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Das Kampaner Tal

Jean Paul Richter: Das Kampaner Tal - Kapitel 21
Quellenangabe
typetractate
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 4
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleDas Kampaner Tal
pages561-716
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1797
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VIII.
Holzplatte des achten Gebots

Aktenauszug des Injurienprozesses, Prügel betreffend – Landstände in partibus infidelium – poetischer Geist der preußischen Kopisten

Einmal freilich nimmt doch – wie in Staaten – das Amputieren und diminuendo des Personale ein Ende, und die Aristokratie des vierten Gebots kehret nach dem Umwege durch die Oligarchie des 5ten und 6ten Gebotes aus der Monarchie des 7ten wieder im achten zurück. – Was zeigt nun Krönlein hier der Welt?

Das wird man sehen, wenn man mich höret. – Voraus muß ich sagen, daß er die schöne Zerfällung seiner gezeichneten confessions oder memoires in zehen Gesichtslängen aufgibt und verabschiedet, weil ers nicht anders machen kann, da er seine Schenkel und Beine, die in den Gesichtslängen der Zeichner nur einfach gerechnet werden, in duplo besitzt, der völlig ausgelassenen Arme nicht zu erwähnen, die ein Mann doch auch an sich hat. Die paraphrastische Erklärung der 8ten Platte schenkt er uns nun auf dem nicht geräumigen Wickelstrumpfe und dem wenigen, was er von seinem weit zurückgezognen linken Schenkel und Beine vorzeigt. Überhaupt würde die Literatur gewinnen, wenn mehrere Kunstkenner und einige Geschichtsforscher, sobald ich die Federzeichnung wieder ins französische Schlößchen zurückgeliefert hätte, zu einer literarischen artistischen Reise nach Weimar zusammentreten wollten, bloß um das Krönleinsche Konterfei selber zu studieren und um nachher mit ihren Entdeckungen hervorzugehen: nur durch eine solche Konföderation ausgezeichneter Männer zum Studium des weimarschen Vexierbildes möchte vielleicht (sollt' ich denken) eine befriedigende Erklärung des Federspiels und der Holzschnitte zustande kommen; und nach dieser konföderierten Tetrapla, Hexapla, Oktapla zöge sich niemand mit seiner einsitzigen Version vergnügter zurück als ich.

Der Deutsche soll eigentlich alles untersuchen und durchgraben; – aus einem Goldstück des goldnen Zeitalters schlägt er 300 Goldblätter, die der Buchbinder falzet; und dann löset er ein Blättchen davon im Königswasser seiner Dinte auf und schreibt mit der Goldsolution wieder 300 Seiten über das Blatt; – und ist das Dintenfaß verschrieben und verzapft, so setzt sich ein guter Martorelli unserer NationBekanntlich fassete der P. Martorelli zwei Quartbände über ein antikes Dintenfaß ab. vor das Faß und drängt in wenige Quartbände die Ansichten und perspektivischen Aufrisse des gedachten Fasses zusammen. – –

Das Glück oder die Quinterne des Revisors – das Kolloquium – wurde im Lager bekannt. Auch Rauperten kömmt es zu Ohren. Der Teufel des Neides, der die Menschen eigentlich nur nach, nicht vor dem Tode quälen sollte, mietet sich im Herzen des Altisten ein und zernaget es wie eine Bücherlaus ein Cansteinisches Bibelwerk. Es verdrießt schon der Umstand den Lautenisten, daß ihn der Artist neuerlich abgeprügelt; aber noch mehr stinken ihn die neuen Blumenrabatten in Krönleins magern Leben an. Mit Vergnügen hätte der Harmonist des Koloristen Lebensfaden und Gehirnfibern und Nervenpaare und Arteriensystem abgeschabt, abgeschleimt, aufgedreht, ausgetrocknet und als zarte Saiten über seine Laute gespannt: er haßte ihn erstlich wie ein Teufel, zweitens wie einen Teufel. – Ich brauche beinahe die eignen Worte des Strumpfs.

