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Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens

Otto Henne am Rhyn: Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens - Kapitel 33
Quellenangabe
typereport
authorAlexis Splingard
titleClarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens
publisherVerlag von Herm. Beyer.
printrun4. Auflage
editorOtto Henne am Rhyn
year1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141103
projectidcd84e1e5
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Einunddreißigstes Kapitel

William, Alfred und Georg hatten sich in den Matrosenklub, nahe dem alten Hansa-Hause führen lassen. Der Brief der Mrs. Butler wurde sofort dem Präsidenten übergeben. Etwa hundert Seeleute, etwas schwerfällig, aber felsenfest, hatten sich in drei einfachen, aber bequemen und gut geheizten Sälen niedergelassen.

In einem der Säle herrschte beinahe vollständiges Stillschweigen. Man las hier die Nachrichten aus dem großen Vaterlande. Die »Times«, der »Telegraph«, die »Daily News« und der »Standard« gingen durch die schwieligen Hände dieser Arbeiter des Meeres. Im zweiten Saale plauderte man, die Thonpfeife rauchend und das Ale der Heimat kostend. Im dritten endlich erteilte ein erfahrener Matrose einer Gruppe von Anfängern Unterricht in den Anfangsgründen des Seewesens. Dieser Saal war dicht gefüllt und es war eine Freude zu sehen, wie die Augen der Zuhörer gespannt den Zeichnungen folgten, welche der improvisierte Professor mit Kreide auf die schwarze Tafel im Hintergrunde warf.

»Meine Freunde«, rief jetzt mit Stentorstimme der Präsident, ein leibhaftiges Abbild des Gottes Neptun, »meine Freunde, ich habe euch eine wichtige Mitteilung zu machen.« Sofort sammelten sich die Insassen der drei Säle in demjenigen, von welchem die Stimme ausging, und der Präsident las in anspruchsloser Weise den Brief der Mrs. Butler vor. Einstimmiger Beifall folgte der Vorlesung, worauf der Präsident fortfuhr: »Und jetzt hört Mr. William Stuart, den Überbringer des Briefes an!«

William erzählte ruhig das grausame und furchtbare Schicksal seiner in einem »öffentlichen Hause« eingesperrten Braut.

Man thut auf dem Festlande dem englischen Charakter unrecht, wenn man glaubt, er sei nicht begeisterungsfähig; aber er ist es nur, wo die Lage der Dinge es erfordert.

Schreie der Entrüstung erschollen von allen Seiten, als William seine traurige, andächtig angehörte Erzählung beendet hatte.

Das Herz des Volkes war gerührt und im Volke liegt die Gerechtigkeit und die Kraft.

Alle diese Männer im hochherzigen Sinne des Wortes schwuren, das gefangengehaltene Mädchen zu befreien.

Es wurde beschlossen, daß sechzig einem und demselben auf der Rhede liegenden Schiffe angehörende Matrosen sich unmittelbar unter den Befehl Williams und der Mortons stellen sollten.

Der Rest der Anwesenden sollte eine Art Reserve bilden und wurde beauftragt, im Notfalle alle in Antwerpen anwesendem englischen Seeleute ohne Unterschied zu dem Unternehmen anzuwerben.

Nachdem man sich über das von allen zu beobachtende Verhalten verständigt hatte, setzten sich die mutigen Söhne des Oceans in einzelnen Abteilungen nach dem Riedyk in Bewegung.

Es war ein erhebendes Schauspiel, diese durch die Arbeit geadelten, gesunden Gestalten dahinschreiten zu sehen. Verstand, Thatkraft und Freimut zeichneten diese auserwählte Schar aus, ein wahres Bild der menschlichen Gesellschaft, wie sie sein sollte, nicht wie sie in den vor Genußsucht verkommenen Schichten der großen Städte ist.

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