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Das Mandelhaus

Hermann Stehr: Das Mandelhaus - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/stehr/mandelha/mandelha.xml
typefiction
authorHermann Stehr
titleDas Mandelhaus
publisherPaul List Verlag
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20120207
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9

Verborgen blieb dem Schneider das neue Singespiel seines Jungen freilich nicht. In einer Erinnerung, die der Meister nicht klar vor sich aufkommen ließ, wußte er, daß der Knabe und seine Lieder eigentlich von ihm aufs Feld getrieben worden seien. Doch gab er sich dieses Wissen nicht zu. Auf Schleichwegen erreichte er die allgemeine Überzeugung, daß er den Amadeus mit seiner Singerei habe hinausschaffen müssen, weil er ihn in seiner Arbeit störe. Um die letzten Traummeiler seiner Seele dunstete zudem manchmal der Rauch einer Ahnung, daß auch aus der Entfernung seines Jungen Lied keinen günstigen Einfluß auf ihn habe. Dann schlich er sich um des Kleinen Fabelstube und erlauschte allerhand von dessen Gesängen: vom Loch im Wasser, dem Klopfmännlein, der Hübner-Bäuerin und ihrem Mann. Am öftesten hörte er den Amadeus von Veronika, dem kleinen Mädchen, singen. Von ihm und der Maruschka sang er nur immer das dumme, vollkommen verdrehte Lied von der roten Kugel. Deswegen stach den Meister mehr als einmal der geheime Miseldraht dergestalt, daß er schon die Äste bog, um den Jungen von dem verborgenen Flausenthron zu jagen. Allein ein Weiches, Süßes, eine unausdenkliche Schönheit, die nur durch des Kleinen Stimme in dem alten Mandel lebte, hinderte ihn daran. Er kriegte sich immer noch zur rechten Zeit in eine gute Hand und kehrte in sein Haus zurück, ohne sein Kind angetastet zu haben.

Doch saß er wieder an seinem Schneidertisch und der schwache Widerhall von Amadeus' Stimme strich durch das offene Fenster an seinem Ohr vorüber, wurde ihm oft zum Schreien heiß und eng in seiner Herzgrube.

In den Nächten, die solchen Tagen folgten, ging auch das Rumoren im Hause von neuem los. Christoph Eusebius hatte keine Leibesruh' und hielt wieder stundenlang Wache auf der Bodenstiege.

Während dieser wirren Heimsuchungen arbeitete der Schneider unausgesetzt an der Hübner-Jacke. In einer langen, schlaflosen Nacht wurde sie endlich fertig. Beim Morgengrauen nähte er den letzten Knopf an. Er hing sie an die Wand und legte sich schlafen. Am hellen Vormittage erwachte er, vollkommen zerrüttet und erschöpft, mit der Empfindung, am Ende einer langen, mörderischen Wanderung angelangt zu sein. Die Stube lag lautlos in einem aufgedunsenen Lichte, ganz ohne Leben.

Amadeus steckte schon wieder draußen im Gesträuch, und Maruschka hörte er mit Holzgeschirren im Tümpel unter der Weide hantieren. Er stützte den Kopf auf die Ellenbogen und verfolgte mit willenlosem Lauschen das Plätschern des Wassers und das Aneinanderstoßen der Geschirre. Dabei kroch seine Seele halb in den Schlaf zurück. Er lag und zwinkerte mit seinen umrunzelten Äuglein. Ohne zu wissen, was er sprach, fragte er sich fortwährend leise:

»Was soll denn das sein? Das is doch keine Ernte? Du, Christoph, he, was is denn das, du?«

Ein Strähn grauer Haare fiel über seine Stirn, wurde von ihm fortgestrichen, sank aber immer wieder in die Augen.

