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Das Mondtal

Jack London: Das Mondtal - Kapitel 10
Quellenangabe
authorJack London
titleDas Mondtal
publisherUniversitas
year1929
translatorErwin Magnus
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Sie schlief die ganze Nacht, ohne sich zu rühren, ohne zu träumen, und erwachte ganz normal und zum erstenmal seit vielen Wochen von ihrem Schlaf erfrischt. Sie hatte das Gefühl, als sei eine schwere Last von ihren Schultern genommen oder ein Schatten entfernt worden, der zwischen ihr und der Sonne gestanden hatte. Ihr Kopf war klar. Der eiserne Reif, der ihn so hart umpreßt hatte, war verschwunden. Sie war froh und heiter. Sie ertappte sich sogar dabei, wie sie laut trällerte, während sie die Fische in drei Portionen teilte – eine für Frau Olsen, eine für Maggie Donahue und eine für sich. Sie freute sich auf die Unterhaltung mit ihnen, und als sie wieder heimkam, begann sie in guter Laune in ihrem vernachlässigten Haus Ordnung zu schaffen. Sie sang bei der Arbeit, und die ganze Zeit tanzte das Zauberwort des Jungen wie ein funkelnder Einschlag zwischen den Tönen: Oakland ist ein guter Startplatz.

Alles war so klar und einfach wie es nur sein konnte. Ihr Gehirn war krank und sie war nicht verantwortlich gewesen. Alles kam von ihren Sorgen – Sorgen, an denen sie selbst schuldlos war. Und mit Billy war es ebenso. Er hatte sich merkwürdig benommen, aber er war nicht verantwortlich dafür. Und alle ihre Sorgen waren eine Folge davon, daß sie in einer Falle gefangen gesessen hatte. Die Falle war Oakland. Aber Oakland war ein guter Startplatz.

Sie überdachte alles, was in ihrer Ehe geschehen war. Die Streiks und die schlechten Zeiten waren an allem schuld gewesen.

Sie hatte ihren Entschluß gefaßt. Die Stadt war kein Ort für sie und Billy, kein Ort für Leute, die sich liebten, oder für kleine Kinder. Deshalb gab es nur einen Ausweg. Sie mußten Oakland verlassen. Nur die Dummen blieben und beugten sich dem Schicksal. Aber sie und Billy waren nicht dumm. Sie wollten sich nicht beugen. Sie wollten fortwandern und dem Schicksal die Stirn bieten. Wohin, wußte sie nicht. Aber das kam schon. Die Welt war groß. Jenseits der Berge, die die Stadt umgaben, hinter dem Goldenen Tor fanden sie schon, was sie suchten. In einem hatte der Junge unrecht gehabt. Sie war nicht an Oakland gebunden, wenn sie auch verheiratet war. Die Welt stand ihr und Billy offen, wie sie den wandernden Geschlechtern vor ihr offen gestanden hatte. Überall blieben nur die Dummen zurück, wenn das Geschlecht auswanderte. Die Starken zogen weiter. Und sie und Billy gehörten zu den Starken. Sie wollten fortgehen, über die braunen Contra-Costa-Berge oder zum Goldenen Tor hinaus.

An dem Tage, ehe Billy aus dem Gefängnis entlassen werden sollte, traf Saxon ihre letzten bescheidenen Vorbereitungen für seinen Empfang. Sie hatte kein Geld, und wenn sie nicht entschlossen gewesen wäre, Billy nicht mehr auf diese Art zu kränken, so würde sie sich zehn Cent von Maggie Donahue geliehen haben, um mit der Fähre nach San Franzisko zu fahren und einige ihrer feinen Dinge zu verkaufen. Aber sie hatte doch jedenfalls Bratkartoffeln und gesalzenen Fisch im Hause, und nachmittags ging sie bei Ebbe hinaus und sammelte Muscheln zur Suppe. Sie las auch Treibholz auf, und es war neun Uhr abends, als sie mit einer Last Brennholz auf dem Rücken, einem kurzschaftigen Spaten in der einen und einem Eimer mit Muscheln in der andern Hand aus den Sümpfen heimkam. An der Ecke wählte sie die dunklere Straßenseite und eilte über den erleuchteten Kreis, um nicht von der Nachbarschaft gesehen zu werden. Aber eine Frau kam ihr entgegen, sah sie hastig forschend an und blieb dann stehen. Es war Mary.

»Mein Gott, Saxon!« rief sie. »Steht es so schlimm?«

Saxon sah ihre alte Freundin forschend an, und im selben Augenblick sah sie die ganze Tragödie vor sich. Mary war schlanker, wenn ihre Wangen auch mehr Farbe hatten – eine Farbe, über die Saxon ihre Zweifel hatte. Marys kluge Augen waren schöner und größer – zu groß und fieberhaft klar, zu rastlos. Sie war gut gekleidet – zu gut, und sie war offenbar sehr nervös. Sie wandte furchtsam den Kopf, um in das Dunkel hinter sich zu spähen.

»Mein Gott!« sagte Saxon kaum hörbar. »Und du –« Sie preßte die Lippen zusammen und fuhr dann fort: »Willst du nicht mit mir kommen?«

»Wenn du dich schämst, dich mit mir sehen zu lassen –« brach es aus Mary heraus, der der Zorn offenbar ebenso schnell kam wie früher.

»Nein, nein«, protestierte Saxon. »Es sind nur das Treibholz und die Muscheln. Ich will nicht, daß die Nachbarn das sehen. Komm.«

»Nein, ich kann nicht, Saxon. Ich möchte gern, aber ich kann nicht. Ich muß mit dem nächsten Zug nach San Franzisko zurück. Ich habe hier gewartet. Ich klopfte an deine Küchentür, aber es war überall dunkel. Billy sitzt immer noch, nicht wahr?«

»Ja, aber morgen kommt er heraus.«

»Ich las es in den Zeitungen«, sagte Mary und sah sich hastig um. »Ich war in Stockton, als es geschah.« Ein fast drohender Klang kam in ihre Stimme. »Du tadelst mich doch nicht deshalb, nicht wahr? Ich konnte nicht in die Plätterei zurück, nachdem ich verheiratet gewesen war. Ich war der Arbeit so überdrüssig. Ich war ganz herunter und bin ja auch eigentlich nie viel wert gewesen. Und wenn du wüßtest, wie ich die Plätterei haßte, ehe ich heiratete. Es ist eine dreckige Welt. Das glaubst du vielleicht nicht? Saxon, ich schwöre dir, daß du nicht ein Hundertstel von all den dreckigen Dingen ahnst, die es in der Welt gibt. Ach, ich wünschte, ich wäre tot – ich wünschte, ich wäre tot und weg von allem. Sag – nein, ich kann jetzt nicht! Ich höre den Zug bei Adeline pfeifen. Ich muß laufen, um mitzukommen. Aber ich komme –«

»Na, wirds bald?« ertönte plötzlich eine Männerstimme hinter ihnen.

Der Redende, der sieh bisher im Hintergrund gehalten, tauchte jetzt aus dem Dunkel auf. Er war kein Arbeiter, das sah Saxon gleich. Aber trotz seiner guten Kleidung stand er im Urteil der Welt doch weit tiefer als ein Arbeiter.

