Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Detlev Freiherr von Liliencron: Bunte Beute - Kapitel 62
Quellenangabe
typepoem
booktitleBunte Beute
authorDetlev von Liliencron
firstpub1903
year1903
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin
titleBunte Beute
created20050419
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Ein Bauerngrab.

          Wo in der Kirche kühlen Gängen
Sich Fliese dicht an Fliese reiht
Und Gräber sich an Gräber drängen,
Ist jeder Wappenspruch geweiht.

Hier ruht in sechsundneunzig Truhen
Ein alt Geschlecht vom Leben aus,
In Seidenstrumpf und Eisenschuhen,
Im Panzer und im Genter Flaus.

Die Ritter sind drauf ausgehämmert
Mit Helm und Schwert und Schilderein.
Und wenn der Abend sie umdämmert,
Dann ist der Clan für sich allein.

Wie auf den Bildern alter Meister:
Familien, Kinder, Elternpaar,
Gleich Orgelpfeifen: Biedergeister,
Die Hände hebend zum Altar:

So sind auch hier sie ausgehauen,
Gleich Orgelpfeifen, Kind bei Kind,
Als Schluß nach oben Väter, Frauen,
Die zum Gebet versammelt sind.

Doch draußen auf dem Gottesgarten
Liegt eines freien Bauern Stein.
Er will den jüngsten Tag erwarten,
Dann steht er auf aus seinem Schrein:

»Ick wär en Buer as'n König,
En Buer wär'k, keen Eddelmann.«
Das klingt wie pauk- und harfentönig,
Stolz wie ein edler Feldtyrann.

Er läßt sich aus dem Marmor graben,
Kanns dort der Ritter, kann ers hier:
Statt eines Wappens Zier und Gaben:
Den Pflug, den Kornsack und den Stier.

Gleich Orgelpfeifen knien die Kinder,
Sechs Töchter links, sechs Söhne rechts,
Voran zwei Erdreich-Überwinder:
Vater und Mutter des Geschlechts.

Und zwischen Ahnmann und der Ahne
Und ihrem ganzen Nachwuchshauf
Steigt Christus mit der Siegerfahne
Frohlockend aus dem Grabe auf.

 << Kapitel 61  Kapitel 63 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.