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Das Heptameron

Margarete von Navarra: Das Heptameron - Kapitel 48
Quellenangabe
typenarrative
titleDas Heptameron
authorMargarete von Navarra
publisherWilhelm Borngräber Verlag
printrun16. bis 20. Tausend
translatorCarl Theodor Ritter v. Riba
senderwww.gaga.net
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
modyfied20140523
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Zweiundvierzigste Erzählung

Wie ein Mägdelein den hartnäckigen Nachstellungen eines französischen Fürsten widerstand und über ihn obsiegte.

»In einer der größten Städte der Touraine wohnte ein Fürst aus edlem Hause, der dort seit frühester Jugend aufgewachsen war. Von seiner Vollkommenheit, Anmut, Schönheit und Tugend vermag ich nur zu sagen, daß er in dieser Zeit seinesgleichen nicht fand. Mit fünfzehn Jahren begann er sich an Jagden zu ergötzen, doch schöne Frauen erregten seine Aufmerksamkeit noch nicht. Da erblickte er eines Tages in einer Kirche ein Mägdelein, das früher im Schlosse gelebt hatte. Doch war es nach der Mutter Tod gleich seinem Bruder vom Vater nach Poitou gebracht worden. Das Mägdelein hieß Françoise, und eine Halbschwester von ihr war mit dem Vorsteher der fürstlichen Hofkellerei verheiratet. Als der Vater starb, ließ er Françoise all seinen Besitz bei jener Stadt. Dorthin zog sie sich anfangs zurück; da sie aber sechzehn Jahre alt wurde und sich verheiraten wollte, so mochte sie nicht allein dort bleiben und suchte bei der Schaffnerin, ihrer Halbschwester, Unterkunft.

Als nun der junge Fürst sah, wie schön sie trotz ihres dunklen Haares war und wie ihre Anmut so wenig ihrem Stande glich (maßen sie eher einer Edelfrau gleichsah), so schaute er sie lange an. Und er, der bisher nie geliebt hatte, fühlte in seinem Herzen ein ungewohntes Lustgefühl aufkeimen, also daß er sich nach ihr erkundigen ließ, als er wieder heimkam. So erfuhr er, daß sie früher oft ins Schloß gekommen war und bei seiner Schwester mit Puppen gespielt hatte. Selbiger rief er sie alsbald wieder ins Gedächtnis zurück und die Schwester ließ das Mägdelein holen, bewirtete es trefflich und bat es, öfters wiederzukommen.

Das tat sie auch, und wenn der Fürst sie bei Festen und Gesellschaften mit Wohlgefallen ansah, so bedachte er, sie recht herzlich zu lieben, und in anbetracht ihrer schlichten Abkunft vermeinte er um so leichter zum Ziele zu gelangen. Da er aber keine Möglichkeit sah, mit ihr ungestört zu reden, so entsandte er einen Edelmann aus seinem Gefolge zu ihr, um für ihn zu sprechen. Sie aber entgegnete in ihrer Klugheit und Gottesfurcht: sie könne nicht glauben, daß ein so schöner und edler Fürst, wie ihr Herr es sei, Freude daran fände, ein so einfaches Mädchen wie sie anzuschauen, zumal es im Schlosse so viele schöne Frauen gäbe, daß er nicht in der Stadt zu suchen brauche. Darum meine sie, der Edelmann sage das aus sich, ohne Auftrag seines Herrn.

Als der Fürst diese Antwort erhielt, flammte ob des Widerstandes seine Liebe um so heller auf. Flugs schrieb er einen Brief und bat sie darin, den Worten jenes Edelmannes Glauben zu schenken. Sie verstand sehr wohl zu lesen und zu schreiben. Doch nachdem sie den Brief durchgelesen hatte, wollte sie trotz der Bitten des Edelmannes keine Antwort schreiben, denn, erklärte sie, einem Mädchen so niederer Abkunft gezieme es nicht, an einen so hohen Fürsten Briefe zu richten. Doch ließ sie ihn bitten, er möge nicht glauben, sie wäre so dumm, zu vermeinen, daß er wirklich in sie verliebt wäre. Sollte er aber annehmen, daß er sich ob ihres einfachen Standes leichtlich an ihr verlustieren könne, so täusche er sich; denn ihr Herz sei so ehrenrein als das der edelsten Prinzessin der Christenheit; sie hielte ihre Tugend und ihr Gewissen für ihren reichsten Schatz auf Erden, und müßte sie auch sterben, so würde sie doch nie ihre Ansicht ändern.

