Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Margarete von Navarra >

Das Heptameron

Margarete von Navarra: Das Heptameron - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
titleDas Heptameron
authorMargarete von Navarra
publisherWilhelm Borngräber Verlag
printrun16. bis 20. Tausend
translatorCarl Theodor Ritter v. Riba
senderwww.gaga.net
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
modyfied20140523
created20050906
projectide9ba9e55
Schließen

Navigation:

Der erste Tag

Erste Erzählung

Ein Weib in Alençon hat zwei Verehrer, den einen zur Lust, den andern für sein Geld. Den ersten, der den Betrug merkt, läßt sie töten und erwirkt Begnadigung für sich und ihren flüchtigen Mann. Der wendet sich dann, um eine Summe Geldes zu retten, an einen Schwarzkünstler. Ihr Treiben wird entdeckt und bestraft.

»Zu Lebzeiten des Herzogs Karl gab es in Alençon einen Prokurator Saint-Aignan, der eine liebreizende Frau jener Gegend geheiratet hatte. Doch war sie mehr schön denn sittsam: ob ihrer Reize und ihrer Leichtfertigkeit stellte ihr ein Prälat nach, dessen Name ich aus Standesrücksichten verschweigen will. Der wußte sich, um zum Ziele zu gelangen, gar wohl mit dem Ehemann zu stellen, also daß dieser von dem lästerlichen Umgange seiner Frau mit dem Prälaten nichts merkte, ja, daß er später seiner Ergebenheit für das Herrscherhaus vergaß, ins Gegenteil umschlug und endlich gar den Tod der Herzogin (Margarete) durch Zauberkraft betrieb.

Also lebte der Prälat lange Zeit im Ehebruche mit jener beklagenswerten Frau, die ihm mehr aus Geldgier denn aus Liebe ergeben war, zumal ihr Mann sie trieb, jenen an sich zu fesseln. Doch war in jener Stadt auch ein Jüngling, der Sohn des Stadtkommandanten, und den liebte sie bis schier zum Wahnsinn. Und oft mußte ihr der Prälat zu Diensten sein, indem er ihrem Mann Aufträge erteilte; dadurch fand sie Gelegenheit, den Sohn des Stadtkommandanten nach Gefallen zu sehen. Solchergestalt ging dies Treiben manche Zeit – des Vorteils wegen litt sie den Prälaten, zur Lust sah sie den Kommandantensohn, und diesem schwor sie, daß all ihr Liebesspiel mit jenem nur dem Zweck diene, für ihn freier zu sein. Jener habe nur Versprechungen empfangen und niemals fürwahr werde ein anderer denn er mehr erringen.

Als nun eines Tages ihr Mann zu dem Prälaten ging, bat sie ihn um Erlaubnis, aufs Land gehen zu dürfen, weil ihr die Stadtluft zuwider sei. Und als sie kaum auf ihrem Gutshofe angelangt war, da schrieb sie flugs dem Jüngling, er möge sie ja gegen zehn Uhr des Abends aufsuchen. Das tat der ärmste auch, doch fand er am Tore die Kammerzofe, die, statt ihn wie gewöhnlich hineinzulassen, ihm erklärte: ›Kehrt um, lieber Freund – Euer Platz ist besetzt.‹

Er vermeinte, der Gatte sei gekommen, und fragte, wie das käme. Als nun das gute Mädchen ihn so jung, schön und ehrenhaft vor sich stehen sah, so liebevoll und arg getäuscht, da erbarmte sie sich seiner. Sie berichtete ihm ihrer Herrin verräterisches Tun, da sie glaubte, es würde seine Liebe kühlen, wenn er das erführe. Sie erzählte, daß soeben der Prälat gekommen sei und ihr Lager teile; daß sie dessen Ankunft nicht erwartet hätte, maßen er erst tags darauf kommen sollte; daß der aber ihren Mann daheim festgehalten habe und noch spät abends aufgebrochen sei, um sie insgeheim zu sehen.

