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Artur Landsberger: Das Blut - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorArtur Landsberger
titleDas Blut
publisherKurt Ehrlich
printrun15. bis 24. Tausend
year
firstpub1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080707
projectide040a946
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Fünfundzwanzigstes Kapitel.

Es war kaum sieben Uhr früh, und Dr. Kargert schlief fest, als sein Diener, eine Stunde früher als sonst, an die Tür klopfte und, da ihm keine Antwort wurde, behutsam öffnete und eintrat.

In der Hand hielt er einen Brief, mit dem er jetzt, unschlüssig, was er tun sollte, vor Kargerts Bett stand.

Er hatte strengen Befehl, seinen Herrn bis acht Uhr schlafen zu lassen und nur, wenn etwas ganz Dringendes vorlag, vor der Zeit zu wecken.

Wie sollte er das entscheiden? – Er besah den Brief, der keinen Absender hatte, von allen Seiten. Daß er Expreß kam und einen großen schwarzen Siegel mit einer siebenzackigen Krone trug, hob ihn aus dem Stoß von Korrespondenz, die täglich einlief, freilich heraus.

Er führte den Brief unter die Nase und stellte fest, daß er geruchlos war, also kam er, was auch die energische Schrift verriet, von keiner Dame. Er kannte sich aus in diesen Dingen – wenn auch nicht von Kargert, der reichlich uninteressant war, so doch von seinen früheren Herren her – und unterschied Houbigants » Quelques Fleurs« genau von Roger und Gallets » Paquerettes« – und auf Grund des Parfüms wieder schloß er auf den Charakter und irrte sich – so glaubte wenigstens er – selten.

Dieser Brief lag schwer in seiner Hand. Er befühlte und betastete ihn und gewann schließlich den Eindruck, daß er etwas für seinen Herrn Wichtiges enthielt. Nachdem er einmal diese Überzeugung gewonnen hatte, zögerte er nicht lange, sondern weckte ihn kurz entschlossen, indem er ihn mit dem Brief unter die Nase kitzelte.

Doktor Kargert fuhr sich mit der Hand an die Nase, sagte im Halbschlaf: »Diese verfluchten Fliegen! Die ganze Nacht über hat mich das Biest geplagt,« und schlug die Augen auf.

Der Diener schlug mit dem Brief auf die Marmorplatte des Nachttisches, daß Glas, Flasche, Uhr und Lampe bebten, und sagte: »Autsch! Jetzt ist sie tot!«

Von dem Lärm wurde Doktor Kargert völlig wach und setzte sich hoch.

»Soll ich sie leben lassen?« fragte der Diener und tat, als wenn er zwischen dem Daumen und Zeigefinger ein Insekt hielt.

»Tritt sie tot!« befahl Kargert, woraufhin der Diener so fest auftrampste, daß der Kronleuchter zitterte. Und dabei dachte er: nun wird er wohl wach sein. Dann erst überreichte er den Brief, den Kargert hastig aufriß.

Er las:

Lieber Freund!

Nach den Aussagen einer freilich nur bedingt zurechnungsfähigen Spanierin bestätigt es sich, daß unser Held durchreisend in Deutschland war. Soviel aus dem konfusen Frauenzimmer herauszubringen war, hat er sich von Kornelia getrennt. Er soll sie in einem geistig und körperlich desperaten Zustande zurückgelassen haben. Ich vermute, daß sie in irgendeinem Krankenhause, wenn nicht gar in einer Nervenanstalt, Aufnahme gefunden hat. Ich bin mit Geschäften überhäuft und muß daher sie bitten, im Interesse Kornelias, die ja schließlich Ihre Klientin ist, die nötigen Schritte zu tun. Meine Mission in dieser Angelegenheit dürfte mit dieser Feststellung erschöpft sein. Aus freundschaftlichem Interesse an Ihnen und den sonst Beteiligten bitte ich Sie, mich über den Fortgang des Falles auf dem Laufenden zu halten.

Ihnen aufrichtig ergeben Johannes van Gudry.

Doktor Kargert sprang auf.

