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Das Leben des Klim Samgin

Maxim Gorki: Das Leben des Klim Samgin - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorMaxim Gorki
titleDas Leben des Klim Samgin
publisherSieben-Stäbe-Verlag
printrun1. bis 50. Tausend
editorLyonel Dunin
year1930
translatorRudolf Selke
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20071223
modified20161027
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Aber er hatte kein Glück damit, denn gleich am anderen Morgen fiel er in die festen Hände Marinas.

»Nun, kommen Sie, sehen Sie sich die Stadt an«, befahl sie mehr, als daß sie vorschlug. Klim hielt es für unhöflich, abzulehnen, und streifte drei Stunden mit ihr durch den Nebel, über schlüpfrige Trottoirs, die mit einem besonders widerwärtigen Dreck, der gar nicht dem fetten Schmutz der Kleinstadt glich, überzogen waren. Marina schritt gleichmäßig rasch und hart aus wie ein Soldat, ihr Gang war ebenso stürmisch wie ihre Worte, aber ihre Naivität nahm Klim ein wenig für sie ein.

»Petersburg hat hundert Gesichter. Sehen Sie, heute hat es ein geheimnisvolles und ängstigendes Gesicht. In den weißen Nächten ist es bezaubernd lustig. Es ist eine lebendige, tief empfindende Stadt.«

»Gestern mußte ich annehmen, daß Sie es nicht lieben.«

»Gestern hatte ich mich mit ihm gezankt. Zanken heißt nicht – nicht lieben.«

Klim fand, daß die Antwort nicht dumm war.

Durch den Nebel sah Klim den bleigrauen Glanz des Wassers, die eisernen Gitter der Kais, plumpe Kähne, die tief in das schwarze Wasser tauchten, wie Schweine in den Kot. Diese Kähne paßten empörend schlecht zu den herrlichen Bauten. Die trüben Scheiben unzähliger Fenster erweckten den seltsamen Eindruck, als seien die Häuser inwendig mit unsauberem Eis vollgepfropft. Die nassen Bäume waren unerhört mißgestaltet und jammervoll nackt, die Sperlinge unlustig, ja stumm. Stumm ragten die Glockentürme zahlreicher Kirchen, es schien, daß Glockentürme überflüssig waren in dieser Stadt. Über der Newa mischte sich der schwarze Rauch der Dampfschiffe träge mit den Nebelschwaden, Fabrikschlote durchbohrten sie mit steinernen Fingern. Trist war der gepreßte Lärm dieser seltsamen Stadt und demütigend klein in der Masse riesenhafter Häuser waren die grauen Menschen, und alles ließ die Bemerkbarkeit der eigenen Existenz angsterregend zusammenschrumpfen. Klim ließ sich willenlos, aber in einem Zustand der Selbstvergessenheit, fortziehen. Er dachte nichts und hörte nur Marinas tiefen Alt:

»Der wahnsinnige Paul wollte ein schöneres Denkmal bauen als das von Falkonetow, aber es ist ein Dreck daraus geworden.«

Das Mädchen holte so rasch aus, als müsse sie unbedingt müde werden, und Klim empfand den Wunsch, sich in einen trockenen, hellen Winkel zu verkriechen und dort ungestört alles zu überdenken, was, von Blei und Vergoldung glitzernd, bronze- und kupferschimmernd, an seinen Augen vorüberschwamm.

»Weshalb schweigen Sie?« fragte streng Marina, und als Klim antwortete, daß die Stadt ihm die Sprache raube, rief sie triumphierend:

»Aha!«

Ganze Tage führte sie ihn durch Museen, und Klim sah, daß es ihr Vergnügen machte, wie einer Hausfrau, die mit ihrer Wirtschaft prahlt.

Als Samgin abends seinen Bruder aufsuchte, fand er bei ihm Kutusow und Turobojew. Sie saßen einander am Tisch gegenüber in der Haltung von Damespielern. Turobojew sagte, sich eine Zigarette anbrennend:

»Und wenn sich plötzlich erweist, daß der Zufall nur ein Pseudonym des Teufels ist?«

»Ich glaube nicht an Teufel«, sagte ernst Kutusow. Er drückte Klim die Hand.

