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Das Kajütenbuch oder Nationale Charakteristiken

Charles Sealsfield: Das Kajütenbuch oder Nationale Charakteristiken - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Kajütenbuch
authorCharles Sealsfield
year1989
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32863-7
titleDas Kajütenbuch oder Nationale Charakteristiken
pages5-7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1843
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Der Krieg

13

Nachdem die Gesellschaft sich gesetzt, hob der Oberst in demselben leicht gefälligen Ton wieder an:

»Die Unabhängigkeit oder, was dasselbe sagen will, Souveränität des Landes proklamiert, mußte natürlich unsere erste Sorge sein, die Verbindung mit dem Mutter- und Auslande zu sichern, die Seehäfen in unsere Hände zu bekommen.

General Cos hatte von Metamora aus den Hafen von Galveston militärisch besetzt, da eine Blockfeste errichtet, angeblich, um den Zollgesetzen Nachdruck zu verschaffen, eigentlich aber, uns die Verbindung mit New Orleans und dem Norden abzuschneiden. Diese Verbindung mußte wieder, und zwar so schleunig als möglich, hergestellt werden. Mein Freund und ich erhielten dazu den Auftrag.

Unsere ganze Ausrüstung bestand in der versiegelten Depesche, die wir in Columbia eröffnen sollten, und einem Führer, dem Halfblood und Jäger Agostino. In Columbia angekommen, riefen wir die angesehenem Einwohner sowie die des benachbarten Marions und Bolivars zusammen, entsiegelten die Depesche, und sechs Stunden darauf war die darin aufgebotene Mannschaft beisammen, mit der wir noch denselben Tag gegen Galveston hinabzogen, den folgenden Tag vor der Blockfeste anlangten, sie überrumpelten, die Mexikaner gefangennahmen, ohne daß wir einen Mann verloren.

Noch waren wir nicht ganz mit den Arbeiten zur Sicherung unserer Eroberung fertig, als am neunten Tage abermals unser Halfblood Agostino eintraf. Wir hatten ihn mit dem Berichte von der Einnahme des Forts an die Regierung nach San Felipe zurückgesandt. Er brachte uns nun von dieser neue Verhaltungsbefehle. Diesen zufolge sollten wir die Blockfeste einem tüchtigen Kommandanten übergeben, dann aber unverzüglich an den Trinity River hinauf und von da mit so viel Mannschaft, als wir aufzubringen imstande wären, nach San Antonio de Bexar vorrücken. Derselbe Bote brachte uns zugleich die Versicherung der vollkommenen Zufriedenheit des Kongresses, der auch bei dieser sowie bei vielen andern Gelegenheiten bewies, daß er die Kunst zu regieren, zu belohnen, anzuspornen ebensowohl wie die ältesten Parlamente oder Staatsminister verstünde. Auf Antrag unseres Freundes, des Alkalden, war uns beiden jedem eine Hacienda LandesHacienda: Fünf Sitios oder Quadratstunden Landes – ist der größte Flächeninhalt, den nach dem mexikanischen Gesetz vom 4. Januar, das auch in Texas angenommen worden, ein einzelnes Landgut haben darf. am Trinity River als Schenkung angewiesen und so mit dem Auftrage zugleich die Delikatesse verbunden, uns in die Nähe unserer neuen Besitzungen zu bringen.

Ohne Verzug ließen wir die kleine Besatzung des Forts ihre Offiziere wählen, übergaben diesen den Oberbefehl und eilten über die Salzwerke und Liberty nach Trinity River.

An den Salzwerken angekommen, fanden wir alles in der größten Aufregung, die jungen Leute von dem gegenüberliegenden Anahuac bereits da versammelt und im Aufbruche nach San Antonio de Bexar begriffen – dasselbe in Liberty. In beiden Städtchen hatte sich die Mannschaft, etwa vierzig Mann, ihre Offiziere selbst gewählt und zog rüstig und voller Hoffnung dem fernen Sammelplatz zu.

Am Trinity River waren damals noch keine bedeutenden Niederlassungen, bloß zerstreute Pflanzungen, an deren einer wir abends spät anlangten. Noch war der Aufruf nicht bis hierher gedrungen, aber an demselben Abende, an dem wir anlangten, ging er an die Nachbarn herum – an die vierzig Meilen weit und breit herum. Am folgenden Morgen wimmelte es bereits vor der Pflanzung von Pack- und Reitmustangs. Auf einen derselben hatte immer der Mann seine Lebensmittel gepackt, den andern bestieg er selbst, die Rifle, das wohlgefüllte Pulverhorn samt Kugelbeutel mit dem Bowie-Knife um die Schulter geschlungen. So ausgerüstet brachen wir den Abend darauf mit dreiundvierzig Mann auf.

