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Christinens Weg durch die Hölle

Robert Heymann: Christinens Weg durch die Hölle - Kapitel 2
Quellenangabe
authorRobert Heymann
titleChristinens Weg durch die Hölle
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1929
printrun1.-12. Tausend
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20171217
projectid3304bb33
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1

Der Sturm hat die Tür zum Wirtschaftsgebäude aufgerissen. Wie eine weiße Meute peitschte heulend der Schnee herein. Eine Mauer bildete sich drüben vor dem einsamen Eingang ins Schloß.

Gräfin Christine, längst ohne Dienstboten, ist beschäftigt, das magere Obst einzukochen. Man muß sich auf einen langen und harten Winter gefaßt machen. Fleisch ist sehr selten geworden, denn die Bauern haben rücksichtslos den Wildbestand zusammengeschossen. Nichts geschieht mehr für die Winternot der Tiere. Nur die Wölfe dringen des Nachts rudelweise bis ans Schloß heran und müssen von Michael mit Flintenschüssen verjagt werden.

Christine will die Tür schließen, denn die eisige Kälte dringt schon durch ihren Pelz, da löst sich ein dunkler Schatten aus dem Schleier von Schnee und Sturm.

Sie erkennt ihn sofort an dem nur ihm eigenen Lachen. An den schmalen Schultern erkennt sie ihn, an der Art, wie er nachlässig die Hand hebt.

»Alexeij!« ruft sie entsetzt. »Alexeij Odojewskij!«

Das Gefäß mit Obst entfällt ihrer Hand. Sie schaut ihm entgeistert ins Gesicht, aus dem er die Eisperlen wischt. Er eilt auf sie zu, um ihre Wangen zu küssen, aber sie weicht schnell zurück. Sein Lachen, unecht, eine stete Maske, bleibt in seinem harten Gesicht stehen.

»Nicht anrühren, Hauptmann Odojewskij! Ich bin Gräfin Kusmetz.«

»So,« sagt er trocken und wirft sich auf die Bank. »Das ist keine Neuigkeit für mich, Gräfin!«

Sie steht noch immer fassungslos.

»Wo kommen Sie her?« fragt sie.

»Von überall und nirgends. Ich stehe natürlich bei den Weißen. Vorläufig bin ich in Odessa, nachdem ich lange unter Petljura gekämpft habe.«

Die Gegenwart ist brennend. Rußland ist ein Flammenmeer. Tausend Jahre alte Einrichtungen sind fortgefegt. Die Menschen wandern und wandern ... Das drängend Gegenwärtige läßt Christine Vergangenes vergessen.

»Wir erhoffen alles von dem Eingreifen der Alliierten,« sagt sie hastig. »Sie müssen uns retten. Sie sind stark genug! Rußland zerfleischt sich selbst. Die Bolschewisten haben keine Armee ... Es sind undisziplinierte Horden ...«

Hauptmann Odojewskij zuckt die Achseln und vergräbt die Hände, von denen er die großen Handschuhe gezogen hat, in den Taschen.

»Was weiß man ... und was wissen Sie, Gräfin? Kornilow fiel vor den Toren von Jekaterinodar ... am 31. März 18, im verflossenen Jahre ... ich habe den Eisfeldzug mitgemacht ... das Schlimmste, Fürchterlichste, was Sie sich denken können, Gräfin ...«

Der Erzähler bläst in den Ofen, aber Christine kann längst kein großes Feuer mehr anzünden. Nur ein Flämmchen brennt am offenen Herd. Es ist eisig kalt, und die Winternebel senken sich mit früher Dunkelheit über die Erde.

»Die Bauern haben uns das Holz genommen. – Wir leben immer in Pelzen – Transportmittel gibt es auch nicht. – Kein Pferd mehr, keinen Wagen!«

»Und so leben Sie?«

Sie lächelt ergeben. Das kleine Feuerchen wirft einen matten Schein auf ihr junges, liebliches Gesicht. Sie hat dunkelblondes Haar; jetzt erscheint es rot. Ihr Kopf sitzt auf dem beweglichen Hals. Sie erinnert an eines jener ernsten Kinderbilder des englischen Meisters Reynolds.