»Ich komme, warte nur eine Sekunde«, sagte Mary beruhigend.

Und aus dem Klang ihrer Stimme erkannte Saxon, daß sie den Mann fürchtete, der lichtscheu an der Grenze zwischen Licht und Dunkelheit stand.

Mary wandte sich zu ihr.

»Ich muß gehen, lebe wohl!« sagte sie und tastete nach etwas, das sie in ihrem Handschuh hatte. Dann ergriff sie die Hand, die Saxon frei hatte, und Saxon fühlte, wie eine kleine warme Münze hereingesteckt wurde. Sie versuchte, Widerstand zu leisten, die andere zu zwingen, sie zurückzunehmen.

»Nein, nein«, flehte Mary. »Um unserer alten Freundschaft willen. Du kannst vielleicht auch einmal etwas für mich tun. Ich komme bald wieder. Lebewohl!«

Plötzlich umschlang sie Saxon und preßte laut schluchzend ihr Gesicht an ihre Brust. Dann riß sie sich los, trat einen Schritt zurück und starrte in heftiger Bewegung Saxon an.

»Na, mach jetzt, mach jetzt«, ertönte die Stimme des Mannes gebieterisch aus dem Dunkel.

»Ach, Saxon«, schluchzte Mary, und im nächsten Augenblick war sie verschwunden.

Als Saxon ins Zimmer trat und die Lampe anzündete, sah sie das Geldstück. Es waren fünf Dollar – für sie ein Vermögen. Da dachte sie an Mary und den Mann, vor dem sie sich fürchtete. Das war wieder ein dunkler Punkt im Strafregister von Oakland. Auch Mary gehörte zu denen, die es vernichtet hatte. Sie lebten durchschnittlich nur fünf Jahre, hatte Saxon irgendwo gehört. Sie sah das Geldstück an und warf es in die Aufwasch. Als sie sich daran machte, die Muscheln zu säubern, hörte sie es in das Ablaufrohr klirren.

Es war der Gedanke an Billy, der Saxon am nächsten Morgen veranlaßte, unter die Aufwasch zu kriechen, den Verschluß abzuschrauben und das Fünfdollarstück herauszufischen. Man bekam nicht gut zu essen in den Gefängnissen, und der Gedanke, Billy nach dreißigtägiger Gefangenenkost Muscheln und trockenes Brot vorzusetzen, war zu schrecklich. Sie wußte, daß er gern Butter auf dem Brot hatte, dicke Butter, und daß er gute, dicke Scheiben gebratenes Rindfleisch liebte, und daß er Kaffee liebte und ihn in großen Mengen trinken konnte.

Es war nach neun, als Billy kam, und sie hatte sich zu seinem Empfang ihre beste Hausbluse angezogen. Sie hielt nach ihm Ausschau, als er langsam herankam, und sie wäre ihm entgegengelaufen, hätte nicht eine kleine Schar von Nachbarkindern drüben auf der Straße ihm nachgestarrt. Aber die Tür öffnete sich, ehe er die Hand auf den Türgriff legte, und als er drinnen war, schloß er die Tür, indem er seinen Rücken dagegenstemmte, denn seine Arme hatten genug zu tun, um Saxon an sich zu pressen. Nein, er hatte nicht gefrühstückt, und er brauchte auch nichts. Jetzt hatte er ja Saxon. Aber er wollte schrecklich gern ein Bad und reines Zeug haben. Sie durfte ihm nicht in die Nähe kommen, ehe er sauber war.

Als alles das getan war, setzte er sich in die Küche und sah ihr zu, wie sie das Essen zubereitete, und er bemerkte das Treibholz und fragte nach dem Zusammenhang. Immer eifrig beschäftigt, erzählte sie ihm, wie sie das Holz gesammelt hatte, wie sie ausgekommen war, ohne Schulden bei der Gewerkschaft zu machen, und als das Essen endlich auf dem Tisch stand, war sie in ihrer Erzählung bis zu ihrer Begegnung mit Mary am vorigen Abend gelangt. Die fünf Dollar erwähnte sie nicht.

Billy, der gerade den ersten Bissen Fleisch genommen hatte, sah sie mit einem Ausdruck an, daß sie erschrak. Dann spie er das Fleisch auf den Teller.

»Du hast das Geld für das Fleisch von ihr bekommen«, sagte er langsam und vorwurfsvoll. »Du hattest kein Geld und keinen Kredit mehr beim Schlachter, und doch steht Fleisch auf dem Tisch. Hab ich recht?«

Saxon beugte den Kopf.

»Was hast du sonst noch gekauft?« fragte er – nicht brutal, nicht zornig, aber mit furchtbarer Kälte, eine Folge der Wut, welche er nicht in Worten ausdrücken konnte.

Zu ihrer Überraschung blieb sie vollkommen ruhig. Was bedeutete das alles? Nur was man zu erwarten hatte, wenn man in Oakland lebte – etwas, das verschwand, wenn Oakland ein zurückgelegtes Stadium, ein Platz war, von dem aus man gestartet war.

»Den Kaffee«, antwortete sie, »und die Butter.«

Er schüttete den Inhalt seines und ihres Tellers in die Bratpfanne mit der Butter und dem Stück Fleisch, das auf dem Tisch stand, und obendrauf schüttete er den Inhalt der Kaffeedose. Dann trug er alles in den Hof hinaus und warf es in den Mülleimer. Die Kaffeekanne leerte er in die Aufwasch.

»Wieviel hast du noch von dem Geld?« lautete seine nächste Frage.

Saxon hatte schon ihr Portemonnaie geholt und das Geld herausgenommen.

»Drei Dollar achtzig«. Sie reichte ihm das Geld. »Ich habe fünfundvierzig Cent für das Fleisch bezahlt.«

Er ließ den Blick über das Geld schweifen, zählte es und ging zur Haustür. Sie hörte, wie sie geöffnet und wieder geschlossen wurde, und wußte, daß er das Silber auf die Straße geworfen hatte. Als er wiederkam, setzte Saxon Bratkartoffeln auf den Tisch.

»Nichts ist zu gut für uns beide, Saxon«, sagte er, »aber weiß Gott, so etwas kann mein Magen nicht verdauen. Es ist so verdorben, daß es stinkt.«

Er sah auf die Bratkartoffeln, die neue Scheibe trockenes Brot und das Glas Wasser, das sie neben seinen Teller stellte.

»Du kannst ganz ruhig sein«, lächelte sie, als er noch zögerte. »Hiervon ist nichts besudelt.«

Er warf ihr einen hastigen Blick zu, als fürchtete er, daß sie sich über ihn lustig machte, und setzte sich dann mit einem Seufzer. Im nächsten Augenblick war er wieder aufgesprungen und breitete ihr die Arme entgegen.

