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Friedrich Gerstäcker: Californien - Kapitel 10
Quellenangabe
typereport
authorFriedrich Gerstäcker
titleCalifornien
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
seriesReisen
volumeZweiter Band
year1853
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070213
projectide0821de1
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9. Murphys new Diggings.

Eigentümlich ist das Leben in den Minen, und man kann nicht einmal sagen daß die Leute ein Nomadenleben führen, denn selbst der Nomade bleibt, ehe er wieder weiter wandert, eine kurze Zeit auf der einen Stelle, wo er Nahrung für sich und Futter für sein Vieh findet; der Goldwäscher dagegen ist fortwährend wie ein gespannter Bogen – die geringste Nachricht von in der Nachbarschaft gefundenen reichern Stellen, und Decke und Pfanne hängt auf dem Rücken, Spitzhacke und Schaufel liegt auf der Schulter und fort gehts über Berge und Flächen weg, dem neu erhofften, und doch ach wie so selten gefundenen Eldorado zu.

So war ich kaum wieder nach Murphys Diggings zurückgekehrt, als ein dumpfes Gerücht umging, es sey in der Nähe eine fabelhaft reiche Stelle aufgefunden worden, und Einzelne verließen, wie das unter solchen Umständen meist geschieht, heimlich bei Nacht und Nebel, damit niemand ihrer Spur folgen könne, die bisher bearbeiteten Minen und wanderten in die Berge. So etwas bleibt aber nie länger als zwei oder drei Tage Geheimniß, bald wußte ganz Murphys daß der neue reiche Platz etwa zehn Meilen (englisch) entfernt am Carsons Creek sey und in Schaaren brachen jetzt die Leute auf, auch ihr Scherflein herauszuholen, aus dem überreichen Boden.

Theils den Ort und das Leben und Treiben dort zu sehen, theils ebenfalls mein Glück zu versuchen, wanderte ich mit einigen andern Deutschen hinüber – mein Compagnon meinte er sey noch zu schwach, einen derartigen Marsch und damit verknüpfte Arbeit unternehmen zu können – und gegen Mittag etwa erreichten wir den jetzt auf einmal förmlich berühmt gewordenen Platz.

Schon unterwegs fanden wir übrigens daß das Gerücht, in Beziehung der Stelle, keinesfalls gelogen habe – überall zogen kleine Trupps dem neu in den Bergen, jedoch ganz in der Nähe älterer Minen entdeckten Dorado entgegen. Die Plätze wo kleine stores oder Schenkläden gestanden hatten, waren verlassen, und die nackten zurückgebliebenen Pfähle zeigten nur noch ihre früheren Stellen an; Wägen, mit allerlei Provisionen und Gütern beladen, überholten wir, und als wir endlich den jetzt von so Vielen erstrebten Platz erreichten, boten die Berge und Thäler um uns her schon das belebteste interessanteste Bild, das sich nur denken läßt.

Der Platz wimmelte förmlich von Menschen und während von allen Hügelrücken viele theils einzelne Wanderer theils kleine Züge dem Hauptthale zuströmten, waren hunderte von schon angelangten Arbeitern auf das emsigste beschäftigt, Plätze von circa 12–16 Fuß abzumarken und da die eigentliche Flat, wo man bis dahin nur gegraben hatte, schon vollständig in Beschlag genommen war, dehnte sich dieser Eifer der Plätzeanleger auch sogar auf die benachbarten Hügelhänge aus. Die Leute, die solche unwahrscheinliche Stellen für sich beanspruchten, hüteten sich aber wohl sie auch gleich hinunter zu graben, denn es war ihnen dort fast die Gewißheit daß sie 20 und 30 Fuß tief in den steinharten Boden eingehen müßten, sondern warteten erst ruhig ab, wie sich die wirklich hie und da eingegrabenen Schachte in ihrer Nähe bezahlen würden, danach ihre eigenen Arbeiten einzurichten.

Wir schlugen ebenfalls an einer, zwar schon bezeichneten, aber noch mit keinem Handwerkszeug gemerkten Stelle – wie das Minengebrauch ist – ein und gruben an dem Abend noch ungefähr 4 Fuß in förmlich steinharten Boden hinunter, dann aber suchten wir uns unter den benachbarten Bäumen einen Lagerplatz und richteten uns dort so gut ein wie das eben in der Geschwindigkeit gehen wollte. Traurig war dabei der fast gänzliche Mangel guten Trinkwassers und selbst zum Kochen mußten wir ein dünnes Schlammwasser verwenden das aus ein paar kleinen topfartigen Kuhlen herausquoll, und von allen Eseln und Maulthieren der Umgegend nicht allein zum Saufen beansprucht, sondern auch von der ganzen Nachbarschaft sowohl zum Küchengebrauch wie als Waschbecken benützt wurde.

Einige der Löcher in der Flut hatten sich indessen schon als sehr ergiebig, manche sogar reich gezeigt, und da viele derselben gerade zufällig von »Ausländern« gegraben waren, so läßt es sich leicht denken wie das die Gier und den Neid mancher der Amerikaner erregen mußte. Hier mußte Rath geschafft werden diese Plätze auf eine Weise an sich zu bringen, welche die ganze Sache zugleich zu einer amerikanischen machte, und die Einzelnen vor der Rache der Beraubten schützte.

Zu diesem Zweck wurde an demselben Abend eine Meeting zusammenberufen, bei der ich mich natürlich ebenfalls einfand, und wenn ich je etwas extravagantes in der Art gesehen habe – und ich habe viel dergleichen gesehen – so war es diese Versammlung. Ein Bursche besonders, mit rothen Haaren und Sommersprossen, außerdem aber einer richtigen Galgenphysiognomie, leistete das Aeußerste. Darüber waren die guten Leute bald einig, daß sie die Ausländer am nächsten Morgen sammt und sonders zum Teufel jagen wollten, nur unter sich selber fanden noch einige kleine Berücksichtigungen statt. Einer von ihnen beantragte z. B. in Erinnerung des letzten »spanischen Aufstandes« dasselbe was wir in Murphy's die »französische Revolution« nannten, und wo die Chilenen geprahlt haben sollten den Amerikanern 20 Tage zu geben, die Minen zu verlassen, allen Ausländern nach einem, am andern Morgen anzuschlagenden Placat, zwanzig Minuten zu geben, hier ein Gleiches zu thun. Dieser wahnsinnige Vorschlag ging nun allerdings nicht durch, denn einige der vernünftigeren Amerikaner, obgleich von denen an diesem Abend nur sehr wenig anwesend zu seyn schienen, warfen dagegen ein, daß sie ja gar keine Macht hier hätten, ein solches Gesetz in Kraft treten zu lassen und sich nur blamiren würden, wenn demselben nachher nicht Folge geleistet würde. Die Versammlung entschloß sich zuletzt die 20 Minuten auf 24 Stunden auszudehnen, dabei blieb es aber und der Anschlag wurde denn auch in englischer und spanischer Sprache am nächsten Morgen an einer Menge von Stellen angeklebt, ohne jedoch weiteren Erfolg zu haben, als daß einige Schaaren von überhaupt leicht eingeschüchterten Mexikanern wirklich aufsattelten und abzogen. Alle übrigen Ausländer blieben ruhig da, und das am letzten Abend dazu ernannte Comité, die Ausführung des also gegebenen Gesetzes auch ordentlich zu überwachen, war klug genug sich gar nicht weiter darum zu kümmern.

