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Das Geld

Emile Zola: Das Geld - Kapitel 9
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typefiction
authorEmile Zola
titleDas Geld
publisherGustav Grimm's Verlag.
seriesDie Rougon-Macquart
volumeBand XVIII
translatorArmin Schwarz
correctorreuters@abc.de
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VIII.

Am 1. April wurde die Weltausstellung vom Jahre 1867 eröffnet, inmitten von Festen, mit einem triumphalen Glanze. Es begann die große Saison des Kaiserreiches, diese Saison höchsten Prunkes, welche aus Paris den Gasthof der Welt machen sollte, einen reich geschmückten Gasthof, von Musik und Gesang widerhallend, einen Gasthof, wo in allen Zimmern gefressen und Unzucht getrieben ward. Niemals hatte ein auf der Höhe seines Ruhmes stehendes Reich die Völker der Erde zu einem so ungeheuren Schmause geladen. Aus allen Windrichtungen der Welt kamen die Kaiser, Könige und Fürsten in langem Zuge nach den Tuilerien, die in einer zauberischen Apotheose erglänzten.

Zur selben Zeit, zwei Wochen später, feierte Saccard die Einweihung des monumentalen Palastes, den er hatte aufführen lassen, um die Universalbank daselbst königlich unterzubringen. Sechs Monate hatten für den Bau genügt; man hatte Tag und Nacht gearbeitet, ohne eine Stunde zu verlieren, und man hatte ein Wunderwerk vollbracht, wie es nur in Paris möglich ist. Und nun erhob sich die Façade mit ihrer blühenden Ornamentik, ein Mittelding zwischen Tempel und Konzerthalle, eine Façade, deren aufdringlicher Luxus die Leute auf dem Trottoir festhielt. Im Innern war große Pracht entfaltet worden, die Millionen der Kassen flossen an den Wänden hernieder. Eine Ehrentreppe führte zu dem Berathungs-Saale empor, welcher in Roth und Gold gehalten war, glanzvoll wie der Zuschauerraum eines Opernhauses. Ueberall Teppiche, Vorhänge, Schreibpulte von einer schimmernden Pracht in der Einrichtung. In den unterirdischen Räumen war die Effekten-Abtheilung untergebracht; riesige Kassenschreine waren hier in die Mauern eingelassen und öffneten ihre tiefen Backofenschlünde hinter den unbelegten Glasscheiben der Zwischenwände, welche dem Publikum ermöglichten sie zu sehen, an einander gereiht wie in den Märchen die Fässer, wo die unzählbaren Schätze der Feen schlummern. Und die Völker mit ihren Königen konnten auf ihrem Wege zur Ausstellung auch hieher kommen und vorüberziehen: Alles war fertig, der neue Palast erwartete sie, um sie zu blenden und sie nach einander in dieser goldenen Falle zu fangen, die im hellen Tageslichte funkelte.

Saccard thronte in dem am prunkvollsten eingerichteten Kabinet; die Möbel desselben waren im Style Louis XIV., von vergoldetem Holze, mit Genueser Sammt belegt. Das Personal war wieder vermehrt worden und zählte jetzt über vierhundert Beamte. Diese Armee kommandirte Saccard mit dem Gepränge eines geliebten und befolgten Tyrannen, denn er zeigte sich in Hinsicht der Geschenke sehr freigebig. Trotz seines bescheidenen Direktor-Titels herrschte er eigentlich; er beherrschte den Präsidenten und beherrschte den Verwaltungsrath, welch' letzterer einfach die Weisungen des Direktors guthieß. Darum lebte Madame Caroline fortan in stetiger Wachsamkeit; sie hatte vollauf zu thun, um jeden seiner Entschlüsse kennen zu lernen und – wenn es nöthig war – sich in die Quere zu setzen. Sie mißbilligte diese neue, allzu prunkvolle Einrichtung, ohne sie aber im Prinzip tadeln zu können, da sie in den schönen Tagen zärtlichen Vertrauens, als sie ihren Bruder wegen seiner Aengstlichkeit neckte, die Nothwendigkeit eines geräumigeren Lokals zugegeben hatte. Ihre eingestandene Besorgniß, ihr Argument, um all' diesen Luxus zu bekämpfen, war, daß die Bank daselbst ihren Charakter bescheidener Rechtlichkeit, hohen, frommen Ernstes einbüße. Was werden die Klienten denken, die an die klösterliche Stille, an das salbungsvolle Zwielicht des Erdgeschosses in der Rue Saint-Lazare gewohnt waren, wenn sie in dieses Palais in der Rue de Londres mit seinen hohen, hellen, geräuschvollen Stockwerken eintreten werden? Saccard antwortete, sie würden von Bewunderung und Respekt erfüllt sein, daß Diejenigen, die fünf Francs brachten, deren zehn aus der Tasche holen würden, betroffen von der Eigenliebe und betäubt vom Vertrauen. Und er mit seinem brutalen Sinn für das Grelle und Aufdringliche behielt Recht. Der Erfolg des neuen Palastes war ein wunderbarer und übertraf an wirksamem Lärm die außerordentlichsten Reklamen Jantrous. Die kleinen, frommen Rentenbesitzer der stillen Stadtviertel, die armen Landgeistlichen, die am Morgen mit der Eisenbahn angekommen waren, gafften glückselig vor dem Thor und verließen das Haus roth vor Vergnügen, weil sie Ersparnisse da drinnen hatten.

Was Madame Caroline hauptsächlich ärgerte, war, daß sie nicht mehr stetig im Hause sein konnte, um ihre Ueberwachung auszuüben. Es war ihr fortan kaum möglich, von Zeit zu Zeit sich nach dem neuen Palast in der Rue de Londres unter irgend einem Vorwande zu begeben. Sie lebte jetzt allein in dem Pläne-Saal und sah Saccard nur des Abends. Er hatte seine Wohnung im Hause behalten, aber das ganze Erdgeschoß blieb geschlossen, ebenso die Bureaux im ersten Stock; und die Fürstin Orviedo, welche im Grunde froh war, diese Bank, diese in ihrem Hause installirte Geldbutike sich nicht mehr vorwerfen zu müssen, war in ihrer flissentlichen Gleichgiltigkeit für jeden Gewinn, selbst wenn es ein legitimer war, ganz und gar nicht bemüht, die hier aufgelassenen Räume von Neuem zu vermiethen. Das leere Haus, welches jeder vorüberfahrende Wagen widerhallen machte, glich einer Gruft. Madame Caroline fühlte fortan durch die Plafonds nur die bebende Stille der geschlossenen Schalter aufsteigen, von welchen zwei Jahre hindurch unaufhörlich das leise Klimpern des Goldes zu vernehmen gewesen. Sie fand jetzt die Tage viel länger und viel drückender. Sie arbeitete indeß viel, fortwährend beschäftigt durch ihren Bruder, welcher ihr aus dem Orient schriftliche Arbeiten sandte. Aber manchmal hielt sie horchend inne, von einer instinktiven Beklemmung ergriffen und in ihrem Bedürfniß zu erfahren, was unten vorgehe; aber es war nichts, nicht ein Hauch, es war die Todtenstille der leeren, schwarzen, dreifach geschlossenen Säle. Dann ward sie von einem leisen Schauer ergriffen und vergaß sich einige Minuten in ihrer Unruhe. Was trieb Jener in der Rue de Londres? Vollzog sich nicht gerade in dieser Sekunde der Riß, welcher den Einsturz des Gebäudes herbeiführen mußte?

