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Das kleine Glück

Olga Wohlbrück: Das kleine Glück - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorOlga Wohlbrück
titleDas kleine Glück
publisherPaul Franke Verlag
year
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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III.

Die anfängliche Scheu vor Delten hatte Iduna bald abgelegt, statt ihrer hatte sich eine seltsame Willensabhängigkeit von ihm eingestellt.

Erst achtete sie dessen nicht, freudig beugte sie sich ihm – es war wie ein geistiges Ausruhen. Oft schien ihr, als würde ihre Seele behutsam von ihm getragen, so daß sie selbst sich nicht um sie zu kümmern brauchte.

Es war eine rührende Vorsorglichkeit in ihm, einem beinahe frauenhaft weichen Verwöhnen gleich.

Jeden Morgen kam er herüber, mit einem Buch, ab und zu einer Zeitung.

»Lies nur, was ich angestrichen habe«, sagte er. »Das übrige ist wertlos für dich und unnützer Ballast.«

Und sie las nur die von ihm angestrichenen Stellen.

Mittags aßen sie zusammen in irgendeinem kleinen Restaurant. Das machte ihr die meiste Freude. Er bediente sie dann, sah ihr lächelnd zu, wenn sie mit kindlicher Neugierde die aufgetragenen Speisen musterte und dann, kaum merklich die Nase rümpfend, den zweifelhaft feinen Duft einatmete.

»Du bist bessere Kost gewöhnt«, sagte er einmal.

»Ja«, antwortete sie ehrlich.

Sie meinte, er würde sie von nun ab in ein feineres Lokal führen – doch tat er es nicht. Nach wenigen Tagen gewöhnte sie sich an das Essen, kaum achtete sie noch darauf, was ihr vorgelegt wurde – denn es gab so vieles zu besprechen! Und mehr noch zu hören, als zu besprechen. Delten sprach viel und immer interessant; für sie allein, wie wenn er vor einem Kreise Hörer in der Universität Vorträge hielte. Es schmeichelte ihr, und sie staunte über seine Gelehrsamkeit und seine Rednergabe.

Einen Widerspruch wagte sie niemals, sie hatte ja gar nicht die Möglichkeit, sich eine gegenteilige Meinung zu bilden, denn das, was sie zu lesen bekam, war im selben Geiste geschrieben. Aber dann war auch etwas in ihm, was eine Gleichberechtigung ausschloß. Er war der Bildner, sie – der Ton, den er nach freiem Willen knetete. Und in ihrer Seele erstand ein sklavisches Gefühl der Abhängigkeit. Sie glaubte, es wäre Liebe.

Eines Morgens kam er nicht wie sonst. Den Abend vorher hatte er noch blasser ausgesehen als gewöhnlich und hatte ein paarmal nach dem Kopf gegriffen, als empfände er einen stechenden Schmerz. Auf ihr ängstliches Befragen hatte er sie kurz beruhigt.

Aber nun, da es schon zwölf war, und er noch immer nicht kam, wurde sie ernstlich unruhig. Aber nicht bloß Unruhe war es, sondern das Bedürfnis, mit ihm zusammen zu sein, wie wenn ein Räderwerk in ihr abgelaufen war, so tot sah es in ihr aus. Es mußte wieder aufgezogen werden das Räderwerk, ihre Gedanken mußten weiterkreisen, ihre Seele mußte neuen Stoff haben ...

Draußen lag dichter Nebel, kaum daß der Giebel der Villa drüben sichtbar war.

Wie seltsam, daß er sie nie aufgefordert hatte, zu ihm zu kommen, nie den Wunsch ausgesprochen, ihr sein Heim zu zeigen. Sie war zu feinfühlend gewesen, ihn darum zu bitten. Aber jetzt meinte sie das Recht zu haben, den Fuß über seine Schwelle zu setzen. Das Recht? – Nein, diesen Ausdruck gebrauchte sie nicht einmal in Gedanken, aber die Pflicht hatte sie ...

Ganz laut sagte sie es sich, im Grunde aber gehorchte sie nur einem Gebot innerer Notwendigkeit.

