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Das Land der Pelze, Band 2

Jules Verne: Das Land der Pelze, Band 2 - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorJules Verne
titleDas Land der Pelze, Band 2
publisherA. Hartleben's Verlag
addressWien. Pest. Leipzig.
year
firstpub
seriesCollection Verne
volumeBand 18
printrunVierte Auflage
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100603
projectid57d6e9a1
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Neunzehntes Capitel.

Das Behrings-Meer.

Vom Packeise getrieben, war die Insel mit rasender Schnelligkeit bis in das Behrings-Meer gekommen, ohne in der gleichnamigen Meerenge an's Land zu stoßen. Immer wich sie noch ab, gedrängt durch die unwiderstehliche Eiswand, die ihre Kraft der unterseeischen Strömung der Tiefe entlehnte; immer schob sie diese dem erwärmteren Wasser entgegen, das bald ihr Untergang werden mußte, jetzt, da das rettende Fahrzeug zertrümmert war!

Mrs. Paulina Barnett kam allmälig wieder zu sich und konnte nun über das vierundsiebenzigstündige Gefängniß in dem verschütteten Hause berichten.

Von der Plötzlichkeit des Eissturzes überrascht, waren Alle nach Thüren und Fenstern gesprungen. Kein Ausweg! Der Sand- und Erdhügel, welcher einige Augenblicke vorher noch Cap Bathurst hieß, lagerte über dem Hause. Fast gleichzeitig hörten die Gefangenen das Aufschlagen der ungeheuren Schollen, die das Packeis über die Factorei stürzte.

Nach kaum einer Viertelstunde merkten Mrs. Paulina Barnett und ihre Leidensgefährten, wie das Haus, nachdem es dem enormen Drucke von oben erfolgreich widerstanden, langsam durch den Boden der Insel einsank. Sein Untergrund verschwand, an dessen Stelle trat – das Wasser des Meeres!

Sich einiger in der Küche verbliebener Nahrungsmittel bemächtigen und nach dem Bodenraume entfliehen, war das Werk eines Augenblickes, die Folge eines unbestimmten Triebes der Selbsterhaltung. Und konnten die Unglücklichen denn ein Fünkchen Hoffnung bewahren? – Vorläufig schien wenigstens der Dachstuhl auszuhalten, über dem sich wahrscheinlich zwei Eisstücke gegen einander stemmten und ihn so vor dem Zerdrücktwerden bewahrten.

Immer hörten sie nach ihrer Flucht in den Bodenraum noch die riesigen Bruchstücke der Eislawine herunter poltern, und dazu stieg unter ihnen das drohende Wasser. Hier der Tod durch Erdrücken, dort durch Ertrinken!

Wie durch ein Wunder leistete das Dach ausreichenden Widerstand, und auch das Haus kam, nachdem es zu einer gewissen Tiefe eingesunken war, zum Stehen, doch stieg das Wasser im Bodenraum wohl einen Fuß hoch.

Mrs. Paulina Barnett, Madge, Kalumah und Thomas Black hatten sich bis in die Balkenkreuzungen hinein geflüchtet, zwischen denen sie so lange Stunden aushalten mußten, wobei die dienstfertige Kalumah immer bereit war, Einen oder dem Anderen etwas Nahrung durch das Wasser hindurch zuzutragen. Jeder Rettungsversuch erschien vergeblich, nur von außerhalb konnte ihnen Hilfe kommen.

Eine entsetzliche Lage! Nur mühsam vermochten sie noch in der an Sauerstoff armen und mit Kohlensäure überladenen Luft zu athmen – wenn ihre Rettung sich noch um einige Stunden verzögerte, so hätte Jasper Hobson nur noch Leichen vorgefunden.

Mrs. Paulina Barnett begriff bald, was geschehen war. Sie vermuthete, daß das Packeis über die Insel herein gebrochen sei, und schloß aus dem unter dem Hause rauschenden Wasser, daß diese widerstandslos nach Süden gedrängt werde. Hieraus erklärt es sich auch, warum sie nach wiedererlangtem Bewußtsein sogleich um sich blickte und jene wenigen Worte ausstieß, die nach dem Verluste des Schiffes eine so verhängnißvolle Bedeutung hatten.

