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Das Leben auf der Walze

Wolfgang Kirchbach: Das Leben auf der Walze - Kapitel 10
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authorWolfgang Kirchbach
titleDas Leben auf der Walze
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Neuntes Kapitel

Emma v. Arnim und ihr Begleiter waren im »Goldenen Schwan« zu Neustadt abgestiegen, als sie mit der Eisenbahn angekommen waren, um Hans Landmann aufzufinden. Vor dem großen, runden Hausthor dieses Gasthofes fuhr denn auch der Zweispänner vor, welcher die enttäuschte Braut von ihrer Entdeckungsfahrt am Erdmannsdorfer See zurückbrachte.

Emma begab sich sofort auf ihr Zimmer, schloß sich ein und ließ Wangenheim, der auf demselben Stockwerk einige Zimmer weiter eingemietet war, den Rest des Abends allein zubringen. Der Maler fand das ein wenig langweilig, doch fügte er sich in das Unvermeidliche, in der Hoffnung, seinem Ziele, das schöne Mädchen sein nennen zu können, ein gut Stück näher gerückt zu sein.

Unterdessen überlegte Emma, was unter solchen Umständen, unter denen sie ihren Bräutigam gefunden hatte, zu thun sei. Augenscheinlich war Hans schon vollständig in die Netze eines jener Mädchen verstrickt, welche so manchem wandernden Burschen zum Verderben gereicht waren. Wie richtig hatte sie vorausgesehen, und wie war nun alles so schrecklich eingetroffen! Der Bräutigam, der Geliebte, ein Opfer seiner realistischen Studien, ja, eigentlich schon vollständig in diesem Leben untergegangen.

Anfangs hatte sie beschlossen, ohne weiteres nach Berlin zurückzureisen und das Verlöbnis mit dem Privatdozenten kurzweg aufzuheben. Darin war sie durch Wangenheim nicht wenig bestärkt worden, denn der Maler hatte versucht, ihr das Verhalten des Bräutigams in den schwärzesten Farben auszumalen. In der schlaflosen Nacht aber, die sie jetzt in ihrem verschlossenen Zimmer zubrachte, in der sie sich all das Glück ausmalte, das sie an der Seite des guten und liebenswürdigen Gelehrten, der Hans doch nun einmal war, gehofft hatte zu erleben, reifte der Entschluß, noch einen letzten Versuch zu machen, um Hans den gefährlichen Lockungen zu entreißen, denen er erlegen schien.

Sie überdachte genauer, ob es denn möglich wäre, daß ein Mann von seiner Bildung ernstlich ein Wesen wie dasjenige, welches sie im Kahn mit ihm hatte sitzen sehen, lieben könnte, um eine treue Braut zu verlassen, eine Braut, die vor lauter Sorge und Angst ihm sogar bis hierher gefolgt war. Vielleicht hatte Hans dieses Verhältnis nur angeknüpft, um Studien über die weibliche Vagabundenwelt anzustellen und einmal das Gemüt einer solchen Bettlerin genauer kennen zu lernen. Wer weiß, zu welchen volkswirtschaftlichen Theorien er das brauchte, und worüber er dabei statistische Erkundigungen einzuziehen dachte!

Sie redete sich allmählich diesen Gedanken mit mehr Bestimmtheit ein und war sogar geneigt, ihm zu verzeihen, wenn er um solcher Studienzwecke willen sein Objekt mit mehr Aufmerksamkeit behandelte, als man sonst anderen Frauen in der Eigenschaft als Bräutigam schenken darf. Denn das war ja nicht zu leugnen, daß sie an seine Schulter geschmiegt im Kahne gesessen, und daß er seinen Arm um ihre Schulter gelegt hatte! Aber wenn er nun nur zum Scheine mit diesem Mädchen ein kleines Verhältnis angefangen hatte, um auch in dieser Sphäre seine Kenntnisse der Ursachen menschlicher Existenzen zu erforschen, die Sache war für ihn denn doch weit gefährlicher, als er vielleicht selbst dachte! Wie leicht konnte dieses Mädchen ihn dann doch umgarnen, wie leicht konnte aus dem Spaße bitterer Ernst werden, wie leicht konnte sie ihm die Lust an einem geordneten Lebenswandel verleiten! Nein, er mußte mit einem energischen Mittel darauf aufmerksam gemacht werden, daß es so nicht fortgehen konnte.

Gegen Morgen schlief Emma, in dem Gedanken beruhigt, daß Hans ja im Ernste doch nur aus Forschungszwecken in der Begleitung jenes Mädchens sein konnte, allmählich ein.

Mit dem frühen Morgen aber war sie schon wieder wach, setzte sich an den Schreibtisch und schrieb an Hans einen Brief.

»Mein Herr,« schrieb sie, »ich habe in Erfahrung gebracht, daß Sie, trotz der Verpflichtungen, die Sie nach anderer Richtung haben, in der Begleitung eines weiblichen Wesens gesehen wurden, das durch seine blendenden und bestechenden Eigenschaften allerdings, bei Ihrem als sehr fein bekannten Geschmacke, die Vorzüge anderer in Schatten stellen muß. Ich sehe mich dadurch veranlaßt, Ihnen hiermit die zwischen uns ausgesprochene Verlobung aufzukündigen. Ich ersuche Sie um die Rückgabe der zwischen uns gewechselten Briefe und wünsche Ihnen in dem neuen Verhältnis all das Glück, welches Ihrem Geiste und Ihrer einsichtsvollen Wahl entspricht. Mit Achtung: Emma v. Arnim.« – Sie streute Sand über die Schrift, steckte den Brief in einen Umschlag, den sie versiegelte, und meinte bei sich: Wenn er nun auch nur einen Funken von Liebe zu mir bewahrt, so wird er auf diesen Schreckschuß hin sofort all seine Studien aufgeben und zu mir kommen, mir zu Füßen stürzen, mich beschwören, mich aufklären, und wenn es sich herausstellt, daß er nur Studienzwecke verfolgt hat, so werde ich gnädig sein, ihm vergeben und ihn unter der Bedingung wieder zu Gnaden annehmen, daß er sofort diese Wanderungen einstellt und als ein Mann in geordneten Verhältnissen mit mir nach Berlin zurückkehrt.

Sie malte es sich mit außerordentlich lebhaften Farben aus, wie er ihr zu Füßen sinken und sie um Aufklärung dieses Mißverständnisses bitten würde, wie sie dann, nach einigem Kokettieren und Versagen, allmählich ihre gestrenge Miene ablegen würde; wie daraus eine doppelt süße Wiedervereinigung folgen sollte, die nach dem langen Entbehren des Bräutigams eine ganz überirdische Seligkeit enthalten müßte. Und wenn er dabei jenes Mädchen, dem er ja so wie so nur zum Scheine den Hof machte, plötzlich im Stiche ließ, so würde sie mit diesem wahrlich nicht das geringste Mitleid haben – warum hatte jene sich auch eingebildet, ein Mann wie Landmann könnte jemals anders als aus wissenschaftlichen Gründen mit ihr umgehen!

