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Das Erbe der Uraniden

Hans Dominik: Das Erbe der Uraniden - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleDas Erbe der Uraniden
publisherVerlag Scherl Berlin
printrun41. bis 50. Tausend
yearo.J.
firstpub1935
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Die Katastrophe in Mittelamerika. Das Land von Regengüssen überschwemmt. Jeder Betrieb stockte. Die Felder in morastige Sümpfe verwandelt. Die Ernten vernichtet. Krankheiten . . . Hungersnot. Das waren die Folgen jenes verhängnisvollen Experimentes. Ein großer Teil der Bewohner dort hatte schon die Hoffnung aufgegeben, daß es jemals wieder anders werden könnte . . . war ausgewandert.

Nicht besser, sondern schlechter wurde es von Tag zu Tag. Nur unter dem Glanz stärkster Scheinwerfer konnten die Schiffe noch die Kanäle von Panama und Nikaragua passieren . . . Auswandern! Noch gab es Platz genug in der Welt. Aber wie, wenn der Brand sich immer weiter ausdehnte, die beiden Kontinente ergriff. – – – – – –

Der Bau der beiden Raumschiffe in Arizona und im Gran Chaco. Ihre Fahrt, eine interessante Studienfahrt bisher, konnte jetzt das Mittel werden, die Erdbewohner zu neuen, sicheren Wohnstätten zu bringen, wenn wirklich einmal das Ende der Erde kommen sollte. Mit doppeltem Interesse blickten alle Augen jetzt auf jene beiden Werften, auf denen die Raumschiffe gebaut wurden. Doch nur wenig von den Fortschritten der Bauten drang in die Öffentlichkeit. Kühne Reporter überflogen wohl die Werften, photographierten, was sich mit Fernlinsen erraffen ließ.

Doch die Ausbeute war karg. Man sah nur immer wieder die Granatenform der Schiffskörper . . . äußerlich fertig . . . mehr nicht. Auf alle erdenkliche Weise versuchte man Spione einzuschmuggeln, die mit verborgenen Miniaturapparaten interessante Bilder nehmen sollten. Die Abwehrsysteme auf beiden Werften funktionierten so tadellos, daß jeder Versuch scheiterte. In der Hauptsache gegen eine Spionage der Konkurrenzwerft eingerichtet, fand diese Organisation ihre stärkste Betätigung gegen die neugierigen Pressevertreter. – – –

Canning kam von der Werft. Schritt dem Verwaltungsgebäude zu. Oben am Fenster stand Harrod, winkte ihm. »Schnell. Mr. Canning! Habe etwas für Sie.«

Er eilte die Treppe hinauf, stand gleich darauf Harrod gegenüber.

»Was ist's? Etwas Neues aus Buena Vista?«

Harrod nickte, deutete auf das Nebenzimmer. Seine Stimme sank zum Flüsterton.

»Shelton ist zurück. Eben werden die Aufnahmen von seinem Körper da drin gemacht. Glänzend Ihre Idee! Das Photographieren auf dem Körper. Das Resultat seiner Reise übersteigt alle meine Erwartungen. Sein Bericht ist so günstig wie möglich. Ich beschäftige Shelton schon jahrelang. Er ist unbedingt zuverlässig. Ein tüchtiger Techniker nebenbei. Wir haben den Vorsprung der da unten nicht nur eingeholt, wir sind ihnen schon voraus. Wenn nicht etwas Besonderes eintritt, werden wir zuerst starten.«

Triumphierendes Lachen in Cannings Gesicht. »Das wäre ja wirklich über alle Maßen erfreulich, ich bin auf die Photos gespannt.«

Ein Diener trat ein, brachte einen Stoß Briefe. Ein großes Kuvert mit dem Staatssiegel dabei. Harrod öffnete es zuerst.

»Aha!« Er lachte. »In Washington beginnt man nun auch . . . endlich . . . zu begreifen, daß unser Werk mehr bedeutet als einen ›wissenschaftlichen Sport‹.« Er las weiter. »Aha, und hier . . . Hören Sie, Mr. Canning! Man stellt die Unterstützung der Regierung in pekuniärer und moralischer Form in Aussicht. Hält es für wünschenswert, wenn wir die Vorbereitungen für den Bau weiterer Schiffe treffen. Nun, ihre Ratschläge kommen post festum. Immerhin ist es nicht von der Hand zu weisen, daß sich die Regierung hinter uns stellt. Man weiß ja nicht, was die Zeit noch bringen wird.«

»Weiter nichts?« fragte Canning.

»Ah! Doch! Hier! Eine private Mitteilung des Staatssekretärs, daß Ihrer Aufnahme in den Staatsverband der Union nichts im Wege stehe, der Bürgerbrief Ihnen demnächst zugehen werde.

Mein Gedanke, daß Sie nordamerikanischer Bürger werden müßten, ist unbedingt richtig. Unser ganzes Unternehmen bekommt einen anderen, für die Volksmeinung besseren Anstrich, wenn alles als reine Leistung amerikanischen Geistes . . . amerikanischer Arbeit erscheint. Warten wir deshalb noch die kurze Zeit, bevor wir Ihren Namen als den des Erfinders der Öffentlichkeit bekanntgeben.« – –

*

»Wieder ein Brief mit indischer Marke, Miß Violet!«

»Oh! Endlich!« Violet war aufgesprungen, eilte auf Hortense zu, riß ihr den Brief aus der Hand.

»Endlich!«

Mit hochrotem Gesicht verschwand sie in ihrem Zimmer.

»Ich möchte wissen, Vater,« wandte sich Hortense an van der Meulen, »was Dr. Stamford mit seinen häufigen Reisen nach Indien bezweckt.«

»Er treibt dort Studien. Seine Mittel machen ihn unabhängig vom Broterwerb.«

Hortense ließ das Gespräch fallen, doch ihre Gedanken gingen weiter . . . Stamfords Stellung zu Violet? . . . Weshalb dieses halbklare Verhältnis? . . . An dem Ernst seiner Absichten war doch nicht zu zweifeln . . . Aber weshalb sprach er sich nicht aus?

Sie hatte bereits darüber vorsichtig bei Violet angeklopft. Die in ihrem harmlosen Sinn schien sich darüber gar keine Gedanken zu machen. Sie vertraute Stamford so unbedingt, daß sie alles, was er tat, für selbstverständlich hielt . . .

Ronald Lee war von Violet zweifellos ins Vertrauen gezogen. Wie mochte er darüber denken? . . . Nun, vielleicht . . . seine Gedanken sind ja nur bei seiner Arbeit, daß er keine Zeit findet, sich damit zu beschäftigen . . . Seine Arbeit . . . ihre Augen schlossen sich . . . sahen ihn auf der Werft, im Konstruktionsbüro . . . Keine Rast, keine Ruhe. Sein Ehrgeiz, durch die Nachrichten von Arizona aufs äußerste gestachelt, trieb ihn zu übermenschlichem Schaffen. Mit Mühe hatte sie ihn bewogen, ein paar tüchtige Konstrukteure, Techniker aus Buenos Aires zu engagieren, wodurch ihm wenigstens ein Teil der Arbeit abgenommen wurde. Es waren unbedingt zuverlässige Leute, tüchtig in ihrem Fach.

