

»Ja, das ist sicher«, fuhr Bert fort. »Das ist es eben. Wir sind ausgeplündert. Wir konnten nicht mit falschen Karten spielen wie die andern. Wir sind die Weißen, die um die Ecke gegangen sind. Seht ihr, die Zeiten haben sich geändert. Und es gab zweierlei Menschen – Löwen und Mähren. Die Mähren rackerten sich ab, und die Löwen fraßen. Sie fraßen die Farmer, die Minen, die Fabriken, und jetzt haben sie auch die Regierung gefressen. Wir sind geschunden. Versteht ihr?«

»Aus dir könnte ein guter Volksredner werden«, meinte Tom, »wenn du nur ein bißchen mehr Form hineinkriegen könntest.«

»Es klingt sehr richtig, Bert«, sagte Billy, »ist es aber nicht. Jeder kann heute reich werden.«

»Ja, oder Präsident der Vereinigten Staaten«, sagte Bert gereizt – »gewiß kann man es. Aber ich habe noch nicht gehört, daß du Aussicht zum Millionär oder zum Präsidenten hast. Warum nicht? Weil du nicht vom rechten Schlage bist. Du bist ein Esel! Ein armes Tier, das ist es. Weg mit dir! Weg mit uns allen!«

Beim Mittagessen sprach Tom von den Freuden des Landlebens, das er als Knabe und junger Mann gekannt hatte. Und er vertraute ihnen an, daß es sein Traum sei, wegzugehen und ein Stück Boden zu pachten, wie seine Vorfahren es getan hatten. Aber leider war Sarah, wie er erklärte, so festgewurzelt, daß es sein Traum bleiben mußte.

Etwas später, als Bert gerade wieder mit seinem Lamento angefangen hatte, ertappte Billy sich dabei, wie er Vergleiche anstellte. Dieses Haus war nicht wie sein Heim. Hier war keine angenehme Atmosphäre. Es war, als läge Disharmonie über allem. Er dachte daran, daß die Frühstücksteller noch nicht aufgewaschen waren, als sie kamen. Männer beachten selten solche Einzelheiten, und er tat es sonst auch nicht. Aber er hatte doch durch tausend Dinge im Laufe des Vormittags den festen Eindruck erhalten, daß Mary als Hausfrau nicht so tüchtig war wie Saxon. Ja, das war eine Frau! Aber seine Gedanken wurden durch Bert unterbrochen.

»Heh, Billy, ich glaube, du denkst, daß ich verärgert bin. Gewiß. Das bin ich. Ich habe meine Erfahrungen gemacht. Du bist immer Kutscher gewesen und hast ein schönes Geld mit deinem Boxen verdient. Du hast keinen Streik durchgemacht, du hast keine alte Mutter zu versorgen gehabt und warst daher nicht gezwungen ihretwegen jede Arbeit zu übernehmen. Erst als sie tot war, konnte ich tun und lassen, was ich wollte.

Zum Beispiel, als ich es bei der Straßenbahn versuchte, ja, da könnt ihr sehen, was ein Arbeitstier sich gefallen lassen muß. Der Oberchinese mißt mich von Kopf bis zu Fuß, stellt eine Menge Fragen und gibt mir ein Formular zum Ausfüllen. Ich fülle es aus und bezahle einem Doktor, zu dem sie mich schicken, einen Dollar, damit er mir ein Attest gibt. Dann gehe ich zu einem Photographen und kriege mein Gesicht verewigt – für das Verbrecheralbum der Gesellschaft. Und für das Gesicht muß ich einen Dollar herausrücken. Der erste Mann an der Spritze nimmt Formular, ärztliches Attest und Photographie und bombardiert mich mit neuen Fragen. Ob ich Gewerkschaftsmitglied bin? – Ich? Natürlich lüge ich, daß ich es nicht sei. Ich brauchte die Arbeit. Der Kaufmann wollte mir keinen Kredit mehr geben, und es handelte sich ja auch um meine Mutter.

Hm, sage ich bei mir, jetzt bin ich also richtiger Straßenbahnschaffner. Jetzt kann ich auf der Plattform stehen und die feinen Damen abfertigen. Jawohl! Zwei Dollar, bitte! Ja, zwei Dollar für ein Zinnschild. Und dann die Uniform – neunzehn fünfzig, und überall kriegt man sie für fünfzehn. Aber die sollte ich von meinem ersten Monatslohn bezahlen. Und fünf Dollar mußte ich in der Tasche haben – Wechselgeld – laut Reglement. Ich lieh mir die fünf von Tom Donovan, dem Schutzmann. Und was dann? Zwei Wochen ließen sie mich ohne Lohn arbeiten – damit ich den Beruf lernte.«

»Kamen viele feine Damen?« neckte Saxon ihn.

Bert schüttelte finster den Kopf.

»Ich arbeitete nur einen Monat. Dann organisierten wir uns, und sie sprengten die Gewerkschaft, so daß es aus war.«

»Und ebenso wird die Eisenbahn eure Gewerkschaften sprengen, wenn ihr streikt, ihr Idioten!« erklärte Mary.

»Das hab ich ja die ganze Zeit gesagt«, sagte Bert. »Wir haben nicht die geringste Chance.«

»Aber warum tut ihr es dann?« fragte Saxon.

Er sah sie einen Augenblick mit einem merkwürdig erloschenen Blick an und antwortete dann:

»Warum wurden meine beiden Onkel bei Gettysburg getötet?«

* * *

 

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