Einen Augenblick zweifelte sie freilich, ob ihr Mittel nicht ein wenig gewagt wäre. Aber sie sagte sich, wenn er auf diesen Absagebrief, den sie ja nur zum Scheine schrieb, nicht sofort alles andere aufgäbe und zu ihr eilte, daß er eben schon von jenem Mädchen umgarnt sei, und in diesem Falle mochte der Brief als ein wirklicher Absagebrief gelten. Wie sie das dann alles ertragen und überleben sollte, wußte sie freilich nicht.

Als Wangenheim nach einiger Zeit kam, um ihr seine Aufwartung zu machen und zu fragen, wie sie nach dem unglaublichen Erlebnis vom vorangegangenen Tage geruht habe, trat sie diesem heiter entgegen und sagte:

»Hören Sie, mein aufopferungsvoller Freund, Sie müssen mir einen Gefallen thun. Es geht ja nicht wohl an, daß ich hier in der Gegend wegen meines Bräutigams herumkutschiere, und ich bitte Sie daher, einen Absagebrief, den ich an ihn geschrieben, ihm zu überbringen. Sie werden ja leicht ausfindig machen, wo Dr. Landmann sich aufhält. Sie suchen ihn auf, übergeben ihm den Brief und machen ihm begreiflich, daß ich entschlossen sei, mit ihm abzubrechen. Wenn er darüber nun erschrocken ist, so sagen Sie ihm, daß ich hier in Neustadt im »Goldenen Schwan« wohne, und raten Sie ihm, daß er einen Versuch machen soll, meine Verzeihung zu erlangen. Sollte er ganz außer sich sein, so trösten Sie ihn ein bißchen, denn ich möchte nicht, daß er in Verzweiflung geriete.«

Sie übergab Wangenheim den Brief. Der Maler war etwas betroffen, daß augenscheinlich in Emma doch noch nicht alle Neigung für den anderen erloschen war. Der Auftrag war ihm ziemlich unangenehm, denn er hatte nun das Vergnügen, allein und ohne die leidenschaftlich gesuchte Gegenwart Emmas den Privatdozenten von neuem aufzusuchen. Er hätte lieber mit Emma sogleich die Heimfahrt nach Berlin angetreten und sich dort in einer geeigneten Stunde als Ersatz für den verlorenen Bräutigam mit einer feurigen Liebeserklärung angeboten. Indessen sagte er sich, daß er es durch diesen Auftrag vollends in der Hand hatte, das brüchig gewordene Verhältnis zwischen den beiden ganz auseinanderzutreiben. Er nahm daher den Brief und sagte heuchlerisch:

»Mein liebes Fräulein, ich hoffe, daß, wenn noch ein Funken von Gefühl in ihm ist, Herr Dr. Landmann das unwürdige Verhältnis, in dem er sich befindet, sofort abbrechen wird, um zu versuchen, die alten Beziehungen wieder aufzunehmen, die er früher geknüpft hat. Sollte er aber seinen Geschmack bereits derart verdorben haben, daß er sich im Verkehre mit jener Welt der Verlorenheit dauernd gefällt, so wäre es ja wohl besser, Sie sähen sich beide nie wieder.«

Er empfahl sich, nachdem er einen schmachtenden Blick in Emmas Augen geworfen hatte, denn allmählich glaubte er sich diesen Fortschritt seiner Bewerbungen gestatten zu dürfen. Unten beim Wirt ließ er einen Einspänner anspannen und machte sich auf, um in der Erdmannsdorfer Gegend nach dem Schlossergesellen Hans Finke zu forschen.

Während der Wagen vorgefahren wurde, beobachtete unterdessen ein einfach, aber anständig gekleideter Mann, der eine merkwürdige Ähnlichkeit mit Hans Landmann hatte, diese Zurüstungen durch das Fenster der Gaststube des »Goldenen Schwanes.« Wer schärfer zusah, bemerkte aber, daß diese Ähnlichkeit dem sonderbarsten Wechsel unterworfen war. Während der fremde Reisende in das Gastzimmer hineinschaute und nachdenklich den Kellnern zusah, verlor sich allmählich diese Ähnlichkeit, die Gesichtsfalten, die Haltung des Mundes nahmen eine andere Lage an, und man dachte nicht entfernt daran, jene merkwürdige Ähnlichkeit mit Landmann zu finden. Blickte der Mann aber durchs Fenster, wie es schien, während er in Wirklichkeit sein eignes Spiegelbild im Fenster ansah, so zogen sich allmählich seine Augenlider, seine Gesichtsfalten zu einem ziemlich treffenden Abbilde des Privatdozenten zusammen. Bart und Haartracht waren dieselben, obgleich sie bei näherem Zusehen leicht als gefälscht erscheinen konnten; augenscheinlich nahm der Mann verstohlene mimische Studien vor, und wer ihn dabei genau beobachtet hatte, würde geglaubt haben, einen sogenannten Porträtmimiker vor sich zu sehen.

Der seltsame Reisende war während der Nacht mit der Bahn angekommen und hier im Gasthof abgestiegen. Fritz Hasenklau – denn er war der schauspielerische Porträtkünstler – hatte glücklich und ohne das geringste Hindernis seine kleine Rundreise über Sachsenstadt nach Münsterheim zu Ende geführt und Hans Landmanns Gelder auf den Postämtern ohne Anstand ausgeliefert erhalten. Um nun aber jeden Verdacht von seiner Person abzulenken, deren Verschwinden in Kundenkreisen Aufsehen hätte erregen müssen, hatte er es für das Sachgemäßeste gehalten, sofort nach der Neustädter Gegend sich zurückzubegeben und hier ganz offen aufzutreten. Ja, er hatte einen noch weitgehenderen Plan, durch welchen jede Möglichkeit des Verdachtes gegen ihn abgeschnitten war, wenn er ihm gelang. Er wollte bei Gelegenheit die Legitimationen Hans Landmanns einem Kunden in die Tasche schieben, der dann sehen mochte, wie er sich zu benehmen hatte, wenn man etwa diese Papiere bei ihm fand.

Mit dem Gefühle, für einige Zeit ein wohlhabender Mann zu sein, der die Taschen mit einigen Hundertmarkscheinen gut ausgepolstert hatte, war er nachts im Hotel abgestiegen, in einen neuen Anzug gekleidet, den er sich kurz vor seiner Abreise in Münsterheim bei einem Kleiderhändler erstanden hatte. Seine alte »Schale« hatte er dagegen oben in seinem Zimmer aufbewahrt, denn er wollte den alten Rock anlegen, wenn er etwa wieder unter die alten Genossen kommen sollte.

Als er sich des Morgens in seinem Zimmer zum erstenmal seit langer Zeit wieder richtig wusch und herausputzte, fiel ihm ein, daß es doch schade darum wäre, wenn er die Papiere des Dr. Landmann sich nicht noch ein wenig nutzbar machte. Solange er nicht merkte, daß man ihm wegen derselben nachstellte, konnte er auf den Namen des Herrn Privatdozenten ja wohl noch einige gute Kundengeschäfte unternehmen, denn solche Papiere fand man nicht alle Tage. Wenn man sich auch äußerlich dem landfahrenden Gelehrten etwas ähnlich machte, so mußte der Erfolg sogar ein ganz großartiger sein, und als künstlerische Übung altgewohnter mimischer Veranlagung war sogar ein gewisser ästhetischer Selbstgenuß damit verbunden.