»Schnell meine Sachen!« rief er, trank während des Rasierens seinen Tee und saß schon zwanzig Minuten später in seinem Auto.

Und bereits am Abend desselben Tages war mit Hilfe der zuständigen Beamten im Ministerium und des Nachrichtendienstes der Polizei festgestellt, daß weder in einem staatlichen, noch kommunalen, noch privaten Krankenhause eine Kornelia van Vestrum Aufnahme gefunden habe. – »Johannes van Gudrys Nachrichten haben sich demnach als unzuverlässig erwiesen,« meinte Kargert und schrieb – wenn in der Form auch milder – dementsprechend an seinen Freund.

»So ein Rindvieh!« fluchte der. »Man muß es ihm also noch deutlicher machen.«

» Wäre es nicht möglich,« schrieb er an Doktor Kargert, »daß Kornelia aus erklärlicher Scheu einen anderen Namen angenommen hat? Oder hatte am Ende »er« ein Interesse daran, daß sie unerkannt bleibt? – Mir beweisen Ihre Feststellungen jedenfalls gar nichts, und ich würde es im Interesse Kornelias, die Ihnen ja doch wohl mehr als eine Klientin bedeutet, lebhaft bedauern, wenn die Angelegenheit damit für Sie erledigt wäre. Bedauern müßte ich dann auch die von mir in der Annahme verwandte Mühe, daß die Entdeckung und Befreiung Kornelias Ihnen Herzenssache sind.«

Auf Dr. Kargert wirkten diese Vorwürfe so stark, daß er sofort den Entschluß faßte, durch ein paar Vertrauenspersonen, die er mit den nötigen Ausweisen und einer Photographie Brigittes versah, sämtliche Anstalten des Landes besuchen lassen.

Schon am zweiten Tage berichtete einer dieser Leute, daß in der Landesirrenanstalt, etwa zwei Stunden von der Stadt entfernt, eine Frauensperson interniert sei, die der Photographie auffallend ähnlich sähe. Da die Kranke an partiellen Bewußtseinstrübungen und völligem Aussetzen des Gedächtnisses leide, so seien für ihn nähere Feststellungen unmöglich. Die Frau sei eines Tages auf der Chaussee aufgelesen worden und wisse von sich und ihrer Vergangenheit nichts weiter zu berichten, als daß sie einen Hund besessen habe, der bald klein und rund, bald groß und schlank gewesen sei und abwechselnd kurze, krumme und lange, grade Beine besessen habe.

Kargert entfärbte sich, als er das las. Die Ähnlichkeit mit dem Bilde im Zusammenhang mit der Erinnerung an den Hund, dessen Beschreibung auf den Dackel und den Barsoi paßte, schloß die Möglichkeit nicht aus, ja machte es wahrscheinlich, daß die Bezeichnete niemand anders als Kornelia war.

Und war sie es, dann wiederum stand fest, daß sie krank und für ihn und die Welt verloren war.

Er ließ alles stehen und liegen, bestellte seine Klienten für den nächsten Tag und fuhr mit Johannes und der Amme nach der von seinem Gewährsmann bezeichneten Anstalt.

Dem Arzt, der Brigitte seinerzeit nach anfänglichem Widerstreben aufgenommen halte, teilten sie ihre Vermutung mit, und der erwidert devot: »Ich sah sofort, daß ich es mit einer hochstehenden Persönlichkeit zu tun hatte und habe mich daher über das Reglement hinweggesetzt und ihre Aufnahme verfügt.«

»Wir werden es Ihnen zu danken wissen!« sagte Johannes.

»Wir handeln als Hüter der Menschlichkeit!« erwiderte der Arzt, »und sehen unseren Lohn darin, daß wir Gutes tun dürfen.«

Die Amme war gerührt; Kargert, der als Advokat ganz anders dachte, geniert; Johannes, der die Heuchelei herausfühlte, angeekelt.

