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Das Land der Pelze, Band 2

Jules Verne: Das Land der Pelze, Band 2 - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorJules Verne
titleDas Land der Pelze, Band 2
publisherA. Hartleben's Verlag
addressWien. Pest. Leipzig.
year
firstpub
seriesCollection Verne
volumeBand 18
printrunVierte Auflage
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100603
projectid57d6e9a1
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Sechstes Capitel.

Zehn Tage Sturm.

Während der vier Tage, vom 17. bis zum 20. August, war das Wetter immer schön und die Wärme beträchtlich. Die Dünste des Horizontes verdichteten sich niemals zu Wolken; nur selten erhielt sich unter so hohen Breiten die Atmosphäre bei solcher Klarheit. Selbstverständlich konnten diese klimatischen Verhältnisse Jasper Hobson keineswegs erfreuen.

Am 21. August verkündete das Barometer eine bevorstehende Witterungsveränderung, indem die Quecksilbersäule plötzlich um einige Linien fiel; doch stieg sie am anderen Tage wieder, sank dann noch einmal, und erst am 23. August blieb sie dauernd niedriger.

Am 24. August stiegen die angesammelten Nebel, statt sich zu zerstreuen, als Wolken auf und verschleierten die Sonne zur Mittagszeit vollkommen, so daß Lieutenant Hobson seine gewöhnliche Beobachtung aussetzen mußte.

Am nächsten Tage erhob sich ein scharfer Wind aus Nordosten und fiel, wenn dieser sich zeitweilig legte, reichlicher Regen. Dabei unterlag die Temperatur aber keiner wesentlichen Veränderung, sondern hielt sich immer auf +12°.

Die projectirten Arbeiten waren um diese Zeit zum Glücke ausgeführt, und Mac Nap hatte den Rumpf des Schiffes im Groben vollendet. Auch die Jagd auf eßbares Wild konnte ohne Gefahr eingestellt werden, da man hinreichende Vorräthe besaß. Uebrigens wurde das Wetter bald so schlecht, der Wind so heftig, der Regen so durchdringend und der Nebel so dicht, daß man darauf verzichten mußte, die Umzäunung des Forts zu verlassen.

»Was halten Sie von dieser Aenderung des Wetters, Herr Hobson? fragte Mrs. Paulina Barnett, als sie am Morgen des 27. August die Wuth des Unwetters von Stunde zu Stunde wachsen sah. Könnte sie uns nicht von Nutzen sein?

– Das weiß ich noch nicht, Madame, antwortete Lieutenant Hobson, doch glauben Sie, daß für uns alles Andere besser ist, als das vorhergegangene prächtige Wetter, welches die Gewässer des Oceans mehr und mehr erwärmte. Uebrigens bemerke ich, daß der Wind aus Nordosten aushält, und da er sehr heftig ist, kann unsere Insel schon ihrer Masse wegen sich seiner Einwirkung nicht ganz entziehen. Es würde mich demnach gar nicht Wunder nehmen, wenn sie sich dabei dem amerikanischen Festlande näherte.

– Leider können wir, sagte Sergeant Long, unsere Lage nicht täglich aufnehmen. Bei dieser dicken Luft sind ja weder Sonne, noch Mond oder Sterne zu erblicken; da soll nun Einer Beobachtungen anstellen!

– Zugestanden, Sergeant Long, erwiderte Mrs. Paulina Barnett, dafür stehe ich Ihnen aber, daß wir das Land erkennen, wenn es uns nur zu Gesicht kommt, und wo es auch sei, es wird uns willkommen sein. Aller Voraussicht nach wird es ein Theil des russischen Amerika, wahrscheinlich Nord-Georgia sein.

– So scheint es in der That, fügte Jasper Hobson hinzu, denn in diesem ganzen Theile des Eismeeres trifft man auf keine Insel und kein Eiland, nicht einmal auf einen Felsen, an den wir uns anklammern könnten!

– Ei, sagte Mrs. Paulina Barnett, weshalb sollte unser Fahrzeug uns nicht direct bis an die Küste Asiens tragen? Kann es unter dem Einflusse der Strömungen nicht an der Behrings-Straße vorbei gehen und uns nach dem Lande der Tchouktchi's führen!