Es verbreitete sich unbestimmt und leise das Gerücht, daß Saccard eine neue Kapitalserhöhung vorbereite. Er wollte von hundert Millionen auf hundertfünfzig Millionen hinaufgehen. Es war eine Stunde eigenthümlicher Erregtheit, die verhängnißvolle Stunde, wo alles Gedeihen des Kaiserreiches, die unermeßlichen Arbeiten, welche die Stadt umgestaltet hatten, der tolle Umsatz des Geldes, die unsinnigen Ausgaben des Luxus zu einem Hitzfieber der Spekulation führen mußten. Jeder wollte seinen Theil, jeder riskirte sein Vermögen auf dem grünen Tuche, um es zu verzehnfachen und, um in einer Nacht bereichert, ebenso zu genießen wie viele Andere. Die in der Sonne flatternden Wimpel der Ausstellung, die Beleuchtungen und Musikaufführungen auf dem Marsfelde, die aus der ganzen Welt herbeigeströmten Menschenmengen, welche die Straßen überflutheten, betäubten Paris vollends, in einem Traume unerschöpflichen Reichthums und souverainer Herrschaft. Von der ungeheuren Festesstadt, die in den exotischen Speisehäusern tafelte, in einen kolossalen Markt verwandelt, wo das Vergnügen unter freiem Himmel feil war, stieg an den hellen Sommerabenden das letzte Wahnsinnsgetöse, die fröhliche und gefräßige Thorheit der von der Zerstörung bedrohten großen Städte empor. Und Saccard mit seiner Witterung eines Beutelschneiders hatte diesen Wahnsinnsanfall Aller, dieses Bedürfniß, sein Geld in den Wind zu streuen, seine Taschen und seinen Körper zu leeren, dermaßen genau herausgespürt, daß er die für die Publizität bestimmten Mittel verdoppelte und Jantrou zu dem betäubendsten Reklamlärm anspornte. Seit der Eröffnung der Ausstellung wurde in der Presse Tag für Tag die Reklamglocke für die Universalbank geläutet. Jeder Morgen brachte sein »Tschinnadrabumm«, welches die Leute nöthigen sollte, den Kopf umzuwenden: eine seltsame Tagesneuigkeit, die Geschichte einer Dame, welche hundert Actien der Bank in einem Fiaker vergessen hatte; ein Auszug aus einer Reisebeschreibung von Kleinasien, wo erzählt wurde, Napoleon habe das Bankhaus von der Rue de Londres prophezeit; ein großer, politischer Leitartikel, in welchem die Rolle dieses Bankinstitutes in seinen Beziehungen zur bevorstehenden Lösung der Orientfrage erörtert wurde; ohne die fortwährenden Notizen der Fachblätter zu zählen, welche in kompakter Masse demselben Ziele dienten. Jantrou hatte mit den kleinen Finanzblättern Jahresverträge abgeschlossen, welche ihm in jeder Nummer eine ganze Seite sicherten und er verwendete diese Seite mit einer erstaunlichen Fruchtbarkeit und Vielseitigkeit seiner Einbildungskraft und ging nicht selten so weit, daß er die Bank selbst angriff, um schließlich triumphirend zu siegen. Die berühmte Broschüre, die er ersonnen hatte, war vor Kurzem in einer Million von Exemplaren in der ganzen Welt verbreitet worden. Auch seine Zeitungsagentie war ins Leben gerufen worden, diese Agentie, welche unter dem Vorwande, den Provinzblättern ein Finanzbulletin zu senden, sich zum absoluten Beherrscher des Marktes in allen bedeutenden Städten machte. Die »Hoffnung« endlich, von ihm sehr geschickt geleitet, erlangte von Tag zu Tag eine größere politische Bedeutung. Es wurde in derselben eine Serie von Artikeln viel bemerkt, welche aus Anlaß des Dekrets vom 19. Jänner erschienen, mit welchem Dekret das Adreßrecht der Gesetzgebung durch das Interpellationsrecht ersetzt wurde. Dies war eine neue Concession des Kaisers, welcher eine freiheitliche Richtung in seiner Politik einschlug. Saccard, welcher diese Artikel inspirirte, ließ seinen Bruder noch nicht offen angreifen, seinen Bruder Rougon, welcher trotz der neuen Richtung Staatsminister geblieben war und in seiner leidenschaftlichen Machtgier entschlossen schien, heute zu vertheidigen, was er gestern verurtheilt hatte. Aber man merkte, daß Saccard auf der Lauer lag und die verkehrte Situation Rougons beobachtete, welcher in der Kammer eingeklemmt war zwischen der dritten Partei, die es nach seinem Erbe hungerte, und den Klerikalen, welche mit den gegen das liberale Kaiserreich kämpfenden Bonapartisten verbündet waren. Und schon begannen die Insinuationen, das Blatt wurde wieder streitbar-katholisch und äußerte sich bei jedem Akte des Ministers sehr mißfällig. Diese zur Opposition übergegangene »Hoffnung« war nicht mehr und nicht weniger als die Volksthümlichkeit, ein Wind des Widerstandes, welcher vollends den Ruhm der Universalbank nach allen Richtungen Frankreichs und der Welt verbreiten mußte. Unter dieser furchtbaren Anstrengung der Publizität, in dieser auf das Aeußerste erhitzten Umgebung, welche reif schien für alle Thorheiten, versetzte die Wahrscheinlichkeit der Kapitalsvermehrung, dieses Gerücht von einer neuen Emission von 50 Millionen selbst die vernünftigsten Menschen in ein Fieber. Von den bescheidenen Behausungen der Armen bis zu den aristokratischen Hôtels, von der Hausmeisterloge bis zu den Salons der Herzoginnen erhitzten sich die Köpfe, die Voreingenommenheit wurde zu einem blinden, heroischen, streitbaren Glauben. Man zählte die großen Dinge auf, welche die Universalbank schon vollbracht hatte, die ersten verblüffenden Erfolge, die unverhofften Dividenden, wie sie keine andere Gesellschaft jemals am Beginne ihrer Thätigkeit bezahlt hatte. Man erinnerte an die so glückliche Idee der Vereinigten Packetschifffahrts-Gesellschaft, welche so rasche und großartige Resultate erzielt hatte und deren Actien mit einer Prämie von hundert Francs gehandelt wurden. Man erinnerte ferner an die Silberminen des Karmelgebirges, welche so wunderbar ergiebig wäre und auf welche ein frommer Kanzelredner in einer der letzten Fastenpredigten Anspielung gemacht hatte, indem er von einem Geschenke sprach, welches Gott der gläubigen Christenheit gemacht hat; man erinnerte an die andere Gesellschaft, welche die Universalbank gegründet hatte zur Ausbeutung unermeßlicher Kohlenlager, und wieder an eine andere Gesellschaft, welche die ungeheuren Wälder des Libanon verwerthen wollte. Und endlich an die Gründung der türkischen Nationalbank in Constantinopel, eine Schöpfung von unerschütterlicher Solidität. Kein einziger Mißerfolg, ein steigendes Glück, welches Alles in Gold verwandelte, was dieses Bankhaus berührte. Schon hatte man einen breiten Complex von gedeihlichen Schöpfungen vor sich, welche den künftigen Operationen eine solide Basis gaben und die so rasche Kapitalsvermehrung rechtfertigten. Dann erschloß sich die Zukunft vor den überhitzten Phantasien, diese von noch größeren Unternehmungen schwangere Zukunft, welche die Einforderung von weiteren 50 Millionen nothwendig machte, deren Ankündigung genügte, um alle Geister in Aufruhr zu bringen. Es war ein unermeßliches Feld von Gerüchten an der Börse und in den Salons. Allein das bevorstehende große Geschäft, die Gesellschaft der Orientbahnen, trat unter den anderen Projekten hervor und beschäftigte alle Gespräche, von den Einen geleugnet, von den Anderen ins Ungeheuerliche übertrieben. Am leidenschaftlichsten betrugen sich die Frauen, indem sie für die Idee eine geradezu enthusiastische Propaganda machten. In den Winkeln der Boudoirs, bei den Galadiners, hinter den blühenden Blumenstöcken zur späten Theestunde, ja selbst in den Alkoven fanden sich reizende Geschöpfe von einschmeichelnder Ueberzeugungskunst, welche die Männer aneiferten: »Wie, Sie haben noch keine Universalbank? Aber es giebt nichts Anderes, als dieses Papier! Kaufen Sie rasch Universalbank, wenn Sie wollen, daß man Sie liebe.« Es war der neue Kreuzzug, wie sie sagten, die Eroberung Asiens, welche die Kreuzzügler Peters des Eremiten und des heiligen Ludwig nicht vollbringen konnten und welche sie, die Dämchen, mit den kleinen Geldbörsen unternahmen. Und Alle thaten sehr genau informirt, sprachen in technischen Ausdrücken von der Hauptlinie, welche man vor Allem von Brussa nach Beyrut über Angora und Aleppo eröffnen sollte. Später wird die Flügellinie von Smyrna nach Angora folgen, noch später diejenige von Trapezunt nach Angora über Erzerum und Sivas, noch später diejenige von Damaskus nach Beyrut. Und da lächelten sie, zwinkerten mit den Augen und flüsterten, daß es vielleicht noch eine andere Zweiglinie geben werde, – oh, freilich erst später – eine Linie von Beyrut nach Jerusalem, über die alten Küstenstädte Saida, Saint-Jean-d'Acre, Jaffa; dann – mein Gott, wer weiß? – vielleicht von Jerusalem nach Port-Said und Alexandrien. Davon ganz zu schweigen, daß Bagdad nicht weit ist von Damaskus und daß, wenn eine Eisenbahn bis dorthin geführt würde, dies eines Tages die Gewinnung Persiens, Indiens, Chinas für das Abendland bedeuten würde. Es schien, als würden auf ein Wort aus ihren schönen Mündchen die wiedergefundenen Schätze der Khalifen in einer wundersamen Mär aus tausend und einer Nacht erglänzen. Die Edelsteine und das Geschmeide des Traumlandes regneten in die Kassen der Bank in der Rue de Londres, während vom Karmel der Weihrauch aufstieg, ein zarter, verschwimmender Hintergrund biblischer Legenden, welcher der plumpen Gewinnsucht einen frommen Schein verlieh. War dies nicht die Wiedererringung Edens, die Befreiung des heiligen Landes, der Triumph der Religion an der Wiege der Menschheit? Und hier hielten sie inne; sie wollten nichts mehr sagen, ihre Blicke erglänzten von dem, was geheim gehalten werden mußte. Es wurde nicht einmal von Ohr zu Ohr geflüstert. Viele unter ihnen wußten es nicht, thaten aber als wüßten sie es. Es war das Geheimniß; es war dasjenige, was vielleicht nie geschehen wird, vielleicht aber eines Tages losbrechen wird wie ein Donnerschlag: der Rückkauf Jerusalems vom Sultan und die Uebergabe der heiligen Stadt an den Papst, sammt Syrien als sein Königreich. Das Papstthum würde ein Budget haben, geliefert von einer katholischen Bank, dem »Schatz vom heiligen Grabe«; durch dieses Budget würde das Papstthum gegen alle politischen Wirren geschützt sein. Kurz: das wäre der verjüngte Katholizismus, befreit von allen Bloßstellungen, eine neue Autorität wiederfindend und die Welt beherrschend von der Höhe des Berges, wo der Heiland ausgerungen.

Saccard in seinem prunkvollen, im Style Louis XlV. eingerichteten Arbeitskabinet mußte, wenn er arbeiten wollte, Jedermann den Eintritt verbieten. Es gab da jeden Morgen einen Ansturm, den Vorbeizug eines Hofes, der da erschien wie zum Morgenempfang eines Königs, Höflinge, Geschäftsleute, Bittsteller, eine schamlose Anbetung und Bettelei rings um diese Allmacht. An einem Morgen der ersten Julitage zeigte er sich besonders unerbittlich; er hatte den formellen Befehl ertheilt Niemanden einzulassen. Während das Vorzimmer von Leuten überfüllt war, von einer Menge, welche trotz der Abweisungen des Thürstehers ausharrte, trotz Alledem auf Einlaß hoffte, hatte sich Saccard mit zwei Abtheilungs-Chefs eingeschlossen, um die neue Emission durchzustudiren. Nachdem er mehrere Entwürfe geprüft, hatte er sich für eine Kombination entschlossen, welche dank dieser neuen Emission von hunderttausend Aktien ermöglichen sollte, die volle Einzahlung der zweimalhunderttausend Stück alten Aktien zu erzielen, auf welche bisher nur hundertfünfundzwanzig Francs eingezahlt waren. Um zu diesem Resultate zu gelangen, sollte die den Aktionären allein vorbehaltene neue Aktie (und zwar je eine neue für zwei alte) zum Preise von achthundertfünfzig Francs ausgegeben werden, welche sofort voll einzuzahlen wären und von welchen fünfhundert Francs dem Stammkapital zufließen würden, während die Prämie von dreihundertfünfzig Francs zur geplanten Liberirung der alten Aktien verwendet werden sollte. Allein, es zeigten sich Komplikationen, es war noch immer ein großes Loch zu verstopfen, was Saccard sehr nervös machte. Das Geräusch der Stimmen im Vorzimmer regte ihn auf. Dieses Paris, das vor ihm auf dem Bauche lag, diese Huldigungen, die er gewöhnlich mit der Gutmüthigkeit eines zutraulichen Despoten empfing, erfüllten ihn heute mit Verachtung. Und als Dejoie, der ihm manchmal des Morgens als Thürsteher diente, sich erlaubte, einen Umweg durch den Couloir zu machen und bei einer Seitenthür einzutreten, empfing er ihn wüthend:

– Was? Ich sagte Ihnen: Niemand! Hören Sie? Niemand! Da, nehmen Sie meinen Stock, stellen Sie ihn vor die Thür und sie sollen ihn küssen!

Dejoie bewahrte seinen Gleichmuth und erlaubte sich eine Bemerkung.

– Um Vergebung, Herr Direktor, die Gräfin von Beauvilliers ist da; und weil ich weiß, daß Sie ihr wohlwollen ...

– Ei was! schrie Saccard wüthend, sie soll sich zum Teufel scheeren mit allen Uebrigen!

Allein, er besann sich sogleich eines Andern und fügte mit einer Geberde verhaltenen Zornes hinzu:

– Lassen Sie sie eintreten, da es nun einmal ausgemacht ist, daß man mich nicht in Ruhe lassen will ... Und durch diese Seitenthür, damit die Heerde nicht nachdränge.

Saccard empfing die Gräfin von Beauvilliers mit der Rauhheit eines Menschen, der noch in großer Aufregung ist. Der Anblick Alicens, die mit ihrer stummen und gedankenvollen Miene ihre Mutter begleitete, beruhigte ihn nicht. Er hatte die zwei Abtheilungs-Chefs hinausgeschickt, wollte sie aber sogleich wieder zurückrufen, um seine Arbeit fortzusetzen.

– Ich bitte Sie, Madame, sprechen Sie rasch, denn mich drängt die Zeit furchtbar.

Die Gräfin blieb überrascht stehen und sagte in ihrer langsamen, traurigen Art einer gestürzten Königin:

– Aber, mein Herr, wenn ich Sie störe ...

Er konnte nicht anders als ihnen Sessel anweisen und das Mädchen, das sich rascher ein Herz faßte, nahm zuerst Platz, während die Mutter wieder anhub:

– Mein Herr, ich komme, um mir einen Rath bei Ihnen zu holen. Ich befinde mich in einer Lage schmerzlichen Schwankens und fühle, daß ich allein nie zu einem Entschlusse kommen werde ...

Und sie erinnerte ihn, daß sie bei der Gründung der Bank hundert Aktien genommen, welche heute – nach den zweimaligen Kapitalserhöhungen – vierhundert Aktien ausmachten und auf welche sie, sammt den Prämien, einen Betrag von siebenundachtzigtausend Francs eingezahlt hatte. Da sie nur zwanzigtausend Francs erspart hatte, mußte sie auf ihre Farm les Aublets siebzigtausend Francs entlehnen.