»Ich werde gleich essen, aber zuerst möchte ich gern mit dir reden«, sagte er, setzte sich und preßte sie an sich. »Also höre! Du bist das einzige, was ich auf der Welt habe. Du hast dich wegen meines Benehmens vorhin nicht vor mir gefürchtet, und darüber freue ich mich. Aber jetzt wollen wir nicht mehr an Mary denken, wenn ich auch voller Mitleid mit ihr bin. Sie tut mir ebenso leid wie dir. Ich würde alles für sie tun. Ich würde ihr die Füße waschen, wie Christus tat. Ich würde sie an meinem Tisch essen und unter meinem Dach schlafen lassen. Aber deshalb brauche ich nichts von dem anzurühren, was sie verdient hat. Aber laß uns nicht mehr an sie denken. Es handelt sich um dich und mich, Saxon, nur um dich und mich, und der Teufel soll alle andern holen. Du brauchst dich nie mehr um mich zu ängstigen. Der Whisky und ich, wir vertragen uns nicht recht miteinander, und deshalb sage ich: keinen Whisky mehr für mich! Ich bin ganz von Sinnen gewesen, und ich war nicht zu dir, wie ich hätte sein sollen. Aber jetzt ist das alles vorbei.

Sieh mal diese Geschichte. Ich hätte nicht so heftig sein sollen. Aber ich war es nun einmal. Die Sache kam zu plötzlich. Das ist etwas, was ich mir nicht gefallen lassen kann, was ich mir nicht gefallen lassen konnte. Und du willst auch nicht, daß ich das tue, ebensowenig wie ich will, daß du dir etwas gefallen lassen sollst, was du dir nicht gefallen lassen kannst.«

Sie richtete sich auf seinen Knien auf und sah ihn an, eifrig beschäftigt mit der neuen Idee, die in ihrem Kopf aufgetaucht war.

»Ist das dein Ernst, Billy?«

»Das ist es.«

»Dann will ich dir sagen, was ich mir nicht mehr gefallen lassen will. Ich sterbe, wenn ich es mir gefallen lassen soll.«

»Und das ist?« fragte er, nachdem er sie eine Weile forschend angesehen hatte.

»Du mußt den Entschluß fassen«, sagte sie.

»Also los.«

»Du weißt nicht, worauf du dich einläßt«, sagte sie warnend. »Zieh dich lieber zurück, ehe es zu spät ist.«

Er schüttelte eigensinnig den Kopf.

»Was du dir nicht gefallen lassen willst, das sollst du dir auch nicht gefallen lassen.«

»Erstens«, sagte sie, »muß es Schluß sein mit dem Verprügeln von Streikbrechern.«

Er öffnete den Mund, drängte aber den Protest zurück, der unwillkürlich über seine Lippen kommen wollte.

»Und zweitens muß es Schluß sein mit Oakland.«

»Ich verstehe nicht recht.«

»Schluß mit Oakland. Wir wollen nicht mehr in Oakland leben. Ich sterbe, wenn ich hierbleiben soll. Wir müssen unsere Zelte abbrechen und sehen, daß wir von hier fortkommen.«

Er dachte eine Weile über ihre letzte Bemerkung nach.

»Wohin?« fragte er schließlich.

»Irgendwohin. Das ist einerlei. Rauch jetzt eine Zigarette und denk darüber nach.«

Er schüttelte den Kopf und sah ihr forschend ins Gesicht.

»Ist das dein Ernst?« fragte er schließlich.

»Das ist es. Ich kann Oakland ebensowenig ertragen, wie du das Fleisch, den Kaffee und die Butter ertragen konntest.«

Sie konnte sehen, wie er mit sich rang. Sie konnte sehen, wie er direkt körperlich mit sich rang, ehe er antwortete:

»Na ja, wenn du durchaus willst! Dann gehen wir also weg. Wir sagen Oakland Lebewohl. Teufel auch, es hat nie etwas für mich getan, und ich bin doch auch schließlich Manns genug, um unseren Lebensunterhalt überall zu verdienen. Und jetzt, da es abgemacht ist, kannst du mir erzählen, was du gegen Oakland hast.«

Und sie erzählte ihm alles, was ihr eingefallen war, zählte alle ihre Klagepunkte gegen Oakland auf, ohne etwas zu vergessen, nicht einmal ihren letzten Besuch bei Doktor Hentley oder Billys Trinken. Aber er zog sie nur fester an sich und versicherte ihr nochmals, daß er seinen Entschluß gefaßt hätte. Die Zeit verging. Die Bratkartoffeln wurden kalt, und das Feuer im Herd ging aus.

Als sie sich ausgesprochen hatten, stand Billy auf. Er sah auf die Bratkartoffeln.

»Eiskalt«, sagte er und wandte sich zu ihr. »Aber, weißt du, jetzt geh hinein und zieh dir dein bestes Zeug an. Wir gehen in die Stadt, um etwas zu essen zu kriegen und uns zur Feier des Tages zu amüsieren. Ich finde, wir haben jetzt einen Grund zu feiern, wenn wir aufbrechen und die alte Stadt mit Sack und Pack verlassen sollen. Und wir brauchen nicht zu Fuß zu gehen, ich kann mir immer zehn Cent vom Barbier leihen, und ich habe altes Zeugs genug zu verkaufen.«

Sein »altes Zeugs« waren ein paar goldene Medaillen, die er bei verschiedenen Amateurboxkämpfen gewonnen hatte. Sie kamen in die Stadt und fanden eine Pfandleihe, und als sie sie verließen, hatte Billy eine Handvoll rasselndes Silbergeld in der Tasche.

Er war ausgelassen wie ein Schuljunge, und sie war ebenso froh und heiter wie er. Vor dem Zigarrengeschäft an der Ecke blieb er stehen, um eine Tüte Bull Durham zu kaufen, änderte aber plötzlich seinen Entschluß und kaufte statt dessen Imperialzigaretten.

»Ach, ich bin heute ganz toll«, lachte er. »Nichts ist zu gut – nicht einmal fertiggekaufte Glimmstengel. Und ich will nichts von billigen Speisehäusern oder japanischen Wirtschaften hören. Wir gehen zu Barnum.«

Sie schlenderten nach dem großen Restaurant, wo sie an ihrem Hochzeitstage gegessen hatten.

»Du kannst bestellen, wozu du Lust hast«; sagte Billy freigebig, als sie sich gesetzt hatten. »Hier gibt es Lendenbraten für einen Dollar fünfzig. Was meinst du dazu?«

»Ja«, sagte sie eifrig, »und nachher Mokka, und vorher Austern – ich möchte sie gern mit den Austern vom Rock Wall vergleichen.«

Billy las die Theateranzeigen. Dann sah er von der Zeitung auf. »Matinée in Bells Theater. Für fünfundzwanzig Cent können wir reservierte Plätze haben – Teufel auch!« Sein Ausruf war so gekränkt und erbittert, daß sie ein ganz erschrockenes Gesicht machte. »Wenn ich doch nur daran gedacht hätte«, sagte er ärgerlich, »dann hätten wir zum Essen ins Forum gehen können. Das ist das feine Restaurant, wo Burschen wie Roy Blanchard verkehren und das Geld vergeuden, für das wir andern uns abrackern müssen.«

Sie kauften sich numerierte Plätze für Bells Theater; aber die Vorstellung begann erst etwas später, und so gingen sie den Broadway hinab und in das Electric-Theater, um sich die Zeit mit einem Film zu vertreiben. Sie sahen zuerst einen Cowboyfilm, dann ein französisches Lustspiel, und dann kam ein ländliches Drama, das im Mittelwesten spielte. Es begann mit einer Szene in einem Bauernhof. Die Sonne schien warm auf die Ecke einer Scheune und einen Zaun, während der Boden von großen Bäumen beschattet wurde. Da waren Hühner und Enten und Truthähne, die auf dem Hofe scharrten und herumwatschelten. Eine große Sau marschierte, von einem prächtigen Wurf sieben kleiner Ferkel gefolgt, majestätisch durch den Kükenschwarm, daß er beiseite stob, während die Hühner sich an den Ferkelchen rächten und nach ihnen hackten, sobald sie sich von ihrer Mutter entfernten. Und hinter dem Zaun stand ein Pferd, das schlaff und schläfrig zusah, und hin und wieder, in gleichmäßigen Zwischenräumen, träge mit dem Schweif schlug.