Der Sohn des Kommandanten war schier verzweifelt und konnt es gar nicht fassen. Er verbarg sich in einem Nachbarhause und wachte bis drei Uhr morgens; da sah er den Prälaten herausschlüpfen und erkannte ihn trotz seiner Verkleidung nur zu gut. Trostlos kehrte er nach Alençon zurück und alsbald kam auch seine treulose Freundin wieder dorthin. Die wollte ihn, gleichwie sie es gewöhnt war, weiter täuschen und suchte ihn auf. Doch er erklärte ihr: Maßen sie heilige Werkzeuge berührt habe, sei sie selbst zu heilig, um mit einem Sünder zu verkehren, der jetzt also tief in Reue versunken sei, um hoffentlich bald Vergebung zu finden.

Da sie erkannte, daß ihr Treiben durchschaut war, und da weder Entschuldigungen noch Schwüre noch Versprechen ihn zur Umkehr zu bringen vermochten, beklagte sie sich beim Prälaten. Und nach reiflicher Überlegung ging sie dann zu ihrem Mann und eröffnete ihm, sie könnte fürder nicht mehr in Alençon wohnen bleiben, weil des Kommandanten Sohn, auf den sie so große Stücke gehalten habe, unaufhörlich ihrer Tugend nachstelle. So möge er mit ihr nach Argentan übersiedeln, um allen Verdacht zu vermeiden. Und ihr Mann, der sich ganz von ihr leiten ließ, war ihr zu Willen.

Sie waren noch nicht lange in Argentan, da schrieb dies elende Weib an den jungen Mann, er sei ein ganz schlechter Kerl, denn sie habe erfahren, daß er öffentlich über sie und den Prälaten Übles rede, und sie werde dafür sorgen, daß er ihr das büße. – Der Jüngling hatte nie je außer mit ihr darüber gesprochen. Doch fürchtete er die Ungnade des Prälaten, und so reiste er mit zweien seiner Diener nach Argentan. Er fand die Dame in der Jakobinerkapelle beim Vespergottesdienst, kniete neben ihr nieder und sprach: ›Ich kam hierher, Madame, um Euch vor Gott zu schwören, daß ich niemals mit jemand anderem als Euch selbst über Euren Wandel gesprochen habe. Bös' war der Streich, den Ihr mir gespielt habt, und nicht die Hälfte der Vorwürfe habe ich Euch gesagt, die Ihr wohl verdient hättet. So aber jemand, sei es Mann oder Frau, behaupten will, ich hatte darüber gesprochen, den will ich vor Euch Lügen strafen, dafür bin ich hier!‹

Als sie erkannte, daß viel Volks in der Kirche war und daß er von zwei trefflichen Dienern begleitet war, zwang sie sich, gar anmutig mit ihm zu sprechen und versicherte ihm, ohne Zweifel sage er die Wahrheit. Sie habe ihn immer zu hoch geschätzt, um zu glauben, daß er Übles reden könne, und zumal über sie, die ihm so viel Freundschaft entgegenbrächte. Doch ihr Mann habe solcherlei vernommen, und so möge er vor ihm versichern, daß er mit niemandem gesprochen habe und auch keineswegs etwas dergleichen glaube.

Dazu war er gern bereit. Er vermeinte, sie wolle gleich von ihm begleitet werden und bot ihr den Arm. Doch sie entgegnete, es wäre nicht gut, wenn er mitkäme, denn ihr Mann würde glauben, sie hätte ihm seine Worte eingeschärft. Dann nahm sie einen seiner Diener beim Rockärmel und fuhr fort: ›Dieser hier mag mit mir gehen, und sowie es Zeit ist, schicke ich ihn zu Euch, um Euch zu rufen. Derweile ruht Euch in Eurem Gasthause aus.‹