Der Fürst war ob jener Antwort wenig beglückt. Doch da er sie weiter liebte, so sorgte er stets dafür, in der Kirche in ihrer Nähe zu sitzen, und während des Gottesdienstes heftete er dann unentwegt seine Augen auf ihre Schönheit. Als sie dessen inne ward, ging sie in eine andere Kapelle, und da stets, wohin sie sich auch setzte, der Fürst in ihrer nächsten Nähe die Messe anhörte, so wollte sie überhaupt diese Kirche nicht mehr besuchen und begab sich täglich zu der entferntesten, die sie finden konnte.

Wenn es aber Feste im Schlosse gab, dann wollte sie auch nicht mehr daran teilnehmen und schützte gegenüber den dringenden Bitten der Prinzessin Krankheit vor. Als so der Fürst einsah, daß er mit ihr nicht sprechen konnte, wandte er sich an den Schaffner und versprach ihm für seine Mithilfe eine große Belohnung. Darauf ging der gern ein, teils um dem Fürsten gefällig zu sein, teils weil er sich die Belohnung nicht entgehen lassen mochte, und berichtete nun täglich, was das Mägdelein sagte und tat; zumal aber, wie sie nach Möglichkeit versuchte, dem Fürsten aus dem Wege zu gehen.

Mochte diesem nun in dem glühenden Wunsche, sich mit ihr zu vergnügen, solche bequeme List beigefallen sein: kurz und gut, eines Tages begab er sich hoch zu Roß auf den Hauptplatz der Stadt vor das Haus des Kellermeisters, bei dem Françoise wohnte, und erging sich dort in allerlei Reitkünsten, die jene wohl sehen konnte. Plötzlich aber ließ er sich in einen großen Schmutzhaufen abwerfen, und obwohl er recht weich gefallen war, erhob er ein großes Wehgeschrei und bat, ihn in ein Haus zu nehmen, auf daß er die Kleider wechseln könne.

Zwar boten alle das ihre an. Doch äußerte jemand, das Haus des Kellermeisters sei am nächsten und zudem am anständigsten, und so brachte man ihn dorthin. Er fand das Zimmer gar wohl eingerichtet, und alsbald entkleidete er sich bis aufs Hemd, maßen seine sämtlichen Gewänder kotdurchtränkt waren. Dann legte er sich ins Bett, und derweile alle fortgingen um frische Kleidungsstücke zu holen, rief er seine Wirtsleute und fragte sie, wo Françoise sei. Die vermochten sie nur mit Mühe zu finden. Denn kaum hatte das Mägdelein gesehen, daß man den jungen Fürsten in ihr Haus brachte, so hatte es sich im entlegensten Winkel verborgen. Endlich fand ihre Schwester sie dort und bat sie, ohne Furcht mit dem edlen und tugendhaften Prinzen zu sprechen. Sie entgegnete:

›Wie könnt Ihr, teure Schwester, die ich meiner Mutter gleich halte, mir raten, mit einem hohen Herrn zu sprechen, dessen Absichten ich doch, wie Ihr wißt, so genau kenne.‹ Die Schwester aber bestürmte sie und versprach ihr, sie nicht allein zu lassen, so daß sie endlich mit ihr ging. Doch war sie so bleich und entstellt, daß sie wahrlich keine Lüsternheit mehr erwecken konnte. Als sie nun der junge Fürst neben dem Bett sah, nahm er ihre kalte, zitternde Hand und sprach:

›Françoise, haltet Ihr mich für derart wild und grausam, daß Ihr vermeint, ich könnte Frauen mit meinen Blicken verzehren? Warum fürchtet Ihr mich so sehr, da ich doch nur Eure Ehre und Euren Vorteil im Auge habe? Ihr habt mich geflohen, aber das hat Euch nichts genützt, wir Ihr seht. Auf die Gefahr hin, mir den Hals zu brechen, ließ ich mich vom Pferd abwerfen, bloß um das Vergnügen zu erleben, mit Euch plaudern zu können. Da ich nun die Gelegenheit so mühsam erkauft habe, gestattet mir, bitte, zu versuchen, durch meine große Liebe die Eure zu erringen.«

Und nachdem er lange Zeit auf ihre Antwort gewartet hatte und sah, daß ihre Augen voller Tränen standen und ihr Blick zur Erde gerichtet war, zog er sie, so nahe er konnte, an sich, um sie zu umarmen und zu küssen. Sie aber sagte:

»Nein, edler Herr, nein. Was Ihr wünschet, kann nicht geschehen. Denn bin ich auch neben Euch nur ein armseliger Wurm, so möchte ich doch lieber sterben, als für die schönsten Freuden der Welt meine Ehre dahingeben. Schon der Gedanke, jene, die Euch hier eintreten sahen, könnten das mißdeuten, macht mich zittern. Doch da Ihr mir die Ehre antut, mit mir zu sprechen, so gestattet, daß ich Euch antworte, wie die Ehre es mich heißt. Ihr wißt recht wohl, daß eine Kosestunde mit einem Mädchen niederen Standes Euch nur den Stoff abgibt, um von Euern Liebesabenteuern später zu erzählen. Da mich nun Gott nicht zur Prinzessin gemacht hat, die Ihr heiraten könntet, noch mir den Stand verlieh, um Euch Herrin und Freundin zu sein, so erniedrigt mich, bitte, nicht zu jenen armen unglücklichen Geschöpfen. Ich achte und ehre Euch als einen der glücklichsten Fürsten der Christenheit: so bewahret mir Eure Gunst, und mein Lebelang will ich zu Gott um Glück und Heil für Euch flehen. Einen andern Dienst aber kann ich Euch nicht erweisen.«

Als nun der junge Fürst diese sittsame Antwort hörte, mußte er das Mägdelein ob ihrer ehrbaren Gesinnung hochschätzen, obgleich sie doch seinem Wunsch entgegentrat. So suchte er sie glauben zu machen, daß er sie allein ewig lieben würde. Das vermochte er ihr nicht einzureden; doch fand er so viel Freude und Gefallen an ihrem Geplauder, daß er vorgab zu schlafen, als man ihm meldete, die Kleider wären vom Schloß angekommen, und so blieb er im Bett liegen, bis die Stunde kam, wo er zum Abendessen bei seiner hochedlen Mutter sein mußte. Da verließ er das Haus des Kellermeisters und war von der Ehrbarkeit des Mägdeleins tief durchdrungen.

Oft sprach er hierüber in der Folgezeit mit dem Edelmann, der mit ihm zusammen wohnte. Der meinte, vielleicht ließe sich mit Geld mehr erreichen als mit Liebesworten, und riet ihm, dem Mägdelein eine recht große Summe anzubieten. Des Prinzen Geld wurde aber noch von seiner Mutter verwaltet, und so besaß er selbst nur wenig für kleine Ausgaben. Daher lieh er sich überall zusammen, bis er fünfhundert Taler hatte, und schickte damit den Edelmann zu ihr. Sie aber erwiderte angesichts dieses Geschenkes: ›Bitte, sagt Euerm Herrn, daß mein Herz so anständig empfindet, daß es allein seiner Schönheit und Anmut sich ergeben hätte, wenn dies möglich gewesen wäre. Gegen meine Ehre aber kann dies Geld erst recht nichts ausrichten; darum bringt es ihm zurück – lieber will ich weiter in Armut leben, wenn nur die Ehre rein bleibt.‹

Angesichts dieser harten Abweisung vermeinte der Edelmann, vielleicht mit Drohungen etwas zu erreichen. Aber sie lachte ihm ins Gesicht und rief: ›Droht denen mit dem Fürsten, die ihn nicht kennen. Ich weiß, daß er klug und tugendsam ist, daß solche Worte nicht von ihm stammen und daß er sicherlich nicht dafür einstehen wird. Doch wären Eure Drohungen auch wahr, so könnte weder Leiden noch Tod mich in meinem Entschluß erschüttern.‹

