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Gutenberg > Karl Friedrich Hensler >

Das Donauweibchen

Karl Friedrich Hensler: Das Donauweibchen - Kapitel 2
Quellenangabe
typedrama
booktitleDie romantisch-komischen Volksmärchen
authorKarl Friedrich Hensler
year1936
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleDas Donauweibchen
pages97-98
created20031201
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1798
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Erster Aufzug

Erster Auftritt.

Waldgegend. Im Hintergrund fließt die Donau. Es ist volle Jagd.

Introduction.
Das Riedhorn erschallt,
Durchstreifet den Wald,
    Verfolget das Wild mit zernichtender Wuth.
Auf, rastet nur nicht,
Bis Beute verspricht
    Der stürzende Bär sich wälzend im Blut.

(sie gehen weiter, das Jagdgetöne verliert sich.)

Zweiter Auftritt.

Ritter Albrecht kommt, verfolgt von einem Bären. Er setzt sich wider ihn, der Ritter wirft die Jagdlanze weg, zieht seine Klinge. Der Bär stürzt sich in die Fluth. Nach einem heftigen Donnerschlag erscheint über dem Wasser Hulda mit Lilli auf den Fluthen schwebend. Mehrere Nixen, die mit Pfeilen nach Albrecht zielen. – Schrecklicher Accord.

Nixen. (drohend) Halt ein!

Hulda. Dahin ist jene frohe Stunde,
    Die ich in deinem Arm genoß.
Als ich dich wiegte Mund an Munde,
    In wonnetrunkner Liebe Schoos.
Die Folgen davon kennst du nicht,
    Vergesse nicht der Liebe Pflicht.

(entferntes Jagdgetöne. Alles verschwindet auf einmal in den Fluthen. Das Jagdgefolge nähert sich von beyden Seiten)

Chor. Das Riedhorn erschallt,
Im rauschenden Wald.
    Schon sättigt den Muth,
    Das strömende Blut.

Dritter Auftritt.

Ritter Albrecht stützt sich auf sein Schwert, und starrt gedankenlos in die Fluth. Fuchs. Käsperle. Mehrere seiner Reisigen umgeben ihn.

Albrecht. Welch' eine sonderbare Begebenheit! Was hab ich gesehen?

Fuchs. Herr Ritter! was ist euch wiederfahren?

Albrecht. (wie aus einem Traum erwachend) Wo bin ich? Ihr hier? Sahet ihr nichts, gar nichts?

Käsperle. (sieht sich um) Ich seh nichts, als Bäume und Wasser. – Hagel und Wetter! Was ist euch denn? Seht ihr doch aus, als wenn ihr den St. Veittanz getanzt hättet.

Albrecht. Wie vermag ich, jene wunderbare Erscheinung zu fassen?

Käsperle. Erscheinung? – Da hätt' ich jetzt ganz andere Erscheinungen, wenn ich ein Bräutigam wär.

Fuchs. Wunderbar! Herr Ritter! was ist euch begegnet?

Albrecht. O das kann ich, das werd' ich nie entdecken. Knechte! seht ihr dort die Schloßthürme von Burgau uns entgegen schimmern? Eilet hinüber, und meldet meine Ankunft auf Hartwigs Feste.

Fuchs. Und ihr, Herr Ritter!

Albrecht. Weile noch hier, um meine Sinne zu sammeln; Spudet Euch – Ritter Hartwig möchte um mich besorgt seyn, ich werde langsam nachkommen – Käsperle! du gehest voran.

Käsperle. Recht so, Herr Ritter! Ich geh voran. – Ist doch nichts angenehmers in der Welt, als der Vorreiter bey einer Brautwerberey zu seyn. – (ab mit den Reisigen).

Fuchs. Traun! Ist doch so ein wohltätiges Wesen, Mann und Weib zusammen zu bringen, wo sich die Nachwelt auf gute Menschen freuen kann.

Lied.        
Ein braver Mann ist hochgeehrt,
Er ist des Ruhms der Edlen werth.
    Denn, was sein grosses Herz nur thut,
    Ist ihm und allen Menschen gut.

Drum werde auch ein braver Mann,
So glücklich, als man werden kann.
    Das beßte Weib beglücke ihn,
Mit reiner Unschuld Liebessinn. (ab)

Vierter Auftritt.

Ritter Albrecht allein, setzt sich auf einen Rasen. Hulda.

Albrecht. Ist mir doch, als wenn ich an diesen Ort hingezaubert wäre. Wie sehnlichst wünschte ich, über das Geschehene Auflösung zu erfahren. (Ein Wirbelwind rauscht vorüber, er springt auf.) Was ist das? Welch ein unsichtbares Wesen umschwebt mich? (Man hört über dem Wasser eine sanfte Melodie.)

Hulda. In meinem Schlosse ist's gar fein,
Komm, Ritter! kehre bei mir ein.
    Mein Schlößchen ist gar schön gebaut,
    Du findest eine reiche Braut.

Albrecht. Was hör ich? Der Gesang scheint vom jenseitigen Ufer zu kommen; sollte wohl meine Braut hier lustwandeln, und so einladend singen?