Komisch und charakteristisch blieb noch ein Zug dieser Meeting. Man war darüber vollständig einig geworden die Fremden zu vertreiben, und die guten Plätze für amerikanisches Eigenthum zu erklären, wußte aber noch nicht recht was mit den eroberten vor allen Dingen wohl am besten anzufangen wäre. Zuerst wurde der Vorschlag gemacht die Löcher zu verloosen, andere wollten einfache Auktion derselben, andere eine förmliche Lotterie – was aber dann mit dem eingegangenen Geld beginnen? verwandt mußte es doch werden. – Ein Vorschlag lautete da, ein Comité von fünf Mann zu erwählen, welche das Geld in Carsons Flat zu wohlthätigen Zwecken verwenden sollten. – Aber wie? in acht Tagen war vielleicht von all den Menschen nicht ein einziger mehr in der Gegend, und wer brauchte Wohlthaten? – Ein anderer Vorschlag klang noch hübscher, ein alter Mann mit grüner Brille und wirklich gefährlich spitzer Nase wollte ein Gerichtshaus und Gefängniß davon in Carsons, mitten in den Bergen, gebaut haben, und vertheidigte diesen Unsinn bis auf das Aeußerste.

Da sich, nach langer Debatte auch nicht ein einziger vernünftiger Zweck angeben ließ, was mit dem Gelde anzufangen wäre, so beschloß man endlich von Lotterie wie Auktion abzusehen, und denen die guten Plätze zu überlassen, die nach Vertreibung der Fremden zuerst hineinspringen würden. Die Fremden blieben aber, und das Resultat der ganzen äußerst lebhaften Meeting war, wie schon gesagt, die Abreise einiger 50 Mexikaner, an deren Statt meist andere Fremde wieder eintraten.

Am nächsten Morgen gingen wir wieder frisch an die Arbeit, und fanden auch in der trockenen Erde – denn an Waschen war bei der Dürre ja gar nicht zu denken, einige Stücke recht schönes grobes Gold – zwei Stücke unter anderen von 21 und 23 Dollars werth – doch lag es zu einzeln um die Arbeit die es kostete es herauszuholen zu bezahlen. Dabei führten wir, bei dem fast gänzlichen Mangel an gutem Trinkwasser in der furchtbaren Hitze und unter so schwerer Arbeit ein so jämmerliches Leben, daß wir endlich beschlossen wieder nach Murphys zurückzukehren, und dort lieber weniger zu verdienen, als hier noch länger eine solche Existenz fortzuführen.

Die jetzige Bearbeitung der kalifornischen Minen hat, obschon sie sich im allgemeinen wohl gleich geblieben, doch einen ganz andern Charakter angenommen als damals wo das Gold zuerst entdeckt worden. Allerdings arbeiteten die Leute noch immer in Flüssen und Ravinen, aber das oben liegende Gold ist verschwunden, und wenn jener Officier, nachdem die Minen schon 10 Monate bearbeitet worden, an seine Regierung berichtete: das tiefste bis jetzt der Metalle wegen gegrabene Loch sey sieben Fuß tief, so findet man jetzt förmliche Schlünde von 20 bis 30 Fuß, und tiefer und tiefer wühlen sich die Leute in den Boden. Wohl konnten die Arbeiter damaliger Zeit auch so viel Unzen verdienen als jetzt mühsam Dollars zusammengebracht werden; denn erstlich waren die Plätze noch nicht ausgearbeitet, sie konnten anfangen wo sie wollten, und hatten sie dann einmal einen guten Platz gefunden, so konnten sie darin so weit sie wollten der Goldader folgen, während jetzt bei jeder neuentdeckten Stelle gleich Tausende hinzuströmen und rund um die Arbeitenden her Plätze für sich selber abmarken, die jene dann nicht, und wenn sie gleich Monate vorher dagewesen wären, berühren dürfen, sondern nun wieder weiter wandern müssen oft Wochen ja Monate daran zu wenden, eine neue gute – oder wenigstens als solche gehoffte Stelle, aufzufinden.

An den kleinen Ravinen oder Bergbächen war natürlich die leichteste Arbeit das Bett des Baches selber auszuwaschen, und schnell genug ließ sich das thun, es dauerte deßhalb auch nur verhältnißmäßig sehr kurze Zeit, und fast sämmtliche bedeutendere Bäche waren auf solche Art untersucht und bearbeitet. Nun lag allerdings nur das wenigste Gold in dem schmalen Bett; das meiste befand sich noch in den Bänken oder Ufern, wo in frühern Zeiten, und zwar damals als dieses Land von jenen furchtbaren vulkanischen Revolutionen heimgesucht worden, die eigentliche Wassermasse gelaufen war. Theils hatte man das aber bei der ersten Entdeckung des Goldes nicht vermuthet, theils, wenn zufällig einmal gefunden, nicht beachtet, da in jener Zeit die edlen Metalle noch leichter als durch solch langwieriges Graben zu gewinnen waren. Jetzt aber sind dagegen die Arbeiter fast allein auf diese Bänke angewiesen, und glücklich ihr Erfolg in den meisten Fällen, wenn sie solche Bänke nicht ganz umsonst abgestochen haben und wenigstens »Tagelohn« machen – wenn auch das Tagelohn in Californien mehr beträgt als bei uns.

Was vor einem Jahr ebenfalls noch nicht geschah, sind diese Arbeiten in den »Flats« – d. h. solchen Platzen wo der Fluß, oder selbst kleinere Bäche eine Art Bogen um einen größeren flachen Platz herum machen, den der Wasserlauf früher aller Wahrscheinlichkeit nach durchschnitten hat. Die Gruben aber, die an solchen Orten gegraben werden müssen, sind gewöhnlich, wenn sie nur etwas lohnen sollen, sehr tief, und wie traurig dann oft das Resultat für die meisten der Arbeiten ausfällt, haben wir in Murphys new diggings leider zu deutlich gesehen.

Diese ziemlich geräumige Flat, durch die wir noch dazu später das zu stark durch Quellen einfließende Wasser abzuleiten, einen Ungeheuern Canal graben mußten, an dem 176 Menschen fast eine ganze Woche arbeiteten, gab nur in einem einzigen Strich, für etwa 20–25 Löcher aus mehr als 800, reichlich Gold, die übrigen gingen zum großen Theil leer aus, andere bekamen nur theilweise eben ihre Arbeit bezahlt.

Eine andere Schwierigkeit für die Goldwäscher ist aber auch noch die daß das Terrain trotz dem Flächenraum den es einnimmt immer kleiner wird. Verschiedene Plätze können nämlich auch nur zu verschiedenen Jahreszeiten bearbeitet werden, da an einem Ort bald zu viel, bald zu wenig Wasser – eines fast so schlimm als das andere – die Arbeiten unterbricht, und die Goldsucher, so gern sie sich auch über ein größeres Terrain verbreiten möchten, wieder zusammentreibt.