Raupert verfügte sich daher vor das forum deprehensionis, welches gerade der Landstand war, und belangte den Revisor tätiger Injurien, weniger des Zungen- als Armtotschlags. Hier auf der Platte steht das Kollegium. Provokat (der Lautenist) schreiet trotzig (auf dem Stempel schreiet er stärker) und setzet der richterlichen Hand den Zeigefinger entgegen, und der Kopf tritt wie eine losgehende Kanone ein wenig zurück. In einem Tornister, den er noch nicht aufgeschnallet, hat er die Scherben der zersprungnen Laute mitgebracht, um sie dem Gerichte statt eigner Knochensplitter vorzuweisen. Provokant (Krönlein), der wie Moses an diesen Felsen geschlagen, statt ihn anzureden, steht verzagt allhier, nicht aus bösem Gewissen, sondern aus Höflichkeit gegen den vornehmen geistlichen Herrn, und hält sein Hutfutteral vor, das sein Angstschweiß wie ein Wasserrad umtreibt. Man sieht, sein Gegner ist so oft wie der große Scipio verklagt und losgesprochen worden, aber der arme Revisor noch keinmal: es richtet ihn doch auf, daß wenigstens seine Hände hinter dem Achilles-Dreh-Schild sicher sitzen. In einer alten Gerichts-BestallungHommel. observat. DXLVI. heißer es: »Der Richter soll sitzen auf dem Richterstuhl als ein griesgrimmender Löwe und soll den rechten Fuß schlagen über den linken.« Vor solchen griesgrimmenden Löwen dreht nun oft das Wildpret der Gerichtsstube den Hut, wie man wahre Löwen mit umlaufenden Wagenrädern abtreibt.

Der Gerichts- und Landstand sitzt unrasiert und in einer Wach- und Schlafmütze, um die ein schönes Seidenband herumläuft, im Gerichtssessel: gleichwohl zieht er das Weinzeichen des Staates (ein Ordenskreuz, das ihm hier herunterhängt) nicht ein. Dieses Ordens- und Patriarchenkreuz geht am Herzen nieder, anstatt daß in den alten Bibeln die Kreuze aus dem Munde aufwärts steigen, unter deren Gestalt die Teufel aus den Gergesenern fahren.

