Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz Werfel >

Das Lied von Bernadette

Franz Werfel: Das Lied von Bernadette - Kapitel 50
Quellenangabe
typefiction
authorFranz Werfel
titleDas Lied von Bernadette
publisherBertelsmann-Lesering
printrun1.-220. Tausend
year1953
firstpub1941
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20150220
modified20170428
projectidb222f8e3
Schließen

Navigation:

Kapitel Achtundvierzig. Ich habe nicht geliebt

Die Grotte in der Dämmerung. Der Pyrenäenhimmel ist noch vollgesogen mit Licht und strahlenden Farben. Hier unten aber beginnt's schon zu grauen. Der große eiserne Ständer unter der Felsnische, eine seltsame Kerzenpalme, flackert von Hunderten Flammen, die das späte Tageslicht aus dem Inneren der Grotte verdrängen. Die Figur der Dame im Oval ist in tanzende Schatten gehüllt. Der Dornstrauch und der Wildrosenzweig, bereits grünend, sind unverändert seit zwanzig Jahren. Der dunkle Fels unter der Nische schimmert feucht. Tropfen um Tropfen löst sich ab von ihm. Der vorspringende Fels auf der andern Seite der Grotte, der einem gewaltigen Schädelknochen gleicht, schimmert gelb. Wenn man sich, wie Hyacinthe de Lafite jetzt, vom Gave-Ufer der Grotte langsam nähert, glaubt man, ein durchbrochener Vorhang oder ein Teppich oder eine Art gotischen Maßwerks bedecke dieses helle Felsgebein. Es ist aber nur das dichte Gewebe der Krücken, Stöcke, Schienen, orthopädischen Hülsen, die von den Geheilten hier aufgehängt werden. Diese Grotte scheint gar nichts mehr mit der wüsten Höhle zu tun zu haben, die Lafite von seinen Spaziergängen kannte. Und doch, an sie selbst hat niemand Hand angelegt. Man hat sie nur durch ein schönes, hohes Gitter abgesperrt, durch das rechts und links zwei schmale Einlasse ins Innere führen. Entlang dieses Gitters erstreckt sich eine Gebetsstufe für die Knienden, die hier bei der Messe kommunizieren oder dem Felsportal der Erscheinung sehr nahe sein wollen, wenn sie ihr Anliegen vorbringen. Etwa zwanzig Bankreihen dahinter, durch einen breiten Mittelgang getrennt, bieten Platz für mehrere Hunderte von Andächtigen. Zu dieser Dämmerstunde ist das Gebänke voll von Menschen. Linker Hand von der Grotte, auf der hohen Kanzel, steht ein junger Priester, der mit sanftem Ton die Lauretanische Litanei vorsagt. Lafite hört im Näherkommen die französischen Worte der Anrufung immer klarer:

»Mutter der göttlichen Gnade – Du allerreinste Mutter –«

Nach jedem Einschnitt, den der Priester macht, erhebt sich das respondierende Gemurmel der Frommen.

»Du allerkeuscheste Mutter – Du ungeschwächte Mutter – Du unbefleckte Mutter – Du liebliche Mutter – Du wundervolle Mutter – Du Mutter des guten Rates – Bitte für uns –«

Welch schöne Verse, denkt Lafite, und was für ein beruhigender Rhythmus. Und wirklich, die verhaltene Stimme des jungen Priesters und das antwortende Gesumme verschmelzen zu einem einlullenden Wiegenlied, das im Bunde mit der fortschreitenden Dämmerung die Sinne gefangennimmt. Viele der Knienden beten mit ausgespannten Armen. Sie ahmen so mit ihrem eigenen Körper die Kreuzesform und das Kreuzesleid nach. Indem sie viertelstundenlang ihre Muskeln zu dieser ermüdenden Haltung zwingen und den Schmerz verbeißen, erfüllen sie den Ruf nach Buße, den Bernadette auf Geheiß der Dame ausgestoßen hat.