In jenem Augenblicke fehlte aber allen Uebrigen die Zeit, sich nach dem umgebenden Meere umzusehen, nur für Eines hatten sie ein Verständniß, für die Rettung Derjenigen, die ihnen fast mehr als ihr eigenes Leben galt, und für die Madge's, Kalumah's und Thomas Black's. Bis jetzt fehlte also, trotz aller überstandenen Prüfungen und Gefahren, noch Keiner von den Leuten, die Jasper Hobson wider seinen Willen zu einer so grauenvollen Lage geführt hatte.

Diese sollte sich aber bald noch weiter verschlimmern und das Ende der Katastrophe herbeiziehen, deren Lösung ja nicht mehr fern sein konnte.

Lieutenant Hobson beeilte sich, die Ortslage der Insel noch an demselben Tage aufzunehmen. Ein Verlassen der letzteren wurde nun nach Zerstörung des Fahrzeuges und Befreiung der Wasserfläche von ihrer Eisdecke zur Unmöglichkeit. An Stelle der Eisberge schwammen im Norden nur noch die Trümmer der Packeiswand, deren einstürzender Gipfel Cap Bathurst dem Boden gleich gemacht hatte, und deren tief eingetauchte Basis die Insel nach Süden zu drängte.

Bei Durchsuchung der Trümmer des Hauptgebäudes fand man glücklicher Weise die Instrumente und Karten, welche Thomas Black bei sich führte, unversehrt wieder auf. Zwar deckten Wolken den Himmel, doch erschien dann und wann die Sonne lange genug, so daß Lieutenant Hobson deren Höhe mit hinreichender Genauigkeit messen konnte.

Die Berechnung ergab, daß sich die Insel an diesem Tage, dem 12. Mai, unter 168° 12' westl. Länge von Greenwich und unter 63° 27' nördl. Breite befand. Der auf der Karte eingezeichnete Punkt lag dem Norton-Golf zwischen dem asiatischen Vorgebirge Tschaplin und dem amerikanischen Cap Stephens gegenüber, doch von beiden Küsten mehr als hundert Meilen entfernt.

»Wir müssen also darauf verzichten, an einem Continente anzulaufen? sagte da Mrs. Paulina Barnett.

– Ja, Madame, erwiderte Jasper Hobson, von dieser Seite ist jede Hoffnung geschwunden. Die Strömung reißt uns mit großer Schnelligkeit nach der offenen See hinaus, und können wir blos noch auf die Begegnung eines Walfängers rechnen, der in Sicht der Insel vorüber käme.

– Könnte uns indeß die Strömung, fragte die Reisende, wenn auch nicht gegen das Festland, so doch einer der Inseln im Behrings-Meere zutreiben?«

Wirklich schimmerte in dieser Möglichkeit noch eine schwache Hoffnung, an die sich die Halbverzweifelten anklammerten, wie der Ertrinkende an das schwächste Brett. An Inseln fehlte es ja nicht in jenen Theilen des Behrings-Meeres, da waren St. Laurent, St. Mathieu, Nouniwak, St. Paul, Georg u. a. m. Von St. Laurent, einer ziemlich umfangreichen Insel mit vielen benachbarten Eilanden, trennte die schwimmende Insel jetzt kein zu großer Zwischenraum, und beim Verfehlen jener durfte man noch auf den unterbrochenen Bogen der Aleuten rechnen, der das Behrings-Meer im Süden abschließt.

Ja, St. Laurent konnte zum Rettungshafen für die Verschlagenen werden! Und wenn nicht dieses, dann St. Mathieu oder die Gruppe kleiner Inseln, deren Mittelpunkt letztere bildet. Die Aleuten noch zu erreichen, war bei ihrer Entfernung von mehr als achthundert Meilen kaum zu erwarten. Vorher, lange vorher mußte die gleichsam untergrabene Insel Victoria von dem wärmeren Wasser gelöst, von den Strahlen der Sonne, die schon in das Zeichen der Zwillinge trat, geschmolzen sein.

