Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > John Forster >

Charles Dickens' Leben. Dritter Band

John Forster: Charles Dickens' Leben. Dritter Band - Kapitel 13
Quellenangabe
typebiography
booktitleCharles Dickens' Leben
authorJohn Forster
translatorFriedrich Althaus
year1872-1875
publisherVerlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker)
addressBerlin
titleCharles Dickens' Leben. Dritter Band
created20120804
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Zwölftes Kapitel.

Winke für geschriebene und ungeschriebene Bücher.
1855–1865.

Dickens begann das schon früher gelegentlich erwähnte Notizbuch zu etwaigem Gebrauch für seine Arbeiten im Januar 1855, sechs Monate ehe die erste Seite von Klein Dorrit geschrieben wurde, und ich finde keine Anspielung, aus der ich schließen könnte, daß er, außer in einem sehr zweifelhaften Falle, jenen Aufzeichnungen etwas hinzugefügt, oder gewohnt gewesen sei sie zu benutzen, nach dem Datum Unsres gegenseitigen Freundes (1865). Sie scheinen jenen Zeitraum von zehn Jahren in seinem Leben zu umfassen.

Er schrieb in diesem Buche Alles nieder was ihm an Winken und Gedanken in den Sinn kam. Zu einer Zeit war es ein bloßes Bild oder Phantasiestück, zu einer andern der Umriß eines Gegenstandes oder Charakters, dann ein Stück Schilderung oder Dialog – Ordnung oder Reihenfolge wurden nie dabei beobachtet. Auch Titel für Romane trug er ein und Gruppen von Namen für die handelnden Personen; in der That gehören die nicht am wenigsten merkwürdigen Aufzeichnungen der letzteren Gattung an. Seltener finden sich Notizen über Sonderbarkeiten der Ausdrucksweise. So hat er verbatim et literatim darin aufbewahrt was er für eine der überraschendsten Botschaften erklärte, die er je empfangen habe. Eine vertraute Dienerin in Tavistock-House, die über einige beabsichtigte Veränderungen in Dickens‹ Schlafzimmer mit dem Manne, der die Arbeit thun sollte, Rath gepflogen hatte, überreichte ihrem Herrn folgendes Ultimatum. »Der Gasmann sagt, Sir, daß er die Gasleitung in Ihrem Schlafzimmer nicht ändern kann, ohne fast den ganzen Boden Ihres Schlafzimmers aufzunehmen und Ihr Zimmer in Stücke zu reißen. Er sagt natürlich, daß er es thun kann, wenn Sie es wünschen, und er will es für Sie thun und ein gutes Stück Arbeit daraus machen, aber er müßte Ihr Zimmer erst zerstören und ganz unter die Balken gehen.« Von derselben Autorität ging eines Tages, als Antwort auf eine zufällige Frage, eine Beschreibung des Zustandes seiner Garderobe aus, die er ebenfalls in dem Notizbuch angemerkt hat. »Nun Sir, Ihre Kleidungsstücke sind alle schäbig und Ihre Stiefel sind alle geborsten.«

Es ist sehr interessant, in diesem Buche, als dem letzten Vermächtniß der literarischen Hinterlassenschaft eines solchen Schriftstellers, die Art, auf welche seine Einfälle ausgearbeitet wurden, mit ihren in seinen Seiten niedergelegten Anfängen zu vergleichen. Ich hebe daher zunächst diejenigen Aufzeichnungen hervor, welche in einer oder der andern Form später in seinen Schriften erschienen, mit entsprechenden Hinweisen auf die letzteren, welche den Leser in den Stand setzen werden, selbst Vergleiche anzustellen.

»Unser Haus. Was es auch sein mag, es hat eine vorzügliche Lage und eine fashionable Nachbarschaft. (Der Auktionator nannte es ein ›gentlemännisches Haus‹.) Eine Anzahl von kleinen in die Ecke einer dunklen Straße zusammengepreßten Kammern, – aber der Palast eines Herzogs um die Ecke herum. Das ganze Haus grade groß genug, um einen widerwärtigen Geruch zu halten. Die Luft, die man darin athmet, ist zu den besten Zeiten eine Art destillirte Pferdestall-Luft.« Er machte es zu dem Hause der Barnacles in Klein Dorrit.

Was er ursprünglich durch Mrs. Clennam in demselben Romane ausdrücken wollte, hat in den Notizen engere Grenzen und ist von weniger abstoßendem Charakter als demjenigen, den es in dem Buche annahm. »Bettlägerig (oder Zimmerlägerig) zwanzig – fünfundzwanzig Jahre – irgend eine Länge der Zeit. In Bezug auf die meisten Dinge während dieser ganzen Weile im Stillstand begriffen. Denkt an veränderte Straßen als die alten Straßen, – an veränderte Dinge als unveränderte Dinge – an den Knaben oder das Mädchen, mit denen sie sich vor so vielen Jahren stritt, als an denselben Knaben und dasselbe Mädchen in der Gegenwart. Wird durch eine unerwartete Anstrengung ihrer verborgenen Charakterstärke aus dem Hause hinausgebracht und dann, wie seltsam!«