Nachdem er vor dem Spiegel einigermaßen erprobt hatte, wie weit er ungefähr Landmanns Züge nachzuahmen im stände wäre, und nachdem das Ergebnis befriedigend ausgefallen war, ging er ins Gastzimmer hinunter, um zu frühstücken, konnte sich aber nicht enthalten, gelegentlich in die Fensterscheibe hinein neue mimische Studien zu machen, wenn zufällig niemand in der Stube war.

Nachdem er gefrühstückt hatte, ließ er sich das Fremdenbuch geben, um zu studieren, was für Leute im Gasthofe wohnten, bei denen er zunächst seinen Anschlag ausführen konnte. Denn unter diesen Reisenden war sicher keiner, der ihn kannte, und der Ort war auch sonst am besten geeignet für die Geschäfte, die er vorhatte, weil man, im Falle es schief ging, sich mit großer Leichtigkeit aus einem solchen Gasthof entfernen konnte. In geschlossenen Wohnungen bei Bürgersleuten war die Sache schon gefährlicher.

Unter den im Fremdenbuch Eingezeichneten fand er zunächst zwei Musterreisende, die ihm gleichgültig waren, und wenig gute Aussichten versprachen. Dann war da ein Herr Wangenheim, Maler. Der schien eher gefährlich, denn die Künstler hatten zu gute Augen und durchschauten zu leicht jede falsche Mimik. Hasenklaus Herz schlug aber beträchtlich schneller, als er die Handschrift einer Dame, Emma v. Arnim aus Berlin, sah.

Kein Zweifel, diese Frauensperson sollte der erste Gegenstand seines Geschäftes werden. Frauen sind leichtgläubig, dachte er; gutmütig sind sie auch. »Ehret die Frauen, sie flechten und weben –« murmelte er unwillkürlich vor sich hin. Durch einige unverdächtige Kreuz- und Querfragen erfuhr er vom Kellner, daß diese Dame in Begleitung des Herrn Malers angekommen, daß der Maler eben mit einem Einspänner abgefahren war, und daß infolgedessen das Fräulein augenblicklich allein auf ihrem Zimmer sei.

Nachdem Hasenklau diese Thatsachen mit Genugthuung vernommen, begab er sich zunächst auf sein Zimmer, um dort im Spiegel nochmals seinen Zügen einen Ausdruck zu verleihen, der an Hans Landmann erinnern konnte. Er steckte die Papiere des Privatdozenten zu sich, verließ leise sein Zimmer, ging lautlos auf dem Flurteppich vor und pochte bescheiden an Nr. 37, wo das Fräulein wohnte, welches er zum Gegenstande seines Geschäftes erkoren hatte.

Von drinnen ertönte ein melodisches »herein«. Der Schauspieler öffnete und sah die junge Dame am Fenster sitzen, sofort von großer Bewunderung für ihre Schönheit erfüllt.

Ein ängstlich erstaunter, ja, beklommener Ausdruck ging über Emmas Gesicht, als sie den Mann eintreten sah. War das ihr Bräutigam?! Merkwürdig, diese frappante Ähnlichkeit! Ungewiß, ob er es nicht am Ende doch selber sei, der sie hier überraschen wollte, blieb sie mit heimlichem Schrecken wie gelähmt sitzen. Nach einer Weile, da sie wieder einen scheuen, ängstlichen Seitenblick auf den Fremdling geworfen hatte, frug sie: »Wer sind Sie? Was wollen Sie?«

Hasenklau näherte sich ihr respektvoll, nahm ihre Hand und küßte dieselbe mit einer sehr eleganten Verbeugung.

»Bevor ich mich Ihnen vorstelle, mein Fräulein, schöne Dulcinea von Toboso, gestatten Sie mir, daß ich zu Ihren Füßen meine Wenigkeit niederlege,« sagte Hasenklau mit seiner etwas hohlen Stimme, indem er sich einen Stuhl heranrückte.

»Aber Hans, wie kommst du mir nur vor!« wollte Emma, besorgt über das seltsame Wesen ihres Bräutigams, ausrufen. Sie erstickte aber das Wort in ihrem Munde, denn sie sagte sich, nein, das kann er ja doch nicht sein. Sollte er sich in diesen drei Wochen so verändert haben, daß er ein ganz fremdartiges Wesen angenommen hatte? Sollte das Walzerleben ihn noch weit mehr entstellt haben, als sie selber sich geträumt hatte? Sollte er so viel Branntwein getrunken haben, daß seine Stimme sogar einen ganz anderen Charakter angenommen hatte?!

»Aber ich begreife nicht, mein Herr – ich weiß nicht –« stotterte sie ängstlich. Sie wollte dem Portier oder dem Stubenmädchen klingeln; aber sie war zu weit von der Klingel am Thürpfosten entfernt, sodaß sie darauf verzichten mußte.

»Mein Fräulein, ich bitte, seien Sie vollständig ohne Besorgnis,« sagte Hasenklau mit gütig geneigter Miene. »Sie haben es mit einem Mann von Herz, Gemüt und Verstand zu thun, der seine Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft niemals mißbraucht hat, um unschuldige Waisenknaben zu verdächtigen. Denn wie schon Shakespeare sagt: Zuviel des Wassers hast du, arme Schwester, drum hemme deiner Thränen Lauf.«

Ein fürchterlicher Schreck durchzuckte Emma. Er war verrückt geworden. Das war ihr Hans, er hatte sich entstellt, er war in diesem Leben um seinen Verstand gekommen. Oder aber er spielte hier eine abscheuliche Komödie, um sie zu erschrecken, verstellte sich absichtlich und hatte die Rolle eines Wahnsinnigen zu diesem Zwecke angenommen. Im Kampfe der widersprechenden Eindrücke und Empfindungen, von Zweifel erfüllt, ob nicht am Ende ein Schwindler vor ihr saß, war sie keines Wortes mächtig.

Hasenklau sah ihren heimlichen Schrecken und erschrak darüber selber in seinem Inneren. Die ganze Situation kam ihm ziemlich unheimlich vor; wäre die junge Dame ihm vertrauensvoll entgegengekommen, so wäre auch er weniger zaghaft im Geschäft gewesen. Er räusperte sich aber und sprach: »Sie werden lächeln, mein hochverehrtes Fräulein, wenn ich Ihnen die eigentümliche Geschichte erzähle, die mir passiert ist. Ich bin nämlich meines Zeichens einer der bekanntesten und hervorragendsten Vertreter der sogenannten höheren Nationalökonomie, eine Wissenschaft, zu der ich schon in meiner Jugend großes angeborenes Talent verriet. Sie sind darüber unterrichtet, was man in unseren wissenschaftlichen Kreisen die Lehre von Nationalökonomie nennt?«

»Ein wenig, mein Herr,« flüsterte Emma, die wie in einem Traum zu leben glaubte.