Hulda. Du weißt es nicht, wie gut ich bin,
Mein Herz hegt sanften Liebessinn.
    Viel Freyer buhlen nah und fern,
    Und möchten mich zum Weibchen gern.

Albrecht. (sieht sich um.) Sonderbar! woher tönt dieser schmelzende Gesang?

Hulda. Was helfen alle Freyer mir,
Mein Liebessinn steht nur nach Dir.
    Nur deine Braut wünscht' ich zu seyn,
    Komm, lieber Ritter! komm herein.

(Bei den letzten Worten theilt sich die Fluth. Hulda erscheint, breitet ihren weissen Schleier auf, und setzt Lilli darauf.)

Albrecht. Was seh' ich? Bist du die himmlische Sängerin, deren Silbertöne mich so entzückten? Wer bist du?

Hulda. Kennst du mich nicht mehr? – Albrecht! du ruhtest einst so sanft in meiner Hütte, als dich ein furchtbares Gewitter überfiel, und dunkle Nacht Schrecken und Tod um dich her verbreitete. O Albrecht! ich schützte dich dazumal in meinen Armen, wiegte dich ein in süssen Schlummer, und der wohlthätige Schlaf goß Ruhe über deine sinkenden Augen herab.

Albrecht. Was hör ich – sollte vielleicht – ha! ein schrecklicher Gedanke! Wer bist du?

Hulda. Deine Freundin!

Albrecht. Meine Freundin! (Er will sich nähern, man hört Leute kommen, die Wellen stürzen zusammen, Hulda verschwindet mit Lilli.)

Fünfter Auftritt.

Albrecht. Käsperle, mit ihm Bruno.

Käsperle. Nur mir nach – nur mir nach – hier am Ufer der Donau haben wir ihn verlassen.

Bruno. Eure Knechte begegneten mir auf dem Weg, als ich eben abgesandt ward von Ritter Hartwig, Euch entgegen zu eilen.

Albrecht. Käsperle! du erinnerst dich wohl noch des reitzenden Mädchens, das uns so freundlich in ihre Hütte führte, als wir vor 4 Jahren in diesem Gehölze von einem Gewitter überfallen wurden?

Käsperle. Wohl erinnere ich mich. Traun! ein schmuckes Dirnel, dem ihr wohl auch zu tief möget in die Augen geschaut haben.

Albrecht. (beiseite) Ha – gerne möchte ich länger harren, um Aufschluß dieser rätselhaften Erscheinung zu erlangen. Doch bald muß ich diesen Ort wieder besuchen, um den Vorhang von der geheimnißvollen Vergangenheit wegzuziehen. (laut) Bruno! ich folge euch. (ab)

Sechster Auftritt.

Käsperle. Hernach Lilli, als ein Bauernmädchen.

Käsperle. Das ist ja ein verdammter Streich – was muß denn meinem Ritter begegnet seyn?

Lilli. (stürzt Händeringend heraus, schaut sich überall um) Ach! – er ist nicht mehr hier – wo werd' ich ihn finden?

Käsperle. (erschrickt und geht ihr auf die Seite) Nun – was ist denn das? Wohin willst du denn? du Bagatellerl von einem Mädel!

Lilli. Zu meinem Vater.

Käsperle. Zu deinem Vater? Wer ist denn dein Vater?

Lilli. Ach – ein vornehmer Ritter? aber hihihi! (schluchzt und weint in die Schürze) er will nicht mehr mein Vater seyn – er hat mich und die Mutter verlassen.

Käsperle. Pfui Teufel! das ist nicht schön – (schluchzt laut) Das – das weiß ich gewiß, wenn ich so ein liebes Kind hätt, ich – ich wollt herzlich gern sein Vater seyn.

Lilli. (steht vor ihn hin, und lacht ihn auf einmal aus) Hahaha! – hahaha!

Käsperle. Nun! was ist denn das – Worüber lachst du denn? –

Lilli. Über dich – mein dicker Larifari –

Käsperle. (erschrickt) Woher weißt du denn, daß ich Larifari heiß –?

(Sie lacht noch mehr).

Käsperle. Auweh – auweh! noch so jung, und schon so närrisch – wie heißt denn dein Vater, den du suchst?

Lilli. (ernsthaft) Albrecht von Waldsee!

Käsperle. Al–Al–Albrecht von Waldsee? Nun beim Wetter! das ist keine üble Bescherung für einen Bräutigam, der auf die Brautschau ausreitet. Du wirst dich vielleicht irren, liebes Kind! denn in dem Artikel ist gar leicht ein Irrthum möglich.

Lilli. Ach nein – ich irre mich nicht. Er soll ja so eben durch den Wald gezogen seyn, hat mir die Mutter gesagt.

Käsperle. (beiseite) Das wär ja ein verdammter Streich, wenn etwa da ein Einspruch in die Verlobung geschähe. (laut) Deine Mutter kennt also einen jungen Ritter, der sich Albrecht von Waldsee nennt?

Lilli. Bist ein wunderlicher Kauz – er soll ja mein Vater sein, so muß ihn ja doch wohl meine Mutter kennen.

Käsperle. Da hast du freylich wieder recht. (beiseite) Wenn das ein natürliches Menschenkind ist, so will ich heut noch auf den Blocksberg reiten. (laut) Und weiß deine Mutter, wohin der junge Ritter gezogen ist.