Im ersten Frühjahr, wenn die Regenzeit eben nachgelassen, strömt gewöhnlich alles was bis dahin in den größern oder kleinern Städten überwinterte, in die Minen. Die Flußbetten, die im Spätherbst ergiebige Ausbeute liefern, sind aber dann noch voll von Wasser, die sogenannten »Flats« oder Ebenen können aus dem Grund ebenfalls nicht bearbeitet werden, und die »Digger« sehen sich einzig und allein auf die Ravinen angewiesen. Im Sommer, wenn diese versiegen, ist dann gewöhnlich die schlechteste und unbequemste Zeit – die Flüsse sind noch nicht auf ihrem tiefsten Stand und in den feuchten Flats hält der flache Boden ebenfalls noch zu viel Wasser, doch müssen dann diese meistens in Angriff genommen werden, und so drängen und treiben sich die Goldwäscher rastlos aus einem Theil der Berge in den andern, und nicht allein die Jahreszeiten und der Stand des Wassers, nein auch noch oft falsche, oft fabelhafte Gerüchte neu entdeckter Schatzgruben tragen das ihrige dazu bei, die armen Teufel manchmal mit ihrem schweren Handwerkszeug, drei- viermal im Monat über Berge und Klüfte zu senden, dem so heiß ersehnten »Pile« oder Haufen nach, wie die Amerikaner sagen.

Die Arbeiten in den Ravinen sind immerhin auch noch insofern die besten, als sie am wenigsten Auslagen verlangen, und die Goldwäscher nicht in die Verlegenheit kommen vielleicht große Summen an baarem Geld hineinzustecken und dann am Ende, neben ihrer harten Arbeit, noch nicht einmal das ausgelegte Geld wieder zu bekommen. So mußten wir in der Flat eine Pumpe haben, und kauften in einer Auction eine gewöhnliche, etwa 23 Fuß lange Holzpumpe, nur aus vier Brettern bestehend und von starken eben solchen Klammern gehalten, für 90 Dollars, was noch von allen Leuten für ungemein billig gehalten wurde.

Von meinem Kompagnon hatte ich mich indessen nach einem Vergleich, in welchem ich wenigstens alle die sicher stellte, die uns meinetwegen Waaren geborgt, getrennt. Wie richtig ich dabei gehandelt bewies er selber bald nachher, indem er aus den Minen durchging, weder in Stockton noch San Francisco seine Schulden bezahlte und Californien heimlich verließ. Er hatte mich selber tüchtig dabei geprellt, das geschah mir aber ganz recht, Andere hatte ich früher, auf meine eigene Erfahrung in Nordamerika fußend, gewarnt, derartige Compagnieschaften einzugehen, und ich selber beging jetzt denselben Fehler. Seinem Lohn wird Böhm aber auch nicht entgehen, denn er hat dort zu Viele angeführt, und ein oder dem anderen von diesen läuft er doch einmal wieder in den Weg.

Froh darüber, mit dem Burschen nichts weiter zu thun zu haben, schloß ich mich einigen andern Deutschen, die ich schon vorher als ordentliche brave Leute hatte kennen lernen, an, und wusch nun Gold, wie die übrigen. Wenns mir aber auch selber in dem Geschäft nicht besonders glückte, so fand ich mich doch dafür in dem Hauptzweck meiner Reise desto reichlicher belohnt. Wenn sich die materielle Phantasie unserer Vorfahren ein Land dachten, wo die Tauben gebraten herumflogen und die gebackenen Spanferkel, mit Messer und Gabel auf dem Rücken, auf sie zukamen und sie um Gotteswillen baten zuzulangen, so hatte ich hier ein Land gefunden, das wenn für keinen Anderen, sicher für den Literaten ein Eldorado war. Wie das gebackene Spanferkel lief der Stoff hier, mit förmlich ausgearbeiteten und fertigen Charakteren ordentlich Bändeweis herum und ich hatte manchmal wirklich weiter nichts zu thun als ihn seitenweis einzutragen und aufzuspeichern.

Wunderbarer Weise fand ich aber die meisten Charaktere gerade unter den Deutschen, und wie sie dastanden, konnte man sie fast als Originale nehmen, von denen jeder seine Stelle in einem Roman ausfüllte. Die vorragendste Persönlichkeit war aber ein kleiner elsässischer Schneider, Johnny, oder Napoleon genannt, über den ich manchmal fast Thränen gelacht habe. Der kleine Bursche hatte sich in nicht geringem Verdacht – und es ist seit der Zeit auch noch andern Schneidern so gegangen – Ähnlichkeit mit Napoleon zu haben; er trug sogar den alten Filzhut in ähnlicher Art aufgekrempt und stand eine Viertelstunde lang mit untergeschlagenen Armen und zusammengezogenen Brauen. Es war dabei das kleinste, nichtsnutzigste, liederlichste Schneiderlein – wenn es Geld genug in der Tasche hatte, den Flotten zu spielen – der sich auf der weiten Welt nur denken ließ, hatte es aber keines mehr, so arbeitete es auch mit Spitzhacke und Schaufel so flink und unverdrossen, als ob es eben nur Nadel und Scheere gewesen wäre, und nahm sich dann nicht einmal Zeit die einzigen Unaussprechlichen zu sticken.

Aus dem mexikanischen Krieg schwärmte es ordentlich von Deserteuren und fast alle die »Freiwilligen,« die, noch vor der Entdeckung des Goldes von den Vereinigten Staaten hier herüber gesandt und nach der Entdeckung freiwillig davon gelaufen waren, hätte man, glaube ich, bis auf den letzten Mann hier wieder finden können.

Eine andere Klasse bildeten die von den Vereinigten Staaten herübergekommenen Deutschen, von denen sich ein großer Theil, wie sie das über den Felsengebirgen drüben gelernt hatten, zu den Amerikanern hielt, und ums Leben nicht Deutsche seyn wollten. Das Gesindel hatte ich aber in den Staaten selber schon genug kennen und verachten gelernt, und hütete mich wohl mich mit ihnen einzulassen.

Vortreffliche Exemplare gab es aber auch gerade unter den frisch Eingewanderten, zu denen gerade in diesen »diggings« besonders ein komischer Kauz gehörte, der hier schlechtweg der »Justizrath« genannt wurde und in Deutschland auch wohl bei der heiligen Justiz angestellt gewesen war, denn wenn er mit Jemanden nur die einfachsten Sachen sprach, ja sich selbst nach etwas erkundigte, fuhr er die Leute auf eine Art an, als ob er hätte sagen wollen: »Er nichtsnutziger Kerl, wie kann er sich unterstehen, überhaupt auf der Welt zu seyn – augenblicklich, vierundzwanzig Stunden ins Loch.« Er ging dabei immer mit der langen Pfeife herum und war besonders für die Indianer, die das barsche, vornehme Wesen des Mannes mit einer gewissen Art Ehrfurcht betrachteten, ein Gegenstand der Scheu und Bewunderung.

Ich stand einst mit ihm im Zelte, in dem er seine Pfeife rauchend auf- und abging und ein Gesicht dabei machte, als ob er Stecknadeln verschluckt hätte, als ein Indianer hereinkam und sich, wie das ihre Sitte so gewöhnlich ist, überall vorsichtig umsah. »What do you want« schnauzte ihn da der Justizrath plötzlich auf eine Weise an, daß der arme Teufel wie aus der Pistole geschossen, zum Zelt wieder hinausfuhr und dort eine ganze Weile unschlüssig stehen blieb, ob er Fersengeld geben oder bleiben solle. Glücklicher Weise kannte er mich, denn ich stand mit all' den Stämmen in der Nachbarschaft auf gutem Fuß, und er kam, als Jener den Rücken drehte, vorsichtig, aber immer sprungfertig, wieder näher, stieß mich, als er dicht hinter mir stand, leise an, und flüsterte mit einem schüchternen fragenden Blick – Capitano? Ebenso leise und bedeutungsvoll nickte ich ihm die Bejahung der Frage, und wie sich der Justizrath mit der qualmenden Pfeife wieder herumdrehte, war der Indianer blitzesschnell verschwunden.

