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Das Heptameron

Margarete von Navarra: Das Heptameron - Kapitel 79
Quellenangabe
typenarrative
titleDas Heptameron
authorMargarete von Navarra
publisherWilhelm Borngräber Verlag
printrun16. bis 20. Tausend
translatorCarl Theodor Ritter v. Riba
senderwww.gaga.net
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
modyfied20140523
created20050906
projectide9ba9e55
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Der achte Tag

Als der Morgen gekommen war, erkundigten sie sich, wie weit der Bau der Brücke gediehen sei, und erfuhren, daß er in zwei bis drei Tagen beendet sein könne. Das mißbehagte einigen der Gesellschaft. Denn sie hätten wohl gewünscht, daß die Arbeit sich noch hinzöge, um ihr vergnügliches zufriedenes Leben hier länger dauern zu sehen. Um so mehr beschlossen sie nun, ihre Zeit nicht zu verlieren, und baten alsbald Frau Oisille um die gewohnte geistige Erbauung.

Die ward ihnen, und länger denn sonst, da Oisille ihnen erst noch die Offenbarung Sankt Johanni vorlesen wollte. Und sie tat dies so trefflich, als ob der Heilige Geist voll Liebe und Güte aus ihrem Munde spräche. Alle waren darob in Entzücken versetzt, als sie zur Kirche gingen. Dann speisten sie und plauderten danach gar viel vom vergangenen Tage, also daß sie schier bezweifelten, ob sie einen gleich schönen wieder daran anreihen könnten. Um sich darauf vorzubereiten, zogen sie sich in ihre Stuben zurück, bis die Stunde nahte, da sich alle in der Arbeitsstube mit grünem Tuche – der Wiese – versammelten. Dort waren die Mönche schon angelangt, und nachdem sich alle gelagert hatten, warf man die Frage auf, wer beginnen solle. Da sprach Saffredant: »Ihr habt mir die Ehre erwiesen, an zweien Tagen den Anfang zu machen. Wir täten wahrlich meines Erachtens den Damen Unrecht, wenn nicht eine derselben gleichfalls zwei Tage begönne.« – »Dann müßten wir hier recht lange bleiben,« meinte Oisille, »oder einer von euch oder eine von uns müßte auf diese Ehre verzichten.«

»Ich meinesteils hätte gern meine Wahl an Saffredant abgetreten,« rief Dagoucin. – »Und ich die meine an Parlamente,« versicherte Nomerfide. »Denn ich bin so gewöhnt, die zweite Stelle einzunehmen, daß ich mit der ersten nichts anzufangen wüßte.« Damit waren alle einverstanden, und Parlamente hub folgendermaßen an: Meine Damen, die vergangenen Tage waren voller ernst-verständiger Erzählungen. Darum möchte ich bitten, daß der heutige nur solche bringe, die voll Torheit, aber doch wahrheitsgetreu sind. Damit will ich nun den Anfang machen.«

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