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Das goldene Zeitalter

Kenneth Grahame: Das goldene Zeitalter - Kapitel 19
Quellenangabe
typenarrative
authorKenneth Grahame
titleDas goldene Zeitalter
publisherVerlag von J. Engelhorn
year1900
translatorEmmy Becher
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140423
projectidab02cee4
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Lusisti satis

Aus einer Horazischen Ode – »Du hast genug gespielt«. Anm. d. Uebers.

Unter den zahlreichen Wahnvorstellungen, woran die olympischen Herrschaften litten, war eine vorherrschend – weil sie die Olympier waren, bildeten sie sich ein, in unsrer Gegenwart über Dinge sprechen zu können, die uns sehr nahe berührten, die wir aber, wie sie meinten, nicht verstehen würden, so lange keine Namen, Tage oder sonstige Merkmale genannt wurden. Die Fähigkeit, zwei und zwei zusammenzuzählen, wurde uns einfach abgesprochen, und gleich den Affen, die sich ja nur aus Vorsicht des Sprechens enthalten, weil sie sonst ihr Brot selbst verdienen müßten, hüteten wir uns wohl, je logisches Denkvermögen zu verraten. Selten wurden wir also durch eine Mitteilung überrascht, und die Kaltblütigkeit, womit wir dann die längst bekannten Neuigkeiten aufnehmen konnten, galt den Olympiern als betrübendes Zeichen geistiger Trägheit und Unfähigkeit, sich zu wundern.

Nun hatten uns die tägliche Ausbeute des Postsacks und die sich daran knüpfenden geheimnisvollen Erörterungen längst belehrt, daß Onkel Thomas mit einer »Mission« betraut worden war und daß diese sich auf uns selbst bezog. Onkel Thomas hatte nämlich viele und mannigfaltige »Missionen«. Er war ein Mann, der sich gern wichtig machte und die Geschäftigkeit liebte, wobei er zwar immer behauptete, unter ihrer Last zusammenzubrechen, und so war er für uns und seine Verwandten vom Lande der richtige »Geschäftsträger«. Ein zu irgend einem Kleid passendes Band zu finden, Vorräte zu bestellen oder eine Köchin in Augenschein zu nehmen, das waren die Pflichten, die seinem vollkommen zwecklosen Dasein in London Abwechslung und Farbe, seiner Person Bedeutung verliehen. Wenn eine solche Angelegenheit indes vor uns nur durch Kopfnicken und Fürwörter, bedeutungsvolle Pausen und kurze französische Sätzchen behandelt werden konnte, dann war die rote Flagge aufgehißt, das Warnungszeichen gegeben, worauf wir, kunstvoll größte Unaufmerksamkeit heuchelnd, in der Regel bald genug dem Geheimnis auf die Spur kamen.

Um Bestätigung für unsre Schlüsse zu erlangen, fielen wir dann plötzlich und gemeinsam über Martha her. Nicht daß wir sie schlankweg um Auskunft gebeten und nach Thatsachen gefragt hätten, nein, das wäre fruchtlos gewesen, sondern wir sagten ihr, daß nichts als »Schule« in der Luft liege, daß wir alles ganz genau wüßten, und forderten ihren Widerspruch heraus. Martha war eine treue Seele, aber ein gefährlicher Entlastungszeuge, und wir hatten bald heraus, wie die Sachen standen. Das Losungswort war ausgegeben, die Schule schon gewählt; nur verursachte die nötige Schreiberei noch einige Verzögerung, Eduard aber war der als Opfer Auserlesene.