Eine der Persönlichkeiten desselben Romans, die eine hervorragende Rolle darin spielt, Henry Gowan, eine Schöpfung, worauf er als auf etwas Kräftiges und Neues stolz war, scheint auf folgende Weise in seinem Geiste entstanden zu sein. »Ich gebe vor, zu glauben, daß ich selbst Alles für eine Zehnpfundnote thun würde und daß jeder Andre es würde. Ich gebe vor, daß ich immer über aller Menschen Angelegenheiten Buch führe und einen Rechnungsbericht von dem Guten und Bösen eines Jeden bereit habe. So wird der größte Schurke der liebste ›alte Kerl‹, und es ist ein weit geringerer Unterschied, als man denken sollte, zwischen einem ehrlichen Mann und einem Spitzbuben. Während ich vorgebe, in den meisten Menschen etwas Gutes zu finden, verneine ich es in Wahrheit da, wo es wirklich ist und nehme es da an, wo es nicht ist. Möchte nicht eine Darstellung dieses nichts weniger als ungewöhnlichen Charaktertypus, wenn ich sie eindringlich vorführte, einige Menschen zum Nachdenken bringen und sie etwas verändern? Ich glaube, man hat es noch nie versucht?«

In Klein Dorrit wird man auch ein Bild finden, welches in seinem ersten hübschen Entwurfe mit ergreifenderer Wirkung zu leben scheint. »Der Fährmann auf einem friedlichen Fluß, der dort gewesen ist von seiner Jugend an, der lebt, der alt wird, dem es gut geht, dem es schlecht geht, der sich verändert, der stirbt – der Fluß fließt sechs Stunden aufwärts und sechs Stunden abwärts, die Strömung hört an jenem Punkte auf, dieselbe Berechnung muß für das Treiben des Bootes gemacht werden, dieselbe Melodie wird immer von dem gegen den Kiel rauschenden Wasser gespielt.«

Die folgende Aufzeichnung wurde gemacht, als er über das Lebensende des alten Dorrit nachdachte. »Erstes Zeichen von dem Zusammenbrechen des alten Vaters. Die lange Zwischenzeit entschwindet ihm. Er fängt an von dem Gefängnißwärter zu reden, der ihn zuerst den Vater des Marshalseagefängnisses nannte – als wäre derselbe noch am Leben. ›Sage Bob, daß ich mit ihm sprechen möchte. Sieh, ob er die Wache hat.‹« Und folgendes ist der erste Gedanke an Clennam's Glückswechsel. »Er geräth in Verlegenheiten und wird selbst in dem Marshalsea gefangen gesetzt. Dann kehrt sie aus allem ihrem Reichthum und ihrer veränderten Lebensstellung in ihrem alten Kleide zurück und widmet sich ihm auf die alte Weise.«

Unter den gesellschaftlichen Skizzen in demselben Roman scheint er ›Ein lebensgroßes Porträt Seiner Herrlichkeit, umgeben von Anbetern‹ im Sinne gehabt zu haben, von dem, außer jener kurzen Andeutung, nur der erste Entwurf des allgemeinen Umrisses ausgearbeitet wurde. »Ganz verständige Menschen, ganz angenehme Menschen, ganz unabhängige Menschen in ihrer Art; aber so wie sie anfangen, sich um Mylord zu gruppiren und in einem von Seiner Herrlichkeit geborgten Lichte zu glänzen – Himmel und Erde, wie niedrig und unterwürfig! Was für eine Nebenbuhlerschaft und gegenseitige Ueberbietung in Kriecherei!«

Die letzte der Auszeichnungen, welche für den Roman gebraucht wurden, dessen anfängliche Schwierigkeiten sie veranlaßt zu haben scheinen, lautete so: »Das unbehülfliche Schiff in's Schlepptau genommen von dem schnaubenden kleinen Zugdampfer« – worin der Patriarch Casby und dessen Agent Panks vorgebildet waren.

In einigen wenigen Zeilen findet sich der Keim der Erzählung Niedergejagt: »Der Vernichtung eines Menschen gewidmet. Rache die aus Liebe entsteht. Der Sekretär in dem Wainewright'schen Proceß, der sich in das ermordete Mädchen verliebt hatte, oder doch verliebt zu haben glaubte.« Die Andeutung, nach welcher er seine Schilderung des Bösewichts in jener Erzählung ausführte, findet sich auch in dem Notizbuch. »Der Mann, der sein Haar grade oben nach seinem Kopfe hinauf gescheitelt hat, wie einen provocirenden Kieselweg. Läßt es Euch immer sehen. ›Hier hinauf, wenn's beliebt. Weder links noch rechts. Nehmt mich genau in dieser Richtung. Grade hier hinauf. Tretet nicht auf's Gras.‹«

Seine erste Absicht in Bezug auf die Geschichte zweier Städte war, sie nach einem in diesem Notizbuch angedeuteten Plane zu schreiben. »Wie wäre es mit einer Geschichte die in zwei Epochen spielt – mit einem dazwischen liegenden Zeitraum, wie ein französisches Drama? Titel für ein solches Buch. Die Zeit. Die Blätter des Waldes. Zerstreute Blätter. Das große Rad. Um und um. Alte Blätter. Lang ist's her. Weit getrennt. Gefallene Blätter. Fünfundzwanzig Jahre. Lange Jahre. Dahinrollende Jahre. Tag auf Tag. Gefällte Bäume. Gedächtnißbilder. Rollende Steine. Zwei Generationen.« Der Titel Gedächtnißbilder zeigt, daß dasjenige was den größten Erfolg des Buches wie es später geschrieben wurde, veranlaßte, ihm immer gegenwärtig war, und eine andere Notiz gibt eine rauhe Andeutung des Charakters selbst. »Die Trunkenbolde? – Die Ausschweifenden? – Was? – Der Löwe – und sein Schakal und Vertrauter, der sich zu ungewohnten Stunden zu ihm schleicht.«