– O nein, Madame, entgegnete der Lieutenant, unser Eisfeld begegnete dabei dem Kamtschatka-Strome, und würde durch diesen mit großer Schnelle nach Nordosten hin getrieben werden, was sehr zu bedauern wäre. Nein, es ist weit wahrscheinlicher, daß uns der Nordostwind dem Küstengebiete des russischen Amerika zutreibt.

– Dann werden wir wachsam sein müssen, Herr Hobson, sagte die Reisende, und unsere Richtung so gut als möglich zu erkennen suchen.

– Daran wird es nicht fehlen, Madame, antwortete Jasper Hobson, trotzdem daß diese dicken Nebel unseren Blick beschränken. Wenn wir jedoch an die Küste geworfen würden, müßte der Stoß heftig genug sein, um ihn bestimmt zu bemerken; hoffen wir nur, daß die Insel dabei nicht in Stücke bricht. Darin liegt die Gefahr! Und doch, wenn es sein sollte, würden wir Nichts dagegen vermögen.«

Natürlich fanden diese Gespräche nicht in dem allgemeinen Saale statt, in dem der größte Theil der Soldaten und die Frauen die Stunden der Arbeit verbrachten. Mrs. Paulina Barnett sprach über derlei Sachen nur in ihrem eigenen Zimmer, dessen Fenster nach dem Vordertheile der Umplankung gerichtet waren. Jetzt drang kaum hinreichendes Licht durch die trüben Scheiben, dafür hörte man draußen den schrecklichen Sturmwind sausen, gegen den das Gebäude, wenn jener von Nordosten blies, durch Cap Bathurst einigermaßen gedeckt wurde. Dafür trommelten der Sand und die Erde, welche er von der Spitze des Vorgebirges entführte, wie Schloßen auf dem Holzdache. Mac Nap beunruhigte sich neuerdings wegen seiner Kamine, vorzüglich wegen des von der Küche ausgehenden, welches ja fortwährend gebraucht wurde. In das Geheul des Windes mischte sich noch das furchtbare Tosen des empörten Meeres, das sich am Uferrande brach. Trotz der wüthenden Windstöße wollte Jasper Hobson am 28. August unbedingt Cap Bathurst besteigen, um den Horizont, das Meer und den Himmel genauer zu beobachten. Dicht eingehüllt, um den Wind sich nicht in seiner Kleidung fangen zu lassen, begab er sich nach außen.

Ohne große Beschwerden gelangte er nach Ueberschreitung des inneren Hofes bis zum Fuße des Cap Bathurst; zwar blendeten Erde und Sand ihm die Augen, doch hatte er unter dem Schutze der Uferhöhe noch nicht direct gegen den Sturm anzukämpfen.

Die schwierigste Aufgabe bestand nun aber darin, an den Seiten der Erhöhung, welche fast lothrecht abgeschnitten waren, empor zu klimmen. Nur dadurch, daß er sich an Grasbüscheln festhielt, erreichte er den Gipfel des Caps; dort konnte er aber bei der Gewalt des Sturmes weder stehen, noch sitzen, und mußte sich platt auf den Abhang nieder legen und an Gesträuche anklammern, wobei er nur den Kopf den wüthenden Windstößen aussetzte.

Jasper Hobson lugte mit aller Anstrengung durch den Nebel; der Anblick des Meeres und des Himmels war wirklich schrecklich. Schon in einer halben Meile Entfernung verschwammen Beide in einander. Ueber seinem Haupte sah er tiefgehende, zerrissene Wolken dahinjagen, während am Zenith noch dichte Nebelmassen unbeweglich hingen. Auf Augenblicke beruhigte sich wohl auch die Luft, und dann hörte man nur das Stürmen der Brandung und den Anprall der entfesselten Wellen. Dann aber setzte der Sturm wieder mit einer Gewalt ohne Gleichen ein, und Jasper Hobson fühlte den Grund des Vorgebirges erzittern. Dann und wann wurde der Regen so heftig geschleudert, daß die Tropfenlinien tausend kleinen Wasserstrahlen glichen, welche der Wind wie Kartätschenhagel dahinblies.

