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Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens

Otto Henne am Rhyn: Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens - Kapitel 30
Quellenangabe
typereport
authorAlexis Splingard
titleClarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens
publisherVerlag von Herm. Beyer.
printrun4. Auflage
editorOtto Henne am Rhyn
year1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141103
projectidcd84e1e5
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Achtundzwanzigstes Kapitel

William hatte den Brief des abgesandten Kriminalbeamten erhalten. Er wußte sich vor Freude nicht zu fassen und hatte die gute Nachricht sofort der armen Mutter Clarissas telegraphiert, sowie ihren Brüdern, die soeben ihre erste Seereise vollendet hatten, und infolge besonderer Gunst mit dem Grade von Marinekadetten in ihre Heimat zurückgekehrt waren.

Alfred und Georg kamen sogleich nach London, um mit William Rat zu halten. Obschon Dollons Brief keine bestimmte Gewißheit gab, Clarissa in Antwerpen zu finden, wurde doch beschlossen, Sonnabend abends abzureisen, um am Sonntag Mittag dort anzukommen, dem Tage, welchen Dollon als den der wahrscheinlichen Ankunft Clarissens in Antwerpen bezeichnet hatte.

Es wäre schwer gewesen, drei besser zum Kampf geeignete junge Männer zu finden, als unsere drei Reisenden. Die beiden Brüder Clarissens, von der Sonne der Tropen gebräunt, bargen unter ihrer Seemannnstracht des alten Griechenlands würdige Athletenformen.

William, einige Jahre älter als sie, vereinigte jene imponierende Schulterbreite mit dem schlanken Wuchs, welcher den Angelsachsen in ihrer Jugend eigen ist, ehe sich in vorgerückten Jahren ihre außerordentliche Körperkraft auf Kosten der Geschmeidigkeit entwickelt. Mit den physischen Vorzügen Verband er noch die zu einem Kampfe auf Leben und Tod wichtigste Eigenschaft, welche die Engländer zu Herren der Welt gemacht hat: die Kaltblütigkeit. Dabei verdreifachte die Heiligkeit ihres Vorhabens die Kräfte der edlen Jünglinge, deren jeder sein Leben gewagt hätte, um Clarissen zu finden und zu retten.

Alle drei waren bis an die Zähne bewaffnet, mit Revolvern in der Tasche und die Dolchmesser im Gürtel. Sie hätten es verschmäht, sich dieser Waffen für ihre eigene Person zu bedienen, unter welchen Umständen es auch sein mochte; aber als äußerstes Mittel ein geliebtes Weib hochgestellten Banditen zu entreißen, durften sie nicht davor zurückschrecken.

Es war übrigens wahrscheinlich, daß sie selbst von ihren Feinden angegriffen werden würden, denen ein Messerstich oder Revolverschuß sicher nur geringe Sorge machte. Sie gaben sich in dieser Hinsicht keiner Täuschung hin, denn die zahlreichen Briefe Dollons hatten den Charakter und die verbrecherischen Sitten der Kuppler und ihrer Trabanten in ihr wahres Licht gestellt.

Durch seine häufigen Unterredungen mit Mrs. Butler hatte William die Ansichten der Länder des Kontinents über Polizei und Sitten kennen gelernt.

Die edle Dame war soweit gegangen, ihm einen Brief an die englischen Seeleute mitzugeben, welche die unsauberen Vergnügungen des Riedyk, des der Prostitution überlassenen Stadtteils von Antwerpen verachtend, es vorzogen, ihre Abende in einem großen Klubhaus, genannt »Gesellschaft der Matrosenfreunde« zuzubringen und daselbst die ihnen zur Verfügung gestellten englischen Zeitungen und Zeitschriften zu lesen.

In diesem Briefe bat die den Seeleuten aller Häfen Großbritanniens und des Auslandes so wohlbekannte Mrs. Butler die Mitglieder des Klubs, William in seinem edlen Unternehmen hilfreiche Hand zu leisten.

Man hatte lange über die Art und Weise des Vorgehens beratschlagt. Sollte man sich zuerst an die Behörde wenden? Mrs. Butler und William waren beide von der Nutzlosigkeit dieses Schrittes überzeugt. Derselbe erschien ihnen sogar als gefährlich, denn eine gefällige Polizei konnte Pandarus benachrichtigen, was ihm bevorstehe. Die Fälle, in welchen die belgische Polizei ihre Unthätigkeit bewiesen, waren allzu zahlreich, als daß William mit diesem Gedanken sich vertraut machen durfte. Seine Reise nach Brüssel hatte ihn belehrt, was der Schutz von Seiten der Behörden taugte und die aus Dollons Briefen geschöpften Lehren stimmten durchaus damit überein.

Es wurde demnach beschlossen, daß die jungen Leute die Sorge der Befreiung Clarissens aus den Krallen der Landpiraten auf sich allein nehmen sollten.

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