Nun wollen wir als Auskultanten dem ganzen Laufe des Anklageprozesses zuschauen und das rechtliche Verfahren beurteilen. Provokat trägt unter freiem Himmel und mit dem Hute unter dem Ellenbogen einem verehrlichen, sowohl vom Turban als vom Thronhimmel bedeckten Gerichtsstande seine Notdurft, nämlich seine Schwielen vor und gedenkt eines sächsischen Blaues an seinem Leibe, den Provokant wie Stahl schön gebläuet haben soll. Was setzte ihm Provokant oder Injuriant entgegen? Ich für meine Person würde, wär' ich als sein Defensor aufgestellet worden, vielerlei bewiesen haben: erstlich daß es keine tätige Injurie war – zweitens keine mündliche – sondern drittens daß die Prügel bloß eine captatio benevolentiae gewesen. Ich hätte folglich als juristischer Elegant, d. h. als eleganter Jurist, sogleich an den außerordentlichen Unterschied erinnern müssen, der zwischen Pulsieren (pulsare) und Verberieren (verberare) obwaltet. Man verberiert erst dann, wenn man mit dem Schlag nicht bloß die Ehre, sondern auch die Haut verwundet und Diffamations- und Schmerzengeld zugleich verschuldet; aber mit dem dünngehobelten Lautenkasten war das dem Formschneider unmöglich. Mithin pulsierte er bloß, d. h. die Berührung mit dem Futteral konnte auf die Ehre des Altisten gemünzet sein. Berühren mit Futteralen beschimpfet an und für sich keinen Menschen (denn sonst injurierte, das folgte, einer sich selber, der sich damit berührte), wenn nicht der animus injuriandi (die Absicht zu beschimpfen) dazutritt. Um diesen animus zu verneinen, könnt' ich anführen, daß der Lautenist vorher gescholten habe. Mithin konnte Krönlein, da er das Schelten nicht erwidern durfte – Retorsion wird in Sachsen nicht verstattet –, weiter nichts beschließen, als den Injurianten umzubessern. Dazu geben nun die Gesetze mehr als ein Mittel an die Hand; namentlich mündliche Injurien. Der Helmstädter Schöppenstuhl erlaubt es Predigern, Schneider, Müller und Weber, kurz ganze Gewerbschaften öffentlich Spitzbuben zu nennenLeys. sp. 548. Med. 7; ja Leyser und Carpzov halten die Klage der Innung selber für eine Injurie gegen den Kanzelredner; so wie das päpstliche Recht befiehlt, daß man eine indezente Berührung, die sich ein Mönch gegen eine Frau erlaubt, für ein Zeichen der Absolution zu nehmen habe. Ich akzeptier' also nützlichst, daß der Gegner einräumt, Krönlein habe diese Kanzelberedsamkeit an ihm versucht. Damit verband der Revisor noch ein anderes Mittel (als adjuvans), aber ein sanftes. Denn ein hartes wär' es gewesen, dem Verleumder, wie Charondas in Sizilien tat, einen infamierenden Strohkranz aufzutun – oder ihm, wie Edgar in England tat, die Zunge zu nehmen – oder gar, wie die FrankfurterMeiners Vergleichung des Mittelalters etc. I. B. p. 6o5. sonst, die Augen – oder ihm vollends wie König Kanut die Haut abzuziehen. Letztere aber nur mit dem Futteral eines Instruments, das man für das sanfteste hält, der Laute, leicht zu überfahren, zeigt den milden Menschen an. Theden sagt ganz recht: ich erkenne den großen Operateur schon an seinen Instrumenten. Schon Schläge an sich sind schätzbar, die Mandarinen in Sina und die Generale in N. N. erhalten sie häufig – der große Luther wurde in einer Vormittagsschulstunde 15mal ausgeprügelt – ja Rousseau hält Schläge gar für die derniere faveur der Dlle. Lambercier! Schon wenn dem äußern Menschen etwas Hartes im Schlunde steckt, woran er erstickt, wenn es nicht herauskommt, pufft man gelinde in den hohlen Rücken: daher wurden zu allen Zeiten, um harte Dinge aus innern Menschen herauszubringen, die äußern gepufft; so wie man die Wechselkinder oder Kielkröpfe spiegelt, damit sie der Teufel hole und die echten bringe. Endlich könnt' ich die Defension mit dem kühnen Gedanken schließen, daß der Formschneider bei solchen Absichten und Grundsätzen den Kontraaltisten ohne Verantwortung hätte gar erschlagen können, weil sich dieser so wenig hätte beschweren dürfen wie Drako, als das Volk letztern (nach Suidas) unter der gesungnen Promulgation seiner Gesetze aus freudigem Beifall mit so viel Mützen und Röcken bewarf, daß der Gesetzgeber erstickte. – –

Aber was bestritt oder bewies denn mein Klient Krönlein auf der 8ten Platte? – Gar nichts: er gestand alles und fügte bloß bei, er würde sich nie so sehr vergessen haben, hätte nicht Raupert so entsetzlich auf den Herrn Landstand losgezogen.

Das gab dem Prozesse einen unerwarteten Schwung.

Die Injurien gegen den Kreuzherrn wurden spezifiziert.