Ronald Lee hatte sie mit allem, was den Bau betraf, vertraut gemacht. Und als wäre sein rastloser Geist, seine unermüdliche Schaffensfreude auf sie übergesprungen . . . sie warfen sich mit Feuereifer auf ihre Arbeiten, gingen ganz darin auf.

Als sie nach langer Zeit wieder einmal mit Lee einen Ritt durch die Pampas machte, fragte sie scherzend, ob nicht ihr Vorschlag gut gewesen. Ob er mit der Verteilung der Arbeit zufrieden sei. Ronald Lee hielt mit der Anerkennung für die neuen Kräfte nicht zurück. »Aber«, setzte er halb im Scherz, halb im Ernst dazu, »der liebste und beste Mitarbeiter bleiben Sie, Hortense.«

Die Worte . . . sein Gesicht . . . wie er sie sprach, hafteten in ihrer Erinnerung unauslöschlich.

Eines Tages erzählte van der Meulen wie beiläufig von einem Gerücht, in Arizona plane man den Bau weiterer Schiffe. Die Nachricht wirkte stark auf Hortense. Sie tauschte mit Ronald Lee einen langen Blick.

»Ein Gerücht, Vater? Aus welcher Quelle stammt es?«

Der hatte den Kopf gewiegt, eine Gebärde gemacht, die bedeuten sollte: Was weiß ich? Doch wer hinter dem gleichgültigen Gesicht zu lesen wußte, begriff wohl, daß van der Meulen über diese Quelle sehr gut informiert war . . . sie selbst erst zum Fließen gebracht hatte.

Hortense war aufgesprungen. »Ein neuer Schlag! . . . Dieser . . . Werden wir ihn parieren? . . .« Ihre Blicke gingen zwischen den beiden Männern hin und her.

»Dein Vater empfing nie einen Schlag von William Harrod, ohne mit einem Gegenschlag zu antworten«, sprach van der Meulen mit starker Stimme. »Selbstverständlich legen wir morgen den zweiten Kiel.«

In Lees Augen leuchtete es auf. »Einverstanden, Mr. van der Meulen! Doch unsere Werft . . . zu klein!«

»Das neue Material für ihre Erweiterung ist schon unterwegs, Mr. Lee. Heute nacht beginnen die Arbeiten.«

»Vater!« Hortense eilte auf ihn zu, schlang die Arme um ihn. »Du bist doch immer der alte. Wir werden . . . wir müssen siegen!«

»Die dort oben«, fuhr van der Meulen fort, »bauen das zweite Schiff in größerem Ausmaße. Wir werden die ›Buena Vista‹, unser zweites Schiff, genau so bauen wie den ›Jonas Lee‹, unser erstes. Das gibt uns gewisse Vorteile und . . .« er machte ein« kleine Pause, lachte sein rucksendes Lachen, ». . . und zeigt die enge, feste Verbindung, Lee – van der Meulen.«

Hortense lachte, wandte sich ab, um die leichte Röte zu verbergen, die über ihre Wangen ging, als ihre Augen sich mit denen Lees trafen.

»Noch eins! Ihr findet ja vor lauter Arbeit keine Zeit, euch mit der Presse und den Radionachrichten zu beschäftigen. Die Anzeichen mehren sich in der letzten Zeit, daß man endlich auch in unserem Lande die Wichtigkeit unseres Unternehmens begreift. Mag das nun in den folgenschweren Ereignissen auf Coiba wurzeln . . . mag der nationale Stolz sich regen . . . aus allen Teilen des Landes laufen Nachrichten ein, daß man die Regierung drängt, sich energisch hinter uns zu stellen.«

*

»Endlich!« fuhr es Canning heraus. »Diese ewige Plackerei mit Kleinigkeiten! Die drei Tage Urlaub mußten schwer erkämpft werden. Harrods Vertrauen zu seinen Konstrukteuren scheint doch nicht so groß zu sein. Er möchte mich am liebsten hier festketten. Und dabei ist alles so gut im Fluß, daß es auch ohne mich geht.«

Er begab sich in den oberen Teil des Hauses.

»Fertig, Sarata?« rief er in das halbdunkle Gemach.

Der Inder sprang von dem Bündel auf, auf dem er gesessen.

»Fertig, Mr. Canning. Schon lange . . . lange. Ich fürchtete schon, wir kämen zu spät. Ich fragte sie . . . rief nach ihr . . . und sie . . .« Er richtete sich hoch auf, Stolz auf dem häßlichen Gesicht. »Sie hörte meine Stimme über Meere und Länder hinweg. Majadevi ist noch auf der Erde. Wo sie ist, ist Gorm.«

»Ah! . . . Mehr! . . . Erfuhrst du mehr? Deine wunderbare Kraft . . . vermochte sie nicht mehr?«

Sarata schüttelte den Kopf. »Nein! Nur kurz die Spanne. Stamfords Riegel verschloß sie wieder . . .«

Ein paar Minuten später saßen sie in Cannings Flugjacht. In dem New-Yorker Flughafen landete das Schiff. Canning entließ den Piloten. Allein mit Sarata setzte er den Flug fort. –

Der nächste Abend. Die Sonne war hinter den Schneegipfeln des Himalaja versunken. Schon seit zwei Stunden kreuzten sie in Höhen, die das Geräusch der Motoren nicht zur Erde dringen ließen, selbst für schärfste Gläser kaum sichtbar.

»Es wird Zeit, Mr. Canning, herunterzugehen. Den letzten Rest des Tageslichtes müssen wir ausnutzen, sonst könnten wir sie verfehlen.«

In kurzen Spiralen senkte sich die Jacht langsam herunter. Der Inder saß am Boden neben dem Auswurfsloch. Canning, ein scharfes Nachtglas vor den Augen, starrte auf die im Dämmer liegende Landschaft. Mit Hilfe des Glases konnte er noch alle Einzelheiten da unten erkennen.

Da stand das Wellblechhaus, in Bungalowweise errichtet. Ein paar Schuppen daneben. In einer kleinen Senke die Werft . . . das Schiff! Deutlich erblickte er die Formen des Baues. Sie unterschieden sich kaum von denen in Harrods Werft. Sein Herz krampfte sich zusammen.

Verflucht, daß das alles so eng zusammengedrängt. Unmöglich, das Haus zu vernichten und die Werft zu schonen. Ah! Was hätte er darum gegeben, das Schiff von der Erde aus zu sehen, seine Einzelheiten zu studieren. Sicher, daß es da vieles gab, was seines höchsten Interesses wert.

»Es ist Zeit, Mr. Canning!« zischte ihm der Inder mit heiserer Stimme zu. »Sonst sehen sie uns, entrinnen zu guter Letzt noch. Noch sind sie alle im Hause. Wir sahen es doch genau.«

Canning zögerte immer noch. Die Werft betreten . . . das Schiff sehen . . . Wie hatte Gorm die Energie gemeistert? Wie hatte er die strahlenden, das Schiff treibenden Flächen angeordnet?

»Es tritt einer aus dem Hause!« schrie der Inder, »zu spät, wenn nicht . . .«

Mit einem Sprung war Canning bei ihm, schob einen Sicherungsflügel zurück. Vom Kiel der Jacht löste sich ein großes, dunkles Gebilde . . . mit der anderen Hand riß er am Hebel der Vertikalsteuerung. Jäh schoß das Schiff nach oben. –

Da! . . . Die Riesenbombe schlug am Boden auf. Eine riesige Feuersäule, die nach allen Seiten hin ihre Flammen warf. Dunkle Brocken dazwischen. Schwere, dicke Qualmwolken, die nach allen Seiten auseinandergetrieben wurden, sich mit rasender Schnelligkeit ausdehnten, alle Sicht verbargen.