Mit eiskalten, zitternden Händen setzte sie den Hut auf, warf den Mantel um und schlich sich heimlich aus dem Zimmer.

Der Nebel draußen benahm ihr den Atem. Da über die Wiesengründe kein erlaubter Weg hinüberführte, mußte sie einen ziemlich großen Umweg machen, zwei provisorisch gepflasterte Straßen durchqueren und schließlich in eine Art von Allee einbiegen, in deren Beginn sich der schmale, burgähnliche Bau erhob.

Die Gartentür stand offen. Durch die kleingitterigen Scheiben des großen Atelierfensters sah sie Umrisse von weißen hohen Figuren, abgehauene Blöcke und gegen das Fenster angelehnte Reliefs. Ein paar Stufen führten zur Eingangstür. Diese war nur angelehnt, und Iduna trat ein in den kleinen Flur. Die Ateliertür war halb offen und ließ eine breite Stelle nebelgrauen Lichtes hereinfluten.

Zwei Kinder in grauen Kittelchen, ein Junge und ein Mädchen, spielten zwischen den Blöcken und Figuren mit Gipsabfällen. Die Kleine war höchstens vier Jahr alt, zart wie ein Hauch, mit großen, dunklen Augen; der Junge, etwa zehnjährig, war kräftig, braun, gesund, mit einem jetzt schon unverkennbar energischen Zug um den Mund.

Als er Iduna erblickte, sagte er barsch:

»Wenn Sie Papa wollen – er ist oben beim schwarzen Doktor.«

»Und Mama ist fort«, ergänzte die Kleine.

Weiter kümmerten sich die Kinder nicht mehr um sie, aber Iduna blieb wie gebannt stehen.

»Ist euch nicht kalt, Kinder, hier im Atelier?« fragte sie.

»Nee. Wenn uns kalt ist, schlagen wir eine Figur kaput«, antwortete der Junge.

»Ja ... Papa hat's erlaubt ... und ich schlage alle Nasen ab«, sagte die Kleine.

»Wollen Sie zusehen?« fragte der Junge.

Angstvoll hob Iduna beide Hände.

»Das werdet ihr doch nicht tun, Kinder, die schönen Figuren ...«

»Taugen nichts«, rief der Junge.

»Taugen nichts«, klang es wie ein Echo von den Lippen des kleinen Mädchens.

Der Knabe schlug mit dem Mörtel die Hand einer Grazie ab, und das kleine Mädchen klammerte sich an ihn und zeterte: »Aufheben, Otto, aufheben ... ich will die Nase.«

Iduna stürzte die Treppe hinauf. Auf der letzten Stufe stieß sie mit einem Mann zusammen. Er war noch jung, sah aber vergrämt und verwüstet aus. Ein feiner, blonder Kopf, auf einer feinen, schlanken Gestalt. Nachlässig gekleidet, ohne Kragen, bloß ein rotes Seidentuch um den Hals. Verängstigt und verstört blickten seine großen Augen umher, Augen, wie sie das kleine Mädchen hatte.

Und Iduna wußte gleich, daß es der Vater war.

»Ihre Kinder, Herr, zerstören unten die Statuen, eilen Sie ...«

»So, tun sie das?«

Ein zerstreutes Lächeln flog über seine Lippen.

»Eilen Sie, sonst kommen Sie zu spät«, drängte Iduna.

»Nein, nein ... es ist gut so ... nur zusammenschlagen alles ... es taugt ja doch nichts ... Nur nicht Altes mit hineinschleppen in ein neues Leben ...«

Iduna zuckte zusammen und faßte nach der Rampe, wie Halt suchend.

»wie sagten Sie eben?« ...

Sie war bleich geworden bis an die Lippen, der Bildhauer aber nickte vor sich hin.

»Gehen Sie nur hinauf zu ihm, er wird's Ihnen erklären. So mühselig habe ich mich herumgeschleppt das ganze Leben, mit dem bißchen Können und der großen Sehnsucht, nun wird mir erst frei zumute ... Hören Sie?«

Ein lautes Gepolter, in das sich ausgelassener Kinderjubel mischte, drang die Treppe hinauf.