»Dann leben Sie also mitten im Verfall?«

»Ja. Das ist das rechte Wort. Rund um uns zerfällt alles. Die Erde, die Ernte, die Häuser zerfallen. Die Steine fallen aus dem alten Schloßflügel in die Zugbrücke. Aber –« wieder huscht das Kinderlächeln über ihr bleiches Gesicht – »wir warten. Wir haben ja die Hoffnung. Und der Frühling kommt, und der Sommer, wenn auch menschlicher Wahnwitz am liebsten die Erde stille stehen hieße und die Sonne auslöschte!«

»Sie hoffen, Gräfin! –« Der Hauptmann pfeift durch die Zähne ... »Bis sich Ihre Hoffnungen erfüllen, liegt Ihr Schloß in Trümmern, und Ihre Bauern haben Sie längst begraben.«

Er fährt, sich in Hitze redend, fort: »Worauf hoffen Sie? Auf den Sieg der Weißen? Die Weißen werden nicht siegen!«

Die erschreckten Augen der Gräfin leuchten durch das Dunkel.

»Aber Sie sind doch – sagten Sie nicht, daß Sie Petljuraoffizier sind?«

»Ja. Ich war es. Und trotzdem! – Vorher war ich bei Kornilow. Ich kann Ihnen nicht schildern, was die Kornilow-Armee gelitten hat. Schließlich hielten nur noch die Tekintzen, die mongolische Leibwache, die Freiwilligen zusammen! Die Roten trieben uns aus Rostow in die Steppe ... immer südwärts in Schnee und Eis ...«

Christine steht mit gefalteten Händen. Was sich einmal zwischen ihr und dem ehemaligen Zarenoffizier zugetragen hat, ist vergessen! Er hat Kornilows Eisfeldzug mitgemacht! Er wächst vor ihren Augen ins Legendäre.

»Erzählen Sie, Hauptmann Odojewskij! Erzählen Sie!« bittet sie. »Darf ich Ihnen etwas anbieten? Verzeihen Sie, daß ich völlig vergaß –« sie schaut mit unruhigen Augen umher in dem kahlen Raume und hält im Geiste Musterung über ihre kargen Vorräte.

»Einige geschmorte Pflaumen – etwas Zuckerwasser?« Sie senkt die Stimme bei dem Wort »Zucker«.

In seinem gesunden Gesicht öffnet sich der Mund weit zu einem Lachen.

»Zuckerwasser? Ja?« Er lacht noch stärker. »Wir trinken französischen Champagner in Odessa, schöne Gräfin! Nein, wirklich, ich will Sie nicht berauben! Aber ich darf Ihnen eine Zigarette geben?«

Während ihr Kopf verneint, sucht die Hand die Dose aus edlem Holz, die er ihr entgegenhält. Er reicht ihr Feuer. Sie tut den ersten Zug.

»Ach,« sagt sie in einem Ton, wie Kinder unter dem Weihnachtsbaum.

Er trinkt sich nicht satt an der sanften Rundung ihres Mundes, an den jungen, zärtlichen Augen, die bei jedem Zug, den sie an der Zigarette tut, für Sekunden in rotes Licht getaucht sind.

»Ich wollte Ihnen von Kornilow erzählen.« Er schließt schnell die Tür und kehrt zurück, setzt sich auf die Bank, während Christine mitten im Raume steht. –