Plötzlich lag er in einer pechschwarzen Wolke, seine Brust wurde von so schwerer Angst eingeklemmt, daß er keinen Atem kriegte. Als er sich von diesem Anfall wie von einem dumpfen Schlage erholte, stand grell die Sicherheit vor seinen Blicken, er sitze verkehrt auf dem Pferde, und wenn er sich nicht zusammennehme wie in des Schlächters Hof halbwegs gegen Hamburg hin, wo er vor dem Gendarmen über die Mauer sprang, die zwei Meter hoch war oder drei, packte es ihn beim Kragen und drückte ihm den Dampf ab. Auf diese Weise, wie er es jetzt trieb, durfte es nicht weitergehen; so fraß er sein Haus auf und sich selber.

Wie gestochen sprang er auf und zog sich an. Im Umhergehen knöpfte er die Weste zu. Vom Felde her klang langsam metallisches Pinken, der Dengelschlag eines trägen Mähers. Bei jedem Ton schoben des Schneiders Finger einen Knopf durch das Knopfloch. Dabei zählte er: Eins ... zwei ... drei ... bis acht. Merkwürdig. Als seine Weste geschlossen war, hörte das Pinken draußen auf. Eusebius blieb stehen und verwunderte sich über dies Zusammentreffen.

Da schoß es ihm durch den Kopf: Acht, gerade acht Wochen watete sein Leben durch dies wirre, faule Trödeln. Nach Rettung ausspähend, suchten seine Augen die Wände seiner Stube ab. Er bemerkte die Hübner-Jacke am Nagel hängen und fühlte sich beruhigend auf die Schulter geklopft, daß die Zeit doch nicht ganz nutzlos vertan war. Und nun sollte ein anderer Wind durch seinen Ahorn gehen, einer aus dem Effeff.

Wenn er sich beeilte, kam er noch vor dem Mittag nach Bauerröhrsdorf hinunter und konnte die Jacke im Hübner-Hofe abliefern.

Er zog den Kaffeekrug aus der Ofenröhre und machte sich übers Frühstück. Zwischen Kauen und Schlucken stellte er die Rechnung auf, Posten um Posten, Steifleinwand, Futterstoff, Seide und so weiter, und legte überall einen Zehner oder ein weniges mehr dazu, damit der Bauer etwas zum Abreißen habe.

Dann nahm er seinen sonntäglichen Rock aus dem Schrank, breitete ihn auf der Bank aus und legte den Pfefferrohrstock darüber. Ehe er aber die Jacke in die Wachsleinwand schlug, unterzog er sie einer genauen Untersuchung, ob auch überall die Heftstiche entfernt seien, und ob sie im ganzen so geraten sei, vor kritischen Blicken zu bestehen. Er zupfte da und dort, schnippte mit dem Finger darüber hin, breitete sie vor sich aus, hielt sie an langem Arme von sich, hing sie wieder an den Nagel und trat einen Schritt zurück. Denn manches Werk kommt erst von weitem zur richtigen Geltung. Doch er mochte rechts oder links stehen, der Sonne Zutritt gewähren oder den Schatten darauf wirken lassen: keine Beleuchtung, keine Entfernung half. Mit der Jacke war einfach nicht ins reine zu kommen. Dieses Werk, das in seiner Hauptidee so vollendet überlegt und zugeschnitten war, hatte unter den Nachtwachen, dem Rumoren, den unterirdischen Unruhen, der fliegenden Hitze und all den wirren Heimsuchungen wie unter einer ununterbrochenen Rebellion dermaßen gelitten, daß es eigentlich, wollte er ehrlich sein, bloß eine große Anzahl Flickflecken darstellte, deren Vereinigung einen oben und unten offenen Sack bildete, an dem die Ärmel ganz widersinnig gleich zwei gewundenen Tuten hingen, und die Nähte krochen als warzige Würmer ungeregelt in allen Teilen dieses unseligen Kleidungsstückes umher. Nichts an ihr deutete auf den schüchternen Versuch hin, sich dem Leib eines richtigen Bauernburschen anzupassen.