»Es ist ein warmer Tag, da sind Fliegen – merkst du?« flüsterte Saxon.

»Gewiß. Und der Pferdeschweif! Das ist das lebendigste, was man sich vorstellen kann.«

Jetzt kam ein Hund auf die Szene. Die Muttersau machte kehrt und verschwand mit lächerlichen kurzen Sprüngen in Begleitung ihrer Nachkommenschaft, eifrig verfolgt von dem Hunde. Ein junges Mädchen erschien. Ein breitrandiger Strohhut hing ihr im Nacken, und die Schürze war vorn aufgesteckt und voller Körner für das unruhige Federvieh. Tauben flogen vom Bildrand herab und schlossen sich dem geschäftigen Schwarm an, und alle stritten sich um ihren Anteil am Futter. Der Hund kam wieder und drängte sich durch die gefiederten Geschöpfe hindurch zu dem jungen Mädchen, das er, mit der Rute wedelnd, anlachte. Und dahinter stand das Pferd, nickte über den Zaun und schlug mit dem Schweif.

Ein junger Mann erschien, und das Publikum wußte gleich, was er wollte. Aber Saxon hatte keinen Sinn für die Liebesszene, für die leidenschaftlichen Bitten des jungen Mannes und die schamhafte Zurückhaltung des jungen Mädchens. Ihr Blick suchte immer wieder die Küken, die Sonne und die Schattenflecken unter den Bäumen, die sonnenbeschienene Scheunenmauer und das schläfrige Pferd, das mit dem Schweif schlug.

Sie schmiegte sich enger an Billy, und ihre Hand, die sie unter seinen Arm gesteckt hatte, suchte die seine.

»Ach, Billy«, seufzte sie. »Ich würde vor Freude sterben, wenn ich an einem solchen Ort wohnen könnte.« Und als der Film zu Ende war, sagte sie: »Wir haben noch sehr viel Zeit, ehe das Theater anfängt. Laß uns bleiben und den Bauernhof noch einmal sehen.«

Sie blieben sitzen und sahen die ganze Vorstellung noch einmal, und als sie zu der Szene im Bauernhof kamen, wurde Saxon immer begeisterter, je länger sie sie sah. Diesmal erfaßte sie noch mehr Einzelheiten. Sie sah die Felder um den Hof, die wellenförmigen Hügel im Hintergrund, den bewölkten Himmel. Sie erkannte einige von den Hühnern wieder, namentlich ein altes, aufsässiges Huhn, das böse war, weil die Sau es mit ihrem Rüssel fortschob. Saxon ließ den Blick wieder über die Felder bis zu den Höhen und zum Himmel schweifen und atmete den großen, freien Raum und die Zufriedenheit ein, die darüber ruhte. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sie weinte still vor lauter Freude.

»Und jetzt weiß ich auch, wo wir hinwollen, wenn wir Oakland verlassen«, sagte sie.

»Wohin denn?«

»Dorthin.«

Er sah sie an und folgte dann der Richtung ihres Blicks, der sich immer noch auf die Leinwand heftete.

»So«, sagte er und fügte nach kurzem Bedenken hinzu: »Nun ja, warum nicht?«

»Ach, Billy willst du wirklich?«

Ihre Lippen bebten, so eifrig war sie, und ihre Stimme zitterte so stark, daß er ihr leises Flüstern kaum hören konnte.

»Aber gewiß«, sagte er. Es war ihr großer Tag, und er wollte mit königlicher Freigebigkeit schenken. »Was du dir wünschst, sollst du haben, und wenn ich mir die Nägel von den Fingern arbeiten muß, um es dir zu geben. Und ich habe selbst immer große Lust gehabt, auf dem Lande zu wohnen.«

 

Es war früh am Abend, als sie an der Ecke der Pine Street auf dem Heimweg vom Bell Theater aus der Straßenbahn stiegen. Zuerst machten sie gemeinsam Einkäufe, und dann trennten sie sich an der Ecke – Saxon sollte heimgehen und das Abendessen bereiten, und Billy wollte nach den Kameraden, den streikenden Fuhrleuten, sehen, die in dem Monat, den er aus allem herausgewesen war, getreulich weitergekämpft hatten.

»Nimm dich in acht, Billy«, rief sie ihm nach.

»Gewiß«, sagte er und blickte zurück.

Ihr Herz klopfte heftig, als sie sein Lächeln sah. Das war das alte, unbefleckte, verliebte Lächeln, das sie stets auf seinem Gesicht zu sehen gewünscht, das Lächeln, das sich zu bewahren, sie – bewaffnet mit ihrem eigenen Wissen und dem, das Mercedes ihr geschenkt hatte – bis zum äußersten kämpfen wollte. Der Gedanke hieran flog ihr durch den Kopf, und mit einem stolzen kleinen Lächeln erinnerte sie sich all der hübschen kleinen Dinge, die sie daheim im Toilettentisch und in der Kommode verwahrte.

Dreiviertel Stunden wartete Saxon, der Abendtisch war gedeckt, nur die Lammkotelette fehlten noch, die sie erst aufsetzen wollte, wenn sie Billy kommen hörte. Da wurde die Gartenpforte zugeschlagen, aber statt seiner hörte sie das wirre Durcheinander vieler Stimmen. Sie flog zur Tür. Es war Billy, der vor ihr stand, aber ein Billy weit verschieden von dem Billy, von dem sie sich erst vor kurzem verabschiedet hatte. Neben ihm ging ein kleiner Junge, der seinen Hut hielt. Sein Gesicht war frisch gewaschen oder vielmehr mit Wasser übergossen, denn sein Hemd und seine Schultern waren naß. Sein helles Haar war feucht und klebte am Kopf, hie und da sickerte Blut hindurch und machte es dunkel. Beide Arme hingen kraftlos herab, aber sein Gesicht war ruhig, und er lachte.

»Mach dir nichts daraus«, sagte er beruhigend zu Saxon. »Ich habe mich zum Narren gemacht. Ein bißchen beschädigt, aber immer noch bereit, es mit jedem aufzunehmen.« Er trat vorsichtig in die Stube. »Kommt, Kameraden, wir sind eine schöne Gesellschaft von Schwachköpfen.«

Hinter ihm her kamen der kleine Junge mit seinem Hut, Bud Strothers, noch ein Kutscher, den sie kannte, und zwei Fremde. Die Fremden waren große, barsche, dumm dreinschauende Männer, und sie starrten Saxon an, als ob sie sich vor ihr fürchteten.