»Nun, denken Sie, meine Gnädige, da reitet mich eines Tages der T–, wollte sagen, da kam ich auf die Idee, um Material für meine Forschungen in der höheren Wirtschaftslehre zu sammeln, eine Fußwanderung anzutreten nach dem Motto: ›Bächlein, laß dein Rauschen sein‹. Ich warf mich in eine Kundenkluft und wanderte als armer Reisender von Berlin aus, um einmal die saubere Walzerei kennen zu lernen. Eines Tages, da hatte ich platt machen müssen, d. h. bei Mutter Grün geschlafen, und, während ich ahnungslos im Reiche Morpheus' spazieren gehe und den Rest der Zeit verschlafe, da mein Antonius fern ist, werden mir meine Papiere gestohlen und mit ihnen meine ganze Barschaft. Sogar meine Notizen, worin ich aufgeschrieben hatte, wo meine Gelder abzuheben sind, hat der Leichenfledderer an sich genommen, und selbstverständlich hat er nichts Eiligeres zu thun gehabt, als auf den Postämtern meine Gelder sich auf meinen guten, ehrlichen, unbescholtenen Namen auszahlen zu lassen. Ich habe die Ehre, mich Ihnen vorzustellen als der Dr. Hans Landmann, alias Hans Finke aus Berlin, Privatdozent, denn ich verdiene mit Privatstundengeben ein Heidengeld, und beehre mich, Ihnen zur Beglaubigung dessen das einzige Papier zu übergeben, welches der Gauner mir aus Versehen nicht gestohlen hat, denn ich hatte es in meinem Rockfutter eingenäht. Wollen Sie sich überzeugen?«

Damit nahm er aus seiner Tasche den Reisepaß, welcher auf den Namen Hans Landmanns lautete, und reichte ihn mit stolzer Zuversicht dem Mädchen. Emma warf einen Blick hinein und sah da richtig den Namen ihres Bräutigams, auch die wohlbekannten Schriftzüge seiner eigenen Unterschrift. Sie wollte, von einem plötzlichen Gedanken erfaßt, die Papiere an sich nehmen, aber mit einer diskreten Miene entzog der Schauspieler ihr dasselbe und steckte es mit scheinbarer Gelassenheit wieder ein.

Emma schwankte noch immer zwischen den zwei schrecklichen Gedanken, ob sie ihren Bräutigam vor sich habe, der dann augenscheinlich einer Geistesstörung verfallen war, oder ob hier irgend ein Schwindler saß, dessen Absichten sie beängsteten. Die Situation wurde immer unheimlicher, und sie überlegte, ob sie nicht um Hilfe rufen sollte. Um aber doch etwas zu sagen, frug sie furchtsam: Und womit könnte ich Ihnen dienen?«

»Mein Fräulein,« versetzte der falsche Dr. Landmann, »Sie werden meine Lage begreifen. Da ich aller Mittel entblößt bin, die mir die Fortsetzung meiner Wanderfahrt ermöglichen könnten, so wollte ich mich an Ihre Hochherzigkeit wenden, ob Sie mir nicht etwa dreißig bis fünfzig Mark vorschießen könnten. Daß ich, ein wissenschaftlich gebildeter Mann, in diese ganz kuriose Lage gekommen bin, ist ohne Frage eine Tücke des Geschicks, doch was will man machen, als sich wappnend gegen eine See von Plagen durch Widerstand sie enden?!«

Er erhob sich achtungsvoll von seinem Stuhl und machte eine herablassende kurze Verbeugung. Dabei überließ er nun doch aber die Muskeln seines Antlitzes ihrem natürlichen Mienenspiele, und Emma, deren Verdacht durch sein Ersuchen gestiegen war, sah jetzt sofort mit einem klaren, bestimmten Blicke, daß hier ein unbekannter, fremder Mensch vor ihr stand, der nicht ohne Geschick die Rolle ihres Bräutigams spielte. Wie ein Blitzstrahl durchleuchtete sie der Gedanke, daß der Mensch die Papiere des Privatdozenten entwendet haben mußte und hier auf dessen Kosten sich Geldsummen erschwindeln wollte.

Was thun?! Wenn sie schnell um Hilfe gerufen hätte, würde der unheimliche Kerl entflohen sein; sie mußte ihn mit List zu überführen suchen, um sich vor allem in den Besitz der vorgewiesenen Papiere zu bringen. Gleichzeitig wußte sie aber vor innerer Angst kaum, wie sie sich benehmen sollte, und sie flüsterte daher mehr, als daß sie sprach:

»Es freut mich sehr, Ihre nähere Bekanntschaft zu machen, mein verehrter Herr Dr. Landmann, und ich werde Ihnen sehr gern helfen. Doch möchte ich Sie um die Gefälligkeit einer Quittung ersuchen.«

»Mit dem größten Vergnügen« sagte Hasenklau zuvorkommend. Er empfand indessen gar nicht dieses Vergnügen, da ihm die Ausstellung einer Quittung ohne Frage sehr gefährlich vorkam.

Emma ging an den Tisch, setzte ihm Schreibzeug und Feder zurecht und schloß an einem Koffer, als habe sie die Absicht Geld herauszunehmen. »Haben Sie keine Ahnung,« frug Emma, die jetzt mutiger ward, »wer Ihnen Ihre Papiere entwendet haben kann? Das muß ja ein recht niederträchtiger Mensch gewesen sein, denn was muß für eine innere Schlechtigkeit dazu gehören, wenn es einer über sich gewinnt einen Schlafenden zu berauben!«

»O o – moralische Verirrung!« sagte Hasenklau mit hohlem Pathos, aus dem eine leise Angst herausklang, als werde ihm das Fräulein verdächtig.

»Ja, ein rechter Gauner, ein rechter Schwindler muß das ja gewesen sein, und wer weiß, ob er jetzt nicht mit Ihren Papieren bei ahnungslosen Leuten herumhausiert, um darauf hin Gelder zu erschwindeln. Manche Menschen sind so dumm, daß sie auf jede derartige Betrügerei hereinfallen, aber wenn man einen solchen gemeinen Menschen –«

»Aber mein Fräulein. Sie brauchen da Ausdrücke –« unterbrach Hasenklau das heftig redende Mädchen, da er sich unwillkürlich gekränkt fühlte. »In einem so schönen Munde sind das Worte –«

Emma war bei ihrer Rede langsam gegen die Thüre hingegangen und tippte jetzt rasch auf die Klingel, die laut durch das Haus erschallte. Hasenklau erschrak bis ins Mark; er merkte, daß er hier in eine Falle geraten war, sagte aber kein Wort, um einen günstigen Augenblick abzupassen, wo er sich wegmachen konnte.

»Bitte, Herr Dr. Landmann, schreiben Sie, schreiben Sie – quittieren Sie über fünfzig Mark, ich will Sie Ihnen mit Vergnügen vorstrecken.« Da Emma sich sagte, der Kellner müsse jeden Augenblick kommen, so klimperte sie ziemlich übermütig und über das Abenteuer aufgeregt, mit dem Gelde in ihrer Hand.

