Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Salvatore Farina >

Das Geheimnis des Schneefeldes

Salvatore Farina: Das Geheimnis des Schneefeldes - Kapitel 11
Quellenangabe
authorSalvatore Farina
titleDas Geheimnis des Schneefeldes
publisherVerlag von Otto Janke
yearo.J.
translatorEmil Thieben
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180309
projectid1f4a18c5
Schließen

Navigation:

Zehntes Kapitel.

Wenn man nach diesen seltsamen Ereignissen, von denen man nicht recht wußte, ob es wirkliche Ereignisse oder nur Phantasien waren, urteilen wollte, schien diese Irma der guten Frau Caterina eine Person, die an einem schrecklichen Leiden erkrankt war, das ihr Bewußtsein in gewissen Stunden lähmte. Hätte ein Arzt dem Geständnisse Irmas beiwohnen können, wäre seine Diagnose wahrscheinlich Nervenschwäche mit Hysterie verbunden gewesen, und er hätte wohl eine Behandlung mit kalten Einpackungen und Verabreichung von starken Gaben Brom, vielleicht auch mit Hypnotismus empfohlen.

Aber abgesehen von den Krankheitserscheinungen, die sich die Gattin des Herrn Felice nicht erklären konnte, gab es noch andere Geheimnisse. Wie verhielt sich die Sache mit dem verschwundenen Bilde? War es wirklich verschwunden oder nur verlegt worden? Wenn die Arme profanen Augen kränker erschien, so geschah dies deswegen, weil sie alles enthüllte, weil sie die Wahrheit so sehr liebte, daß sie nichts verschwieg. Das lag in ihrer tief religiösen Natur begründet. Ihre Mutter war eine fromme Katholikin gewesen, die einen Mann geheiratet hatte, dessen Religion, wie bei allen Zigeunern, höchst zweifelhaft war. Von ihrer Mutter hatte Irma die religiöse Überzeugung geerbt, doch war in ihre Anschauungen etwas von der wilden Phantasie ihres Vaters gekommen. Flavio teilte ihre Frömmigkeit nicht. Er weigerte sich nicht, den Gott der Katholiken zu lieben; wenn ihm dieser seinerseits erlaubte, seine Irma und die Musik zu lieben.

Kehren wir nach dieser Abschweifung zur Erzählung Irmas zurück.

Fritz Neumüller schien in London festgenagelt zu sein. Jeden Tag nahm er sich vor, seinen Freund zu erreichen, führte aber seine Absicht niemals aus. Und Irma hatte nicht die Kraft, sich durch eine Flucht dem neuen Gebieter zu entziehen. Sie war sich jetzt wohl dessen bewußt, daß sie ihrem Manne untreu sei. Wozu sollte sie jeden Abend die Barrikaden aufrichten, wenn sie selbst sie in der Nacht zerstörte, um sich ihm hinzugeben? Dabei litt Irma unendlich und wurde bald nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Zwar wurden ihr Komplimente gemacht, daß sie schön sei und daß die Blässe ihrem Gesichtchen einen neuen Reiz verleihe, daß die Bewegungen ihres schlanken Körpers von einer kindlichen Süße seien. Auch im Dunkel der Nacht sagte ihr Fritz ähnliche Worte, zuerst mit kaum bewegten Lippen, dann mit lauter Stimme in jauchzender Trunkenheit.

Als sich Irma eines Tages vom Bette erheben wollte, war sie dazu nicht imstande. Ihre Kräfte waren erschöpft. Ein Gefühl der Freude ergriff sie.