Der junge Mann ahnte nichts Böses dahinter und ging. Indes gab sie dem Diener, den sie zurückbehalten hatte, ein reichliches Abendessen, und allemal, da er fragte, ob es nun nicht Zeit sei, den Herrn zu holen, erwiderte sie, er würde noch zu früh kommen. Um Mitternacht aber schickte sie heimlich einen ihrer Knechte, ließ den Jüngling kommen, und der eilte mutig und ahnungslos in das Haus besagten Saint-Aignans. Da jene Frau den andern Diener bewirtete, so hatte er nur noch einen bei sich. Kaum war er im Hause, so erklärte ihm der Knecht, der ihn gebracht hatte, die Dame wolle gern mit ihm vor ihrem Mann sprechen und erwarte ihn in einer der Stuben; doch habe sie nur einen ihrer Diener bei sich und darum täte er wohl daran, seinen andern Diener heimzuschicken. Also tat er und klomm sodann eine recht dunkle Stiege empor. Indessen hatte Prokurator Saint-Aignan in einer Kleiderecke Leute in den Hinterhalt gelegt und fragte nun, als er die Schritte hörte: ›Wer ist das?‹ Jemand antwortete, das sei ein Mann, der heimlich in sein Haus dringen wolle. Alsbald sprang ein gewisser Thomas Guérin hervor, ein gewerbsmäßiger Mörder, dessen gute Dienste sich der Prokurator teuer erkauft hatte. Der stach sogleich so oft und schnell auf den Jüngling ein, daß dieser trotz aller Gegenwehr sich nicht zu decken vermochte und tödlich getroffen niedersank. Der Diener, der mit der Dame sprach, sagte inzwischen: ›Ich höre meinen Herrn auf der Stiege sprechen; ich werde zu ihm gehen.‹ Doch sie hielt ihn zurück und entgegnete: ›Sorge dich nicht, er wird ja gleich kommen.‹ Als sodann sein Herr ausstieß: ›Ich sterbe –! Gott empfehle ich meine Seele!‹, da wollte er ihm zu Hilfe eilen. Doch sie hielt ihn wieder und meinte: ›Bleibe nur ruhig; mein Mann hat ihn ob seiner Jugendkeckheit gezüchtigt. Wir wollen sehen, was es da gibt.‹ Und sie trat an den Stiegenrand und fragte ihren Mann: ›Nun wie ist es? Erledigt?‹ Der erwiderte: ›Kommt her und seht! Soeben hab' ich Euch an dem gerächt, der Euch so schlimme Schande schuf!‹ Und nach diesem Worte zog er einen Dolch hervor und stach damit wohl zehn- oder zwölfmal in den Leib des Mannes, den lebend zu überfallen er nicht gewagt hätte.

Nachdem also der Mord vollbracht war und des Toten Diener davongeeilt waren, um dem armen Vater die Unglücksnachricht zu überbringen, bedachte Saint-Aignan, daß die Tat nicht geheim bleiben könne. Doch erwog er, daß die Diener des Ermordeten keine Augenzeugen waren und außer den Mördern nur eine alte Kammerfrau und eine junge Magd von fünfzehn Jahren die Tat mit angesehen hatten. So wollte er sich zunächst der Alten bemächtigen; doch die entschlüpfte zu den Jakobinern und war später die wertvollste Zeugin über dies Verbrechen. Die junge Magd blieb zwar noch einige Tage im Hause; aber der Prokurator ließ sie durch einen der Mörder verführen und dann in ein öffentliches Haus schleppen, auf daß sie nicht als glaubwürdige Zeugin auftreten könne. Um übrigens den Mord zu verbergen, ließ er den Leichnam des armen Opfers verbrennen und die Knochenreste in den Mörtel mischen, der bei Bauarbeiten in seinem Hause gebraucht wurde. Endlich schickte er eilends ein Gnadengesuch zu Hofe und gab darin an: zu wiederholten Malen habe er sein Haus einem Eindringling verbieten müssen, der augenscheinlich der Tugend seiner Frau nachstellte. Trotz dieses Verbotes habe sich jener nachts bei ihm eingeschlichen, um mit ihr zu reden. Maßen er ihn nun vor ihrer Stubentür fand, habe er ihn, von Zorn übermannt, getötet.

Trotz aller Eile kam sein Brief nicht schnell genug zur Kanzlei. Der Herzog und die Herzogin waren schon zuvor von dem armen Vater über die Tat unterrichtet worden und ließen den Kanzler wissen, daß er dem Gnadengesuche nicht entsprechen dürfe. Als der Elende sah, daß er nichts erreichen konnte, floh er nach Engelland und mit ihm sein Weib und etliche Verwandtschaft. Doch zuvor sagte er dem Mörder, der die Tat in Wirklichkeit vollbracht hatte, – der König habe in dringenden Briefen seine Festnahme und Hinrichtung angeordnet; doch er wolle ihm angesichts der erwiesenen Dienste das Leben retten, – und damit gab er dem Mörder zehn Taler und hieß ihn außer Landes zu gehen. Der tat es auch und ward nie je gefunden.