Jedenfalls erschien diese Annahme begründet. In der That ist die Entfernung, bis zu welcher sich das Eis dem Aequator nähert, sehr veränderlich und kleiner in der südlichen, größer in der nördlichen Hemisphäre. Nicht gar selten begegnet man jenem noch in der Breite des Cap der Guten Hoffnung, d. h. etwa in der siebenunddreißigsten Parallele, während die dem Arktischen Meere entstammenden Eisberge noch niemals den vierzigsten Grad der Breite überschritten. Offenbar steht aber die Schmelzungsgrenze des Eises mit der Temperatur in bestimmtem Verhältnisse und hängt wesentlich von klimatischen Bedingungen ab. Nach langen Wintern tritt das Eis noch unter niedreren Breiten auf; bei frühzeitigem Thauwetter ist natürlich das Gegentheil der Fall.

So verhielt es sich aber bei dem zeitigen Frühlinge des Jahres 1861, welcher die Schmelzung der Insel Victoria um ebenso viel früher herbeiführen mußte. Schon färbte sich das Wasser des Behrings- Meeres grünlich und verlor sein bläuliches Aussehen, das ihm nach dem Berichte des Seefahrers Hudson bei Annäherung von Eisbergen eigenthümlich sein soll. Jetzt, da nun die Schaluppe fehlte, stand eine Katastrophe jeden Augenblick zu befürchten.

Jasper Hobson suchte eine solche dadurch abzuwenden, daß er ein hinreichend großes Floß zimmern ließ, um im Nothfalle die ganze kleine Colonie aufzunehmen und wohl oder übel nach dem Festlande überzuführen, oder wenigstens eine Zeit hindurch mit einiger Sicherheit See zu halten. Im Uebrigen wurde die Begegnung eines Schiffes mit jedem Tage wahrscheinlicher, da sich jetzt gewiß schon Walfänger nach dem Norden zu gehen anschickten. Mac Nap erhielt also Auftrag, ein geräumiges und festes Floß zu zimmern, welches sich schwimmend erhalten sollte, wenn die Insel Victoria unterginge.

Noch dringlicher erschien es aber, vorher irgend einen bewohnbaren Raum herzustellen, in dem die unglücklichen Insassen der Insel ein schützendes Unterkommen finden konnten. Als einfachster Ausweg bot sich da die Abräumung des vormaligen Soldatenhauses, dessen Wände noch benutzbar sein würden. Entschlossen gingen Alle an's Werk, und schon nach wenigen Tagen war man im Stande, sich vor der Unbeständigkeit des regnerischen und stürmischen Klimas zu flüchten.

Auch im Hauptgebäude suchte man wiederholt nach und glückte es, aus den versenkten Zimmern verschiedene mehr oder minder nützliche Gegenstände, Werkzeuge, Waffen, Bettgeräthe, einige Meubles, die Ventilationspumpen, das Luftreservoir u.s.w. zu retten.

Am folgenden Tage, dem 13. Mai, mußte man jede Hoffnung aufgeben, bei der Infel St. Laurent anzulanden.

Die Lagenbestimmung lieferte den Beweis, daß die Insel weit östlich von jener vorübertrieb; wirklich stoßen die Strömungen ganz im Allgemeinen fast nie gegen ihre natürlichen Hindernisse, sondern umgehen diese eben, und Lieutenant Hobson erkannte bald, daß auf diesem Wege an eine Landung nicht zu denken sei. Die Aleuten-Inseln allein, welche wie ein riesiges Netz durch mehrere Längengrade vor dem Behrings-Meere im Bogen ausgespannt erscheinen, versprachen die Insel aufzuhalten; aber würde sie, wie erwähnt, so lange ausdauern? Jetzt flog sie zwar mit größter Schnelligkeit dahin, wie aber, wenn diese sich verminderte, wenn die drängenden Eisberge sich auf irgend eine Weise von ihr ablösten, vielleicht vorher zusammenschmolzen, da sie keine Erd- und Sandschicht vor der unmittelbaren Sonneneinwirkung schützte?