Wir hatten einen ziemlich weiten Marsch vor uns. San Antonio de Bexar, die Hauptstadt des Landes, liegt gute zweihundertfünfzig Meilen Südwest bei West vom Trinityflusse – mitten durch Präries ohne Weg und Steg, über Flüsse und Ströme, die zwar keine Mississippis oder Potomacs, aber doch tief und breit genug sind, Armeen mehrere Tage aufzuhalten. Für unsere an Besiegung von Hindernissen aller Art gewöhnten Farmers und Hinterwäldler waren diese weglosen Präries und brückenlosen Ströme nur Kleinigkeiten. Was sich nicht durchreiten ließ, wurde durchschwommen. Selbst wir, die wir auf Akademien und Universitäten erzogen, vergleichsweise in Luxus aufgewachsen, in den Staaten oben gewiß an viel unbedeutenderen Flüßchen stundenlang nach Brücken und Fähren gesucht hätten, fühlten hier ihr Bedürfnis gar nicht.

Sie glauben aber auch gar nicht, wie selbst der Gebildete, Wohlerzogene – wenn in natürliche Zustände versetzt, vorzüglich aber in aufgeregter Stimmung, die ihm von Jugend auf zur Gewohnheit, ja gleichsam zur Natur gewordenen Bequemlichkeiten und Bedürfnisse so leicht entbehrt, vergißt! Ein paar Jahre früher, und acht Tage ohne Obdach, ohne warme Nahrung, ganz im Freien, öfters im Regen zugebracht, würden uns ganz gewiß auf das Krankenbett geworfen, vielleicht ein langes Siechtum zugezogen haben. Hier brachte uns jeder Tag frische Entbehrungen, aber auch frische Kräfte, fröhlichere Lebensgeister. Und doch schliefen wir Nacht für Nacht unter freiem Himmel, auf feuchter Erde, einmal im stärksten Regen, mehrere Male bis auf die Haut durchnäßt, mit keiner weiteren Nahrung als Panolas – Maisbrote, stark mit Zucker versetzt, die anfangs etwas süßlich-fade schmecken, bald aber sehr gut behagen. Sie sind auf weiten Reisen in Texas, Cohahuila, Santa Fé die allgemeine Nahrung und haben bei forcierten Märschen den großen Vorteil, daß sie leicht verpackt werden und doch nicht leicht verderben, den Mann nicht nur gesund und kräftig, sondern auch in einer heitern – ja süßen, gewissermaßen verzuckerten – Stimmung erhalten. Diese süße wie verzuckerte Stimmung unserer Leute, wenn sie nichts als Panolas hatten, sowie wieder die leidenschaftlich gierige selbstische, ja gehässige, wenn sie animalische Nahrung genossen, nahm ich oft die Gelegenheit wahr auf unsern Hin- und Hermärschen zu beobachten. Dieselben Menschen waren ganz andere, wenn sie um die Fleischtöpfe und Rum-Bouteillen herumsaßen, und wieder, wenn sie nüchtern ihre Panolas aus dem Sattelfelleisen hervorzogen. In dem einen Falle eine Gier, ein Heißhunger, der selbst da, wo er nicht in laute Äußerungen ausbrach, ekelhaft tierisch in den Gesichtern zu lesen war, im andern wieder eine Gelassenheit, eine Ruhe, ja Sanftmut, Urbanität, die ordentlich überraschten, die Majestät unsers vielköpfigen Souveräns ganz leidlich finden ließen.