Lilli. Freylich – er zog aus, um sich ein Weib zu hohlen. (schelmisch) Aber siehst du – so sind die Männer – wirsts wohl auch nicht anders gemacht haben, du dicker Schelm du! (mit dem Finger drohend)

Käsperle. (beiseite) Brav! das Kind muß einen prophetischen Geist haben, es redt so vernünftig, als wenn's schon 16 Jahr alt wär.

Lilli. Ja – ja – hör nur, was mir die Mutter von den bösen Männern schon erzählt hat.

Ariette.          
Es wechseln die Männer so schnell wie der Wind,
Sie lieben und herzen manch reitzendes Kind.
    Bald hierhin, bald dorthin, bald fern und bald nah –
    Und dann ist für Mädchen das Unglück auch da.

Sie schmeicheln oft jener, und lieben doch die,
Sie schwören gleich Treue, und halten sie nie.
    Ach – fliehet, ihr Mädchen! die Männer geschwind,
    Weil Männer nur Männer – und falsch dabey sind. (ab)

Käsperle. (allein) Gut! die kann schon früh den Männern den Text lesen, wie wird's erst gehen, wenn sie tausend Wochen alt ist. Ich muß nur meinen Ritter aufsuchen. – Nun der wird sich wundern, wenn ich von der herumwandernden Kleinigkeit Nachricht bringe. (ab)

Siebenter Auftritt.

Gemach auf Ritter Hartwigs Feste.

Ritter Hartwig, mit ihm Meister Minnewart.

Hartwig. Noch kömmt er nicht – wenn dem jungen Manne nur kein Unheil begegnet ist.

Minnewart. Seyd ohne Sorgen, edler Herr! solche junge, rasche Männer halten sich gerne im Forst oder in Herbergen auf.

Hartwig. Nun, Meistersänger! – wenn die Sache mit meiner Tochter richtig wird, so kannst du dich bald zu einem Hochzeitliedlein bereit halten –

Minnewart. Je nun, edler Herr! daran solls nicht fehlen. Muß doch so ein rechtes Freudenleben seyn in dem lieben Ehestand.

Hartwig. Daß ich alter Knabe schon Verzicht thun muß auf dieses Freudenleben.

Minnewart. Ey so schweigt doch von eurem Alter; hat man gesundes frisches Blut, so freyt sich's auch im Alter gut. Bin doch so alt wie ihr, und könnte mich wahrlich aus lauter Liebesfeuer noch entschliessen, ein Weiblein zu nehmen.

Hartwig. Bist ein Narr! was soll ein Weib mit einem solchen Invaliden anfangen? Dich heben und legen, wenn du Gicht und Podagra hast.

Minnewart. Das nicht! wollt ihr traun noch genug Vergnügen zu verschaffen wissen. Wer in der Jugend haushälterisch war, darf im Alter noch spendabel seyn.

Lied.                
Ja, wer ein holdes Weib gewann,
    Den lohnt der Liebe Zeitvertreib.
Wenn nichts mehr freut den alten Mann,
    So ist's ein liebes, schmuckes Weib.
Das beste Mittel in der Welt,
Das Leib und Seel' zusammen hält,
    Das ist ein Weib – folgt meinem Rath,
    Nehmt Weiber – es hilft in der That.

Hat man auch Podagra und Gicht,
    Macht's Weib, daß man doch tanzen muß.
Wenn uns der Wurm im Kopfe sticht,
    Erfreuet uns ein süßer Kuß.
Denn Weiberrat und Weiberkur
Thun Wunder in des Manns Natur,
    Das glaubt mir alten Praktikus,
    Der ich das Alles wissen muß. (ab)

Achter Auftritt.

Hartwig allein, hernach Minnewart.

Hartwig. Jetzt hört nur den alten Krämpler, wie fest ihm noch die Weiblein am Herzen liegen. (Man hört auf dem Wartthurm den Burgwächter blasen) Horch – was ist das? Hufschlag? Der Thürmer giebt das Zeichen zur Eröffnung der Schloßbrücke. (Er eilt zum Fenster) Es ist Albrecht, der Waldseer Graf –

Minnewart. (eilend) Er kommt, er kommt, edler Herr! bey meiner Seele! ein stattlicher Mann!

Hartwig. Eile Minnewart! hohle meine Tochter! Sie soll ihn willkommen heissen. Entdecke ihr aber noch nicht die Ursache seines Hierseyns – ich will sie damit überraschen.

Minnewart. Wenn nur die Überraschung von keinen bösen Folgen ist. Denn eine Maus, die den Speck erblickt, läßt nicht mehr ab, ihn zu erhaschen, bis sie in der Falle gefangen sitzt. (ab in das Seitengemach.)

Neunter Auftritt.

Vorige. Ritter Albrecht.

Albrecht. Herzlich willkommen auf eurer Burg, edler Hartwig! –

Hartwig. (mit einem Handschlag) Dank euch, edler Ritter! ihr liesset uns lange auf eure Ankunft warten, Albrecht!

Albrecht. Müßt mir verzeihen – als wir durch den Forst zogen, stießen uns Bären auf, auf die wir Jagd machten.