Der Justizrath, eine allgemeine Gerechtigkeit annehmend, suchte das Gold ganz nach diesem Princip – »wenn Gold in den Thälern lag, schloß er, so müsse es auch ebenso gut oben auf den Bergen liegen,« und er fing nun an und grub, sehr zum Erstaunen der Nachbarn, auf verschiedenen Hügelrücken kleine, zwei oder drei Fuß tiefe Löcher, aus denen er eine Pfanne voll Erde regelmäßig nach dem Bach hinunterschleppte und dort auswusch, und ebenso regelmäßig auch nicht die Spur von Gold darin fand. Das »Bergwaschen« gab er übrigens mit der Zeit auf.

Von Allen am meisten interessirte mich aber ein Mann, dem ich eines schönen Morgens mit Spitzhacke, Schaufel und Pfanne wie die gewöhnlichen Arbeiter, aber sonst außerdem in schwarzem Frack, Glacéhandschuhen und spitzen Hut und gewichsten Stiefeln, nicht wie die gewöhnlichen Arbeiter, zwischen den Zelten begegnete. Ich hasse es sonst auf der Straße stehen zu bleiben und einem Anderen, besonders der Kleidung wegen nachsehen, hier konnte ich mich aber doch nicht enthalten etwas derartiges zu begehen, und schaute dem Manne nach, so lange ich ihn noch zwischen den Zelten und Büschen erkennen konnte.

»Solch ein Schwalbenschwanzrock thut kranken Augen hier oben in den Bergen ordentlich wohl,« sagte endlich ein alter Irländer, der die ganze Zeit über neben mir gestanden hatte, schmunzelnd, »wie der gentleman wohl in acht Tagen aussieht?«

Das waren etwa ebenfalls meine Gedanken gewesen und ich forschte jetzt auch nach wer der Mann seyn könne – er fing an mich zu interessiren. Das Nähere über ihn, soweit man es überhaupt in den Minen wußte, erfuhr ich noch an dem nämlichen Abend – er war Advokat und mit der festen Ueberzeugung in die Minen gekommen, vermittelst einer gewöhnlichen Blechpfanne und eines Brodmessers so viel Gold aus den Ritzen und Spalten in Glacéhandschuhen herauszustochern, als er nachher zu einem nicht übertriebenen aber doch anständigen Leben gebrauchen würde. Drei Tage war er nun schon, wie er jetzt noch ging und stand, in den Bergen herumgewandelt, und hatte in trockenen Steinen herumgekratzt, aber natürlich gar nichts gefunden, und heute ging er zum erstenmal, denn er war zu stolz sich von Anderen ernähren zu lassen und mußte Geld verdienen wenn er nicht hungern wollte, mit Spitzhacke und Schaufel an die Arbeit.

Vierzehn Tage verlor ich den Mann aus dem Gesicht; es schien, er war mit einem Bekannten ein Stück den Creek hinuntergegangen, dort sein Glück zu versuchen, aber lieber Gott, wie sah er aus, als er sich zuerst wieder in Murphys Diggings, und das nur gezwungen, weil er Provisionen kaufen mußte, sehen ließ. Er schämte sich dabei seines Anzugs wie es schien, und doch hatte der arme Teufel wohl keine andern Kleider, denn er kam als eben der Tag dämmerte in das Städtchen, und die Zelte noch nicht einmal geöffnet waren. Ich selber ging gerade an dem Morgen auf die Jagd, sonst hätte ich ihn auch nicht zu sehen bekommen.

Der schwarze Frack, auf solche Arbeit nicht eingerichtet, war überall ausgerissen – unter den Armen und an den Ellbogen, hinten auf dem Rücken und an den Schößen, wo er wahrscheinlich in dem dornigen Gestrüppe hängen geblieben seyn mochte – und die Handschuh – lieber Gott, die existirten nur noch auf dem Rücken, trotzdem hatte er sie mit ziemlicher Sorgfalt angezogen und selbst die ebenfalls an den Seiten schon aufgesprungenen Stiefel versucht zu wichsen, obgleich das voll Regenwasser gesogene Leder keine Wichse mehr annahm. Selbst die Hose war an mehreren Stellen mit grauem Zwirn ausgebessert, und der Mann sah bleich und elend aus.

Wie ich später hörte, hatte er nicht einmal genug Geld in den Minen verdienen können, seine Rückreise zu bestreiten, und war zu Fuß nach Stockton und von dort weiter über Pueblo San José, um die ganze Bai herum wieder nach San Francisco gewandert, wo vielleicht noch einige von seinen früheren Freunden lebten.

Außer diesem ging noch ein anderes Individuum ebenfalls mit Glacéhandschuhen, aber ohne Frack, und außerdem mit einem sehr betrübten Gesicht, in den Minen umher, und gerade dieß Gesicht war mir so bekannt, daß ich mich wohl vierzehn Tage vergebens abquälte herauszubekommen, wo ich den Mann schon einmal gesehen hatte. So viel erfuhr ich, daß es ein Spanier sey, oder vielmehr ein Chilene, der sich Nachts immer dicke wollene Tücher um seinen Hals binde und viel mit sich selber rede, mehr konnte ich aber eine ganze Weile nicht erfahren, bis ich eines Tages zufällig hörte, es sey Niemand Geringeres, als der erste Tenorist des Valparaiso Theaters, der mir dort so gut gefallen hatte, und jetzt mit Reue und einem furchtbaren Schnupfen an die schönen Tage von Aranjuez zurückdachte. Er soll später geäußert haben, das sey das schlechteste Engagement was er je gehabt hätte.

Ein paar Prediger, ein Methodist und ein Presbyterianer liefen hier ebenfalls mit Schaufel und Spitzhacke herum, wobei sie manchmal Sonntag Morgens an irgend einem freien Platz predigten. Der Methodist besonders versuchte dabei sein Möglichstes, die Goldwäscher zu der Ueberzeugung zu bringen, daß ihnen »Gottes Wort in der Wüste« ein nothwendiges Bedürfniß sey und sie dem gerade so beisteuern müßten, wie zu Brod und Fleisch und anderen Genüssen, es gelang ihm jedoch nicht. Mit den Indianern befassen sich diese Leute aber gar nicht. Diese Heiden waren ja doch rettungslos verloren, weßhalb also die schöne Zeit an sie wenden, wo man selber den Tag zwischen drei und vier Dollar Gold auswaschen konnte.

Doch wollte ich hier alle die Charaktere aufzählen, die nur in Murphys Diggings allein wohnten, ich brauchte Bände dazu und müßte Zelt nach Zelt, gerade wie sie in der Reihe standen, aufführen – das behalte ich mir auf eine spätere Zeit vor und hoffe auch, den Leser dann noch mit manchem komischen und traurigen Kauz bekannt zu machen.