»Der Schuß saß.« Frohlockend rief es der Inder, sprang zum Fenster, starrte hinaus. Da warf ihn ein heftiger Stoß zurück. Er taumelte, stürzte. Canning, der sich vergeblich festhalten wollte, fiel über ihn weg.

Die Jacht, von einem Orkan ergriffen, kam aus dem Gleichgewicht, schwankte heftig . . . Eine Bö, die sie von der Seite her packte, warf sie in rasenden Wirbeln auf die eisbedeckten Felsgipfel zu.

Im letzten Augenblick . . . Canning raffte sich auf, stürzte zur Steuerung . . . ein paar Griffe. Allmählich gehorchte das Schiff dem Steuer, hob sich langsam. Schon waren die vernichtungbringenden Schroffen vor ihm, da riß eine letzte verzweifelte Anstrengung seiner Helikopteren es noch eben über die Zacken des Felskammes hinweg.

»Gerettet!« Die blutleeren Lippen Cannings flüsterten das Wort. »Gerettet! . . . Und die . . .«

Ein Schauer überrieselte ihn. Das Bild seiner Fahrt über den Atlantik tauchte vor ihm auf. Der Name Awaloff drängte sich auf seine Lippen. Sein starker Wille hatte es vermocht, die Erinnerung auszulöschen. Seit langem jetzt zum erstenmal, erschüttert von dem eben Erlebten, war sein Geist schwach geworden, ließ die alten Bilder wieder über die Schwelle der Erinnerung treten.

Sein Blick ging zu Sarata, der, noch halb betäubt von dem Sturz, fragend um sich starrte.

»Wo sind wir? . . . Was ist?«

»Wir fahren zurück nach den Staaten. Morgen abend werden wir in Arizona sein.«

»Ah!« Der Inder rieb sich die Stirn. »Und die da unten?« fragte er.

»Sind tot!« sagte Canning. Er hatte sich wieder vollständig in der Gewalt.

*

Professor Franke saß mit seinem Hilfsarbeiterstab zu einer Konferenz versammelt. Ein Stapel Blätter vor ihnen, der von Hand zu Hand ging.

»Sie sehen, meine Herren, daß Greenwich, von Kleinigkeiten abgesehen, dieselben Resultate in der Verständigung mit den Uraniden hat. Das ist ein außerordentlicher Vorteil. Das Zusammenarbeiten der beiden Warten wird uns bei den neuen Versuchen einer Verständigung von großem Nutzen sein.

Nur eines, was mir Sorge macht. Die Zeichen kamen in der letzten Zeit so spärlich, daß ich fürchte, irgend etwas da oben ist nicht in Ordnung. Es wäre doch jammerschade, wenn unsere Verständigung gerade jetzt, wo wir sie mit dem viel vollkommeneren Bildfunk betreiben wollen, ins Stocken käme.

Sie wissen ja, wie wir von hier aus zuerst den Gedanken der synchron laufenden Bildwalzen in unserer Zeichenunterhaltung vorbrachten, wie die ihn da oben überraschend schnell erfaßten. Der Gedanke war allerdings schneller gefaßt als ausgeführt. Es dauerte acht Tage, bis die Zylinder hier und dort synchron liefen.«

Er wies auf ein Bild an der Wand. Eine Landschaft im Sonnenschein. Im Hintergrunde der Riesenbau eines Raumschiffes. Daneben eine leichte Hütte.

Im Vordergrunde ein einzelner, breit ausladender Baum, in dessen Schatten einige Menschen auf Ruhebänken lagen. Das Bild erweckte den Eindruck, als ob es sich hier nicht um Ruhende, sondern um Kranke handele.

Zu Füßen des Baumes auf der Erde sitzend ein Mann, der aus verschiedenen Gefäßen anscheinend eine Medizin mischte. Zwar waren die Züge des Mannes im Schatten des Baumes nicht scharf erkennbar, doch schienen sie keine wesentlichen Unterschiede mit den Zügen irdischer Menschen aufzuweisen. Der leichtbekleidete Oberkörper ließ erkennen, daß es ein sehr kräftig entwickelter, großer Mensch sein müsse. Der Schnitt des Gesichts wurde durch das starke Haupthaar, den Bartwuchs etwas verdeckt.

»Sie tun gut, Herr Professor, dies historische Dokument in sicheren Verschluß zu nehmen. Wenn es ja auch in der ganzen Welt durch das Rundfunkbild jedem vor Augen gekommen ist, so könnte es doch einem der unzähligen Liebhaber, die das Bild zu jedem Preis von uns erwerben wollen, einfallen, es ohne Geld zu kaufen.«

Ein anderes Bild. Eine tiefe Felsschlucht bei Sonnenuntergang. An der Berglehne eine Reihe Erhöhungen. Es konnten Erdhügel . . . konnten Steine sein. Die Form der Hügel etwas länglich. Verglich man den Stand der Sonne mit der Anordnung, so lag der Gedanke sehr nahe, daß es sich um Gräber handelte . . . Gräber von Leuten der Expedition. Die Form der Gräber, an der einen Seite etwas höher als an der anderen . . . ihre Richtung legte den Schluß nahe, daß man die Toten mit dem Gesicht nach Sonnenaufgang begraben.

Das dritte, letzte Bild! Ein offenes Zelt. In der Öffnung eine hohe Männergestalt in weißem Kittel. Hinter ihm ein Tischchen mit Instrumenten. Vor ihm, von der Sonne grell beleuchtet, ein Mann, ein Riese von Gestalt. Das mächtige Haupt umgeben von dichtem, hellem Haarwuchs. Der Körper wie in Schmerzen zusammengekrümmt. Das Gesicht leicht verzerrt. Seine Rechte deutete auf einen Korb, der mit Früchten gefüllt. Seine Linke trug eine Frucht in Form eines Apfels. Die Augen des Mannes im Zelteingang schauten finster darauf hin.

»Meine Herren! Dieses Bild kann nur mit Absicht so dargestellt sein. Ich finde hierfür, mag auch Greenwich abweichender Meinung sein, nur eine Deutung. Die Weltenfahrer haben ahnungslos von den Früchten, die sie auf der Venus fanden, gegessen. Eine dieser Früchte . . . es muß die sein, die der Mann in seiner Linken hält . . . ist giftig. Der Zusammenhang mit den anderen Kranken . . . vielleicht gar mit den Toten, ist nicht völlig klar zu erkennen. Die Vermutung ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen, daß eine solche Verbindung besteht.

Derjenige, der uns die Bilder gab . . . ich will nur hoffen, daß der nicht auch erkrankt . . . wollte uns damit eine Erklärung . . . eine Warnung geben.

Die paar Landschaftsbilder, die er uns übermittelte, zeigen uns eigentlich nichts Besonderes. Die Weltenfahrer leben dort auf dem angemeldeten Breitengrad in der nördlichen gemäßigten Zone der Venus. Für den Längengrad hätte ein Erdenbewohner, der dahin käme, nur die so auffällig gezackten Kämme der großen Meridianalpen dort zum Anhalt.