Es war das ein Orkan, der aus der schlimmsten Himmelsgegend herkam. Dieser Nordost konnte wohl lange Zeit andauern, und lange Zeit die Atmosphäre peitschen. Doch Jasper Hobson beklagte sich darüber nicht. Unter anderen Verhältnissen wäre ihm die verderbliche Wirkung eines solchen Sturmes gewiß zu Herzen gegangen, jetzt freute er sich über jenen! Hielt nur die Insel aus, und darauf war ja zu hoffen, so mußte sie auch durch die Gewalt des Windes, welche die Meeresströmungen überwältigte, nach Südwesten getrieben werden, und dort im Südwesten war ja das Festland, – dort wohnte die Rettung! Für ihn, für alle seine Gefährten hätte nur der Sturm bis zu dem Augenblicke anhalten sollen, wo er sie an die Küste, und sei diese, welche es wolle, warf. Was das Verderben eines Schiffes gewesen wäre, das war das Heil der irrenden Insel.

Eine Viertelstunde lang lag Jasper Hobson so unter der Geißel des Orkanes, durchnäßt vom Wasser des Meeres und des Regens, und klammerte sich mit der Kraft eines Ertrinkenden an den Boden, indem er sich schon überlegte, welchen Vortheil ihm dieser Sturm wohl gewähren könne. Dann kehrte er zurück, glitt an der Seite des Caps hinab, eilte mitten durch den umherwirbelnden Sand über den Hof und trat wieder in das Haus ein. Jasper Hubson's erste Sorge war es, seinen Gefährten die Mittheilung zu machen, daß der Orkan seinen Höhepunkt noch nicht erreicht habe, und man darauf rechnen könne, daß er noch einige Tage anhalten werde. Das that er aber in ganz eigentümlichem Tone, als verkündete er eine gute Neuigkeit, und voller Erstaunen richteten sich die Blicke Aller auf ihren Chef, dem dieser Kampf der Elemente nur angenehm zu sein schien.

Im Verlaufe des 30. wagte sich Jasper Hobson noch einmal hinaus und drang, wenn auch nicht bis zum Gipfel des Cap Bathurst, doch bis an den Rand des Ufers vor. An diesem Ufer, gegen das die Wogen in schräger Richtung anschlugen, fielen ihm plötzlich einige lange, in der Flora der Insel bisher nicht vorgekommene Meerespflanzen in's Auge.

Diese Gräser waren noch frisch und bestanden in langen Filamenten des Varec, welche unzweifelhaft erst vor kurzer Zeit vom amerikanischen Continente losgerissen waren. Dieser Continent konnte also nicht mehr fern sein! Der Nordostwind hatte die Insel dem Strome, der sie bis daher geführt, entrissen. Gewiß schlug dem Columbus einst das Herz nicht freudiger, als er die schwimmenden Pflanzen entdeckte, die ihm die Nähe des Landes anzeigten.

Jasper Hobson kam zum Fort zurück und theilte Mrs. Barnett und Sergeant Long seine Entdeckung mit. In diesem Augenblicke hatte er fast Lust, seinen Begleitern über Alles reinen Wein einzuschenken, so sicher war er von ihrer Rettung überzeugt. Doch noch hielt ihn eine Ahnung davon zurück; er schwieg.

Während dieser langen Tage der Einsparung blieben die Bewohner des Forts nicht unthätig und verwandten ihre Zeit auf Hausarbeiten. Manchmal stachen sie auch im Hofe kleine Rinnen aus, um dem Wasser, das sich zwischen Haus und Magazin ansammelte, einen Abzug zu verschaffen. Einen Nagel in der einen und einen Hammer in der andern Hand, hatte Mac Nap in irgend einer Ecke stets Etwas auszubessern. So blieb man den ganzen Tag über beschäftigt, unbekümmert um die Wuth des Sturmes. Als die Nacht aber hereinbrach, schien dieser sich zu verdoppeln, so daß an Schlaf unmöglich zu denken war. Wie eben so viele Keulenschläge trafen die Windstöße das Haus, und manchmal bildete sich scheinbar eine Art Wasserhose zwischen dem Cap und dem Fort. Die Dielen krachten, die Balken schienen auseinander zu weichen, und man mußte befürchten, daß der ganze Bau in Stücke gehe. Für den Zimmermann war das eine Quelle fortwährender Sorgen, für seine Leute die Veranlassung, immer auf der Huth zu sein. Jasper Hobson lag weit weniger die Solidität des Hauses, als die des Bodens am Herzen, auf welchem es errichtet war. Der Orkan wurde so heftig, die Bewegung des Meeres so furchtbar, daß der Gedanke an eine Zerstörung des Eisfeldes nahe gelegt erschien. Unmöglich konnte das ungeheure, in seiner Dicke verminderte und an der Basis abgenagte Eisfeld dem unaufhörlichen Steigen und Fallen des Meerwassers lange Widerstand leisten. Zwar fühlten die Bewohner der Insel vom Seegange Nichts, doch unterlag sie den Wirkungen desselben nicht weniger. Es handelte sich demnach Alles in Allem um die Frage: wird die Insel bis zu dem Zeitpunkte, da sie gegen die Küste stößt, ausdauern oder vorher schon in Stücke gehen?