Turobojew, der die Zigarette an der soeben zu Ende gerauchten Kippe angebrannt hatte, stellte diese in eine Reihe von sechs weiteren, bereits erloschenen. Turobojew hatte getrunken, sein welliges, dünnes Haar war zerwühlt, die Schläfen feucht. Sein bleiches Gesicht war dunkel geworden, aber seine Augen, die das rauchende Mundstück beobachteten, leuchteten blendend. Kutusow sah ihn mit tadelnden Blicken an. Dmitri hockte auf dem Bett und dozierte:

»Die Anschauung von der Schädlichkeit des Einflusses der Wissenschaft auf die Sitten ist ein alter, schäbig gewordener Gedanke. Zum letztenmal wurde er im Jahre 1750 sehr geschickt von Rousseau vorgetragen in seiner Antwort an die Akademie von Dijon. Unser Tolstoi hat sie wahrscheinlich aus den »Discours« des Jean Jacques abgelesen. Und was für ein Tolstoianer sind Sie auch, Turobojew! Sie sind einfach ein spleeniger Mensch.«

Ohne ihm zu antworten, lächelte Turobojew spöttisch, während Kutusow Klim fragte:

»Was halten Sie vom Tolstoianismus?«

»Es ist der Versuch, wieder dumm zu werden«, antwortete Klim mutig, dem im Gesicht und in den Augen Turobojews eine gewisse Ähnlichkeit mit Makarow, wie er vor dem Selbstmordversuch gewesen war, auffiel.

»Wieder dumm zu werden, das ist nicht schlecht gesagt. Ich glaube, das wird sich nicht vermeiden lassen, ob wir nun von Leo Tolstoi oder Nikolai Michailowski ausgehen.«

»Und wenn wir von Marx ausgehen?« fragte heiter Kutusow.

»An die erlösende Kraft des Fabrikkessels für Rußland glaube ich nicht.«

Klim blickte Kutusow zweifelnd an. Dieser Bauer, der sich als Student herausgeputzt hatte, wollte Marxist sein? Die schöne Stimme Kutusows harmonierte nicht mit dem lesenden Tonfall, womit er langweilige Worte und Zahlen vortrug. Dmitri störte Klim beim Zuhören.

»Ich habe ein Billett für die Oper – willst du hingehen? Ich habe es für mich genommen, bin aber verhindert. Marina und Kutusow gehen hin.«

Darauf berichtete er entrüstet, daß die Zensur endgültig die Aufführung der Oper »Der Kaufmann Kalaschnikow« verboten habe.

Turobojew stand auf, preßte die Stirn an die Fensterscheibe und sah hinaus und ging dann plötzlich fort, ohne sich von jemandem zu verabschieden.

»Ein kluger Junge«, sagte Kutusow, gleichsam bedauernd, seufzte und fügte hinzu:

»Und giftig . . .«

Er knipste die Reihe der Zigarettenstummel mit den Fingernägeln vom Tisch und begann Klim eingehend auszuforschen, wie man in seiner Vaterstadt lebe, erklärte aber bald, sich durch den Bart hindurch am Kinn kratzend und eine Grimasse schneidend:

»Dasselbe wie bei uns in Wologda.«

Klim merkte, je zurückhaltender er antwortete, desto freundlicher und aufmerksamer betrachtete ihn Kutusow. Er beschloß, vor dem bärtigen Marxisten ein wenig zu glänzen, und sagte bescheiden:

»Im Grunde steht uns schwerlich das Recht zu, so bestimmte Schlüsse aus dem Leben der Menschen zu ziehen. Unter zehntausend wissen wir im besten Fall, wie hundert leben, reden aber so, als hätten wir das Leben aller erforscht.«

Sein Bruder gab ihm recht.

»Ein zutreffender Gedanke.«

Aber Kutusow fragte:

»Wirklich?« Und verbreitete sich von neuem über den Prozeß der Klassenbildung und die entscheidende Rolle des ökonomischen Faktors. Er redete schon nicht mehr so langweilig wie zu Turobojew, sondern mit gewinnendem Feingefühl, womit er Klim besonders in Erstaunen setzte. Samgin hörte seine Rede aufmerksam an, flocht vorsichtige Bemerkungen ein, die Kutusows Schlüsse bestätigten, gefiel sich und fühlte, daß sich in ihm Sympathie für den Marxisten regte.

Er suchte sein Zimmer mit der Gewißheit auf, den ersten Grundstein zu dem Piedestal gelegt zu haben, auf dem er, Samgin, mit der Zeit monumental ragen werde. Im Zimmer staute sich ein schwerer Ölgeruch. Am Morgen hatte der Glaser für den Winter die Fensterrahmen verkittet. Klim schnupperte, öffnete die Luftklappe und sagte gnädig mit leiser Stimme:

»Man wird es hier vielleicht doch aushalten können.«

Nach zwei Wochen überzeugte er sich endgültig davon, daß das Leben bei den Premirows unterhaltsam sei. Hier schien jedermann ihn nach Gebühr zu schätzen, und es setzte ihn sogar in einige Verlegenheit, wie wenig Anstrengung es ihn kostete. Aus all dem Scharfen, das er den Glossen Warawkas, den Betrachtungen Tomilins entnommen hatte, flocht er wohlabgerundete Urteile, die er mit der Miene eines Menschen vortrug, der Worten nicht recht glaubt. Er bemerkte schon, daß die derbe Marina ihn mit schmeichelhafter Aufmerksamkeit fixierte, während die Nechajew lieber und vertraulicher mit ihm plauderte als mit allen anderen. Es war deutlich zu sehen, daß auch Dmitri, der stets in die Lektüre umfangreicher Bücher versunken war, auf seinen klugen Bruder stolz war. Klim seinerseits war bereit, auf die kolossale Belesenheit Dmitris stolz zu sein, der als Lexikon für die verschiedensten Wissensgebiete diente. Er zeigte der alten Premirow, wie man Eier auf »Björnburger« Art zubereitete, und erklärte Spiwak den Unterschied zwischen einem echten Volkslied und den süßlichen Nachahmungen eines Zyganow, Weltmann und anderer. Sogar Kutusow fragte ihn:

»Samgin, wer war es doch, der den Grafen Jakow Tolstoi der Spionage überführte?«

Worauf Dmitri eingehend über ein niemand bekanntes Buch Iwan Golowins, erschienen im Jahre 1846, Bericht erstattete. Er liebte es, sehr ausführlich zu erzählen und im Ton eines Professors, doch immer so, als ob er es sich selbst erzähle.

Die maßgeblichste Person bei den Premirows war Kutusow, aber versteht sich, nicht weil er viel und eindringlich von Politik sprach, sondern weil er künstlerisch sang. Er besaß einen unerschöpflichen Vorrat derber Gutherzigkeit, wurde niemals unwillig während der endlosen Diskussionen mit Turobojew, und oft sah Klim, daß dieser schlecht zugeschnittene, aber fest genähte Mensch alle mit einem eigentümlich sinnenden und gleichsam bedauernden Ausdruck seiner hellgrauen Augen betrachtete. Klim befremdete sein wegwerfendes, mitunter schroffes Benehmen gegen Marina, in seinen Augen schien dieses junge Mädchen ein tiefstehendes Wesen zu sein. Einmal abends, beim Tee, sagte sie wütend:

»Wenn Sie singen, Kutusow, möchte man glauben, daß Sie Gefühl haben, aber . . .«

Kutusow ließ sie nicht zu Ende reden.

»Wenn ich singe, kann ich mich nicht verstellen. Wenn ich aber mit jungen Damen spreche, fürchte ich, daß das alles bei mir zu einfach herauskommt, und nehme aus Furcht falsche Noten. So wollten Sie doch sagen?«

Schweigend wandte Marina sich von ihm ab.

Mit Jelisaweta sprach Kutusow selten und wenig, verkehrte aber in freundschaftlichem Ton mit ihr. Er duzte sie und nannte sie manchmal Tante Lisa, obwohl sie höchstens zwei oder drei Jahre älter war als er. Die Nechajew übersah er, lauschte aber aufmerksam und stets aus der Ferne ihrem Streit mit Dmitri, der das Mädchen unermüdlich aufzog.

Kutusows Derbheit faßte Klim als die Gutmütigkeit eines wenig kultivierten Menschen auf und entschuldigte sie, da er in ihr nichts Erklügeltes sah. Es war ihm angenehm, die Nachdenklichkeit auf dem bärtigen Gesicht des Studenten zu sehen, wenn Kutusow Musik hörte. Angenehm war das mitleidige Lächeln, der traurige auf einen Punkt gerichtete, die Menschen und die Wand durchdringende Blick. Dmitri erzählte ihm, daß Kutusow der Sohn eines kleinen, zugrunde gerichteten Dorfmüllers war. Er war zwei Jahre Dorflehrer gewesen und hatte sich während dieser Zeit für die Universität vorbereitet, von der man ihn ein Jahr später wegen seiner Teilnahme an Studentenunruhen entfernte. Doch nach einem weiteren Jahr gelang es ihm mit Hilfe des Vaters von Jelisaweta Spiwak, des Adelsmarschalls seines Distrikts, von neuem die Universität zu beziehen.

Turobojew begegnete man in unbestimmter Weise. Bald betreute man ihn wie einen Kranken, bald äußerte man für ihn eine Art ärgerliche Furcht. Klim begriff nicht, wozu Turobojew überhaupt bei den Premirows verkehrte. Marina behandelte ihn mit ehrlicher Feindseligkeit, die Nechajew pflichtete nur unwirsch seinen Urteilen bei, während die Spiwak selten und immer mit gedämpfter Stimme mit ihm plauderte. Alles in allem war dieser Kreis recht interessant und regte an, zu ergründen, was diese so verschiedenartigen Menschen einte, wozu die derbe und allzu fleischliche Marina die beinahe körperlose Nechajew brauchte und warum Marina ihr so offenkundig und komisch den Hof machte.