Was wir weiter im Bildfunk erwarten . . . ich möchte sagen, selbstverständlich erwarten . . . irgendein schlimmer Zufall muß den Mann am Sender gestört haben . . . das ist ausgeblieben. Einen Film! Daß die Uraniden bei dem Stande ihrer Technik den Film in der Vollendung beherrschen, ist wohl selbstverständlich. Daß sie auf ihrer Fahrt Filme mitgenommen, auch unterwegs aufgenommen haben, ist doch kaum zu bezweifeln.

Es wäre der stärkste Schlag für mich, wenn weitere Zeichen so spät kämen, daß infolge der Venusdrehung wir sie nicht empfangen könnten, sondern die Helikopterenwarten der amerikanischen Ostküste die Glücklichen wären. Doch vergeblich habe ich darüber nachgesonnen, wie wir in unserer Bildersprache diesen Uraniden unseren Wunsch klarmachen könnten.«

Ein Assistent stand auf.

»Wie wäre es, wenn wir ihnen einen unserer neuesten Lehrfilme über den Stand unserer Metallurgie zeigten. Ich halte diesen Zweig unserer Technik deshalb für besonders geeignet, weil wir gerade an der Schwelle zwischen der Stahlzeit und der kommenden Zeit des Leichtmetalles stehen. In einer solchen Sendung von unserer Seite liegt nach meiner Meinung eine ausgesprochene Frage dahin: Auf welchem Stand der Metallurgie seid ihr?«

»Gut!« rief Professor Franke, »der Vorschlag läßt sich hören. Ein passender Film wird sich leicht beschaffen lassen. Warten wir indes auf weitere Zeichen.«

Doch die Zeit verrann. Schweigen da oben. Eine Stunde später brachte ein Botenschiff den verlangten Film. Der Assistent stellte die Sendestation ein, ließ den Film rollen –

Der Film war abgelaufen. Gespannt wartete alles auf die Antwort. Es dauerte eine geraume Weile. Die Fluoreszenzscheibe blieb dunkel.

Endlich! Da! Es blitzte auf dem Schirm auf. Alles war aufgesprungen, drängte herzu.

Ein bedrucktes oder beschriebenes Blatt. Eine Menge kleiner Zeichen, die wohl als Schriftzeichen anzusehen waren.

Der kinematographische Aufnahmeapparat der Warte photographierte alles, was auf der Fluoreszenzscheibe erschien. Vielleicht, daß später einmal der Schlüssel für diese Zeichen gefunden würde.

Ein paar Minuten waren vergangen. Das Blatt verschwand. Das lebende Bild begann zu rollen.

Die Zuschauer, alle Wissenschaftler von Rang, zitternd vor Erregung. Ihre Nerven aufs höchste gespannt . . . ihre Augen gruben sich in die Bilder . . . Träume von zukünftigen Tagen irdischer Technik . . . hier mußten sie verwirklicht sein, mußten als Teile oder gar nur als Bausteine einer unendlich hohen Technik bildhaft werden.

Was zu sehen war, übertraf alle Erwartung. Kaum daß das Auge die Wunder dieser Höchstleistung denkenden Geistes zu fassen vermochte. Vieles . . . unendlich vieles . . . für das die Begriffe fehlten, das unverständlich blieb.

Stumm, in atemloser Spannung, verharrte alles. Blieb in stummer, staunender Bewunderung noch lange, als längst das letzte Bild des Filmes erloschen. – – – –

Ein Räuspern hier und da . . . Bewegung kam in die Menschen. Einige erhoben sich. Da! . . . Die Fluoreszenzscheibe leuchtete wieder auf. Aller Augen wandten sich dahin.

Was jetzt? Ein neuer Film?

Nein! Eine Kamerasendung. Die Scheibe hier unten zeigte die Vorgänge, die ein photographisches Objektiv dort oben auf die Mattscheibe warf.

In einen Liegestuhl zurückgelehnt die Gestalt eines älteren Mannes. Die klugen Augen unter der hohen Stirn, die durchgeistigten Züge verrieten den Gelehrten. Neben ihm auf einem Tischchen ein umfangreiches Buch.

Er blätterte darin langsam. Man sah Bilder, ohne Einzelheiten zu erkennen. Blätter, die anscheinend mit mathematischen Zeichen bedeckt. Die Augen des Mannes waren wie in weite Fernen gerichtet, als blicke er zu denen, die das Buch sehen sollten.

Nach einer Weile . . . die Hand ließ das Buch los, sank schlaff herunter. Er schloß die Augen. Seine Züge verzogen sich schmerzhaft. Die Decke über seiner Brust hob sich unter schweren, stoßweisen Atemzügen.

Nach einer Weile schlug er die Augen wieder auf. Ihr Blick ging wie in fernste Fernen. Die Hand tastete sich nach einer Schale mit Früchten. Die Finger ergriffen einen schönen Apfel. Er hob ihn hoch, warf ihn von sich. Seine Blicke drückten Abscheu, Widerwillen aus . . . Erschrecken . . . Dann fiel er wieder in den lethargischen Zustand zurück.

Plötzlich war das Bild verschwunden. Noch lange verharrten die Versammelten um Professor Franke regungslos in Erwartung neuer Zeichen. Die Scheibe blieb dunkel.

Schrilles Glockensignal. Verbindung mit Greenwich! Professor Moore rief Franke an. Der ergriff den Hörer. Ein lebhaftes Zwiegespräch. Die anderen verstanden nur bruchstückweise den Inhalt der Unterhaltung, warteten neugierig auf das Ende.

Endlich legte Professor Franke den Hörer fort.

»Nun, meine Herren, diesmal gehen unsere Meinungen über das Gesehene nicht auseinander. Die Zeichen und Bilder waren ja auch so deutlich, daß ein Mißverständnis nicht aufkommen konnte. Trotzdem sind wir dahin übereingekommen, unsere Berichte vollkommen unabhängig voneinander abzufassen und bekanntzugeben.

Ich hoffe, daß auch wir uns über den Inhalt einig sind. Also an die Arbeit!«

Am nächsten Abend brachten Presse- und Radioagenturen die Berichte der Berliner und Greenwicher Helikopterensternwarten.

Die Welt stürzte sich darauf. Nach langem Harren war die Neugierde aufs höchste gestiegen. Man verschlang die Berichte. Den einen . . . den anderen. Nur geringe Abweichungen in der Fassung. Der Inhalt, die Auslegung der Zeichen vollkommen übereinstimmend.

Am nächsten Tage waren alle großen Radiostationen auf die Berliner Welle eingestellt. Berlin gab die photographischen Kopien des Uranidenfilmes, der Venusbilder an die anderen Stationen, die sie wiederum photographisch aufnahmen und ihrerseits durch den lokalen Bildfunk und die Kinematographen verbreiteten.

Millionen Köpfe . . . Millionen Kritiker! Die Auslegungen der Warten von Greenwich und Berlin, daß die Uraniden, durch den Genuß unbekannter Früchte vergiftet . . . dem Tode verfallen seien, unterlagen der scharfen Prüfung jedes einzelnen. Die Folge natürlich ein heftiger Meinungsstreit . . . das Resultat dieser Debatten schließlich in der Hauptsache doch die vollkommene Anerkennung dieser Deutung.