– Und nun – fuhr sie fort – finde ich heute einen Käufer für les Aublets. Und da eben wieder von einer neuen Emission die Rede ist, könnte ich vielleicht unser ganzes Vermögen in Ihrem Bankhause anlegen.

Saccard beruhigte sich; es schmeichelte ihm, diese zwei armen Frauen, die Letzten eines großen, alten Geschlechts, so vertrauensvoll und so besorgt vor sich zu sehen. In aller Eile klärte er sie auf, indem er Ziffern anführte.

– In der That, ich bin mit einer neuen Emission beschäftigt ... Die Aktie wird sammt der Prämie achthundertfünfzig Francs kosten ... Sie haben vierhundert Aktien; daher werden Ihnen deren noch zweihundert zugesprochen: Sie werden demnach hundertsiebzigtausend Francs zu bezahlen haben. Dann werden aber auch alle Ihre Aktien liberirt sein, Sie werden sechshundert Aktien besitzen, die voll und ganz Ihnen gehören und für welche Sie Niemandem etwas schuldig sind.

Sie verstanden ihn nicht, er mußte ihnen diese Liberirung der Aktien mittelst der Prämie erklären und sie saßen ein wenig bleich da, als sie diese großen Ziffern hörten, beklommen bei dem Gedanken an den kühnen Zug, den man wagen mußte.

– Ja, so viel Geld würde das ausmachen, murmelte die Mutter endlich. Man bietet mir zweimalhundertvierzigtausend Francs für die Besitzung, welche ehemals einen Werth von viermalhunderttausend hatte. Wenn wir die bereits entlehnte Summe aus dem Kaufpreise bezahlen, bleibt uns genau so viel, um die Einzahlung auf die Aktien zu leisten. Aber mein Gott, welch' eine schreckliche Sache ist es doch, sein Vermögen anders anzulegen, seine ganze Existenz so auf das Spiel zu setzen!

Ihre Hände zitterten; sie schwieg still und dachte an dieses Räderwerk, welches ihr zuerst ihre Ersparnisse, dann die entlehnten siebzigtausend Francs genommen hatte und jetzt auch noch die ganze Farm ihr wegzunehmen drohte. Ihr alter Respekt für den Grundbesitz, für die Aecker, Wiesen und Wälder, ihr Widerwille gegen Geldgeschäfte, gegen diesen niedrigen Judenhandel, der ihres Geschlechtes unwürdig war: sie kehrten wieder und bedrückten sie in dieser entscheidenden Minute, wo Alles aufgezehrt werden sollte. Stumm betrachtete Alice mit ihren glühenden, keuschen Augen die Mutter.

Saccard zeigte ein ermuthigendes Lächeln.

– Sicher ist, daß Sie Vertrauen zu uns haben müssen ... Allein, die Ziffern sind da. Prüfen Sie dieselben und dann werden Sie nicht länger schwanken können. Nehmen wir an, daß Sie die Operation durchführen; Sie haben dann sechshundert Aktien, welche liberirt Ihnen auf zweimalhundertsiebenundfünfzigtausend Francs zu stehen kamen; heute stehen diese Aktien auf einem Durchschnittskurse von 1300 Francs; das macht siebenmalhundertachtzigtausend Francs, Sie haben also Ihr Geld schon mehr als verdreifacht. Und das wird noch weitere Fortschritte machen; Sie sollen die Hausse nach der Emission sehen! Ich verspreche Ihnen die Million, ehe das Jahr zu Ende geht.

– Ach, Mama! ließ Alice in einem Seufzer, wie unbewußt sich entschlüpfen.

Eine Million! Dies hieß: das Hôtel in der Rue Saint-Lazare von seinen Hypotheken entlasten und von dem Schmutz des Elends reinigen. Man konnte den Haushalt wieder auf einem geziemenden Fuße einrichten, ihn von dem Alpdruck befreien, unter welchem jene Menschen leben, die einen Wagen besitzen und an Brod Mangel leiden. Ihre Tochter konnte endlich mit einer anständigen Mitgift heirathen, einen Gatten und Kinder haben, diese Freude, welche die letzte Straßenbettlerin sich gönnen darf. Der Sohn, dem das Klima in Rom sehr schädlich war, konnte sich dort Erleichterungen gönnen, seinem Rang entsprechend leben, bis die Zeit kommt, wo er der großen Sache dienen würde, der er jetzt so wenig nützlich sein konnte. Die Mutter konnte ihre hohe Stellung in der Gesellschaft wieder einnehmen, konnte ihren Kutscher bezahlen, mußte nicht mehr geizen, wenn sie bei ihren Dienstags-Diners ein Gericht mehr auf den Tisch bringen wollte und mußte sich nicht für den Rest der Woche zu Entbehrungen verurtheilen. Die Million leuchtete vor ihren Augen; sie war das Heil, der Traum.

Die Gräfin war überwunden und wandte sich zu ihrer Tochter, um diese für ihren Willen zu gewinnen.

– Wie denkst Du darüber?

Doch Alice sagte nichts mehr; langsam schloß sie die Augenlider und löschte so den Glanz ihrer Augen aus.

– Es ist wahr, sagte die Mutter lächelnd; ich vergaß, daß Du mich unbeschränkt schalten lassen willst. Aber ich kenne Deinen Muth und kenne das Ziel Deiner Hoffnungen ...

Zu Saccard gewendet fuhr sie fort:

– Oh, mein Herr, man spricht von Ihnen mit so vielem Lob! Ueberall, wohin wir gehen, hören wir sehr schöne und sehr rührende Dinge. Nicht bloß die Fürstin Orviedo, sondern alle meine Freundinnen sind begeistert für Ihr Werk. Viele beneiden mich darum, zu Ihren ersten Aktionären zu gehören und wenn man ihnen zuhört, möchte man selbst seine Matratzen verkaufen, um von Ihren Aktien zu erwerben.

Und in sanftem Scherze fügte sie hinzu:

– Ich finde sie sogar ein wenig thöricht; wahrhaftig, ein wenig thöricht. Ohne Zweifel deshalb, weil ich nicht mehr jung genug bin ... Meine Tochter gehört aber zu Ihren Bewunderinnen; sie glaubt an Ihre Mission, sie macht für Sie Propaganda in allen Salons, wohin ich sie führe.

Entzückt blickte Saccard auf Alice; sie war in diesem Augenblicke dermaßen belebt und vibrirend vom Glauben, daß sie ihm wirklich hübsch schien, trotz ihres gelben Teints und ihres zu dünnen, schon welken Halses. Er fühlte sich denn groß und gut bei dem Gedanken, dieses traurige Geschöpf glücklich gemacht zu haben, welches schon durch die bloße Hoffnung auf einen Gatten verschönt wurde.

– Ach, sagte sie mit einer sehr leisen, wie aus der Ferne kommenden Stimme, die Eroberung im Morgenlande ist so schön ... Ja, eine neue Zeit, in der das Kreuz erstrahlt ...

Dies war das Geheimniß, welches Niemand aussprach; und ihre Stimme senkte sich noch mehr, verlor sich in einem entzückten Flüstern. Er bat sie übrigens mit einer freundschaftlichen Geberde zu schweigen; er duldete es nicht, daß man in seiner Gegenwart von der großen Sache spreche, von dem höchsten, geheimen Ziele. Seine Handbewegung wollte besagen, daß man stets diesem Ziele zustreben müsse, aber niemals davon sprechen dürfe. Nur im Sanktuarium wurden von einigen Eingeweihten die Weihrauchfässer geschwungen.

Nach einem rührungsvollen Schweigen erhob sich die Gräfin endlich.

– Nun denn, mein Herr, ich bin überzeugt; ich werde meinem Notar schreiben, daß ich das Angebot für les Aublets annehme ... Gott verzeihe mir, wenn ich schlecht handle!

Saccard, der vor ihnen stand, erklärte ernst und ergriffen:

– Gott selbst sendet Ihnen diese Eingebung; seien Sie dessen versichert, Madame.

Und als er sie in den Couloir hinaus begleitete, um das Vorzimmer zu umgehen, wo es noch immer eine Ansammlung von Leuten gab, traf er Dejoie, der mit verlegener Miene herumschlich.

– Was gibt es? Es ist doch nicht wieder Jemand da?

– Nein, mein Herr. Aber darf ich es wagen, um einen Rath zu bitten. Es ist für mich ...

Und er manövrirte so geschickt, daß Saccard in sein Kabinet zurückkehrte, während er – Dejoie – demüthig auf der Schwelle stehen blieb.

– Für Sie? ... Ach ja, Sie sind ebenfalls Aktionär. Nun denn, mein Junge, nehmen Sie die neuen Aktien, die für Sie vorbehalten sind; verkaufen Sie Ihre Hemden und nehmen Sie diese Aktien. Das ist der Rath, den ich allen unseren Freunden gebe.

– Ach, mein Herr, der Bissen ist zu groß; ich und meine Tochter haben nicht so viel Ehrgeiz ... Am Beginn habe ich acht Aktien genommen und habe sie mit den viertausend Francs bezahlt, welche mein armes Weib uns hinterlassen; und ich habe noch immer nur diese acht Aktien, weil wir bei den neuen Emissionen nicht das nöthige Geld hatten, die uns zukommenden Titres zu übernehmen. Nein, nein, es handelt sich nicht um Das; man muß nicht so gierig sein. Ich wollte Sie nur fragen, mein Herr, ohne Sie zu beleidigen, ob Sie der Ansicht sind, daß ich verkaufen soll?

– Was? verkaufen?

Nun setzte Dejoie mit respektvollen Wendungen und Umschreibungen jeder Art seinen Fall auseinander. Zum Kurse von dreizehnhundert Francs repräsentirten seine acht Aktien zehntausendvierhundert Francs. Er konnte demnach seiner Tochter Nathalie reichlich die sechstausend Francs Heirathsgut geben, welche der Schachtelmacher forderte. Allein, angesichts der fortdauernden Hausse der Aktien war ihm ein wüthender Appetit nach Geld gekommen, die anfänglich unklare, später tyrannische Idee sich seinen Theil zu holen, für sich allein eine kleine Rente von sechshundert Francs zu haben, welche ihm gestatten würde sich zur Ruhe zu setzen. Allein, ein Kapital von zwölftausend Francs, zu den sechstausend Francs hinzugerechnet, das machte die enorme Summe von achtzehntausend Francs; und er verzweifelte daran, jemals zu einer solchen Ziffer zu gelangen, denn er hatte ausgerechnet, daß er, um dieses Ziel zu erreichen, einen Kurs von zweitausenddreihundert Francs abwarten müßte.

– Sie begreifen, mein Herr, daß wenn die Aktien keine Aussicht haben, noch höher zu gehen, ich lieber verkaufen möchte, denn das Glück Nathaliens geht Allem voraus. Wenn sie aber noch steigen müssen und ich verkauft hätte, würde ich es mir so sehr zu Herzen nehmen ...

Saccard unterbrach ihn heftig.

– Mein Junge, Sie sind blöd! ... Glauben Sie, wir werden bei dreizehnhundert stehen bleiben? ... Sehen Sie, daß ich verkaufe? ... Sie werden Ihre achtzehntausend Francs haben, ich bürge dafür. Und machen Sie, daß Sie hinauskommen und werfen Sie mir alle diese Leute hinaus! Sagen Sie, daß ich fortgegangen bin.

Als Saccard allein geblieben war, konnte er die zwei Abtheilungs-Chefs wieder kommen lassen und in Ruhe seine Arbeit beenden.

