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Das Haus der Grimaldi

Richard Voß: Das Haus der Grimaldi - Kapitel 10
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typefiction
authorRichard Voß
titleDas Haus der Grimaldi
publisherJ. Engelhorns Nachf. in Stuttgart
year1923
firstpub1917
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10

Nun überkam sie eine leidenschaftliche Freude. Fort aus der weißen Winterwelt! Fort aus Einsamkeit und öde!

Der Sonne entgegen, dem Leben entgegen!

Im Eilzug die nordische Landschaft durchfahrend, wiederholte sie immer wieder diese Worte. Sie dachte nicht an das, was sie zurückließ; dachte nur an das, was sie erwartete: eine Welt von Schönheit mit der Elfengestalt der geliebten Freundin und an deren Seite der Gemahl, der Herrlichste von allen.

»Rosenheim! Nach Kufstein umsteigen!«

Der Ruf des Schaffners galt ihr. Sie mußte nicht nur an sich selbst denken, sondern auch an ihre Begleiterin. Die Zenz saß in einem Nebenabteil, hilflos wie ein Kind. Dieses lebende Stück Heimat war für das junge Mädchen eine wahre Last; aber es war notwendig gewesen, sie mitzuführen: des Anstandes wegen.

Über den Brenner nach dem Süden!

Unmittelbar vor Genua Winterkälte und Schneesturm; dann dämmerte der Tag auf und – welches Wunder begab sich? Ein azurblaues Meer, gegen gelbe Klippen anrauschend, auf denen sich schlanke Palmen erhoben, riesenhafte Eukalyptusbäume phantastische Haine bildeten, Rosen und Geranien blühten: Bollwerke von Rosen und Geranien! Nelken und Margheriten bedeckten die Abhänge, und höher hinauf, bis zu den schönlinigen kahlen Graten und Gipfeln erstreckten sich silberig schimmernde Olivenwälder. Heliotrop und ultramarinblaue Winden stürzten sich über die Mauern, und Levkoyen waren in dieser Überfülle des Blühens das Unkraut.

An einem purpurfarbenen Himmel ging die Sonne auf, Meer, Gebirge und Land entbrannten in rosigen Gluten. Allmählich wandelten sich die Flammen des aufsteigenden Himmelsgestirns in goldigen Glanz, der über die Gipfel, über die Felsen, die Meereswogen, die Blütengefilde sich wälzte. Daß die Welt so göttlich schön war! Und in dieser Erdenherrlichkeit das junge Mädchen mit seiner Sehnsucht, die Schönheit der Welt mit klammernden Organen zu umfassen. Plötzlich mußte sie eines Entfernten gedenken, von dem sie sich seit ihren Kinderjahren geliebt wußte und dem sie nicht einmal Lebewohl gesagt hatte in ihrem dunkeln Drang nach einer andern Liebe, die es geben sollte, davon sie gelesen und geträumt. Er war nicht zur Bahn gekommen, hatte von ihr nicht Abschied genommen. Das war von ihm recht gewesen! Männlich stolz war es. Sie konnte den Vetter, aus dem ein Gatte werden sollte, nicht lieben; aber sie mußte ihn achten.

Und er?

Wie würde er ihre Flucht aus der Heimat auffassen? Denn Flucht war es. Vielleicht würde sie seine Liebe ertöten? Umso besser! Aber wie kam es, daß über den Glanz der hesperischen Gestade plötzlich ein Schatten sich legte? Freilich nur für einen Augenblick ...

Immer üppiger das Blühen, immer wundersamer das Land! Weiße und bunte Villen inmitten von Hainen und Blüten. An diesen Gestaden mußte ein glückliches Geschlecht hausen. Ungleich verteilte der Himmel seine Gaben! Hier schuf er das Leben zum Genuß; hier gab es nicht des Lebens Qual. Dann also auch nicht des Lebens Irrtümer und Schuld.