»Hab keine Angst, Saxon«, sagte Billy wieder. Aber Bud Strothers unterbrach ihn.

»Zuerst müssen wir ihn ins Bett legen und ihm die Kleider abschneiden. Ihm sind beide Arme gebrochen, und hier sind die Idioten, die es getan haben.«

Er zeigte auf die beiden Fremden, die vor lauter Verlegenheit mit den Füßen scharrten und dümmer als je aussahen.

Billy setzte sich aufs Bett, und während Saxon die Lampe hielt, begannen Bud und die beiden Fremden, ihm Rock, Hemd und Unterjacke abzuschneiden.

»Er wollte nicht ins Krankenhaus«, sagte Bud zu Saxon.

»Nein, ich denke nicht daran«, erklärte Billy. »Ich ließ sie nach Doktor Hentley schicken. Er kann jeden Augenblick kommen. Diese beiden Arme sind alles, was ich auf der Welt habe.«

»Aber wie ist es denn zugegangen?« fragte Saxon und sah von Billy auf die beiden Fremden – offenbar außerstande, das freundschaftliche Verhältnis zwischen ihnen zu verstehen.

»Ach, es ist nicht ihre Schuld«, antwortete Billy schnell. »Sie meinten es gut. Sie sind Fuhrleute aus San Franzisko, die gekommen sind, um uns zu helfen.«

Es sah aus, als belebten sich die beiden Kutscher bei dieser Bemerkung Billys ein wenig, und sie nickten.

»Ja«, sagte der eine mit tiefer, heiserer Stimme. »Wir haben uns geirrt – ja, wir haben uns schön blamiert.«

Saxon war nicht aufgeregt. Was geschehen war, hatte sie nur erwarten können. Es entsprach allem, was Oakland ihr und den Ihren schon angetan hatte, und außerdem war Billy nicht gefährlich verletzt. Armbrüche und ein Loch im Kopf waren Dinge, die bald heilten. Sie holte Stühle und bat alle, sich zu setzen.

»Aber jetzt erzählt mir, was geschehen ist«, bat sie. »Ich verstehe nicht ein Wort von der ganzen Geschichte. Wie hängt es zusammen, daß ihr großen Lümmel zuerst meinem Mann die Arme brecht und ihn hinterher in aller Freundschaft nach Hause bringt?«

»Ja, es ist nur Ihr gutes Recht, daß Sie das erfahren«, versicherte Bud Strothers. Es ging so zu –«

»Halt das Maul, Bud«, fiel Billy ihm ins Wort. »Du warst doch nicht dabei.«

Saxon sah die San Franziskoer Fuhrleute an.

»Wir waren hergekommen, um zu helfen, denn die Fuhrleute in Oakland können ja nicht allein fertig werden«, sagte der eine, »und wir haben ihnen auch gut geholfen, die Streikbrecher zu lehren, daß es manch besseres Handwerk in der Welt gibt, als Kutscher zu spielen. Na ja, ich und Jackson hier – wir schnüffeln herum, um zu sehen, was wir entdecken können, als Ihr Mann ankommt. Als er sah –«

»Wart mal«, unterbrach Jackson ihn. »Du mußt alles von Anfang an erklären. Wir meinen doch alle dem Aussehen nach zu kennen. Aber Ihren Mann haben wir noch nie gesehen, weil er –«

»Weil er, wenn ich so sagen darf, für eine Weile aus dem Spiel gesetzt war«, fuhr der erste Kutscher fort. »Als wir also einen Kerl, den wir für einen Streikbrecher halten, durchschlüpfen und durch die Gasse abbiegen sehen –«

»Die Gasse hinter Campbells Krämerladen«, erläuterte Billy.

»Ja, hinter dem Krämerladen«, fuhr der erste Kutscher fort. »Sehen Sie, da waren wir ganz sicher, daß es einer von den verfluchten Streikbrechern war, die von Murray und Ready eingestellt sind, und die sich hinten herum in die Ställe einschleichen wollen.«

»Ja, da haben wir selber mal einen erwischt, Billy und ich«, warf Bud ein.

»Wir also gleich drauflos«, wandte Jackson sich zu Saxon. »Wir sind früher schon mit dabei gewesen und wissen Bescheid, und zwar gründlich. Und so fangen wir denn Ihren Mann direkt in der Gasse –«

»Ich guckte mich nach Bud um«, sagte Billy. »Die andern sagten, ich würde ihn am andern Ende der Gasse finden. Und da kommt dieser Jackson hier und fragt, ob ich ihm ein Streichholz geben kann.«

»Und dann verrichtete ich meine hübsche kleine Arbeit«, nahm der erste Kutscher seinen Bericht wieder auf.

»Wie denn?« fragte Saxon.

»Das da.« Der Mann zeigte auf die Wunde, die Billy am Kopfe hatte. »Ich langte nach ihm aus. Er fiel um wie ein Stier, und dann kam er auf die Knie, taumelte und schwatzte etwas von einem, der wohl nicht richtig im Kopfe sei. Er war nicht recht bei sich. Und da taten wir es.«

Der Mann schwieg – er war jetzt mit seinem Bericht fertig.

»Sie brachen ihm beide Arme mit einem Brecheisen«, warf Bud ein.

»Ja, beide Arme«, bestätigte Billy. »Und da standen nun die beiden und erzählten mir was. ›Davon kannst du lange Nutzen und Freude haben‹, sagt Jackson. Und Anson sagt: ›Mit den Armen möchte ich dich kutschieren sehen.‹ Und dann sagt Jackson: ›Wir wollen ihm noch eine Kleinigkeit mit auf den Weg geben.‹ Und im selben Augenblick haut er mir eine runter.«

»Nein«, berichtigte Anson, »das war ich.«

»Na ja, und die schickte mich wieder ins Traumland«, seufzte Billy. »Und als ich wieder zu mir kam, standen Bud und Anson und Jackson da und begossen mich mit Wasser aus einem Trog. Und dann rissen wir einem Reporter aus und gingen alle zusammen her.«

Bud Strothers hob die Hand und zeigte frische Schrammen auf den Knöcheln.

»Der Idiot von Reporter wollte durchaus Bekanntschaft hiermit machen«, wandte er sich zu Billy, »deshalb holte ich euch erst in der Siebten ein.«

Ein paar Minuten darauf kam Doktor Hentley und warf die Männer hinaus. Sie warteten, bis er mit seiner Untersuchung fertig war, um sich zu vergewissern, daß es nichts Ernstes mit Billy war, und gingen dann. In der Küche wusch Doktor Hentley sich die Hände und gab Saxon die letzten Anweisungen. Während er sich abtrocknete, begann er herumzuschnüffeln und sah nach dem Herd, wo ein Topf kochte.

»Muscheln?« fragte er. »Wo haben Sie die gekauft?«

»Ich habe sie nicht gekauft«, sagte Saxon. »Ich habe sie selbst gesammelt.«

»Doch nicht im Sumpf?« fragte er gespannt.

»Doch.«

»Dann werfen Sie sie weg. Sie sind Tod und Verderben. Typhus – ich habe schon drei Fälle gehabt, und alle sind auf die Muscheln und den Sumpf zurückzuführen.«

Als er gegangen war, tat Saxon, wie er gesagt hatte. Das ist ein neues Übel an Oakland, dachte sie bei sich – Oakland, die Menschenfalle, die vergiftete, wen sie nicht aushungern konnte.