Es wurde beschlossen, daß im August eine außerordentliche Generalversammlung stattfinden sollte, um die neue Kapitalsvermehrung zu bewilligen. Hamelin, welcher den Vorsitz führen sollte, landete an einem der letzten Julitage in Marseille. Seine Schwester rieth ihm seit zwei Monaten in jedem Briefe immer dringender zurückzukehren. Inmitten des überwältigenden Erfolges, der mit jedem Tage mehr hervortrat, hatte sie die Empfindung einer im Dunkel lauernden Gefahr, eine unsinnige Angst, von welcher sie nicht einmal zu reden wagte. Sie zog es vor, daß ihr Bruder da sei und sich selbst von dem Stande der Dinge Rechenschaft gebe; denn sie gelangte dahin, daß sie an sich selbst zweifelte und fürchtete, Saccard gegenüber ohnmächtig zu sein, sich von ihm in dem Maße blenden zu lassen, daß sie selbst ihren Bruder, den sie so sehr liebte, täuschen würde. Hätte sie ihm nicht ihr Verhältniß gestehen müssen, welches er gewiß nicht ahnte in seiner Unschuld eines Mannes des Glaubens und der Wissenschaft, welcher als wachender Träumer durch das Leben schritt? Dieser Gedanke war ihr außerordentlich peinlich und sie verstand sich zu feigen Kapitulationen, paktirte mit der Pflicht, welche jetzt, da sie Saccard und dessen Vergangenheit kannte, ihr rundweg gebot Alles zu sagen, damit man auf seiner Hut sei. In ihren starken Stunden faßte sie den Vorsatz, eine entscheidende Auseinandersetzung zu haben, die Verwaltung solch' bedeutender Summen nicht ohne Kontrole diesen strafbaren Händen anzuvertrauen, zwischen welchen schon so viele Millionen krachend eingestürzt waren, daß Menschen unter den Trümmern begraben wurden. Dieser Entschluß war der einzige, den sie fassen konnte; er war mannhaft, rechtschaffen, ihrer würdig. Dann wieder trübte sich ihr klarer Blick; sie wurde schwach, zögerte, fand keine strafbaren Dinge, höchstens Unregelmäßigkeiten, die allen Bankhäusern gemeinsam sind, wie er behauptete. Vielleicht hatte er Recht, wenn er ihr lachend sagte, das Ungeheuer, welches sie fürchte, sei der Erfolg, jener Erfolg zu Paris, welcher widerhallt und einschlägt wie Donner und Blitz und sie erzittern macht, wie das Unerwartete und die Beklemmung einer Katastrophe. Sie wußte nicht mehr, wie sie sich verhalten solle; es gab Stunden, wo sie ihn noch mehr bewunderte, erfüllt von jener unendlichen Zärtlichkeit, die sie ihm bewahrte, obgleich sie aufgehört hatte ihn zu achten. Niemals hätte sie ihr Herz für so komplizirt gehalten; sie fühlte sich Weib und fürchtete, daß sie nicht mehr die Kraft haben werde zu handeln. Und darum zeigte sie sich hocherfreut über die Rückkehr ihres Bruders.

Noch am Abend der Rückkehr Hamelin's wollte Saccard in dem Plänesaale, wo sie sicher waren nicht gestört zu werden, ihm die Beschlüsse vorlegen, welche der Verwaltungsrath zu genehmigen hatte, ehe sie der Generalversammlung unterbreitet wurden. Allein wie in einer stillschweigenden Vereinbarung trafen sich Bruder und Schwester vor der festgesetzten Stunde; sie waren einen Augenblick allein und konnten ungestört sprechen. Hamelin kam in sehr heiterer Stimmung heim, entzückt davon, daß es ihm gelungen war, die verwickelte Angelegenheit der Eisenbahn zu einem guten Ende geführt zu haben in jenem Orientlande, das in Trägheit schlummerte und wo man auf endlose Hindernisse politischer, administrativer und finanzieller Natur stieß. Aber schließlich war der Erfolg ein vollständiger; die ersten Arbeiten sollten bald beginnen; sobald die Gesellschaft sich in Paris gebildet haben würde, sollten die Werkplätze allerorten eröffnet werden. Und er zeigte sich so begeistert, so voll Vertrauen in die Zukunft, daß dies für Madame Caroline ein neuer Grund war Stillschweigen zu beobachten, so schwer fiel es ihr, diese schöne Freude zu verderben. Indeß drückte sie Zweifel aus und warnte ihn vor jenem Bann, der das Publikum fortriß. Er unterbrach sie und schaute ihr ins Gesicht: wußte sie etwas Verdächtiges? Warum sprach sie nicht? Doch sie schwieg; sie wußte nichts Bestimmtes anzugeben.

Saccard, der Hamelin noch nicht wiedergesehen hatte, hüpfte ihm an den Hals und küßte ihn mit seiner südländischen Ueberschwänglichkeit. Dann, als Hamelin seine letzten Briefe bestätigt und ihm Einzelheiten über das vollständige Gelingen seiner langen Reise mitgetheilt hatte, gerieth Saccard in Begeisterung.

– Oh, mein Lieber, jetzt werden wir die Herren von Paris, die Könige des Marktes sein ... Auch ich habe wacker gearbeitet; ich habe eine außerordentliche Idee. Sie werden sehen.

Sogleich erklärte er ihm seine Kombination, um das Kapital von hundert auf hundertfünfzig Millionen zu erhöhen, indem hunderttausend neue Aktien emittirt werden, und um mit einem Schlage alle Aktien zu liberiren, die alten und die neuen. Er bestimmte den Preis der Aktie mit achthundertfünfzig Francs und schuf mit der Prämie von dreihundertfünfzig Francs eine Reserve, welche mit den bei jeder Bilanz zurückgelegten Summen die Höhe von fünfundzwanzig Millionen erreichte; und er brauchte nur die gleiche Summe aufzubringen, um die fünfzig Millionen zu erlangen, welche zur Liberirung der zweimalhunderttausend alten Aktien nothwendig waren. Und da eben hatte er seine außerordentliche Idee, welche darin bestand, eine annäherungsweise Bilanz der Gewinnste des laufenden Jahres aufzustellen, welche – nach seiner Ansicht – mindestens 36 Millionen betragen mußten. Daraus schöpfte er ruhig die fünfundzwanzig Millionen, die ihm noch fehlten. Und in solcher Weise würde die Universalbank am 31. Dezember 1867 ein definitives Kapital von hundertfünfzig Millionen haben, eingetheilt in 300 000 Stück vollständig eingezahlte Aktien. Man unifizirte die Aktien, man fertigte sie auf den Inhaber aus und erleichterte so deren freien Verkehr auf dem Markte. Es war der endgiltige Triumph, eine geniale Idee.

– Jawohl, genial! rief er aus. Das Wort ist nicht zu stark!

Ein wenig betäubt von dieser Darstellung blätterte Hamelin in dem Entwurf und prüfte die Ziffern.

– Diese überstürzte Bilanz gefällt mir nicht, sagte er. Sie geben da den Aktionären wirkliche Dividenden, indem Sie ihre Aktien liberiren, und man muß die Sicherheit haben, daß alle diese Summen auch wirklich gewonnen sind: sonst könnte man uns beschuldigen, daß wir fiktive Dividenden vertheilt haben.

Saccard gerieth in Zorn.

– Was? meine Schätzung ist noch zu bescheiden! Schauen Sie einmal, ob ich nicht besonnen vorgegangen bin: wird die Packetschifffahrt, wird die Silbermine am Karmel, wird die türkische Bank nicht höhere Gewinnste liefern, als die von mir angesetzten? Sie haben wahre Siegesberichte mitgebracht; Alles geht, Alles gedeiht, und nun erheben Sie selbst Zweifel an der Sicherheit unseres Erfolges!

Hamelin lächelte und beschwichtigte ihn mit einer Handbewegung. Doch, doch, er habe Vertrauen; allein, er sei für den regelmäßigen Gang der Dinge.

– In der That, wozu sich überhasten? bemerkte Madame Caroline in sanftem Tone. Könnte man mit dieser Kapitalsvermehrung nicht bis zum April des nächsten Jahres warten? Oder, wenn Sie noch 25 Millionen mehr brauchen, warum emittiren Sie die Aktien nicht sogleich mit zwölfhundert Francs? In solcher Weise könnten Sie es vermeiden, die Gewinnste der nächsten Bilanz zu antizipiren.

Einen Augenblick stockend blickte Saccard sie an; er war erstaunt, daß sie diesen Ausweg gefunden.

– Ohne Zweifel; bei eilfhundert Francs anstatt der achthundertfünfzig würden die hunderttausend Aktien genau die fünfundzwanzig Millionen bringen.

– Nun denn, das Mittel ist gefunden, fuhr sie fort. Sie fürchten doch nicht, daß die Aktionäre sich sträuben werden; sie werden ebenso gut eilfhundert Francs geben, wie sie achthundertfünfzig Francs geben würden.

– Ach ja, gewiß; sie werden Alles geben, was man verlangen wird! Sie werden darum raufen, wer mehr geben darf. Sie rasen jetzt und würden das Bankhaus stürmen, um uns ihr Geld zu bringen.

Aber plötzlich fand er sich wieder und fuhr heftig auf.

– Was erzählen Sie mir da? Ich will nicht eilfhundert Francs verlangen, um keinen Preis! Das wäre wahrhaftig zu dumm und zu einfach. So begreifen Sie doch, daß man in solchen Bankfragen stets auf die Einbildungskraft einwirken muß! Die geniale Idee ist die, daß man den Leuten jenes Geld aus der Tasche hole, welches noch gar nicht darin ist. Da bilden sie sich ein, daß sie es nicht geben und daß man, im Gegentheil, ihnen ein Geschenk macht. Und dann: sehen Sie nicht ein, welchen ungeheuren Effekt diese antizipirte Bilanz machen muß, die in allen Blättern erscheinen und ihre Gewinnstsumme von 36 Millionen im Voraus laut verkünden wird? ... Die Börse wird Feuer fangen; wir werden den Kurs von zweitausend übersteigen; wir werden höher und immer höher gehen und gar nicht mehr stehen bleiben!

Er gestikulirte, richtete sich auf seinen kurzen Beinen auf, wie um größer zu scheinen; und in der That wurde er groß; seine Geberden stürmten den Himmel; er war der Poet des Geldes, den die Zusammenbrüche und die Ruinen nicht klüger machten. Es war sein instinktives System, der Aufschwung seines ganzen Wesens, die Geschäfte in solcher Weise anzupeitschen, in einem dreifachen Galopp seines Fiebers zu führen. Er hatte gewaltsam den Erfolg erpreßt, hatte durch den tollen Lauf der Universalbank alle Begierden angefacht: drei Emissionen in drei Jahren, ein Sprung des Kapitals von fünfundzwanzig Millionen auf fünfzig, dann auf hundert, dann auf hundertfünfzig Millionen, in einem fortschreitenden Verhältniß, welches ein wunderbares Gedeihen zu verheißen schien. Und auch die Dividenden gingen so sprunghaft in die Höhe: im ersten Jahre nichts, dann zehn Francs, dann dreiunddreißig Francs und jetzt 36 Millionen zur Liberirung sämmtlicher Aktien! Und Alldies in der trügerischen Ueberheizung der ganzen Maschine, inmitten fiktiver Aktienzeichnungen, wobei die Gesellschaft Aktien behielt, um glauben zu machen, daß das Kapital voll eingezahlt sei, unter dem Druck, welchen das Spiel an der Börse entschied, wo jede Kapitalsvermehrung eine übertriebene Hausse herbeiführte.

In die Prüfung des Entwurfes vertieft, hatte Hamelin die Ausführungen seiner Schwester nicht unterstützt. Er schüttelte den Kopf und kam zu seinen Bemerkungen über die Einzelheiten zurück.

