Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Carl Sternheim >

Bürger Schippel

Carl Sternheim: Bürger Schippel - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleBürger Schippel
authorCarl Sternheim
year1988
publisherLuchterhand Literaturverlag
addressDarmstadt
isbn3-630-86687-5
titleBürger Schippel
pages69
created20120206
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Der dritte Aufzug

Hofgarten vor der Hinterfront des Hicketierschen Hauses, den rechts ein Zaun abschließt. Es ist Abend.

Erster Auftritt

Thekla lehnt an einem Fenster des oberen Stockwerks.

Der Fürst (in schwarzem Mantel erscheint von rechts. Unter ihrem Fenster, dicht an die Mauer des Hauses gepreßt) Thekla!

Thekla Er ist's!

Der Fürst An Waldrändern im Dunkel entlang, Schritt vor Schritt. Die Ruhe eines Oberhofmeisters steht auf dem Spiel. Das Schlimmste waren fünf, sechs erleuchtete Häuser, an denen ich vorüber mußte. Meine Untertanen schlafen noch nicht. Ich muß ein Gesetz darum erlassen.

Thekla Wir haben einen Landtag, hoher Herr.

Der Fürst Von Politik wissen junge Mädchen auch?

Thekla Sie sind heutzutage umfassend gebildet. Kennen Naturwissenschaft und lesen im Kursbuch. Aber Prinzen, die nachts ans Fenster schleichen, gibt es nur noch im Märchen, ist ihnen gesagt.

Der Fürst Jedem, der mich ertappte, bin ich Harun al-Raschid, sich Gewißheit über sein Volk verschaffend. Würde man mir's zutraun?

Thekla Die Leute haben melancholischen Begriff von Ihnen, mit dem Nacht und schwarzer Mantel sich vertragen.

Der Fürst Glaubt Thekla mir düstere Natur?

Thekla Die stört in solcher Annahme das Einglas, das der 38 Fürst auch nachts trägt. Er sähe sonst nicht, antwortet er. Aber der aufrichtig Düstere schaut nur in Abgründe seiner Brust.

Der Fürst Es steht mir, sagten Frauen.

Thekla Ich kenne Prinzen aus dem Volkslied, das blanke Schwert an der Hüfte. Kommen Sie aber unter das Fenster junger Mädchen, umklammern sie zudem den Dolch. Einen Dolch verlangt jedes Mädchens Hochachtung vor sich selbst.

Der Fürst So gleiche ich mehr jenem Eberhard dem Württemberger, der unbewaffnet sein Haupt jedem Untertan in Schoß legen durfte. Ahnt Thekla, was ich glühend wünsche in diesen Augenblicken?

Thekla Zu sein Eberhard der Württemberger?

Der Fürst Nichts anderes.

Thekla Weil Sie, ein halber Knabe noch, zu ernster Pflicht bestimmt wurden, liebt Sie das Volk.

Der Fürst Bravo. Bist du Volk, Thekla?

Thekla Bin's.

Der Fürst Untertanin?

Thekla Untertanin.

Der Fürst Herunter mit dir! Wie bei Shakespeare trete ich hier auf. Habe eine Neigung auf dich geworfen und donnere dir den Befehl zu.

Thekla Ach, Shakespeare ist hin. Wir sind drei Jahrhunderte weiter.

Der Fürst Also wie geschieht so etwas bei neueren Dichtern?

Thekla Wollen Sie überzeugen, gehört der Landtag dazu, weil der Fürst konstitutionell ist.

Der Fürst Ließe ich den Landtag kommen?

Thekla Aber die Sozialdemokraten?

Der Fürst Ein einziger. Wird niedergestimmt. Alles andere ist mir blind zu Willen.

Thekla Nur müßten die vereinigten Gesetzgeber erst den 39 Bruder und seine Kumpane aus dem Haus schaffen, die mir den Weg sperren.

Der Fürst Warum sind sie noch auf?

Thekla In wichtigster Angelegenheit. Das Quartett konstituiert sich neu. Über vierzehn Tagen steht der Kranz des Fürsten auf dem Spiel. Ein Tenor springt nach des Bisherigen Tod ein.