Schule! Dieser dunkle, unklare Begriff hatte von jeher als Unvermeidliches vor uns gestanden, und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hatten wir uns nie ernstlich mit seiner eigentlichen Bedeutung vertraut gemacht. Aber nun, da dieses unheimliche Gespenst in nächster Nähe auf uns lauerte, seine Fangarme nach einem von der Herde ausstreckte, ziemte es sich, die Sachlage zu erforschen, unser Lot auszuwerfen in dieser ungewissen See und zu untersuchen, in welcher Richtung wir gesteuert wurden. Unglücklicherweise waren unsre Kenntnisse auf diesem Gebiet vollständig ungenügend und wir wußten nicht, wo wir Aufklärung suchen sollten. Onkel Thomas hätte uns ja erleuchten können, denn er war selbst »dort« gewesen in grauer sagenhafter Vorzeit, doch die leidige Ueberzeugung, daß die Natur ihn zum Witzbold geschaffen habe, verlieh all seinen Aussagen einen Stich ins Unglaubliche und machte überdies das Zuhören recht ermüdend. Bei andern Zeitgenossen, die wir zur Hand hatten, lautete das Urteil gar zu verschieden. Nach einigen bedeutete Schule nichts als Ulk, Possen, Aufrührerei, einen Vorgeschmack studentischer Freiheit, die Mehrheit aber sprach sich leider dahin aus, daß sie nach dem Muster des Hades eingerichtet sei und ihr Vorbild noch an Unannehmlichkeiten übertreffe!

Wenn Eduard mit herausfordernder Miene und strammer Haltung umherging, wußte ich, daß er seine Zukunft vom ersteren Gesichtspunkt aus im Auge hatte, war er dagegen bescheiden und duldsam, so stand das zweite Bild vor seiner Seele.

»Durchgehen kann man ja immer,« warf ich dann wohl beschwichtigend hin, und es war merkwürdig, wie sich sein Gesicht bei dieser Aussicht erhellte. Charlotte aber zerfloß jedesmal in Thränen, weil sie den Bruder im Geist schon mit wunden Füßen und leerem Beutel in kalter Winternacht auf der Landstraße nächtigen oder in einem Heustadel unterkriechen sah.

Eduards Gemüt war natürlich zumeist von Bangigkeit beschwert, und doch gab die bevorstehende Veränderung und ihre Folgen für meine persönliche Stellung auch mir reichlichen Stoff zu schweren Gedanken. Bisher hatte ich meist auf Befehl gehandelt. Selbst wenn ich irgend einen Streich selbständig ausgeheckt und angegeben hatte, war er nur ausgeführt worden, wenn Eduard die Sache guthieß und, da er der Aelteste war, stets auf seine Gefahr. Von nun an würde der Popanz Verantwortlichkeit mich auf die Hörner nehmen, und ich hatte schon ein starkes Vorgefühl davon, daß er ein höchst lästiger Geselle werden konnte. Allerdings mußte meine neue Stellung auch ihre Vorzüge haben. Eduard war außerordentlich herrisch gewesen, ein Tyrann im kleinen, und stellenweise engherzig, ein leidenschaftlicher Anhänger von Thatsachen mit geringem Verständnis für Phantasie. Nun konnte ich mich frei und ungehemmt entfalten, in Entwurf und Ausführung eines Planes mehr künstlerisch verfahren.

Außerdem würde ich nicht mehr gezwungen sein, der radikalen Partei anzugehören, denn ich war von Natur und Geschmack nun einmal kein Radikaler. Die Rolle war mir eines schönen Tags zugefallen, als Eduard auf den Gedanken gekommen, unsre kleine Republik durch das englische Oberhaus zu fälschen. Er setzte uns das Wesen dieser Einrichtung klar und gelehrt auseinander, und die Sache klang ganz vielversprechend, bis er uns dann erklärte, daß er selbst, wenigstens vorläufig, das »Haus der Lords« sein müsse, wir das »Haus der Gemeinen«. Er stellte in Aussicht, daß Talent und treue Dienstleistungen auch Beförderung verhießen, und zwar beiden Geschlechtern ohne Unterschied, und namentlich mich wollte er mit der Hoffnung auf eine glänzende Laufbahn ködern. Bis die Sache sich aber befestigt hätte und der Parlamentarismus Wurzel geschlagen, müsse er unbedingt und allein das »Haus der Lords« sein. Jetzt stellte ich mich aber auf die Hinterbeine und sagte ihm, das sei ein dummes Geschwätz, und ich wüßte gar nicht, wozu man überhaupt Lords brauche.