In gemessener Entfernung von den letzten Bänken bleibt Hyacinthe de Lafite stehn. Es ist die pure Schüchternheit, die ihn abhält, näher zu treten. Er fühlt sich beschämt wie ein Fremder, der durch Zufall in eine intime Gesellschaft gerät, zu der er nicht eingeladen worden ist. Viele Jahrzehnte sind vergangen, seitdem er ein Heiligtum aus andern Gründen betreten hat, als um ein Kunstwerk zu bewundern. Ich bin nicht wie diese da, denkt Lafite, und ich besitze nicht ihren einfältigen Glauben. Mein Hirn haben alle zersetzenden Gedanken durchdrungen, die je gedacht wurden. Meine Vernunft stolpert an der Tête der Menschheit über nächtiges Terrain. Ich weiß, daß wir eine armselige Tierrasse sind, die sich von Insekten und Amphibien nur durch ein paar Nervenäste und Trugschlüsse mehr unterscheidet. Die Wahrheit ist uns billionenmal unzugänglicher als einer Laus die Integralrechnung. Unsre gegenwärtige Denkform, die voraussetzungslos kritische, fühlt sich so erhaben über frühere religiöse Denkformen. Sie vergißt in ihrer Beschränktheit, daß auch sie nur eine Form ist. Ich aber ahne jetzt, daß die vergangenen Denkformen dereinst die künftigen Denkformen sein und lächelnd herabblicken mögen auf unsre ganze Kritik. Oft hab ich mir gewünscht, man sollte sich mit kleinen Resultaten begnügen, aber mein gieriges Herz ist nicht geschaffen, sich mit kleinen Resultaten zu begnügen. Wohl weiß ich, daß alle Götter Spiegelungen unserer eigenen Körpernatur sind und daß, wenn die Pelikane an einen Gott glaubten, dieser ein Pelikan sein müßte. Und doch, das ist kein Beweis gegen die Gottheit, sondern nur ein Beweis für die Enge des irdischen Geistes, der außerhalb von Bildern und Worten nicht bestehen kann. Nie hätte ich den Gedanken ertragen, für ewig ausgeschlossen zu sein von der Erkenntnis Gottes, dem ich mich trotz allem verwandt fühle. Ich gehöre nicht zu euch dort, die ihr an einen Himmel im Himmel glaubt. Ich gehöre aber auch nicht zu jenen Dummköpfen, die an einen Himmel auf Erden glauben, der durch bessere Gesetze und Maschinen arrangiert werden kann. Da gehöre ich schon viel, viel mehr zu euch dort, die ihr an einen Himmel im Himmel glaubet ...

Lafite geht einige Schritte näher an die Grotte Massabielle heran.

»Du weiseste Jungfrau – Du ehrwürdige Jungfrau – Du lobenswürdige Jungfrau – Du mächtige Jungfrau – Du gütige Jungfrau – Du getreue Jungfrau – Du Spiegel der Gerechtigkeit –«

Wenn der alte Clarens hier neben mir stünde, ich würde nicht versäumen, ihn zu ärgern. Hören Sie doch diese wunderschöne Litanei, mein Freund. Nicht anders haben die frommen Epheser einst ihre Diana gepriesen. Finden Sie nicht? – Ich bin ein Historiker, mein lieber Hyacinthe, und deshalb überschätze ich die Historie nicht. Sie ist nichts anderes als die Brechung des ewigen Geschehens im fließenden Wasser der Zeit, im Gave der Zeit. Jede Epoche sieht die Gegenstände im Strom anders abgebogen. Ob Apoll oder Christus, ob Diana oder Maria, es sind wechselnde Namen und Vorstellungsinhalte für ein und dieselbe vom Menschen ewig gefühlte Vorhandenheit. Sie selbst fühlen ja in diesem Augenblick mehr als irgendeiner diese Vorhandenheit, mein Freund. – Meinen Sie wirklich, mein Freund Clarens? Ich freilich bin trotz meines kritischen Geistes ein altmodischer Mensch. Dichter sind immer altmodisch. Aber nach uns werden vielleicht Leute kommen, die von solchen Gefühlen nicht mehr heimgesucht sind. – Da können Sie ruhig sein, mein lieber Hyacinthe. Es wird immer wieder eine Bernadette geben, die ihre unsichtbare Dame der Welt sichtbar macht, per saecula saeculorum ...