Jenseits von Ventimiglia, der italienischen Grenze, in Mentone stiegen zu der Reisenden Damen ein, die nach Monte Carlo fuhren, jedenfalls um zu spielen. Es waren Französinnen, lebhaft, anmutig, elegant, eine andre Rasse. Welche entzückende Grazie in den Bewegungen, welche glückliche Leichtlebigkeit! Dazu der Wohllaut der Sprache! Darauf lauschend, erinnerte sich Scholastika irgendwo gelesen zu haben: »Die Geste der Pariserinnen ist schöner als ihre Seele, ihre Frisur duftiger als ihr Haar, ihre Bewegungen sind geschmeidiger als ihre Glieder, ihr Teint blühender als ihre Haut, ihr Lächeln reizender als ihr Mund, ihr Blick leuchtender als ihre Augen. In ihrem Haar scheinen die Blumen so natürlich zu wachsen wie auf dem Felde.«

So ging es weiter in Dithyramben über das Wunder der Schöpfung: die Pariserin. Und der Hymnus über die Sprache: diese Sprache der Salone, der Ritterlichkeit, der eleganten, der großen Welt. Diese Sprache enthielt kein rohes, kaum ein rauhes Wort. Einer Melodie gleich schlich sie sich in die Seele des Hörers, es war keine Sprache, sondern ein Rhythmus.

Auf das Geplauder der Vertreterinnen des auserwählten Volkes lauschend, gedachte Scholastika des Dialekts ihrer Heimat. Dieser hatte freilich einen andern Klang. Auch dort glich die Sprache dem Menschenschlag. Was hätten wohl diese eleganten, anmutigen Frauen gesagt, wenn sie das bayrische Volk hätten sprechen hören?

»Roquebrune!«

Scholastika las den Namen, als der Südexpreß, nachdem er unterhalb von Kap Martin einen Tunnel durchfahren, an der Station vorübersauste, und die Gestalt des Grafen von Roquebrune stand vor ihr in den glänzenden Farben, wie ihre Freundin sie gemalt. Dieses Roquebrune war die Stammstätte des stolzen Geschlechts. Dort oben, hoch über dem Meer, am gelbbraunen Fels, klebte die Ruine des Schlosses der Grafen von Roquebrune, dem Horst eines Adlers gleich. Es mochte ein Geschlecht von Raubrittern gewesen sein; immerhin war es noch heute ein großes Geschlecht, fortlebend in der Gestalt des Enkels.

Bald würde er vor ihr stehen. Wie, wenn er sie enttäuschen sollte?

Aber was hatte sie mit ihm zu schaffen? Sie kam, um die geliebte Freundin wiederzusehen. Nur deshalb! Ihr genügte, wenn der Graf höflich war, ein ritterlicher Franzose, wie alle seiner Nation ...

Monte Carlo!

Der Zug hielt. Die Französinnen stiegen aus. Jede von ihnen führte ein goldenes Täschchen bei sich, dessen Inhalt aus dem Gold für das Spiel bestand.

Laut und schrill, jede Silbe lang gedehnt, tönte die Stimme des Schaffners: »Monte Carlo!«

Der Zug entleerte sich und füllte sich wieder. Viele der letzteren Passagiere – sie befanden sich noch in Abendtoilette – waren tags zuvor von Nizza, Beaulieu und Cannes gekommen, hatten nach Schluß des Kasinos im »Cercle des Etrangers« gespielt, hatten im Hotel de Paris den Rest der Nacht verbracht und fuhren jetzt nach Hause, eine Gemeinde Genießender. Es war elegante Welt, darunter viel kosmopolitische Halbwelt, für Scholastika eine Gattung Frauen, von deren Wesen sie nichts wußte.

Lautlos setzte sich der Zug wieder in Bewegung; in wenigen Minuten würde er wieder halten; in wenigen Augenblicken war sie angelangt.