– Gleichviel, Ihre antizipirte Bilanz ist inkorrekt, da diese Gewinnste noch nicht erworben sind ... Ich spreche gar nicht von unseren Unternehmungen, obgleich sie Katastrophen ausgesetzt sind, wie alle menschlichen Werke ... Aber ich sehe da den Conto Sabatani mit dreitausend und so vielen Aktien, welche mehr als zwei Millionen repräsentiren. Nun, Sie setzen sie in unser Haben, anstatt sie in unser Soll zu setzen, da Sabatani nur unser Strohmann ist. Wir können dies doch eingestehen, da wir unter uns sind ... Ich erkenne hier ferner mehrere unserer Beamten, sogar einige unserer Verwaltungsräthe, lauter Strohmänner! Oh, ich errathe es, Sie müssen es mir nicht erst sagen ... Es erschreckt mich, daß ich so viel eigene Aktien in unserem Besitze sehe. Nicht nur, daß wir nichts einnehmen, wir versetzen uns sogar in einen Zustand der Unbeweglichkeit und werden uns schließlich selbst aufzehren.

Madame Caroline ermuthigte ihn mit ihrem Blick; denn er sprach endlich alle ihre Besorgnisse aus; er fand die Ursache des dumpfen Unbehagens, das mit den wachsenden Erfolgen in ihrem Innern immer mehr anwuchs.

– Ach, das Spiel! murmelte sie.

– Aber wir spielen doch nicht! schrie Saccard. Es ist doch erlaubt seine eigenen Werthe zu stützen und wir wären wahrhaftig dumm, wenn wir nicht darüber wachen würden, daß Gundermann und die Anderen unsere Aktien nicht entwerthen, indem sie à la baisse gegen uns spielen. Wenn sie bisher nicht allzu sehr gewagt haben, so kann dies noch kommen. Darum ist es mir ganz recht, eine gewisse Menge unserer Aktien in der Hand zu haben; und ich sage es Ihnen voraus: ich bin eher bereit welche zu kaufen, als sie auch nur um einen Centime sinken zu lassen.

Diese letzteren Worte hatte er mit außerordentlicher Kraft hervorgestoßen, als hätte er einen Eid geleistet, eher zu sterben, als geschlagen zu werden. Dann bemeisterte er sich und ward ruhiger; mit seiner gemüthlichen, ein wenig verzerrten Miene begann er zu lachen.

– Es scheint, daß man wieder mißtrauisch wird, sagte er. Ich glaubte, daß wir uns über diese Dinge ein für alle Male ausgesprochen haben. Sie haben sich mir anheim gegeben, lassen Sie mich machen. Ich will Sie nur reich, sehr reich sehen!

Er unterbrach sich und dämpfte die Stimme, wie selbst erschreckt von der Ungeheuerlichkeit seines Verlangens.

– Sie wissen nicht, was ich will? Ich will einen Kurs von dreitausend Francs!

Und er zeigte ihn mit einer Handbewegung in der Luft, er sah ihn aufsteigen wie einen Stern, den Horizont der Börse entflammen: diesen siegreichen Kurs von dreitausend Francs.

– Das ist Wahnsinn! sagte Madame Caroline.

– Wenn der Kurs zweitausend Francs überstiegen hat, wird jede weitere Hausse eine Gefahr, erklärte Hamelin; und was mich betrifft, so kündige ich Ihnen an, daß ich verkaufen werde, um bei einer solchen Tollheit nicht »hereinzufallen«.

Allein, Saccard begann leise zu singen. Man sagt immer, man werde verkaufen, aber man verkauft doch nicht. Er wird sie reich machen, selbst gegen ihren Willen. Und er lächelte von Neuem, sehr einschmeichelnd, ein wenig spöttisch.

– Vertrauen Sie sich mir; mich dünkt, daß ich Ihre Geschäfte nicht übel geführt habe ... Sadowa hat Ihnen eine Million eingetragen.

Das war wahr; die Geschwister Hamelin dachten nicht mehr daran: sie hatten diese aus dem trüben Gewässer der Börse gefischte Million angenommen. Sie verharrten einen Augenblick stillschweigend, erbleichend, mit jener Verwirrung im Herzen, welche die anständigen Menschen fühlen, wenn sie nicht mehr sicher sind, ob sie ihre Pflicht erfüllt haben. Waren auch sie vom Aussatze des Spiels erfaßt? Wurden sie von Fäulniß ergriffen in dieser geldwüthigen Umgebung, in welcher ihre Geschäfte sie zu leben zwangen?

– Ohne Zweifel, flüsterte der Ingenieur schließlich; aber wenn ich da gewesen wäre ...

Saccard wollte ihn nicht zu Ende reden lassen.

– Lassen Sie es gut sein und machen Sie sich keine Gewissensbisse; wir haben das Geld den schmutzigen Juden wieder abgenommen!

Darüber erheiterten sich alle drei. Und Madame Caroline, die Platz genommen hatte, machte eine Geberde der Duldsamkeit und der Ergebung. Konnte man sich aufessen lassen und die Anderen nicht aufessen? Das sei nun einmal so im Leben. Man hätte mit gar zu erhabenen Tugenden ausgestattet sein oder in klösterlicher Einsamkeit, frei von allen Versuchungen, leben müssen.

Saccard fuhr jetzt in heiterem Tone fort:

– Thun Sie doch nicht, als ob Sie auf das Geld spieen: denn erstens ist das dumm und dann sind es nur die Unvermögenden, die eine Kraft gering achten ... Es wäre unlogisch, sich in der Arbeit aufzureiben, um die Anderen zu bereichern, ohne sich selbst seinen gebührlichen Antheil zu nehmen. Im Uebrigen können Sie ruhig schlafen.

Er beherrschte sie, gestattete ihnen nicht ein Wort anzubringen.

– Wissen Sie, daß Sie bald eine hübsche Summe in der Tasche haben werden? ... Warten Sie!

Mit dem Ungestüm eines Schülers stürzte er zu dem Tische der Madame Caroline und nahm einen Bleistift und ein Blatt Papier, auf welchem er Ziffernreihen aufstellte.

– Warten Sie! Ich will Ihnen Ihre Rechnung machen ... Oh, ich kenne sie ... Sie hatten bei der Gründung fünfhundert Aktien, welche zweimal verdoppelt wurden und jetzt zweitausend ausmachen. Nach unserer nächsten Emission werden Sie demnach deren dreitausend haben.

Hamelin wollte ihn unterbrechen.

– Nein, nein! Ich weiß, daß Sie in der Lage sind sie zu bezahlen, erstens mit den dreimalhunderttausend Francs Ihrer Erbschaft, dann mit Ihrer Million von Sadowa ... Schauen Sie her! Ihre ersten zweitausend Aktien haben Ihnen viermalhunderttausend Francs gekostet, die anderen tausend werden Ihnen achtmalhundertfünfzigtausend Francs kosten, zusammen zwölfmalhundertfünfundachtzigtausend Francs ... Es bleiben Ihnen denn noch fünfzehntausend Francs, um den jungen Mann zu spielen, Ihre Bezüge von dreißigtausend Francs ungerechnet, welche wir auf sechszigtausend erhöhen wollen.

Wie betäubt hörten ihm Beide zu und schließlich interessirten sie sich sehr lebhaft für diese Ziffern.

– Sie sehen, daß Sie rechtschaffen sind und daß Sie bezahlen, was Sie nehmen ... Doch Alldies sind Kleinigkeiten. Ich wollte nur dahin gelangen ...

Er stand auf, schwang sein Blatt Papier und rief mit siegreicher Miene:

– Bei dem Kurse von 3000 werden Ihre dreitausend Aktien neun Millionen werth sein!

– Wie? Bei dem Kurse von 3000! riefen sie, indem sie gegen diese hartnäckige Thorheit mit lebhaften Geberden protestirten.

– Ohne Zweifel! Ich verbiete Ihnen früher zu verkaufen; ich werde Sie daran zu verhindern wissen, ja, selbst mit Gewalt, kraft des Rechtes, welches man hat, seine Freunde zu verhindern, daß sie Thorheiten begehen ... Den Kurs von 3000 muß ich haben und ich werde ihn haben!

Was konnte man diesem furchtbaren Menschen antworten, dessen durchdringende Stimme, derjenigen eines Hahnes gleichend, den Triumph verkündete? Sie lachten von Neuem und zuckten zum Schein die Achseln. Und sie erklärten, daß sie ganz ruhig seien, der famose Kurs werde niemals erreicht werden. Saccard hatte sich inzwischen wieder an den Tisch gesetzt, und er fuhr fort zu rechnen, machte jetzt seine eigene Rechnung. Hatte er seine dreitausend Aktien bezahlt oder wollte er sie bezahlen? Das blieb unklar. Er mußte sogar eine bedeutend größere Anzahl von Aktien besitzen, aber es war schwer es zu erfahren, denn auch er diente der Gesellschaft als Strohmann und wie wollte man in dem Haufen diejenigen Aktien unterscheiden, die ihm gehörten? Endlose Ziffernreihen warf der Bleistift auf das Papier. Schließlich fuhr er mit einem wüthenden Strich über das Ganze und zerknüllte das Papier. Das und die zwei Millionen, die er aus dem Koth und Blut von Sadowa aufgelesen, bildeten seinen Theil.

– Ich habe ein Stelldichein und verlasse Sie jetzt, sagte er, nach seinem Hute langend. Alles ist abgemacht, nicht wahr? In acht Tagen haben wir die Sitzung des Verwaltungsrathes und unmittelbar darauf die außerordentliche Generalversammlung, welche unsere Anträge zu beschließen haben wird.

Als Madame Caroline und Hamelin – müde und verschüchtert – allein geblieben waren, verharrten sie einen Augenblick in Stillschweigen, einander gegenüber sitzend.

– Was willst Du? erklärte er endlich, gleichsam die geheimen Gedanken seiner Schwester beantwortend, wir sind nun darin und müssen wohl oder übel darin bleiben. Er hat Recht, wenn er sagt, daß es albern wäre, dieses Vermögen von uns zu weisen. Ich habe mich stets nur als einen Mann der Wissenschaft betrachtet, der das Wasser auf die Mühle führt; und ich glaube klares, reichliches Wasser auf die Mühle geführt zu haben, vortreffliche Geschäfte, welchen die Bank ihr so rasches Gedeihen zu verdanken hat ... Nun wohl, da mich kein Vorwurf treffen kann, wollen wir den Muth nicht verlieren, sondern weiter arbeiten.

Sie hatte sich wankend von ihrem Sessel erhoben und stammelte:

– Ach, all' das Geld! all' das Geld!

Von einer unbezwinglichen Aufregung schier erstickt bei dem Gedanken an diese Millionen, die auf sie niedergehen sollten, warf sie sich dem Bruder an den Hals und weinte. Es waren ohne Zweifel Freudenthränen; es war das Glück, ihn endlich würdig belohnt zu sehen für seine Tüchtigkeit und für seine Arbeiten. Aber es waren zugleich Thränen des Kummers, eines Kummers, dessen Ursache sie nicht genau hätte angeben können und in welchem sich Scham und Furcht mengten. Er neckte sie und sie zwangen sich von Neuem zur Heiterkeit; aber es blieb in ihrem Innern ein Gefühl des Unbehagens zurück, eine dumpfe Unzufriedenheit mit sich selbst, der uneingestandene Selbstvorwurf über eine bemakelnde Mitschuld.

– Ja, er hat Recht, wiederholte Madame Caroline. Die ganze Welt treibt es so. Das ist das Leben.

Der Verwaltungsrath versammelte sich in dem neuen Saale des prächtigen Hôtels der Bank in der Rue de Londres. Das war nicht mehr der feuchte Salon, welchen der fahle Wiederschein des benachbarten Gartens in ein grünliches Licht tauchte, sondern ein geräumiger Saal, durch vier auf die Straße gehende Fenster das Licht empfangend, und dessen Plafond und herrliche Wände mit großen Gemälden und reichlichem Goldaufwande geschmückt waren. Das Fauteuil des Präsidenten war ein wirklicher Thron und beherrschte die übrigen Fauteuils, die prunkvoll und ernst sich an einander reihten – wie für eine Versammlung königlicher Minister – rings um den riesigen Tisch, welcher mit einem Teppich von rothem Sammt bedeckt war. Und auf dem monumentalen Kamin von weißem Marmor, in welchem zur Winterszeit ganze Bäume loderten, stand eine Büste des Papstes, ein liebenswürdiges, schlaues Gesicht, welches boshaft darüber zu lächeln schien, daß er sich hier befand.