Doch war der Streit hierüber beendet, entflammte er sofort von neuem über die Deutung des Uranidenfilms.

Das war klar, daß hier Technik gezeigt wurde, die ganz andere als die irdischen Metalle zum Gegenstande hatte. Auch der nicht technisch Gebildete konnte aus den Filmbildern sehen, daß es sich nicht um Stahl, sondern um eine neue, auf der Erde unbekannte Leichtmetallegierung handelte. Woraus die bestand, darüber gab der Film nicht direkte Auskunft. Doch aus einigen Bildern . . . aus den Einrichtungen der Laboratorien, Fabrikräume, war zu erkennen, daß das Ausgangsmaterial nicht aus Erzen, sondern direkt aus der Atmosphäre gewonnen wurde.

Die eine Meinung ging dahin, daß es sich hier um eine Atmosphäre handele, die ein auf der Erde unbekanntes Gas als Beimengung enthalten müsse. Die andere griff die von der Theorie schon längst aufgestellte Behauptung auf, daß auch die Erdatmosphäre den Grundstoff für diese neue Metallurgie enthalte. Zweifellos würde man ihn euch eines Tages finden. Die Uraniden wären eben weiter und hätten ihn schon aus ihrer Atmosphäre, die der der Erde glich, isoliert.

Darüber war man sich einig, daß der zweite wichtige Bestandteil dieser wunderbaren Legierung der Wasserstoff sei, dessen Metallcharakter ja schon seit langem erkannt war. Jedenfalls beruhte die Metallurgie der Uraniden auf der chemischen Verbindung oder Legierung zweier Gase, die bei ihrer Vereinigung eine solche Verdichtung erfuhren, daß das Ergebnis eben ein geradezu ideales Baumetall von kaum glaublichen Eigenschaften war.

Daraus entsprangen die verblüffenden technischen Leistungen, die der Film zeigte. Leistungen, die die modernste irdische Technik in ihren kühnsten Plänen nicht geträumt.

Fabrikanlagen mit größter Produktion auf kleinstem Raum errichtet. Die Maschinen fast nur Miniaturgebilde. Kaum ein Mensch, der sich um sie mühte. Hier der Mensch nicht mehr der Sklave, sondern der Herr der Maschinen.

In allen Lebenslagen waren sie dienstbar. Das neue Leichtmetall gab die Möglichkeit, den Menschen so ziemlich jede Handbetätigung zu sparen. Für alle kleinsten . . . größten Arbeiten sprangen Heinzelmännchen, Zwerggebilde von Maschinen, ein.

Vieles von dem, was der Film zeigte, war für die Beschauer kaum begreiflich. Vieles blieb unverständlich. Erst die Schlußbilder brachten eine gewisse Aufklärung. Man bekam einen Begriff, wie die gänzlich veränderte Technik auch die Lebenshaltung der Menschen geändert . . . verbessert hatte. Man sah, wie die Erzeugnisse der Fabrik, wie die in der Fabrik Beschäftigten die Räume verließen. Man sah den Transport der Produkte nach anderen Stätten, die Beschäftigten bei der Heimkehr.

Flugzeuge von geringer Größe transportierten Riesenlasten nach allen Seiten. Die Straßen ohne jedes Verkehrsmittel. Es sei denn, daß man die in bewegliche Bahnen zerlegte Straßenfläche als Verkehrsmittel ansprechen wollte. Flugschiffe von den größten bis zu den kleinsten Typen beförderten die Menschenmassen, die die Stadt aufsuchten, sie verließen. Überwunden war hier schon die Zeit der Massentransportmittel. Frei wie der Vogel bewegte sich der einzelne durch die Luft seinem Ziele zu. Kaum zu erkennen waren auf den Filmbildern die Triebmittel, die das ermöglichten.

Die Geschäfte konzentriert auf wenige große Blocks . . . umgeben von einem Kranz von Bürohäusern . . . Vergnügungsstätten. Keine Riesenstadt mehr wie früher. Nur dieses eine, verhältnismäßig kleine Zentrum. Dann ein Weichbild weit ausgedehnter Gartenstädte. Die Entwicklung war hier bereits weit über das hinausgediehen, was man auf der Erde erst anstrebte.

Alles das nur ein durch den Zufall gegebener Umriß der Lebensführung der Uraniden. Einen tieferen Einblick in ihre Kultur, ihre Lebensgewohnheiten . . . ihre soziale Schichtung gaben die Filmbilder nicht.

Würde man nicht später weitere Bilder, die darüber Aufschluß gaben, erwarten können? Mit Ungeduld harrte man auf neue Mitteilungen aus Greenwich und Berlin.

Alles hing davon ab, ob die Ansicht derer richtig war, die die letzte photographische Sendung von der Venus dahin deuteten, daß die Uraniden bis auf den einen tot . . . dieser letzte schwer erkrankt. Starb er . . . dann hoffte man vergeblich. Doch hier regte sich schon eine neue Hoffnung. Wie lange konnte es dauern, dann traten die ersten, von Elektronen getriebenen Raumschiffe der Erde ihren kühnen Flug an. Schon sprang die Phantasie weiter. Die Fahrten der beiden Rivalen gewannen jetzt ein ganz besonderes Interesse.

Wer würde der erste sein, der auf die Venus käme? – Wer würde das Erbe der Uraniden heben?

*

Die hermetische Absperrung auf Buena Vista war von Tag zu Tag undurchdringlicher geworden. Nicht allein die Gegenspionage befürchtete man. Der Wettbewerb der beiden Werften hatte so scharfe Formen angenommen . . . die Öffentlichkeit so erregt, daß man sich gegen Attentatsversuche sichern zu müssen glaubte. Konnte man solche auch nicht von den Konkurrenten selbst erwarten, so gab es doch in den Staaten chauvinistische Wirrköpfe genug, denen so etwas zuzutrauen war.

Der Geist des alten van der Meulen arbeitete unablässig daran, neueste, raffinierteste Sicherungsmaßregeln zu erdenken. Sein alter Haß gegen Harrod, den Urheber dieses ganzen unsinnigen Wettbauens, stieg von Tag zu Tag. Schon längst war keine Rede mehr davon, Probefahrten zu veranstalten. Bedeuteten sie doch nur Zeitverlust. Sobald der letzte Hammerschlag getan, sollte die große Fahrt angetreten werden.

Der letzte Hammerschlag! Nach Tagen nur zählte man die Zeit bis dahin. Die Stunde wußten nur van der Meulen . . . Ronald Lee . . . Hortense. Selbst der Regierung in Buenos Aires hatte man sie verschwiegen. Die hatte, um nicht gegen die Regierung in Washington zurückzustehen, das Unternehmen für ein nationales erklärt. Hatte sich mit ihrer ganzen Macht dahinter gestellt, sogar besondere Verfügungen getroffen, die den Bau in Buena Vista fördern, sichern sollten. Der Kampf der Presse in den beiden Ländern nahm Formen an, die schon mehrmals diplomatisches Einschreiten nötig gemacht hatten. Ein Fremder hätte den Eindruck bekommen können, lateinisch und englisch Amerika wäre im Kriegszustand. – –

»So wäre denn alles in Ordnung, Mr. Canning. Hier überreiche ich Ihnen den Bürgerbrief. Eben brachte ihn ein Kurier hierher. Sie sind jetzt Bürger der Vereinigten Staaten. Der nationale Charakter unseres Unternehmens ist jetzt außer allem Zweifel.«

Canning stand sekundenlang stumm. Langsam streckte er die Hand aus, nahm das Dokument. Harrod merkte nicht, daß der mit seinen Gedanken ganz wo anders weilte, eilte ins Nebenzimmer, wo der Redakteur des »Bloomfield Advertiser« seiner wartete. Sprach mit dem lange.