»Iß! Du mußt mehr essen!« predigte sie ihr. »Wenn du auch nicht magst, iß trotzdem! Deine schwarzen Gedanken kommen davon, daß du dich schlecht nährst. Samgin Senior, wie heißt es auf Latein? In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist . . .?«

Marinas Fürsorge, die die Nechajew verlegen lächeln machte, rührte sie, was Klim am dankbaren Aufleuchten der Augen dieses mageren und dürftigen Mädchens sah. Mit durchsichtiger Hand streichelte die Nechajew die blühende Wange ihrer Freundin, und auf ihrem blaßen Handrücken verschwanden die blutunterlaufenen Äderchen.

Klim fand, daß die Nechajew und Turobojew unter allen am wenigsten in diese Umgebung paßten, wohl überhaupt in jedem Haus und zwischen allen Leuten den Eindruck von Menschen erwecken mußten, die sich verirrt haben. Er fühlte seine Abneigung gegen Turobojew ständig wachsen. Dieser Mensch hatte etwas Verdächtiges, eisig Kaltes, der durchdringende Blick seiner schreienden Augen war der Blick eines Spions, der Verborgenes ans Licht bringen will. Zuweilen blickten seine Augen boshaft. Klim ertappte ihn häufig dabei, daß er gerade ihn mit diesem aufreizenden und unverschämten Blick fixierte. Turobojews Worte bestärkten Klim in seinem Argwohn: kein Zweifel, dieser Mensch war durch irgend etwas erbittert, verbarg seine Wut hinter ironischer Blasiertheit und sprach nur, um seinen Partner zu ärgern. Manchmal schien Turobojew Klim unausstehlich, das geschah immer mehr während seiner Gespräche mit Kutusow und Dmitri, Es war Klim unfaßbar, wie Kutusow gutmütig lachen konnte, wenn er die blasierten Meinungen dieses Gecken hörte.

»Sie prophezeien, Kutusow. Nach meiner Ansicht reden die Propheten nur zu dem Zweck von der Zukunft, um die Gegenwart abzulehnen.«

Kutusow lachte saftig, während Dmitri Turobojew auf alle jene Fälle hinwies, wo soziale Prophezeiungen eingetroffen waren.

Was Marina betraf, so pflegte Turobojew sie offenkundig zu hänseln.

»Das ist nicht wahr!« schrie sie, über etwas aufgebracht, und er entgegnete ernsthaft:

»Möglich. Aber ich bin kein Souffleur, und nur Souffleure sind verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.«

»Warum die Souffleure?« fragte Marina und riß ihre ohnehin großen Augen auf.

»Nun ja, wenn der Souffleur lügt, verdirbt er Ihnen das Spiel.«

»Was für ein Unsinn!« sagte das Mädchen voll Verdruß und entfernte sich von ihm.

Ja, alles war fesselnd, und Klim fühlte, daß in ihm die Begierde, die Menschen zu ergründen, wuchs.

Die Universität ließ Klim völlig kalt. Die einführenden Vorlesungen des Historikers erinnerten ihn an den ersten Tag im Gymnasium. Große Ansammlungen von Menschen drückten ihn stets nieder. In der Menge zog er sich innerlich zusammen und büßte die Fähigkeit ein, seinen eigenen Gedanken zu folgen. Unter den uniform gekleideten und gewissermaßen ihrer individuellen Gesichter beraubten Studenten fühlte auch er sich als Larve.

Unten, über dem Katheder, erhob sich unter monotonen Armbewegungen der Oberkörper des dürren Professors, schwankte sein kahler, bärtiger Kopf, funkelten die Gläser und die goldene Fassung seiner Brille. Laut und mit Emphase sprach er tönende Worte.

»Vaterland. Volk. Kultur. Ruhm«, vernahm Klim. »Die Errungenschaften der Wissenschaft. Das Heer der Arbeiter, die im Kampf mit der Natur günstigere Lebensbedingungen schaffen. Der Triumph der Humanität.«

Klims Nachbar, ein magerer Student mit einer großen Nase in einem von Blattern zerfressenen Gesicht, stotterte:

»Z . . . zahm . . .«

Dann sah er lange und aufmerksam mit stark gewölbten, trüben Augen auf das Zifferblatt der Wanduhr. Als der Professor, nachdem er die Luft mit dem Kopf aufgerührt hatte, verschwand, hob der Stotterer dreimal die langen Arme und klatschte gemessen in die Hände, wobei er jedoch wiederholte:

»N . . . nein, z . . . ahm. Und man erzählt von ihm, er sei ein R . . . radikaler. Sind Sie nicht aus Nowgorod Kollege? Nicht? Na, egal, lassen Sie uns Bekanntschaft schließen. Popow Nikolai.«

Er schüttelte Samgin heftig die Hand und rannte davon.

Die Wissenschaften interessierten Klim nicht besonders, er wünschte die Menschen kennenzulernen, und fand, daß ein Roman ihm über sie weit mehr Wissen vermittelte als ein wissenschaftliches Werk oder eine Vorlesung. Er äußerte sogar gegen Marina, die Kunst wisse vom Menschen mehr als die Wissenschaft.