»Wie glücklich bin ich!« rief sie aus, »jetzt kann ich mich durch den Tod retten. Ich kehre zu dir zurück, mein Gott, der du mich so hart gestraft hast.«

Doch an diesem Tage kehrte Flavio, den die geheimnisvollen Briefe und die nie erfüllten Versprechungen ängstlich gemacht hatten, plötzlich zurück. Diese Ankunft bedeutete den letzten Schlag für die arme Irma, die aus dem Bette sprang und sich ihm in die Arme warf mit den Worten: »Flavio, rette mich!«

Und Flavio rettete sie wirklich. Er rettete sie von dem Alpdruck, der sich von dem Tage an, an dem der berühmte Geiger nach London zurückgekehrt war, nicht mehr wiederholte. Doch das Befinden der Kranken war noch immer nicht gut. Bloß aus dem Blicke konnte man die Zufriedenheit darüber lesen, daß das furchtbare Schreckbild sie nicht mehr zur Liebe zwinge.

Und weil Irma sich nun sicher fühlte und ihr die Wahrheit immer das Höchste gewesen war, gestand sie alles. Sie schrak nicht davor zurück, sich mit aller Strenge anzuklagen. Auch die Geschichte der Tür, die sie erst verrammelt und dann selbst geöffnet hatte, verschwieg sie nicht. Flavio hörte ihr traurig zu. Während er ihre bleiche Stirn liebkoste, fragte er sie: »Und gegen wen hegtest du im Traume Verdacht?«

In ihrer Furcht sagte sie nichts, als daß sie nicht wisse, wer es gewesen. Flavio aber fragte sie, anscheinend ohne Erregung, ob sich ihr Verdacht nicht gegen Fritz richte. Sie sah nun wohl, welcher Gedanke in den Ideenkreis ihres Gatten, der sie für verrückt hielt, eingedrungen war. O, sie wünschte es zu sein. Indessen war sie so vernünftig, daß sie, soweit es ihre körperliche Schwäche erlaubte, immer wieder alles überlegte und in ihrem Gedächtnis forschte, um zu beweisen, daß ihr Geist absolut nicht gestört sei.

»Eines Nachts,« erzählte Irma, »wollte das Schreckbild mein Porträt. Ich fühlte mich gezwungen, es ihm zu geben. Anfangs wollte ich nicht meinen Namen und das Datum darauf schreiben, wie es mir befohlen worden war, dann gehorchte ich aber doch, aber die Feder zerbrach, und so schrieb er mit Bleistift: ›26. März‹, und dann steckte er das Bild in seine Brieftasche. Als ich in später Stunde erwachte, eilte ich zu dem Schränkchen, in dem die Photographie gewesen war, und fand den Rahmen leer.«

Nicht einmal diese Mitteilung schien die in Schmerz erschlaffte Seele Flavios aufzurütteln.

»Ruhe nur aus,« hatte er gesagt, »ich werde schon darüber nachdenken, was zu tun ist. Unterdessen wird Fritz heute noch nach Brüssel reisen, um von der Konzertunternehmung einen weiteren einwöchigen Urlaub für mich zu verlangen. In der Zwischenzeit wirst du genesen sein und mit mir kommen.«

»Ich sterbe, mein Flavio, doch will ich nicht früher sterben, bevor du mir verziehen hast.«

»Was soll ich dir verzeihen?«

»Daß ich einem anderen angehört habe, während ich mich immer als die Deine gefühlt habe. Sage, verzeihst du mir?«

Flavio versicherte sie dessen, und als sie verlangte, daß er ihr verzeihe, was immer auch geschehe, stimmte er auch diesem Wunsche bei.

»Wenn dir das Trugbild eines Tages seinen Namen enthüllen sollte, wirst du nicht an Rache denken. Strebe nicht danach, mein Flavio, denn ich müßte früher sterben, und wenn ich gestorben wäre, so müßtest du leben, um Irma zu lieben, die dich anderswo erwartet.«

Das Fieber sprach aus ihr. Flavio war von der Größe seines Unglücks überwältigt und antwortete nur durch ein heftiges Schluchzen. Doch Irma beruhigte sich dann und versprach, nicht mehr zu sprechen, in seinen Armen schnell einzuschlafen, um recht bald vollständig zu genesen.

