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Artur Landsberger: Das Blut - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
authorArtur Landsberger
titleDas Blut
publisherKurt Ehrlich
printrun15. bis 24. Tausend
year
firstpub1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080707
projectide040a946
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

Inzwischen leistete sich die dicke Frieda aus eigener Initiative und aus liebevollem Eifer für Johannes noch etwas besonderes.

Sie erschien eines Tages in spanischem Typ, den sie bei Johannes hängenden Bildern abgelauscht hatte, kaum erkennbar auf Schloß Vestrum und begehrte in einem Kauderwelsch von Deutsch, Jüdisch und Italienisch eine der Standespersonen des Schlosses zu sprechen.

»Standesperson?« wiederholte der Diener, der öffnete. »Die gibt's hier nicht.«

Auf die erstaunte Frage, »wieso nicht?« erwiderte er:

»Die hängen teils an den Wänden, teils modern sie in der Gruft.«

Doch als sie nach Kornelia fragte, wurde der Diener ernst, fast feierlich und sagte:

»Gewiß! – Aber die ist leider nicht da.«

Frieda erklärte, daß sie aus Spanien käme und Nachrichten brächte, woraufhin der Diener sämtliche Flügeltüren aufriß, Frieda eintreten ließ und die ganze Dienerschaft zusammenrief.

Und Frieda erzählte, sie käme aus Spanien und bringe Grüße von Kornelia, die sie auf einer Dampferfahrt kennen gelernt habe. Auf tausend Fragen, mit denen man sie bestürmte und auf die sie keine Antwort wußte, erwiderte sie in einer Sprache, die keiner verstand und die auch keine Sprache war. Hier und da verstand mal jemand irgendein Wort und legte sich daraus eine Antwort zurecht, die er laut und wichtig zum Besten gab. Da aber der Nächste etwas ganz anderes verstanden hatte, so gerieten sie schließlich alle miteinander in Streit, überschrien sich und riefen Friedas Entscheidung an, die verbindlich lächelte, kokett mit dem Kopf nickte und Allen recht gab.

Der Lärm wurde immer größer, bis Frieda ihren eigentlichen Trumpf ausspielte und eine Photographie Brigittens aus der Tasche zog, sie zeigte und fragte:

»Sein das die Frau, der Sie suchen?«

Einmütiges » Ja« war die Antwort, und Alle einigten sich in der wehmutsvollen Betrachtung des Bildes, das sie nach langem Widerstreben der Amme überließ, die es unter Seufzen und Tränen an die Lippen drückte. –

Ein paar Tage später folgte die Überraschung.

Um einen Maueranschlag drängten sich Hunderte von Menschen. Johannes bleibt gegen seine Gewohnheit stehen, trat heran, las:

»Die oben abgebildete Person ist Kornelia van Vestrum. Wer Auskunft über sie geben kann, melde sich auf Schloß Vestrum.«

Die abgebildete Person war natürlich niemand anderes als Brigitte Madsen.

Anfangs lachte Johannes, und er sagte zu Frieda:

»Das hast du nicht dumm gemacht.«

Dann aber kamen ihm Bedenken, wenn einer der Richter oder Gefängnisbeamten das Bild sah, so mußte ihm die Ähnlichkeit mit der strafgefangenen Kornelia auffallen. Es war also, um sich gegen jede Überraschung zu schützen, Zeit, schnell zu handeln.

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