Der Fürst In Sachen des Singens wird es sein, daß ich offizielle Verbindung zu deiner Familie in den nächsten Wochen unterhalten kann. Deinem Bruder gewährte ich für morgen früh Audienz. Still!

(Man hat vorher hinter einem breiten, erleuchteten Fenster des Erdgescbosses Schatten sich bewegen sehen. Jetzt erkennt man Schippels Silhouette am Fenster.)

(Schippels Stimme singt:)

Horch, die Lerche singt im Hain.
Lausche, lausche, Liebchen still,
Lausche, lausche, Liebchen still.
Öffne sacht dein Fensterlein,
Höre, höre, was sie will,
Höre, höre, was sie will.

(Im Zimmer Beifallsklatschen.)

Der Fürst Vortrefflich gesungen. Warum gereicht solche Stimme nicht unserem Hoftheater zum Ruhm?

Thekla Ein Bastard ist der Sänger.

Der Fürst Doch also Shakespeare! Bastarde sind sein Zeichen. Fürsten und Bastarde. Nicht länger darfst du dich sperren, die Situation historisch zu nehmen. Auch mein Einglas ist verschwunden.

Thekla Bleiben die Telegraphenstangen dort störend.

Der Fürst Aber was vermögen sie gegen einen Bankert, einen Prinzen und erstaune: hier ist auch der Dolch. Zwar nur ein Jagdmesser, aber bei gutem Willen...

Thekla Ich habe ihn. 40

Der Fürst Fehlt eine Leiter.

Thekla Dort im Schuppen. Halt! Nie traf man Harun al-Raschid kletternd.

Der Fürst Es ist eine Variante.

Thekla Und die Ehre des Mädchens?

Der Fürst Deckt der Mantel des Sultans.

Thekla Leiter und Stube es ist nicht romantisch genug.

Der Fürst Stube und Leiter so bürgerlich wie ich's gedacht.

(Hicketier ist innen ans Fenster getreten, hat den Vorhang auseinandergeschlagen, schaut in die Nacht. Man sieht im Hintergrund des Zimmers Schippel, Krey und Wolke am Klavier.)

Thekla Unsinnig. Ich darf's nicht wagen. Mit dem Bruder hatte ich schlimmsten Verdruß. Der Brief ward entdeckt. Schließlich, ihn zu beruhigen, log ich der Schwägerin, es habe der Dank für die gestern dem Fürsten geleistete Hilfe darin gestanden. Trotzdem soll ich morgen in der Frühe fort. Er fürchtet.

Der Fürst Wen?

Thekla Wen sonst?

Der Fürst Littest du?

(Hicketier ist vom Fenster verschwunden.)

Thekla Ich liebe Tilmann. Sein Kummer ist mir das Härteste.

Der Fürst So bin ich ein Eindringling in Frieden und Stille. Verleite Engel zur Lüge.

Thekla Sündhaft von mir ist seit gestern jeder Atemzug. Aber ein Prinz! Ein junger melancholischer Held. Zu lange habe ich mit dem Bruder Volkslieder gesungen, in denen er unablässig auftritt, daß ich ihm hingegeben war, bevor er noch wirklich kam.

Der Fürst Entspricht er?

Thekla Ganz.

Der Fürst Das ist ein Geständnis, Thekla.

Thekla Soll es sein. Spräche ich sonst nachts vom Fenster herab? 41

Der Fürst Vertrauen?

Thekla Unendlich.

Der Fürst Hör zu: morgens finde ich dich oben am Rennstieg bei der Jagdhütte.

Thekla Ich muß fort. Es ist vergebens.

Der Fürst Darfst nicht. Nicht morgen. Nicht ehe du mich wiedersahst. Von sechs bis sieben in der Früh vermißt dich niemand im Haus. Zum Rennstieg reite ich im grünen Rock, im Hut mit grünem Bruch, den Hirschfänger an der Seite ist's romantisch genug? Magst du, heft ich einen Orden an; das goldene Kränzchen, das ich vom Kaiser hab, meinem freundwilligen Vetter und Bruder.

Thekla Und wie komme ich?

Der Fürst Kattun stell ich mir vor. Putz dich nicht. Komm aus deinem Stand zu mir. Wie du bist, bist du himmlisch vollendet.