Aber nicht allein an Charakteren, nein auch an Handlung und oft recht tragischer Handlung war jene Zeit reich. So fiel gerade in Murphys ein wunderlicher Fall vor, der damals die Gemüther auf das lebhafteste beschäftigte und besonders zwischen den Weißen und Indianern gar böses und nie wieder so recht versöhntes Blut machte.

Die Sache, die ich im achten Heft der Hauschronik so ausführlich beschrieben habe, war mir in jener Zeit von zu gewaltigem Interesse, hier nicht wenigstens eine kurze Andeutung zu finden.

Ein Ostindier, aus der Nähe von Bombay gebürtig, kommt eines Morgens in Douglas Flat, dicht bei Murphys Diggings, in ein Zelt gestürzt und ruft in arggebrochenem Englisch die Amerikaner um Hülfe an: die Indianer hätten ihn eben überfallen und ihm 1900 Dollars in Goldstaub abgenommen. Die Amerikaner greifen nach ihren Büchsen und treffen auf Indianer, diese fliehen, die Amerikaner folgen in die Berge, wo die Indianer endlich Stand halten und mit Pfeilen, Pistolen und Musketen die Schüsse der Verfolger erwiedern. Indessen mag einigen der Amerikaner doch eingefallen seyn, daß sie ein wenig zu hitzig in dieser Sache verfahren sind, sie nehmen also den Muhamedaner, der ihnen aus mehr als einer Hinsicht anfängt verdächtig zu werden, gefangen und bringen ihn mit nach Murphys. Da kommen Indianer in's Camp, und es stellt sich immer mehr heraus, daß der Ostindier gelogen und nicht allein keine 1900 Dollars, sondern nicht einmal einen Cent im Vermögen gehabt hat. Indianer und Weiße bewachen jetzt den Muhamedaner und eine Deputation geht nach dem indianischen Dorf hinauf, um dort den angerichteten Schaden zu untersuchen. Als wir das Dorf, d. h. die Buschhütten des Stammes, erreichten, fanden wir sie verlassen, einen Theil niedergebrannt, Provisionen und Decken versengt und umhergestreut. Die Indianer waren in die Berge geflüchtet. Unsere indianischen Führer, theils mit Flinten, theils mit Bogen und Pfeilen bewaffnet – wir selber trugen nicht einmal unsere Messer – brachten uns bald auf die richtige Spur; ihr gellender Schrei ward von verschiedenen Seiten, von Klippen herunter, aus Schluchten heraus beantwortet, und von allen Seiten schlossen sich bewaffnete Krieger dem Zug an, oder sprangen an den Berghängen hin, uns voraus.

Oben auf dem Gipfel des scheidenden Gebirgsrückens war der Rest des Stammes versammelt, die Frauen mit ihrem Gepäck, die Männer ihre Waffen in der Hand, die erstern jeden Augenblick bereit zu fliehen, die andern ihren Rückzug zu decken. Wie mich die dunklen Augen so wild und drohend anblitzten, als ich, der erste Weiße wieder nach dem Kampf, zwischen sie trat! Und wohl hatten sie Ursache genug, zu zürnen. Von zweien gestützt, den einen Arm selber gegen den nächsten Baum ausgestreckt, stand ein armer Teufel von Indianer, und hinten im Rücken, an der linken Seite des Rückgrates, etwa in gleicher Entfernung von Hüfte und Schulter, zeigte ein kleines offenes Kugelloch, wo der bleierne Todesbote seinen Eingang gefunden. Wir hatten einen Arzt mit und dieser untersuchte ihn, die Kugel saß aber im Innern, und wenn dem Unglücklichen vielleicht auch noch zu helfen gewesen wäre, jenes Geschicklichkeit war nicht hinreichend. Wir mußten den Verwundeten seinem Schicksal überlassen, und als wir den steilen Berg wieder hinunterklommen, stieg die Todtenklage seiner Mutter zu dem blauklaren Firmament empor und schrie um Rache gegen die Mörder.

Am nächsten Morgen war öffentliche Gerichtssitzung; der Bombaier stellte sich, oder war der englischen Sprache fast ganz unkundig, spanisch sprach er ebenfalls nur ein paar Worte, so daß ihm die Anklage darin nicht einmal begreiflich gemacht werden konnte, und französisch, holländisch oder irgend eines andern Landes Sprache wußte er gar nicht, nur sein Ostindisch stieß er in raschen, ängstlich abgebrochenen Lauten heraus und vergebens wurde ein Dolmetscher verlangt. Die Beweise gegen ihn waren übrigens ziemlich stark, man hielt sich dabei, der neugegebenen Gesetze wegen, welche die Indianer unter den Schutz der Regierung der Vereinigten Staaten stellten, für verpflichtet, den, der die Ursache des Todes eines der Indianer gewesen, zu bestrafen, und der Ostindier wurde nach einem sehr interessanten Verhör zu 25 Peitschenhieben verurtheilt.

Der nächste Tag war der 4. Julius, der Tag der Unabhängigkeitserklärung in den Vereinigten Staaten und das größte Fest, das die Amerikaner haben, und an diesem Tage wurde das Urtheil (allerdings etwas undelicat für die Feier des 4. Julius, wenn auch Californien eine etwas rohere Behandlung gestattet) vollstreckt. Die ersten 13 Streiche gab ihm der amerikanische Sheriff, die andern einer der Indianer und es war ein wunderlich pitoresker Anblick an dem schönen sonnigen Tag, unter der wehenden amerikanischen Flagge, den armen isolirt dastehenden Muhamedaner zu sehen, der, von einem Schwarm Weißer und Indianer in den Viehfang des amerikanischen Metzgers geführt, dort an einen Pfahl gebunden und gepeitscht wurde, während ihn im weiten Kreis die Amerikaner, Franzosen, Deutschen, Spanier, Mexikaner und wie die Nationen alle heißen, umstanden, und die rothhäutigen, phantastisch gekleideten Indianer überall auf dem Zaun herumkletterten und hingen und halb frohlockend, halb gespannt der Execution zuschauten. Der Muhamedaner rief vergebens seinen Allah an; der half ihm nicht von den 25 Streichen, und selbst nachher, als er seine Strafe schon verbüßt und der Gerechtigkeit des Gesetzes also vollkommen genügt hatte, mußte ihn der Sheriff noch unter Wacht behalten, da die Indianer drohten, sie würden ihn, wohin er sich auch wende, auflauern und ihn ermorden.

Aber nicht allein indianisches Blut wurde damals vergossen, denn nie hatte man noch von so viel Mordthaten gehört als gerade in jener Zeit; nie war aber auch wohl so viel Grund dazu vorhanden gewesen. Die Minen erwiesen sich unergiebiger, als tausende in ihren goldenen Träumen erwartet hatten, und eine Masse Gesindel, das hier herüber mit der festen Absicht gekommen war Gold, wo es auch sey und um welchen Preis es wolle, zu finden, merkte gar bald daß harte Arbeit, die ihm ohnedieß nicht zusagte, keineswegs der schnellste, nicht einmal der sicherste Weg dazu sey. Zu diesem gehörten vor allen Dingen die Spieler, die auf einem Maulthier, mit nur Serape oder mexikanischem Poncho hinten aufgeschnallt und einem Bowiemesser und zwei Revolvern im Gürtel, von Minen zu Minen trabten, den Aasgeiern gleich, die sich dort zusammenziehen, wo sie gute Beute zu finden glaubten. Diese Leute arbeiteten nie, und wo sie nicht, durch falsches Spiel – denn sie alle führen besonders zu diesem Zweck in den Vereinigten Staaten fabricirte Karten – den Leuten das Geld freundlich aus dem Beutel locken konnten, da mußten in stiller Nacht nur zu häufig Messer und Pistolen helfen, und fast keiner von diesen verließ die Minen so arm wie er gekommen.