Lieutenant Hobson, Mrs. Paulina Barnett, Sergeant Long und der Meister Zimmermann behandelten diese Frage wiederholt und einigten sich unter Erwägung der tatsächlichen Verhältnisse in der Ansicht, daß die Insel in keinem Falle bis zu den Aleuten gelangen könne, ob sich nun ihre Bewegung verlangsame, sie aus dem Behrings-Strome heraus gedrängt werde oder unter dem zweifachen Angriff des Wassers und der Sonnenwärme untergehe.

Am 14. Mai griffen Meister Mac Nap und seine Leute ihr Werk an und begannen ein geräumiges Floß zu zimmern. Es handelte sich darum, dieses Bauwerk so hoch als möglich über das Wasserniveau hervortreten zu lassen, um es nach Kräften gegen Sturzseen zu sichern. Das Werk war jetzt kein leichtes, doch rief das nur den Eifer der Arbeiter wach. Glücklicher Weise hatte der Schmied Raë auch eine beträchtliche Menge eiserner Klammern wieder aufgefunden, die man einst von Fort-Reliance aus mitgenommen, und dienten dieselben dazu, die unteren Theile des Flosses sehr fest mit einander zu verbinden.

Die Stelle, auf der jenes erbaut wurde, verdient wohl einer Erwähnung. Einem Einfalle Jasper Hobson's entsprachen folgende Maßnahmen Mac Nap's: Statt nämlich große und kleine Holzstämme auf dem Erdboden richtig zu ordnen, geschah das gleich auf dem Wasser der Lagune. Die mit Schrauben- und Zapfenlöchern versehenen Bäume wurden in den kleinen See hinab befördert, wo man sie ohne Mühe handhaben konnte. Hiermit erreichte man zwei Vortheile, denn zunächst konnte der Zimmermann sofort über die Tragkraft und den Grad der Stabilität seiner Arbeit urtheilen, und dann schwamm auch das Floß schon, wenn die Insel einst unterging, und war nicht den Schwankungen und den etwaigen Stößen des geborstenen Bodens ausgesetzt, die ihm gefährlicher werden mußten, wenn es noch am Lande lag. Diese zwei sehr wohl zu erwägenden Gründe veranlaßten den Meister Zimmermann, auf obige Art und Weise vorzugehen.

Während dieser Arbeiten schweifte Jasper Hobson bald allein, bald in Begleitung der Mrs. Paulina Barnett am Ufer umher. Er beobachtete den Zustand des Meeres und die wechselnden Aushöhlungen der Küste, die das Meer ausnagte. Sein Auge glitt über den einsamen, verlassenen Horizont dahin, an dem sich auch im Norden keine Riesengestalt eines Eisberges mehr abzeichnete. Vergeblich suchte er, wie alle Schiffbrüchigen, »jenes rettende Fahrzeug, das nie erscheint«. Die Einsamkeit des Oceans unterbrach nur der Durchzug einiger Spritzfische, die sich in dem grünlichen Gewässer tummeln, wo es von Myriaden fast mikroskopischer Thierchen, ihrer wesentlichen Nahrung, wimmelt. Dazu schwammen Hölzer vorüber, verschiedene aus heißen Ländern entführte Arten, welche die großen Meeresströmungen bis hier hinauf trugen.

Eines Tages, es war am 16. Mai, gingen Mrs. Paulina Barnett und Madge zwischen Cap Bathurst und dem früheren Hafen bei schöner Witterung und warmer Luft spazieren. Schon seit geraumer Zeit verschwand jede Spur von Schnee von der Oberfläche der Insel. Nur die Eisstücken, welche die Schollenwand am Ufer aufgehäuft hatte, erinnerten noch an das Polarklima. Nach und nach schmolzen aber auch jene, Tag für Tag sprangen neue Wasserfälle von dem Gipfel und den Seitenwänden des Eishaufens, und voraussichtlich mußte die Sonne bald alle nur von der letzten Winterkälte verlötheten Massen gelockert und zerstört haben.