Diese Antwort brachte der Edelmann entrüstet heim, und da er den Fürsten unbedingt zum Erfolge führen wollte, riet er ihm allerlei Mittel, um ihr zuzusetzen, maßen es doch eine Schande wäre, solch Mädchen nicht zu gewinnen. Der Prinz aber wollte sich nur zu anständigen Wegen verstehen, zumal er fürchtete, seine Mutter könnte von Gerüchten etwas erfahren, und so unternahm er nichts, bis sein Edelmann ihm einen Weg vorschlug, der so einfach schien, daß er darob mit dem Kellermeister sprach.

Der war bereit, seinem Herrn in jeder Weise zu Diensten zu sein. Daher forderte er eines Tages sein Weib und seine Schwägerin auf, die gelesenen Trauben in seinem Haus unweit des Waldes zu besichtigen. Das sagten beide zu. Und als der Tag kam, ließ er es den Prinzen wissen, und der befahl, heimlich sein Maultier bereitzuhalten, damit er, allein mit dem Edelmann, dorthin eilen könne, sowie es Zeit sei. Doch wollte Gott, daß seine Mutter just an diesem Tag ihren Schreibtisch neu schmückte und herrichtete und ihre Kinder mithelfen ließ. So war der Prinz über die verabredete Zeit hinaus beschäftigt.

Indessen hatte des Kellermeisters Weib auf Geheiß ihres Mannes sich krank gestellt und ihm dies mitgeteilt, als er schon zu Pferd saß und seine Schwägerin hatte hinten aufsitzen lassen. So brachte er diese allein nach jenem Haus. Als aber die vereinbarte Zeit überschritten war, meinte er: »Ich glaube, wir können nun wieder heimkehren.« – »Warum etwa nicht?« fragte Françoise. – »Ich erwartete den Fürsten, der kommen wollte,« entgegnete der Schaffner. Als also die Schwägerin seiner Bosheit inne ward, sagte sie: »Wartet nicht, ich weiß bestimmt, daß er heute nicht kommt.« Und ihr Schwager glaubte ihr und führte sie wieder heim.

Kaum aber war sie zu Hause, so ließ sie ihrem grimmigen Zorn freien Lauf und warf dem Schwager ins Gesicht: er sei ein Satansknecht und täte gar noch mehr, als ihm geheißen würde, maßen sicherlich er und jener Edelmann auf diesen Einfall gekommen seien, nicht aber der junge Fürst. Er aber wolle Geld einstreichen und stachle ihn noch in seinen Torheiten auf, statt ihm ein ehrbarer Diener zu sein. Da sie ihn aber nun in seiner Schlechtigkeit erkannt habe, wolle sie auch fürder nicht mehr in seinem Haus bleiben.

Und alsbald ließ sie ihren Bruder kommen, damit er sie auf ihr Landgut heimbrächte, was auch unverzüglich geschah. – Da nun der Kellermeister seinen Streich mißlungen sah, begab er sich nach dem Schloß, um zu erfahren, warum der Fürst nicht gekommen sei. Doch traf er ihn unterwegs, just wie er auf seinem Maultier mit dem Edelmann angeritten kam. Der Fürst fragte sogleich: ›Ist sie noch da?‹ Und so erzählte der Schaffner, was geschehen war.

Darob war jener sehr betrübt, maßen somit sein letztes und äußerstes Mittel fehlgeschlagen war. Und da er fürder jeden Ausweg abgeschnitten fand, suchte er Françoise in einer Gesellschaft auf, wo sie ihm nicht entweichen konnte, und machte ihr heftige Vorwürfe, daß sie so hart gegen ihn sei und zudem gar noch ihren Schwager verlassen wolle. Doch sie entgegnete, ihr Schwager sei ihr ein zu gefährlicher Schutz, und er sei wohl seinem Schaffner sehr zugetan, maßen dieser ihm nicht nur Leib und Eigen, sondern gar Seele und Gewissen hingäbe.