Während sie schlief, befragte Flavio den Freund, der ihm seinerseits sehr unruhig vorkam, er sagte aber nichts von dem seltsamen Verdacht, sondern erwähnte nur das Fieber. Fritz wies darauf hin, daß Irma auch schon in den letzten Wochen Fieberanfälle gehabt habe, aber immer freundlich und sanft gewesen sei. Flavio war überzeugt, daß sein Freund nichts wisse, und er ihn deswegen im verflossenen Monat nicht besser unterrichtet habe.

Flavio befragte dann auch das Stubenmädchen, das er bei seiner Frau zurückgelassen hatte, aber auch von ihr konnte er fast nichts erfahren. Sie erwähnte nur gewisse tolle Träume, die die Dame in einer einzigen Nacht gehabt hatte. Flavio wollte wissen, welche Nacht dies gewesen sei, und Justina dachte lange nach. Es wäre in einer Nacht gewesen, in der sie beide, die Dame und das Stubenmädchen, in einem betäubungsähnlichen Schlafe gewesen seien, als hätten sie irgendeinen Schlaftrunk zu sich genommen. Justina erinnerte sich sogar des Datums, des 26. März. Damals sei Frau Irma zu Tode erschrocken aufgewacht, weil ihr ein Schreckbild erschienen sei, obgleich die Tür mit dem Schlüssel versperrt war. Flavio lächelte und fragte, was der Arzt gesagt habe, worauf Justina antwortete, daß Frau Irma ihn niemals konsultiert habe. Wohl sei sie mit Doktor Willard häufig bei Tisch beisammen gewesen und habe ihn vielleicht bei dieser Gelegenheit um Rat gefragt. Flavio wollte noch wissen, ob Doktor Willard verreist sei, was Justina verneinte. Flavio lächelte immer noch.

Am selben Tage reiste Fritz Neumüller nach Brüssel, um dem Impresario Flavios das Versprechen zu überbringen, daß dieser in einer Woche dort eintreffen werde. Vor seiner Abreise wünschte Fritz sein Cousinchen oder Schwesterchen, wie er Irma häufig nannte, zu begrüßen, durfte es aber nicht tun, weil das Fieber zugenommen hatte. Als der Freund abgereist war, suchte Flavio jenen Doktor Willard auf und lernte in ihm einen sympathischen Mann, dessen Haar schon vollkommen ergraut war, kennen. Er erzählte ihm von den Störungen im Seelenleben Irmas, und der Arzt begab sich an das Krankenbett und unterzog die schöne Patientin einer langen und genauen Untersuchung, um dann ein tröstliches Krankheitsbild zu entwerfen und für die Genesung erfreuliche Aussichten zu stellen. Seiner Ansicht nach handelte es sich um seltsame psychische Erscheinungen, die nicht selten seien, wenn ein Nervenzentrum betroffen wird. Die rein hysterische Form schloß er aus. da sie sich in der Mädchenzeit der Patientin niemals gezeigt habe. Es läge auch keine Blutleere, sondern eher eine Störung des Blutkreislaufes vor. Flavio fragte nach deren Ursache. Da wollte Doktor Willard wissen, ob Irma noch keine Kinder gehabt habe, und als Flavio die Frage verneinte, meinte der Arzt: »Nun, ich kann es Ihnen ja sagen, sie sieht Mutterfreuden entgegen und wird dadurch geheilt werden.«

Flavio mußte sich zurückhalten, um das starke Glücksgefühl, das ihn erfaßte, nicht als Schauspiel seinem Nebenmenschen zu bieten. Er begleitete den Doktor in den Hausflur und eilte dann, fast laufend, zum Bett der Patientin, um ihr die freudige Nachricht mitzuteilen. Aber die junge Mutter war keineswegs freudig erregt, schien vielmehr unsäglich verzweifelt. Sie hatte alles verstanden und rief aus: »Ich will kein Kind, weil es nicht das deine ist!«

Sie raufte sich die Haare und gab andere Zeichen wilder Verzweiflung, so daß Flavio außerordentlich erschreckt wurde. Da es nicht möglich war, die Patientin innerhalb einer Woche zu heilen, ersann Flavio einen anderen Ausweg. Er brachte Irma in das Haus von Freunden nach Boulogne-sur-Mer, damit sie dort die Sehnsucht nach dem neuen Glück, das ihr jetzt noch Furcht einflößte, fühlen lerne.