»Aha! Dann bist du eben ein Radikaler von der äußersten Linken!« sagte Eduard in stilgemäß wegwerfendem Ton.

Die Folgerung wäre vielleicht anfechtbar gewesen, aber ich nicht der Mann dazu. Ich nahm also mein Kreuz auf mich und versicherte mit größter Bestimmtheit, daß ich wirklich ein Radikaler von der äußersten Linken sei. Im Charakter eines solchen Ungeheuers hatte ich von da an Komödie spielen müssen; aber sobald Eduard fort sein würde, wollte ich die Maske abwerfen und der Welt wieder mein wahres Gesicht zeigen.

Und doch – würden dieser und andre Gewinne meinen Verlust aufwiegen? Von nun an war ich allerdings Führer und Häuptling unsrer Schar, daneben aber auch Puffer zwischen den Olympiern und meinem kleinen Clan. Für Eduard war diese Aufgabe eine Spielerei gewesen; er hatte dem Anprall des Olymps unerschüttert stand gehalten wie Teneriffa oder Atlas. War ich dieser Aufgabe ebenso gewachsen? War nicht bei mir die Gefahr vorhanden, daß ich des lieben Friedens und meiner Ruhe willen Zugeständnisse machen würde, mich zu Verträgen und Bedingungen verleiten ließe, allmählich Fall um Fall zum Tugendbold herabsinken würde?

Ich will natürlich nicht behaupten, daß ich diese Zweifel und Gedanken damals in der hier niedergelegten Form ausgearbeitet hätte! In jener glücklichen Zeit war ich ja noch frei von dem Zwang, unklare Gefühle in das mechanische, harte, ungenügende Wort zu übertragen, aber deutlich lebte doch in mir die Angst, daß mein Charakter nicht kräftig genug sei für diesen heiklen Posten.

Mit Ankunft seiner neuen Kleider steigerte sich das unnatürliche Ansehen, das Eduard jetzt genoß, und auch sein eigenes Betragen wurde würdevoller und feierlicher. Als vollends sein Koffer und eine Spielzeugkiste eingetroffen waren, that sich eine gähnende Kluft auf zwischen dem Bruder, der schon der Zukunft angehörte, und uns, an die die Vergangenheit ihre Rechte geltend machte. Auf jedem dieser beiden Gegenstände war sein Name in großen Buchstaben mit Oelfarbe aufgemalt, und manchmal konnte man den Besitzer unerklärlich verschwinden und dann bei seinen Gepäckstücken stehen sehen, leise vor sich hin murmelnd: »Eduard ...« und zwar in völliger Verzückung. Das war natürlich eine Schwäche und verriet eine gefährliche Stelle in seinem Charakter, aber jeder, der sich des Gefühls entsinnt, womit er seinen Namen zum erstenmal gedruckt las, wird Nachsicht üben.

Die Tage verflogen besonders rasch, und der Schatten, den das kommende Ereignis vor sich warf, fiel länger und länger über unsre Thürschwelle; eine ganz naturwidrige Liebenswürdigkeit, geradezu höfische Umgangsformen bemächtigten sich unsres Kreises. In den allerletzten Tagen kam es vor, daß man Eduard: »Bitte!« sagen hörte, oder »Willst du so gut sein und mir den Ball aufheben?« und Harold und ich ertappten uns mehrmals dabei, daß wir seinen Wünschen sogar zuvorkamen. Die Mädchen vollends, die lagen einfach auf den Knieen vor ihm! Auch die Olympier schienen in ihrer ungeschlachten, plumpen Weise durch Verabreichung von Leibgerichten und andre Aufmerksamkeiten andeuten zu wollen, daß sie das seither an ihm verübte Unrecht einigermaßen erkannten. Nach und nach trat ein gespannter, innerlich unwahrer Zustand ein, so daß man sich schließlich erleichtert fühlte, als es zum Klappen kam.