Die Studien von Silas Wegg und dessen Gönner, wie sie in Unserem gegenseitigen Freunde existiren, sind kaum so gute Komik als in der Form, welche ihre erste Conception beabsichtigt zu haben scheint. »Gibbon's Decline and Fall. Die beiden Charaktere. Einer erstattet dem Andern Bericht über das was er gelesen. Beide gerathen in Verwirrung darüber, ob dies Alles nicht vielleicht jetzt vor sich geht.« In demselben Roman lassen sich mehr oder weniger deutlich andere Einfälle erkennen, die ihren ersten Ausdruck in dem Notizbuch gefunden hatten. Ein Zug für Bella Wilfer ist hier. »Sie kauft dem armen schäbigen – Vater? – einen neuen Hut. So wenig passend, daß er wie ein afrikanischer Königsknabe oder ein König Georg damit aussieht, der für gewöhnlich in voller Gala ist, wenn er nichts an hat, als einen dreieckigen Hut oder eine Weste.« Hier ist unzweifelhaft die Stimme Podsnap's. »Ich trete für meine Freunde und Bekannten ein, nicht um ihretwillen, sondern weil sie meine Freunde und Bekannten sind. Ich kenne sie, ich habe sie anerkannt, sie haben von mir ein Certifikat empfangen. Ergo vertrete ich sie wie mich selbst.« Derselben hoch ansehnlichen Person gehört offenbar ein anderer Charakterzug an. »Und wenn er eine Sache leugnet, meint er, er vernichte dadurch ihre Existenz.« Ein dritter drückt vollkommen den unfugbereiten Jungen aus, der alle Arbeit thut, welche in Eugen Wrayburn's Geschäftslokal zu thun ist. »Der Büreaujunge, der immer aus dem Fenster sieht, der nie etwas zu thun hat.«

Der arme sonderbare zwecklose gutmüthige Herr des Jungen, Eugen selbst, erscheint ebenso offenbar in Folgendem: »Wenn es große Dinge wären, würde ich, der in kleinen Dingen unzuverlässige Mann, sie mit Ernst verrichten – aber o nein, ich würde nicht!« Was folgt, hat einen directeren Bezug; in der That ist es fast wörtlich in den Roman aufgenommen. »Was die Frage betrifft, ob ich, Eugen, der ich bis zum Tode krank darniederliege, durch die Vorstellung getröstet werden kann, daß ich, wenn ich diese Krankheit überstehe, ein neues Leben anfangen und Energie und Zwecke und Alles, was mir bisher fehlte, haben werde, so hoffe ich, daß es so wäre, aber ich weiß, daß es nicht so sein wird. Laß mich sterben, meine Liebe!«

In Zusammenhang mit demselben Buche, dem letzten dessen Vollendung in dieser Form ihm vergönnt war, mag eine andere Notiz hier angeführt werden, welcher er, obgleich sie in dem Roman nicht weiter entwickelt wurde, das Verhältniß Lizzie Hexam's zu ihrem Bruder entnahm. »Ein Mann und seine Frau – oder Tochter – oder Nichte. Der Mann ein Ruchloser und ein Schurke. Die Frau (oder das Mädchen) mit guten Eigenschaften und Gewissensbissen. Er glaubt nichts und trotzt Allem; dennoch hat er immer den Verdacht, daß sie gegen seine bösen Unternehmungen betet und dieselben mißlingen macht. Er ist sehr dagegen und läßt sich immer zornig darüber aus. ›Wenn sie beten muß, warum kann sie nicht zu ihren Gunsten beten, statt sich ihnen zu widersetzen. Sie ist es, die mich zu Grunde richtet – sie – und nennt das Pflicht. Das heiße ich eine religiöse Person! Nennt es Pflicht, meine Pläne zu kreuzen! Nennt es Pflicht, mir insgeheim entgegen zu wirken!‹«

Andre in feinem Notizbuch aufbewahrte Ideen ließ er völlig unbenutzt; denn sie empfingen durch ihn keine dauerndere Form irgend welcher Art als diejenige, welche sie in diesen rührenden Aufzeichnungen haben, und es waren grade die Aufzeichnungen, welche die meisten Leute wahrscheinlich für die anziehendsten und originellsten der so zu künftigem Gebrauch niedergeschriebenen Gedanken halten würden, welche nie benutzt wurden.

Da sind seine ersten rasch hingeworfenen Notizen für die Eröffnung eines Romans. »Er fängt an mit der Abreise einer großen Gesellschaft von Gästen aus einem Landsitze; das Haus mit der zusammengeschrumpften Familie darin ist einsam: es kommt die Rede auf die Gäste und der Leser wird auf diese Weise mit denselben bekannt. – Oder es wird ein Anfang gemacht mit der Schilderung eines Hauses, das von einer herunter gekommenen Familie verlassen ist. Ihre alten Meubeln und zahllose Pfänder ihres alten Comforts sind noch dort. Unterschriften unter den Glocken unten: ›Mr. John's Zimmer‹, ›Miß Caroline's Zimmer‹. Ein großer Garten, der in gutem Stande gehalten wird, um einen Miether anzulocken; aber es ist Niemand darin. Eine Landschaft ohne Figuren. Im Billardzimmer der Tisch bedeckt, wie eine Leiche. Große Ställe ohne Pferde und große Wagenremisen ohne Wagen. Das Gras wächst in den Spalten des Steinpflasters an diesem hellen klaren Wintertage. Bergab.« Noch ein anderer Anfang war ihm eingefallen. »Eröffnung eines Romans, indem man zwei stark entgegengesetzte Orte und zwei stark entgegengesetzte Klassen von Menschen, mittelst einer telegraphischen Botschaft in den für die Erzählung nothwendigen Zusammenhang bringt. Beschreibe die Botschaft, sei die Botschaft, welche durch den Raum, über der Erde und unter dem Meere dahin blitzt.« Hiermit scheint dieser andere Einfall irgendwie zusammenzuhängen, der jenem in dem Notizbuche folgt. »Schilderung von London, oder Paris, oder einer andern großen Stadt, in dem neuen Lichte, daß sie allen Personen des Romans faktisch unbekannt sind, und ihre Färbung nur durch die Befürchtungen, Phantasieen und Ansichten derselben empfangen. Sie stellen sich so unter einem neuen Gesichtspunkte dar, und sind sich selbst unähnlich. Eine seltsame Unähnlichkeit mit sich selbst.«

