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Das Elfenbeinkind

Henry Rider Haggard: Das Elfenbeinkind - Kapitel 19
Quellenangabe
authorHenry Rider Haggard
titleDas Elfenbeinkind
publisherVerlag Martin Maschler
yearo.J.
translatorArthur Heye
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170210
projectid318bbeb0
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19. Kapitel
Heimwärts

Wir begruben Hans in einem Ehrengrabe vor dem Tore des zweiten Tempelhofes, genau dort, wo er Jana niedergeschossen hatte, und als die Erde über sein kleines gelbes Gesicht fiel, meinte ich zu fühlen, daß die Hälfte meines Ich mit ihm in jenem Loche begraben wurde.

Hans hatte, was die Kendah betraf, recht gehabt. Sie wanderten aus. Über dreitausend allerdings wanderten nicht aus; die lagen tot vor den Zugängen zum Tempel des Elfenbeinkindes, und unsere Leute hatten Tage und Nächte zu tun, alle die Leichen in den Verteidigungsgräben beizusetzen.

Jana wurde dort, wo er gefallen war, verscharrt, denn wir konnten diese enorme Last natürlich nicht abtransportieren. Die einzigen Wunden, die ich an ihm fand, hatte Hans ihm beigebracht. Er hatte durch ihn ein Auge verloren; das kleine Loch über dem Herzen rührte von dem Schuß her, den er mit »Intombi« auf ihn abgefeuert hatte, und im Maule am oberen Gaumen waren zwei runde, glatte Löcher zu sehen. Dort waren die Kugeln der schweren Elefantenbüchse hineingegangen, die ihm dann das Gehirn durchschlagen hatten.

Ich erbat von den weißen Kendah die zwei mächtigen Stoßzähne, aber sie schlugen mir diese Bitte ab.

Den vereinbarten Vertrag hielten die Kendah gewissenhaft ein. Durch eine eigenartige, feierliche Zeremonie wurde Lady Ragnall ihres hohen Amtes als Wächterin des Gottes, dessen Symbol nun nicht mehr existierte, entkleidet. Von da ab wurde sie wie ein Gast, so wie wir selbst, behandelt.

»Der Fluch des Kindes ist restlos in Erfüllung gegangen!« sagte Hârut ernst. »Erst Sturm und Hunger. Dann Krieg. Und nun Flucht und Zerstörung.«

»Es scheint so,« antwortete ich, »aber dieser Fluch ist, wie mancher andere, auf seinen Urheber zurückgefallen. Denn wenn auch Jana tot ist, wenn auch sein Volk geflohen ist, wo ist das Kind, und wo sind so viele deines Volkes? Was wollt ihr nun tun ohne euren Gott, Hârut?«

»Unsere Sünden bereuen und warten, bis die Himmel uns einen neuen Gott senden«, sagte er mit tiefer Traurigkeit in der Stimme.

Etliche Tage später verließen wir den Heiligen Berg, eine Karawane von ungefähr hundert Kamelen. Fünfzig waren mit Elfenbein beladen. Auf den anderen saßen, von Hârut selbst angeführt, unsere Eskorte und wir drei Europäer. Aber ein Fluch ruhte auf diesem Elfenbein. Einige Wochen später überraschte uns in der Wüste ein Sandsturm. Mit knapper Not retteten wir das nackte Leben. Als der Sturm am heftigsten tobte, rissen sich die Kamele los und flohen in die Wüste hinein. Dort sind sie wahrscheinlich umgekommen und unter Sandmassen begraben worden;

Die weißen Kendah, ein Volk, das seine Gefühle selten zur Schau stellte, sahen uns ohne jedes Zeichen von innerer Bewegung scheiden. Sie sagten uns kaum Lebewohl.

Tag um Tag, Woche um Woche zogen wir über jene endlosen Flächen, einem Wege folgend, den nur Hârut allein kannte.

Nach mühseliger Wanderung erreichten wir endlich einen kleinen Hafen am roten Meer. Ich schiffte mich zur Reise nach Natal ein, während Ragnall und seine Frau nach Suez fuhren.

Als ich des alten Hârut Hand zum Lebewohl schüttelte, teilte er mir mit, daß er nach Ägypten gehe. Auf meine Frage warum, antwortete er:

»Vielleicht um einen neuen Gott zu suchen, Lord Macumazana, einen Gott, den uns kein Jana zerstören kann. Wir können über diese Sache noch einmal sprechen, wenn wir uns wiedersehen!«

Das sind einige wenige Erinnerungen an diese meine letzte Reise. Denn um die Wahrheit zu sagen, ich habe alles um mich herum nur wenig beachtet.

Mein Herz blutete über Hans ...

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