Saccard hatte schließlich sämmtliche Mitglieder des Verwaltungsrathes in seine Gewalt bekommen, die Mehrzahl derselben ganz einfach so, daß er sie kaufte. Der Marquis de Bohain, der sich in einer Bestechungs-Angelegenheit, welche hart an Betrug streifte, kompromittirt hatte, indem er sozusagen auf frischer That ertappt wurde, hatte mit Hilfe Saccards den Skandal unterdrückt, indem er die betrogene Gesellschaft entschädigte; und so war er sein unterthäniges Geschöpf geworden, was ihn nicht hinderte den Kopf hoch zu tragen, als die Blüthe des Adels und die schönste Zier des Verwaltungsrathes Huret, welchen der Minister Rougon nach dem Diebstahl der Depesche über die Abtretung Venetiens davon gejagt hatte, hatte sich seitdem ganz und gar dem Glück der Universalbank gewidmet; er war ihr Vertreter im gesetzgebenden Körper, er fischte für sie in den trüben Gewässern der Politik und behielt den größten Antheil an seinen schamlosen Maklergeschäften für sich, die ihn eines Tages in das Gefängniß von Mazas führen konnten. Der Vizepräsident der Gesellschaft, Vicomte von Robin-Chagot, erhielt im Geheimen eine Prämie von hunderttausend Francs dafür, daß er während der langen Abwesenheiten Hamelins die Schriftstücke der Gesellschaft unterfertigte, ohne sie auf ihren Inhalt zu prüfen. Auch der Bankier ließ sich seine passive Willfährigkeit bezahlen, indem er im Auslande die Macht des Bankhauses ausnützte, welches er in seinen Arbitrage-Geschäften manchmal schier kompromittirte. Und selbst Sédille, der Seidenhändler, den eine furchtbare Liquidation erschüttert hatte, war mit einer bedeutenden Summe Schuldner der Bank und konnte nicht bezahlen. Daigremont allein bewahrte Saccard gegenüber seine absolute Unabhängigkeit; und dies beunruhigte den Letzteren zuweilen, obwohl der liebenswürdige Mann freundlich blieb, ihn zu seinen Festen einlud, ebenfalls Alles ohne Bemerkung unterzeichnete, mit seiner Gemüthlichkeit eines Parisers, welcher fand, daß Alles gut sei, so lange er gewann.

Trotz der ungewöhnlichen Wichtigkeit der Sitzung wurde an jenem Tage die Berathung ebenso rasch abgewickelt, wie an den anderen Tagen. Es war schon zur Gewohnheit geworden: man arbeitete nur in den kleinen Verwaltungsraths-Sitzungen am 15. des Monats; die großen Verwaltungsraths-Sitzungen am Schlusse des Monats bestätigten bloß in feierlicher Weise die Beschlüsse. Die Gleichgiltigkeit der Verwaltungsräthe war eine solche, daß die Protokolle bei der ewigen Banalität der allgemeinen Zustimmung drohten, immer gleichförmig, immer die nämlichen zu sein; darum brachte man einige Abwechselung in diese Protokolle, indem man gewisse Skrupel, gewisse Bemerkungen der Mitglieder, eine ganze ersonnene Diskussion einflocht, welche man in der nächsten Sitzung ohne Erstaunen verlesen hörte und ohne zu lachen unterschrieb.

Daigremout war hervorgestürzt, um Hamelin die Hände zu drücken; ihm waren die guten und großen Nachrichten schon bekannt, welche Jener mitgebracht hatte.

– Oh, mein theurer Präsident, wie freue ich mich, Sie beglückwünschen zu können!

Alle umringten ihn, feierten ihn; auch Saccard that so, als hätte er ihn seit seiner Rückkehr noch nicht gesehen. Und als die Sitzung eröffnet war und Hamelin die Lesung des Berichtes begann, welchen er der Generalversammlung vorlegen sollte, hörte man zu, was man sonst niemals that. Die erzielten schönen Resultate, die großartigen Zukunftsverheißungen, die scharfsinnig erdachte Kapitalsvermehrung, welche zugleich die alten Aktien liberirte: Alldas wurde mit bewunderndem Kopfnicken aufgenommen. Und kein Einziger kam auf den Gedanken, Erklärungen herbeizuführen. Die Sache war ausgezeichnet. Als Sédille einen Irrthum in einer Ziffer bemängelte, kam man überein, seine Bemerkung in das Protokoll nicht aufzunehmen, um die schöne Uebereinstimmung der Mitglieder nicht zu stören, welche nach der Reihe rasch unterschrieben, noch unter dem Eindruck der Begeisterung, ohne jede Bemerkung.

Die Sitzung war schon aufgehoben; die Herren standen in Gruppen umher, lachten und scherzten in dem goldstrotzenden Saale. Der Marquis von Bohain schilderte eine Jagd in Fontainebleau; während der Deputirte Huret, der in Rom gewesen war, erzählte, wie er von dort den päpstlichen Segen mitgebracht. Kolb war soeben verschwunden, er eilte zu einem Rendezvous. Die anderen Verwaltungsräthe, jene, welche gleichsam das stumme Gefolge bildeten, empfingen von Saccard mit leiser Stimme ertheilte Weisungen über die Haltung, welche sie in der bevorstehenden Generalversammlung zu beobachten haben würden.

Daigremont jedoch, welchen der Vicomte von Robin-Chagot mit seinem übertriebenen Lob über den Bericht Hamelins langweilte, faßte den eben vorübergehenden Direktor beim Arm, um ihm ins Ohr zu flüstern:

– Nur nicht zu viel Wind machen, ja?

Saccard blieb stehen und schaute ihn an. Er erinnerte sich, wie sehr er am Beginn gezögert hatte, diesen Mann zur Unternehmung heranzuziehen, weil ihm dessen Unzuverlässigkeit bekannt war.

– Ach, wer mich liebt, geht mit mir! antwortete er sehr laut, so daß Alle es hören konnten.

Drei Tage später fand im großen Festsaale des Hôtels du Louvre die außerordentliche Generalversammlung statt. Für diese Feierlichkeit hatte man den ärmlichen kleinen Saal in der Ru Blanche zu gering gefunden. Man wollte eine Festgalerie, in welcher die Luft – zwischen einem Banket und einem Hochzeitsball – noch nicht völlig abgekühlt war. Laut den Statuten mußte man der Inhaber von wenigstens 20 Stück Aktien sein, um zur Generalversammlung zugelassen zu werden und es kamen mehr als 1200 Aktionäre, welche 4000 und einige Stimmen repräsentirten. Die Formalitäten des Einlasses, die Vorzeigung der Karten und die Eintragung in das Register erforderten nahezu zwei Stunden. Der Saal war von einem Geräusch fröhlicher Gespräche erfüllt, aus welchen alle Verwaltungsräthe und hohen Beamten der Universalbank herauszuhören waren. Sabatani war da – inmitten einer Gruppe – und sprach von dem Orient, seinem Vaterlande, mit einschmeichelnder, schmachtender Stimme. Er erzählte Wunderdinge, als brauchte man sich dort nur zu bücken, um das Silber, das Gold und die Edelsteine aufzulesen; und Maugendre, welcher im Juni, von der Hausse überzeugt, 500 Aktien der Universalbank zu 1200 gekauft hatte, hörte ihm mit offenem Munde zu und war innerlich entzückt von seiner guten Witterung; während Jantrou, der, seitdem er reich war, endgiltig in einer unfläthig ausschweifenden Lebensweise versank, unter der Nase ironisch kicherte, schwer niedergedrückt nach den Ausschweifungen des gestrigen Tages. Nachdem das Bureau gewählt war und Präsident Hamelin die Sitzung eröffnet hatte, wurde der Rechnungsrevisor Lavignière, welchen man zur Stelle eines Verwaltungsrathes erhoben hatte, eingeladen, einen Bericht über die finanzielle Lage der Gesellschaft zu verlesen, so wie sie sich am 31. Dezember des laufenden Jahres gestalten würde; um den Statuten gerecht zu werden, war dies eine Art, die anticipirte Bilanz, von welcher in der Versammlung die Rede sein sollte, im Vorhinein zu kontroliren. Er erinnerte an die Bilanz des vorigen Geschäftsjahres, welche in der ordentlichen Generalversammlung im April vorgelegt worden, an jene herrliche Bilanz, welche ein Reinerträgniß von 11 ein halb Millionen ausgewiesen und nach dem Abschlag von 2 Prozent für die Aktionäre, von 10 Prozent für die Verwaltungsräthe und von 10 Prozent für den Reservefond noch die Vertheilung einer Dividende von 33 Prozent gestattet hatte. Dann stellte er mit einer Fluth von Ziffern fest, daß die Summe von 36 Millionen, welche als annäherungsweiser Gewinnstbetrag des laufenden Jahres angegeben wurde, ihm nicht nur nicht übertrieben, sondern hinter den berechtigten Hoffnungen noch zurückbleibend scheine. Ohne Zweifel sprach er in gutem Glauben und er mochte die ihm vorgelegten Rechnungen gewissenhaft geprüft haben; allein nichts ist trügerischer, als ein solches Vorgehen, denn um eine Schlußrechnung vom Grund auf zu prüfen, muß man eine zweite Schlußrechnung vom Anfang bis zum Ende aufstellen. Die Aktionäre hörten ihm übrigens nicht zu. Blos einige blind-gläubige, Maugendre und Andere, welche eine oder zwei Stimmen repräsentirten, tranken jedes seiner Worte inmitten des andauernden Gemurmels der Versammlung. Die Kontrole der Rechnungsrevisoren hatte ja nicht die mindeste Bedeutung. Ein andächtiges Stillschweigen trat erst ein, als Hamelin sich endlich erhob. Lautes Händeklatschen ging durch den Saal, noch bevor er den Mund geöffnet, als eine Huldigung für seinen Eifer, für das ausdauernde und kühne Genie dieses Mannes, der nach fernen Landen gegangen war, um Tonnen Goldes zu finden, die er über Paris ausschütten wollte. Und fortan war das Ganze nur ein wachsender Erfolg, der zur Apotheose anstieg. Ein neuer Hinweis auf die Bilanz vom vergangenen Jahre, für deren Verlesung sich Lavignière kein Gehör hatte verschaffen können, wurde ebenfalls mit lautem Beifall aufgenommen. Die Abschätzungen über die nächste Bilanz erregten aber am meisten die allgemeine Freude: Millionen bei der Packetschifffahrt, Millionen aus den Silberminen des Karmelgebirges, Millionen aus der türkischen Nationalbank. Und die Auszählung dieser Summen nahm kein Ende, die 36 Millionen gruppirten sich ganz leicht, in natürlicher Weise und plätscherten wie ein geräuschvoller Wasserfall in die Versammlung. Dann erweiterte sich der Horizont der künftigen Unternehmungen noch mehr. Die Gesellschaft der Orientbahnen tauchte auf, zuerst die große Centrallinie, deren Arbeiten bevorstanden, nachher die Zweiglinien, ein ganzes Netz moderner Industrie über Asien gezogen, die siegreiche Rückkehr der Menschheit zu ihrer Wiege, die Wiedererstehung einer Welt; während in nebelhafter Ferne, zwischen zwei Phrasen jene Sache auftauchte, die nicht ausgesprochen wurde, das Mysterium, die Krönung des Gebäudes, welches alle Völker in Erstaunen versetzen sollte. Und es herrschte volle Einhelligkeit in der Generalversammlung, als zum Schluß Hamelin die Anträge erklärte, welche er dem Votum der Generalversammlung unterbreiten wollte; das Kapital sollte auf 150 Millionen erhöht, hunderttausend neue Aktien sollten zu 850 Francs emittirt, die alten Aktien liberirt werden, dank einer Prämie für die neuen Aktien und dank den Gewinnsten der künftigen Bilanz, über welche man im vorhinein verfügte. Ein Donner von Bravorufen empfing diese geniale Idee. Ueber allen Köpfen sah man die großen, plumpen Hände Maugendres, die mit aller Macht ineinanderschlugen. Die Verwaltungsräthe und die Beamten des Hauses, die in den ersten Bänken saßen, geberdeten sich wie rasend, beherrscht von Sabatani, der sich erhoben hatte und »Bravo, Bravo!« rief, wie im Theater. Sämmtliche Anträge wurden mit Begeisterung zum Beschlusse erhoben.