Indessen ward der Mord sowohl durch das Zeugnis der Diener des Verblichenen einwandsfrei festgestellt, als durch die Aussage der Kammerfrau, die zu den Jakobinern entwischt war, und endlich durch die Knochenreste, die sich im Mörtel fanden. So wurde ein Prozeß angestrengt und in Abwesenheit Saint-Aignans und seiner Frau verhandelt. Beide wurden in contumaciam zum Tode verurteilt, ihre Güter eingezogen und fünfzehnhundert Taler dem Vater zugesprochen. Nun erkannte Saint-Aignan in Engelland wohl, daß er von Rechts wegen in Frankreich ein toter Mann war. Doch erwies er hohen Herren manch guten Dienst, und hierdurch und durch gute Beziehungen über die Verwandtschaft seines Weibes hinweg erwirkte er, daß der König von Engelland dem König hier unterbreiten ließ, er möge doch Gnade walten und auch die Güter wieder freigeben lassen. Der unterrichtete sich über diese unerhörte schmutzige Tat und übersandte die Akten dem König von Engelland mit dem Ersuchen, er möge wohl erwägen, ob ein derartiger Fall Gnade verdiene. Zudem habe der Herzog von Alençon in seinem Gebiet allein das Recht, Begnadigung zu üben. Trotz alledem gab sich der König von Engelland nicht zufrieden und betrieb die Sache so eifrig, daß der Prokurator schließlich wirklich begnadigt wurde und nach Hause heimkehrte.

Um nun seiner Schlechtigkeit die Krone aufzusetzen, trat Saint-Aignan zu einem Schwarzkünstler in Beziehung, des Name Gallery war. Durch dessen Kunst erhoffte er der Zahlung jener fünfzehnhundert Taler freizuwerden, die er dem Vater des Ermordeten als Buße schuldete. Zu diesem Behufe begab er sich mit seinem Weibe verkleidet nach Paris. Da nun jene Frau inne ward, daß er mit besagtem Gallery lange Zeit hindurch in einer Stube eingeschlossen verblieb und nicht sagen wollte, aus welchem Grunde, so bespähte sie ihn eines Morgens und gewahrte, wie ihm Gallery fünf Holzfiguren vorwies. Die Arme von dreien derselben hingen herab, bei zweien waren sie emporgehobenHierüber ist näheres in der einleitenden Betrachtung zu finden. (Anmerkung des Übersetzers.). Der Zauberer aber sprach zum Prokurator:

›Wir bedürfen solcher Figuren aus Wachs, dergestalt, daß die mit hängenden Armen diejenigen darstellen, die wir zu Tode bringen wollen, die mit erhobenen Armen aber jene, deren Gunst und Zuneigung wir wünschen.‹

Und der Prokurator erwiderte:

›So sei diese hier für den König, dessen Wohlgeneigtheit ich erstrebe, und jene dort für Brinon, den Herrn Kanzler von Alençon.‹

Gallery erklärte: ›Die Bildnisse müssen unter den Altar gelegt werden, und dort müßt Ihr eine Messe über sie sprechen mit Worten, die ich Euch allsogleich ansagen will.‹

Dann wandte sich der Prokurator zu den Figuren mit hängenden Armen und bestimmte: die eine solle für Gilles du Mesmil sein, den Vater des Ermordeten – denn er wußte gar wohl, daß jener nicht aufhören würde, ihn zu verfolgen, solange er am Leben sei. Die erste der beiden Frauenfiguren mit hängenden Armen solle der Frau Herzogin von Alençon, der Schwester des Königs, gelten, weil sie ihrem alten treuen Diener Mesnil so zugetan war und andererseits in so vielerlei Beziehungen des Prokurators Bosheit kannte, daß dieser bei ihren Lebzeiten seines Lebens nicht sicher war. Die andere Frauenfigur endlich mit hängenden Armen sei für sein Weib, der er all dieses Ungemach verdanke und die sicherlich nicht von ihrem lästerlichen Leben lassen würde.