Canning hatte den Brief zu sich gesteckt, trat ans Fenster. In kurzer Zeit würde die Nachricht in der Presse verbreitet werden, würde auch nach Buena Vista gelangen . . .

Die Nachricht, daß er der geistige Urheber . . . daß der Bau hier in Arizona sein Werk, er der Erfinder, dessen Geist aus eigener Kraft die Formeln, Konstruktionen gefunden, die dem anderen in der Hauptsache ein glücklicher Zufall in den Schoß geworfen.

Hortense . . .! Sie vor allem . . .! Wie würden ihre Gedanken sein? Würde ihr Gefühl für ihn nicht stärkste Abneigung . . . Haß werden? Er zweifelte kaum daran. War er es doch, der diesen schweren Schlag gegen ihr Werk führte. Und wie nun gar, wenn sie weiter erfuhr, daß ihr Bau durch seinen überflügelt . . .?

Es konnte nicht anders sein . . . sie würde ihn hassen müssen, bis . . . mit allen seinen Hoffnungen klammerte er sich daran . . . bis andere Gedanken . . . andere Gefühle sich durchrängen . . . Gefühle der Achtung, der Bewunderung für das Große, was er geleistet. Ihr edler, hochherziger Sinn würde sich dem nicht verschließen können . . . den Schmerz der Niederlage überwinden. Ihr Gerechtigkeitsgefühl würde ihm Anerkennung, Achtung nicht versagen können. Sie würde ihn bewundern müssen . . . und träte er dann eines Tages wieder vor sie hin . . . er stockte . . . in seinen Gedanken stand sie vor ihm. Er las in ihren Augen . . . sah die sich senken . . . er in dem Genuß des Sieges schloß sie in seine Arme.

Ein Schauer ging über ihn hinweg. Das Bild ganz anders! Sie wandte sich ab. Haß, Verachtung in ihren Mienen. Er preßte die Hand auf die Augen, als wolle er das Bild verscheuchen . . . als könne das nicht sein. Er würde ihr alle Früchte seines Sieges zu Füßen legen. Sie . . . nach diesen stärksten Beweisen seiner Liebe . . . sie würde, sie mußte die Seine werden.

Harrod trat ein, kam auf ihn zugeschritten, klopfte ihm auf die Schulter. Die nächste Ausgabe des Advertisers wird wie ganz nebensächlich im lokalen Teil die kurze Nachricht bringen, daß Mr. Robert Canning, nach dessen Plänen das Raumschiff »Arizona« gebaut wird, amerikanischer Bürger ist. –

Die Nachrichten über Canning, die in Nordamerika volle Befriedigung auslösten, erregten in Südamerika peinliches Aufsehen. Der Name Cannings war durch seine Unternehmungen im Gran Chaco weithin bekannt. Man wunderte sich, verstand seinen Schritt nicht.

Buena Vista! Man saß gerade bei der Mittagstafel, als der Radioapparat die kurze Meldung brachte. Wäre ein Blitz zwischen ihnen eingeschlagen, die Wirkung hätte kaum größer sein können. Van der Meulen sprang auf.

»Undenkbar! Unmöglich! Canning . . . er . . .« Das Blut war ihm zu Kopf gedrungen. Hochrot im Gesicht, schwer atmend riß er den Kragen auf, als wäre er am Ersticken.

Hortense war in ihren Stuhl zurückgesunken, das Gesicht tief erblaßt, die Augen geschlossen. Nur die zitternden Lippen verrieten, daß Leben in ihr. Violet war mit einem Schrei aufgesprungen, zu Hortense geeilt, schlug die Arme um sie. Die Sorge um die Freundin ließ kein anderes Gefühl in ihr laut werden.

Ronald Lee der einzige, der äußerlich ruhig geblieben. Sein Gesicht unverändert. Nur ein leichtes Zucken, Funkeln der Augen.

»Das also die Erklärung!« schrie van der Meulen. Die Worte, abgehackt . . . stoßweise kamen sie von seinen Lippen. »Ich wußte ja schon lange, daß er mit Harrod in enger Verbindung steht. Doch daß das der Grund . . . daß der so weit gehen konnte, sich mit meinem Feind zu verbünden . . . in heimlichem, verstecktem Kampfe unser Werk anzugreifen . . .

Unmöglich! Undenkbar für mich ein solcher Gedanke. –

Doch weiter! . . . Er . . . Robert Canning hat auch das Problem gelöst . . . aus eigener Kraft gelöst. Und jetzt! . . . Gerade jetzt! . . . Wie lange muß er schon daran gearbeitet haben. Und doch sprach er nie ein Wort davon zu uns . . .

Gewiß! Ich weiß, er beschäftigte sich in seinem Hause mit physikalischen Dingen. Sein Wissen ist groß . . . daß er alles geheimhielt . . . ich verstehe es . . . und doch auch mir . . . selbst Hortense gegenüber diese Heimlichkeit . . .«

Bei der Nennung ihres Namens schlug Hortense die Augen auf, richtete sich hoch. Ihr Blick wie erloschen.

Violet flüsterte leise in ihr Ohr, griff sie unter den Arm. Hortense erhob sich. Von Violet geführt, schritt sie langsam zur Tür.

»Weshalb dieses Mißtrauen? . . . Diese Heimlichkeit?« wiederholte van der Meulen. ». . . oder kam ihm der Erfolg so überraschend? . . . Erst später . . .?«

»Ja, Mr. van der Meulen!« rief Lee mit starker Stimme. »Er kam ihm, nachdem er mir's gestohlen!«

Der Ruf, der sich jedem auf die Lippen drängen wollte, stockte . . . bei Lees Worten war Hortense, die eben aus der Tür schritt, mit einem Schrei zusammengebrochen . . .

*

Drei Tage später. In allen Zeitungen der Welt unter fettgedruckten Überschriften:

Der »Bloomfield Advertiser« meldet, die »Arizona«, das Raumschiff William Harrods, wird am Sonnabend, mittags um 12 Uhr, seine Fahrt nach der Venus antreten.

Die Meldung das Signal für eine Völkerwanderung Abertausender von Neugierigen nach Bloomfield. Es war, als ob die Staaten mobilisiert wären. Die Transportgesellschaften konnten trotz umfangreichster Vorbereitungen dem Ansturm der Massen kaum genügen.

Tag für Tag landeten in Arizona Tausende von Flugschiffen, die, kaum ihrer Last ledig, sofort zurückfuhren, um neue Gäste zu holen. Man rechnete aus, daß, wenn es die drei Tage in der bisherigen Art weiterging, eine Million von Menschen hier in Arizona zusammenkommen würden.

Das Ausland schaute mit einem gewissen Mitleid nach Buena Vista, das doch zuerst den Bau begonnen hatte und durch die Schnelligkeit der Nordamerikaner geschlagen war. Die öffentliche Meinung in den Staaten griff die Nachricht mit unverhohlener Genugtuung, mit Stolz auf. Man hielt es für selbstverständlich, daß das Sternenbanner Sieger in dem Wettstreit blieb.