Hartwig. Daß ihr nur glücklich und wohlbehalten hier seyd. – Hier kommt meine Bertha.

Zehnter Auftritt.

Vorige. Bertha. Salome. Minnewart mit einem Humpen. Bruno, einige von den Burgreisigen.

Minnewart. Nur herein! nur herein! Bey einem solchen Willkomm muß man den Humpen nicht vergessen. Qui bene bibit, bene dormit.

Albrecht. Herzlich willkommen, schönes Fräulein! ich empfehle mich eurer Gunst. (Bertha verneigt sich stillschweigend).

Salome. (mit einem Knicks) Wir danken euch recht demüthig, edler Herr Ritter! (leise zu Berthen) Hübsch aufrecht das Köpfchen – so schaut doch diesem Herrn auch freundlich ins Angesicht.

Hartwig. Nun – meine Tochter! wirst du unsern Gast nicht willkommen heissen? –

Bertha. Seyd – seyd uns herzlich willkommen!

Hartwig. Nun – wie gefällt euch meine Tochter?

Albrecht. Ein liebes, unschuldiges Geschöpf!

Hartwig. Macht, daß ihr einander gefallt, so hat's keine Noth – sie soll euer Weib werden, wenn sie es anders werden will.

Albrecht. Ich dank' euch, edler Mann!

Hartwig. Darfst nicht roth werden, meine Tochter! ich muß dir's nur sagen, Ritter Albrecht ist zu uns auf die Brautschau herüber geritten.

Minnewart. Hier, holdes Fräulein! thut einmal Bescheid auf die Gesundheit euers Bräutigams. (reicht ihr den Pokal)

Bertha. Welches Bräutigams?

Minnewart. Sollt ihn schon kennen lernen! ich denke doch, daß ihr nicht im ledigen Stande sterben wollt. Ein altes Kraut hat kein Gedeihn, man muß fein jung und zeitig frey'n.

Hartwig. Heda, alter Versifex! wenn du mit deinen Verslein angerückt kommen willst, so sing uns lieber ein Hochzeitliedlein.

Minnewart. Topp! das soll seyn! hab' schon eine neue Weise gemacht, die ich euch vorsingen will. – Ich trinke auf das Wohlseyn unseres holden Burgfräuleins, und ihres Bräutigams! (trinkt.)

Alle. Es lebe Braut, und Bräutigam!

Salome. (sich verneigend) Der liebe Gott seegne ihr Beylager, und laß es gedeihen.

Lied mit Chor.
Minnewart. Die Liebe macht das Leben süß,
    Und froh der Saft der Reben.
Sie zaubern uns in's Paradieß,
    Und sind zur Lust gegeben.
Chor.  { 
 { 
Die Erde ist ein Himmelreich,
Sind wir an Wein und Liebe reich.
Wenn man sich sanft im Arme wiegt,
    In liebetrunkner Freude –
Wer ist denn wohl so hoch vergnügt,
    Als junge Eheleute.
Chor.  { 
 { 
Die Ehe ist ein Himmelreich,
Liebt Mann und Frau sich treu und gleich.
Es leb' das traute Hochzeitpaar
    Im heil'gen Eh'standsbunde.
Bald führen wir sie zum Altar,
    Und seegnen diese Stunde.
Chor.  { 
 { 
Und lieben sie sich treu und gleich,
So ist die Eh' ein Himmelreich.

(Alle ab, bis auf Jungfrau Salome)

Eilfter Auftritt.

Salome allein.

Salome. (mit einem züchtigen Knicks) Ih – dem Himmel sey Lob und Dank für diese glückliche Bescheerung. (weint in die Schürze) Ach, du lieber Gott! daß unser eins nicht auch früher dazu geschaut hat – hätt' in meiner Jugend so manchen Anstand gehabt, aber nein! da war mir keiner recht –

Zwölfter Auftritt.

Käsperle. Salome.

Käsperle. (eilend) Da wär ich jetzt – wenn ich nur gleich meinen Ritter sehen könnte – denn der kleine Wechselbalg will mir nicht aus dem Kopf.

Salome. Du lieber Himmel! wie kommt denn dieser Dickling in unser Gemach? Was wollt ihr hier, guter Freund!

Käsperle. Zu meinem Herrn will ich – zum Ritter Albrecht von Waldsee.

Salome. Wer seid ihr, guter Freund?

Käsperle. Ich bin sein Zechmeister.

Salome. (jubelnd) Sein – sein Zechmeister? ih du mein Gott! sein Zechmeister?

Käsperle. Richtig – sein Zechmeister bin ich.

Salome. (weint) Hihihi! wenn ich an meinen seeligen Zechmeister denke; –

Käsperle. Sagt mir nur, wo ich meinen Ritter finden kann.

Salome. (ebenso) Ach – das war ein stattlicher Mann – der liebe Himmel verleih ihm eine fröhliche Urstände.

Käsperle. Das wünsch ich ihm auch – aber sagt mir nur, wo mein Herr ist, ich habe ihm Sachen von Wichtigkeit zu hinterbringen. – (will fort)

Salome. (freundlich) Ey so harret doch, guter Freund! Ritter Albrecht unterhält sich jetzt mit seiner Braut – (nimmt seine Hand, streichelt sie) und wir beyde, ha, ha, ha – können uns ja einstweilen auch unterhalten.

