Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Gustaf af Geijerstam >

Das Buch vom Brüderchen

Gustaf af Geijerstam: Das Buch vom Brüderchen - Kapitel 47
Quellenangabe
pfad/geierst/buchbrue/buchbrue.xml
typefiction
authorGustaf af Geijerstam
booktitleGesammelte Romane
titleDas Buch vom Brüderchen
publisherS. Fischer Verlag
seriesGesammelte Romane in fünf Bänden
volumeDritter Band
year1910
translatorFrancis Maro (Marie Franzos)
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081209
projectidd2c37152
Schließen

Navigation:

Dreizehntes Kapitel

Ich öffnete den Brief, der zu oberst in der kleinen Kommode meiner eigenen Kindheit dort drinnen in Svens Heiligtum lag. Da las ich dieses:

»Ich habe so oft vom Sterben gesprochen, aber einmal wird es ja doch geschehen. Wer dieses Blatt zuerst findet, soll es dem oder denen zeigen, die mein Begräbnis anordnen werden. O Gott, wenn ich dieses Wort niederschreibe – wäre ich so nahe dem Grabe, wie das Wort dem Papier. Ich wollte ja für Geliebte leben, die mehr für mich getan haben, als Menschen für einen anderen tun, und ich versuche, so gut ich kann. Aber wenn es nicht gelingt – und es ist mir so zumute – dann möchte ich in mein weißes Kleid gekleidet werden. In meiner untersten Kommodenlade ist all das Linnen, das Nenne, mein Engel, benützte. Aber gebt es mir mit. Laßt so viel von dem, was sein ist und in meinem Sarge Platz hat, mit hineinkommen. Auch auf seinen harten, kleinen Spielsachen werde ich weich liegen. –

Ein letzter Wunsch noch. Sterbe ich zu Hause, so versucht, wenn es möglich ist, mich in Nennes Zimmer aufzubahren.

Dank für alles, alles. Aber ich war ein unglücklicher Mensch und konnte nicht leben trotz aller Liebe und Zärtlichkeit – –.

Eure
Elsa.«

Und so wurde sie in das weiße Kleid gekleidet, das sie nicht getragen, seit sie sich an der Erde nicht mehr freute und an allem, was der Erde war. Alles geschah, so wie sie es gewünscht, und in Svens kleinem Zimmerchen ward ihr letztes Lager gebettet. Da lag sie, das weiche, schwarze Haar gelöst über das weiße Gewand fallend, und rings um sie waren alle Blumen des Frühlings. Hinter ihr erhob sich zu dem kleinen Fenster eine purpurrote Azalea, und auf dem Bette lag ein Regen von gelben Rosen.

Sie sah aus, als ob sie schliefe, und ihr Gesicht hatte sich im Tod verjüngt.

So ging sie zu Sven, wie sie selbst gesagt, und darum ist dies das »Buch vom kleinen Brüderchen«, das kam und seiner Mutter Engel wurde, wenn auch nicht so, wie wir gehofft hatten. Denn er nahm sie mit, als er ging.

 << Kapitel 46  Kapitel 48 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.