Die südamerikanischen Zeitungen hatten einen schweren Stand. Sie mußten Spott und Hohn ihrer nordamerikanischen Kollegen über sich ergehen lassen, gleichzeitig sich der unwilligen tadelnden Zuschriften aus ihrem Leserkreise erwehren. Man wußte zwar nicht, wann das Schiff van der Meulens starten würde, doch stand fest, es würde später fliegen. – – –

Über der Werft von Buena Vista hingen trübe Wolken. Man sah die Unmöglichkeit, früher zu starten, sah, daß auch die stärkste Anstrengung daran nichts mehr ändern konnte. Das Gefühl der Niederlage schien die Kräfte zu lähmen. Der einzige, der mit ungebrochener Kraft weiterkämpfte, Lee, zwang auch alle anderen mit eiserner Energie zu unverminderter Arbeit.

Vergeblich drang van der Meulen in ihn.

»Wozu? Wir sind geschlagen! Wozu die nutzlosen Anstrengungen?«

Lee biß die Zähne aufeinander, um die Worte, die auf seine Lippen drängten, zurückzuhalten. Sprach dann in gezwungen gleichgültigem Ton:

»Sieger ist, wer zuerst die Venus erreicht. Noch habe ich den Gedanken an den Sieg nicht aufgegeben.«

»Ronald!« In der grenzenlosen Überraschung entfuhr van der Meulen das vertraute Wort. »Sie sind krank! Die ungeheuren Anstrengungen, die Nachricht von Bloomfield haben Sie krank gemacht! Sie ebenso wie Hortense!«

»Hortense?! Hortense krank? . . .« Die Stimme Lees zitterte ein wenig. Seit dem Eintreffen der Hiobspost hatte er Hortense nicht wiedergesehen. Doch unaufhörlich weilten seine Gedanken bei ihr.

Hatte sie sich mutlos, enttäuscht von ihm abgewandt? Hatte Cannings Name . . . seine Tat trotz allem doch wieder eine Saite in ihr zum Klingen gebracht?

»Ich fürchte, daß sie ernstlich erkrankt. Zu schwer hat sie der Schlag getroffen. Auch Sie, lieber Freund . . . ruhen Sie! Wir haben unser Bestes getan!

Daß die uns schlugen . . .« Er zuckte die Achseln. »Ich habe mich über Nacht damit abgefunden. Und doch für mich doppelt hart der Schlag, weil er von Harrod kommt.

Meine einzige Sorge ist jetzt Hortense.«

Lee hatte sich umgewandt, schritt ein paarmal in dem Zimmer auf und ab. Man sah, es rang in ihm irgendein Entschluß, der ihm schwer fiel . . . er kämpfte mit den Bedenken . . . endlich blieb er stehen.

»Mr. van der Meulen! Kann ich wohl Miß Hortense sprechen?«

Van der Meulen machte ein zweifelndes Gesicht.

»Ich weiß nicht,« wandte er zögernd ein, »ob es gut für Hortense sein wird, wenn Sie . . .«

»Auch dann nicht, wenn ich ihr . . .« hier sank Lees Stimme zum Flüsterton herab, »eine gute Nachricht sagen kann?«

Van der Meulen sah ihm scharf in die Augen.

»Sie brächten eine . . . gute . . . Nachricht? In dieser Situation eine gute Nachricht? . . .«

Ein sonderbares Funkeln in Lees Augen ließ ihn aufmerken.

»Sie täuschen sich nicht, Mr. Lee?«

»Nein, Mr. van der Meulen! Ich täusche mich nicht.«

»Einen Augenblick! Ich will Hortense vorbereiten . . .«

Dann gingen sie zusammen in Hortenses Zimmer. Die lag auf einem Divan, in Decken gehüllt. Mit apathischem Blick streifte sie die Eintretenden. Nur ein leichter Schimmer von Röte, der über ihr tiefblasses Gesicht zuckte, als sie Lee erkannte.

»Violet! Du wirst so gut sein herauszugehen und achtgeben, daß niemand in das Zimmer tritt, bis ich wieder herauskomme«, sagte Ronald Lee.

Violet, kopfschüttelnd . . . schwer bedrückt von dem Erlebten, ging hinaus.

Da drinnen kein Laut. Was war das? Weshalb sprachen sie nicht? Unbewußt näherte Violet ihr Ohr der Tür. Sie lauschte mit geschärften Sinnen . . . Ronald sprach . . . kaum, daß sie den Klang seiner Stimme erkannte . . . Die Worte, in leisestem Flüsterton gesprochen, entgingen ihrem Ohr.

Da plötzlich ein Schrei aus Hortenses Mund. Violet vergaß alles. Mit bebender Hand öffnete sie die Tür, schaute hinein.

Da! Was war das?

Hortense, die eine Hand um Ronalds Schulter geschlungen, die andere in der seinen . . . sie lachte . . . weinte . . . jubelte.

Violet stand sprachlos. Ein Blick van der Meulens traf sie. Sie wußte nicht, was sie tun sollte. Zu Hortense eilen? . . . Nein, sie sollte doch draußen bleiben.

Schnell schloß sie die Tür. Tausend wirre Gedanken stürmten auf sie ein . . . War das wahr, was ihre Augen da gesehen? Ein Zittern überfiel sie. Tränen entstürzten ihren Augen. Ihr Mund flüsterte immer wieder die Worte . . . Ronald . . . Hortense.

Irgend etwas Gutes . . . Gutes nur konnte es gewesen sein. Was war es? . . . Einerlei! Etwas Gutes . . . Schönes. Sie schrak zusammen, als plötzlich van der Meulen neben ihr stand, den Arm um sie legte, ihr mit der Hand über das tränennasse Gesicht strich.

»Seien Sie ruhig. Miß Violet! Es wird, so Gott will, alles noch gut werden.« – – –

Und als ob der Tag für Violet mit seinen Gaben noch nicht zu Ende . . .

Das Postschiff warf über Buena Vista einen der beiden Briefe mit indischer Marke ab, die es an Bord hatte. Der Brief mußte wohl auch nur Gutes und Schönes enthalten . . . Kaum, daß Violet ihn gelesen, eilte sie zu Hortense. Der zufällig eintretende van der Meulen sah zwei junge Menschenkinder, die sich weinend und lachend vor Glück herzten. – – –

Die große Hornbrille auf den Augen, las der alte Stamford immer wieder den anderen Brief aus Indien . . . den Brief Sidneys. Sein grauer Kopf bewegte sich zweifelnd hin und her . . . Die Sache verträgt keinen großen Aufschub, muß aber doch überlegt werden . . .

Dieser Globetrotter Sidney . . . heute hier, morgen da . . . weiß nicht, was das bedeutet. Die drei besten meiner Jungens . . .?

Carlo . . . zurzeit in Buenos Aires . . . Ricardo ist hier . . . Juan ist eben in Valparaiso gelandet . . . die kämen dafür vielleicht in Betracht. Die drei älteren? . . . Nein! . . . Louis heiratet bald . . . Francesco und Paolo sind so gut wie verlobt . . . also nur die drei Jüngsten würde ich entbehren können . . .