Indessen hatte Saccard einen Zwischenfall vorbereitet, der sich jetzt abspielte. Es war ihm nicht unbekannt, daß man ihn des Spiels beschuldigte und er wollte selbst den geringsten Argwohn der mißtrauischen Aktionäre, wenn solche im Saale anwesend waren, verwischen.

Jantrou, den er für die Rolle abgerichtet hatte, erhob sich jetzt.

– Herr Präsident, begann er mit seiner teigichten Stimme, ich glaube der Dolmetsch vieler Aktionäre zu sein, wenn ich bitte, es möge in aller Form festgestellt werden, daß die Gesellschaft keine einzige ihrer eigenen Aktien besitzt.

Hamelin, der von der Sache nicht im voraus verständigt worden, blieb einen Augenblick verlegen. Instinktmäßig wandte er sich zu Saccard, der bis jetzt unbemerkt auf seinem Platze gesessen und sich jetzt plötzlich erhob, wie um seine kleine Gestalt größer erscheinen zu lassen, und mit seiner durchdringenden Stimme antwortete:

– Keine einzige, Herr Präsident!

Auf diese Antwort ertönten neue Bravorufe, man wußte nicht warum. Wenn er im Grunde log, so war die Wahrheit dennoch die, daß die Gesellschaft keine einzige Aktie unter ihrem Namen besaß, da Sabatani und Andere sie deckten. Und das war Alles; man klatschte noch einmal Beifall und die Versammlung ging sehr geräuschvoll und in sehr froher Stimmung auseinander.

Der Bericht über diese Sitzung erschien in den folgenden Tagen in den Zeitungen und brachte an der Börse und in ganz Paris eine ungeheure Wirkung hervor. Jantrou hatte für diesen Augenblick einen letzten Ansturm von Reklamen bereit gehalten, die betäubendsten Fanfaren, welche von den Trompeten der Oeffentlichkeit jemals ausgestoßen worden. Es kam sogar ein kleiner Scherz in Umlauf; man erzählte, daß er die Worte » Kaufen Sie Universalbank!« in die geheimsten und heikelsten Winkel der liebenswürdigen Damen habe tätowiren lassen, die er dann in Verkehr gesetzt habe. Ueberdies hatte er endlich seinen großen Zug, durchgeführt und die » Cote financière« angekauft, ein altes, solides Blatt, welches eine achtenswerthe Rechtschaffenheit von zwölf Jahren hinter sich hatte. Der Preis war ein hoher gewesen; allein, die ernste Kundschaft, die zaghaften Spießbürger, die reichen, vorsichtigen Leute, all' das Geld, das sich selbst respektirt: sie wurden durch das Blatt gewonnen. In zwei Wochen erreichte man an der Börse den Kurs von fünfzehnhundert; in der letzten Augustwoche stieg der Kurs in rapiden Sätzen auf zweitausend. Die Vorliebe des Publikums für dieses Papier war noch deutlicher zutage getreten; bei dem epidemischen Fieber des Agios hatte die Tollheitskrise sich von Stunde zu Stunde verschärft. Man kaufte und kaufte, selbst die Klügsten kauften in der Ueberzeugung, daß das Papier noch höher steigen werde, bis in das Unendliche. Es erschlossen sich die geheimnißvollen Höhlen aus Tausend und einer Nacht, die unermeßlichen Schätze der Khalifen wurden dem Heißhunger von Paris ausgeliefert. Alle die Träume, die seit Monaten geflüstert wurden, schienen vor dem entzückten Publikum sich zu verwirklichen: die Wiege der Menschheit wurde wieder erobert, die alten historischen Städte der asiatischen Küste aus dem Sande neu aufgebaut; Damaskus, dann Bagdad, dann Indien und China ausgebeutet durch den Eroberungszug unserer Ingenieure. Was Napoleon mit seinem Schwerte nicht vollbracht hatte, die Eroberung des Orients, das verwirklichte eine Finanz-Gesellschaft, indem sie eine Armee von Spitzhacken und Schubkarren über jene Länder losließ. Man eroberte Asien, indem man Millionen daran wendete, um Milliarden an Nutzen daraus zu ziehen. Und ganz besonders triumphirte der Kreuzzug der Frauen in den kleinen intimen Fünf-Uhr-Gesellschaften, bei den großen Mitternachts-Empfängen der vornehmen Kreise, bei Tische und in den Alkoven. Sie hatten es richtig vorausgesehen: Konstantinopel war gewonnen, bald wird man auch Brussa haben, Angora und Aleppo, später Smyrna und Trapezunt, alle Städte, welche die Universalbank belagerte, bis zu dem Tage, an welchem man auch von der letzten Besitz ergreifen würde, von der heiligen Stadt, von derjenigen, die man nicht nannte, welche gleichsam die fromme Verheißung der fernen Expedition war. Die Väter, die Gatten, die Liebhaber, von diesem leidenschaftlichen Eifer überwältigt, sollten fortan ihre Aufträge den Wechselagenten nur mit dem wiederholten Rufe ertheilen: Gott will es! Und schließlich kam die erschreckende Menge der Kleinen, die trappelnde Horde, die den großen Armeen folgt; die Leidenschaft, die aus dem Salon in die Gesindestube hinabgestiegen ist, vom Bürger zum Arbeiter und Bauer, und welche in diesen tollen Galopp der Millionen arme Unterzeichner hineinhetzte, die nur eine, drei, vier, zehn Aktien hatten, Hausmeister, die sich anschicken, sich zur Ruhe zu setzen, alte Fräulein, die in Gesellschaft einer Katze ihre Tage hinbringen, Altersversorgte in der Provinz, die ein Tagesbudget von zehn Sous haben, Landpriester, die durch Almosengeben arm geworden, die ganze fahle, hungrige Masse von kleinen Rentiers, welche eine Börsen-Katastrophe hinwegfegt gleich einer Epidemie und in ein Massengrab schleudert.

Und diese Erhebung der Papiere der Universalbank, dieser Aufschwung, der sie emportrug wie mit einem mächtigen Hauch der Andacht, schien sich bei den immer lauteren Musikklängen zu vollziehen, die von den Tuilerien und dem Marsfelde aufstiegen, von den unaufhörlichen Festen, mit welchen die Ausstellung Paris wie in einen Wahnsinnstaumel versetzte. Die Fahnen klatschten lauter in der schweren Luft der heißen Tage; es gab keinen Abend, an welchem die in Feuer getauchte Stadt nicht unter dem Sternenhimmel funkelte wie ein kolossaler Palast, in welchem die Schwelgerei bis zum Morgen tobte. Die Lust hatte ein Haus nach dem andern ergriffen; die Straßen waren wie in einem Rausche; ein Gewölk röthlicher Dünste, der Rauch der Gelage, der Schweiß der Paarungen zog sich nach dem Horizonte hin, und wälzte über den Dächern eine Nacht von Sodoma, von Babylon, von Ninive fort. Seit dem Monat Mai waren die Kaiser und Könige aus allen Welttheilen heran gepilgert, mit Gefolgen ohne Zahl, nahezu hundert Herrscher und Herrscherinnen, Prinzen und Prinzessinnen. Paris war gesättigt mit Majestäten und Hoheiten; es hatte dem Kaiser von Rußland und dem Kaiser von Oesterreich, dem Sultan und dem Vizekönig von Egypten zugejubelt und es hatte sich schier unter die Räder der Karrossen geworfen, um den König von Preußen zu sehen, dem Herr von Bismarck folgte wie eine treue Dogge. Unaufhörlich donnerten die Freudensalven am Palais der Invaliden, während die Menge, die sich in der Ausstellung drängte, den ungeheuren, Unheil drohenden Krupp'schen Kanonen, welche Deutschland ausgestellt hatte, einen populären Erfolg bereitete. Fast jede Woche zündete die Oper ihre Lüster zu irgend einer Festvorstellung an. Es gab ein lebensgefährliches Gedränge in den kleinen Theatern und in den Restaurants, die Trottoirs waren nicht breit genug für den entfesselten Strom der Prostitution. Und Napoleon III. bestand darauf, eigenhändig die Belohnungen an die sechszigtausend Aussteller zu vertheilen, in einer Festes-Zeremonie, welche an Großartigkeit und Pracht alle anderen übertraf; es war die leuchtende Glorie auf der Stirn von Paris, der Strahlenglanz dieser Herrschaft, wo der Kaiser inmitten einer trügerischen Zauberfeier erschien, als der Gebieter Europas, welcher mit der Ruhe der Kraft sprach und den Frieden verhieß. Noch an demselben Tage erfuhr man in den Tuilerien die furchtbare Katastrophe von Mexiko, die Exekution Maximilians, die nutzlose Vergeudung französischen Blutes und französischen Goldes; und man verheimlichte die Nachricht, um das Fest nicht zu stören. Es war der erste Schlag der Todtenglocke an diesem herrlichen, sonnestrahlenden Abend.

Und inmitten jener Herrlichkeit schien es, als stiege auch Saccards Stern immer höher, bis zu seinem größten Glanze. Das Glück, um welches er sich seit so vielen Jahren bemüht hatte, – er besaß es endlich als seinen Sklaven, wie eine ihm gehörende Sache, über welche man verfügt, die man unter Verschluß hält, lebendig und materiell. So oft hatte die Lüge in seinen Kassen gehaust; so viele Millionen waren hindurchgeflossen, durch alle Arten unsichtbarer Löcher verschwindend. Nein, das war nicht mehr der trügerische Reichthum der Außenseite, es war das wirkliche Königthum des Goldes, fest und auf vollen Säcken thronend. Und er übte sein Königthum nicht wie ein Gundermann aus, dank den Ersparnissen eines ganzen Bankier-Geschlechtes; er schmeichelte sich stolz, es durch sich selbst errungen zu haben, als Abenteurer-Kapitän, der durch einen Handstreich ein Königreich erwirbt. Zur Zeit seiner Spekulation mit den Baugründen des Quartier de l'Europe war er oft sehr hoch gestiegen; aber niemals hatte er das bezwungene Paris so demüthig zu seinen Füßen gesehen. Und er erinnerte sich des Tages, wo er bei Champeaux sein Frühmahl einnahm und – wieder einmal ruinirt, an seinem Stern zweifelnd – gierige Blicke auf die Börse warf, von dem Fieber ergriffen Alles von Neuem zu beginnen, um in einer Wuth der Vergeltung Alles wieder zu erobern. Welch' leckere Genüsse gönnte er sich denn auch zu dieser Stunde, da er wieder der Herr geworden! Vor Allem verabschiedete er Huret, als er sich allmächtig fühlte, und beauftragte Jantrou, gegen Rougon einen Artikel loszulassen, wo der Minister im Namen der Katholiken rundheraus beschuldigt wurde, in der römischen Frage ein Doppelspiel gespielt zu haben. Das war eine endgiltige Kriegserklärung zwischen den zwei Brüdern. Seit der Konvention vom 15. September 1864, besonders seit Sadowa thaten die Klerikalen, als wären sie wegen der Lage des Papstes lebhaft beunruhigt und seither nahm auch die »Hoffnung« ihre frühere ultramontane Politik wieder auf und griff das liberale Kaiserreich heftig an, jenes Kaiserreich, wie die Dekrete vom 19. Jänner es zu gestalten begonnen hatten. In der Kammer zirkulirte ein Wort Saccards: er sagte, daß er trotz seiner tiefen Ergebenheit für den Kaiser sich eher für Heinrich V. entschließen als zugeben würde, daß der revolutionäre Geist Frankreich Katastrophen entgegenführe. Später, als seine Kühnheit mit seinen Siegen wuchs, verheimlichte er nicht mehr seinen Plan, die jüdische Bankwelt in der Person Gundermanns anzugreifen, in dessen Milliarde eine Bresche gelegt werden mußte, bis es schließlich zum Sturm und zur endgiltigen Niederwerfung kommen würde. Die Universalbank war so wunderbar groß geworden, – warum sollte dieses Bankhaus, von der ganzen Christenheit gestützt, nicht nach einigen weiteren Jahren die souveraine Beherrscherin der Börse werden? Und er spielte sich auf den Rivalen auf, auf den Nachbarkönig, mit gleicher Macht ausgerüstet, voll kriegerischer Listen; während Gundermann sehr phlegmatisch, ohne sich auch nur ein ironisches Lächeln zu gestatten, fortfuhr zu spähen und zu warten, blos mit interessirter Miene angesichts der fortdauernden Hausse der Aktien, als ein Mann, dessen ganze Stärke in der Geduld und in der Logik liegt.