Als Mandel sich von der Aussichtslosigkeit jedes Änderungsversuches überzeugt hatte, trat ihm der kalte Schweiß auf die Stirn. Er legte die Jacke auf die Bank neben seinen Rock, sank mit gekreuzten Armen darüber hin, und es hätte nicht viel gefehlt, so wäre er in Tränen ausgebrochen.

Das war keine Entgleisung seines zu reichen Geistes. Aus dieser Verwirrung aller Grundsätze führte keine Spur zu einer freundlicheren Existenz, geschweige ein Weg in die Höfe der Reichen und Vornehmen, wie er doch am Anfange gedacht hatte. Das Sinnen warf ihn durch einen schwarzen Schacht und ließ ihn drunten auf erbarmungslose Steine fallen, daß es wie Funkenstieben um ihn wirbelte. Draußen polterte Maruschka weiter mit den Holzgefäßen in dem Tümpel unter der Weide. Der Schneider wollte gerade denken, es würde ihm wahrhaftig egal sein, wenn er nicht ein Meister, sondern ein Haferkorn wäre, da könnte ihn jeder erste beste Hahn auffressen, und mit dem ganzen bißchen Leben hätte es auf die einfachste Art ein Ende. Aber er konnte diesen Einfall nicht ausspinnen. Die Stumme pumpte die Schäffer fortwährend gegeneinander. Aus dem Gesträuch schwang sich jetzt noch seines Jungen Stimme auf und jubelte über diesen dumpfen, plumpen Trommellauten ins Sonnenlicht hinein.

Und während Mandel gezwungen war, eingeschrumpft, über sein verpfuschtes Leben hingebrochen, dieser Musik zu lauschen, verwandelte sich seine Verzweiflung in wilden Zorn. War es eigentlich die Stumme nicht allein gewesen, die ihn in den Wochen durch verwirrte Tage und zerstörte Nächte getrieben und ihn endlich hier über die Bank gestoßen hatte?! Achtlos, gleichgültig, ohne jedes Mitgefühl! Und nun es ihr gelungen war, ihn zu zerbrechen, vollführte sie draußen dies höhnische Pauken.

Bei geschlossenen Augen sah er ihre Brust sich aufblähen, die vollen Arme rot strotzen, den ganzen quellenden Körper sich vor Behagen wiegen und drehen. Da kam der todwunde Schneider wie gerissen in die Höh'. Seine Augen wurden lechzend weit und flackerten wie die Augen von Waldtieren, die vor Durst toll sind. Er sprang ans Fenster und warf einen verzehrenden Blick auf sie, prallte aber zurück. Denn eben hatte sich die Stumme aufgerichtet und kehrte ihm ihr vom Bücken noch gerötetes Gesicht zu, in dem ein verschleiertes Lächeln lag.

Jetzt hörte er sie auf das Haus zu kommen.

Wenn sie nun in die Stube trat, das fühlte der Schneider, dann mußte er sich auf sie stürzen, und es gäbe ein Unglück. Um das zu verhüten und sich und seinen Jungen vor Schande zu bewahren, riegelte er die Tür zu und stemmte sich noch dagegen, um die Wirtschafterin am Eintritt zu hindern.

Aber die Stumme wandelte an der Haustür vorüber und verlor sich im Obstgarten hinter dem Schuppen. Da hatte der geplagte Eusebius noch so viel Besinnung, schnell den Rock über sich zu werfen, den Stock zu ergreifen und fluchtartig das Haus zu verlassen.

In großem Bogen wich er dem Strauchwerk aus, in dem des Amadeus Stimme dann und wann aufklang, und bog hinter der Moserschenke in den Schrimsteig. Ohne Umsehen, in atemlosem Gang eilte er dem Walde zu, der sich bis an die Landesgrenze erstreckte, als sei er entschlossen, sein Leben hinter sich zu lassen und auf Nimmerwiedersehen aus dem Königreich Preußen auszuwandern.

Um die Mittagszeit trat die Stumme in die Stube und sah des Meisters Kleider unordentlich zerstreut auf der Erde liegen.