Ihr Herz pochte heftig. Sie machte sich zurecht und benachrichtigte im Nebencoupé die Zenz, die von den Eindrücken der neuen Umgebung vollständig verwirrt war und laut jammerte: »Kein Mensch spricht ein Wort Deutsch! Oberbayrisch schon gar nicht! Hätten Komtesse doch statt meiner den Schorschl mitgenommen! Der war schon bei den Franzosen, als Komtesse noch gar nicht geboren waren; der hätte ihnen gesagt, was ein Oberbayer ist und wie die Bayern dazumal die Franzosen gejagt haben ... Heilige Kathrein! Unser Seehof! Der Seehof steckt tief im Schnee und hier ist's Sommer. Die ganze Welt hat sich verkehrt.«

Scholastika stand am Fenster. In das azurblaue Meer hinausgeschoben, steil abfallend ein brauner Fels, darauf eine bunte Stadt: Monaco. Über eng gedrängten Gebäuden hoch ragend ein braunes burgartiges Schloß: das Haus des regierenden Fürsten, das Haus der Grimaldi!

Das Haus der Grimaldi verklärt von der Sonne des Südens, eine Welt schier unirdischer Schönheit.

Sie stand auf dem Bahnsteig der Bahnhofshalle, sie selbst, Yvonne d'Yvray. Nicht doch: die Gräfin von Roquebrune! In all ihrer zierlichen Holdseligkeit, in ihrem strahlenden Eheglück, ihrer ganzen Pariser Eleganz erwartete sie die Ankommende. Gleich darauf lagen sich die Freundinnen in den Armen.

»Wonnig, daß du kamst! Aber wie schön du bist! Noch viel schöner, wie ich dich im Gedächtnis hatte. Nur etwas bleich. Das kommt von deinem abscheulichen Deutschland. Es muß dort wie am Nordpol sein! Schauerlich! ... Freilich, das ist er, mein Gemahl, Geliebter, Idol, Gott! Er wollte dich durchaus mit mir empfangen. Wie er dich anstaunt! Dein goldenes Haar, deine azurblauen Augen, deine Aphroditengestalt ... Sollte ich doch eifersüchtig werden, so werdet ihr erfahren, was eine Furie ist ... Jawohl, mein schöner Herr, eine Furie in einem Kostüm von Redfern, mit einem Hut, der eine Dichtung ist.«

Solcherart wurde der Graf Scholastika vorgestellt. Er verneigte sich und sagte – Was gleich? Irgend etwas sehr Höfliches. Scholastika fühlte, daß sie errötete. Und sie fühlte – dieser Graf von Roquebrune, der berühmte Frauenfreund und Lebemann, glich nicht dem Bilde, das sie sich von ihm gemacht. Aber gewiß war er unendlich vornehm und gewiß hatte sie ähnliches an männlicher Eleganz bisher noch nicht gesehen.

Sie errötete nicht über das, was der Graf ihr Liebenswürdiges sagte, sondern darüber, wie er sie dabei ansah. Mit einem Blick –

Ein Lebemann sollte er sein? Scholastika hatte über das eigentümliche Wort viel nachgedacht; hatte sich seinen Sinn jedoch nicht klarmachen können. Nun lernte sie den Grafen kennen und plötzlich – Nein, auch jetzt erfaßte sie nicht die Bedeutung des Wortes. Sie wußte nur, wie ein Lebemann aussah: sehr vornehm, sehr elegant, eigentlich wenig anziehend mit seinem schmalen blassen Gesicht, dem müden Zug um den Mund und um die Augen, die sie mit einem Blick, der sie erröten gemacht, ansahen: sie in Augenschein nahmen.

Er sollte noch jung sein. Aber dem jungen Mädchen schien es, als ob der feine Herr niemals jung gewesen wäre; niemals so jung, wie – Vetter Wolf. Das war von ihr natürlich Einbildung. Aber daß sie diese gleich im ersten Augenblick hatte, machte auf sie starken Eindruck.