»Können wir die Kranke jetzt sehen?« fragte Johannes. »Das Geschäftliche kann ja später, ganz wie Sie wünschen, mit oder ohne Gefühl erledigt werden.«

»Wäre ich streng nach dem Reglement verfahren,« erwiderte der Arzt mit einer Spitze gegen Johannes, »dann hätte ich die Kranke fortjagen und sich selbst überlassen müssen.«

»Wir wollen sie sehen!« wiederholte Johannes.

Der Arzt erwiderte: »Ich muß sie vorbereiten und bitte Sie, solange nebenan Platz zu nehmen.«

Johannes, Kargert und die Amme gingen hinaus. – Eine Schwester wurde beauftragt, Brigitte hereinzuführen.

Sie saß wie ein Klotz am Tisch, glotzte vor sich hin und war nicht zu bewegen, aufzustehen.

Die Schwester verständigte einen Wächter, dem die Kranke erfahrungsgemäß gehorchte. Der ging zu ihr hinein und sagte: »He! Du!«

Brigitte wandte sich um. Er sagte: »Wir sind allein!«

Brigitte setzte den Kopf grade, schob die Augen zurecht, schloß den Mund, zog die Schultern hoch, lächelte und fragte: »Was gibt's?«

»Man kommt dich zu holen!«

»Ich will nicht zu ihm zurück!«

Im selben Augenblick trat Johannes ins Zimmer, Alls er sie sah, fuhr er sie an: »Bist du verrückt?«

Sie lachte und sagte: »Zeitweise! – augenblicklich gerade nicht.«

Johannes wandte sich an den Wärter und fragte: »Was bedeutet das?«

Da lachte auch der und sagte: »Es war zu anstrengend auf die Dauer. – Sie hat sich mit mir verständigt. – wenn wir allein sind, hat sie lichte Momente.«

Johannes durchschaute die Situation. Der Wärter war ein auffallend hübscher und kräftiger Kerl.

»Wer weiß außer Ihnen davon?« fragte Johannes.

»Niemand!« erwiderte er.

Johannes trat dicht an Brigitte heran und sagte: »Auf dich ist kein Verlaß! – Draußen sind die Leute von Schloß Vestrum. Es hängt jetzt alles davon ab, daß du klug bist. – wenn du aus der Rolle fällst, sind wir verloren.«

Brigitte verstand.

»Und sie glauben wirklich, daß ich...die andere bin?«

»Sie sind davon überzeugt!«

Er gab dem Wärter Geld und flüsterte ihm zu: »Seien Sie klug! Sie riskieren so viel wie wir! – – « Dann ging er hastig hinaus.

Als Johannes draußen war, befahl der Wärter: »Nun komm!«

Brigitte warf sich ihm an den Hals, vergoß ein paar Tränen und sagte: » Vergiß mich nicht!«

»Nimm endlich Vernunft an!« befahl er, woraufhin sie wieder die Verrückte spielte und sich von ihm abführen ließ. –

Der Arzt begegnete ihr wie stets freundlicher als allen anderen Kranken. Er nahm sie bei der Hand, zog sie auf seinen Stuhl und fragte: »Nun, wie geht es uns?«

Sie sah ihn von unten herauf an und verzog keine Miene.

»Sie werden sehen, für Sie kommt jetzt eine bessere Zeit!«

Brigitte blieb unbeweglich.

Der Arzt gab ganz geheim die Ordre, die Amme, Johannes und Kargert hereinzurufen. Brigitte entging es nicht. Als die drei wieder im Zimmer waren, fragte der Arzt Brigitte, die ihnen den Rücken kehrte: »Kennen Sie Kornelia van Vestrum?«

Durch Brigittes Körper ging konvulsivisch ein Zucken.

»Das erstemal, daß Geist und Körper auf unsere Eindrücke reagieren,« dachte der Arzt. Und Johannes dachte: »Sie ist ein Genie!« – Aber Kargert und die Amme, die Kornelia gleich schon als sie eintraten, erkannt hatten, standen entsetzt und faßten sich, innerlich bewegt, bei den Händen.

»Kornelia van Vestrum« – fuhr der Arzt fort – und abermals zuckte Brigitte zusammen – »hatte eine Amme.«

Der Kopf Brigittes schnellte in die Höhe.