Die Insel Victoria bot wirklich einen seltsamen Anblick und hätte unter anderen Verhältnissen wohl das lebhafteste Interesse erweckt, als der Frühling sich daselbst mit ungewohnter Kraft äußerte und das Pflanzenleben sich unter diesen milderen Breiten mit wahrhafter Ueppigkeit entwickelte. Moose, kleine Blumen, Mrs. Joliffe's Sämereien, Alles sproßte fröhlich empor, und nicht an der Menge der Pflanzen allein, sondern auch an ihrer lebhafteren Färbung erkannte man die vegetative Kraft des dem arktischen Klima entführten Bodens. Die sonst blassen, wasserblauen Blüthen schmückten sich mit wärmeren Farbentönen, alle Bäume und Gesträuche mit satterem Grün.

Ihre Knospen sprangen bei dem Wiedereintritt des Saftes, den eine Temperatur von manchmal + 20° in die Gefäße trieb. Die arktische Natur wandelte sich unter einem Breitengrade, der in Europa etwa dem von Christiania oder Stockholm entsprach, vollständig um.

Für die sich überall meldenden Naturkräfte hatte Mrs. Paulina Barnett jetzt freilich kein Auge. Vermochte sie in dem Zustande ihres vorübergehenden Wohnsitzes etwas zu ändern? – Konnte sie die schwimmende Insel wieder an die feste Erdrinde heften? Nein! In ihr regte sich nur das Vorgefühl der letzten Katastrophe, wie sie der Instinct vielleicht den Hunderten von Thieren verrieth, welche immer in der Nähe der Factorei umherschweiften. Diese Füchse, Zobelmarder, Hermeline, Luchse, Biber, Bisamthiere und Wiesel, welche die nahe drohende Gefahr ahnten und alle ihre Scheu zu verlieren schienen, alle schlossen sich ihren erklärten Feinden, den Menschen, an, so als ob sie von diesen Rettung erhofften. Sie zeigten eine stillschweigende, instinktive Anerkennung der menschlichen Überlegenheit, und das gerade jetzt, wo auch diese Überlegenheit so machtlos war!

Nein! Mrs. Paulina Barnett wollte von alledem nichts sehen; immer hingen ihre Blicke nur an jenem grausamen, grenzenlosen Meere, das mit dem Himmelshorizonte verschwamm.

»Meine arme Madge, sagte sie, in dieses Unglück habe ich Dich gebracht, Dich, die mir überallhin folgte und deren Ergebenheit und freundschaftliche Treue wohl ein anderes Loos verdient hätte! Kannst Du mir verzeihen?

– Es giebt Nichts auf der Welt, was ich Dir nicht verzeihen würde, meine Tochter, antwortete Madge; aber irgend Etwas nicht mit Dir zu theilen, das wäre mein Tod gewesen.

– Madge! Madge! rief die Reisende, wenn ich mit meinem Leben das aller jener Unglücklichen erkaufen könnte, ich würde es freudig hingeben.

– Du hast also keine Hoffnung mehr, meine Tochter? fragte Madge.

– O Gott, nein!« antwortete Mrs. Paulina Barnett, und fiel schluchzend ihrer Begleiterin in die Arme.

Für einen Augenblick kam das Weib doch in dieser so männlich angelegten Natur zum Durchbruch, und wer bliebe bei solchen Prüfungen auch stets von jeder Schwäche frei?

Mrs. Paulina Barnett ging das Herz über, und Thränen flossen aus ihren Augen.

Mit ihren Liebkosungen und Küssen suchte Madge sie zu trösten.

»Madge, bat die Reisende, den Kopf wieder erhebend, sage ihnen wenigstens nicht, daß ich geweint habe.

– Nein, nein, versicherte Madge, sie würden's mir auch gar nicht glauben. Das war nur ein Augenblick des Kleinmuths! Auf, ermanne Dich, meine Tochter, Du unserer Aller Seele! Auf, auf, und fasse neuen Muth!

– Hoffst Du denn noch immer? rief Mrs. Paulina Barnett, und sah ihrer treuen Gefährtin tief in's Auge.

– Ich hoffe immer!« antwortete einfach Madge. Und doch, war es denn möglich, sich noch einen Hoffnungsschimmer zu bewahren, als die Insel einige Tage später weit ab von der St. Mathieu-Gruppe vorüberschwamm und nun im ganzen Behrings-Meer kein Land mehr lag, das sie auf ihrem verderblichen Zuge hätte aufhalten können?

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