Außerdem durchschwärmten aber noch eine Masse von überall vertriebenen Mexikanern die Berge. Manche von diesen heißblütigen, aber sonst feigen Söhnen des Südens waren, wenn auch nicht gerade auf Mord und Todtschlag angewiesen, doch oft, durch die unverdienten Mißhandlungen roher Amerikaner, so zur Verzweiflung und zur Rache aufgestachelt, daß sie, überdieß rasch mit dem Messer bei der Hand, in häufigen Fällen nur Blut vergoßen, um es fließen zu sehen, oft aber auch die Getödteten beraubten. Alle Welttheile hatten dabei ihre Verbrecher herüber gesandt und es läßt sich denken daß Buben, die schon in einem civilisirten Staat den Mord zu ihrem Geschäft machten, hier in den wilden Bergen, wo ihnen fast in jedem Zelt ein leichtes und in manchem ein reiches Opfer schlief, nicht auf einmal ehrliche Menschen werden würden. Offener Raub und Mord nahm endlich gerade in diesen Minen, und besonders in der Nähe von Sonora so überhand, daß die erschreckten Goldwäscher nicht anders glauben konnten, als sie seyen von förmlich organisirten Räuberbanden umlauert.

An den verschiedensten Plätzen fand man Morgens Goldwäscher oder auch Händler in ihren Zelten meist mit den dort häufig geführten kurzen eisernen Brechstangen erschlagen und beraubt; so lagen eines Tages zwei Mexikaner fast in Murphys Camp mit eingeschlagenen Schädeln im Rasen und die aufgeschnittenen Kleider zeigten nur zu deutlich daß ihr Mörder nach ihren Goldbeuteln gesucht und sie gefunden hätten. Andere wurden auf den Straßen angefallen und ermordet, oder hinter Büschen vor erschossen, ohne daß man bis dahin eines einzigen Thäters habhaft geworden wäre.

Da sich unter den Ermordeten auch einzelne Amerikaner befanden, suchten es diese, die nie eine solche Gelegenheit versäumten den Fremden, und vor allen den von Australien herübergekommenen Engländern in die Schuh zu schieben. Viele wollten sogar eine geheime Verschwörung der Fremden gegen die Amerikaner daraus machen. Andere legten es wieder einzig und allein den Mexikanern zur Last, da man bei vielen Morden Spuren gefunden hatte die darauf schließen ließen, daß sie von einem Mexikaner verübt wären.

Wie dem aber auch war, die Mörder lebten unter ihnen, die blutigen Beweise fanden sich fast an jedem Morgen, und in Sonora wurde endlich eine große Versammlung ausgeschrieben, dort zu berathen wie man solchen Verbrechen steuern, und die Verbrecher fangen, oder aus den Minen vertreiben könne.

Die in dieser Versammlung gefaßten Beschlüsse waren folgende:

»Da es erscheint, daß die Leben und das Eigenthum amerikanischer Bürger gegenwärtig durch die Hände gesetzloser Marodeure jedes Klimas, jeder Gattung, jedes Glaubens unter dem weiten Himmel gefährdet werden, und kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht von den entsetzlichsten Mordthaten und Räubereien hören, und da wir zu gleicher Zeit die Peons (Knechte oder Sklaven) Mexicos, die Renegaten Südamerikas und die Deportirten des britischen Königreichs in unserer Mitte haben, beschließen wir Folgendes:

1) Daß alle Fremden in Tuolumne County (ausgenommen Personen die ein bleibendes Geschäft betreiben oder von anerkannt rechtlichem Charakter sind) aufgefordert werden binnen fünfzehn Tagen von diesem Datum an die Grenzen des besagten Countys zu verlassen, ausgenommen sie erhalten in dieser Zeit einen Erlaubnißschein zu bleiben, von den später zu erwähnenden Autoritäten.

2) Daß diese Autoritäten aus einem Comité von drei Männern bestehen, die von den amerikanischen Bürgern jedes Lagers oder jeder Mine gewählt werden sollen.

3) Daß alle guten Bürger dieses County sich in ein allgemeines Comité constituiren sollen, den Zweck dieser Meeting durchzuführen.

4) Daß alle Fremden in dieser County hiermit aufgefordert werden, ihre Schießgewehre und sonstigen tödtlichen Waffen den auserwählten Männern jedes Lagers oder jeder Mine auszuliefern (solche ausgenommen, die einen Erlaubnißschein haben sie zu behalten). Solche »Auserwählte« sollen dann den Fremden einen Empfangschein ausstellen, und jeder gute Bürger soll das Recht haben alle Fremde entwaffnen zu dürfen.

5) Daß die auserwählten Männer jedes Lagers oder jeder Mine die ihnen übertragenen Pflichten genau ausführen.

6) Daß 500 Copien dieser Resolutionen sofort in spanischer und englischer Sprache gedruckt und im Land verbreitet werden.

7) Daß die auserwählten Männer jedes Lagers oder jeder Mine Substriptionen aufnehmen, die nöthigen Ausgaben solcher Veröffentlichung zu bestreiten, und das so gesammelte Geld den Eigenthümern und Editoren des Sonora Herald zu übermachen.

Folgen die sieben Unterschriften des Comité.

Massen von Mexikanern verließen, sobald diese Beschlüsse bekannt geworden waren, das Sonorian Camp, und zogen sich nach anderen Minen, viele wurden sogar in förmlichen Trupps von den Amerikanern entwaffnet, und Einzelne auf die man Verdacht hatte, festgesetzt und Gericht über sie gehalten. Es ließ sich den Leuten aber eben nicht das Mindeste beweisen – möglich daß mancher der wirklichen Mörder gerade mit zu Gericht saß – und sie mußten freigelassen werden.

Nur unsern Angels Camp erwischten sie einen Mörder, und gerade einen Amerikaner und hingen ihn auf, während sein Gehülfe beim Mord, ein Mexikaner, als er denen die ihn einfangen wollten entfloh, erschossen wurde.

Es ging damals bunt in den Minen her, und wurde natürlich noch bunter erzählt; fielen zehn Mordthaten vor, so lief das Gerücht von dreißigen – es gab fast kein einzeln stehendes Zelt mehr, wo nicht schon Einer sollte erschlagen seyn. Dabei sah man eine Menge von Leuten herumgehen, die mit Pistolen und Messern förmlich besteckt waren, ihrer Aussage nach natürlich nur ihr eigenes Leben zu schützen, und das war die Zeit in der besonders die Zeitungen ein wahres Zeter erhoben wie das Leben der amerikanischen Bürger auf das Entsetzlichste gefährdet sey, wenn nicht schleunigst die ernstesten Maßregeln gegen alle Fremden, welchen Stammes sie auch seyen, ergriffen würden. Die Sache dauerte aber verhältnißmäßig nur sehr kurze Zeit – nach drei Wochen schon hörte man nur sehr selten noch von einem Mord und die Fremden – blieben eben wie bisher auf ihren alten Plätzen.