Der Arzt sagte: »Diese Amme und ein Advokat namens Kargert ...«

Brigitte stieß einen Schrei aus und warf die Arme in die Höhe – der Arzt stützte sie.

»In Sorge um Kornelia,« fuhr er fort, »haben sie sich an mich gewandt und sind hierher gekommen. Soll ich sie rufen? Wollen Sie sie sehen?«

Da stürzte Kornelia, steif wie ein Brett, zu Boden und blieb regungslos liegen – genau so, wie der Arzt und Freund des Johannes es ihr seinerzeit beigebracht hatte.

Da vergaß sich Johannes zum ersten Male in seinem Leben und sagte: »Fabelhaft!«

In ihrer Bestürzung überhörten's die anderen. Die Amme und Kargert beugten sich über Brigitte. Der Arzt nahm eine Flüssigkeit und rieb ihr Stirn und Augen damit ein.

Langsam zog sich Brigittes Unterlippe in die Höhe, schloß sich der Mund, hob sich der Kopf, öffneten sich die Augen.

»Kornelia!« riefen die Amme und Kargert wie aus einem Munde.

Brigitte lächelte. Erst kaum merkbar; dann verzückt. Ihre Augen bekamen Glanz.

»Wie sie das nur macht?« dachte Johannes.

Dann richtete sie sich auf, schlang die Arme um die Amme, preßte sie an sich, schluchzte erst, weinte dann laut.

Auch die Amme und Kargert weinten. Und der Arzt nickte mit dem Kopf stolz und zufrieden, als wäre, was da geschah, das Ergebnis seiner ärztlichen Kunst.

Brigitte weinte jetzt wirklich. Es war die Reaktion, die angestrengtester Spannung aller Nerven folgte. Und so wuchs sie, deren Spiel bisher in jedem Augenblick bewußt geführt war, zur echten Künstlerin empor, die nicht mehr überlegte, voll aus dem Innern schöpfte, unmittelbare Empfindung gab.

Minutenlang hing sie so am Hals der Amme, die ihr fortgesetzt mit der Hand über den Kopf fuhr und, wenn sie nicht gerade Tränen schluckte, voll Rührung sagte: »Kornelia! Meine geliebte Kornelia!«

Johannes, der Ansicht, daß, wie alles, so auch diese Rührszene mal ein Ende nehmen müsse, sagte zu Kargert: »So reden Sie doch mit ihr!«

Auch Kargert hatte verweinte Augen, drückte Johannes die Hand und sagt«: »Dies ist die glücklichste Stunde meines Lebens! – Und Ihnen danke ich sie!«

»Reden Sie keinen Unsinn!« wehrte Johannes ab.

Aber auch Brigittes Rührung hatte Grenzen. Und da die dicke, in Rührung schwimmende Amme sie fast erdrückte, so nahm sie die Gelegenheit wahr, wandte sich zu Kargert um, riß sich von der Amme los und rief: »Robert!«

Um aber das Schauspiel mit ihm nicht zu wiederholen, so streckte sie ihm nur die beiden Hände hin, die Kargert mit Tränen und Küssen bedeckte.

Als auch das nach Johannes' Ansicht lange genug gedauert hatte, trat er vor und sagte: »Hier ist noch jemand, der Sie gern begrüßt hätte!«

Johannes und Brigitte drückten sich die Hände, und der Arzt, den die völlig in Tränen aufgelöste Amme immer wieder fragte: »Wie ist das nur möglich?« erwiderte: »Nur eine große Freude konnte sie so plötzlich gesund machen!«

»Aber er besann sich schnell und fügte hinzu: »Ja unverkennbar die Fortschritte dank meiner Behandlung waren – ich hätte noch Wochen gebraucht, ehe ich sie als geheilt hätte entlassen können.«

»Und nun können wir sie gleich mitnehmen?« fragte die Amme.