Dieses Rätsel löst sich jedoch, wenn wir bedenken, daß selbst der Roheste, Gefräßigste da zurückhält, wo nichts mehr seinen tierischen Begierden Befriedigung verspricht, der Selbstsüchtigste mitteilend wird, wo seiner Selbstsucht kein weiterer Spielraum offensteht. Auf diesem Marsche nun gab es nichts als diese Panolas. Viele hatten sich nicht einmal die Zeit genommen, auf diese zu warten, ihre Sattelfelleisen einzig mit gebackenem Mais gefüllt. Da wir jedoch alle zu derselben Table d'hote niedersaßen, so hatten auch alle Panolas, solange Panolas währten, nahmen dazu einen oder ein paar Schlucke aus der Rumflasche, solange diese etwas enthielt, und griffen, als Rum und Panolas gar, zum gerösteten Welschkorn, das wir mit einem Trunke frischen Wassers hinabschwemmten. Keiner dachte an mehr, denn keiner sah mehr, und das erhielt wohl auch vorzüglich zufrieden, munter und kräftig. Ja, so vergnügt waren wir alle bei unserer spartanischen Speisung, daß, obwohl wir an Häusern und Pflanzungen in nicht sehr großer Entfernung vorbeikamen, doch keiner nach ihrer bonne chère verlangte, jeder nur so schnell als möglich den Bestimmungsort zu erreichen trachtete. Es war der erste größere Waffentanz, dem wir entgegengingen, die Aufregung also ganz begreiflich. Sie herrschte allgemein – im ganzen Lande. Von allen Seiten strömten Abteilungen von Bewaffneten herbei. Wir trafen oft mit ihnen zusammen, aber – ganz amerikanisch das – keine der zehn oder mehr kleinen Scharen, denen wir begegneten, schloß sich an eine andere an; entweder waren ihre Pferde frischer als die der Waffenbrüder, und so trabten sie vor, oder müder, und dann hinkten sie nach kurzem Gruße, fröhlichem Händedruck nach.

So waren wir dreiundvierzig Mann vom Trinityflusse ausgerückt, und dreiundvierzig Mann rückten wir am Salado River, dem Sammelplatz unserer Truppen, ein. Von da hatten wir noch etwa fünfzehn Meilen bis zur Hauptstadt, gegen die nun der erste große Schlag ausgeführt werden sollte. Es war aber diese Hauptstadt – wie noch gegenwärtig – durch ein starkes Fort beschützt, mit einer Garnison von beinahe dreitausend Mann versehen, einer Truppenmasse, bedeutend größer als die sämtliche disponible Militärmacht unseres Texas, nebst dieser mit hinlänglichem grobem Geschütz; das Ganze von erfahrenen, ja berühmten Revolutionsoffizieren befehligt.

Wir machten uns jedenfalls auf einen harten Strauß gefaßt, denn die ganze Armee, die wir am Salado unter dem Oberbefehl General Austins vorfanden, überstieg nicht achthundert Mann!

Noch an demselben Tage, an dem wir mit unsern dreiundvierzig Volontärs im Hauptquartier eintrafen, wurde Kriegsrat gehalten und in diesem beschlossen, nach der Mission San Espado vorzurücken. Die Avantgarde sollte sogleich dahin aufbrechen; das Kommando über dieselbe wurde mir und meinem Freunde zuteil, unsere jugendliche Hitze jedoch zu mäßigen, uns Mister Wharton, ein angesehener Pflanzer, der eine bedeutende Anzahl Nachbarn aus seinem Bezirke mitgebracht, beigegeben.

Wir nahmen mit unsern Waffenbrüdern ein hastiges Mahl, hoben unter den achthundert Volontärs – die alle mitwollten – zweiundneunzig aus und brachen mit diesen wohlgemut nach dem Orte unserer Bestimmung auf

Unser Weg führte durch eine offene, hie und da mit Inseln beschattete Prärie, die aber doch bereits die Nähe der Hauptstadt verriet; denn mehrere Missionen lagen in der Umgebung. Diese Missionen können füglich Außen- oder Vorwerke der katholischen Kirche und der mit ihr enge verbündeten spanischen Regierung genannt werden, da ihre Bestimmung ebensowohl die geistliche Bekehrung als weltliche Unterjochung der Indianer ist. Man findet sie in allen Teilen des spanisch gewesenen Festlandes, besonders aber den Grenzprovinzen Texas', Santa Fe und Cohahuila. Sie bestehen in der Regel aus Kirche, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden für die Priester und zu bekehrenden oder bekehrten Indianer, sind immer solid aufgeführt und zum Schutze gegen feindselige Stämme mit starken Mauern umgeben. Sie haben jedoch ihrer Bestimmung im ganzen nur sehr wenig entsprochen und sind daher in der neuern Zeit großenteils eingegangen. So fanden wir in der ersten – Conzepcion genannt – bloß noch etwa zehn alte, bresthafte Mexikaner, die Gebäude jedoch noch ziemlich gut erhalten, und, was merkwürdiger, nicht bloß die Tauf- und Meßbücher, auch die priesterlichen Gewänder und die Gold- und Silberzieraten, mit denen die Heiligen an ihren Festtagen angetan werden – in den Schränken. Diese Verlassenheit, Schutzlosigkeit aber verriet wieder ein rührend schönes Vertrauen in gläubige, obwohl irregeleitete Pietät, das an uns wenigstens nicht getäuscht werden sollte. Auch später blieb der Ort unverletzt, obwohl die Hin- und Hermärsche häufig und, wie Sie leicht vermuten mögen, unter unsern Abenteurern der armen Teufel, die diese Kostbarkeiten besser benutzen konnten als die Heiligen, nicht wenige waren.

