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Das Buch vom Brüderchen

Gustaf af Geijerstam: Das Buch vom Brüderchen - Kapitel 33
Quellenangabe
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typefiction
authorGustaf af Geijerstam
booktitleGesammelte Romane
titleDas Buch vom Brüderchen
publisherS. Fischer Verlag
seriesGesammelte Romane in fünf Bänden
volumeDritter Band
year1910
translatorFrancis Maro (Marie Franzos)
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectidd2c37152
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Zwanzigstes Kapitel

Es steht ein kleiner, gelber Sarg mitten im Zimmer, auf derselben Stelle, wo vor nicht langer Zeit ein Bett mit einem lebenden Kinde stand. Jetzt ist das Zimmer mit Rosen geschmückt. Man sieht fast nichts anderes als Rosen, und durch die Türe tritt ein einsames Weib.

Sie trägt ein Kind auf ihren Armen, und das Kind ist tot. Sie will nicht, daß irgend jemand anderer als sie selbst ihren Liebling berühre, und mit ihren eigenen Händen, die nicht zittern, legt sie ihn in den Sarg. Ein kleines Hündchen aus Wolle, mit dem er zu schlafen pflegte, als er noch frisch und gesund war und niemand an den Tod dachte, legt sie in seinen Arm. Es ist »Flocki«, der seinen Herrn begleiten will. Es ist ein friedlicher Schlafgefährte, der keinen stört. Dann sieht sie nach, ob ihr Knabe gut liegt, und ordnet sein Bett, als hätte er eben sein Abendgebet gesprochen und sie wäre gekommen, um ihm gute Nacht zu sagen. Sie sieht ihn an, als sollte ihr Herz brechen, und sie küßt seine kalten Lippen.

Dann geht sie ihrer Wege, und ich stehe da allein mit dem Deckel, den, wie ich ihr versprochen habe, kein anderer als ich festschrauben soll. Ich schraube und schraube, und der Ton des Meißels gegen die Schrauben, die in das Holz eindringen, klingt schrill, so als knirschte ich selbst vor Schmerz mit den Zähnen.

Aber als es geschehen ist, fühle ich keinen Schmerz mehr. Es ist, als hätte die Angst der letzten Tage jede Möglichkeit, zu fühlen, in mir ertötet, und wohin ich sehe, begegnet mein Blick nur Blumen.

Da gehe ich hinaus auf die Veranda, und der Duft des Kaprifoliums, der aus dem Dunkel emporsteigt, schlägt mir entgegen, derselbe Duft, der mich umgab, als ich die Finger meines Kindes die meinen mit der Macht des Todes umklammern fühlte. Alles in mir ist aufgelöst, alles ist vorüber. Ich denke an sie, die eben hinausging, und an alles, was folgen muß. Ich fühle, daß ich nie Zeit haben werde ihn so zu betrauern, wie ich wollte, meinen kleinen Knaben mit den Engelsaugen, und einsam beuge ich das Knie an seinem Sarge, ich, der ich nicht weiß, vor wem ich das Knie beuge und zu wem ich beten soll.

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