Die Gegenstände für Romane sind mannigfaltig und einige derselben sehr merkwürdig. An einem hielt er ganz besonders fest und faßte ihn häufig in's Auge als vorzugsweise verwendbar zu einer Reihe von Kapiteln in seiner Zeitschrift; aber als er sich eingehender damit beschäftigte, fand er die Schwierigkeiten zu groß. »Eine englische Landschaft. Die schöne Aussicht, die wohlgepflegten Felder, beschnittene Hecken, Alles so nett und ordentlich – Gärten, Häuser, Straßen. Wo sind die Leute, welche dies Alles thun? Es müssen ihrer viele sein, die es thun. Wo sind sie Alle. Und sind sie auch so wohl gepflegt und so schön anzusehen? Angenommen, das Vorstehende würde ausgearbeitet von einem Engländer, – der vielleicht aus China kommt und nichts von seinem Geburtslande weiß?« Hieran mag eine andere Idee sich anschließen, welche nach derselben Stimmung politischer und socialer Unzufriedenheit schmeckt! »Wie weiß ich, daß ich, ein Mensch, von Insecten lernen soll? – wenn ich nicht das lernen soll, wie klein meine Kleinlichkeiten sind? Alle jene Quälereien im Bienenkorbe wegen der Bienenkönigin sind vielleicht ich und die Hofzeitung, im Kleinen.«

Eine Familiengeschichte, die er in der Geschichte der Staatsprocesse gefunden hatte, machte ihm einen großen Eindruck als fruchtbares Thema, und ich will dieselbe einleiten, indem ich einen andern, nicht in das Notizbuch eingetragenen Gegenstand erwähne, den er lange einer anziehenden Behandlung für fähig hielt. Der Gedanke kam ihm, nachdem er einen Hexenproceß gelesen hatte, und die Heldin sollte ein Mädchen sein, das sich zu einem besondern Zweck als Hexe verkleidet hatte und deren List nicht entdeckt wurde, ehe sie auf dem Scheiterhaufen stand. Folgendes ist die Geschichte aus den Staatsprocessen, wie Dickens dieselbe erzählte. »Es findet sich ein Fall in den Staatsprocessen, wo ein gewisser Officier sich in die Tochter eines (angeblichen) Geizhalses verliebt und sie endlich veranlaßt, ihrem Vater ein langsames Gift zu geben, während sie ihn in seiner Krankheit pflegt. Ihr Vater entdeckt es, sagt ihr dies, vergibt ihr und sagt: ›Beruhige Dich, mein liebes Kind – ich werde nicht lange leben, auch wenn ich genese, und dann sollst Du meinen ganzen Reichthum haben.‹ Obgleich augenblicklich von Reue ergriffen, vergiftet sie ihn (unter demselben Einflusse) noch einmal und nun mit Erfolg. Worauf sich herausstellt, daß der alte Mann gar kein Geld hatte, sondern von einer kleinen Leibrente gelebt hatte, die mit ihm starb, obgleich er sich immer gestellt hatte, als wäre er reich. Er hatte diese Tochter mit großer Zuneigung geliebt.«

Ein Thema, welches nahe an ein Gebiet streift, das Manche für gefährlich halten mögen, wird in der folgenden Phantasie skizzirt. »Der Vater (jung verheirathet) verehrt in vollkommener Unschuld seines Sohnes junges Weib als die Verwirklichung seines eigenen Ideals von einer Frau. (Er ist in seiner eigenen Wahl nicht glücklich gewesen.) Der Sohn vernachlässigt sie und weiß nichts von ihrem Werthe. Der Vater bewacht sie, beschützt sie, arbeitet für sie, duldet für sie – ist fortwährend getheilt zwischen seiner starken natürlichen Liebe für seinen Sohn als seinen Sohn und seinem Groll gegen ihn als den Mann dieses jungen Wesens.« Hier ist ein andres weniger gefährliches Thema, das er einem thatsächlichen Vorgang entnahm, mit dem er während seines Aufenthaltes in Bonchurch bekannt wurde. »Der Gedanke, daß ich (der Erzähler) von meiner Mutter erzogen werde, da mein Vater todt ist, und in diesem Glauben aufwachse, bis ich finde, daß mein Vater der Herr ist, den ich zuweilen gesehen, und von dem ich öfter gehört habe, der die schöne junge Frau hat und den Hund, den ich einmal bemerkte, als ich ein kleines Kind war, und der in dem großen Hause wohnt und herumfährt.«

Vortrefflich ist Folgendes. »Das Mädchen trennt sich von dem Liebhaber, der sich ihrer unwürdig gezeigt – liebt ihn noch – bleibt unverheirathet um seinetwillen – erneuert aber nie ihre früheren Beziehungen. Sie kommt zu ihm, als sie beide alt geworden sind und pflegt ihn in seiner letzten Krankheit.« Und nicht minder vortrefflich ist dies. »Zwei Mädchen gehen eine Mißheirath mit zwei Männern ein. Der Mann der Böses in sich hat, zieht die bessere Frau zu sich nieder. Der Mann, der Gutes in sich hat, hebt die schlechtere Frau zu sich empor.« Dickens würde bei der Ausarbeitung beider Gedanken recht in seinem Elemente gewesen sein.