Lafite tut einen neuen Schritt auf die Grotte Massabielle zu. Er hat die letzte Bankreihe erreicht.

»Du Ursache unserer Freude – Du geistliches Gefäß – Du ehrwürdiges Gefäß – Du vortreffliches Gefäß der Andacht –«

Hören Sie, Clarens! Ich will Ihnen nichts länger vormachen. Ich hab den Krebs im Leibe. Ein herzloser Arzt hat es mir offen zugegeben. Ich brauche aber keinen Arzt. Zuerst ist der Krebs im Kehlkopf aufgetreten. Er wird später im Magen, in der Leber, im Darm ausbrechen. Man nennt das Metastasen. Ich habe mich darüber informiert. Meine Tage sind gezählt, äußerst gezählt, Clarens. Sagen Sie nicht, daß ich noch ein menschenwürdiges Aussehen habe. Nach einem Jahr oder vielleicht schon nach einigen Monaten werde auch ich eine von den elenden Fleischmassen sein, denen ich heute im Hospital »Zu den Sieben Schmerzen« begegnen mußte. Ich bin durchaus kein Held, mein Freund, sondern eine bebende Memme. Ja, meine Tage sind gezählt, und meine Nächte sind schwer. Die Todesfurcht aber ist lange noch nicht das Schlimmste. Die kann man hinnehmen. Man streckt alle viere von sich und wartet. Aber in meinen schweren Nächten, Clarens, habe ich etwas anderes, weit Grausigeres erkannt. Sie werden mich auslachen, denn Sie sind ja einer, der glaubt. Ich bin mit dem Alter nicht dümmer geworden, sondern klüger. Ich habe erkannt, daß ich auf dieser Welt der allergrößte Sünder bin, ich, Hyacinthe de Lafite, ein namenloser Artikelschreiber, eine Null, die für niemanden etwas bedeutet. Glauben Sie ja nicht, Clarens, daß ich in dieser Stunde kokett bin, à la Lord Byron. Nicht von den tausend schmutzigen Sünden der Zuchtlosigkeit und Schwäche rede ich, mit denen meine Seele sich befleckt tagaus und tagein. Ich spreche von der zentralen Sünde der Genesis, die mich bis oben zudeckt, von dem blödsinnigsten, lächerlichsten, absurdesten Hochmut, der an der Wiege meines Geistes stand. Schon als Zehnjährigen hat er mich gebeutelt. Aus Hochmut wollte ich niemandem etwas verdanken, nicht einmal meiner lieben Mutter. Aus Hochmut wollte ich etwas sein, was allein aus sich selbst kommt und allein auf sich selbst steht. Der Gedanke, ein Mensch zu sein, ein herangewachsener Fötus, bedingt durch Herkunft, Land, Sprache, Blut und Stoffwechsel, dieser Gedanke war mir im Innersten unerträglich. Unabhängig bis zum Wahnwitz, schwor ich mir, das einzige Wesen zu sein, das zu keiner Gemeinschaft gehört. Meiner Überzeugung nach hatte mich nichts erzogen, nichts hatte mich beeinflußt, nichts hatte mich gelenkt. Ich war meine eigene Frucht. Das Selbstbewußtsein meines eitlen Geistes erhob sich über alles Gedachte. Wenn ich Gott nicht anerkannte, so geschah es nur deshalb, weil ich es nicht ertragen hätte, daß Ich nicht Er bin. Deshalb war die Analyse mein Weltenthron, von dem aus ich regierte. Jetzt aber ist mir so, als stünde ich heute und hier hinter meinem eigenen Rücken und sähe mich das erstemal plastisch wie einen Fremden. Meine Sünde, Clarens, ist die Sünde Lucifers, wenn ich auch nur ein dreckiges Nichts bin mit dem Krebs im Leibe. In den schweren Nächten meines letzten Jahrs aber hab ich auch erkannt, daß unsre Sünde weniger Gott schädigt als uns selbst. Es ist klar, mein Hochmut hat mich zerstört ...