»Sie sind sehr gütig, mein Fräulein,« erwiderte der Schauspieler etwas grob; »aber wie soll ich denn quittieren, wenn Sie mir am Ende det Jeld garnicht geben? Warum haben Sie denn so geklingelt, daß man's im ganzen Hause hören kann. Sie können mir damit in die größte Verlegenheit bringen, mir, einen wissenschaftlich gebildeten Nationalökonomen.«

»Ei, ich habe geklingelt, weil Sie in mir an die falsche Schmiede gekommen sind,« sagte Emma, bebend vor Angst und triumphierender Gewißheit zugleich, den Kerl entlarven zu können. »Wenn Sie der richtige Landmann waren, so hätten Sie auch wissen müssen, daß ich in diesem Falle Ihre Braut bin, die Ihnen nachgereist ist und am besten bezeugen kann, wie unähnlich Sie dem Manne sind, dessen Rolle zu spielen Sie hier die Frechheit haben!«

Auf diese Worte hin machte Hasenklau eine angenehm überraschte Miene. Obwohl er vor innerer Angst zitterte, verbeugte er sich doch zuvorkommend und sagte: »Mein Fräulein, ick bin ganz überrascht, Ihre Bekanntschaft zu machen. Aber det machen Sie mir nicht weiß, daß Sie meine Braut waren. Meine Braut ist die höhere Wissenschaft, und Sie verwechseln sich mit einer anderen, wenn Se glooben, Se wären mit einem jewissen Doktor Landmann verlobt.«

Er hatte bei diesen Worten sich gleichfalls sachte gegen die Thüre gemacht und drückte heftig wiederholt auf die Klingel. Darauf schob er mit einer verzweifelten Bewegung Emma bei Seite, riß die Thüre auf und stürzte mit dem Rufe auf den Korridor:

»Kellner, Stubenmädchen, Kellner! Laufen Sie mal gleich hinauf nach Nr. 37, det Fräulein hat einen Anfall, sie verwechselt sich mit sich selbst, sie kriegt schon Krämpfe.«

Und während er das rief, sprang er mit großen Sätzen auf der Treppe hinunter. Oben hinter ihm kreischte Emma auf; das Stubenmädchen kam von einem oberen Stockwerk herab; der Kellner begegnete Hasenklau, von unten kommend, der ihm im Vorüberspringen zurief: »Gehn Sie schnell hinauf; das Fräulein hat einen Anfall!«

Der Kellner stürzte die Treppe hinauf. Unterdes aber hatte Hasenklau schon das Erdgeschoß erreicht, und, da er die Geistesgegenwart gehabt hatte, ehe er das Fräulein besuchte, seinen alten Rock in einem Reisebündel auf den Rücken zu nehmen, so konnte er, nachdem er auf die Straße gesprungen war, spurlos das Hotel verlassen. Er schlug sich sofort in eine Seitengasse, verschwand in einem Durchhaus und machte auf Winkelstraßen, wo man ihn so leicht nicht suchte, daß er eiligst aus der Stadt kam.

Oben in Emmas Zimmer herrschte unterdessen große Aufregung. Kellner und Stubenmädchen überzeugten sich sehr bald, daß das Fräulein durchaus keinen Anfall gehabt habe, daß man vielmehr einen gefährlichen Schwindler beherbergt hatte, der nun leider entkommen war. Emma drang aufgeregt darauf, daß der Fall sofort auf der Polizei gemeldet wurde; der Kellner eilte selbst hinüber, und nach zehn Minuten erschien auch schon der Herr Polizeivorstand selbst, um bei Emma die näheren Umstände des Falles zu erforschen.

Emma teilte mit, daß ein Hochstapler bei ihr gewesen wäre, der die Papiere ihres Bräutigams, des Dr. Hans Landmann aus Berlin, vorgelegt und sich für diesen ausgegeben habe, um Geld zu erschwindeln. Der Polizeivorstand schloß sofort, daß der Mann mit dem Individuum identisch sei, welches man gestern vergeblich verfolgt und beim Betteln mitten in einem Mädchenpensionat angetroffen hatte. An diesem Morgen war bei ihm die Bestätigung eingelaufen aus Berlin, daß allerdings ein Dr. Landmann studienhalber sich hier zu bewußtem Zwecke aufhalte. Kein Zweifel, der Mann, der vor einigen Tagen auf dem Polizeiamt gewesen war, der dann vor dem berittenen Polizisten entflohen war, war derselbe, welcher hier mit den Papieren des Dr. Landmann hausiert hatte. Der Polizeivorstand versprach schnelle Verfolgung des Gesellen und ermahnte Emma nur höflich, das Ihrige zu thun, um auch den richtigen Dr. Landmann ausfindig zu machen. Hoffentlich war an diesem keine Unthat verübt worden durch den Schwindler, hoffentlich kein Raubmord begangen. Emma zitterte bei diesem Gedanken. Aber nein, sie hatte ja ihren Hans erst gestern mit dem Mädchen gesehen! Das konnte, mochte sie indessen dem Beamten nicht sagen. Und weil sie das verschwieg, wurde allmählich der Glaube genährt, jener Mann mit dem Mädchen sei gar nicht ihr Hans, sondern eben der Gaukler gewesen, der ihm so ähnlich war, daß er sie vorhin, sogar in der Nähe betrachtet, eine Zeitlang hatte täuschen können. Nachdem alle nötigen Fragen gestellt waren, empfahl sich der Polizeivorstand, um eine wirksamere Verfolgung ins Werk zu setzen, Emma aber verblieb in qualvoller Ungewißheit über das Schicksal ihres Geliebten auf ihrem Zimmer zurück.

Unterdessen eilte Hasenklau im Sturmschritt auf der Erdmannsdorfer Straße hin, um jene Frauenherberge zu erreichen, die ihm schon oft ein sicherer Schlupfwinkel gewesen war in ähnlichen Gefahren. Dort hoffte er sich vor etwaigen Nachstellungen zunächst verborgen halten zu können, denn es kam nicht so leicht vor, daß man dort suchte. Unterwegs sagte er sich, er müsse vor allem jeden Verdachtsanhalt von sich entfernen. Und er glaubte am sichersten zu sein, wenn er die Papiere des Dr. Landmann nicht etwa vernichtete, was ja unter Umständen das Nächstliegende war, sondern irgend einem andern Kunden zuschanzte, auf den dann ein glaubwürdigerer Verdacht fiel, wodurch er von seinem eigenen Haupte das Unheil abwendete. Auch wollte er die Papiere nicht vernichten, um vielleicht, wenn die Verfolgung nicht gefährlich ward, bei besserer Gelegenheit sie zu benutzen, denn solche schöne, echte, ungefälschte Papiere erwischte man ja nicht jeden Tag.

Er war nicht weit von Erdmannsdorf entfernt, als er hinter sich einen Wagen rollen hörte, der ihn bald einholte. Er blickte sich um und erkannte den Einspänner, in dem er vorher den Künstler hatte abfahren sehen vom Gasthof. Er sah auch den Künstler selbst, und, da er wußte, daß dieser der Begleiter des Fräuleins war, welches ihm vor einer Stunde ein so großes Mißgeschick bereitet hatte, so wurde ihm einigermaßen schwül zu Mute.