Gerade in dieser Zeit nun war es, daß wir vier Deutsche, die wir zusammenarbeiteten, eines Nachts ganz ruhig und sanft in unserem Zelt lagen und schliefen; dicht neben uns stand noch ein anderes kleines Zelt, in dem ebenfalls zwei Deutsche, beides Altonaer, einer der früheren Volontäre, ein junger Mann Namens Starke, und ein von irgend einem Hamburger Schiff weggelaufener Schiffsjunge hausten. Der Letztere lag ebenfalls schon auf seiner Matratze und wir hatten ihn schon eine ganze Weile schnarchen hören, als plötzlich draußen eine Stimme laut wurde, und Starke, dessen Zunge mir aber ein wenig schwer zu seyn schien, vor dem Zelte rief:

»Willelm, wenn Du ein Bürger und ein Altonaer bist so komm heraus – sie schlagen unten alle Deutschen zusammen und morden und stechen.«

»Aber Starke« sagte »Willelm« beruhigend – »es muß zwölf Uhr seyn, komm zu Bett, das ist viel Vernünftiger, als müde Leute bei Nacht aus dem Zelt zu schreien.«

»Nein Willelm, bei Gott, wenn Du ein Bürger und Altonaer bist,« betheuerte aber Starke noch einmal, »so komm heraus und hilf mit, oder alle Deutsche werden unten ermordet,« und nun erzählte er mit etwas verwickelten Worten, wobei er sich auch an uns wandte, daß eine Partie Irländer unten mit Pistolen bewaffnet in einem Zelt ständen und die Deutschen alle unter dem Tisch hätten.

»Ja siehst Du Starke,« rief da Wilhelm – »das ist niederträchtig, und ich ginge ungeheuer gern mit – aber – ich habe mir heute Abend das eine Bein verstaucht und kann nicht auftreten.« – Wir viere im Zelt, obgleich wir recht gut merkten daß Starke angetrunken war, wußten doch recht gut daß etwas an der Sache seyn mußte, und beschlossen hinunterzugehen und nachzusehen. Meine Büchsflinte hatte ich, da wir das Zelt oft allein lassen mußten, der Sicherheit wegen unten im Camp stehen, und konnte sie deßhalb, wenn ich sie dort gebrauchen sollte leicht bekommen. Unten war jedenfalls irgend eine Art Skandal denn selbst auf dem Hügel wo wir lagerten und von wo aus wir ganz Stoutenburgk, wie der kleine Ort genannt wurde, übersahen, konnten wir wilden Lärmen und Schimpfen hören, das von dort herauftönte.

In wenigen Minuten waren wir unten und fanden hier daß den ganzen Spektakel nur noch ein einziger Irländer, ein Bäckergesell machte, der mitten auf der Straße mit einer großen Sattelpistole stand, und schrie er würde den Abend nicht zu Bette gehen, bis er nicht einen »Dutchman« todtgeschossen habe. Ich ging jetzt vor allen Dingen einmal allein zu ihm hin und suchte, weil ich den Burschen völlig betrunken glaubte, ihn zu bewegen zu Zelt zu gehen, er fuhr mir aber dabei so lange mit der geladenen Pistole unter der Nase herum und fing an so furchtbar auf alle Deutschen zu schimpfen daß ich zuletzt auch ärgerlich wurde, in das benachbarte Zelt trat, mein Gewehr vom Nagel nahm und dem etwa fünfzehn Schritte entfernten Iren nun zurief den Augenblick zu machen daß er fortkäme, oder zu schießen, und dann zu nehmen was folgen würde.

Er ließ sich das auch nicht zweimal sagen. Im hellen Mondschein konnte ich sehen wie er rasch den Arm hob, und im nächsten Augenblick donnerte der Schuß durch das kleine Zeltstädtchen. In demselben Moment hatte ich aber auch die Büchsflinte im Anschlag, wie ich aber abdrücken wollte sah ich daß er gerade vor einem Zelt stand, in dem ich, mit meiner Spitzkugel, möglicher Weise noch außer ihm einen Unschuldigen treffen konnte, ich sprang also rasch quer über die Straße hinüber, freien Raum zwischen ihm und den Zelten zu bekommen, darauf wollte aber der Hallunke nicht warten und kroch rasch in eines der Zelte hinein. Ich blieb jetzt noch wohl eine Stunde unten, mit der festen Absicht ihn über den Haufen zu schießen, sobald er sich wieder blicken lasse, aber er kam nicht mehr, und als ich am nächsten Morgen mit meinem Gewehr wieder in das Lager hinunter ging, war er spurlos verschwunden und wir haben ihn weder in Murphys noch einer der anderen Minen wiedergesehen.

In Carsons Flat soll er sich einige Tage darauf gezeigt, und für seinen bisherigen Herrn Geld eincassirt haben, mit dem er sich aus dem Staube machte.

Als ich mich am nächsten Morgen umsah ob ich vielleicht sehen konnte wo die nach mir gezielte Kugel eingeschlagen sey, denn pfeifen oder zischen hatte ich sie gehört, fand ich daß der Bube Rehposten geladen gehabt hatte, von denen sieben Stück durch die Leinwand von Böhms Zelt gegangen waren, neben dem ich gestanden.

Aehnliche Fälle kamen ziemlich häufig vor, und blutige Schlägereien gehörten wenn nicht zu den täglichen, jedenfalls zu den sonntäglichen Ereignissen. Besonders häufig waren diese zwischen Engländern und Amerikanern, bei denen sie nicht nur in dem doch immer noch gährenden Nationalhasse, sondern hier auch mit in der weit stärkeren Goldgier, ihre Ursache fanden. Ueberhaupt wird sich das Verhältniß zwischen Fremden und Amerikanern nie ruhig lösen lassen; mag das Gesetz darüber bestimmen was es will, jede neue Bill wird Ursache zu neuen Streitigkeiten seyn, und manches Leben noch geopfert werden, bis vielleicht einmal nach langen Jahren die Arbeiten so geregelt sind, daß nicht mehr der zufällig genommene Platz den Erfolg entscheidet.

Stoutenburgk – nach einem Deutschen, Staudenburg, der den ersten Laden dort oben gehabt, so genannt, war in diesem Sommer, obgleich noch rein aus Zelten bestehend, zu einer förmlichen Stadt ernannt, und ein Alkalde wie Sheriff und Constable feierlich gewählt worden. Das ganze Städtchen bestand etwa aus fünfzig Zelten, zwei oder drei Blockhäusern und einem Brethaus, zählte schon unter seinen Bequemlichkeiten, außer fast eben so vielen Trinkständen als Zelten drei amerikanische und vier französische Eßhäuser, zwei Apotheken oder Doktor »Shops« – ebenfalls Zelte, wenigstens zwanzig Spieltische mit Roulets etc. und – eine Kegelbahn, auf der man für ein Viertel Dollar (10 Ngr.) drei Kugeln schieben konnte – jedenfalls ein billiges Vergnügen.