»Ja, ob das nicht genügte, einen zum Säufer zu machen«, stöhnte Billy, als Saxon wieder zu ihm kam. »Hast du je von einem solchen Pech gehört? Bei all meinem Boxen nie einen Knochen zerschlagen. Und jetzt – eins, zwei, drei – sind beide Arme kaputt.«

»Ach, es hätte noch schlimmer gehen können«, lächelte Saxon heiter.

»Da möchte ich schon wissen, wieso.«

»Na, wäre es nicht schlimmer gewesen, wenn du in Oakland hättest bleiben wollen, wo es jeden Augenblick wieder geschehen könnte?«

»Ich kann schon sehen, wie ich Bauer werde und mit einem Paar Pfeifenrohren, wie diesen hier, herumgehe und pflüge«, fuhr er fort.

»Doktor Hentley sagt, daß sie dort, wo sie gebrochen sind, stärker werden als je. Aber jetzt schließ die Augen und schlaf. Du bist schrecklich herunter und brauchst Ruhe. Laß das Denken.«

Er schloß gehorsam die Augen, und sie legte ihm ihre kühle Hand unter den Nacken.

»Das ist ein schönes Gefühl«, murmelte er. »Du bist so kühl, Saxon – deine Hand und deine ganze kleine Person. Bei dir zu sein ist, wie wenn man in die Nachtkühle hinauskommt, nachdem man in einem erhitzten Lokal getanzt hat.«

Als er ein paar Minuten stillgelegen hatte, begann er, leise zu lachen.

»Was gibt es?« fragte sie.

»Ach, nichts – ich dachte nur an die Idioten, die mich verprügelt haben, – mich, der ich mehr Streikbrecher verprügelt habe, als ich zählen kann.«

 

Am nächsten Morgen erwachte Billy in bedeutend besserer Stimmung. In der Küche konnte Saxon hören, wie er einige merkwürdige gesangliche Akrobatenkunststücke versuchte.

»Ich kann ein neues Lied, das du noch nie gehört hast«, erzählte er, als sie mit einer Tasse Kaffee kam. »Aber ich kann nur den Refrain. Der Alte redet mit einem Landstreicher von Tagelöhner, der seine Tochter heiraten will. Mamie – das war ein Mädel, mit dem Billy Murphy ging, ehe er heiratete – sang es oft. Es ist so schön rührselig. Mamie heulte immer dabei.«

Und mit großer Feierlichkeit und so falsch, daß es eine Qual war, ihm zuzuhören, sang Billy das Lied.

Aber sie fürchtete, daß der Kaffee kalt werden würde, und zwang Billy, ihn zu trinken. Hilflos, wie er mit seinen beiden gebrochenen Armen war, mußte er wie ein kleines Kind gefüttert werden, und während sie ihn fütterte, sprachen sie miteinander.

»Eines will ich dir sagen«, sagte Billy zwischen zwei Schlucken. »Sobald wir auf dem Lande zur Ruhe gekommen sind, sollst du das Pferd haben, das du dir dein ganzes Leben gewünscht hast. Und es soll dein eigenes Pferd sein, das du reiten oder fahren oder verkaufen – kurz, mit dem du machen kannst, was du willst.«

Dann wieder grübelte er: »Eines wird großartig sein, wenn wir auf dem Lande wohnen«, sagte er schließlich, »nämlich, daß ich so gut mit Pferden Bescheid weiß. Damit kann man gut in Gang kommen. Ich kann ja immer mit Pferden zu tun kriegen – wo es keine Gewerkschaftslöhne gibt. Und alles, was man sonst von der Bauernarbeit wissen muß, kann ich doch sicher schnell lernen.«

Saxon mußte sehr mit sich kämpfen, um die Tränen zurückzuhalten. Es war, als wollte ihr Herz vor Glück brechen, und sie erinnerte sich vieler Dinge – der Verheißung eines ganzen Lebens mit Billy aus den Tagen, ehe die schwere Zeit begann. Jetzt kam diese Verheißung wieder. Und da das Leben ihnen keine Erfüllung der Verheißung gebracht hatte, so wollten sie jetzt selbst ausziehen und die Erfüllung suchen.

Eine Furcht, die jedoch nicht ganz echt war, ließ sie sich in das Schlafzimmer hinter der Küche schleichen, wo Bert gestorben war, und im Spiegel des Toilettentisches studierte sie ihr Gesicht. Nein, sie war nicht sehr verändert. Schön war sie nicht. Das wußte sie gut. Aber hatte Mercedes nicht gesagt, daß die großen Frauen in der Geschichte, die die Liebe der Männer errungen hatten, nicht schön gewesen waren? Und doch war sie alles eher als häßlich, wie Saxon sich sagte, als sie ihr Spiegelbild betrachtete. Sie sah ihre großen grauen Augen, die so tiefgrau waren und immer so lebendig blickten, und auf deren Oberfläche wie in deren grauer Tiefe immer unausgesprochene Gedanken schwammen, Gedanken, die zu Boden sanken und sich auflösten, um neuen Gedanken Platz zu machen. Die Brauen waren schön, darüber war sie sich ganz klar – fein gezeichnet, etwas dunkler als das hellbraune Haar, und sie paßten ausgezeichnet zu ihrer unregelmäßigen Nase, die ausgeprägt weiblich, aber nicht schwach, eher pikant war und ein bißchen keck wirkte. Sie konnte sehen, daß ihr Gesicht etwas mager war, und ihre Lippen waren nicht ganz so rot wie früher; sie hatten etwas von ihrer frischen Farbe verloren. Aber alles das konnte wiederkommen. Ihr Mund war keine Rosenknospe – wie man es in den Magazinen sah. Sie betrachtete ihn besonders aufmerksam. Es war ein lustiger Mund, ein Mund, geschaffen, froh zu sein, zu lachen und andere zum Lachen zu bringen. Und sie wußte, daß ihr Lächeln auch bei andern Lächeln zu erzeugen pflegte. Sie lachte mit den Augen allein – das war einer ihrer kleinen Tricks. Dann warf sie den Kopf zurück und lachte mit Augen und Mund zugleich, und zwischen den halbgeöffneten Lippen kamen die beiden Reihen starker weißer Zähne zum Vorschein.

Und sie erinnerte sich, wie Billy an dem Abend in der Germania-Halle, als er Charley Long abgefertigt hatte, ihre Zähne gelobt hatte. »Nicht groß und auch nicht dumme kleine Kinderzähne«, hatte Billy gesagt. »Gerade so, wie sie sein sollen, und sie passen zu Ihnen.«

Wieder ließ sie den Blick über ihr Spiegelbild schweifen. Ja, sie konnte es schon mit mancher aufnehmen. War Billy prachtvoll als Mann, so war sie ihm auf ihre Art ebenbürtig. Sie kannte genau ihren Wert und ebenso genau den seinen. Wenn er wie früher war, richtig der alte, nicht von Sorgen gequält, nicht von der Falle gepeinigt, nicht durch Trinken von Sinnen gebracht, wenn er er war, ihr junger Liebhaber, dann war er reichlich das wert, was sie ihm geben konnte.

