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Artur Landsberger: Das Blut - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
authorArtur Landsberger
titleDas Blut
publisherKurt Ehrlich
printrun15. bis 24. Tausend
year
firstpub1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080707
projectide040a946
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Dreiunddreißigstes Kapitel.

In der Nacht nach dem Fest schlossen sich Johannes, Brigitte und Peter Last im Turm in ein Zimmer ein, mit Wänden, die keine Ohren hatten, und berieten miteinander.

»Man durfte sie nicht entkommen lassen,« meinte Peter Last, und Johannes erwiderte: »sollte ich mich vielleicht, der ich im Mittelpunkte stand, den jeder sah, auf sie stürzen und ihr die Kehle umdrehen? – Du konntest es tun, oder die Andern, die dabei standen, bewegen, daß sie es taten!«

»Sie standen ja alle wie betäubt! – Und fürs Erste muß man froh sein, daß es so ausging.«

»Kein Mensch glaubt Euch das, daß es ein Gespenst war!« meinte Brigitte. »Wenn die Leute erst ausgeschlafen haben und nüchtern sind, dann werden sie darüber nachdenken und Verdacht schöpfen.«

»Nie durfte das geschehen!« sagte Johannes.

»Du hättest es ja verhindern können,« schalt Brigitte. »Daß es Erlaß vom Rest der Strafe gibt, weiß jedes Kind. Aber du denkst nur quer und das Nächstliegende vergißt du.«

»Deine Vorwürfe können jetzt nichts nützen. Denk lieber nach, was jetzt zu tun ist.«

»Aufhängen können wir uns!« erwiderte Brigitte.

»Es – sei – denn –« meinte Peter Last und kniff die Augen zusammen – »wir hängen sie auf.«

»Damit ist uns nicht geholfen, wir müßten denn gleich alle Drei hängen,« erwiderte Johannes.

Peter Last verzog das Gesicht und meinte: »Das ist ein bißchen viel für Einen! – Da müßtet dann Ihr Euch schon mitbemühen.«

»Bleibt mir mit solchen Geschichten vom Hals!« wehrte Brigitte ab. »Am ersten Tage habe ich Euch gesagt, daß ich für so etwas nicht zu haben bin. Und Ihr habt mir versichert, es ginge auch so!«

»Das haben wir auch geglaubt,« erwiderte Johannes. »Wir konnten ja nicht voraussehen, daß es so kommt.«

»Wenn Ihr so blöd seid, dann hättet Ihr eben die Finger davon lassen müssen. – Da waren meine Freunde aus dem »Strammen Hund« doch andere Kerls! Da wurde gehandelt und nicht viel geredet. Weder vorher noch nachher. Das wurde bei ein paar Flaschen besprochen, und wenn's vorbei war, mit ein paar Flaschen heruntergespült, Aus war's!«

»Recht hat sie!« erwiderte Peter Last. »Und wenn es nur um die Eine ginge...«

»Es geht aber um Drei! die jetzt, in dieser Nacht, genau, wie wir hier, bei Kargert zusammensitzen und beraten.«

»Du meinst...?«

»Verlaß dich drauf!«

»Wenn das stimmt, dann sind wir verloren,« sagte Brigitte, und Peter Last meinte:

»Ließen sich Kargert und die Amme nicht auf unsere Seite bringen?«

»Tausendmal eher bringen die dich auf ihre!« erwiderte Johannes, bereute aber auch schon im selben Augenblick, es gesagt zu haben.

Peter Last dachte nicht daran, es übelzunehmen. Er verzog das Gesicht und sagte: »Nee! das wäre nur ein Gelegenheitsgeschäft. – Bei dir weiß ich, woran ich bin. Ich bin für feste Stellung.«

»Und sollst es, wenn es diesmal klappt, nicht bereuen,« erwiderte Johannes.

»Ich möchte wissen, wie das möglich wäre,« meinte Brigitte.

»Zunächst ist wichtig, daß wir ihnen zuvorkommen und Kornelia verhaften lassen.«

»Du willst sie verhaften lassen? woraufhin?