Selbstverständlich zogen wir vollzählig zum Bahnhof; das Possenhafte des Eisenbahnabschieds sieht man ja erst in späteren Jahren in seinem wahren Licht. Eduard war nicht nur der Held, sondern auch der Spaßmacher der Gesellschaft, und wenn diese Heiterkeit auch stellenweise etwas erkünstelt wirkte, so war es jetzt nicht an der Zeit, gegenseitige Kritik zu üben. Unterwegs versprach ich ihm noch, den Pächter Larkin zu bitten, daß er keine Schweine schlachten solle, ehe Eduard in den Ferien daheim sei, und er verhieß mir eine Wurfmaschine, eine richtige, nicht ein Kinderspielzeug. Dann fing, als wir schon halbwegs waren, eine von den Schwestern plötzlich zu weinen an.

Die wenigen Glücklichen, die im stande sind, die Leiden der Seekrankheit zu belächeln, entsinnen sich vielleicht, daß die plötzliche Niederlage eines Mitreisenden vor ihren Augen sie gelegentlich veranlasste, ihr Selbstvertrauen etwas herunterzuschrauben und minder hoffärtig auf ihre Nebenmenschen zu blicken. Ein ähnlicher Fall war's bei Eduard, der rasch den Kopf abwandte und die Landschaft zu bewundern vorgab. Es war nur ein Augenblick, dann besann er sich auf den Hut, den er trug, den ersten steifen Hut seines Lebens, nahm ihn vom Kopf, besah und befühlte ihn. Es mußte etwas Kräftigendes in dieser Berührung liegen, denn jetzt war er wieder männlich gelassen.

Auf dem Bahnhof trug Eduard zuerst Sorge, daß seine Koffer nebeneinander auf den Bahnsteig gestellt wurden, so daß männiglich die Adressen und Aufschrift lesen konnte – man geht ja nicht alle Tage erstmals zur Schule ab! Dann studierte er seine Fahrkarte bedächtig auf Vorder- und Rückseite, fuhr damit der Reihe nach in all seine Taschen und fing dann an mit seinem Geld zu klimpern, um sich bei guter Laune zu erhalten. Der Gesprächsstoff war versiegt; wir konnten nur um ihn her stehen und schweigend das Opfertier betrachten, das zum Altar geschleppt werden sollte. Und als ich ihn so ansah, den neu und männlich gekleideten Bruder, der einen steifen Hut auf dem Kopf, eine Fahrkarte in der einen und Geld in der andern Tasche hatte – Geld, das er nach Belieben ausgeben durfte, ohne Rechenschaft abzulegen! – da war mir's, als ob wir jetzt schon durch endlose Zeiträume geschieden wären. Glücklicherweise war ich noch viel zu jung, um zu ahnen, daß die bisherige Ordnung der Dinge auf diesem Bahnsteig ihren letzten Seufzer aushauchte, und daß der Eduard, der in die Ferien kommen würde, nicht mehr der Eduard von ehedem sein, nie wieder das alte Leben beginnen konnte, ganz so, wie es gewesen war.

Als der Zug endlich herandampfte, stürmten wir ihm entgegen, weil jeder die unvergleichliche Abteilung entdecken wollte, der unser Bruder mit Ruhe und Ehren anvertraut werden könnte, und da nun jeder ein andres Bild der Vollkommenheit ausfindig machte und dessen Vorzüge hartnäckig verteidigte, sah es eine Zeitlang ganz danach aus, als ob der Zug ohne Eduard hinauskeuchen würde. Ein Schaffner löste indes diese Schwierigkeit, indem er ihn mir nichts dir nichts irgendwo hineinschob, und als der Zug nun pustend abschob, da lag auf Eduards weit aus dem Fenster gebeugtem Gesicht ein unverkennbares Grinsen erster Güte, das er eigens für diesen großen Augenblick einstudiert und aufgespart haben mußte. Auffallend blaß und schmal nahm sich dieses Gesicht an der langen Wagenlinie aus, aber daß es grinste, war eine unleugbare großartige Thatsache. Endlich entzog ihn eine Kurve unsern Blicken und das in der Ferne verklingende Gerumpel trug ihn fort, weit fort aus unserm stillen Teich auf die hohe See des neuen Lebens, in die bewegte Welt, wo man seine Ellbogen brauchen und Püffe aushalten und den Wettbewerb aufnehmen muß.