In einigen seiner amüsantesten Charakterskizzen nehmen die Frauen auch die erste Stelle ein. »Die Dame, un peu passée, die entschlossen ist, interessant zu sein. So sehr ich diesen Menschen auch liebe – ja um so mehr aus eben diesem Grunde – muß ich schmeicheln und quälen und schwach und furchtsam und nervös und was sonst noch sein. Wäre ich wohl und stark und angenehm und selbstverleugnend, so könnte mein Freund mich vergessen.« Eine andre, die in keiner entfernten Verwandtschaft zu derselben Familie steht, ist ebenso gelungen. »Die sentimentale Frau fühlt, daß der komische, arglose, unbewußte Mann ›ihr Schicksal‹ ist. – Ich ihr Schicksal? Großer Gott, der kalte Schweiß bricht mir aus, wenn ich daran denke. Ich ihr Schicksal? Wie kann ich ihr Schicksal sein? Ich will es nicht sein. Ich will nichts mit ihr zu thun haben. – Die sentimentale Frau bemerkt nichtsdestoweniger, daß das Schicksal sich erfüllen muß.«

Andre Theile einer weiblichen Gruppe sind ebenso humoristisch skizzirt und kaum weniger unterhaltend. »Die begeistert Complimente machende Person, die Dich in ihrem eigenen blumenreichen Wortschwall vergißt: wie – ›Ich brauche einem Menschen von Ihrem Genie und Gefühl und Ihrer umfassenden Erfahrung nicht zu sagen‹ – und dann, da sie kurzsichtig ist, setzt sie die Lorgnette auf, um sich zu erinnern, wer Du bist.« – »Zwei Schwestern.« (Dies waren wirkliche ihm bekannte Leute.) »Die eine geht darauf aus, allgemein beliebt zu werden (was sie keineswegs ist), die andere, allgemein gehaßt zu werden (was sie nicht braucht).« – »Die vererbte Magd, oder der vererbte Freund. Als ein Legat hinterlassen. Und ein ganz verteufeltes Legat.« – »Die Frau, die nie, unter keiner Bedingung, etwas Unerfreuliches hören will. Für welche die Welt aus Gerstenzucker bestehen soll.« – »Die Dame, die von ihrer Begeisterung lebt und keinen Deut davon hat.« – »Ein helläugiges Geschöpf, das Juwelen verkauft. Die Steine und die Augen.« Die letzten Worte sind sehr bedeutsam. Man kann sehen, welchen Gebrauch Dickens davon gemacht haben würde.

Ein unruhigerer Ton klingt aus einem andern dieser weiblichen Charaktere. »Ich bin eine gemeine Frau – eine gefallene. Ist es Teufelei in mir – ist es ein verruchter Trost – was ist es – das mich treibt, andre Frauen immer abwärts zu verführen, während ich mich selbst hasse!« Das Folgende ist ebenso wahr, geht aber noch tiefer. »Die Prostituirte, die einen gewissen jungen Mann nicht an sich herankommen lassen will. ›O, wenn es auch nur Einen in der Welt gibt, der eine Neigung zu mir gehabt und sie nicht befriedigt hat und mich in meiner Erniedrigung nicht kennen gelernt hat.‹« – Es folgt eine erfreulichere Skizze als diese beiden, obgleich sie M. Taine nicht so gut gefallen würde. »Die kleine kindgleiche verheirathete Frau – so fremd in ihrer neuen Würde, die mit Thränen in den Augen von ihren Schwestern und von ›Allen zu Hause‹ spricht; war nie vorher fort von Hause und geht nie wieder zurück.« Eine andre nicht weniger anziehende Skizze aus demselben Notizbuch, die er in seinem eignen Hause abnahm, habe ich auf einer früheren Seite mitgetheilt. Vgl. Bd. II. S. 27.

Der weibliche Charakter in seinen Beziehungen zu dem andern Geschlecht findet in dem Notizbuch eine lebhafte Darstellung. »Der Mann, welcher von seiner Frau beherrscht und in Folge dessen von allen andern Frauen verachtet wird, die aber trotzalledem ihre Männer beherrschen wollen.« Ein erschreckendes Familienpaar folgt diesem. »Die scherzhafte und – kratzende Familie. Vater und Tochter.« Und hier ist noch eins. »Der angenehme (und lasterhafte) frühreife junge Mann und seine hingebende Schwester.« Was zunächst folgt, hatte er zum Theil selbst gesehen, während er die Wahrheit des Andern durch Nachfragen in dem genannten Hospital festgestellt hatte. »Die zwei Leute in dem Hospital für Unheilbare. Das arme unheilbare Mädchen liegt auf einem Wasserbett und der unheilbare Mann hat ein seltsames Liebesverhältniß zu ihr. Er kommt und macht ihr vertrauliche Mittheilungen, er beschneidet und arrangirt ihre Pflanzen und trägt ihr die komischen Lieder (!) vor, durch deren Abfassung er besonders seinen Lebensunterhalt gewinnt.«