In der Familie David herrschte ein patriarchalisches Leben. Drei ganz junge Mädchen machten ihrem Familiennamen dadurch Ehre, daß sie Harfe spielten. Der Vater war in seinen jungen Jahren Organist gewesen und hatte es auf dem Gewissen, daß in einer der größten Kirchen Londons die Gläubigen dem Gottesdienste nur sehr zerstreut folgten, weil sie viel mehr seinem Spiele lauschten. Die Mutter spielte Violoncell, und so konnte die Nachbarschaft, sobald auch Irma wieder genesen und zu ihrem Instrument zurückgekehrt war, eine große Tonflut erwarten.

Den innigen Ermahnungen Flavios zuliebe hatte sich Irma ein wenig beruhigt. Vielleicht hatte ihr unruhiger Geist zu hoffen begonnen, daß ihr Kind doch legitim sei; denn anderenfalls wäre die göttliche Gerechtigkeit, auf die sie immer so sehr vertraut habe, eine schauderhafte Lüge. Sie fragte Flavio, ob er nicht derselben Meinung sei. Flavio antwortete, daß Irma noch eine Woche verstreichen lassen solle. Sie würde sich dann schämen, den unwürdigen Verdacht auch nur einen Augenblick lang gehegt zu haben und ihm sicherlich schreiben, daß alle tollen Schreckbilder verschwunden seien und daß sie nicht mehr an sich und an den anderen zweifeln werde.

Vor der neuen schmerzlichen Trennung, die ja sehr lange dauern sollte, wollte Irma das Programm kennen, das Flavio während der vier Monate in den Hauptorten Belgiens und anderer Länder spielen werde. Flavios Tournee sollte Gent, Lüttich, Antwerpen, Spa, dann Köln, Hamburg, Berlin, Frankfurt, endlich Basel, Zürich, Bern und Luzern umfassen. In Italien werde er sich nicht aufhalten, weil die Saison nicht günstig sei. So wolle er schließlich über St. Moritz zurückkehren und in den ersten Augusttagen wieder zu Hause sein. Irma würde täglich von einer etwaigen Änderung im Reiseprogramm unterrichtet werden und so, wann es ihr beliebe, imstande sein, zu ihrem geliebten Flavio zu reisen.

Heiße Tränen folgten diesen Worten. So war also die Stunde der Trennung gekommen, und der Schmerz und die Sorge drückten die beiden armen Menschenkinder wie eine zentnerschwere Last. Dabei sprach keines von beiden den Gedanken aus, der sie am meisten quälte, ob sie sich noch jemals wiedersehen würden.

Flavio reiste ab, um rechtzeitig in Brüssel anzukommen und so sein Versprechen einzulösen, aber gegen seine Befürchtung konnte er während dieser traurigen Trennungsmonate doch manchmal zu seiner Gattin heimkehren und ihr dadurch die Schmerzen, die sie litt, erleichtern. Zwar riskierte er hier und da die Verhängung einer Konventionalstrafe wegen eines abgesagten Konzerts, und außerdem gefährdete er durch die nächtlichen Reisen auch seine Gesundheit. Was verschlug ihm dies aber, wenn er Irma eine Freude bereiten konnte.