Saxon warf sich einen letzten Blick im Spiegel zu. Nein, sie war nicht tot. So wenig, wie Billys Liebe und ihre Liebe tot war. Alles, was sie brauchten, war der rechte Boden – dann wuchs und blühte ihre Liebe wieder. Und jetzt kehrten sie Oakland den Rücken und wanderten fort, um den rechten Boden zu finden.

»Ach, Billy!« rief sie durch die Wand hindurch, während sie immer noch auf dem Stuhl stand und mit der einen Hand den Spiegel hin- und herwippte, so daß sie den Blick von ihren Fußgelenken und Waden bis zu dem Gesicht mit der warmen Farbe und dem schelmischen Ausdruck schweifen lassen konnte.

»Nun, was gibt es?« hörte sie ihn antworten.

»Ich mache mir selbst den Hof«, rief sie zurück.

»Was sind das nun für Dummheiten?« fragte er verblüfft. »Warum bist du so verliebt in dich?«

»Weil du mich liebst«, antwortete sie. »Ich liebe jedes bißchen von mir selbst, Billy, weil ... weil ... nun ja, weil du jedes bißchen von mir liebst.«

 

Die Tage flogen in Glück und Freude für Saxon dahin, die mehr als genug damit zu tun hatte, Billy zu essen zu geben und zu pflegen, ihre Hausarbeit zu verrichten, Pläne zu schmieden und ihren kleinen Vorrat an feinen Handarbeiten zu verkaufen. Es war schwer genug gewesen, Billys Einwilligung zum Verkauf all der hübschen Dinge zu erhalten. Schließlich aber glückte es ihr doch, sie ihm abzulisten.

»Es sind nur die Dinge, die ich selbst nicht brauche«, sagte sie eindringlich. »Und ich kann immer wieder neue machen, wenn wir uns irgendwo niedergelassen haben.«

Was sie nicht verkaufte, gab sie Tom zur Aufbewahrung, dazu die Hauswäsche und ihre und Billys überflüssige Garderobe.

»Mach nur zu«, sagte Billy. »Du verwaltest das Geschäft. Was du sagst, soll gelten. Hast du schon bestimmt, wohin wir reisen?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Oder wie?«

Sie hob erst den einen Fuß, dann den andern mit den soliden Straßenschuhen, die sie an diesem Morgen in Gebrauch genommen hatte.

»Auf Schusters Rappen, nicht wahr?«

»So ist unser Geschlecht nach dem Westen gekommen«, sagte sie stolz.

»Ja, dann sind wir aber die reinen Vagabunden«, wandte er ein. »Und ich habe nie von einer wandernden Frau gehört.«

»Nun, dann hörst du jetzt davon. Und, Billy, es ist keine Schande zu wandern. Meine Mutter wanderte fast den ganzen Weg über die Prärie. Und beinahe alle andern Mütter sind in jenen Tagen gewandert. Mir ist es gleichgültig, was die Leute denken.«

Nach ein paar Tagen, als die Kopfwunde geheilt war, stand Billy auf und begann umherzugehen. Natürlich aber war er ganz hilflos, solange er noch beide Arme im Gipsverband trug.

Doktor Hentley ging nicht allein darauf ein, daß sie mit dem Bezahlen seiner Rechnung auf bessere Zeiten warten sollten, sondern schlug es ihnen direkt vor. Von Staatsboden erklärte er, auf Saxons eifrige Frage, nichts zu wissen, nur hätte er eine dunkle Vorstellung, daß die Tage, da man Boden vom Staate bekam, vorbei seien.

Tom hingegen war vollkommen überzeugt, daß der Staat eine Menge Boden hatte. Er sprach vom Honey Lake, von Shasta County und von Humboldt.

»Aber ihr könnt zu dieser Jahreszeit nicht daran denken. Der Winter steht vor der Tür«, sagte er zu Saxon. »Ihr müßt nach Süden wandern, bis ihr dorthin kommt, wo es wärmer ist, zum Beispiel an der Küste. Dort schneit es nicht. Ich will euch sagen, was ihr tun sollt. Ihr geht über San José und Salinas, bis ihr an die Küste bei Monterey kommt. Südlich davon werdet ihr zwischen geschütztem Wald und mexikanischen Bauernhöfen Staatsboden finden. Es ist ziemlich wild dort, und es gibt keine Wege. Sie züchten nur Vieh. Aber es gibt schöne Riesentannencanyons dort und guten Ackerboden, der direkt bis ans Meer reicht. Ich sprach voriges Jahr einen Mann, der das alles gesehen hat. Und ich würde auch hinziehen wie du und Billy, aber Sarah will durchaus nichts davon hören. Es gibt auch Gold dort. Eine ganze Menge Menschen gehen hin, um nach Gold zu suchen; es gibt jedenfalls ein paar gute Minen. Aber das ist weiter weg und ein Stück von der Küste entfernt. Ihr könnt euch ja immerhin danach umsehen.«

Saxon schüttelte den Kopf. »Wir suchen nicht Gold, sondern Hühner und Federvieh und ein Stück Land, wo wir Gemüse bauen können. Unsere Vorfahren konnten ja in der ersten Zeit Gold suchen, und ihr seht, was dabei herausgekommen ist.«

»Ja, da hast du sicher recht«, gab Tom zu. Sie spielten zu hoch und ergriffen nicht die Tausende kleiner Chancen, die ihnen direkt vor der Nase lagen. Nimm zum Beispiel Onkel Will. Er hatte soviel Bauernhöfe, daß er nicht wußte, was er damit machen sollte. Aber war er zufrieden? Nein, gewiß nicht – er wollte durchaus ein großer Viehkönig sein, und er starb als Nachtwächter in Los Angeles mit vierzig Dollar monatlich. Es gibt etwas, das Verstand heißt, und der Zeitgeist hat sich verändert. Jetzt ist alles Großhandel, und wir sind die kleinen Leute. Früher konnte jedermann einen Hof bekommen. Er brauchte nur seine Ochsen ins Joch zu spannen und ihnen zu folgen, der Stille Ozean lag viele Meilen westlich, und all die Bauernhöfe warteten nur auf sie.

Das war der Geist jener Zeit – Land umsonst und in großen Mengen. Als wir aber zum Stillen Ozean kamen, da war die Zeit auch vorbei. Da begann der Großhandel. Und mit dem Großhandel kamen große Geschäftsleute. Und jeder große Geschäftsmann bedeutet Tausende kleiner Leute, die kein Geschäft haben und nur für die Großen arbeiten. Und wenn es ihnen nicht paßt, dann können sie es lassen, aber davon haben sie auch keine Freude. Sie können ihren Ochsen nicht das Joch auflegen und auswandern, denn sie können nirgends hinwandern.«

»Ja, aber die großen Leute waren tüchtiger«, warf Saxon ein.

»Sie hatten mehr Glück«, behauptete Tom. »Einige gewannen, aber viele verloren, und die Männer, die verloren, waren ebensogut wie die andern. Nun, es gab auch welche, die weit in die Zukunft schauten. Sieh, wenn dein Vater ein Herz- oder ein Nierenleiden oder die Gicht bekommen hätte, so hätte er nicht Expeditionen und Kriegszüge in der ganzen Welt unternehmen können, ja, dann würde er sich natürlich in San Franzisko niedergelassen haben – dazu wäre er gezwungen gewesen –, Grundstücke gekauft, Dampfschiffsreedereien gegründet, an der Börse gespielt und Eisenbahnen und Tunnels gebaut haben und dergleichen mehr.