Käsperle. (beiseite) Auweh! da wird eine schlechte Unterhaltung ausfallen.

Salome. Wie nennt ihr euch denn, edler Herr!

Käsperle. Ich heiß Kaspar Larifari –

Salome. (freudig) La – La – Larifari – nennt ihr euch?

Käsperle. Larifari heiß ich –

Salome. Ey du mein Gott! Lari– Larifari? (lacht verschämt) Ha, ha, ha!

Käsperle. (äft sie nach) Wie könnt ich denn darüber lachen – wenn man über alle Larifari in der Welt lachen wollt, so brächt man's ganze Jahr das Maul nicht zusammen.

Salome. Und ihr seyd Zechmeister beym Ritter von Waldsee.

Käsperle. Zechmeister beym Ritter von Waldsee.

Salome. Hi–hi–hi! das hat etwas zu bedeuten – ich hatte einst auch eine Liebschaft mit einem Zechmeister – ja – ja – das hat etwas zu bedeuten.

Käsperle. Ich glaub, das hat nichts zu bedeuten.

Salome. Ja, ja – da liegt offenbar des Himmels Wille darunter verborgen. (züchtig verneigend) Ach – hab' mich auch lange vor dem Ehstandsjoch gefürchtet – aber jetzt – je nun, wie der Himmel will –

Käsperle. Das weiß der Teufel, was die Alte mit mir haben will.

Salome. Bring euch auch ein reines, unschuldiges, jungfräuliches Herz mit.

Käsperle. (beiseite) Ich muß nur machen, daß ich die Alte vom Hals krieg. (laut) Ihr seyd also noch ledigen Standes?

Salome. Ach freylich – ich bin noch eine ehrbare sittsame Jungfrau – und wenn ihr gekommen seyd, edler Herr! die Last des ledigen Standes von mir zu nehmen –

Käsperle. Nun ja – eben deßwegen bin ich da – (lacht beiseite)

Salome. So sey es in's Himmels Nahmen, ich ergebe mich dem Willen des Schicksals – Laßt mich nur jetzt gleich den ersten Willkommungskuß auf eure Lippen drücken – (Sie nimmt ihn am Kopf)

Käsperle. (schreyt) He – he – So laßt mich aus! das ist ja ein verdammter Streich!

Salome. Der Himmel wird mir diese Sünde verzeihen und vergeben – aber ich kann nicht anders, es muß einmal seyn. – (geht verschämend ab)

Dreyzehnter Auftritt.

Käsperle, allein.

Käsperle. Nun, brav! ich und mein Herr sind in einer saubern Wäsch drinn. Er reitet auf die Brautschau, und unterwegs finden wir eine lebendige Kleinigkeit, die sich seine Tochter nennt. In mich verliebt sich eine alte Jungfrau, die mich mit ihrer Liebe bombardirt. Ja – wann's noch ein hübsch Weibchen wär –

Lied.        
Ein Weibel, das jung ist, vergnüget den Mann,
    Sie thut ihm ja freundlich gar sehr,
Denn schaut man das Weibel kaum freundlich nur an,
    So reckt sie das Göschel schon her.
Da küßt sie so innig, da wird ein'm so warm,
Da fliegt man dem Weibel auch gleich in den Arm.

Und hat man auch Grillen – sie jagt sie hinaus –
    Sie weiß ja wohl, wie? und warum?
Und bringt sie ein freundlich Gesichtel nach Haus,
    Wirds einem so gut um und um.
Man thut ihren Willen in jedem Betracht,
Der Teufel halts aus, wenn ein Weibermund lacht. (ab)

Vierzehnter Auftritt.

Gemach. Mitten ein Tisch mit einem blühenden Rosenstock.

Bertha mit Salome.

Salome. (mit Berthen) Ach – liebes Fräulein! mit uns Beyden ist es leider gethan – es ist richtig, alles ist richtig . . .

Bertha. Ihr erschrecket mich, Jungfer Salome! was ist denn geschehen? –

Salome. Wenigstens 8 Tage lang werd' ich auch, wenn ich heurathe – um meine verlorne Freyheit Thränen vergiessen müssen.

Bertha. Also nur 8 Tage muß man weinen, wenn man heurathet? Je nun! das kann ich ja auch thun, wenn es seyn muß. Hilf, Himmel! da kommt der fremde Ritter.

Fünfzehnter Auftritt.

Vorige. Ritter Albrecht.

Albrecht. Störe ich vielleicht eure Unterredung durch meine Gegenwart, so komme ich ein andermal.

Salome. (hält ihn zurück) Ey! ey! wozu ein andermal, wenn man ein gutes Werk gleich verrichten kann. (leise zu ihm) Werde euch wohl allein lassen müssen, hahaha – denn Liebesangelegenheiten lassen sich immer besser zwischen zwey abmachen, als wo die dritte Person Schildwache hält. (will fort)

Bertha. (hält sie ängstlich am Rock zurück) Jungfer Salome!

Salome. Nun – nun – schreyt ihr doch, als wenn man euch an's Leben wollt?

Bertha. Ihr werdet mich doch nicht allein lassen?