»Na selbstredend«, stimmte Marina zu. »Man fängt jetzt an, das einzusehen. Sie sollten nur die Nechajew hören.«

Spät abends erschien Dmitri, durchnäßt und müde. Heiser fragte er:

»Nun? Dein Eindruck?«

Als Klim bekannte, daß er im Tempel der Wissenschaft keinerlei ehrfürchtigen Schauder verspürt habe, sagte sein Bruder unter Räuspern:

»Ich fühlte mich von der ersten Vorlesung aufgewühlt.«

Augenscheinlich mit etwas anderem beschäftigt, fügte er hinzu:

»Aber heute sehe ich, daß Kutusow recht hat. Die Studentenunruhen sind wahrhaft eine sinnlose Kraftvergeudung.«

Klim lächelte spöttisch, schwieg aber. Es war ihm schon aufgefallen, daß alle Studenten, die zum Bekanntenkreis seines Bruders und Kutusows gehörten, von den Professoren und der Universität ebenso feindselig sprachen wie die Gymnasiasten von den Lehrern und dem Gymnasium. Auf der Suche nach den Gründen eines solchen Verhaltens fand er, daß so ungleiche Menschen wie Turobojew und Kutusow den Ton angaben. Mit der ihm eigenen Ironie sagte Turobojew:

»An der Universität arbeiten nur die Deutschen, Polen und Juden und von den Russen bloß die Popensöhne. Alle übrigen Russen ziehen es vor, sich der Poesie unverantwortlicher Streiche hinzugeben, und leiden unter überraschenden Anfällen von spanischem Hochmut. Noch gestern wurde so einer von Väterchen an den Haaren gebeutelt, und heute hält der Bursche eine achtlose Antwort oder den schiefen Blick eines Professors für einen hinreichenden Grund für ein Duell. Wenn man will, kann man in einem so anmaßenden Benehmen auch ein unerklärlich rasches Wachstum der Persönlichkeit sehen, ich meinerseits bin jedoch geneigt, anders darüber zu denken.«

»Gewiß«, nickte Kutusow mit seinem klotzigen Schädel, »es ist ein kälberhaftes Hochrecken des Schweifs zu beobachten. Andererseits muß aber zugegeben werden, daß man die jungen Leute allzu plump aufzuhetzen versucht, indem man sich bemüht, den Saft der Rebellion aus ihnen herauszupressen.«

»Der Randaliersucht!« verbesserte Turobojew.

Klim suchte eifersüchtig zu ergründen, was diese Menschen verband. Einmal saß er bei den Premirows – in Erwartung des üblichen Konzerts – neben dem Dandy auf dem Sofa; und Kutusow ermahnte ihn:

»Streifen Sie doch diese Ironie ab. Sie ist so billig.«

»Und unvorteilhaft«, gab Turobojew zu. »Ich begreife wohl, daß es vorteilhafter ist, sich auf der linken Seite des Lebens niederzulassen, aber ach! Ich bin dazu nicht imstande . . .«

Mit ansteckendem Gelächter schrie Kutusow:

»Ja, aber Sie haben sich doch schon gerade auf dieser, auf der linken Seite niedergelassen!«

Am selben Abend fragte ihn Klim:

»Was gefällt Ihnen eigentlich an Turobojew?«

Der Bärtige entgegnete in väterlichem Ton:

»Eine bestimmte Dosis Säure braucht der Organismus ebenso notwendig wie Salz. Ich ziehe die Tschaadajewsche Stimmung der Allwissenheit gewisser literarischer Küster vor.«

Das wurde in Dmitris Gegenwart gesagt, der eilig erläuterte:

»Turobojew ist interessant als Vertreter einer aussterbenden Klasse.«

Kutusow, der ihm einen lächelnden Blick zuwarf, belobte:

»Brav, Mitja!«

Samgin fand dieses Lächeln wenig schmeichelhaft für den Bruder. Dieses feine, herablassende und ein wenig verschmitzte Lächeln fing er nicht selten in dem bärtigen Gesicht Kutusows auf, doch es weckte in ihm keine Zweifel an dem Studenten, sondern steigerte nur noch sein Interesse für ihn.

Auch die Nechajew gewann mit jedem Mal, doch sie genierte Klim durch den ungestümen Wunsch, in ihm den Gleichdenkenden zu finden. Sie zählte die Namen ihm unbekannter französischer Dichter auf und sprach so, als weihe sie ihn in Geheimnisse ein, die zu wissen Klim allein würdig sei.

»Haben Sie Lagores ›Illusionen‹ gelesen?« fragte sie. Der allwissende Dmitri erläuterte:

»Pseudonym des Doktors Casalez.«

»Er ist Buddhist, dieser Lagore, aber ein so boshafter, bitterer.«

Dmitri blickte zur Decke und erinnerte sich selber:

»Da ist ›Die Liebe des Satan‹.«

»Wie schade, daß Sie soviel Unnützes wissen«, sagte ihm die Nechajew mit Verdruß und wandte sich wieder an den jüngeren Samgin, dem sie Rostands »Prinzessin Traum« pries.