Sonst war alles traumhaft schön. Eine fürstliche Equipage und zwei Hoflakaien erwarteten die Herrschaften. Bei strahlendem Frühlingswetter fuhren sie die Felsenstraße hinan, immer mit dem Blick auf Meer und Küste, Bucht an Bucht, bis nach Bordighera hinüber, Herrlichkeit über Herrlichkeit. Die von alten hohen Bäumen eingefaßte Avenue führte in die Hauptstadt des Fürstentums und nach dem Schloß des regierenden Herrn. Vom Schloß aus übersah man eine ganze Galerie leuchtender Landschaftsbilder. Zur Linken eine unübersehbare blauende Meeresferne, zur Rechten ein gelbbraunes, steil in das wogende Azurblau abfallendes Gestade mit bunten Landhäusern, Gärten, Palmenhainen, Olivenwäldern, darüber wie ein zum Himmel auflodernder steinerner Brand eine gewaltige Felsenkuppe. Ein vielzackiges, goldig umdunstetes Gebirge schloß den Horizont ab gleich dem Prospekt einer Theaterdekoration...

Yvonne erklärte der Staunenden: »Der Fels ist der Hundskopf und das dort hinten das Esterelgebirge. Bei Sonnenaufgang soll es am schönsten sein. Ihr unbegreiflichen Deutschen steht ja wohl mit der Sonne auf und schwärmt für Natur? Dort drüben liegt Nizza, das himmlische Nizza mit der Engelsbai, der Promenade der Engländer, dem ins Meer hinausgebauten Kasino; Nizza mit seinen Wettrennen und seinem Karneval ... Näher am Gebirge Cannes, wo nur kosmopolitische Finanz, deutsche Prinzen und russische Großfürsten wohnen. Das alles mußt du sehen. Und Beaulieu mit dem Vorgebirge St. Jean, darauf der König der Belgier, der Leopold, für eine seiner vielen zärtlichen Freundinnen ein Paradies schuf. Du bist wie im Traum? Ja, es mag schön sein. Das Schloß ist mir zu sehr Mittelalter, weißt du. Die Kanonen auf der Bastei schenkte Ludwig der Vierzehnte einem Grimaldi. So entsetzlich alt sind wir: denn ich gehöre jetzt auch dazu ... Aber nun sind wir zu Hause!«

Der Wagen hielt vor dem Schloßportal, vor dem ein majestätischer Pförtner die Herrschaften empfing. Durch einen Hof mit Arkaden und Fresken begaben sie sich in den von dem jungen Ehepaar bewohnten Flügel des historischen, vielfach restaurierten Gebäudes, welches Schloß, Festung und Burg zugleich war.

Hier verabschiedete sich der Graf von seinem schönen Gast und die Gräfin geleitete den Liebling in die für Scholastika bestimmten Zimmer.

Die Freundinnen sanken sich in die Arme. Scholastika rief aus: »Daß ich zu dir kommen durfte! Zu dir kommen, jetzt, in der ersten Zeit deines Glücks! Denn glücklich bist du doch?«

»O ja, gewiß. Ich schrieb dir's ja. Mein Mann ist entzückend. Und so elegant! Aber weißt du, Liebe, wir Franzosen sind nicht sentimental. Von allen Nationen der Welt sind es nur die Deutschen. Du verzeihst. Aber dafür seid ihr weltbekannt. Lebe mit uns und du wirst dir die Sentimentalität bald abgewöhnen. Sie ist so unmodern, weißt du, so unschick. Übrigens bist du noch schöner geworden. Die Blässe steht dir vorzüglich. Ich muß mich stark pudern, um interessant auszusehen ... Hier ist es hübsch, nicht wahr? Dies ist dein kleiner Salon. Die Bilder sind etwas leichtfertig; aber die Herren Franzosen sind eben eine galante Nation. Neben dem Schlafzimmer ist das Bad und auf der andern Seite wohnt deine Kammerfrau. Der Lakai, den wir dir zugewiesen haben, heißt Jean Baptiste. Er ist erstklassig. Um zwölf findet das Frühstück statt, um vier der Tee, um sieben das Diner. Gleich in den nächsten Tagen führen wir dich bei unsern Freunden und Bekannten ein. Es ist hier Klein-Paris! Sie wohnen auf Kap Martin, in Mentone, in Beaulieu, Nizza und Cannes. Natürlich sind wir viel in Monte – So heißt man hier Monte Carlo. Du wirst dort Toiletten sehen; ich sage dir, Toiletten! Die Konzerte sind exquisit, in der Oper gastiert gegenwärtig Gemma Bellincioni. Mit ihrer Stimme ist es vorbei; aber ihr Spiel – besonders als Violetta und Carmen. Als Violetta trägt sie im dritten Akt eine Robe: altrosa mit Silberstickerei. Begeisternd, sage ich dir, eine Schöpfung!«