Salome. Ey, warum denn nicht? Solche Herren thun den Mägdlein nichts als alles Liebs und Guts. Bleibt ihr nur in's Himmels Namen hier.

Bertha. (hält sie zurück) Nein! ihr müsset auch da bleiben, Jungfer Salome!

Salome. Hahaha! Was wir doch für Kinder sind, wenn wir keine Erfahrung haben. Müßt euch daran gewöhnen, holdes Fräulein! es dürften wohl Augenblicke kommen, wo ihr die Jungfer Salome auf den Blocksberg wünschtet – ja, ja, auf den Blocksberg. (Bertha hält sie noch immer, sie entwischt ihr, und trippelt ab)

Sechzehnter Auftritt.

Albrecht. Bertha.

Albrecht. Fürchtet ihr euch vor mir, holdes Fräulein?

Bertha. (stotternd) Nein! ja – ja, ach nein! ich fürchte mich nicht.

Albrecht. Seyd ihr mir gut, holde Bertha!

Bertha. Ach ja – ich bin allen Menschen gut!

Albrecht. (beiseite) Diese himmlische Unschuld! (laut) Wißt ihr auch die Ursache, warum ich auf eurer Burg bin?

Bertha. Ja – ja – mein Vater hat mir schon etwas davon entdeckt – aber er hat auch gesagt – er würde mich nicht zwingen.

Albrecht. Wie? mißfalle ich euch?

Bertha. Ach nein! das gewiß nicht.

Albrecht. So wollt ihr also mein Weib werden?

(Man hört ein Gepolter, als wenn die Fensterscheiben zitterten. Donner. Beyde entsetzen sich)

Bertha. O weh! was ist das?

Albrecht. Welch ein sonderbares Getöse erfüllt dieses Gemach?

(Nochmaliger Donner)

Bertha. Der Burggeist! der Burggeist! (eilt Händeringend ab in das Seitengemach)

Siebenzehnter Auftritt.

Albrecht. Hulda als ein altes Mütterchen, an einem Stab einher wankend.

Albrecht. Welch eine alte zusammengeschrumpfte Menschenfigur?

Hulda. Ich grüße dich durch siebenmal und zweymal drey, lieber Edelritter! die Sonne steht in deinem Zeichen – dein Glück wird reifen und gedeihen.

Albrecht. Was willst du mit dem allem sagen?

Hulda. Daß du ein Glückskind bist.

Albrecht. Noch weiß ich von keinem außerordentlichen Glück.

Hulda. Wird schon kommen, wenn du vernünftig bist. Weiberglück – lieber Mann! Weiberglück! Die Weiber sind dir gut. Eine grosse Fürstin wird dir Macht und Reichtum mit ihrer Liebe schenken.

Albrecht. Eine grosse Fürstin?

Hulda. Gewiß und wahrhaftig! du hast eine Buhlschaft mit der Tochter dieses Schlosses? Lieber Edelritter! Habe sie immerhin – versäume aber darüber dein Glück nicht. Sieh, hier bringe ich dir ein Bildniß – du kannst es behalten.

Albrecht. (betrachtet das Bild) Diese Züge sollte ich kennen. Und dieses Weib?

Hulda. Wer sie ist, hast du gehört – wo sie wohnt? Du magst die halbe Welt durchreisen, so wirst du kein Schloß finden, welches an Pracht dem Schlosse der schönen Hulda gleicht.

Albrecht. Du sprichst mit mir, wie mit einem Kind.

Hulda. Ha, ha, ha! mehr als dreymal könntest du auch mein Sohn seyn.

Albrecht. Das glaub' ich eben so gerne, als ich es nicht wünsche. Wer bist denn du, die du zur Gesandtschaft dieser schönen Fürstin auserkoren bist.

Hulda. (weint) Eine unglückliche Mutter, die für ihr Kind einen Vater suchen muß.

Albrecht. Für dein Kind einen Vater?

Hulda. Ach, wenn du es sehen solltest, wie hold freundlich das Kind seinem Vater entgegen lächelt. – Erst viermal sah es die Bäume blühen.

Albrecht. Und dieses Kindes Mutter wärest du? Und der Vater?

Hulda. Ein holder Mann! Liebe schuff ihm Natur in das Herz – Liebe goß Wonne auf den Pfad seines Lebens – aber auch Liebe wird noch manche Stunde seiner Tage trüben; ach – wenn du es erblicken wirst, das holde Kind – die süsse Frucht meiner Liebe –

Albrecht. (lachend) Traun! wäre doch begierig, von dir einen Sprößling zu erblicken.

Hulda. Siehst du dort jenen blühenden Rosenstock – pflücke jenen keimenden Rosenknospen, der sich unter den übrigen schon aufgeblühten Blumen sittsam verbirgt.

Albrecht. Wohlan! das will ich thun. (Er geht dahin, und bricht den Knospen ab. Sogleich verwandelt sich der Tisch in ein reizendes Schilfbett, worauf Lilli schläft.)

Albrecht. Was seh' ich?

Hulda. Meine Tochter!

Albrecht. Wie? dieses reitzende, liebenswürdige Kind deine Tochter?