Dem Kreuzherrn wurde wunderlich, und er saß zwischen zwei Folterstühlen: vergab er die Injurien, so macht' er sich verdächtig und seinen Partagetraktat mit Raupert publik – züchtigte er sie, so war mit dem Altisten nicht zu spaßen. Wie wählt er nun unter beiden Wegen? – Wie ein hoher Geistlicher: beide. Erstlich sagt' er, alle Felonien verzeih' er von Herzen. Er gehörte unter die Menschen, die Liebe und Haß mit derselben lächelnden Physiognomie ausdrücken, wie in den französischen Letternkästen der nämliche Strich das Trenn- und das Bindzeichen vorstellt. Die hohe Weltlichkeit und die hohe Geistlichkeit verspüren den bösartigen entstellenden Einfluß moralischer Epidemien überall, nur nicht im Antlitz – das bleibt reizend –, wie Krätze und Friesel ebenfalls den Teil des Körpers schonen, den Cäsar an Pompejus' Kriegern anfallen ließ, das Gesicht. – Zweitens setzte der ehrwürdige, nicht entstellte Kreuzherr hinzu: nun da er persönlich dabei interessiert sei, stell' er aus Liebe gegen Feinde und gegen sein Gewissen das ganze Endurteil lieber Serenissimo anheim, und er sei Belohnen, aber nicht Bestrafen gewohnt und weiche nicht ab. Welche Linde und Milde! Der Silluk trug dazu bei: denn so sehr wirkt überall das Beispiel der Tugend mehr als alle Abendandachten und Bußlieder und Kirchenmusiken, daß, wenn ein Fürst nur an irgendeinem Menschen das Beispiel der Vergebung und der Liebe statuiert, der ganze Hofstaat dem Beispiel folgt, so wie im (umgekehrten) physischen Fall der Lakai, der seinem podagristischen Prinzipal die Strümpfe abzieht, das Podagra einhandelt und aufgreift.

Als die Sache vor den Fürsten kam, entschied er – ich fuße auf den Strumpf und das Bein –, er wolle, dem Bischof in partibus solle jede Satisfaktion gegeben werden, die er begehre; übrigens wünsch' er den Musikanten nun nicht mehr in seiner Kapelle zu erblicken. Der Landstand lehnte alles ab – denn dem Strumpfe müssen wir glauben – und bat sich bloß die Gnade aus, eine erzeigen zu dürfen: er besaß im Erzgebirge (der Strumpf hätt' es nennen können) eine artige Holländerei (sein patrimonium Petri) samt der akzessorischen Kompetenz-Schäferei. Er sagte Serenissimo ins Gesicht, niemals halt' er es aus, daß durch ihn ein Bürger verunglückte und falliere; daher fleh' er, daß er den unglücklichen Lautenisten als Ökonomus dorthin versetzen dürfe, um den Feind durch Wohltun zu gewinnen und durch die Schäferei feurige Kohlen auf dessen Kopf zu sammeln. Es wurd' ihm höhern Orts vergönnt.

Jetzt hatte der Erzbischof den fatalen Nebenbuhler samt dessen Koadjutor-Hut anständig zum Henker gejagt.

Das wenige, was ich noch beiläufig nachzuliefern habe, ist nichts als das:

Der Teufel werde erstlich aus Bischöfen in partibus klug – zweitens aus Serenissimis – drittens aus foris deprehensionis.