»Immer enger wurde die Umklammerung der Roten. Es ging noch so, als wir durch das Gebiet der Donkosaken marschierten – obgleich auch die Kosaken damals noch nichts von uns wissen wollten. Inzwischen sind sie ja alle längst unter Denekin gegen die Roten mobilisiert. Aber erst, als die Eiswüste uns umfing, als wir Bauerndorf um Bauerndorf mit der Waffe in der Hand nehmen mußten, ohne Proviant, verzweifelt, halb erfroren ... da erst kam uns das ganze Elend zu Bewußtsein. Die Roten sandten ihre Späher vor uns her. Die logen die Bauern an, hetzten sie gegen uns auf, und wo uns etwa die Bauern nicht Widerstand leisten wollten, da waren schnell ein paar bolschewistische Helfershelfer gefunden, die diesen Widerstand erzwangen. Auch die deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen wurden von den Roten bewaffnet. Wenn wir ankamen, wurden wir mit Feuer empfangen. Dorf für Dorf, Gräfin, es war ein Jammer! Wir konnten die Waffen keine Stunde ablegen. Hinter uns die Roten, vor uns die Bauern. Es gab keine Wahl! Wir stürmten Dorf um Dorf und massakrierten die Verteidiger. Und fanden immer weniger Lebensmittel. So erreichten wir Jekaterinodar. Kornilow beschließt, die Stadt zu stürmen. Wir sind kaum ein paar tausend Mann und haben einen unabsehbaren Zug von Verwundeten und Kranken, die wir mitschleppen. Ein Elend! Ein Kampf entbrennt, unbeschreiblich! Wir haben schreckliche Verluste. Kornilow beugt sich eben über seine Generalstabskarte, da schlägt eine Granate ein und zerschlägt ihm Arm und Bein.

Eine Stunde später war er tot. Die Soldaten durften es nicht erfahren. Sie waren schon in die Straßen der Stadt eingedrungen. Man kämpft um die Häuser, um die Vorstadt, um jeden Stein. Wir müssen wieder heraus – zurück in die Steppe! Müssen die Kranken und Verwundeten und die Pflegeschwestern zurücklassen!

In der Steppe senken wir den toten General in die gefrorene Erde. Wieder endlose Flucht durch das weiße Rußland. Und endlich, dezimiert, ein Häuflein armseliger Offiziere, erreichen wir wieder das Gebiet der Donkosaken und sind gerettet.«

Christine ist auf einen Schemel gesunken. Starrt den Erzähler mit weitaufgerissenen Augen an: »Aber nun! Nun hat Denikin doch die Hilfe der Engländer und Franzosen und Griechen! Auch die Deutschen in Nikolajew stehen zu ihm!«

Hauptmann Odojewskij schweigt. Sein gepflegtes Gesicht, das kleine, schwarze Bärtchen auf der vollen Oberlippe möchten seine Heldengeschichten Lügen strafen. Aber er hat die Wahrheit gesprochen. Mond und Schnee scheinen durch das zerbrochene Fenster.

»Ach, wären wir in Sibirien oder im Kaukasus,« seufzt Christine. Alexeij schaut ihr erstaunt zu, wie sie einen Kienspan entzündet. »Wir haben kein Licht mehr,« sagt sie mit einem hilflosen Lächeln – »auch keine Kerzen! – Ja, Hauptmann Odojewskij, mein Mann und ich, wir leben hier unter trostlosen Verhältnissen. – Es ist die Heimat, ja, aber keine Zeitungen – die Bauern rund herum reden viel ... man weiß nicht ... ist Koltschak wirklich Oberkommandierender in Sibirien?«

»Ja. Er hat einen Tag vor Weihnachten – letztes Jahr – Perm eingenommen – bereitet jetzt eine neue große Offensive vor ... im Frühjahr soll der Marsch nach Moskau beginnen ...«

Er lacht kurz, sonderbar, seine Augen kleben an ihrer rührenden Gestalt. Ihre Zöpfe hängen mädchenhaft über ihre Schultern. Das schwelende Licht fällt auf ihren dichten Scheitel und taucht ihre forschenden Augen in geheimnisvolles Zwielicht. –

»Wie ist es denn aber überhaupt möglich, daß ich Sie hier noch finde, Gräfin?«

»Sehr einfach! Ich habe den Grafen Kusmetz geheiratet ... wir zogen hierher auf seine Güter.«

