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Artur Landsberger: Das Blut - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorArtur Landsberger
titleDas Blut
publisherKurt Ehrlich
printrun15. bis 24. Tausend
year
firstpub1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080707
projectide040a946
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Zwanzigstes Kapitel.

Kornelia weigerte sich auf dem Polizeibureau, ihren Namen zu nennen, sie erklärte nur, daß sie gestohlen habe und genau wie jeder andere Dieb abgeurteilt und bestraft zu werden wünsche.

»Wen haben Sie denn bestohlen?« fragte der Kommissar.

»Diesen und Jenen. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich die Wahrheit sage. Seit Jahren stehle ich. Ich kann es Ihnen beweisen.«

Auch der Kommissar und seine Beamten glaubten, es mit einer Geisteskranken zu tun zu haben. Trotzdem forschte er pflichtgemäß weiter.

»Und warum wollen Sie Ihren Namen nicht nennen?«

»Weil der nichts zur Sache tut, und ich ihn nicht besudeln will.«

»Hm! Das läßt sich hören, erschwert aber die Untersuchung.«

»Auf Diebstahl steht doch Strafe; und ob der Dieb nun Schulze oder Müller heißt, das bleibt sich doch gleich.«

»Ich kann doch keine Akten anlegen, wenn ich Ihren Namen nicht weiß.«

»So schreiben Sie Müller.«

»Was denken Sie!« wehrte der Kommissar entrüstet ab. »Einmal wäre das eine intellektuelle Urkundenfälschung, und dann würden die Träger dieses Namens mit Recht dagegen protestieren.«

»Dann eröffnen Sie gegen Unbekannt.«

»Gibt's nicht! Wir haben ein geordnetes Staatswesen und daher auch ein geordnetes Gerichtsverfahren. Und wenn Sie Ihren Namen nicht nennen wollen, so kann ich gegen Sie auch nicht vorgehen.«

»Ja, wenn ich nun einen Mord begangen hätte?«

»Dann wäre ebenfalls das Erste die Feststellung Ihres Namens.«

»Und wenn ich mich auch dann weigern würde, ihn zu nennen?«

»Dann würden wir ihn schon herausbekommen.«

Kornelia stutzte.

»Sie glauben, daß ... Sie ... den Namen ... ermitteln würden?«

»Wir haben schon ganz anderes ermittelt!«

»Nein! nein!« wehrte Kornelia ab. – »wenn Sie die Absicht und die Möglichkeit haben, den Namen zu ermitteln, dann will ich es mir doch lieber noch überlegen.«

Der Kommissar sah auf. Jetzt erst nahm er sie ernst.

»Was wollen Sie denn gestohlen haben?« fragte er interessiert.

Kornelia zögerte.

»So sagen Sie's nur,« drängte er.

Kornelia senkte den Kopf und sagte:

»Eine Halskette.«

»Wie sah die aus?«

»Es waren, glaube ich, brasilianische Brillanten.«

Der Kommissar zog den Rücken stramm und wurde um einen Kopf länger.

»Wo?« fragte er und ließ kein Auge von Kornelia.

»Auf dem Opernball!«

Da schnellte der Kommissar in die Höhe und rief:

»Sie sind verhaftet!«

Zwei Polizisten traten vor und stellten sich rechts und links von Kornelia.

Der Kommissar schlug ein dickes Buch auf, blätterte darin.

»Stimmt!« sagte er. »Die Bestohlene ist eine Frau van Jörgens.«

»Ja!« erwiderte Kornelia.

»Und Sie – soll ich Ihnen sagen, wer Sie sind?«

»Das können Sie nicht!« erklärte sie leidenschaftlich und bestimmt.

Der Kommissar triumphierte.

»Sie sind die Kellnerin Brigitte Madsen.«

»Sie beschuldigen eine Falsche!«

»Sind Sie's oder sind Sie's nicht?«

»Ich bin es nicht!«

»Das Leugnen wird Ihnen nicht viel helfen. Es sind Zeugen da, die das Halsband bei Ihnen gesehen haben.«

»Ich gebe ja zu, es gestohlen zu haben. Aber ich bin nicht die Person, deren Namen Sie eben nannten.«

Der Kommissar erwiderte:

»Demnach scheinen Sie noch mehr auf dem Gewissen zu haben. Ich wüßte nicht, weshalb Sie sonst diese Scheu haben, sich zu erkennen zu geben.«

»Sie irren sich wirklich!«

»Und wenn ich Ihre Identität durch einwandsfreie Zeugen nachweise?«

»Das wird Ihnen nicht möglich sein,« erwiderte Kornelia.

Der Kommissar erklärte:

»Alles Weitere wird sich finden,« und ließ sie durch einen der Polizisten in einen Nebenraum führen. Dann setzte er sich mit der Zentrale der Polizeibehörde in Verbindung und bekam den Bescheid, daß der Gewährsmann, von dem die Anzeige ausgegangen war, zwecks Gegenüberstellung in sein Bureau kommen werde.

Es waren kaum zehn Minuten vergangen, da fuhr Johannes van Gudry bei dem Polizeibureau vor und ließ sich melden. Und nach weiteren fünf Minuten standen Kornelia und Johannes sich bei dem Kommissar gegenüber.

Als Kornelia eintrat und Johannes sah, entfärbte sie sich und dachte: »Das ist das Ende!«

»Sie kennen die Frauensperson,« fragte der Kommissar Johannes und wies auf Kornelia.

»Ja!« erwiderte der bestimmt. »Ich habe sie auf dem Opernball gesehen, wie sie die Kette stahl und bin ihr dann später als Kellnerin in einem Lokal begegnet. Ich glaube es hieß ›Der stramme Hund!‹ Ich ließ mir von dem Wirt ihren Namen nennen und erstattete Anzeige.«

Wie aus einer anderen Welt sah Kornelia zu ihm auf.

»Er oder ich haben den Verstand verloren,« sagte sie sich.

»Und wie war der Name?« fragte der Kommissar.

Sie hob die Arme hoch, und ihr bittender Blick, der Johannes traf, sagte: »Nenn' ihn nicht!«

Johannes nahm gar keine Notiz von ihr. Mit fester Stimme sagte er: »Sie heißt Brigitte Madsen.«

Kornelia atmete erleichtert auf, war dankbar und dachte: Bei alledem schont er mich doch und erspart mir das Letzte.

»Nun!« wandte sich jetzt der Kommissar zu ihr, – »was haben Sie zu erwidern?«

»Nichts!« sagte sie.

»Sie geben das zu, Brigitte Madsen zu sein?«

»Ja!«

Triumphierend befahl er dem Polizisten.

»Führen Sie die ab.«

Und Kornelia verlieh das Zimmer leichteren Herzens als sie es betreten hatte.

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