Einige der Betenden blicken Lafite erstaunt an, der im Mittelgang zwischen den Bänken steht.

»Du geistliche Rose – Du Turm Davids – Du elfenbeinerner Turm – Du goldenes Haus – Du Arche des Bundes – Du Pforte des Himmels – Du Morgenstern -«

Wo bin ich nun? Ja, du elfenbeinerner Turm. Auch ich bin ein Turm. Aber der Turm ist zerfallen und voll von Ratten und Asseln. Ja, du goldenes Haus! Auch mein Ich ist ein Haus. Man hat mir's zur Miete gegeben. Ich hab es versaut durch und durch. Nun aber bin ich mit kurzer Frist gekündigt, und man jagt mich hinaus, und ich kann wohl nichts mehr in Ordnung bringen. O du Morgenstern, was hab ich aus meinem Leben gemacht? Es war ein gutes Leben trotz aller Not. Nie war ich mit verfaulten Gliedern gestraft wie der unschuldige Knabe dort im Hospital. Mein Gesicht wurde nicht vom Lupus weggefressen, obwohl ich's hundertmal mehr verdient hätte als jene armen, harmlosen Frauen. Ich mußte nie in einer Ecke stehen aus Scham, meine Fratze der Welt zu zeigen. Scheuer als jene Frau müßt ich im Winkel stehn, denn die Fratze dessen, was ich wirklich bin, ist viel medusenhafter als die ihre. Verschwendet hab ich jegliche Sekunde an den niedrigsten Sinnenkitzel, an die Verwirrung selbst. Das ist nach dem Hochmut meine zweite Sünde, die sich einherwälzt in der Sumpfgestalt des Nilpferds. Was ist mir geblieben von dieses guten Lebens Millionen Sekunden? Die Frauen, die ich umarmt habe, sie sind vermodert in mir zu Gespenstern. Die Ekstasen der Schönheit und des Gedankens, die mir vergönnt waren? Ich war nicht besessen und fleißig genug, um ihnen Flügel zu geben. Geblieben ist der bittere, bittere Geschmack, du Morgenstern ...

»Du Heil der Kranken – Du Zuflucht der Sünder – Du Trösterin der Betrübten – Du Helferin der Christen –«

Bin ich noch ein Christ? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß all die blendenden Formulierungen meines Geistes nicht viel anderes sind als das Gequak der Frösche und das Gezirpe der Grillen. Wirklich für mich ist nur die Einsamkeit. Denn ich habe durch meinen Hochmut alle Menschen verspielt. Wenn die nächste Geschwulst kommt, werde ich weder meinen Verwandten etwas sagen noch Heilung suchen, sondern nach Paris zurückkehren und mich in der Höhle des Sterbens verkriechen. Niemand wird bei mir sein in der Höhle des Sterbens, du Zuflucht der Sünder, du Trösterin der Betrübten. Aber ich beklage mich nicht. Denn nicht die Welt hat mich allein gelassen, sondern ich hab die Welt allein gelassen ...

Mit dem Agnus Dei ist die Litanei zu Ende. Priester und Murmelchor stimmen das Ave an, eins nach dem andern. Die Kerzenpalme strahlt immer stärker in die wachsende Dämmerung. Die Statue der Dame ist nur mehr ein weißer Fleck im Innern der Nische. Die Betenden mit den ausgestreckten Armen sind schattenhafte Kreuze.

»Es ist vollkommen logisch«, seufzt Lafite auf, halblaut. Diesem Seufzer geht eine lange, undeutliche Gedankenkette voraus, die mit der Erkenntnis schließt: Meine Gottverlassenheit ist eine vollkommen logische Folge. Denn ich habe nicht geliebt. Niemanden und nichts und nicht einmal mich ...