»Den Revolutionär ...«

»Er war kein Revolutionär. Er ist unschuldig nach Sibirien geschickt worden. Sie wissen es so gut wie ich. Aber die Bauern haben es ihm nicht vergessen, daß er einst für sie eintrat. Daß er keine Herrenrechte geltend machte wie die anderen Gutsbesitzer rundum, die alle ausnahmslos flüchten mußten. Die Bauern haben uns nichts zuleide getan, haben eine Abordnung geschickt und uns sagen lassen, sie wollten wohl unser Land aufteilen, aber wir sollten ruhig im Schlosse weiterwohnen, und was wir brauchten, wollten sie uns geben.«

»Und Sie sind geblieben?« fragt der Hauptmann mit einem Anflug ehrlicher Bewunderung.

»Ja! Mein Mann konnte sich nicht von der Heimat trennen!«

»Ihr Mann!«

»Sie müssen nicht so sprechen! Auch ich hätte es nicht übers Herz gebracht. Freilich, als alle flohen, als wir den Feuerschein über den Herrenhäusern unserer Nachbarn bald da, bald dort aufleuchten sahen, da klopfte manchmal die Furcht bei mir an – aber Michael vertraut den Bauern.«

»So lange, bis das Gesindel ...«

»Es ist kein Gesindel. Sie betreuten uns weiter. Es war rührend. Aber dann – dann kamen die Roten, die Weißen, wieder die Roten, Requisitionen über Requisitionen, und schließlich der Hunger. Nun haben auch die Bauern nichts mehr. Also können sie uns nichts abgeben.«

»Sie hungern also, Gräfin! Sie hungern?«

»Ja. Wir hungern.«

»Und Michael? Ihr Mann? Wo ist er?«

»Mein Mann ist über Land! Er versucht, bei einem ehemaligen Leibeigenen seines Vaters etwas aufzutreiben. Wir sind ja nun auch arm. Gewiß habe ich meine Kostbarkeiten gerettet –. Aber hier unter den Bauern sie zu Geld machen, hieße, die bösen Instinkte wachrufen. Und wenn wir fliehen – wer kann sagen, wie lange das Geld reicht, das wir für den Schmuck erhalten?«

»Trotzdem sind Sie unermeßlich reich,« sagt der Hauptmann langsam, lauernd. »Sie kennen doch das Geheimnis des Platinlagers.«

Zum ersten Male lacht Christine leise: »Das Geheimnis des Platinlagers ...«

»Nun? Man sagt, die Ausnützung würde Milliarden einbringen!«

»Vater behauptete es. Und ich glaube auch daran. Aber der Sturz des Zaren hat die Verwertung vereitelt. Vater ist nun gestorben.«

»Aber er hat Ihnen die Pläne vermacht.«

Sie schweigt. Sein listiges Auge beunruhigt sie.

Aber er fährt hartnäckig fort: »Verkaufen Sie das Geheimnis an die Entente. Ich bin bereit, zu vermitteln.«

»An die Entente? Rußlands Schätze? Halten Sie mich für eine Verräterin?«

»Die Entente soll aber Rußland aus dem Abgrund des Bolschewismus helfen. Sie selbst sagten ähnliches vorhin – warum also wäre es Verrat, ihr Bodenschätze zur Verwertung zu übermitteln, die doch wieder Rußland zugute kämen? Oder glauben Sie, Gräfin, die Engländer sind nach Batum gekommen, weil Idealismus sie getrieben hat? Das russische Petroleum reizt! Und die Franzosen? Die wollten den Italienern zuvorkommen, und die Griechen wollen Kompensationen.«

Christine hat sich inzwischen von ihrer ersten Überraschung erholt und antwortet kühl, sie wisse überhaupt nicht mehr, wo sich das Lager befände, und sie wolle nichts mehr damit zu tun haben. Rußlands Feinde bleiben Rußlands Feinde, auch wenn sie im Sinne des Menschenrechts und der Kultur jetzt dem russischen Volke beistünden. »Übrigens habe ich alles vergessen. Ich habe nicht einmal Michael jemals davon erzählt. Nein, er hat keine Ahnung von der Existenz dieses Platinlagers, von dem ich selber nichts mehr wissen will. Wer hat zu Ihnen davon gesprochen?«

