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Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens

Otto Henne am Rhyn: Clarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens - Kapitel 10
Quellenangabe
typereport
authorAlexis Splingard
titleClarissa. Aus dunkeln Häusern Belgiens
publisherVerlag von Herm. Beyer.
printrun4. Auflage
editorOtto Henne am Rhyn
year1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141103
projectidcd84e1e5
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Achtes Kapitel

Die Sonne sandte schon heiße Strahlen auf den Schnellzug von Calais, als derselbe gegen 7 Uhr Morgens am 18. Juni in Brüssel eintraf.

Ein äußerst bewegtes Leben auf dem Bahnhofe und in dessen Umgebung empfing den englischen Zug, die alten Hotelkutschen, die nummerierten Droschken mit ihren abgenützten Gäulen und grotesken Kutschern harrten der Fahrgäste, die Dienstmänner, in ihren weißen Blousen mit Messingschildern, stürzten sich auf die Aussteigenden, mit der festen Überzeugung, daß diese für sie und nicht sie für die Reisenden auf der Welt seien. Doch das sind Ansichten. Im Norden sieht die ganze Eisenbahn sogar so aus, als wäre sie nur für die Stationsvorsteher, Schaffner, Kontroleure etc. geschaffen. Aber lassen wir alle die Angestellten das Gefühl der Wichtigkeit ihrer Dienstfähigkeit bis zur Verachtung der einfachen Sterblichen treiben und schenken wir unsere Aufmerksamkeit einem, mit zwei prächtigen Rennern bespannten Landauer, der am Ausgange des Bahnhofs alle Blicke auf sich zog.

»Wollen Sie meinen Arm nehmen, Miß Morton«, sagte Sullecartes, half den beiden Frauen in die aristokratische Equipage einsteigen und setzte sich auf den Vordersitz. Der Wagen schoß gleich einem Pfeil davon, und hielt nach dreiviertel Stunden vor dem Thore einer prachtvollen, schloßartigen Villa, in einem der romantischsten Teile der Umgegend von Brüssel.

Clarissa stieg mit ihren Begleitern aus, indem sie ungeachtet der Ermüdung der Reise das hübsche Bild bewunderte, das sich ihren Augen darbot. Im Hintergrunde der Ebene wurde der Blick durch die hohen dunklen Kronen des Waldes von Soignes begrenzt und ihr wunderbar schönes Grün, der schlanke Wuchs der Buchen, die feuchten und lauschigen Lichtungen erfrischten ihr ermüdetes Auge, während rechts und links sonnige und blumige Felder, die durch das sanfte Murmeln eines klaren Baches, und durch den Gesang von tausend Vögeln belebte Aussicht erheiterten.

Obschon es noch früh war, hatte sich der Herr des Hauses bereits erhoben, um die Ankömmlinge zu begrüßen.

»Mein Fräulein«, wendete er sich zu Clarissa, »wollen Sie gefälligst diesem jungen Mädchen folgen, es wird Ihnen Ihr Zimmer zeigen«, nicht ohne Kennerblick die außerordentlichen physischen Vorzüge der neuen »Gouvernante« prüfend, wies er dabei mit der Hand nach einem Kammermädchen. Indem er sich dann mit Sullecartes und Raphaela zurückzog, sagte er: »Brillant! Ich gestehe es ein, Jean, aber machen Sie mir einen vernünftigen Preis.«

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