Die Leidenschaft war's, die Saccard so hoch emportrug und die Leidenschaft mußte ihn auch verderben. In der Sättigung seiner Begierden hätte er an sich einen sechsten Sinn entdecken mögen, um ihn zu befriedigen. Madame Caroline, die an dem Punkte angelangt war stets zu lächeln, selbst dann, wenn ihr Herz blutete, blieb ihm eine Freundin, die er mit einer Art ehelichen Respektes anhörte. Die Baronin Sandorff, deren blaue Augenlider und rothe Lippen entschieden logen, bereitete ihm kein Vergnügen mehr; inmitten ihrer verderbten Neugierde war sie kalt wie eine Eisscholle. Uebrigens hatte er selbst niemals große Liebesleidenschaften gekannt; er gehörte zu den Geldmenschen, welche allzusehr beschäftigt sind, ihre Nerven anderswo ausgeben, die Liebe nach dem Monat bezahlen. Als er dann, auf dem Haufen seiner neuen Millionen sitzend, den Einfall hatte sich ein Weib zu gönnen, wollte er nur ein sehr theures kaufen, um es vor ganz Paris zu besitzen, etwa wie er sich mit einem sehr großen Brillanten beschenkt haben würde, mit der bloßen Eitelkeit, ihn in sein Halstuch zu stecken. Und war dies nicht eine ausgezeichnete Reklame? Ein Mann, der viel Geld für eine Frau aufwenden konnte, galt auch anerkanntermaßen als reich. Seine Wahl fiel sogleich auf Madame de Jeumont, bei welcher er mit Maxime einige Male gespeist hatte. Sie war noch sehr schön mit 36 Jahren, von der regelmäßigen und ernsten Schönheit einer Juno, und ihr großer Ruf stammte davon her, daß der Kaiser ihr eine Nacht mit hunderttausend Francs bezahlt hatte, die Auszeichnung ungerechnet, welche ihr Gatte erhalten hatte, ein korrekter Mann, der keine andere Stellung hatte als die Rolle, der Gatte seiner Frau zu sein. Beide führten ein üppiges Leben, gingen überallhin, zu den Empfängen der Minister und des Hofes, ernährten sich von seltenen, sorgfältig gewählten Liebeshändeln, begnügten sich mit drei, vier Nächten im Jahr. Man wußte, daß sie sehr hoch im Preise stand; es gehörte zur größten Vornehmheit sie zu besitzen. Und Saccard, den besonders das Verlangen plagte, von diesem kaiserlichen Bissen zu kosten, ging bis zu zweimalhunderttausend Francs, weil der Gatte anfänglich eine geringschätzige Miene vor diesem ehemaligen zweideutigen Finanzmann gemacht hatte, von welchem er fand, daß er eine zu geringe Persönlichkeit und von einer kompromittirenden Sittenlosigkeit sei.

Es geschah um dieselbe Zeit, daß die kleine Madame Conin sich rundwegs weigerte, sich mit Saccard zu unterhalten. Er war ein häufiger Besucher der Papierhandlung in der Rue Feydeau; er hatte immer Notizbücher zu kaufen, angelockt von dieser anbetungswürdigen, rosigen, molligen Blonden mit dem seidenfeinen, mattblonden Schneehaar, von diesem kleinen Kraushammel, so anmuthsvoll, so einschmeichelnd, stets heiter.

– Nein, ich will nicht; mit Ihnen niemals!

Wenn sie ihr »niemals« gesprochen hatte, dann war dies eine abgemachte Sache und nichts konnte sie bewegen von ihrer Weigerung abzukommen.

– Aber warum nicht? Ich habe Sie doch mit einem Andern gesehen, eines Tages, als Sie aus einem Gasthofe im Passage des Panoramas traten ...

Sie erröthete, hörte aber nicht auf ihm kühn in das Gesicht zu schauen. Jener Gasthof, von einer ihr befreundeten alten Dame gehalten, diente ihr in der That als Schauplatz ihres Stelldicheins, wenn ihr die Laune kam, sich einem Herrn von der Börse hinzugeben, in den Stunden, wo ihr wackerer Ehegatte seine Registerbücher kleisterte, während sie in der Stadt Geschäftsgänge zu besorgen hatte.

– Sie wissen ja? Gustav Sédille, jener junge Mann, Ihr Geliebter? fuhr Saccard fort.

Sie widersprach mit einer allerliebsten Handbewegung. Nein, nein, sie hatte keinen Liebhaber. Kein Mann konnte sich rühmen sie zweimal besessen zu haben. Für wen hielt er sie denn? Einmal ja, zufällig, zum Vergnügen, ohne daß sie die Sache weiter verfolgen würde. Und Alle blieben ihre Freunde, ihre dankbaren, verschwiegenen Freunde.

– Sie wollen nicht, weil ich nicht mehr jung bin, wie?

Sie machte abermals eine Bewegung und lachte immerfort, als wollte sie zu verstehen geben, daß sie sich wenig darum kümmere, ob Einer jung sei. Sie hatte sich schon weniger jungen, weniger schönen hingegeben, oft ganz armen Teufeln.

– Warum dann nicht?

– Mein Gott, das ist sehr einfach, Sie gefallen mir nicht. Mit Ihnen niemals.

Sie blieb trotzdem sehr freundlich ihm gegenüber und schien sehr trostlos ihn nicht befriedigen zu können.

– Hören Sie, begann er von Neuem, Sie sollen bekommen was Sie verlangen. Wollen Sie tausend, zweitausend Francs für einmal, für ein einzigesmal?

Auf jedes neuere Angebot antwortete sie mit einem artigen Kopfschütteln.

– Hören Sie: wollen Sie zehntausend, wollen Sie zwanzigtausend Francs?

Sie unterbrach ihn, indem sie sachte ihre Hand auf die seinige legte.

– Nicht zehn, nicht fünfzig, nicht hunderttausend Francs! Sie könnten noch lange so in die Höhe gehen, ich würde immer Nein sagen ... Sie sehen, ich trage nicht ein Juwel. Man hat mir Geld, man hat mir von Allem angeboten, ich will aber nichts. Genügt es denn nicht, wenn man sein Vergnügen dabei hat? ... So verstehen Sie doch, daß mein Mann mich von ganzem Herzen liebt und daß auch ich ihn sehr liebe. Mein Mann ist ein sehr rechtschaffener Mensch. Nun ist es doch sicher, daß ich ihm keinen tödtlichen Kummer verursachen werde ... Was soll ich mit Ihrem Gelde anfangen, da ich es nicht meinem Manne geben kann? Uns geht es nicht schlecht; wir werden uns einst mit einem hübschen Vermögen von den Geschäften zurückziehen; und wenn alle die Herren so freundlich sind, ihren Bedarf weiter bei uns anzuschaffen, so nehme ich Das gern an ... Oh, ich will mich nicht für selbstloser geben als ich bin. Wenn ich allein wäre, würde ich sehen. Aber – noch einmal – Sie werden sich doch nicht vorstellen, daß mein Mann Ihre hunderttausend Francs annehmen würde, nachdem ich mit Ihnen geschlafen? ... Nein, nein, nicht für eine Million!

Und dabei beharrte sie. Erbittert durch diesen unerwarteten Widerstand verfolgte Saccard einen Monat hindurch seine Bewerbungen. Sie brachte ihn um seine Ruhe mit ihrem lachenden Gesichte und ihren großen, mitleidigen Augen. Wie? konnte man für Geld nicht Alles haben? Das war eine Frau, welche Andere umsonst besessen hatten, während er ihr einen wahnsinnigen Preis vergebens anbot! Sie sagte nein; das war ihr Wille. Er litt dadurch grausam in seinem Triumph, wie durch einen Zweifel an seiner Macht, wie durch eine geheime Enttäuschung über die Macht des Goldes, die er bisher für eine Alles beherrschende gehalten hatte.

Eines Abends jedoch hatte er die Freude, seine Eitelkeit voll befriedigt zu sehen. Es war Ball im Ministerium des Aeußern und er hatte dieses aus Anlaß der Ausstellung gegebene Fest gewählt, um von seinem Glücke einer Liebesnacht mit Frau von Jeumout öffentliche Kunde zu geben. Denn zu dem Handel, welchen diese schöne Frau abzuschließen pflegte, gehörte stets auch die Vergünstigung, daß der glückliche Ersteher sich einmal mit ihr zeigen durfte, so daß die Angelegenheit die gewünschte volle Oeffentlichkeit erlangte. Um Mitternacht betrat Saccard, mit Frau von Jeumont am Arm und gefolgt von dem Gatten, die Salons, wo die nackten Schultern sich zwischen den schwarzen Fräcken drängten. Als sie erschienen, traten die Gruppen zur Seite; man öffnete einen breiten Weg dieser Laune von zweimalhunderttausend Francs, die sich hier breit machte, diesem Skandal, der sich aus wüthenden Begierden und wahnsinniger Freigebigkeit zusammensetzte. Die Leute lächelten und flüsterten, vergnügt, ohne Zorn, inmitten des betäubenden Geruches, der aus den Leibchen der Frauen aufstieg, umrauscht von den Klängen der Musik. Im Hintergrunde eines Salons drängte sich eine andere Fluth von Neugierigen um einen Koloß, welcher die schimmernde, prachtvolle weiße Uniform der preußischen Kürassiere trug und laut lachte. Es war Graf Bismarck, dessen hohe Gestalt über alle Köpfe hinausragte, mit großen Augen, starker Nase, einem mächtigen Gebiß und dem Schnurrbart eines barbarischen Eroberers. Nach Sadowa hatte er Deutschland an Preußen geliefert; die Bündnißverträge gegen Frankreich waren – obgleich seit Monaten geleugnet – seit Monaten unterschrieben. Und der Krieg, der im Mai wegen Luxemburgs bald ausgebrochen wäre, war fortan verhängnißvoll sicher. Als Saccard triumphirend durch den Saal ging, mit Frau von Jeumont am Arm und von dem Gatten gefolgt, hielt Graf Bismarck einen Augenblick im Lachen inne, als gutmüthiger Riese, der einen Spaß versteht, und schaute mit neugierigen Blicken, wie sie vorbei gingen.

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