Thekla (summt) »Ihr Häslein weiß, ihr schwarzes Äuglein klar,
Dazu trägt sie ein goldfarbkrauses Haar.
Ihr werter Leib ist weißer als kein Hermelein...«

Der Fürst Mit dir bin ich diesem Ton wirklich nah, und die Geschichte mit deinem Bruder, dem Singen um den Kranz, bürgerlicher Ehrgeiz, geht mir zu Herzen. In unserem Wald, in den kleinen Städten stecken die Tonelemente solcher Lieder und zwingen uns mit Lebendigkeit.

Thekla Sie werden hier mit uns geboren und gehören zeitlebens zu uns. Es ist unsere Gegend, die die schönsten Gesänge erhält. Stehen in des Knaben Wunderhorn.

Der Fürst So hat der Fürst des Landes wahrhaftig die Pflicht ihrer Pflege.

Thekla Ich will sie dich von Grund auf lehren.

Der Fürst Und das herrlichste bestimmen wir morgen zum Wettgesang.

(Das Quartett im Zimmer singt. Man sieht Hicketier, mit dem Taktstock dirigierend, inmitten der drei.) 42

»Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen,
Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich?
Beim Klange der Hörner im Grünen zu liegen,
Den Hirsch zu verfolgen durch Dickicht und Teich,
Ist fürstliche Freude, ist männlich Verlangen,
Erstarket die Glieder und würzet das Mahl «

(Der Fürst reicht beide Hände nach oben; Thekla gibt die ihren herab.)

Der Fürst Du fürstliche Freude! Du männlich Verlangen!

Das Quartett »Wenn Wälder und Felder uns hallend umfangen,
Tönt freier und freud'ger der volle Pokal.«

Thekla Die Leiter, schnell die Leiter her!

(Der Fürst trägt die Leiter heran.)

Das Quartett »Johohoho, tralalala . . .«

Thekla Schau fort! Ich steige hinunter.

(Sie tut's eilig. Der Fürst empfängt und umfängt sie.)

Das Quartett »Tralala tralala tralalalala« usw.

Thekla Die Leiter fort!

(Der Fürst trägt sie zur Seite.)

Thekla Wohin mit uns? Hinter den Wagen. Kommt jemand, verbirgt er.

Der Fürst (umarmt Thekla) Du bist Geliebte, wie es steht. Kleid, Schürze alles gleicht dem Bilde.

Thekla Und auch von Wuchs gefällig.

Der Fürst Von Aug . . .

Thekla Und Haar . . .

Der Fürst Und Mund . . . (Er küßt sie.) Erwidere.

Thekla Zu vornehm bist du, stolz.

Der Fürst Nicht Stolz. (Er macht eine Bewegung, an ihr herabzugleiten.)

Thekla (hält ihn) Herablassung . . . (Und beugt sich mit ihm.) 43

Der Fürst O Mädchen . . .

Thekla (küßt ihn) Liebster.

Der Fürst Ich heiße?

Thekla Der vierte Heinrich.

Der Fürst Die Zahl laß fort der erste hoff ich.

Thekla Der einzige.

(Sie standen neben dem Wagen und sind jetzt hinter demselben unter den offenen Schuppen verschwunden.)

 

Zweiter Auftritt

Hicketier, Schippel, Krey und Wolke treten aus der Haustür.

Wolke Ohne Umschweif: phänomenal. Krey? was meinst du?

Krey Gut.

Wolke Kantilene, Timbre Du bist im Innersten erschüttert, Hicketier.

Hicketier Ich hatte so viel nicht erwartet. Ein Zweifel über den Ausgang des Wettsingens kann gar nicht mehr aufkommen. Es ist so gut wie gewesen.

Wolke Wie die Stimme aber auch zu den unsrigen sich fügt. Nie kam solch Einklang mit Naumann zustande. (Zu Schippel:) Sie können mit der Nachtigall des Kaisers von China sagen: ich habe Tränen in euren Augen gesehn.

Schippel Wahrhaftig. Sie hatten eine. (Er hält ihn am Rockknopf.)

Wolke Es soll nicht geleugnet werden; das E brachte mich vollends zum Überlaufen.

Hicketier Die Männerstimme, in hohen Lagen zumal, ist eins der größten Gotteswunder. Mir greift kaum ein anderes Ding so ans Herz. 44

Wolke Zärtlicher als Mädchenhände. (Zu Krey:) Schäm dich deiner Rührung nicht.