Jasper Hobson setzte Mrs. Paulina Barnett überzeugend auseinander, daß sie bis jetzt ausgehalten habe. Wenn das nicht der Fall gewesen und das Eisfeld schon in mehrere kleine Schollen getheilt wäre, so konnte das den Bewohnern von Fort-Esperance nicht verborgen bleiben, denn dasjenige Stück, welches sie selbst trug, wäre bei diesem Zustande des Meeres nicht unbewegt geblieben, und hätte dem Seegange unterlegen. Sein Schwanken und Stampfen hätte die, welche sich auf seiner Oberfläche befanden, geschüttelt, wie Passagiere auf einem Schiffe. Das war aber nicht der Fall. Auch bei Gelegenheit seiner täglichen Aufnahmen hatte Jasper Hobson niemals ein Zittern oder irgend welche Bewegung der Insel bemerkt, die so fest zu sein schien, als ob ihr Isthmus sie noch immer an das Festland bände.

Hatte ein Bruch auch noch nicht stattgefunden, so war ein solcher doch jeden Augenblick zu gewärtigen.

Jasper Hobson lag es vorzüglich am Herzen, zu wissen, ob die Insel, wenn sie außerhalb der Strömung dem Drucke des Nordostwindes gefolgt war, sich der Küste genähert hätte, worauf sich alle seine Hoffnung gründete.

Ohne Sonne, Mond und Sterne nützten auch die Instrumente nichts und konnte man die genaue Lage der Insel nicht aufnehmen. Näherte man sich der Erde, so würde man das erst wissen, wenn sie sichtbar wurde, und auch Lieutenant Hobson wäre zur richtigen Zeit, im Falle er nicht einen Stoß fühlte, ohne Kenntniß davon geblieben, wenn er sich nicht nach dem südlichen Theile dieses gefährlichen Gebietes begab. Die Orientation der Insel hatte sich bis jetzt nicht merklich geändert; noch immer wies Cap Bathurst nach Norden, eben so wie zur Zeit, als es einen vorspringenden Punkt des amerikanischen Festlandes ausmachte. Die Insel mußte also, wenn sie anlandete, mit ihrem südlichen Theile zwischen Cap Michael und dem Winkel, den sie vormals bei der Walroß-Bai bildete, anstoßen. Mit einem Worte, die Verbindung mit dem Lande mußte an der Stelle des früheren Isthmus statt haben. Es war also eben so nützlich als wichtig, zu wissen, was auf jener Seite vorging.

Lieutenant Hobson beschloß demnach, sich trotz des abscheulichen Wetters nach dem Cap Michael zu begeben, gleichzeitig aber auch seinen Leuten den wahren Grund dieser Auskundschaftung zu verheimlichen. Nur der Sergeant allein sollte ihn durch den tobenden Sturm begleiten.

An demselben Tage, am 31. August, ließ sich Jasper Hobson, um nach allen Seiten sicher zu sein, den Sergeanten auf sein Zimmer rufen.

»Sergeant Long, sagte er zu ihm, es ist unabweislich nöthig, daß wir uns ohne Verzug über die gegenwärtige Lage der Insel Victoria Gewißheit verschaffen oder doch zum Mindesten wissen, ob die Gewalt des Windes sie, wie ich vermuthe, dem Festlande Amerikas wieder zugetrieben hat.

– Das scheint mir in der That nöthig, Herr Lieutenant, entgegnete der Sergeant, und zwar je eher je besser.