Zu den wesentlichen »Improvements« des kleinen Platzes gehörte aber eine, erst ganz neuerdings in den Minen eingeführte Postordnung, nach der ein bestimmter Mann monatlich einmal nach San Francisco ging, Briefe dorthin nahm und für, besonders dazu aufgegebene Namen, in San Francisco liegende Briefe heraufbrachte. Dieß System vervollkommnete sich zuletzt bis dahin, daß man auch Goldsendungen nach San Francisco machen konnte, mit der einzigen Sicherheit freilich die der respektable Charakter des Postreisenden für die richtige Ueberlieferung gewährte.

Das Postwesen in San Francisco war aber zu der Zeit ein förmliches Unwesen, und dahin artete natürlich auch sehr bald die Minenpost aus. Die Briefausgabe in San Francisco setzte dabei allem die Krone auf. Allerdings waren, wie in den Vereinigten Staaten, Kästen für einzelne Kaufmannshäuser eingerichtet in welche die für sie bestimmten Briefe jedesmal kamen, von diesen wurden aber keineswegs genug angelegt, auch damals nur der Hälfte des Bedarfs zu entsprechen, und die später etablirten Häuser oder solche, die sich nicht gleich unter den ersten Glücklichen befanden einen eigenen Kasten (zu monatlich 4 Dollars Miethe) zu erlangen, sahen sich genöthigt, mit der übrigen fast zahllosen Masse der Nichtkaufleute ihren Stand an den zwei Fenstern des Postgebäudes einzunehmen, und oft stundenlang zu harren bis die Reihe an sie kam. Anstatt nämlich, wenn denn einmal keine andere Einrichtung getroffen werden sollte, die Masse der Briefsuchenden – und ganz Francisco fragt nach Ankunft des Dampfboots regelmäßig um Briefe an – so viel als möglich zu vertheilen, existirten nur zwei Abtheilungen, und zwar von A bis K und von L bis Z gemacht, in welchen Briefe an Nachfragende ausgegeben wurden. Wie langweilig dann auch noch dieses zuging kann man sich denken, da bei jedem einzelnen Namen der Postbeamte wenigstens zwanzig, manchmal aber vierzig und fünfzig Briefe durchsehen mußte die mit denselben Lettern anfingen. Wäre jedesmal eine Liste der eingetroffenen Briefe angefertigt, so würde die Austheilung ungemein vereinfacht gewesen seyn, das geschah aber nicht, und die Postverwaltung fuhr auf diese Art unverdrossen fort die hiesigen Einwohner zu ärgern.

Einen höchst interessanten Anblick gewährten die Wartenden manchmal an einem recht häßlichen, regnerischen Tag, wenn sie in zwei Reihen in tollster buntester Mischung durcheinander, hier ein Frack da eine Blouse – aber Alle naß wie die Katzen manchmal Straßen lang standen, und langsam, o wie entsetzlich langsam Schritt vor Schritt – jedesmal wenn die äußerste Spitze abgefertigt war, vorrückte. O wie viel tausend sehnsüchtige Blicke flogen dann nach dem kleinen erbarmungslosen Fensterchen hin, und wie mancher leise und laute Fluch trennte die Lippen der Ungeduldigen. Und glücklich dann noch die, die überhaupt einen Brief bekamen – wie Viele standen fünf und sechs Stunden solcher Art bis an die Knöchel im Schlamm und Sturm und Wetter preisgegeben, und hörten nachher, wenn sie das heiß – oder vielmehr kalt erstrebte Ziel erreicht, nur die Donnerworte – no letter.

Natürlich wurde dieß, sowie alles Andere in Californien, augenblicklich ein Feld der Speculation – Müßiggänger, die doch nicht wußten wie sie den Tag todtschlagen sollten, standen Morgens mit frühster Zeit am Stand und warteten auf Käufer, d. h. auf solche die zu spät gekommen waren und ihnen ihren Platz, um nicht Stunden lang zu warten, abkaufen würden, und es ist, besonders bei recht schlechtem Wetter vorgekommen, daß solche Bursche zwei, drei und vier Dollars für einen nahen Platz am Fenster erhielten.

Jeder einzelne durfte dabei nur nach einem einzigen Namen fragen – bestand die Reihe der Wartenden aus zweihundert Personen – und sie bestand oft aus mehr, und hatten sie sich endlich, nach wie langer Mühe, bis zum Fenster durchgearbeitet, an dem sie nach zwei Briefen, sey es auch in ein und demselben Buchstaben fragen wollten, so mußten sie für den zweiten wieder von vorn – d. h. von hinten anfangen; und daß diese Reihenfolge genau beachtet wurde, darauf paßten mit gierigen neidischen Blicken all die übrigen Antichambrirenden.

Der Mißbrauch, der mit den nach den Minen geschafften Briefen getrieben wurde, war noch schlimmer. Irgend ein Mann, dazu beauftragt oder nicht, kam auf die Postoffice und gab dorthin eine Liste der Namen, die er für die und die Minen wünschte. Unter diesen befanden sich nun so viele John Smith und George Miller, Watson, Schulze, Fischer oder wie sie hießen, und mit dem Paket, für das er allerdings das Porto bezahlen mußte, ging er wieder in die Berge zurück. Dort bekam er für jeden Brief, den er mitbrachte, einen Dollar Porto, nur die blieben ihm liegen, die hier und da mit dem Vornamen nicht stimmten. Sehr selten wurden dann diese »stray letters« wieder mit nach San Francisco genommen, daß sie der rechtmäßige Eigenthümer doch vielleicht noch bekommen hätte, sondern sie trieben sich dort eine Weile herum und erlitten dann das Schicksal alten Papiers, während ihre Eigenthümer vielleicht mit Schmerzen in San Francisco Nachricht von den Ihrigen erwarteten.

Dieß Briefsystem, besonders die Goldsendungen, litten aber noch in diesem Sommer in den Minen einen sehr bedeutenden Stoß, indem der sogenannte »Postcontraktor« – ein überall als höchst achtbar geglaubter Mann, der schon verschiedene tausend Dollars Werth Gold nach San Francisco hinunter geschafft hatte, mit einem reicheren Transport als gewöhnlich – ich glaube 4000 Dollars, durchging und trotz allen späteren Nachforschungen spurlos verschwunden blieb.

Wie nun schon früher erwähnt, so hatten wir in der Flat nicht allein lange Zeit und mit bedeutenden Auslagen vollkommen nutzlos gearbeitet, sondern auch noch einen großen Theil dessen, was wir vorher in den Ravinen verdient, dabei zugesetzt, und beschlossen nun, vollkommen überzeugt, daß in Murphys reichen Diggings unser Waizen nicht mehr blühe, andere und zwar nördlicher gelegene Minen aufzusuchen.

In diesem Entschluß wurden wir noch mehr durch einige unsrer Nachbarn bestärkt, die ebenfalls entschlossen waren, Murphys Minen zu verlassen. Diese wußten schon, wie sie uns sagten, durch Berichte vom Macalome her, einen »guten Platz,« über den sie jedoch sehr geheimnißvoll thaten und uns selber zwar aufforderten, mit ihnen zu gehen, uns sonst aber baten, Niemanden weiter ein Wort davon zu sagen. – Wie das nun so mit den »guten Plätzen« ist, – jeder meint da den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben, und wenns zum Klappen kommt, ist der »gute Platz« eben gewöhnlich nicht besser, als alle die anderen.

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