Krey Übertrieben.

Hicketier Gehen wir noch heiß vom Eindruck schlafen. Gute Nacht. (Er wendet sich gegen das Haus.)

Krey Gute Nacht. (Geht mit Wolke gegen den Hofausgang.)

Schippel, (der den beiden folgt, wendet sich zu Hicketier) Hallo!

Hicketier Bitte?

Schippel (zögert) Hm . . .

Wolke Was gibt's?

Schippel Eigentlich nichts.

Wolke Kommen Sie. (Zieht Schippel gegen den Zaun.) Mit solchem Tenor, Krey, müßte es sich verlohnen, deine Komposition einmal zum Vortrag zu bringen.

Krey (zu Schippel) Das lügt er in den Hals hinein, ich hätte je eine Note komponiert.

Wolke (zu Schippel) Nie will er seine Vorzüge wahr haben. Aber sie kommen auch für Sie schon an den Tag. Was wollten Sie noch von Hicketier?

Schippel (mit einem Blick auf diesen) Im Augenblick etwas Besonderes; aber wieder glatt verschwitzt. Haha...

(Schippel, Krey, Wolke exeunt.)

Hicketier (steht mitten im Hof und schaut zu Theklas Fenster hinauf) Ohne Gutenacht, ohne sich noch einmal sehen zu lassen. Das wird nun Tage und Wochen so gehen. Ich war wegen des Briefs zu heftig, zu schnell. Dank des Fürsten für die gestrige Hilfe. Unsere Lieder hat sie mitangehört; sie muß bewegt, im Fluß sein. In ihrem Köpfchen, in der Brust kämpfen Trotz und Liebe. Kind, Kind, schläfst du schon? 45 Aber blitzschnell war ich maßlos um dich besorgt, stockte mir der Atem. Weiß nicht, was es bedeutet. Dringe ich jetzt in das Chaos ihrer Seele, verderbe ich mir alles. Könnte ich in ihrer Nähe nur hören. (Er summt:)
»Hören, hören, was sie will . . .«
Wohlklang aus dieser Proletarierbrust! Nicht rissig, unsicher wie der Pöbel singt, sondern der Welt und aller Zusammenhänge bewußt. Alle guten Geister segnen dich! Dein Bruder, noch immer das Herz zerrissen von Bedenken, wollte nur versteh mich doch in deinen Träumen. Gute Nacht.

(Er wirft gegen das Fenster eine Kußhand und geht ins Haus.)

Der Fürst (wird neben dem Wagen sichtbar) Kein Mensch mehr hier. Wollen gnädige Frau nicht aus dem Dunkel unserer Hütte der schön beleuchteten Gegend Ihre Person wieder schenken?

Theklas Stimmes Ich scheue Gegend, Licht und Atmosphäre. Daß diese Nacht nie endete!

(Der Fürst verschwindet wieder.)

 