Indessen ist Lafite, ohne es recht zu merken, bis an die Grotte vorgekommen. Er könnte seinen Kopf an das Gitter pressen. Mit leeren Augen schaut er in den verschwimmenden Felsraum. Je mehr und je länger er aber schaut, um so spürbarer weicht das körperliche Mißbehagen, das ihn schon seit Stunden quält, dieses öde Gefühl, seine Eingeweide hätten sich gelockert und gesenkt. Er atmet ruhig und überläßt sich einer Müdigkeit, die sein Selbst unwichtiger macht.

Gleichmäßig mechanisch die sanfte Stimme des jungen Priesters! Gleichmäßig mechanisch die murmelnde Antwort der Menschen! Kaum werden die Worte dieses unaufhörlichen Wiegenliedes deutlich:

»Bitte für uns ... jetzt und in der Stunde unseres Absterbens ...«

Das rhythmische Murmeln wird zu einem wohltätigen Rauschen. Es ist wie eine weiche Lehne, gegen die man den Rücken stützen kann. Zugleich hat man die Empfindung, von irgend etwas Hilfreichen umgeben zu sein, umrundet, ja in die Mitte genommen. Das Gebet der Menschen nimmt Hyacinthe de Lafite in die Mitte. Über ihn kommt's wie lächelnde Ironie. Hochmütig und lieblos? Ja! Aber bin ich wirklich so sehr verlassen, mehr verlassen als andre? Würde es nicht genügen in der ungeheuren Fragwürdigkeit alles Erkennens, nicht eingebildeter zu sein als diese da? Was ist der Unterschied zwischen mir und ihnen? Das bißchen raffiniertere Sprachvermögen, in das ich meine völlige Unwissenheit kleide, leichtsinniger als sie und weniger redlich. Bin ich nicht nur deshalb so tief gesunken, weil ich nicht geglaubt habe, daß es Arme gibt, die mich emporziehen könnten? O mütterliche Kraft des Weltalls, o Morgenstern! – Die Stütze kommt näher. Es ist, als berühre ihn das Gebiet hinter ihm mit vielen weichen Händen. Er, der jede Vielzahl verachtet hat als eine Zusammenrottung niedriger Instinkte und niedriger Interessen, fühlt jetzt die Beter hinter sich als einen einzigen, liebevollen, körperlosen Körper, der ihm hilft und hilft. Ohne eine andre Sensation zu fühlen als die schwindende Scham, sinkt nun auch der Schriftsteller Lafite auf seine Knie und flüstert die muttervertrauten, kindheitsvertrauten Worte des Englischen Grußes in die Grotte der Dame hinein. Nichts Neues tritt in sein Bewußtsein. Er weiß nur, daß diese Leere, diese kritische Entleertheit, auf die er einst so eitel gewesen, immer erfüllt war von einer Gewißheit, die sich jetzt nur entschleiert und ausheitert wie ein Nebeltag. Es gibt keine Bekehrung zum Glauben, es gibt nur eine Rückkehr in ihn. Denn er ist keine Funktion der Seele, sondern diese Seele selbst in ihrer letzten Nacktheit. In einem ihm unbekannten Frieden verweilt Lafite so, bis es Nacht ist und die meisten sich erheben und gehen und nur die Kerzenflammen mehr leben. Ehe er aber selbst aufsteht, kommt ihm, ohne daß er weiß, warum, die Anrufung auf die Lippen:

»Bernadette Soubirous, bitte für mich!«

Bernadette Soubirous lebt in dieser Stunde noch. Sie leidet seit Tagen wieder die schwersten Schmerzen. Man hat in der Infirmerie die Lampen angezündet. Bernadettens Blick krampft sich an das Kruzifix fest, das an der Wand hängt im Schattenspiel. Sie ahnt nicht, daß zu dieser Frist der stolzeste Gegner vor ihrer Dame auf den Knien liegt.

 << Kapitel 49  Kapitel 51 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.