Derweile erspähte seine Frau alles durchs Schlüsselloch. Und da sie inne ward, daß er sie dem Tod bestimmte, beschloß sie, ihn zuerst ins Jenseits zu schicken. Alsbald gab sie vor, von einem Onkel Geld leihen zu wollen suchte diesen, der Rentmeister des Herzogs von Alençon war, auf und berichtete ihm alles, was sie von ihrem Mann gesehen und gehört hatte. Der Onkel war ein greiser, pflichtgetreuer Mann. Flugs ging er zum Kanzler, erzählte ihm die Geschichte, und sintemalen das Herzogspaar an diesem Tage nicht bei Hofe war, übermittelte der Kanzler den seltsamen Fall der Frau Regentin, der Mutter des Königs, und der Herzogin. Die ließ alsbald La Barre, den Profoß zu Paris, holen, und der veranlaßte umgehend die Festnahme des Prokurators und seines Hexenmeisters Gallery.

Beide gestanden ohne Folter noch Kreuzverhör ihr Vergehen. So wurde ihnen der Prozeß gemacht und die Sache dem König überantwortet. Zwar wollten einige Personen sie retten und sagten dem König, die beiden hätten nur seine Gunst erstrebt. Doch dem König war seiner Schwester Leben gleich teuer wie das seinige, und so bestimmte er, das Urteil solle lauten, als ob sie auf seine eigene Person einen Mordanschlag verübt hätten. Desohngeachtet beschwor ihn seine Schwester, die Herzogin von Alençon, dem Prokurator das Leben zu schenken und eine schwere körperliche Strafe über ihn zu verhängen. Also geschah es denn auch, und dieser und mit ihm Gallery wurden nach Marseille auf die Galeeren von Saint-Blanquart geschickt, allwo sie ihr Leben in strengster Gefangenschaft beendeten und Muße fanden, der Schwere ihrer Sünden inne zu werden. Das schlimme Weib aber beharrte auch in Abwesenheit ihres Mannes in ihrem lästerlichen Leben, ward schlimmer denn je und starb im Elend.

So bitte ich euch, verehrte Damen, schaut wohl, was für Jammer ein boshaftes Weib anrichten kann. Seit Adams Fall durch Eva haben alle Frauen das ihre getan, um die Männer zu quälen, zu töten und in Verdammnis zu stürzen. Auch ich werde nach allem, was ich schon erlebt habe, gewißlich dermaleinst an der Verzweiflung sterben, die ich einer von ihnen verdanke. Und doch bin ich toll genug, zu sagen, daß mir Höllenqualen von ihr köstlicher erscheinen, denn Paradieseswonnen von einer anderen.«

Parlamente tat, als verstände sie ihn nicht und meinte: »Dann dürftet Ihr wohl auch die Teufelin, die Euch zu solcher Hölle schleppte, nicht so sehr fürchten?« Doch er erwiderte erregt:

»Wäre sie gleich schwarz von Angesicht, wie schlimm zu mir, so würde sie gewißlich der Gesellschaft ebensoviel Furcht schaffen, als mir Lust, wenn ich sie anschaue. Doch läßt der Liebe Glut mich die der Hölle vergessen. – Und nun will ich abbrechen und der edlen Frau Oisille das Wort geben. Sicherlich wird sie meine Ansicht bestätigen, wenn sie alles sagen wollte, was sie von Frauen weiß.«

Alsbald wandten sich alle zu jener hin und baten sie, zu beginnen. Des war sie zufrieden und hub also an: »Der mir das Wort erteilte, meine Damen, hat durch den wahrhaften Bericht von einem beklagenswerten Weib so viel schlimme Vorwürfe auf die Frauen gehäuft, daß ich meines ganzen langen Lebens Erinnerungsbild überblicken muß, um ein Geschehnis zu finden, das so üble Meinung widerlegen kann. Doch nun ist mir eines beigefallen, das wohl verdient, dem Staube der Vergessenheit entrissen zu werden, und das will ich euch berichten.«

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.