»Es ist ein Meisterwerk der neuen Romantik. Rostand wird in naher Zukunft als Genie verehrt werden.«

Klim merkte, daß die Unmenge von Namen und Büchern, niemand bekannt außer Dmitri, alle befangen machte, daß man die literarischen Meinungen der Nechajew mit Mißtrauen und unernst aufnahm und daß dies das Mädchen verletzte. Sie tat ihm ein wenig leid. Turobojew hingegen, der Feind der Propheten, suchte mit bewußter Grausamkeit das Feuer ihrer Begeisterung auszutreten, indem er sagte:

»Dies muß als Zeichen der Übersättigung der Spießer mit billigem Rationalismus angesehen werden. Es ist der Anfang vom Ende einer geistlosen Epoche.«

Klim begann auf die Nechajew zu sehen wie auf ein phantastisches Wesen. Sie war irgendwohin weit vorangeeilt oder von der Wirklichkeit abgeirrt und lebte in Gedanken, die Klim Kirchhofgedanken nannte. In diesem Mädchen war eine an Verzweiflung grenzende Spannung, es gab Augenblicke, wo es schien, als würde sie sogleich aus dem Fenster springen. Besonders setzte Klim die Geschlechtslosigkeit, die physiologische Unsichtbarkeit der Nechajew in Erstaunen. Sie erregte in ihm nicht eine Spur männlichen Begehrens.

Sie aß und trank so, als tue sie sich Gewalt an, beinahe mit Abscheu, und es war deutlich zu sehen, daß dies kein Spiel und keine Koketterie war. Ihre dünnen Finger hielten sogar Messer und Gabel unbeholfen. Mit Überwindung zupfte sie vom Brot kleine Stückchen ab. Ihre Vogelaugen sahen auf diese Flocken weißen Brotes mit einem Ausdruck, als denke sie: ob dieses Zeug auch nicht bitter oder giftig ist?

Immer häufiger mußte Klim anerkennen, daß die Nechajew gebildeter und klüger als ihre ganze Gesellschaft war, aber diese Erkenntnis erweckte, ohne ihm das Mädchen näherzubringen, in ihm die Befürchtung, sie könne ihrerseits ihn durchschauen und mit ihm ebenso gnädig oder ärgerlich sprechen wie mit Dmitri.

Nachts in seinem Bett lächelte Klim, wenn er bedachte, wie schnell und leicht er aller Sympathien gewonnen hatte. Er war überzeugt, daß ihm das völlig geglückt sei. Doch wenn er das Vertrauen seiner Bekannten in ihn verzeichnete, vergaß er doch nicht die Vorsicht eines Menschen, der weiß, daß er ein gefährliches Spiel spielt, und empfand ganz die Schwierigkeit seiner Rolle. Es gab Momente, wo diese Rolle ihm lästig wurde und in ihm ein dunkles Bewußtsein seiner Abhängigkeit von einer Macht wachrief, die ihm feindlich war. Dann fühlte er sich als Diener eines unbekannten Herrn. Ihm fiel einer der zahllosen Aussprüche Tomilins ein:

»Auf die meisten Menschen wirkt das Übermaß an Erleben zerrüttend, indem es ihr moralisches Empfinden verschüttet. Doch dasselbe Übermaß an Erlebnissen züchtet bisweilen hochinteressante Typen. Nehmen Sie nur die Lebensbeschreibungen berühmter Verbrecher, Abenteurer oder Dichter. Überhaupt sind alle durch Erfahrung überlasteten Menschen amoralisch.«

Diese Worte des rothaarigen Lehrers hatten für Klim etwas ebensowohl Abschreckendes wie Verführerisches. Ihm schien, daß er schon mit Erfahrungen überlastet sei, doch zuweilen ahnte er wohl auch, daß alle Eindrücke, alle Gedanken, die er gesammelt hatte, ihm nichts nützten. Sie enthielten nichts, was fest mit seinem Wesen verwachsen wäre, nichts, was er sein eigenes, persönliches Denken, sein Bekenntnis nennen konnte. Dieses Gefühl feindseliger Diskrepanz zwischen ihm, dem Gefäß, und seinem Inhalt, empfand Klim immer häufiger und mit wachsender Unruhe. Er beneidete Kutusow, der einen Glauben erlernt hatte und ruhig sein Evangelium predigte, aber er beneidete auch Turobojew: Dieser glaubte offenkundig an nichts und besaß die Kühnheit, die Glaubenswahrheiten der anderen zu verlachen. Wenn Turobojew mit Kutusow und Dmitri sprach, erinnerte sich Klim des alten Handlangers vom Bau, der so arglistig und schadenfroh den dummen Kraftprotzen anstachelte, die noch brauchbaren Ziegel zu zertrümmern.