In dieser Weise plauderte das anmutige Frauenwesen, welches aus einem Backfisch plötzlich eine Weltdame geworden war. Nur bei einer Französin ist eine solche schnelle Wandlung möglich – dachte die gute Scholastika staunend, und die Freundin erschien ihr eine andre, ein fremdartiges Geschöpf, für welches das Leben keine Schleier mehr hatte. Sie fühlte sich plötzlich einsam und traurig. Kaum, daß sie ihre Bewegung, die sie in den Augen der Freundin nur lächerlich gemacht hätte, verbergen konnte. Schweigend hörte sie zu, froh, als die Ankunft ihrer über das welsche Wesen ganz verstörten Zenz mit dem perfekten Pariser Lakaien und dem Gepäck den Aufbruch der reizenden Schwätzerin zur Folge hatte. Auch war es Zeit, ein Bad zu nehmen und sich für das Frühstück umzukleiden.

Allein gelassen, sah sich Scholastika um. Der Salon hatte eine Einrichtung Louis XVI. mit überreicher Vergoldung der Decke und bewußten, etwas gewagten galanten Gemälden. Davon sich abwendend, trat sie ans Fenster, das aus einer einzigen hohen Scheibentür bestand, weit geöffnet war und auf eine Loggia hinausführte. Die Sonne des Südens überflutete Küste und Meer. Unter ihr lag der Schloßgarten, ein Stücklein Tropenvegetation auf hoher, steil abfallender Felsenterrasse, an deren Klippen das Meer brausend brandete. Auf dem maiengrünen Rasen, unter den Kronen der Kokospalmen, den Wipfeln der Zedern, blühten Zinerarien von strahlender Bläue. Das Mauerwerk war mit einem Teppich goldgelben Jasmins behangen, scharlachrote Schlingpflanzen rankten sich an den Stämmen exotischer Bäume empor und schlangen von Wipfel zu Wipfel glühende Gewinde, als wäre der Garten der Festsaal eines Feenreichs. Und in diesem war sie Gast: sie, Scholastika aus dem verschneiten Seehof unter den winterlichen Alpen ihrer bayrischen Heimat!

Felsengipfel umgaben sie auch hier. Dicht vor ihr stiegen sie auf, kahl und drohend, wie aus den Gründen der Erde emporgeschleudert, eine Hölle starrender Klippen über einem Paradiese.

Eine Hölle auf Erden sollte jenes Monte sein, dessen Besucher aus der ganzen Welt herbeiströmten, um anzubeten und Opfer darzubringen. Welcher Gottheit?

Nicht daran dachte Scholastika. Im Geist sah sie den Grafen von Roquebrune. Sie sah sein Lächeln, fühlte seinen Blick, der ihr die Röte der Scham in die Wangen getrieben hatte.

Warum war sie gekommen? War, was sie in der Heimat nicht fand, was sie hier suchte, etwa die Erfüllung ihres dunkeln Sehnens? Halb Kinderspiele, halb Gott im Herzen, hatte sie nach Lebensfreude verlangt, nach Lebensglück. War der Glanz, der sie hier umgab, Freude und Glück? War Freude und Glück das Leben, welches sie für die Freundin geträumt? Mit einem Gatten, der solches Lächeln, solchen Blick hatte?

Bei der Vorstellung dieses Lächelns fühlte sie es wieder in sich aufsteigen: heiße Scham, ohne daß sie gewußt hätte, weshalb.

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