Wangenheim, der keine Ahnung von dem Vorgefallenen hatte, sondern auf Umwegen gefahren war, ohne recht zu wissen, wo er Hans finden sollte, erkannte in dem Fußwanderer sofort jenen schauspielerischen Stromer wieder, den er vor einiger Zeit früh morgens in der Penne skizziert hatte, wo sich dann auch Hans Landmann eingefunden hatte. Dieser Mann mußte also wohl auch über den Aufenthalt Landmanns Aufschluß geben können, wenigstens lag es nahe, ihn anzureden.

»Hören Sie mal,« rief ihn Wangenheim an, indem er seinen Wagen halten ließ, »wissen Sie nicht, wo hier in der Gegend ein reisender Schlossergeselle Hans Finke sich aufhält?! Ich meine, Sie müßten ihn auf der Dommelsdorfer Herberge kennen gelernt haben.«

Hasenklau schloß aus der Frage, daß der Redner von seinem letzten Abenteuer nichts wußte. Er fühlte aber das natürliche Interesse, da der Mann augenscheinlich einen Auftrag von dem Fräulein an den Privatdozenten hatte, die Verbindung zwischen diesen zu unterbrechen, schon um für seine eigenen Pläne Zeit zu gewinnen, und er sagte daher aufs Geratewohl:

»Jawohl, jawohl, den Finken kennen wir. Der ist aber heute früh fort aus dieser Gegend und schon weit voraus. Den werden Sie wohl schwerlich einholen.«

»Was?! Wissen Sie vielleicht, nach welcher Richtung er ist?!«

»Jawohl, jawohl,« erklärte Hasenklau mit hohler Stimme. »Fahren Sie nur ruhig hier auf der Landstraße weiter, nach einer Tagereise kommen Sie ins Oldenburgische; da geht's denn beim ersten Grenzstein rechts in den Wald und dann wieder links, da ist dann nördlich eine Penne, da müssen Sie seine Spur finden. Er will nach Dänemark; ich will auch hin, das ist noch eine gute Gegend für Walzbrüder, Rußland wegen der großen Entfernungen schon weniger, aber Österreich, besonders Tirol ist auch eine dufte Gegend. Italien könnte Ihnen weniger rekommandieren; Holland ist ganz schlecht, Schweiz soso, lala, aber am Rhein zur Traubenzeit, da wachsen auch unsere Reben, wenn Sie etwa –« Er machte Miene dem Künstler noch einen längeren Vortrag über die Länder zu halten, in denen das Fechten in Blüte stand; Wangenheim aber winkte ab und sagte:

»Danke, danke! – Das ist nun freilich sehr unangenehm, wenn er nach Dänemark will. Ich habe nämlich einen wichtigen Brief an den Schlossergesellen Finke zu bestellen, der keinen Aufschub erleidet.«

Hasenklau horchte scharf auf. »Erlauben Sie, das könnte ich schon besorgen, ich will ja auch ins Dänische wandern und werde mit dem Schlossergesellen Finke schon drüben in Petern sein' Tiergarten im Oldenburgischen. zusammentreffen, wir haben das vor ein paar Tagen besprochen. Wenn ich Ihnen einen einigermaßen vertrauenerweckenden Eindruck mache, so will ich die Sache besorgen, denn, nur zwischen Glauben und Vertrauen ist Friede, und Krieg ist ewig zwischen List und Argwohn«.

Wangenheim sah sich den wunderlichen Kerl etwas näher an, der in so schwungvollen Sentenzen sprach. Sein Auftrag war allerdings aufs bequemste erledigt, wenn er dem Manne den Brief übergab. Er vermied dadurch auch eine Begegnung mit Hans Landmann selbst; eine solche war ihm unangenehm, weil sein Gewissen diesem Manne gegenüber doch nicht so rein war, daß er ihm frei hätte entgegentreten können. Und weiter brauchte er dann den Doktor auch nicht aufzufordern, nach Neustadt zu kommen, um das Mißverständnis mit seiner Braut aufzuklären. In Wangenheims Interesse war es entschieden mehr, wenn Hans den Absagebrief des Mädchens aus dritter Hand erhielt und den Bruch dann womöglich als unheilbar ansah. Unterdessen konnte Wangenheim selbst die unheilbare Spaltung zwischen den beiden zu seinem Vorteil ausnutzen.

Er nahm den Brief aus seiner Rocktasche und reichte ihn dem Schauspieler vom Wagen herab.

»Sie werden mir einen Gefallen thun, wenn Sie den Brief an den Adressaten besorgen, Schlossergesell Hans Finke. Wann denken Sie ihn zu treffen?!« Hasenklau nahm den Brief und meinte: »Übermorgen spätestens hoffe ich, seinem Weichbild näher zu treten.« Er steckte den Brief sorgsam ein und blickte, als erwarte er noch etwas, nach dem Künstler hinauf. Wangenheim bemerkte es und frug: »Haben Sie noch irgend ein Anliegen?« »Wenn der Herr mir gestatten würde, die außerordentlichen Reisespesen gleich jetzt zu liquidieren, die ick habe, insbesondre det Frachtgut, bezüglich die Eilgutgebühr für den Brief. Ick berechne bloß einen Zentner, weil er mit Zentnerlast auf meinem Jemüt liegt.« Wangenheim griff in die Tasche und gab dem Manne eine Mark. Hasenklau rümpfte die Nase darüber, steckte das Geld aber doch in seine Westentasche, nahm seinen Hut ab und sagte:

»Möge Gott in seiner Barmherzigkeit Ihnen all das verzeihen, was Sie an einem armen Reisenden gethan haben. Im übrigen wird der Brief an seine richtige Adresse gelangen. Verlassen Sie sich auf mich dabei!«

Er empfahl sich und wanderte mit scharfen Schritten weiter, noch immer in Sorge, daß ihm die Polizei auf die Fersen rücken könne. Wangenheim aber lenkte seinen Wagen um und fuhr in der Richtung nach Neustadt zurück. Unterwegs nahm er in einem Gasthof längeren Aufenthalt und verbrachte dort den Mittag, um bei Emma v. Arnim nicht den Eindruck zu erwecken, daß er die Erforschung von Landmanns Aufenthalt allzu schnell aufgegeben habe. Hasenklau aber triumphierte im stillen, daß er vorläufig die unmittelbare Verbindung zwischen dem Nationalökonomen und seiner Braut in der eignen Hand hatte und unter Umständen dieselbe auch zu seinem Vorteil ausnutzen konnte.

Am Nachmittag fuhr Wangenheim langsam nach Neustadt zurück. Unterwegs war seine Leidenschaft zu dem schönen Mädchen von neuem erwacht. Er konnte es kaum erwarten, Emma wiederzusehen. Das tägliche Zusammensein mit ihr drohte ihm die klare Besinnung zu rauben. Und da alles sich verschworen zu haben schien, ihn zu ermutigen, da Emma dem Bräutigam durch ihn selbst eine Absage geschickt hatte, so hielt er es jetzt auch für richtig, seine Leidenschaft zu bekennen und noch heute die Stelle im Herzen des Mädchens zu erobern, die bisher der Privatdozent besessen hatte.

Im Gasthof »Zum goldenen Schwan« angekommen, begab er sich zu Emma und lud sie zu einem gemeinschaftlichen Spaziergang in die Parkanlagen vor der Stadt ein. Man könne heute doch nichts anderes unternehmen, da man nun erst die Ergebnisse abwarten müsse.