Ja, er wäre selbst ein großer Geschäftsmann geworden. Ich kannte ihn. Er war der energischste Mann, den ich je getroffen habe, er dachte so schnell wie der Blitz, so kalt wie ein Eiszapfen und so wild wie ein Tiger. Aber er war so erfüllt vom Zeitgeist, daß er fast platzte, er war lauter Feuer und Flamme und konnte nirgends bleiben. Dein Vater bekam im richtigen Augenblick keine Gicht – das ist alles.«

Saxon seufzte, lächelte dann aber wieder.

»Aber deshalb habe ich doch etwas, das die andern nicht haben«, sagte sie. »Sie können keine Boxer heiraten, und das habe ich getan.«

Tom sah sie an, als wüßte er nicht recht, was er glauben sollte, dann aber begann sein Gesicht vor Bewunderung zu leuchten.

»Ja, ich will dir nur eines sagen«, erklärte er mit großer Feierlichkeit, »nämlich, daß Billy Glück hat, und daß er selber gar nicht weiß, wieviel.«

 

Erst als Doktor Hentley es erlaubte, wurde der Gipsverband von Billys Armen genommen, und Saxon drang darauf, daß sie noch vierzehn Tage warten sollten, um ganz sicher zu gehen. Mit den vierzehn Tagen wurden es zwei Monate Miete, und der Wirt hatte versprochen, sich zu gedulden, bis Billy wieder zu Geld kam.

Salingers warteten bis zu dem mit Saxon vereinbarten Tag mit dem Abholen der Möbel, und dann zahlten sie Billy noch fünfundsiebzig Dollar zurück. »Den Rest betrachten wir als Miete«, sagte der Einkassierer zu Saxon, »und die Möbel sind jetzt ja auch gebraucht. Es ist ein Verlust für Salingers, und sie brauchten es eigentlich nicht zu tun – das wissen Sie wohl. Aber denken Sie daran, daß wir kulant gegen Sie gewesen sind, und gehen Sie nicht an unserer Tür vorbei, wenn Sie sich wieder einrichten.«

Mit diesem Geld und mit dem, welches Saxon für ihre feinen Dinge erzielte, konnten sie all ihre kleinen Rechnungen bezahlen und hatten sogar noch ein paar Dollar übrig.

»Ich hasse es, Geld zu schulden – ich hasse es wie die Pest«, sagte Billy zu Saxon. »Und jetzt sind wir doch keinem Menschen etwas schuldig – außer dem Wirt und Doktor Hentley.«

»Und keiner von ihnen soll länger warten als durchaus notwendig«, sagte sie.

»Das sollen sie auch nicht«, antwortete Billy ruhig.

Saxon lächelte beifällig, denn sie teilte Billys Schrecken vor Schulden, und in dieser Beziehung hatten sie beide dieselbe strenge Moral wie die ersten Pioniere, die sich im Westen niedergelassen hatten.

Als Billy einmal ausgegangen war, benutzte Saxon die Gelegenheit, die Kommode, die mit dem Segelschiff über den Atlantischen Ozean und mit Ochsenkarren über die Prärie befördert worden war, zu packen. Sie betrachtete noch einmal den Holzschnitt von den Wikingern, die mit dem Schwert in der Hand auf den englischen Strand sprangen. Und wieder glaubte sie, in einem der Wikinger Billy zu sehen, und eine Weile saß sie da und dachte, wie wunderbar weit die Saat verstreut war, von der sie stammte. Sie dachte an die Erzählung ihrer Mutter, wie das verheißene Land vor ihren Augen erschien, als ihre mitgenommenen Karren und müden Ochsen über die Sierra mit dem frühen Winterschnee in das prächtige Sonnenland Kalifornien mit all seinen Blumen kamen. Sie sah in Gedanken von den schneebedeckten Höhen herab, wie ihre Mutter als neunjähriges Mädchen von ihnen hinabgesehen haben mußte.

Dann seufzte sie glücklich und wischte sich die Augen. Vielleicht waren die schweren Zeiten jetzt überstanden. Vielleicht war es ihre »Prärie« gewesen, und vielleicht waren sie und Billy jetzt gut hinübergekommen und kletterten in eben diesem Augenblick über die Sierra, von wo sie in den herrlichen Talstrich gelangten.

 

Neugierige Nachbarn guckten hinter den Gardinen, als Billy und Saxon die Straße hinabschritten, und die Kinder gafften ihnen überrascht nach. Billy trug ihr Bettzeug in einem bemalten Segeltuchüberzug auf dem Rücken. In diesem Packen hatte er auch ihre reine Wäsche und verschiedene andere notwendige Dinge. Obendrauf waren eine Bratpfanne und eine Kasserolle gebunden. In der Hand trug er die Kaffeekanne. Saxon hatte in der einen Hand einen Rucksack und auf dem Rücken die Ukulélé im Futteral.

»Wir müssen gefährlich aussehen«, brummte Billy, der zusammenfuhr, sooft ihn jemand ansah.

»Wenn wir nur eine große Fußwanderung machten, wäre nicht das geringste Lächerliche dabei«, tröstete Saxon ihn.

»Aber wir machen ja keine.«

»Sie wissen es jedenfalls nicht«, fuhr sie fort. »Nur du weißt es, und was du glaubst, daß sie denken, das denken sie gar nicht. Sie denken vermutlich, daß wir eine Fußwanderung machen. Und das beste ist, daß es ja auch stimmt. Wir tun es! Wir tun es!«

Das erheiterte Billy ein Weilchen, wenn er auch etwas murmelte, daß er jedem, der unverschämt gegen sie zu sein wagte, den Kopf zerschlagen würde. Dann warf er einen Blick auf Saxon. Ihre Wangen waren rot, und ihre Augen leuchteten.

»Weißt du«, sagte er plötzlich, »ich habe einmal eine Oper gehört, in der die Burschen mit Gitarren auf dem Rücken durch das ganze Land wanderten – genau so gehst du mit deinem Klimperding. Sie sangen die ganze Zeit im Gehen.«

»Dazu hab ich sie auch mitgenommen«, antwortete Saxon. »Und wenn wir auf der Landstraße sind, will ich singen, und auch beim Lagerfeuer wollen wir singen. Wir machen eine Fußwanderung – das ist alles. Wir haben uns Ferien genommen und wollen uns umsehen. Warum sollten wir es uns nicht gut sein lassen? Wir wissen ja nicht einmal, wo wir heute nacht und im übrigen auch alle andern Nächte schlafen sollen. Ist das nicht lustig?«

»Ja, es ist wirklich sehr komisch«, sagte Billy nachdenklich. »Aber ich möchte dir doch vorschlagen, daß wir durch die Nebenstraßen gehen. An der nächsten Ecke stehen ein paar Burschen, die ich kenne, und ich möchte ihnen nicht gern die Köpfe zerschlagen.«

* * *

 

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