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Clérambault

Romain Rolland: Clérambault - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorRomain Rolland
titleClérambault
publisherKindler Verlag
year1960
translatorStefan Zweig
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140224
projectidcfec4d08
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Nachwort

Dieses Werk ist das Bekenntnis einer freien Seele inmitten der Qual, die Geschichte ihrer Irrungen, Ängste und Kämpfe. Man möge keine Selbstschilderung darin erblicken – werde ich eines Tages über mich selbst schreiben, so wird es ohne Decknamen und Maske geschehen. Einige meiner Anschauungen habe ich allerdings in meinem Helden zum Ausdruck gebracht, doch sein Wesen, sein Charakter und seine Lebensumstände gehören ihm ganz allein zu. Ich wollte in diesem Werk das innere Labyrinth schildern, das eine schwache, unentschiedene, erregbare und verführbare, aber doch aufrichtige und in ihrem Wahrheitswillen leidenschaftliche Natur langsam vorwärtstastend durchirrt.

In einigen Kapiteln deutet das Werk auf die Art der »Meditationen« unserer altfranzösischen Moralisten, der stoischen Essays zu Ausgang des sechzehnten Jahrhunderts zurück. In jenen leiten, die den unsern glichen, ja sie sogar an tragischem Grauen noch übertrafen, schrieb inmitten der Kämpfe der Liga der erste Präsident Guillaume du Vair mit unerschütterlicher Seele seine erhabenen Dialoge »Über die Standhaftigkeit und die Tröstung im allgemeinen Mißgeschick«. Während die Belagerung von Paris ihren Höhepunkt erreicht hatte, hielt er in seinem Garten Zwiesprache mit seinen Freunden Linus, dem Weitgereisten, mit Musée, dem ersten Rektor der medizinischen Fakultät, und dem Schriftsteller Orphée. Und den Blick noch erfüllt von den tragischen Bildern, die sie auf der Gasse gesehen – arme Menschen, die vor Hunger gestorben waren, Frauen, die schrien: die Landsknechte verzehrten im »Temple« ihre Kinder – versuchten sie ihren bedrückten Geist zu jenen Höhen zu erheben, von denen man die geistige Welt der Jahrhunderte umfängt und das Überdauernde jeder Prüfung sieht. Als ich in den Kriegsjahren jene Dialoge überlas, fühlte ich mich mehr als einmal diesem guten Franzosen nahe, der schrieb: »Es heißt ein Unrecht an dem Menschen begehen, der geschaffen ist, alles zu sehen und alles zu erkennen, wenn man ihn an eine einzelne Stelle der Erde bindet. Jedes Stück Erde ist Land für den Vernünftigen ... Gott hat uns die Erde gegeben, daß wir sie alle in Gemeinschaft genießen, freilich mit der Pflicht, anständige Menschen zu bleiben ...«

Paris, Mai 1920
Romain Rolland

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