Emma war einverstanden und meinte, nach den Aufregungen des Vormittags werde ihr ein Spaziergang wohlthun. Sie verließen den Gasthof, und als Wangenheim ihr seinen Arm bot, nahm sie denselben, und es wollte dem Maler bedünken, als wenn dies mit einer ermutigenden Herzlichkeit geschähe, die ihm das Blut im Kopfe brausen machte.

Auf dem Wege nach dem Parke erzählte Emma dem Maler das Abenteuer, welches sie am Vormittage mit dem Unbekannten erlebt hatte, der unter dem Namen Hans Landmann bei ihr eingedrungen war. Sie äußerte ihre Besorgnis, daß auf ihren Bräutigam ein Raubanfall ausgeübt worden wäre, durch den der Gauner sich in den Besitz seiner Papiere gebracht hatte, die sie mit eigenen Augen gesehen. Sie sprach davon, wie sehr sie bereue, den Brief an Hans abgesendet zu haben, dem gewiß ein Unglück zugestoßen sei, denn sicherlich sei der Mann, den sie am vergangenen Abend mit jenem Mädchen gesehen, gar nicht Hans selber, sondern nur sein Doppelgänger gewesen, dessen große Ähnlichkeit sie getäuscht habe.

Diese Mitteilungen kamen dem Maler ein wenig ungelegen; er sah, daß Emma noch immer mit viel zu viel Teilnahme an jenen dachte. Er versuchte diese Vorstellungen zu zerstören, indem er sagte:

»Sie können versichert sein, daß jener Mann, den wir am See sahen, der Doktor selbst gewesen ist. Mein Auge ist scharf, und mich würde keine Ähnlichkeit täuschen. Auch ist es sicher, daß der Doktor diesen Morgen ins Oldenburgische weitergewandert ist, um dann noch nach Dänemark zu gehen, wo ja das Walzerleben seit alter Zeit in großer Blüte steht. Er ist augenscheinlich in Begleitung des Mädchens, mit dem wir ihn sahen, und ich glaubte daher Ihres Einverständnisses sicher zu sein, wenn ich ihm Ihren Brief durch einen sicheren Boten nachsenden ließ.«

Diese Mitteilung hörte Emma mit erneutem Schrecken an. Sie konnte es nicht begreifen, wie er ohne Papiere, während ein anderer auf seinen Namen sündigte, weiterreisen konnte und noch dazu in Begleitung eines fremden Mädchens.

»O – wer weiß,« meinte Wangenheim leichthin. »Vielleicht ist auch er von der allgemeinen Sucht, die niederen Volksklassen als das Ideal jedes wahren Interesses aufzufassen, angesteckt. Alle Schriftsteller thun ja heutzutage nichts anderes mehr, als das Los der Armen, der Arbeitenden und Arbeitslosen, der Elenden und Verkommenen zu schildern. Kaiser und Parlamente beschäftigen sich mit nichts anderem als mit den Ansprüchen des vierten Standes, und einige Schriftsteller lehren ja sogar, daß wir noch gar nicht das richtige Christentum haben, sondern es erst erringen müssen, indem wir Hab und Gut von uns thun und wieder in den Stand der Armut herabsteigen. Warum sollte der Doktor da nicht auch etwas von solch einem modernen Heiligen in sich spüren und, übersättigt von den Auswüchsen unserer Kultur, die Rückkehr in den Stand der Einfachheit gesucht haben. Geben Sie acht, er wird ein zweiter Leo Tolstoj geworden sein, der die Lehre von der Armut im Geiste praktisch ausübt und an Ihrer Stelle sich ein »Mädchen aus dem Volke« sucht, mit dem er rein geschwisterlich christliches Brüder- und Schwestertum zu verwirklichen sucht.«

»Das wäre ja noch schöner!« versetzte Emma, aufgeregt von neuem über den Bräutigam. Im stillen schien ihr das, was Wangenheim spöttisch meinte, nicht einmal unmöglich, denn Landmann hatte in der That schon oft eine starke Hinneigung zu jenen Schriftstellern verraten und all seine politischen und wirtschaftlichen Gedanken dem Lose derjenigen gewidmet, die man in diesen Zeiten die »Enterbten« der Gesellschaft nannte.

Sie waren unter solchen Gesprächen tiefer in den Park hineingeschritten und kamen jetzt an das Denkmal des Bürgermeisters und an den Goldfischteich, um den gestern Hans Landmann mit den seltsamsten Gedanken über natürlichen Fischfang gewandelt war. Drüben, überschattet von grünenden Laubwipfeln, stand die Bank, auf welcher er die Nacht zugebracht hatte. Emma und der Maler setzten sich auf dieselbe und betrachteten im Sande vor sich eine Reihe von verzweifelt verschlungenen Linien und Zeichnungen, die zum Teil verwischt, zum Teil aber noch ganz frisch und kenntlich waren. Sie schienen mit einer scharfen Stockspitze in den Sand gezeichnet, und bei näherem Betrachten meinten Emma und Wangenheim übereinstimmend, die Bilder von Semmelzeilen, von Würsten und auch von einer Kaffeekanne nebst Tasse daneben zu erkennen. Augenscheinlich war die Einbildungskraft des Zeichners lebhaft mit diesen Dingen beschäftigt gewesen. Emma ahnte nicht, daß diese Sandgemälde das Werk ihres hungernden Bräutigams waren, der hier, nach dem Erwachen, im Geiste gefrühstückt hatte.

Wangenheim, der den Augenblick gekommen hielt, wo er vor Emma offen seine Leidenschaft bekennen durfte, begann unwillkürlich neben die Bilder im Sande eigene Zeichnungen zu entwerfen. Mehrmals schrieb er rasch den Buchstaben E, als Emmas Anfangsbuchstaben und seinen eigenen W, indem er diese Buchstaben durcheinander schlang und dabei mit heißen Seitenblicken auf Emma schaute. Diese betrachtete die Figuren, ohne recht zu begreifen, was sie eigentlich bedeuten sollten. Sie schwieg dazu und verfolgte verwundert die zeichnende Stockspitze. Wangenheim deutete ihr Schweigen als stilles Einverständnis, als den Ausdruck heimlicher entzückter Liebe. Er wurde daher mutiger und entwarf jetzt, gerade über dem Bilde der Kaffeekanne, die am Tage vorher Hans Landmann gezeichnet hatte, ein großes Herz, das von einem Pfeile durchbohrt war. Daneben aber skizzierte er rasch einen kleinen Amor, der statt eines Bogens, den er eben abgeschnellt hatte, ein großes E in der Hand hielt, welches ungefähr wie ein Bogen ohne Sehne aussah.