Zwei leichtere Gestalten sind sehr hübsch angedeutet. »Die Umstände bringen einen heitern lustigen Menschen plötzlich in nahe Beziehungen zu Leuten, von denen er nichts weiß und die er nie gesehen hat. Dies geschieht, indem er den Weg der unschuldigen jungen Person der Erzählung kreuzt. ›Dann muß Onkel Samuel berücksichtigt werden,‹ sagt sie. ›Allerdings,‹ sagt er, ›das ist sehr wahr! Bei Gott, ich hatte Onkel Samuel ganz vergessen. Das ist ein Stein des Anstoßes, Onkel Samuel. Natürlich muß er berücksichtigt werden; er muß geebnet werden, er muß aus dem Wege geschafft werden. Wahrhaftig. Ich hatte nie an Onkel Samuel gedacht. – Beiläufig gesagt, wer ist Onkel Samuel?‹«

Es sind mehrere solche den Frauengruppen gegenüberstehende Skizzen da und durch einige zieht sich Dickens' Lieblingsader der Satire hindurch. »Der Mann, dessen Aussicht immer durch das Bild seiner selbst geschlossen wird. Er sieht einen langen Weg hinunter und kann nicht um sich herum, noch über sich hinaus sehen. Er versperrt sich immer selbst den Weg. Es würde so gut für ihn sein, wenn er sich selbst zu Boden schlagen könnte.« Ein andres Bild der Selbstsucht ist mit größerer Zartheit gezeichnet. »›Zu gut‹ als daß man dankbar, oder pflichtgetreu, oder irgend etwas, das man sein sollte, gegen sie sein sollte. ›Ich will Dir nicht danken, Du bist zu gut.‹ – ›Verlange nicht, daß ich Dich heirathe, Du bist zu gut.‹ – Kurz, ich trage kein besonderes Bedenken, Dich zu mißhandeln und selbstsüchtig gegen Dich zu sein, denn Du bist so gut. Die Tugend ist ihr eigener Lohn.« Ein drittes Bild, welches das Zifferblatt umzudrehen scheint, ist nur eine andre Seite desselben – es werden Fehler offen eingestanden, die Tugenden sind. »In der That, ich gebe zu, ich bin freigebig, liebenswürdig, sanft, großmüthig. Tadelt mich – ich verdiene es – ich kenne meine Fehler – ich habe mich umsonst bemüht, sie zu überwinden.« Auch aus der Bearbeitung des Folgenden würde Dickens viel gemacht haben. »Der erfahrene Mann in der Noth, der von einem großmüthigen Freunde eine runde Summe borgt. Er kommt, niedergeschlagen und in Thränen, dinirt, bekommt das Geld, und heitert sich allmälig beim Weine auf, indem er offenbar dem Gedanken nachhängt, daß sein Freund ein großer Thor ist, es ihm geliehen zu haben und daß er es anders gemacht haben würde.« Und auch aus Diesem. »Der Mann, der ohne Ausnahme passende Bemerkungen macht, (tadelnde oder spottende), ohne daß er es beabsichtigt. Erstaunt, wenn man sie ihm erklärt.«

Hier ist ein Gedanke, von dem er, wie ich mich erinnere, öfter beabsichtigte, Gebrauch zu machen; aber es fand sich nie eine Gelegenheit dazu. »Die zwei Menschen, vor deren Rache man sich hüten muß. Der eine, gegen den ich offen einen ernstlichen Groll hege, den ich mir die Mühe mache zu verwunden und Trotz zu bieten, und den ich des Verwundens und Trotzbietens werth erachte; – der andere, den ich als eine Art von Insect ansehe und verächtlich und vergnügt mit meinem Handschuh bei Seite streiche. Aber es zeigt sich, daß der Letztere wirklich der gefährliche Mensch ist und wenn ich von dem Andern einen Schlag erwarte, kommt er von ihm

Wir sehen die Meisterhand in dem folgenden Stück Dialog, das eine weitere Anwendung hat als diejenige, für die es beabsichtigt gewesen zu sein scheint.

»Auch er hat seinen Werth.«

»Werth! Ja. Jedes Samenkorn in dem Laden des Samenhändlers hat seinen Werth – aber man muß es in die Erde legen, ehe etwas Gutes daraus werden kann.«

»Meinst Du, daß er in die Erde gelegt werden muß, ehe etwas Gutes aus ihm wird?«

»Das ist allerdings meine Meinung. Du magst es ihn begraben nennen, oder Du magst es ihn säen nennen, wie Du willst. Aber Du mußt ihn in die Erde setzen, ehe etwas Gutes aus ihm wird.«

Eine der Aufzeichnungen ist eine Liste von Personen und Orten, die er zu Gegenständen besonderer Beschreibung machen wollte, und es wird Bedauern erwecken, daß seine Absicht nur in Bezug auf einen derselben (die Restauration in Mugby) ausgeführt wurde. »Ein Kirchenältester. Ein Bestecher. Ein Eisenbahn-Wartezimmer. Die Restauration in Mugby. Das Wartezimmer eines Arztes. Die Königliche Kunst-Akademie. Das Haus eines Antiquars. Ein Auktionssaal. Eine Gemäldegallerie (zu verkaufen). Ein Makulaturladen. Ein Postamt. Ein Theater.«

Wenn nun noch die nachstehenden Gedanken und Einfälle dem Leser vorgelegt werden, so wird Alles mitgetheilt worden sein, was in diesem bemerkenswerthen Bande von besonderem Interesse oder Werth ist.