1. Aus Bischöfen in partibus infidelium. – Denn ein Bischof etc. – d. h. ein Erzbischof, Ordensgeneral, infulierter Abt, Oberbeichtvater, Rosenkranzbeter (eine geistliche Hofstelle in Wien) – schickt sich stets in die Zeit, d. h. in die Welt. Er gibt Gotte, was Gottes ist, und dem Teufel, was des Teufels ist, und verstößet gegen keinen von beiden; der Doppel-Zeiger seiner Seele weiset zugleich auf das 1te Jahrhundert und auf das 18te, so wie der königliche Uhrmacher, Herr Klemeyer (nach einem Vorschlage des Herrn Schulz in den Nouveaux Mémoires de l'Academie R. d. Scienc. et d. B. L. 1782) Uhren mit doppelten Weisern gemacht, wovon der eine die mittlere Zeit angibt, der zweite die wahre. – Die doppelten Weiser bringen natürlich auf die Frage, wer denn dieser hohen Geistlichkeit, die immer Laien absolviert, selber vergibt, und an welchem Orte trifft sie, die allen Sündern und Totschlägern Frei-Stätten und Frei-Städte bauet und zeigt, selber dergleichen an? – Ja Pittavaldessen Art d'orner l'esprit en l'amusant P. I. berichtet sogar, daß einmal ein welscher Mörder vor den nachhetzenden Sbirren auf eine geistliche – Achsel entsprang: da droben saß er gedeckt; auf diesem Ararat, das wie die jüdischen Freistädte absichtlich hoch, um leichter gefunden zu werden, lag, war dem Inkulpaten wenig anzuhaben. – – Und eben das beantwortet die obige Frage recht gut: auf dieselben zwei kanonischen Achseln, auf denen sogar der blutschuldige Laie sein Moratorium und seine Quittung erspringt, rettet sich der noch leichter hinauf, der sie selber hat, wie das Haus eines Gesandten nicht nur seinen Leuten und Fremden eine Freistätte darbeut, sondern auch ihm selber. Das Gegenteil wäre Sünde und undenklich; ja eben daher, daß der Frei-Städter seine eigne Freistadt ist, die er mit Nutzen überall bei der Hand hat, und daß er in Zeiten der Verfolgung auf die Berge seiner Achseln fliehen kann, kömmt der schöne Ausdruck: auf beiden Achseln tragen.

2. Aus Serenissimis, sagt' ich zweitens: ist etwas klärer? –

3. Aus foris deprehensionis – wozu noch die fora domicilii und die fora delicti zu rechnen – und das mit Recht. Wenige sind imstande, sich es zu entziffern, warum alles in Sachen Rauperts contra Krönlein so glücklich ablief und so schnell; ja ich glaube, es gibt nur einen Kunst- und Stadtrichter, der die zwei Ursachen davon weiß und sagt, und das bin ich selber. Die erste ist diese: Rechtsfreunde eilen und verfahren im ganzen lyrisch, dithyrambisch, episch genug, wie denn überhaupt die ganze juristische Kommunität viel Poetisches zeigt. Schon früh merkt Aristoteles in seinen Problematen an, daß alle alte Völker ihren Gesetzen die Form von Liedern gaben; daher heißen noch in der deutschen Sprache Strophen Gesetze. Die neueste preußische Gerichtsordnung gedenkt die Sache noch weiter zu treiben und will für die Welt die besten poetischen Adern öffnen: wenigstens ist es nicht ohne gute Folgen, daß sie alle Kanzleiverwandten anhält, sogar die Akten und Dekrete zu skandieren – indem sie für jede Seite 24 Zeilen fodert, und für jede Zeile 12 Silben –, und daß sie dadurch die Dikasterianten zu Rezitativen und didaktischen Gedichten von 24 jambischen Verszeilen (jede zwölfsilbig, d. h. wenigstens sechsfüßig) auffordert und zwingt. Das vom Gesetzbuche vorgeschriebene Metrum nimmt viele poetische Freiheiten an und geniert keinen Kanzlisten; daher glaub' ich selber, daß das ewige Silbenzählen aus den Kopisten, Registratoren und Gegenschreibern am Ende jene schöne Academie des belles lettres, jenen Zesischen Blumenorden bilde, den das peußische Gesetzbuch bezielt. – – Unter so vielen juristischen Dichtern hat nun ein Künstler das leichteste Spiel, und sie tragen gegen ihn gleichsam eine Blutsverwandten-Liebe, ja eine größere als gegen Dichter selber: denn nach Lessing liebte und lobte Pope Knellern stärker und lieber als den unersetzlichen Addison.

Zweitens machte nichts den Krönleinschen Weg Rechtens so glatt, blumig und gerade, als daß der Fürst selber sich um die armen Untertanen bekümmerte und ihnen beisprang. Den Fürsten wird oft wie dem Isaak der Segen abgestohlen – und den Rezensenten oft wie dem Bileam abgezwungen –; aber einem solchen Herrn wie Serenissimo ist nichts weiszumachen: er will überall selber sehen und steigt mit der Harfe aufs Dach heraus, und dann resolviert er erst. –

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