Sie erschrak und wurde bleich bis in die Zähne hinein, doch ging sie nach kurzem Überlegen, zündete Feuer im Ofen an, stellte die Suppe auf den Herd und nahm die Teller aus dem Topfschrank, kurz, sie widmete sich in einer Ruhe ihren Pflichten, als müsse der Schneider jeden Augenblick eintreten.

Der Zeiger der Uhr rückte über die Zwölf, und Mandel ließ sich nicht sehen.

Maruschka zog den Suppentopf aus der Glut und machte sich auf die Suche. Sie schaute aus jedem Fenster, lief das ganze Haus ab, und als sie unverrichtetersache wieder in die Stube zurückkehrte, las sie die Kleider des Meisters zusammen, nahm sie auf den Arm, strich gar sorgsam an ihnen hin und hing sie in den Schrank. Dabei beugte sie sich wohl zu weit vor, verlor ein wenig das Gleichgewicht und sank auf Augenblicke zwischen des Schneiders Sachen hinein, daß sie mit taumelnden Blicken wieder in die Stube zurückkam. Sie drückte die Augen ein und schüttelte sich mit zornigem Lächeln. Dann ging sie und sah sich nach dem Amadeus um. Während sie aber stand und ausschaute, stieß unvermutet schmerzvolles Glucksen in ihr auf. Das wurde zuletzt so heftig, daß sie in den Holzschuppen gehen mußte, bis es vorüber war.

Eusebius rannte indessen ziellos im Walde umher. Er hatte umgeworfen, das war klar. Die Siebensachen seines Lebens lagen wirr zerstreut um ihn. Nur mit Klarheit und Entschiedenheit ließ sich da etwas machen. Aber seinem Sinnen ging es wie einem, der seine Suppe mit der Gabel essen will, denn kaum, daß sich seine Überlegenheit irgendwo festgehakt hatte, kam ihm der Zorn gegen Maruschka dazwischen, und alles kochte in einem heißen Dampf. Es trieb ihn wieder wie in den Wochen vorher, und am Abend hatte er nichts erreicht, als sein Haus im Dunkel vor sich liegen zu sehen und voll schmerzvollen Erwartens nach ihm hinzuschauen.

»Entweder ich oder sie«, sagte er endlich vor sich hin, stieß den Stock zwischen dem Beerenkraut in den weichen Waldboden und hängte seinen Hut an die Krücke. Jawohl, sie! Damit mußte er anfangen. Denn von nichts anderem schrieb sich die Verwirrung her als von ihrer Eigenwilligkeit. Sie tat, was ihr gefiel, ging umher und zernahm ihm rein alles mit diesen abgewandten Augen, diesem spöttischen Lächeln, diesem unerträglichen Rucken ihrer Schultern.

»Ich werd' sie ins Geschirr bringen, aber nicht zu knapp«, sann er, immer mehr in die Höhe wachsend. »Hab' ich mich vor diesem Napoleon nicht gefürchtet, so werd' ich wohl auch noch einem Weibe den Kopf zurechtsetzen können.«

Eine halbe Stunde später saß er wieder in seinem Schneidertisch mit der unumstößlich festen Absicht, seine Wirtschafterin in die alte Botmäßigkeit zurückzuführen und ihr einmal ordentlich den Herrn zu zeigen.

Die Stumme erstaunte, den Meister so unvermittelt an dem gewohnten Platz zu sehen. Mandel gab sich den Anschein, als sei sie nicht vorhanden, und verfolgte sie unauffällig mit dem Schwelen seines Planes. Wenn sie sich bückte, so dachte er: Ja, bück dich nur! Ich habe dem Franzelbauer einen Rock gemacht, wie es keinen zweiten in der Umgegend gibt. Ich werde auch dich kuranzen.

Wenn sie sich aufrichtete und stark über die Stube schritt, kochte er in sich hinein: der lange Just ist ein Kerl wie ein Baum und – trägt Hosen von meiner Hand. Nein, nein! Eusebius fürchtet sich nicht.