»Ich erfuhr es von dem damaligen Petersburger Stadtkommandanten. Doch lassen wir das Platinlager! Sie wollen wirklich hier bleiben?«

»Ja.«

»Und wenn die Bolschewiki kommen?«

»Die sind ja schon mehrmals durchgekommen. Die Bauern verstecken uns dann.«

Hauptmann Odojewskij steht auf und legt die Hände auf die Schultern der jungen Gräfin. »Ich muß wieder fort, Christine! Das ist kein Leben für Sie! Das ist Wahnsinn! Kommen Sie mit mir! Nach Odessa! Odessa lebt im Licht. Der Glanz der ganzen Welt ist über Odessa.«

Sie stößt seine Arme von sich und steht schnell auf. »Wir bleiben hier,« sagt sie einfach. »Michael will hierbleiben.«

»Und deshalb, weil Ihr wahnwitziger Michael hierbleiben will ...«

»Ich sagte Ihnen ja schon – auch ich will es! Wenn wir die Heimaterde verlassen, dann vielleicht im Frühjahr.«

»Und ich erkläre Ihren Mann für wahnsinnig!« schreit der Hauptmann. »Will er warten, bis er Sie eines Tages mit durchschnittener Kehle vorfindet? Geschändet? Oder bis ein Trupp Partisanbrüder Sie mitnimmt als Lagerdirne und zum Wäschewaschen? Haben Sie denn eine Ahnung, in welcher Gefahr Sie schweben?«

»Die Bauern werden mich schützen!« antwortet sie erschrocken.

»Die Bauern! Schützen Sie die Bauern vor mir? Kann ein Bauer Ihnen helfen, wenn ich Kriegsrecht walten lasse, schöne Gräfin? Oder haben Sie alles vergessen, Christine?«

Der Wind reißt von neuem die Tür auf. Sie starrt den unheimlichen Besucher entsetzt an. In der Tat: Niemand ist erreichbar, der ihr Hilfe bringen könnte. Schweigend, kalt und dunkel liegt das Herrenhaus. Draußen tobt das Unwetter. Sie sieht jetzt schwach die Umrisse seines Schlittens, die Pferde hat er unter schützende Bäume gestellt.

Sie will fliehen, aber es ist schon zu spät. Er umfaßt sie ...

»Verstehst du, Christine, daß ich dich immer noch liebe? Daß ich nicht verzichten werde?«

Seine großen, weißen Zähne funkeln sie an. Sie schreit laut. Sie trommelt mit den Fäusten gegen sein Gesicht. Er mag schon schärfere Hiebe in ähnlichen Situationen empfangen haben. Er lacht nur. Der Wind bauscht ihre Röcke. Wirft sie ihr fast über den Kopf. – Macht sie hilflos und steigert seine sinnliche Wut. Wie ein Schraubstock pressen sich seine Arme um sie, ihr Kopf sinkt zurück, sein Atem geht über ihre Lippen und schon fühlt sie sich schaudernd als Beutestück – eines der tausendfachen in dieser wüsten, verfluchten Zeit – da pfeift etwas – sss – wie Gottes Zorn über das Gebäude weg, ein furchtbarer Krach folgt, draußen gehen die Pferde durch, und Odojewskij schleudert den zuckenden Frauenleib von sich.

»Eine Granate,« schreit er wild. Da kommt schon der zweite, der dritte Einschlag, das Dach geht nieder, Balken stürzen umher. –

»In den Keller! In den Keller!« ruft Odojewskij. Christine, keines klaren Gedankens mehr fähig, stürzt zu der Falltür. Er reißt sie auf. Sie fallen hinab. In ein eisiges, dunkles Grab. Und gleich hinter ihnen her prasselt die Vernichtung.

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