Daß sie wollen?! . . . Ich brauche sie nicht zu fragen . . . Auf diesen Köder beißen sie sofort . . . Wilde Burschen, diese Jungens!

Aber wozu lange überlegen? Erst muß ich wissen, ob van der Meulen damit einverstanden. Die haben doch sicher ihre Dispositionen schon getroffen . . . Nun, das ist bald geschehen.

Er klingelte. »Mein Pferd! Ich reite nach Buena Vista.«

. . . Möchte nur wissen, warum Sidney mir das so ans Herz legt? . . . Warum der so großen Wert darauf legt? . . .

Als er zwei Stunden später von van der Meulen zurück war, gingen zwei Depeschen an Carlo in Buenos Aires und Juan in Valparaiso ab.

Ricardo . . . das Riesenkind, wie er in der Familie genannt wurde . . . er maß reichlich sechs Fuß, tanzte in seiner Stube einen wilden Indianertanz, daß das solide Haus in seinen Grundfesten erzitterte.

»Wir fliegen zur Venus! Hurra!« Immer wieder brach es jubelnd aus seinem Munde.

*

Der Morgen des Sonnabend war angebrochen. Strahlender Sonnenschein lag über Arizona. Bloomfield, in einem großen Talkessel eingebettet . . . die Berghänge schwarz von Menschen. Wie ein riesiges römisches Amphitheater das Ganze.

Die Ordnungspolizei hatte wenig zu tun. Die Sehgelegenheit war so günstig, daß alle die Hunderttausende, die hier zusammengeströmt waren, auf ihre Kosten kamen.

Die Werft lag von allen Seiten sichtbar in der Mitte des Talkessels. Mit scharfen Gläsern konnte man die einzelnen Personen, die sich da bewegten, gut unterscheiden. Immer wieder erklang es: Da ist Harrod! . . . Da ist Canning! . . . Und fast regelmäßig ertönten drei Cheers, wenn die Namen erklangen. – – –

Die Stunden . . . endlos für die harrende Menge. Auf der Werft nichts Interessantes. Das Schiff ein schimmernder Aluminiumbau in den Formen einer Riesengranate. Es unterschied sich von dem Raketenschiff, das auf Coiba gestartet, äußerlich nur durch seine Größe.

Endlich! Die Uhren in der Runde schlugen halb zwölf. Aus dem Verwaltungsgebäude trat eine kleine Schar. Es waren die acht Personen, die außer Canning den Flug mitmachten. Canning selbst war der Führer. Den Inder Sarata nahm er zu seiner persönlichen Bedienung mit. Cannings Stellvertreter, der Chefingenieur Bruce. Der bekannte Naturforscher James Harding vom Smithonian-Institute in Massachussets, begleitete die Expedition als Arzt. Oberst Robartson, ein bekannter Jäger und Geologe, der vierte. Die anderen waren geschickte, auserwählte Leute der Werft, die den Bau der »Arizona« genau kannten und für die Bedienung der Apparate ausersehen waren.

Im Nu waren sie von einem Schwarm von Männern und Frauen umdrängt. Verwandte . . . Freunde, die zum letzten Male Abschied nehmen wollten. Ein paar Angestellte brachten das Gepäck der Passagiere in das Schiff.

Jetzt trat der Gouverneur des Staates Arizona, gefolgt von Harrod und Canning, zu dem Raumschiff . . . sprach . . .

Millionen Augen auf ihn gerichtet. Man verstand zwar seine Worte nicht, wußte aber, daß jetzt der Taufakt des Schiffes vollzogen würde. – – –

Der Gouverneur hatte seine Rede beendet, da fiel das Tuch, das die goldenen Buchstaben am Bug verhüllte, zur Erde. Weithin leuchtete im Sonnenschein der Name »Arizona«.

Der Jubel der Massen dröhnte wie ein Orkan durch das Tal. » Three Cheers for the ›Arizona‹!« rollte es die Hänge entlang.

Doch schnell wieder Stille. Der Gouverneur trat auf Canning zu, gab ihm einen länglichen Gegenstand in die Hand. Der schwang ihn um den Kopf. Eine Flagge entrollte sich.

» Three Cheers for the star spangled Banner!« Nun tauchten überall in der riesigen Zuschauermenge kleine . . . große Sternenbanner auf. Hüte wurden geschwenkt.

Wußte doch jeder, was diese Szene zu bedeuten hatte. Die Presse hatte am Tage vorher in tönenden Worten darauf hingewiesen. Diese Flagge . . . von Cannings Hand auf der Venus aufgepflanzt . . . das Symbol, daß das neue Land nordamerikanischer Boden sei.

Den Sieg vor Augen, hatte man schon die Beute verteilt. Man erinnerte an jene ersten europäischen Conquistadoren, die vor einem halben Jahrtausend die Welt eroberten, indem sie überall, wohin sie kamen, die Flagge ihres Landes aufpflanzten. Man wies mehr oder weniger versteckt darauf hin, daß es mit den modernen Raumschiffen möglich sei, alle Gebiete der neuen Welt . . . der Venuswelt . . . in kürzester Zeit zu durchstreifen, daß man also sofort Gelegenheit hätte, durch Abwerfen von Flaggen seine Hoheitsrechte zu dokumentieren. Wie es auch kommen mochte, auf jeden Fall mußte der größte Teil, wenn nicht die ganze Venusoberfläche, nordamerikanisch werden.

Der Zeiger der Uhr stand nur wenige Minuten vor Zwölf. Ein Trupp Polizeibeamter machte den Platz um das Schiff frei. Noch ein letztes Abschiedswinken der Passagiere. Dann verschwanden sie in dem Bauch der »Arizona«, als letzter Canning.

Mit einem Händedruck nahm er von Harrod Abschied. Kaum war er verschwunden, heulte eine Sirene auf. Die eiserne Plattform, auf der das Schiff stand, begann sich unter dem Elektronenhagel rot zu färben, glühte auf. Da . . . leise . . . ganz langsam, wie von unsichtbaren Händen gehoben, stieg die »Arizona« in die Luft.

Als würden die Kräfte, die an ihr zerrten, immer stärker . . . immer schneller ihr Flug! . . . Noch konnte das Auge alle Einzelheiten des Baues erkennen. Doch immer höher . . . höher stieg sie . . . Die Geschwindigkeit von Meter zu Meter immer stärker werdend, trieb sie zu immer schnellerem Flug . . . zu immer höheren Höhen.

Nur ein schimmernder, heller Streif jetzt . . . jetzt nur noch ein kleiner, gleißender Punkt . . . jetzt noch eben mit scharfem Glase sichtbar . . . jetzt verschwunden. – – –

Da löste sich der Bann, der minutenlang die Massen gefesselt. Das ganze Tal ein brodelnder Kessel. Schreien . . . Jubeln . . . Winken . . . man umarmte sich. Jeder schätzte sich glücklich, diesen historischen Moment mit erlebt zu haben . . . War er nicht ebenso groß? . . . größer als jener, da Christoph Columbus an Bord der Santa Maria den Hafen Palos verließ, um eine neue Welt für Spanien zu erobern?

Die unzähligen Radioempfänger sorgten dafür, daß diese glorreiche Stunde gleichzeitig in den entlegensten Winkeln der Erde miterlebt wurde.

 

* * *

 

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