In der Mission Espado angekommen, entspann sich in unserm dreiköpfigen Kriegsrate eine warme Debatte.

Die uns erteilte Order lautete ausdrücklich, den Posten zu besetzen und bis zur Ankunft des General en chef zu halten. Es war auch das klügste, was wir tun konnten; die Mission war sehr fest, mit einer hohen Mauer umfangen, konnte mit geringer Anstrengung gegen einen überlegenen Feind verteidigt werden und gewährte so vollkommene Sicherheit gegen einen etwaigen feindlichen Überfall. Fanning jedoch –«

»Fanning?« riefen überrascht mehrere.

»Fanning, der zu Westpoint –?«

»Fanning, der zu gleicher Zeit Westpoint verließ, als ich von Yale College Abschied nahm!« sprach mit sichtbar bewegter Stimme der Oberst.

»Fanning«, fuhr er mit unterdrückter Bewegung fort, »waren aber die Ufer des Salado sehr teuer. Sie waren Zeugen seiner süßesten Stunden gewesen. An ihnen hatte sich sein schönes junges Leben zur Blüte entfaltet, er sich da dem ersten Rausche beglückter Liebe überlassen. Auf einem Ausfluge von San Antonio auf seine Ufer hatte er seine Elvira zum ersten Male gesehen! Der glückliche Unglückliche! Acht Wochen darauf führte er die Holde als seine Braut heim! Noch waren die Honigmonate nicht vorüber. Der Kriegsruf hatte ihn von der Seite der süßen Gattin gerissen! Begreiflicherweise zog es ihn nun mit unwiderstehlicher Gewalt an diese liebeatmenden Ufer hin! Ich gab wohl, obwohl nicht gerne, dem Drängen des Freundes nach, aber Mister Wharton, der nichts von dem Verhältnisse wußte, schüttelte nicht wenig den Kopf; doch überstimmt, mußte auch er sich endlich fügen. Wir ließen unsere Pferde und Mustangs samt einer Besatzung von acht Mann in der Mission und rückten dann an den Fluß vor.

Dieser strömte eine Viertelmeile im Westen der Mission von Nordost gegen Südost hinab; dazwischen lag noch eine kleine Musqueetinsel oder Baumgruppe, alles übrige war offene Prärie, die bis ans Ufer hinlief, das ziemlich schroff, mit einem dichten Gewinde von Weinreben überwachsen, etwa acht oder zehn Fuß zum Wasserrande hinabfiel. Der Salado bildete an dieser Stelle eine starke, bogenartige Krümmung. An beiden Enden des Bogens befindet sich eine Furt, durch die der Fluß allein passiert werden kann, da das Wasser zwar nicht breit, aber ziemlich reißend und tief ist. Wenn wir daher unsere Position innerhalb dieses Bogens nahmen, konnte es nicht schwerfallen, die beiden Furten, die etwa eine Viertelmeile voneinander lagen, zu verteidigen, da uns der Feind vom jenseitigen Ufer, das stark bewaldet und bedeutend höher, nicht leicht beikommen konnte.

Doch entging uns auch das Gefährliche dieser Stellung nicht. Sie bot keinen sogenannten point d'appui dar, wir konnten von zwei Seiten zugleich umgangen, in der Fronte, ja auch im Rücken – vom jenseitigen Ufer her – angegriffen, eingeschlossen und gefangen werden, ohne Möglichkeit, zu entrinnen, wenn der Feind, der ohne Zweifel mit Übermacht anrückte, seine Schuldigkeit auch nur einigermaßen tat. Aber dieses Wenn – das wußten wir – würde fehlen. Wir hatten mit diesem Feinde bereits mehrere Male angebunden, ihn jedesmal mit leichter Mühe besiegt. Zwar waren unsere Erfolge einstweilen nur gegen die Blockfesten und Forts von Velasco, Nacogdoches und Galveston, deren Garnisonen weder zahlreich noch kriegsgeübt, errungen, aber auch wir waren damals nichts weniger als kriegserfahren – glaubten es jetzt viel mehr zu sein, waren zudem jung, voll Mut, Selbstvertrauen – fühlten uns Tausenden von Mexikanern gewachsen, wünschten nur, sie möchten kommen, ehe das Hauptquartier anlangte. Uns bangte ordentlich, dieses möchte zu früh eintreffen, uns so die Lorbeeren entreißen. Und so war es denn ausgemacht, zu bleiben; wir besahen das Terrain, untersuchten das Ufer, besetzten die Insel mit zwölf Mann, stellten an den beiden Furten zwölf andere auf und lagerten uns mit dem Reste wohlgemut in den duftenden Rebengrotten, die leider – keine Trauben hatten.