*

»Der Mann, der sein eignes Glück nicht genießen kann. Oder der immer nach Glück strebt. Resultat: wo ist denn das Glück zu finden? Sicherlich nicht überall. Ist das wirklich so? Ist das meine Erfahrung?«

*

»Die Leute, welche darauf bestehen, ihre moralischen Eigenschaften, ihre Motive und was sonst (sowie die aller andern Menschen) zu definiren und zu analysiren, und zwar in dem beschränktesten Sinne und auf die schwerfälligste Weise – als wollte man ein gewaltiges Gerüst aufrichten, um einen Schweinestall zu bauen.«

*

»Das Haus voll Schmarotzer und Humbugs. Sie kennen sich Alle und verachten sich; aber – theils um ihren Platz zu behalten, theils um ihre eignen persönlichen Zwecke zu erreichen – thun sie, als ob sie sich nicht entdeckten.«

*

»Leute, die ungeheuere Geldsummen in ihrer Einbildungskraft, spekulativ, realisiren, – die ihre Kücken zählen, ehe sie ausgebrütet sind. Sie entflammen gegenseitig ihre Phantasie in Bezug auf große Geldgewinnste und lassen sich auf eine Art von unwirklichem unmöglichen Wettkampf darüber ein, wer der reichere ist.«

*

»Der annoncirende Weise, Philosoph und Freund: der ›für die Barre, die Kanzel und die Bühne‹ ausbildet.«

*

»Der Charakter des wirklichen Flüchtlings – nicht der Conventionelle – der wirkliche.«

*

»Der geheimnißvolle Charakter, oder die geheimnißvollen Charaktere, die vertrauliche Mittheilungen austauschen. ›Nothwendig, nach jener Seite sehr vorsichtig zu sein.‹ – ›Nach welcher Seite?‹ – ›B.‹ – ›Nicht möglich. Was? Du glaubst, daß C. –?‹ – ›Kennt D. Ganz gewiß.«‹

*

»Der Vater und der Sohn, wie ich sie dramatisch vor mir sehe. Anfang mit dem wilden Tanze, den ich im Sinne habe.«

*

»Das alte Kind. Das heißt, geboren von Eltern in vorgerücktem Alter; es bemerkt, daß die Eltern andrer Kinder jung sind und nimmt demgemäß einen alten Ton an.«

*

»Ein durch und durch mürrischer Charakter, – der Alles verdreht. Macht das Gute schlecht und das Schlechte gut.«

*

»Die Leute, die alle ihre Sünden, Vernachlässigungen und Unwissenheiten der Vorsehung aufbürden.«

*

»Der Mann, der das weibliche Geschlecht so verzweifelt gut kennt und endlich seine Köchin heirathet.«

*

»Das große Haus, entsetzlich gemein und elend in Allem – ausgenommen ›die Empfangszimmer‹. Diese sehr pomphaft.«

*

»B. erzählt M., was meine Ansicht über sein Werk &c. ist. Führt den Mann, mit dem er einmal gesprochen, redend ein, als hätte er in zwei Minuten die Rede eines ganzen Lebens gehört.«

*

»Ein falsch gestellter und mißverheiratheter Mann, der immer gleichsam mit der Welt Verstecken spielt, und nie findet was das Glück verborgen zu haben scheint, als er geboren wurde.«

*

»Gewisse Frauen in Afrika, die Kinder verloren haben, tragen kleine hölzerne Bilder der Kinder auf dem Kopfe und halten ihre Speise immer vor die Lippen dieser Bilder, ehe sie selbst davon kosten. Dies ist in einem Theile von Afrika, wo die Sterblichkeit unter Kindern (nach der Zahl jener kleinen Gedächtnißbilder zu urtheilen) sehr groß ist.«

*

Zwei andre Aufzeichnungen sind die letzten, die er machte. Die eine enthält unter der Ueberschrift » Verfügbare Namen« eine wunderbare Liste, genau in der nachstehenden Anordnung und Reihenfolge; und es mag dem Gedächtniß des Lesers überlassen bleiben, sich derjenigen zu erinnern, welche in die verschiedenen Erzählungen, von Klein Dorrit an bis zum Ende seines Lebens, ihren Weg gefunden haben. Die übrigen, die durch keine solche Gunst ihres Schöpfers zu höherer Bedeutung erhoben wurden, müssen bleiben wie jede andere ruhmlose Menge. Aber wer eine besondere Einsicht in die Physiognomie eines Romans besitzt, mag vielleicht einige wenige darunter entdecken, die so viel Komik und Charakter verheißen, daß das »stumme ruhmlose« Schicksal, welches sie befallen hat, zum Gegenstande besonderen Bedauerns werden muß, und vermuthlich wird eine erfinderische Spekulation sich an allen üben. Die Neugierigen sind im Allgemeinen der Ansicht gewesen, daß Dickens nicht wenige seiner charakteristischen Züge auf diesem speciellen Gebiet der Erfindung entfaltet habe.

Zuerst sind Titel für Bücher da, und aus der angefügten Liste wurden zwei für Weihnachtserzählungen und zwei für Romane genommen, obgleich » Niemandes Fehler« schließlich Klein Dorrit Platz machen mußte.

Die Rumpelkammer.
Jemandes Gepäck.
Aufzubewahren bis nachgefragt
    wird.
Was man braucht.
Die Extreme berühren sich.
Niemandes Fehler.
Der Schleifstein.
Rauchschmieds Schmiede.
Unser gegenseitiger Freund.
        Der Aschenhaufen.
Zwei Generationen.
Zerbrochenes Geschirr.
Staub.
Das Departement des Innern.
Die junge Person.
Jetzt oder nie.
Meine Nachbarn.
Die Kinder der Väter.
Keine Durchfahrt.

Dann kommt eine Anzahl von Vornamen, Mädchen und Knaben, die so stehen, mit Erwähnung der Quelle woher er sie hat. Diese können daher kaum als reine Erfindung bezeichnet werden. Einige würde man für zu extravagant gehalten haben – ausgenommen für die Wirklichkeit.

