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Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens

Otto Henne am Rhyn: Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens - Kapitel 25
Quellenangabe
typereport
authorAlexis Splingard
titleClarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens
publisherVerlag von Herm. Beyer.
printrun4. Auflage
editorOtto Henne am Rhyn
year1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141103
projectidcd84e1e5
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Es war an demselben Tage, wo es, wie sich der Leser erinnert, dem gewandten Detektiv Dollon gelungen war, das Haus ausfindig zu machen, in welchem das unschuldige Opfer menschlicher Verworfenheit drei Monate lang geschmachtet hatte. Aber ach, für den Augenblick hatte sie es verlassen und die gefundene Spur konnte die Nachforschungen in keiner Weise fördern, und Dollon mußte geduldig zwei Monate abwarten, binnen welcher ihm Pandarus die Rückkehr des schönen Mädchens in Aussicht gestellt hatte. Da er aber wußte, wie oft die Bewohnerinnen der schlechten Häuser dieselben mit den Hospitälern vertauschen, und daß die Kuppler solche Fälle niemals eingestehen, bat er eine Dame von hoher Stellung, sich in den verschiedenen Hospitälern Brüssels zu erkundigen, ob sich nicht ein Fräulein Clarissa Morton in einem derselben befände. Natürlich lautete die Antwort verneinend, da sie an ihrem jetzigen Aufenthaltsort nur unter dem von Pandarus angegebenen falschen Namen bekannt war.

Die Verwendung der falschen Geburtsscheine, die erst später entdeckt wurde, war damals selbst dem erfahrenen englischen Polizeimanne noch unbekannt. Übrigens wäre auch jeder Versuch, in die Geheimnisse der Hospitäler einzudringen, an dem dreifachen engverbundenen Wall der Kuppler der von ihnen Vorteil ziehenden Ärzte und Polizeibeamten gescheitert! Die öffentliche Wohlthätigkeit sogar steht im Dienste der Ausschweifung. Selbst die ärztliche Wissenschaft wird zur willfährigen Gehülfin bei dem Handel mit weißen Sklavinnen. Dollon mußte also warten. Er war indessen, um keinen Versuch zu unterlassen, auch nach Antwerpen gefahren, hatte dort die zweite Pandarussche Anstalt im Riedyk Nr. 200 ohne Erfolg besucht, und bei seiner Rückkehr den Kuppler wegen der Pracht jenes »Etablissements« in Antwerpen beglückwünscht. Auf diese Weise und namentlich durch eine Ausgabe in dem Hause der Straße St. Laurent erwarb er sich Pandarus volles Vertrauen. Ja, um ihn vollständig zu blenden, gab er ihm zu verstehen, daß er nicht abgeneigt wäre, einiges Geld in einem ebenso nützlichen wie angenehmen Geschäft anzulegen. Man hielt ihn sogar halb und halb für den Bewerber um eine Konzession in dieser Richtung, weil er sich sorgfältig nach allen Bedingungen erkundigt hatte, unter welchen eine solche von den Behörden der Stadt zu erhalten sei. Auf diese Weise wurde er bald vollständiger Hausfreund bei Pandarus und dessen gleichgesinnten Freunden.

»Sie wissen aber,« sagte er oft zu dem Kuppler, »hinsichtlich des weiblichen Geschlechts bin ich der blasierteste Mensch, den man finden kann.«

»Seien Sie nur ruhig,« erwiderte ihm Pandarus, »und warten Sie die Rückkehr meiner schönen Engländerin ab, Sie werden dann sehen, ob ich übertrieben habe. Ein Liebhaber hat mir 100 000 Francs für sie geboten.«

»Alle Wetter,« antwortete Dollon, »das ist wahrhaftig nicht zu viel, wenn sie so schön ist, wie Sie sie schildern.«

»Sie werden ja sehen,« versicherte Pandarus mit vor Habsucht glänzenden Augen.

Nach Verlauf der zwei Monate kam Pandarus eines Abends mit geheimnisvoller Miene dem eben eintretenden Dollon entgegen.

»Lieber Freund,« sagte er, »die schöne Engländerin wird in drei Tagen in meinem Hause in Antwerpen sein und ich habe an Sie gedacht. Sie sollen der erste sein, der sie zu sehen bekommt, und nächsten Sonntag stelle ich mich zu Ihrer Verfügung, um Sie selbst bei ihr einzuführen. Sind Sie damit zufrieden?«

Dollon bewies seine Dankbarkeit durch besonders große Ausgaben und nach seiner Wohnung zurückgekommen, schrieb er an William einen langen Brief, der ihn der Hoffnung wiedergeben sollte.

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