Da erkannte der Fürst, daß alles vergebens war. So entschloß er sich, ihr fürder nicht mehr nachzustellen, und bewahrte ihr sein Lebelang seine Achtung. Einer seiner Diener wollte später das Mägdelein ob ihrer Ehrbarkeit heiraten; das aber verlangte vor allem die Zustimmung des Prinzen, dem es trotz allem herzlich zugetan war. So ließ Françoise bei ihm anfragen, und so wurde mit seiner Billigung diese Ehe geschlossen, in der sie bis an ihr Ende ehrengeachtet lebte. Der Fürst aber überhäufte sie mit Wohltaten und Gunstbezeigungen.

Was läßt sich da noch sagen, meine Damen? Könnten wir so niedrig denken, daß unsere Diener uns übertreffen? Lasset uns diesem Beispiele folgen und uns selbst besiegen. Das ist der preislichste Sieg, den wir erringen können!«

»Ich finde die Tugend dieses Mägdeleins nicht so groß,« erklärte Hircan. »Vielleicht liebte sie einen andern und mißachtete darob den ganzen Adel.« Sogleich erwiderte Parlamente, daß jene augenscheinlich nie einem andern geneigt gewesen sei, den sie über alles, aber nicht mehr denn ihre Ehre liebte. – »Solche Vorstellungen lasset fallen,« rief Saffredant, »und macht Euch zunächst klar, wie die Frauen zu dem Begriff ›Ehre‹ gekommen sind. Als die Bosheit der Menschen noch nicht so groß war, da war die Liebe schlicht und stark und Heuchelei kannte man nicht. Als aber Arglist, Geiz und sündhaftes Verlangen in die Menschenherzen einzogen, da vertrieben sie Gott und die Liebe und setzten an ihre Stelle Eigenliebe, Heuchelei und Trug. Da nun die Damen, denen die Liebe fehlte, inne wurden, wie verhaßt den Männern Heuchelei war, so gaben sie ihr den Namen ›Ehre‹, die sie nun vorschieben, wenn sie keine Liebe fühlen. Und daraus machten sie ein so grausames Gesetz, darob jetzt selbst die Frauen, die wahrhaft lieben, ihr Gefühl verbergen und aus der Tugend ein Laster machen müssen!«

»Immerhin findet man,« entgegnete Dagoucin, »daß geheime Liebe die preislichste ist.« – »Geheim!« spottete Simontault, »geheim für schlechte Beobachter, klar aber zum mindesten für die zwei, um die es sich handelt.« – »Keineswegs,« widersprach jener. »Ich meine es so: die liebende Frau möchte ihre Gefühle lieber von einem Dritten erkannt wissen als von dem Geliebten, und diesen liebt sie um so stärker, je weniger sie es zeigt.« – »Wie dem auch sein mag,« schnitt Longarine ab, man muß die Tugend achten; doch scheint mir jener Fürst noch löblicher zu sein, da er trotz seiner Liebe und Macht sich gegen die Grundsätze ehrenhafter Freundschaft nicht verstoßen wollte. Denn wer Übles tun kann und nicht tut, der ist wahrhaft zu preisen.« – »Dabei fällt mir die Geschichte einer Dame ein, die mehr die Augen der Menschen scheute denn Gott, Ehre und Liebe.« – »So bitte ich Euch,« sprach Parlamente, »erzählet uns das. Und dazu erteile ich Euch das Wort.« Alsbald hub jener also an:

»In Rücksicht auf die Familie will ich den Namen der Dame ändern und sie Camilla nennen. Diese also sagte oft, daß jede, die einzig mit Gott zu tun habe, glücklich sei, sofern sie nur ihre Ehre vor den Menschen ohne Makel und rein erhielte. Doch werdet ihr sehen, meine Damen, daß trotz ihrer Klugheit und Heuchelei am Ende ihr Geheimnis enthüllt wurde. Und so vernehmet denn diese Geschichte, die bis auf die Namen der vollen Wahrheit entspricht.«

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