Ehe der Arzt noch eine Antwort geben konnte, sagte Johannes: »Selbstredend! Nicht eine Stunde länger bleibt sie unter diesen Idioten.«

Und dabei sah er den Arzt so herausfordernd an, daß der sich getroffen fühlte und sagte: »Wie meinen Sie das?« »Oder ist das etwa hier eine Akademie der Wissenschaften?« erwiderte Johannes und fuhr fort: »Übrigens, ein Wärter ist hier, der aus dem Rahmen fällt und einen intelligenten Eindruck macht!«

Die Erregung und Freude über Kornelia, die Fragen, mit denen die Amme und Kargert den Arzt bestürmten, verhinderten, daß Johannes den Arzt weiter reizte.

»Besteht keine Gefahr, daß sie rückfällig wird?« fragte die Amme leise und besorgt.

Der Arzt sann nach und sagte: »Vor Erregungen irgendwelcher Art muß man sie zunächst natürlich schützen. Und wenn es Ihnen recht ist, so sehe ich fürs erste noch ein-, zweimal in der Woche nach ihr.«

»Ausgeschlossen!« erwiderte Johannes, der sich inzwischen mit Brigitte beschäftigte und ihr für die Ankunft im Schloß Verhaltungsmaßregeln gegeben hatte – »sie soll durch nichts an das, was hinter ihr liegt, erinnert werden. Nicht wahr, Kornelia – ich darf doch so sagen? – das ist auch Ihr Wunsch und Wille?«

Brigitte sah alle der Reihe nach an und sagte: »Ich weiß von nichts.«

»Sie sehen, sie hat es noch nötig!« meinte der Arzt.

»Euch hab ich nötig!« rief Brigitte, warf sich wieder der Amme an den Hals und griff gleichzeitig nach Kargers Hand. »Euch beide! Sonst niemand! Und Sie Johannes! Sie natürlich! Und Sie vor allem! Denn soviel weiß ich, wenn ich zurückdenke, daß Ihre Hand in den schwersten Stunden über mir war. Daß ich fühlte, Sie würden mir helfen.«

Sie führte die Hand vor das blasse Gesicht und sagte seufzend: »Nie will ich an alles das erinnert werden, nie!!«

Plötzlich griff sie in die Tasche, kehrte sie um und rief: » Banditen

Dabei nahm sie für einen Augenblick wieder den Kopf schief und ließ die Augen hervortreten, so daß die Amme entsetzt ausrief: »Großer Gott! Helfen Sie, Doktor!«

Und der Arzt, der nicht nur Brigittes, sondern auch Johannes Augen drohend auf sich gerichtet sah, riß ein Fach seines Schreibtisches auf, entnahm ihm eine Handvoll Banknoten und steckte sie Brigitte in die offen gehaltene Tasche. Dabei fragte er zaghaft: »Sie wußten demnach ...?«

Brigitte, die wieder völlig normal blickte, schüttelte den Kopf und sagte: »Ich kann mich an nichts erinnern.«

Kargert flüsterte der Amme zu: »Sie ist noch immer krank!« worauf die erwiderte: »Wir müssen froh sein, daß sie soweit ist.«

Als sie eine Viertelstunde später die Anstalt verließen, um das Auto zu besteigen, stützte sich Brigitte auf den Arm des Johannes. Robert Kargert und die Amme folgten.

Die Amme war zu voll des Glücks, um eine Veränderung an der vermeintlichen Kornelia wahrzunehmen. Aber auf Doktor Kargert wirkte, stärker als Wiedersehen und Genesung, der Umstand, daß Kornelia an Johannes' statt an seinem Arme hing.

»Äußerlich hat sie sich kaum verändert,« sagte er. »Aber glauben Sie mir, innerlich ist sie eine andere geworden.«

»Wer weiß, was sie durchgemacht hat!« verteidigte sie die Amme. »Und dann: sie ist noch immer krank! Wir müssen Geduld mit ihr haben.«

Kargert schwieg dazu. Aber er fühlte, daß der Zusammenhang fehlte, das Fluidum, das ihm ehemals jede Bewegung in ihr verriet, bestand nicht mehr, etwas Fremdes war zwischen sie und ihn getreten – die Frau, die da vorn neben Johannes ging, war für ihn verloren.

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