Ohne mehr ein Wort zu wechseln, gingen sie aneinander vorüber. Ganz langsam stieg der Bildhauer hinab, als bange ihm doch vor dem Anblick da unten. Am ganzen Körper zitternd, schwer atmend, klopfte Iduna an eine Tür, auf der eine Visitenkarte angenagelt war: Julius Delten, Dr. phil.

Delten öffnete ihr. Statt eines Hausrockes hatte er einen langen abgetragenen Überzieher an. In der einen Hand hielt er einige Späne Holz – offenbar war er im Begriff gewesen, einzuheizen.

Als er Iduna gewahrte, flog etwas wie Mißmut über sein Gesicht.

»Geduldig sein hast du nicht gelernt«, sagte er, ohne Miene zu machen, sie hereinzulassen.

»Ich wartete und wartete ... länger hielt ich's nicht aus, ich dachte, du seiest krank. Aber jetzt weiß ich, du bist aufgehalten worden. Ich traf ihn auf der Treppe, den Armen ...«

Unendliches Mitleid brach aus ihren Augen. Delten zuckte die Achsel.

»Man wird öfter als einem lieb ist von einem Narren im Leben aufgehalten«, murmelte er.

»Willst du mich hier draußen stehen lassen?« fragte sie.

»Komm herein, da du ja nun einmal hier bist«, kam es zögernd von seinen Lippen.

Er ließ sie an sich vorbei.

»Die Tür geradeaus, bitte.«

Das Herz klopfte ihr, als sie die Hand auf die Klinke legte, wie wenn sie vor der Offenbarung von Deltens innerstem Sein stünde.

Mit einem leisen Schauergefühl übertrat sie die Schwelle.

Es war ein großes, aber niederes Zimmer, das durch zwei spitzbogenförmige Fenster erhellt war. Zwischen ihnen stand ein Tisch von riesiger Dimension, kein eigentlicher Schreibtisch, der aber doch als solcher benutzt wurde. Ein schmales, hartes Ruhebett war in eine Ecke geschoben, ein paar geflochtene Rohrstühle standen herum, bedeckt mit halbgeöffneten Büchern, beschriebenen Manuskriptblättern und Zeichnungen; um die Wände herum bis zur halben Höhe liefen Regale, auf denen große und kleine Folianten in keineswegs geordneter Reihe aufgestapelt waren. Die Einbände waren abgegriffen, und aus der Art, wie die Bücher lagen, sah man, daß sie oft gebraucht wurden. Kein Teppich über dem gestrichenen Boden, nur unter dem großen Tisch, vor dem eingedrückten Ledersessel ein kleines, ganz abgenutztes graues Fell. Über Eck ein schmaler weißer Kachelofen, dessen Türchen offen standen.

»Setz dich in den Ledersessel, Kind, unterdessen kleide ich mich im Nebenzimmer um, aber, bitte, rühr hier nichts an.«

»Darf ich nur die Ofentür zumachen? dies schwarze, gähnende Loch ...«

»Gerade wollte ich einheizen, als du kamst.«

»Warum ... warum tust du das selbst?«

»Erstens, weil ich nicht gerne von anderen abhängig bin, zweitens, weil ich es nicht liebe, wenn Fremde in mein Zimmer treten – geschäfts- und gewohnheitsmäßig. Jede Gewohnheit, die einen anderen Menschen an uns bindet, fesselt gleichzeitig auch uns. Leben aber, wie ich das Wort – leben verstehe, heißt frei sein.«

Idunas Hände griffen krampfhaft unter ihrem halblangen Cape ineinander.

»Wenn das wirklich so ist, wie kannst du dich entschließen, zu heiraten?« fragte sie langsam.

Er fuhr ihr mit den Fingern leicht über die Wange.

»Erklärte ich dir's jetzt, du würdest es nicht verstehen. Und im übrigen, Iduna, merke dir: noch bist du frei. Jeden Augenblick kannst du zurücktreten. Ich will in keiner Weise einen Zwang auf dich ausüben.«

Sie prallte zurück.