Dritter Auftritt

Schippel (taucht am Zaun auf) Wie sich das Haus breitspurig in die Welt pflanzt! Uns bewuchert man für jeden Fuß Geviert; hier lungert ein leerer Wagen über Quadratmeter. (Mit erhobener Faust:) Ich hasse euch! Wie ihr Süßigkeiten zusammengeballt in eure Därme schlingt, faules Bürgerpack, euch entleert und weiterfreßt, bis mit Säften gefüllt ihr euern Kindern die harte Glätte vererbt, die als Folge gut genährter Nerven die Welt verpestet. Inzwischen müssen wir uns in einem Wurf, 46 oft mit uns selbst erschöpfen. Ein Enkel, der das Andenken ins Blut kriegt, kommt nicht zustande, der euch erschlüge! (Er tritt in den Hof.) Mir schlottern um ausgemergelte Glieder die Fetzen. Dem Bürgermädchen spannte sich der Rock über die Hüfte zum Platzen. (Er kopiert nochmals Theklas Gang. Dann streichelt er die Mauer des Hauses.) Da pfeift kein Wind hinein, an einen halben Meter dick die Mauern. Innen an der Wand bläht sich Porträt von Vater und Großvater. Geboren 1838, tot 86. Ich habe den einen nicht, geschweige den andern... Du entschlüpfest mir vorhin, Alter. Tolle Pläne hätte ich mit dir, wollte va banque machen, juckte mir die Tatze. Juckt mir schon wieder, an dich heranzukommen, unmittelbar, daß dir mein Atem ins Antlitz bliese. Ich verschmachte hier unten nach dir, feister Spießbürger. Stößt aus deinem Wanst einen recht selbstsicheren Baß herauf: bin verliebt in dich, in deine ganze Art und Rasse. Mein Herzchen klopft, die Pulse jagen. So geh ich nicht schlafen. (Erblickt die Leiter.) Leiter! Ich wag's. Hast eine Anziehungskraft, Baron, auf den Enterbten, stärker als ein Weib. (Er legt die Leiter gegen Theklas Fenster, steigt hinauf und sieht hinein.) Ein Hemdchen überm Stuhl. Kemenate! Hier nicht. (Klettert im Nu herab, legt die Leiter von neuem an, steigt hinauf und sieht in ein Fenster.) Er ist's! Rauscht alle Natur! Hängt den Rock über einen Bügel, streicht ihn noch glatt. Freilich Ordnung muß im Weltall sein. Der Hosenträger an sechs festen Knöpfen, merk's Schippel. Und graue Socken mit Strumpfbändern.

Hicketier (stößt von innen das Fenster auf) Sind sie wahnsinnig? 47

Schippel Singselig. Glatt aufgewühlt von vorhin. Stellt Euch, Bürger, nicht so erschrocken über das kleinste Quantum Rage.

Hicketier Sie machen jeden guten Eindruck zunicht. Gehen Sie heim.

Schippel Ein Kauz sind Sie. Verstehen meine Absichten niemals. Ich wollte, hahaha, wollte halt ein wenig zum Bewußtsein des Glücks von eben kommen.

Hicketier Eher könnte man meinen, Sie hätten es völlig verloren. Mitten in der Nacht. Nebenan das Fenster meine Schwester schläft hörte sie Marsch! (Wirft das Fenster zu.)

Schippel (steigt die Leiter hinab) Kommandoton. Schläft die Schwester (Er steht wieder mitten im Hof.) Die weißgewaschene helle fette. Hund, Schuft! Du willst mich betrügen! (Er stürmt die Leiter hinan und schlägt mit der Faust in Hicketiers Scheiben.) Hochgesprungen! Heraus aus deiner satten Ruh! Das Mädchen nebenan gerade das will ich...

(Der Fürst, hinter ihm Thekla sind für die auf der Bühne unsichtbar, zögernd, sich verbergend neben den Wagen getreten.)

Hicketier (dessen Gesicht oben kurz hinter den Scheiben sichtbar geworden, erscheint, aus der Haustür stürzend, auf der Szene, springt an den Fuß der Leiter und zischt zu Schippel hinauf) Was sagt der Hallodri?

Schippel (auf der Leiter ihm zugewendet) Die Schwester gerade! Oder Ihr zieht mir mit Zangen keinen Ton aus der Kehle!

(Hicketier ist zum Wagen gestürzt, reißt die Peitsche vom Kutschbock. Der Fürst und Thekla sind bei Hicketiers Nahen hinter den Wagen zurückgewichen.) 48

Hicketier (erblickt sie, schreit kurz auf) Ah! (Reißt sich zusammen und taumelt gegen Schippel.) Bellt der Köter? Dreckiger Prolet!

Schippel (springt von der Leiter, entreißt Hicketier die Peitsche, preßt ihn umklammernd gegen die Mauer und steh Antlitz an Antlitz vor ihm. In höchstem Affekt) Ja Prolet mißduftend. Heiraten die Schwester, das Aas, das stolze Aufrichten meine rote Standarte über euch! Krepiere, Alter, wackele mit dem Kopf. Wir reden darüber!

(Er stürzt durch die Zauntür ab. Hicketier steht paralysiert. Der Fürst geleitet Thekla mit fürstlicher Gebärde ins Haus. Bleibt dann vor Hicketier stehen.)

Der Fürst Ihre Schwester Thekla jetzt zu bewegt selbstverständlich morgen... (Wendet sich schnell zum Gehen.) 49

 

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.