Samgin war überzeugt, daß alle Menschen ehrgeizig waren, daß jeder Abstand von den anderen wahrte, nur um stärker aufzufallen, und daß dies die Quelle aller Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten war. Aber er begann zu argwöhnen, daß daneben noch etwas anderes in den Menschen steckte, was er nicht verstand, und es stachelte ihn der beharrliche Wunsch an, sie zu entblößen und zu ergründen, von welcher Art das Federwerk war, das sie zwang, gerade so und nicht anders zu sprechen und zu handeln. Für einen ersten Versuch wählte Klim die Nechajew. Sie schien ihm am tauglichsten, denn ihr fehlte das Fluidum des Weibes, und man konnte sie studieren, sezieren und entlarven, ohne befürchten zu müssen, in die dumme Situation jenes Greloux, des Helden von Bourgets Roman »Der Schüler«, der seinerzeit Aufsehen erregt hatte, zu geraten. Marina stieß ihn durch ihre animalische Energie ab, auch hatte sie nichts Rätselhaftes. Wenn Klim zufällig mit ihr allein im Zimmer blieb, fühlte er sich unter dem Blick ihrer vorquellenden Augen in Gefahr, und diesen Blick fand er herausfordernd und schamlos. Die Nechajew verschärfte seine Neugier, als sie beinahe hysterisch Dmitri ins Gesicht schrie:

»Wenn Sie doch verstehen wollten, daß ich Ihre normalen Menschen nicht ertrage . . . daß ich die Heiteren nicht ertrage! Heitere Leute sind erschreckend dumm und platt.«

Ein anderes Mal sagte sie wütend:

»Nietzsche war ein Scharlatan, aber er mußte um jeden Preis tragische Rollen spielen, und darüber hat er den Verstand verloren.«

Wenn sie grollte, verschwanden die hektischen Flecke von ihren Wangen, ihr Gesicht wurde aschfahl und versteinte, und in den Augen lohten grüne Funken.

An einem strahlenden Wintertag schlenderte Samgin über den Newakai, beschäftigt, die tönendsten Phrasen aus der Vorlesung in seinem Gedächtnis zu verstauen. Schon von weitem bemerkte er die Nechajew. Das Mädchen trat aus dem Portal der Akademie der Künste, überquerte die Straße und blieb vor der Sphinx stehen, von wo sie auf den mit blendend weißem Schnee bedeckten Fluß schaute. Hier und dort war die Schneedecke vom Wind aufgerissen und entblößte bläuliche Eisflächen. Die Nechajew begrüßte Klim freundlich lächelnd und sagte mit ihrer schwachen Stimme:

»Ich komme von der Ausstellung. Nichts als gemalte Anekdoten. Mörderische Unbegabtheit. Gehen Sie in die Stadt? Ich auch.«

In einer Pelzjacke von der grauen Farbe des Herbsthimmels und einem merkwürdigen Mützchen aus blauem Eichhorn, die Hände in einem Muff von dem gleichen Pelz vergraben, sah sie doppelt auffallend aus. Sie ging sprunghaft, es machte Mühe, mit ihr Schritt zu halten. Die blaue, funkelnde Luft kitzelte brennend ihre Nüstern, und sie versteckte ihre Nase in dem Muff.

»Wenn das Leben doch stehenbliebe wie dieser Fluß, um den Menschen Zeit zu geben, sich ruhig und tief auf sich selbst zu besinnen«, sprach sie kaum vernehmlich in ihren Muff hinein.

»Unter dem Eis fließt der Fluß trotzdem weiter«, wollte Klim sagen. Da er jedoch einen Blick in ihr Vogelgesicht warf, bemerkte er:

»Leontjew, der bekannte Konservative, fand, daß man Rußland gefrieren lassen müßte.«

»Warum nur Rußland? Die ganze Welt müßte für eine Weile gefrieren, ausruhen.«

Ihre Augen blinzelten unter dem stechenden Glanz der Schneefunken. Leise und trocken hüstelnd, sprach sie mit lange unterdrückter Gier, als hätte man sie soeben aus der Einzelhaft im Kerker entlassen. Klim antwortete ihr im Ton eines Menschen, der sicher ist, nichts Bemerkenswertes zu hören, folgte aber aufmerksam ihren Worten. Von einem Thema zum anderen springend, fragte sie:

»Was halten Sie von Turobojew?«

Und antwortete selbst:

»Er ist mir rätselhaft. Ein Nihilist, der zu spät auf die Welt gekommen ist, gleichgültig gegen sich und alles. Wie seltsam, daß diese kalte, enge Spiwak in ihn verliebt ist.«