Als er damit fertig war, sprach er mit heimlicher Leidenschaft: »Mein liebes Fräulein, betrachten Sie sich einmal dieses Bild genau.«

Emma besah sich den Amor und das große Herz und schüttelte verwundert den Kopf. Sie frug: »Was ist denn daran so betrachtenswert?«

Wangenheim meinte: »Ist es nicht bemerkenswert, daß Bilder im Sande gezeichnet, die wir unwillkürlich entwerfen, oft die geheimsten Empfindungen und Gedanken des Herzens verraten? Grausame, Sie haben es doch längst gefühlt, was diese Zeichen wider den Willen ihres Urhebers aussprechen – warum quälen Sie mich, indem Sie sich stellen, als wären Ihnen diese Zeichen ebenso gleichgültig wie diejenigen Kritzeleien, die hier ein Unbekannter hingeschrieben hat?!«

Emma blickte befremdet auf. Dann aber, als sie seine Gedanken erriet, meinte sie mit einer gewissen angenehmen Überraschung: »Ach, ist das möglich?! Das soll wohl eine Liebeserklärung sein?!« Es schmeichelte ihr in diesem Augenblicke nicht wenig, daß ein Künstler ihr eine solche sinnreiche Liebeserklärung machte.

Wangenheim war entzückt über den Ton, in dem sie das sprach. Er neigte sich zu ihr und sprach feurig und leidenschaftlich davon, wie er von heißer Liebe zu ihr entbrannt sei, wie er schon längst geahnt habe, daß auch sie ihn liebe, und wie es nur ein Irrtum gewesen sei, wenn sie jenem langweiligen Gelehrten sich verlobt habe. Jetzt aber, wo sie Tage des unausgesprochenen Glückes, der uneingestandenen Liebe zusammen verbracht, und er von Stunde zu Stunde bis zu einer Art von Wahnwitz durch ihre Schönheit gebracht sei, jetzt, wo sie dem anderen, der sich ihrer so unwürdig erwiesen, auf immer den Abschied erteilt habe, jetzt wage er auch das Geständnis einer Liebe, die nur dann befriedigt sein werde, wenn jedes süße Recht der Leidenschaft sie vereinige. Ja, er wage es hier um ihre Hand anzuhalten und sie sogleich als die Seine zu umarmen. Sie hätte nicht so lange allein mit ihm reisen dürfen, wenn auch sie nicht heiße, heimliche Leidenschaft für ihn empfunden hätte.

Er wollte sie bei diesen Worten an sich ziehen und ihre Wange leidenschaftlich an die seine schmiegen. Sie entzog sich ihm indessen rasch und sagte leise, aber energisch: »Bitte, bitte –«

Ein rascher und sicherer Verdacht war in ihr aufgestiegen. Dieser Mann hatte ihren Bräutigam wiederholt verdächtigt und war augenscheinlich nur unter dem Vorwand, sie gänzlich mit dem Geliebten zu entzweien, auf diese Reise mit ihr gegangen. O, sie hätte vor Scham in den Boden sinken mögen, so betrogen zu sein. Aber sie wollte die wahre Gesinnung des Malers kennen lernen, warf einen verheißenden Blick auf ihn und sagte rasch: »Nicht so schnell! Nehmen Sie Rücksicht, wir sind hier an einem öffentlichen Platze. Ach, mein liebster Maler, wie sehr haben Sie meine geheimsten Empfindungen durchschaut. Ich wußte es ja längst, daß Sie alles, was Sie thaten, und worin Sie mich bestärkten, nur ausführten, um Ihren sogenannten Freund bei mir auszustechen, was doch so ganz unnötig war. Und wenn jener auf den Absagebrief, den ich ihm schrieb, niemals mehr zu mir kommen würde, und Sie hätten das künstlich verhindern können, Sie würden das alles in Ihrer beglückenden Liebe zu mir gethan haben.«

»Süßes Mädchen, das hast du alles durchschaut? Und so lange konntest du, Grausame, mir deine geheimsten Gefühle verbergen und Leidenschaft für einen anderen heucheln?« rief Wangenheim entzückt aus, welcher in Emmas Worten ein Liebesgeständnis sah. Er wollte Emma von neuem küssen; diese aber wies ihn schalkhaft zurück, während ein Zornesblick unter ihren Augenlidern blitzte, den er nicht bemerkte.

»Seien Sie still!« sagte sie, indem sie mit ihrem Sonnenschirm gleichfalls im Sande zu zeichnen begann. Geben Sie acht, ich kann auch recht hübsch zeichnen.«

Sie wischte mit der Spitze ihres Sonnenschirmes und mit ihrem Fuße den Amor, das Herz und die verschlungenen Buchstaben aus, die Wangenheim gezeichnet hatte. Wangenheim sah mit Entzücken ihrem kleinen Fuße zu, der so geschwind und behende seine Zeichnungen auslöschte. Darauf machte Emma um die Zeichnungen der Semmeln, Würste und Kaffeekanne eine große, weite korbähnliche Linie, die sie allmählich zum Bilde eines richtigen großmächtigen Korbes herausschraffierte. Als sie fertig war, sah es gerade so aus, als lägen die Würste im Korbe.

Hierauf flüsterte Emma bestimmt und klar vor sich hin: »Ich liebe«, und mit großen Buchstaben schrieb sie oben über den Korb die Buchstaben H. und L.

Wangenheim hatte erst lächelnd, dann aber mit steigender Betroffenheit der Malerei des Mädchens zugesehen. Er hatte eine Ahnung, als habe er eine fürchterliche Dummheit begangen, sich vor der Zeit verraten und dadurch auch als Freund Landmanns im bedenklichsten Lichte vor dem Mädchen gezeigt.

Emma aber erhob sich und sagte mit Haltung: »Sie begreifen, Herr Wangenheim, daß wir uns nach dem Vorgefallenen sogleich trennen müssen. Ich bedaure von Ihrer Begleitung keinen Gebrauch mehr machen zu können, bitte Sie, mich auch im Hotel nicht mehr besuchen zu wollen und ohne mich nach Berlin zurückzureisen.«

»Aber mein Fräulein,« stammelte Wangenheim, der kaum wußte, was er sagen sollte.

»Nach der Art, wie Sie an Ihrem Freunde Landmann gehandelt haben, werden Sie es für die geringste Pflicht halten, die ich meinem Bräutigam schulde, daß ich mir auf das dringendste jeden Verkehr für die Zukunft verbitte.«

Damit kehrte sie ihm den Rücken zu und ging, ohne sich umzusehen, nach der Stadt zurück. Wangenheim sah ihr erstarrt nach, um sich dann wegen seiner Dummheit vor den Kopf zu schlagen. Er setzte sich auf die Bank und blickte mit den verzweifeltesten Empfindungen einer verdienten Beschämung auf den großen Korb, der vor ihm im Sande stand wie Belsazars Flammenschrift an der Wand. Er ging endlich mit dem Gefühle einer schweren Blamierung nach dem »Goldenen Schwan« zurück, um noch abends mit dem nächsten Zuge nach Berlin heimzufahren und die gehörige Entfernung zwischen sich und das energische Fräulein zu bringen.

Als um dieselbe Zeit der Gartenaufseher an die Bank kam, wo so wunderliche Figuren im Sande gemalt standen, kehrte er sie mit einem starken Besen zusammen, um den Kiesweg wieder sauber zu bekommen, und murmelte etwas von Narrenhänden, die nicht nur Tisch und Wände, sondern sogar seiner Hütung anvertraute öffentliche Anlagen auf lästerliche Weise beschmierten.

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