Nachdem wir alle diese Vorkehrungen getroffen, hungerte uns.

Wir hatten keine Provisionen mitgenommen, aus dem ganz einfachen Grunde, weil eben nichts mitzunehmen – jeder der achthundert Mann bisher so ziemlich auch sein eigener Generalquartier- und Proviantmeister gewesen. Wahre Tyronen in der edlen Kriegskunst, waren die verschiedenen Abteilungen der Expedition auch von verschiedenen, mitunter sehr entlegenen Punkten des Landes angelangt, nur mit dem unumgänglich Notwendigsten versehen, und so blieben denn eine Anzahl Bushels Mais, Pataten und einige Rinder so ziemlich alles, was sich im Hauptquartier vorfand. In den beiden Missionen hatten wir ebenfalls nichts gefunden; so mußte denn – komme es, woher es wolle – etwas zu beißen aufgetrieben werden.

In der Nachbarschaft, und zwar im jenseitigen Tale, befanden sich mehrere Ranchos, zwar ganz in der Nähe der Hauptstadt, deren Garnison unsere Requisition notwendig alarmieren, sie uns ganz gewiß auf den Hals bringen mußte; aber das war es ja eben, was wir wünschten. Wir durften um so weniger anstehen, als unsere Bedenklichkeit wie Zaghaftigkeit erschienen, den Mut unserer Leute niedergeschlagen haben würde; wir beschlossen demnach, unverzüglich aufs Fouragieren auszusenden, beorderten zwölf Mann dazu, die auch ohne weiteres nach einem der Ranchos aufbrachen.

Nach etwa einer Stunde kamen sie lustig mit drei Schafen herangaloppiert. Sie hatten sie aus dem Rancho genommen, jedoch nicht ohne heftigen Wortwechsel mit dem Padre, der sich gerade da vorfand und der sich wie ein guter Hirt denn auch für seine Schafe aus allen Kräften wehrte, mit dem Zorne des Himmels, der Hölle und nebstbei auch General Cos' drohte. Da dies alles jedoch unsere Ketzer nicht rührte und sie, nachdem sie ihn mit echt texasischem Phlegma eine Zeitlang angehört, endlich die Geduld verloren, drei Dollars auf die Bank – dafür aber die drei Schafe auf ihre Mustangs warfen – verlor endlich auch er patientia, riß seinen Mulo aus dem Stalle und ritt vor ihren Augen der etwa eine Meile taleinwärts gelegenen Hauptstadt zu, da General Cos seine Not mit den Hereges und Aufrührern zu klagen. Daß wir nun die werten Dons nächstens zu sehen das Vergnügen haben würden, war außer allem Zweifel, doch kümmerte uns das nicht im mindesten. Der Vorfall hatte uns alle sehr amüsiert; unter lautem Lachen wurden die Schafe abgeschlachtet, zu deren Fleisch bloß noch das Brot fehlte. Doch wurde uns auch für dieses einiger Ersatz in einem Karren voll Polonces, den ein mexikanischer Bauer unsern Vorposten zutrieb. Er kam über den Fluß von einem der der Hauptstadt zunächst gelegenen Ranchos, also ohne Zweifel vom Feinde gesandt – nebstbei noch einen und den andern Seitenblick auf uns Hereges – unsere Stärke und so weiter zu werfen. Wirklich ließ sich der dämische Bursche auch keine Mühe verdrießen, eine nähere Bekanntschaft mit uns anzuknüpfen, bis wir endlich, der Worte müde, ihm auf eine Weise den Weg wiesen, der keine andere Deutung mehr zuließ.

Unbekümmert um General Cos und seine Mexikaner hielten wir unser Mahl, wechselten die Posten und Vorposten und ließen dann die Leute sich zur Ruhe niederlegen.«

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