»Weil sie die Frechheit besitzt, sich für Kornelia van Vestrum auszugeben, ohne es beweisen zu können. Wir hingegen haben sämtliche Papiere in Händen, den Geistlichen, den Standesbeamten auf unserer Seite, und werden mit Hilfe deren eidesstattlichen Versicherungen, denen sich unter meinem Zwang die gesamte Dienerschaft anschließen wird, mühelos ihre Festsetzung bewirken.«

Peter Last leuchtete das ein. Er griente. Aber Brigitte meinte:

»Diese Festsetzung wird keine vierundzwanzig Stunden dauern und auf Grund einer eidesstattlichen Versicherung der Amme und Kargerts aufgehoben werden.«

»Du hast recht,« bestätigte Johannes. »Es gibt nur eine Möglichkeit: man muß die Amme gewinnen.«

»Dann gewinne doch lieber gleich Kornelia!« erwiderte Brigitte. »Das ist dann noch eher möglich.«

»Du bringst mich da auf einen Gedanken!« rief Johannes.

»Nämlich?«

»Ich sehe ein, daß wir gegen Kornelia und die Amme und Kargert als Zeugen nichts ausrichten werden. Sie triefen alle drei vor Redlichkeit, gegenüber denen unsre kunstvoll konstruierten Beweise ohne Wirkung bleiben werden.«

»Etwas spät kommst du dahinter!« warf Brigitte ein.

»So laß ihn doch zu Ende reden!« sagte Peter Last.

Johannes war aufgestanden und ging, die Hände in den Taschen, im Zimmer umher. Er blinzelte, und um seinen breiten Mund zuckte es – wie immer, wenn er einen weittragenden Gedanken faßte.

Peter Last, der das wußte und ihn genau beobachtete, rückte näher an Brigitte heran und flüsterte ihr zu: »Paß auf, er schafft's!«

Sie zuckte ungläubig mit den Schultern.

Johannes stand jetzt breitbeinig vor ihnen, sah sie an und schmunzelte.

»Was für ein Kleid hatte Kornelia an?« fragte er.

»Dasselbe, das sie trug, als sie von dir ging,« erwiderte Peter Last.

Der Mund des Johannes und sein Schmunzeln wurden noch breiter.

»Jetzt kommt das Frechste,« sagte er, »was ich mir in meinem an Kühnheiten gewiß nicht armen Leben bisher geleistet habe.«

Sie sahen gespannt zu ihm auf.

»Für mich besteht kein Zweifel, daß sich Kornelia bei Kargert aufhält. Ich kenne in seinem Haus jedes Loch, jeden Winkel. Wir müssen hin! Noch in dieser Nacht!«

»Wer?« fragte Brigitte.

»Wir alle drei!«

»Um sie umzubringen?« – fragte Brigitte entsetzt.

»Du hast dich noch immer nicht daran gewöhnt,« erwiderte Johannes, »daß ich ein Gentleman und keiner deiner Genossen aus dem ›Strammen Hund‹ bin. Jeder Mord ist mehr oder weniger der Ausdruck dilettantischen Verbrechertums. Vollendete Künstlerschaft erreicht ihr Ziel ohne diesen äußersten und plumpen Notbehelf.«

»Sie soll leben bleiben?« fragte Peter Last erstaunt. – »Ja, und weiter?«

Johannes sah Brigitte groß an und sagte: »Wir tauschen euch aus!«

Brigitte sperrte den Mund weit auf, und Peter Last, der sofort begriff, kniff verschmitzt die Augen zusammen.

»Wenn Kornelia morgen früh bei uns aufwacht,« fuhr Johannes fort, »liegt statt ihrer in Kargerts Villa Brigitte in ihrem Bett.«

Brigitte wiederholte sich den Satz und sagte: »Kornelia bei uns, das heißt also hier.«

»Ja!« erwiderte Johannes, »wenn auch nicht grade in diesem Zimmer – es gibt im Schloß Räume, die tiefer und verborgener liegen.«

»Dann liegt Brigitte – das wäre demnach ich –«

»Vorausgesetzt, daß du dich nicht selbst verwechselst.«

»Ich also« – fuhr Brigitte fort – »läge in Kargerts Villa in Kornelias Bett. – Jetzt verstehe ich – ich soll an Stelle Kornelias treten, so daß sie die dann bei Euch befindliche Kornelia für mich halten.«

»Stimmt!« sagte Johannes, »du hast es erfaßt!«

»Du, das ist der beste Gedanke, den du bisher gehabt hast!« rief Peter Last.

»Das will ich nicht behaupten,« erwiderte Johannes. »Aber er ist gut. Nur die Ausführung ist nicht einfach.« – –

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