An einem Tage im Monat Juli blieb der gewöhnliche tröstende Brief Flavios aus, und die arme Irma ahnte sofort, daß ein Unglück geschehen sein müsse. Drei ganze Tage fehlten die Nachrichten Flavios, bis Irma endlich aus der Zeitung das Unglück, das sich auf dem Schneefeld ereignet hatte, erfuhr. Dieselbe Zeitung brachte zwei Tage lang neue Einzelheiten über das Geheimnis, indem sie mit dunklen Andeutungen auf einen tödlichen Zweikampf hinwies. Am dritten Tage aber traf eine Zeitungsnachricht ein, die wie ein Donnerschlag wirkte. Bei dem aufgefundenen Leichnam seien in der Brieftasche Visitenkarten mit Flavio Campana und ein Frauenbildnis entdeckt worden, auf dem mit Bleistift die Worte »Meine Irma« geschrieben waren. Jetzt war der Armen alles klar geworden. Flavio hatte einen Verdacht gefaßt und den schlechten Freund gezwungen, seine Niedertracht zu gestehen. Er war stark und hatte ihn zu Boden zu werfen vermocht, um ihm das Bild zu entreißen, um ihm dann auch das Leben zu bedrohen. Aber die Gerechtigkeit hatte an jenem Tage sicherlich geschlafen, und Flavio war das Opfer des Zweikampfes gewesen.

Irma verfiel in ein fürchterliches Delirium, und nur mit Mühe gelang es, ihr Leben nach einem Vergiftungsversuch zu retten, da sie den Inhalt eines Fläschchens, der ihr für einen ganzen Monat als Medizin dienen sollte, in ihrem Fieber auf einmal getrunken hatte. Als sie ihre Gesundheit und Vernunft ein wenig wiedererlangte, fühlte sie sich auch frei, denn das zu erwartende Kind hatte aus Schrecken über das Unglück seiner Mutter seine Ankunft zu sehr beeilt und war zum Himmel zurückgekehrt.

Sie hätte noch einmal den Tod gesucht, der sie mit ihrem Geliebten vereinigen würde, aber ein Gerichtsbeamter kam, um sie mit verschiedenen Fragen zu behelligen. Irma fühlte sich einer Ohnmacht nahe. Als ihr der Richter die Photographie des Leichnams zeigte, der auf dem Schneefeld gefunden worden war, verlor sie vor Freude fast ihre Besinnung, und heiße Freudentränen, in denen der lang verhaltene Schmerz unwiderstehlich zum Ausbruch kam, flossen aus ihren schönen Augen. Der Gerichtsbeamte ließ sich durch diese Tränen täuschen, indem er sie falsch deutete. So schrieb er in sein Protokoll, daß die Frau Irma Campana unter vielen Tränen den Leichnam erkannt habe.

So mußte also Flavio leben und befand sich vielleicht auf der Flucht. Später aber erfuhr sie, daß Fritz Neumüller festgenommen worden sei, und wieder kam der höfliche Gerichtsbeamte, um weitere Auskünfte über den toten Flavio und den im Gefängnis sitzenden Fritz zu verlangen. Sie verstand nur zu gut, daß Flavio aus einem Grunde, den sie einstweilen noch nicht begreifen konnte, die beiden Rollen der Tragödie vertauscht habe, und so bestärkte sie durch ihre Antworten und durch ihr Schweigen seine Lügen.

Aber sie hatte sich noch nicht vollkommen beruhigt und fürchtete immer noch, Flavio sei tot und Fritz am Leben. Das Schicksal hatte diesem jungen Wesen so übel mitgespielt, daß es die Lüge für wahr und die Wahrheit für Lüge hielt. Sobald sie sich stark genug fühlte, reiste sie nach Mailand. Hier hatte sie sich bald überzeugt, daß Nr. 800 trotz seiner kurz geschnittenen Haare, trotz des bleichen Gesichtes und seiner traurigen Harlekinstracht ihr Flavio sei, und sie begann wieder an die Gerechtigkeit Gottes zu glauben, wie stark sie auch seine Hand geschlagen hatte.

Die gute Irma, die nur ein einziges Mal gelogen hatte, kehrte wieder zur Wahrheitsliebe zurück, aber konnte sie den Richtern zurufen: »Ihr habt einen Toten eingekerkert und einen Lebendigen begraben!?«

 << Kapitel 10  Kapitel 12 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.