»Das heißt, du gibst mich frei; einer Fessel willst du dich entledigen, sag'? ...«

Eine entsetzliche Angst vor leerem, gähnendem Nichts erfüllte sie. Sie fühlte die Leine nicht mehr, an der sie bis jetzt von ihm geführt worden war, nun wußte sie nicht, wohin sich wenden, sie fürchtete, in einen Abgrund zu fallen.

»Julius quäle mich nicht, voll gläubigen Vertrauens bin ich zu dir gekommen, um zu lernen von dir, und nun stößest du mich von dir ...«

Er schüttelte den Kopf.

»Armes Ding, du willst gezwungen werden! Und ich soll die Verantwortung dafür übernehmen ... Nur eines ist mir bisher gelungen – Furcht in dir zu erwecken vor dem Uferlosen, und nun soll ich dich gängeln, soll dich gewaltsam festhalten ...«

Er schwieg eine Weile, dann trat er nahe an Iduna heran und legte ihr beide Hände auf die Schultern.

»Bist du nicht hergekommen zu mir, weil dich die Sehnsucht trieb?«

»Ja«, hauchte sie leise.

»Ist's Liebe, Iduna?«

Sie schwieg.

»Sag', ist's Liebe?«

»Ich weiß nicht ...«

»Und ich sage dir: nein, es ist nicht Liebe, und die Sehnsucht, die dich zu mir getrieben, sie wird dich von mir forttreiben.«

Heftig schüttelte sie den Kopf.

»Nie, nie. Denn bei dir finde ich Ruhe.«

»Noch bist du zu jung zu stiller Ruhe. Es wird dich hinziehen zu Kampf, zu Schmerz, und die erträumte Ruhe ...«

»Horch!« ...

Iduna preßte sich an Delten. Von unten dröhnte es herauf in dumpf dröhnenden Schlägen, wie ein Ächzen klang es manchmal, wie röchelndes Stöhnen, und dann wieder hallten die Schläge in tollem Aufeinander, daß das Haus erzitterte und die Fensterscheiben klirrten.

»Ruhe, Kind, Ruhe...«

Er legte den Arm um sie und drückte ihre Wange an seine Brust.

»Da ist auch einer, der lernen will ...«

»Was hast du ihm gesagt vorhin, Julius?« fragte Iduna angstvoll.

»Was ich dir sagte, als du ankamst: nichts Altes in ein neues Leben schleppen. Aber ich meinte nicht seine großen Zuckerpuppen damit. Ob sie geschaffen sind oder nicht – das ist so nebensächlich, und ob er sie vernichtet oder Neues schafft, das alles ist von so geringer Bedeutung. Aber Symboliker sind sie eben alle, die Menschen. Hörst du, Iduna, wie er wütet? Gegen sich wütet er in ohnmächtigem Zorn, sich mordet er in jeder Figur, die unter seinen Schlägen zusammenbricht.«

»Aber warum, Julius? warum? Er kam doch zu dir, Hilfe suchend, nicht wahr?«

Ungeduldig schob Delten sie von sich.

»Bin ich der Heiland, der da zum Lahmen sagt: erhebe dich und gehe? Vor Jahren hatte er ein bißchen Talent und bildete sich ein, es sei Genie. Vor Jahren vernarrte er sich in ein leichtsinniges Modell, und glaubte, es sei ein treues, reines Weib. Die Frau schenkte ihm zwei Kinder, seine Zuckerpuppen aber lachte sie aus, weil sie vielleicht mehr von der Kunst verstand als er, und auch ihn selbst lachte sie aus, und zuletzt verließ sie ihn und die Kinder. Kann ich ihm Genie geben, kann ich ihm seine Frau wieder zuführen? Soll ich ihn mit schalen, abgestandenen Redensarten trösten? Soll ich ihm zurufen: ›bilde neue Zuckerpuppen, kette dich an eine neue Larve!‹ Soll ich Baldriantropfen abzählen, wie für ein hysterisches Frauenzimmer? Nein, erst einmal weg mit all dem Überflüssigen, Zufälligen – – –«

»Und dann?«

»Dann hat er Menschen zu bilden, die höchste Aufgabe, die einem Menschen beschieden sein kann.«

»Aber er selbst, Julius? Er selbst?«

Delten näherte sich wieder Iduna und nahm ihre Hand in die seinen.