Wenn ein Krebs um eins von seinen Beinen gekommen ist, so ist sein Gang noch ungeschickter als gewöhnlich, bis die Zeit und die Heilkraft der Natur ihn wieder abgerundet haben. In einzelnen Gruppen wanderten wir vom Bahnhof nach Hause; Harold, der auffallend schweigsam war, hatte sich an mich, seine letzte, etwas schwache Stütze, angeschlossen, indes die beiden Mädchen vorangingen, die Köpfe zusammensteckten und schon die Tage auszurechnen anfingen bis zu Eduards Ferien. Daheim angelangt, brachte Harold etliche Beschäftigungen in Vorschlag, die zwar den Reiz des Verbotenen in hohem Grad gehabt hätten, aber trotz aller Mannhaftigkeit, die wir zeigten, heute keine Begeisterung erregen konnten. Ich schlug andres vor, aber mit ebenso schlechtem Erfolg. Schließlich ließen wir uns schweigend auf einer Wagendeichsel nieder, stützten das Kinn in die Hände und starrten hohläugig auf die vor uns liegende Oede und die hinter uns liegenden Trümmer der Vergangenheit.

Mittlerweile entfalteten Selina und Charlotte eine ungeheure Thätigkeit. Sie stopften Eduards Kaninchen förmlich mit grasgrünem, verdächtig aussehendem, ungewohntem Zeug, machten sich dann daran, den Käfig seiner Mäuse zu fummeln, bis die Bewohner rasten, wie Ehemänner bei Großreinemachen, und trugen Material zusammen zu neuen Bogen und Pfeilen, Peitschen, Schiffen, Leitseilen, alles für die Heimkehr unsres Odysseus! Wie wenig schwante ihnen, daß der von Troja und all seinen Abenteuern heimkehrende Held ihre schwerfällige Bewaffnung, die doch so viel Arbeit kostete, verächtlich für Schwindel, Blödsinn und Kinderei erklären würde!

Diese Erkenntnis, wie so manche, die das Leben bringt, war ihnen noch gnädig verhüllt. Hätte jemand den Schleier gelüftet und diesen Mädchen im Zauberspiegel gezeigt, wie Eduard nach kurzen drei Monaten thatsächlich heimkam, abgebrannt im Aeußeren, mit einer ruchlosen Zunge, ein Verächter aller Ueberlieferung und ein Anhänger seltsamer neuer Folterqualen, der in derselben halben Stunde eine Puppe amputieren und einen Kinderglauben vernichten konnte – ach, wenn sie das hätten ahnen können, dann vielleicht ... Aber wer von uns hat Geisteskraft genug, ohne Blinzeln der Zukunft ins Auge zu blicken? Hoffen wir, daß diese Mädchen, selbst des holden Wahns beraubt, nicht viel anders gehandelt haben würden, als sie jetzt thaten.

Und vielleicht haben wir allen Grund, dankbar dafür zu sein, daß wir in der Kindheit und noch lange nachher keine Ahnung davon haben, welchen Eindruck der alles verschlingende Genuß des Augenblicks nicht nur andern, sondern auch uns selbst eine kurze Weile später macht. So gehen wir mit einer Herzhaftigkeit und einem Eifer, die den unbeteiligten Zuschauer fast tragisch berühren müssen, von einer thörichten Liebhaberei zur nächsten mißlungenen Leidenschaft über. Wer aber sollte es wagen, den Rhadamanthus zu spielen, den Wert unsres Thuns abzuschätzen und zu entscheiden, was daran dauernde Leistung, was reines Kinderspiel ist?

 

Ende.

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