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Detlev Freiherr von Liliencron: Bunte Beute - Kapitel 65
Quellenangabe
typepoem
booktitleBunte Beute
authorDetlev von Liliencron
firstpub1903
year1903
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin
titleBunte Beute
created20050419
sendergerd.bouillon
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Das Sühnopfer.

        Zwei Mädelchen, wie Mädelchen sind,
Spielten zusammen Mutter und Kind.
Die eine hieß Alwine Dreier,
Die andre Bertha Bredemeyer.
Der Bertha ihr Vater war lange tot,
Da hat man seine liebe Not.
Alwinchen spielt die Mutter strenge,
Und Bertha, das Kind, kommt ins Gedränge.
Alwinchen nimmt die Sache genau,
Und haut Klein-Bertha grün und blau,
Daß die sich schnell von Alwinchen trennt
Und heulend zur wirklichen Mutter rennt.

Berthas Mutter, am andern Tag,
Trifft Alwinchen beim Fliederhag:
»Na, hör mal, das find ich aber nicht schön,
Mit meiner Bertha so umzugehn.
Du hast sie so windelweich geschlagen,
Daß sie noch heut nicht aufhört zu klagen.«
Da fängt Alwinchen an zu schluchzen,
Und kann es kaum aus der Kehle drucksen:
»Drum will ich ja unsern Flieder pflücken
Und Berthas Vaters Grab damit schmücken;
Er sieht gewiß böse vom Himmel herab,
Darum geh ich und streu ihm Blumen aufs Grab.«

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