Mädchennamen aus den Listen des Unterrichts-Ministeriums.
Lelia.
Menella.
Rubina.
Iris.
Rebekka.
        Etty.
Rebinah.
Seba.
Persia.
Aramanda.
        Doris.
Balzina.
Pleasant.
Gentilla.
 
Knabennamen aus den Listen des Unterrichts-Ministeriums.
Doktor.
Homer.
Oden.
Bradley.
Zerubbabel.
Maximilian.
Urbin.
Samilias.
Pickles.
Orange.
Feather.
 
Knaben- und Mädchennamen aus denselben.
 Amanda, Ethlynida, Boetius, Boltius.

Hieran schließt er Ergänzungslisten, die von ihm selbst herzurühren scheinen.

Mehr Knabennamen.
Robert Ladle.
Joly Stick.
Bill Marigold.
Stephen Marquick.
Jonathan Knotwell.
Philipp Browndreß.
Henry Ghost.
        George Muzzle.
Walter Ashes.
Zephaniah Ferry (oder Fury).
William Why.
Robert Gospel.
Thomas Fatherly.
Robin Scubbam.
 
Mehr Mädchennamen.
Sarah Goldsacks.
Rosetta Dust.
Susan Goldring.
Katherine Two.
Mathilde Rainbird.
Miriam Denial.
Sophia Doomsday.
Alice Thorneywork.
Sally Gimblet.
Verity Hawkyard.
Birdie Nash.
Ambrosina Events.
Apaulina Vernon.
Neltie Ashford.

Und dann kommt die Masse seiner »verfügbaren Namen«, die stehen wie folgt, ohne andere Einleitung oder Erklärung:

Towndling.
Mood.
Guff.
Treble.
Chilby.
Spessifer.
Wodder.
Whelpford.
Fennerck.
Gannerson.
Chinkerble.
Bintrey.
Fledson.
Hirll.
Brayle.
Mullender.
Treslingham.
Brankle.
Sittern.
Dostone.
Caylon.
Slyant.
Queedy.
Besselthur.
Musty.
Grout.
Tertius Jobber.
Amon Headston.
Strayshott.
Higden.
Morfit.
Goldstraw.
Barrel.
Inge.
Jump.
Jiggins.
Bones.
Coy.
Dawn.
Tatkin.
Drowvey.
Swenton.
Casby–Beach.
Lowleigh–Lowely.
Pigrin.
Yerbury.
Plornish.
Maroon.
Bandy-Nandy.
Stonebury.
Magwitch.
Meagles.
Pancks.
Haggage.
Provis.
Stiltington.
Stiltwalk.
Stiltingstalk.
Stiltstalking.
        Pudsey.
Pedsey.
Duncalf.
Tricklebank.
Sapsea.
Readyhuff.
Dufty.
Foggy.
Twinn.
Brownsword.
Peartree.
Sudds.
Silverman.
Kimber.
Laughley.
Lessock
Tippins.
Minnitt.
Radlowe.
Pratchet.
Mawdett.
Wozenham.
Snowell.
Lottrum.
Lammle.
Froser.
Holblack.
Mulley.
Redworth.
Redfoot.
Tarbox.
Barbox.
Tinkling.
Duddle.
Jebus.
Powderhill.
Grimmer.
Skuse.
Titcoombe.
Crabble.
Swannock.
Ravender.
Podsnap.
Clarriker.
Compery.
Striver–Stryver
Pumblechook
Wangler.
Boffin.
Bantinck.
Dibton.
Wilfer.
Glibbery.
Mulvey.
Horlick.
Doolge.
Gannery.
Gargery.
        Tuzzen.
Twemlow.
Squab.
Jackman.
Sugg.
Bremmidge.
Silas Blodget.
Melvin Beal.
Buttrick.
Edson.
Sanlorn.
Lightword.
Titbull.
Bangham.
Kyle–Nyle.
Pemble.
Maxey.
Rokesmith.
Chivery.
Wabbler.
Peex–Speex.
Gannaway.
Mrs. Flinks.
Flinks.
Jee.
Harden.
Merdle.
Murden.
Topwash.
Pordage.
Dorret–Dorrit
Carton.
Minifie.
Slingo.
Joad.
Kinch.
Mag.
Chellyson.
Blennam–Cl.
Bardock.
Snigsworth.
Willshard.
Riderhood.
Pratterstone.
Chinkible.
Wopsell.
Wopsle.
Whelpington.
Whelpford.
Gayvery.
Wegg.
Hubble.
Urry.
Kibble.
Skiffins.
Wodder.
Etser.
Akershem.

Die letzte der Aufzeichnungen und die letzten Worte, welche Dickens in das dieselben enthaltende Buch von weißem Papier schrieb, sind diese: »›Dann will ich dem Schnupftabak entsagen.‹ Brobity. – Ein schreckenerregendes Opfer. Mr. Brobitys' Schnupftabaksdose. Des Pfandverleihers Bericht darüber.« Was hiermit beabsichtigt wurde, muß der Vermuthung überlassen bleiben; aber Brobity ist der Name eines der Charaktere seines unbeendeten Romans, und die Andeutung mag sich auf einen Vorgang darin bezogen haben. Wenn dem so ist, so ist dies die einzige Stelle des Buches, welche mit der Arbeit, an der er zuletzt beschäftigt war, irgendwie in Zusammenhang gebracht werden kann. Einige Namen dafür wurden den Listen entnommen, aber sonst ist nichts da, was an Edwin Drood erinnert.

 

*

 

 << Kapitel 12  Kapitel 14 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.