– Wir müssen deshalb, fuhr Jasper Hobson fort, nach dem Süden der Insel gehen...

– Ich bin bereit, Herr Lieutenant.

– Ich weiß, Sergeant Long, daß Sie stets bereit sind, wenn es eine Pflicht zu erfüllen gilt. Doch sollen Sie nicht allein gehen, es ist besser, wenn wir unserer Zwei sind, um für den Fall, daß Land in Sicht wäre, unsere Gefährten zu unterrichten. Wir werden also zusammen gehen.

– Wann Sie wollen, Herr Lieutenant; noch diesen Augenblick, wenn es Ihnen passend erscheint.

– Heute Abend nach neun Uhr, wenn Alles im Schlafe liegt, brechen wir auf...

– Richtig, denn Alle würden uns begleiten wollen, antwortete Sergeant Long, und doch brauchen Jene den Grund nicht zu wissen, der uns so weit von der Factorei wegführt.

– Das ist auch meine Ansicht, erwiderte Jasper Hobson, und ich möchte Allen, so lange es angeht, das Beunruhigende dieser schrecklichen Lage ersparen. Sie nehmen Feuerzeug und Schwamm mit, um, wenn es nöthig würde, z.B. wenn sich Land im Süden zeigte, ein Signal geben zu können.

– Zu Befehl.

– Unser Zug wird voller Beschwerden sein, Sergeant.

– Das wird er, aber das thut auch nichts. Doch, Herr Lieutenant, unsere Reisende?

– Auch ihr wollte ich nichts mittheilen, antwortete Jasper Hobson, denn sie würde uns unfehlbar begleiten wollen.

– Und das ist unmöglich, meinte der Sergeant eine Frau kann nicht gegen einen solchen Sturm ankämpfen. Hören Sie, wie furchtbar er jetzt wüthet?«

Wirklich erzitterte das Haus in seinen Grundpfeilern.

»Nein! sagte Jasper Hobson, jene muthige Frau kann und wird uns nicht begleiten; Alles in Allem dürfte es aber doch gerathen sein, ihr unsere Absicht mitzutheilen. Sie muß unterrichtet sein, im Fall uns unterwegs ein Unglück zustieße...

– Gewiß, Herr Lieutenant, gewiß! antwortete Sergeant Long; ihr dürfen wir Nichts verhehlen, und für den Fall, daß wir nicht wiederkehrten...

– Also, um neun Uhr, Sergeant.

– Um neun Uhr!«

Mit militärischem Gruße zog sich Sergeant Long zurück.

Einige Augenblicke später unterhielt sich Jasper Hobson mit Mrs. Paulina Barnett und brachte sein Project zu deren Kenntniß. So wie er darauf bestand, so bestand die muthige Frau darauf, ihn zu begleiten und der Wuth des Sturmes mit ihm zu trotzen. Der Lieutenant, suchte sie nicht dadurch von diesem Gedanken abzubringen, daß er ihr die Gefahren der bevorstehenden Expedition schilderte, sondern betonte nur, daß ihre Gegenwart im Fort während seiner Abwesenheit unentbehrlich sei, und daß es von ihr abhange, dadurch, daß sie zurück blieb, ihm die so nöthige Ruhe des Geistes zu bewahren. Sollte sich ein Unglück ereignen, so wäre er mindestens sicher, daß seine thatkräftige Begleiterin zur Hand sei, um bei seinen Leuten seine eigene Stelle zu vertreten.

Mrs. Paulina Barnett verstand ihn und drängte nicht weiter. Jedenfalls bat sie Jasper Hobson, sich nicht unnütz einer Gefahr auszusetzen, indem sie ihm in's Gedächtniß zurückrief, daß er der Chef der Factorei sei und sein Leben nicht ihm allein, sondern dem Wohl aller Uebrigen gehöre. Der Lieutenant versprach, so klug zu handeln, als es unter den gegebenen Verhältnissen möglich sein werde, doch wäre es unbedingt und ohne Verzug nöthig, den südlichen Theil der Insel in Augenschein zu nehmen. Am folgenden Tage sollte Mrs. Paulina Barnett den Anderen nur sagen, daß der Lieutenant und der Sergeant zum letzten Male vor Eintritt des Winters auf Kundschaft ausgezogen seien.

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