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Das Haus der Grimaldi

Richard Voß: Das Haus der Grimaldi - Kapitel 28
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typefiction
authorRichard Voß
titleDas Haus der Grimaldi
publisherJ. Engelhorns Nachf. in Stuttgart
year1923
firstpub1917
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28

Gleich nach Kriegsausbruch die ersten deutschen Siege. Die ersten deutschen Siege und Heldentaten des ganzen deutschen Volks in Waffen! Die Begeisterung ergriff die Herzen aller, entzündete in jedem Herzen die Flamme eines Opferbrandes auf dem Altar der Vaterlandsliebe.

Die Freifrau von Wagging kehrte nicht zurück auf den Seehof, sondern blieb in München, beim »Roten Kreuz« in der Nymphenburger Straße meldete sie sich für den Schwesternkurs ...

Gleich nach Kriegsausbruch kamen von den Schlachtfeldern aus den Vogesen und dem Elsaß die ersten Verwundeten in das zu einem Lazarett umgeschaffene große Krankenhaus. Also konnte Scholastika sich gleich anfangs in den Dienst der Nächstenliebe stellen. Ihre gütige Lehrerin war die Oberschwester Vinzenta, eine Helferin der leidenden Menschheit, von jener Art von Frauen, deren ganzes Sein und Wesen christliche Selbstverleugnung, Hingabe und Güte ist.

Von Hanns Wolfram kamen von der Front die ersten Briefe!

Auch von ihm Siegesnachrichten! Daß auch er Heldentaten beging, verschwieg er. Aber sie wurden Scholastika dadurch kund, daß er zu den ersten gehörte, die von dem Kaiser und von Bayerns König Ehrenzeichen erhielten. Mit seinem letzten Schreiben schickte er sie der geliebten Frau.

Mit seinem letzten Schreiben –

Denn plötzlich kam kein Brief mehr. Plötzlich keine Kunde mehr von ihm. Keine Kunde mehr von ihm bereits im zweiten Monat des Kriegs.

Furchtbar wütete der Schlachtengott. Schon jetzt war es kein Kämpfen mehr, schon jetzt war es ein Morden. Und von ihm keine Kunde!

Endlich die eine: Der Name des Freiherrn Hanns von Wagging stand auf der Liste der Vermißten.

Vermißt war er, nicht tot! Verwundet konnte er sein, nicht tot. Gefangen vielleicht; aber nicht tot! Scholastika durfte hoffen, konnte warten. Also hoffte und wartete sie. Sie wartete auf die Kunde seines Lebens.

Er mußte leben! Wie konnte er tot sein? Er, der Starke, dessen Liebe zum Vaterland selbst den Tod bezwingen würde, stärker als selbst der Tod!

Stark blieb auch sie. Als »Schwester Magdalena« wurde sie von allen gekannt, von allen verehrt. Ihr Gesicht behielt das verklärte Lächeln, ihr Blick seinen Glanz.

Verwundete seines Regiments wurden eingebracht. Bei jedem einzelnen gab es für sie ein Beben und Bangen, ein zitterndes Hoffen und Harren.

Wenn es sich dann ihren Lippen entrang: »Kennen Sie den Freiherrn Hanns Wolfram von Wagging?«

»Ob ich ihn kannte!«

»Ich fragte, ob Sie ihn kennen?«

Aber alle sagten, sie hätten ihn gekannt. Alle sagten, sie hätten ihn geliebt und daß sie für ihn durch Feuer und Wasser gegangen wären, wie er für sie dasselbe getan haben würde, wenn –

Wenn er noch lebte ...

»Er fiel. Ich sah ihn fallen,« sagten die einen.

»Ich sah ihn verwundet, schwer verwundet,« sprachen die andern.

»Er wurde gefangen« – die einen.

»Er ist tot« – die andern.

Schwester Magdalena erwiderte jedem: »Er lebt! Er muß leben! Er ward verwundet, wurde gefangen, wird vermißt, wird gefunden werden, wird wiederkommen.«

»Gute Schwester, kannten Sie unsern Freiherrn?«

»Ich bin seine Frau.«

Und sie hoffte und harrte.

Hoffend und harrend verband sie Wunden, stillte Schmerzen, linderte, tröstete. Sie stand an Sterbebetten und sandte einer Mutter, einer Gattin und Braut die letzten Grüße des für sein Vaterland gestorbenen Helden.

Ihr Gesicht überzog die Blässe des Todes; aber ihre Kraft wurde immer stärker, immer hoffnungsfreudiger ihre Zuversicht, daß er nicht tot sein konnte, daß er leben mußte! Leben für sein Vaterland, leben für seine Heimat, leben für sein Weib.

Auch leben für sein Kind, das sie unter dem Herzen trug. Also hoffte sie, harrte sie.

Sein Kind gebar sie nicht im Elternhause, sondern in dem Hause ihres Gatten.

Sie schenkte ihrem Gatten einen Sohn.

In dem Hause des alten Geschlechts gab es wieder einen jungen Hanns Wolfram von Wagging, und die alte Wabei, die den Vater in den Armen gehalten, betreute jetzt dessen Sohn.

»Aufs Wiederschauen!« hatte des Scheidenden letzter Abschiedsgruß an seine Gattin gelautet. Also kam er wieder! Denn was ein Freiherr von Wagging versprach, das hielt er, und er hatte ihr versprochen, daß sie ihn wiedersehen sollte.

Mußte sie ihm doch entgegenkommen, seinen Sohn auf den Armen.

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