Hulda. Wir sind hier, um dir, lieber Edelritter! ein Hochzeitsgeschenk zu überbringen. (ruft) Lilli!

Lilli. (erwacht, und eilt zu ihrer Mutter – Sie hat eine goldene Spindel in der Hand) Mutter! hier bin ich.

Hulda. Ritter! diese goldene Spindel übergeb' ich eurem Weibe zur Mitgift. – Diese Spindel ist ein Erbtheil meiner Urgroßmutter – ihre Wunderkraft wird euch und eure Nachkommen zu den Reichsten des Gaues machen.

Albrecht. Wie kann ich meiner Wohlthäterin danken?

Hulda. Wenn du ihr danken willst, so suche sie auf an dem Ufer der Donau – dort wirst du sie finden.

Albrecht. An dem Ufer der Donau? – und die Wunderkraft dieser Spindel?

Romanze.            
Hulda. Frau Gertrud war im ganzen Land,
            Als fleiss'ge Spinnerin
        Bey Alt und Jungen wohl bekannt,
            Groß war stets ihr Gewinn.
Sie drehte das Rädchen bey Tag und bey Nacht,
Da ward nun manch Fädchen zur Leinwand gemacht.

        Einst als sie gieng so ganz allein,
            Die Kleinen an der Hand,
        Kam eine Frau im Mondenschein,
            Schneeweiß war ihr Gewand.
Hier nimm diese Spindel, sie spinnet nur Gold,
Die Gottheit bleibt immer den Fleissigen hold!

(Sie übergibt ihm die Spindel)

Albrecht. Diese Spindel spinnet?

Lilli. Gold – Gold! lieber Ritter! laßt nur fleissig damit spinnen, und ihr werdet reich und hochgeehrt werden im ganzen Land.

Albrecht. (zu Hulden) Unbegreifliches Wesen! wer bist du – wie nennst du dich?

Hulda. (wandelt sich um) Hulda, deine Wohlthäterinn!

(Käsperle öffnet die Thüre. Hulda und Lilli verschwinden.)

Achtzehnter Auftritt.

Albrecht. Käsperle, sich entsetzend.

Käsperle. Alle Donnerwetter! was hat das zu bedeuten? Ist mir doch nicht anders gewesen, als wenn die Zimmerdecke über mir einfallen wollt (sieht den Ritter) Was – was ist denn mit meinem Herrn geschehen? – (nähert sich ihm) Mit Gunst – ge – gestrenger Herr!

Albrecht. (wie aus einem Traum erwachend) Was war das? wo bin ich?

Käsperle. Im Zimmer steht ihr, als wenn ihr angenagelt wäret.

Albrecht. Hast du hier nichts, gar nichts gesehen, Käsperle?

Käsperle. Gesehen hab ich nichts – aber gehört hab ich was, daß ich bald das Zähneklappern gekriegt, und mein Bauch so dünn worden wär wie eine leere Waidtasche –

Albrecht. Wunderdinge gehen mit mir vor, die ich nicht begreifen kann.

Käsperle. Was wollt ihr denn mit der Spindel da in der Hand?

Albrecht. Diese goldene Spindel ist ein Hochzeitgeschenk –

Käsperle. Ich bitt' euch, Herr Ritter! stellet eure Hochzeit ein, denn zwey Weiber auf einmal werdet ihr doch nicht nehmen wollen?

Albrecht. Zwey Weiber auf einmal?

Käsperle. Draussen im Wald ist mir ein kleines, liebes Kind begegnet, das nach euch gefragt hat.

Albrecht. Ein Kind! (in stummes Nachdenken versunken)

Käsperle. (beiseite) Aha! er merkt schon was! (laut) Und das Kind hat seinen Vater gesucht.

Albrecht. Seinen Vater – sagst du?

Käsperle. Und hat g'sagt, daß ein gewisser Ritter Albrecht von Waldsee sein Vater wär.

Albrecht. Wie? was – Schurke! (packt ihn)

Käsperle. He! so laßt mich aus – was weiß denn ich von euren Spitzbübereyen, die ihr in eurer Jugend getrieben habt.

Albrecht. Und das Kind!

Käsperle. Ein allerliebstes Dingerl! es sieht auch aus, als wenn's euch wie aus dem Gesicht geschnitten wär. –

Albrecht. (nach einer kleinen Pause) An dem Ufer der Donau soll ich sie finden? – Hinaus zur Donau, um dieses verborgene Räthsel zu entziffern. Käsperle! du folgst mir! – (ab).

Käsperle. (nachäffend) Käsperle! du folgst mir. – Komm schon nach. (allein) Nun – da seht's jetzt – wer hätte das von meinem Herrn Ritter geglaubt (weinend) Ich, ich sag' halt immer, wenn man ein Weibel hat, soll man's allein gern haben – und nicht solche Spitzbübereyen unternehmen. (ab)

Neunzehnter Auftritt.

Das Ufer der Donau, auf einer Seite eine Mühle, nahe dabey ein Baum. Auf der Seite der Mühle liegen mehrere Kornsäcke.

Nixenchor. (sie schwimmen umher)

Traute Schwester uns so theuer!
Dich verzehrt der Liebe Feuer.
Hulda! denn aus deinem Schooß
Reißt man deinen Liebling los.