Je tiefer es in den Abend hineinging, desto ungestümer, wagehalsiger wurde er, desto verzehrender lagen seine Blicke umher. Alles um ihn wuchs: die Wände gleich hohen Mauern; das Licht der kleinen Tischlampe loderte als ein rotes, unruhiges Feuer; der Uhrschlag klang wie das Klopfen mit einem großen Hammer, und des Perpendikels Schwünge wirkten wie lautlose, verderbliche Sensenhiebe auf ihn. Er saß und wendete mit zitternden Händen das Tuch; er nähte und wußte nicht, wohin er stach, wichste das Garn, ohne eingefädelt zu haben.

Dabei verfolgte er alles mit scheuem Lauern und feuerte sich im stillen an: Warte nur, gleich! gleich!

Nun endlich entkleidete sich Amadeus, kniete ins Bettchen und betete, rief sein betretenes »Gute Nacht« herüber und schwamm nach einigen leisen Seufzern mit ruhigen Atemzügen dem Traum entgegen.

Jetzt war auch Maruschka mit dem Aufwaschen fertig, schlug den ausgewundenen Scheuerlappen aus und hängte ihn ans Ofentürchen zum Trocknen. Darauf trat sie an den Topfschrank, suchte den Schlüssel zum Holzschuppen und verließ die Stube.

Nun mußte Mandel handeln. Die Haustür fiel ins Schloß. Der Laut wirkte auf den Schneider wie ein Stoß vor die Brust. Mit klopfendem Herzen und wankenden Knien machte er sich auf. Er ging wie auf einer steilen Leiter. Aber er riß die Tür doch auf und bohrte seinen Blick mit einer solchen Kühnheit in das Dunkel des Flures, daß sich die Finsternis wie eine geprügelte schwarze Katze in alle Winkel verkroch.

»Ja, ja«, sagte der Schneider zu sich, »ich bin Christoph Eusebius Mandel! Da hat's weiter nischt.«

Mit diesen ermutigenden Worten trat er in den Flur, zog die Tür hinter sich zu und drückte sich in eine Ecke. Er wollte den Handel mit Maruschka hier im Flur ausfechten, denn ein Kind soll vom Streit seiner Eltern nichts wissen.

Das Schloß vom Ziegenstall war noch offen. Er drückte es ein über das andere Mal ein. Doch es blieb nicht. Die Ziegen wurden unruhig und meckerten.

»Seid ihr still, ihr Teufel«, hauchte er in Aufregung.

Da schlürften Schritte durchs Gras.

Schnell riß er das Vorhängeschloß ab und steckte es in die Tasche.

Er hatte gerade noch Zeit, einen Schritt zur Seite zu treten, da ging die Tür auf.

Die Zähne begannen dem Schneider aufeinanderzuschlagen. Krampfhaft sann er: Ich habe ... der lange Just trägt Hosen von mir ... ich habe ... ich habe ... ich habe ...

Maruschka war eingetreten und tastete nach dem Drücker.

Jetzt streifte ihn ihre volle Schulter. Plötzlich drehte es den Schneider wie ein Wirbel. Der Flur flimmerte. Ein großes, heißes Tor öffnete sich.

Aufschluchzend taumelte Christoph Eusebius hinein. Dabei stotterte er fortwährend: »Der lange Just trägt meine Hosen ... Der lange Just trägt meine Hosen ...«

Weich und warm schloß die Stumme ihre Arme um ihn. Das seltsame Tierweinen, doch nun ruckend wie in unsäglicher Inbrunst, klang wieder auf. Mandel sog es in sich wie das siedende Summen, mit dem der Hochsommer über reife Ähren wandelt.

Talali, talali, talali–i–i– tönte das Lied seines Jungen um ihn.

In starken Armen, mehr getragen, schwebte er die acht Stufen der Bodentreppe empor bis dahin, wo sie die steile Kehre machte und dann noch weiter hinauf.

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