»Wirklich?«

»O ja!«

Sie schwieg eine Minute, dann wollte sie wissen, wie Klim Marina gefalle, und wieder wartete sie die Antwort nicht ab, sondern sagte:

»Sie wird glücklich werden in dem bestimmten weiblichen Sinn des Begriffs Glück. Wird viel lieben, wird dann, müde geworden, Hunde und Kater lieben, mit jener Liebe, mit der sie mich liebt. Sie ist so satt, so russisch. Ich bin eine Petersburgerin. Moskau macht mich zur Larve. Überhaupt kenne und verstehe ich Rußland schlecht. Mir scheint, das ist ein Land von Menschen, die niemandem und am wenigsten sich selbst nötig sind. Die Franzosen, die Engländer sind der ganzen Welt nötig. Auch die Deutschen, obwohl ich die Deutschen nicht liebe.«

Sie sprach unermüdlich und verwirrte Klim durch die Eigenartigkeit ihrer Urteile. Aber hinter ihrer Vertrauensseligkeit fühlte Klim keine Harmlosigkeit und wurde noch vorsichtiger mit seinen Worten. Auf dem Newskiprospekt schlug sie vor, Kaffee zu trinken. Im Restaurant benahm sie sich für Klims Geschmack zu ungebunden für ein junges Mädchen.

»Ich lade Sie ein«, sagte sie, bestellte Kaffee, Likör, Biskuits und knöpfte ihre Pelzjacke auf. Klim hüllte der Geruch eines exotischen Parfüms ein. Sie saßen am Fenster. An den reifbeschlagenen Scheiben flutete der dunkle Menschenstrom vorbei. Die Nechajew knabberte mit ihren Mausezähnen an den Biskuits und sprach weiter:

»In Rußland spricht man nicht über das, was wichtig ist, liest man nicht die Bücher, die notwendig sind, tut man nicht das, was getan werden muß, und nichts für sich, sondern alles zum Schein.«

»Das ist wahr«, sagte Klim. »Es ist viel Erklügeltes darin, und alle examinieren einander.«

»Kutusow ist ein so gut wie fertiger Opernsänger, studiert aber politische Ökonomie. Ihr Bruder weiß unglaublich viel, und ist doch – Sie entschuldigen mich – ein Ignorant.«

»Auch das ist richtig«, gab Klim zu. Er hielt es für an der Zeit, ihr entgegenzutreten, aber die Nechajew war plötzlich müde geworden, auf ihren Wangen, die der Frost rot geschminkt hatte, waren nur noch die hektischen Flecke geblieben, die Augen erloschen. Träumerisch sprach sie davon, daß man nur in Paris ganz aus dem Innern leben könne, daß sie die Absicht gehabt habe, diesen Winter in der Schweiz zu verbringen, daß aber eine langweilige und unbedeutende Erbschaftssache sie in Petersburg zurückhielte. Sie verzehrte alle Biskuits, trank zwei Gläschen Likör, und als sie ihren Kaffee getrunken hatte, kreuzte sie mit einer raschen, unauffälligen Geste die Arme auf ihrer schmalen Brust.

»Wahrscheinlich reise ich in zwei oder drei Wochen.«

Sich auf die Lippen beißend, während sie ihren Handschuh überzog, seufzte sie:

»Vielleicht für immer.«

Auf der Straße fragte sie:

»Kennen Sie Maeterlinck? Oh, Sie müssen unbedingt den ›Tod des Tentagiles‹ und die ›Blinden‹ lesen. Das ist ein Genie. Er ist noch jung, aber erstaunlich tief.«

Plötzlich blieb sie auf dem Trottoir stehen, wie vor einer Mauer, und streckte ihm die Hand hin:

»Leben Sie wohl. Besuchen Sie mich.«

Sie nannte ihm ihre Adresse und stieg in einen Schlitten. Als das durchfrorene Pferd sich jäh in Trab setzte, gab es der Nechajew einen so heftigen Stoß, daß sie hintenüber flog und fast über die Schlittenlehne gestürzt wäre. Auch Klim nahm einen Schlitten. Während er hin und her gerüttelt wurde, dachte er über dieses Mädchen nach, das seinen übrigen Bekannten so wenig glich. Für eine Minute schien ihm, daß sie etwas Gemeinsames mit Lida hätte, aber unverzüglich wies er diese Ähnlichkeit ab, da er sie für sich nicht schmeichelhaft fand. Er erinnerte sich der übelgelaunten Bemerkung Warawkas:

»Wenn man nicht versteht, vermutet man und irrt sich.«

Dies hatte Warawka seiner Tochter gesagt.

Die Begegnung mit der Nechajew machte sie nicht angenehmer, doch hatte das Mädchen Klims Neugier besonders dadurch erregt, daß sie sich in dem Restaurant mit einer Ungebundenheit benahm, als wäre sie dort Stammgast.

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