(Hulda schwebt auf den Wellen, sie umgeben Erlinde und die übrigen Nixen.)

Auf, froh und munter,
Rühret die Glieder,
Taucht auf und unter,
Schwimmt hin und wieder.

(sie verbergen sich unter den Fluthen.)

Zwanzigster Auftritt.

Albrecht. Hulda unsichtbar.

Albrecht. Nun wandle ich hin und her an dem Ufer der spiegelhellen Donau – warte so sehnlich auf die räthselhafte Erscheinung –, und nur die zauberischen Töne, die mein Ohr heute früh schon entzückten, ziehen mich mit magnetischer Kraft hieher.

Hulda. (unsichtbar aus dem Wasser, klagend) Albrecht! Albrecht!

Albrecht. Was hör' ich – (die Wellen bewegen sich, er geht dem Ufer näher) Welche Klagstimme nannte meinen Namen? Sollte ein Mensch im Wasser verunglückt sein? oder –

Hulda. (erhebt sich in den Fluthen, streckt die Hände nach ihm aus) Holder Albrecht! Komm in meine Arme!

Albrecht. (bebt zurück) Wen seh' ich?

Hulda. Deine Hulda! (Er streckt seine Arme nach ihr aus, beginnt hinab zu glitschen, und hält sich mit einem Schrey noch an dem Ast eines Baumes.)

Ein und zwanzigster Auftritt.

Albrecht. Käsperle mit Bertha.

Käsperle. Kommt nur mit mir, holdes Fräulein! werden ihn schon finden. (Wie diese kommen, verbirgt sich Hulda, und man hört ein dumpfes, donnerartiges Gemurmel, bis endlich das ganze Gewitter ausbricht.)

Bertha. (zu Albrecht, der immer in die Fluth sieht) Um Gottes willen! Ritter Albrecht! was ist euch?

Albrecht. Fräulein! seyd ihr schon lange hier? – Käsperle, sahest du nichts, gar nichts?

Käsperle. Habt's schon wieder so eine verdammte Erscheinung gehabt – ich sieh' und hör nichts –

Bertha. Ach – Albrecht! ich ahnde fürchterliche Dinge. Vielleicht war es ein Spiel von der Donaunixe.

Albrecht. (staunend) Donaunixe?

Bertha. Die Leute wissen gar viel von ihren Kunstgriffen zu erzählen, mit welchen sie die Leute an sich zu ziehen weiß.

Albrecht. Ich verstehe euch nicht. (Ein lautes Gelächter aus den Fluthen)

Käsperle. (wendet sich um) Nun! was sind denn das für Kindereyen?

Albrecht. Was ist das?

Bertha. Kommt in die Burg. Hörtet ihr nicht hell auflachen. Das ist die böse Nixe – man nennt sie nur das Donauweibchen. (Lachen)

Käsperle. So haltet euer Maul, ihr Wasserkröten! oder ich werf' einen Hutvoll Kieselsteine nach euch. (sucht Steine zusammen)

Bertha. (will ihn fortziehen) O kommt! kommt, lieber Albrecht! und versprecht mir, nie wieder allein an dem Ufer der Donau zu lustwandeln.

Albrecht. Jetzt erst empfinde ich, daß ich hart gefallen bin – ich fühle heftige Hüften-Schmerzen – (voriges Gelächter)

Bertha. Schon wieder? hörst du! O Albrecht! sollte dieses Hohnlächeln vielleicht ein trauriger Vorbothe unserer ehelichen Liebe seyn?

Albrecht. Schwärmerin! aber auch trotz deiner Schwärmerey so liebenswürdig! (ab. Allgemeines Gelächter in der Fluth.)

Käsperle. (allein) Wartet, ihr verdammtes Wassergesindel! ich will euch die Gurgeln zustopfen. (Er wirft Steine in das Wasser, sogleich erhebt sich ein fürchterlicher Sturm, Donner und Blitz. Die Nixen erscheinen auf den Wellen, und zielen mit Pfeilen nach ihm.)

Chor.        
In dem Wasser, in den Lüften,
In der Erde finstern Grüften
    Wohnen wir – drum hüte dich!
Red' von Nixen nicht vermessen,
Wirst du deine Pflicht vergessen,
    Rächen wir uns fürchterlich.

Käsperle. Das Beßte wird seyn, wenn sich der Larifari da aus dem Staube macht. (Er will sich davonschleichen.)

Geisterchor.        
Larifari! Larifari!

(Ein Sack steht nach dem andern auf, und trippelt vor Käsperle hin, der ängstlich zurückweicht)

        Harre hier an diesem Ort,
Denn du kömmst von uns nicht fort.

(Sie haben ihn in der Mitte, auf einmal lösen alle die Säcke bis an die Schultern, die Geister tanzen um ihn einen Kettentanz, er entschlüpft ihnen, retirirt sich auf den Baum, dieser verwandelt sich in ein Windmühlen-Rad, woran Käsperle unter lautem Geschrey herumgetrieben wird.)

Allgemeiner Chor.

    Ha, ha, ha! – ha, ha, ha! –
In den Lüften um und um,
Gehts mit ihm im Kraiß herum.

Der Vorhang fällt.

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