»Er selbst ... wir selbst ... nichts sind wir, nur ein Bindestrich zwischen Vergangenheit und Zukunft. Jedes Leiden ist Selbstüberschätzung ...«

Der Nebel hatte sich aufgehellt, ein blasser Sonnenstrahl drang durch das Fenster, ohne zu wärmen; noch kälter und unansehnlicher erschien das Zimmer in seiner Dürftigkeit, noch durchsichtiger und bleicher das hagere Gesicht Deltens mit dem strengen, asketischen Zug um den Mund.

Und wieder beugte er sich zu ihr herab:

»Noch einmal frage ich dich, Iduna, willst du mein Weib werden nach alldem? Ich bin nicht jung mehr, ich werde mich nicht ändern, wie du jetzt wohl meinst!«

Iduna errötete, als hätte er sie auf einer strafbaren Handlung ertappt.

»Ja, ich will dein Weib werden«, sagte sie fest ...

»Und wirst mich verlassen, wie jene dort unten ihren Mann verlassen hat ...«

Idunas Herz krampfte sich zusammen in unendlichem Mitleid. Mit beiden Armen umschlang sie Deltens Hals.

»Nie, Julius, niemals ...«

Sie liebkoste ihn zum erstenmal, beugte seinen Kopf zu sich herab, küßte ihn auf die Augen, auf die Stirn, preßte ihren Mund an seine Lippen, in jäh erwachtem Liebes- und Zärtlichkeitsbedürfnis.

Mehr Nachgiebigkeit war in ihm, als leidenschaftliches Erwidern, doch hielt er sie in seinem Arm.

»Dudi«, sagte er leise.

Sie zuckte zusammen und blickte ihn an, erschreckt und freudig zugleich, dann barg sie den Kopf an seiner Brust.

»Ich bin so glücklich, Julius! ... Und du?«

Er antwortete nicht.

Wie ein Priester sah er aus in seinem langen, doppelreihigen Überzieher, der bis an den Hals zugeknöpft war und nur einen schmalen Streifen des Kragens sichtbar ließ ... wie ein Priester, so streng, in sich abgeschlossen und unnahbar.

Als sie bald darauf hinunter gingen, war es still im Hause. Die Ateliertür war zugeschlagen. Und noch unheimlicher schien Iduna diese Stille. Doch plötzlich klang es heraus, wie von leisem unterdrücktem Schluchzen eines Mannes.

Iduna preßte die Hände gegen die Brust:

»Julius, geh' hinein zu ihm«, flehte sie.

Schon machte er einen Schritt der Tür zu, dann wendete er sich wieder unwillig ab.

»Ich kann nicht helfen«, sagte er kurz und hart.

»Du willst nicht«, kam es in grollendem Vorwurf von ihren Lippen.

»Nehmen wir an. Komm, Iduna.«

Er öffnete die Flurtür. Im Garten vor dem Hause spielten die Kinder. Iduna stürzte auf das kleine Mädchen zu, hob es in die Luft und bedeckte ihr rotgefrorenes Gesichtchen mit Küssen.

»Geht zum Vater, Kinder«, gebot Delten.

»Vater hat uns eben 'rausgeschickt«, antwortete der Junge, trotzig aufblickend.

»Vater hat mit uns Kaputmachen gespielt – und dann hat er gesagt: ›geht weg‹, und jetzt wollen wir hier spielen. Laß mich doch los ...«

Das kleine Mädchen entwand sich Idunas Armen.

»Komm, Otto, wir wollen laufen ...«

Die Kinder jagten davon.

»Gehen wir, hier ist nichts mehr zu machen«, sagte Delten.

Klirrend fiel die eiserne Gittertür hinter ihnen ins Schloß.

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