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Detlev Freiherr von Liliencron: Bunte Beute - Kapitel 55
Quellenangabe
typepoem
booktitleBunte Beute
authorDetlev von Liliencron
firstpub1903
year1903
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin
titleBunte Beute
created20050419
sendergerd.bouillon
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Die Falschmünzer.

            »Alles fertig? Nichts vergessen?«
Spricht der Alte zu dem Jungen.
Der kommt wie ein Luchs gesprungen:
»Nimm die Lupe: Sieh die Scheine,
Zwillingsbrüder, echt, ich meine,
Täuschend ähnlich und solid,
Findest keinen Unterschied.«

Spricht der Junge zu dem Alten:
»Einen Blauen gib mir heute,
Denn ich kenne dumme Leute,
Die ihn ohne Ahnung wechseln.
Weiß die Sache gut zu drechseln.
Hulda schmollt. Doch zeig ich Gold,
Ist mir meine Hulda hold.«

Spricht der Alte zu dem Jungen:
»Dummer Bengel, wirst du schweigen,
Sonst will ich den Stock dir zeigen.
Du besäufst dich, Lausepeter,
Protz, dein Trinkgeld wird Verräter.
Warte auf den ›Kavalier‹,
Eh es dämmert, ist er hier.

Der versteht es, Geld zu wechseln,
Der versteht es wie die Grafen,
Macht die Rothschilds selbst zu Schafen,
Der bringt gutes Geld in Haufen,
Können dann die Welt uns kaufen.
Wechselt wie ein Herr Baron,
Kennt das Leben, hat ihm schon.

Das, was mir die Teilung einträgt:
Alles geb ich meinen Kindern,
Kein Gericht kanns je verhindern,
Denn ich trags ins Bankgebäude,
Das ist meine einzige Freude.
Werd ich mal gefaßt, nun gut,
Hab gesorgt für meine Brut.«

Klingt ein Ministrantenglöckchen?
Klingling, das geheime Zeichen,
Gleich wird sanft die Türe weichen:
Kommt geschniegelt und gebügelt,
Tritt ein Herr, verstandgezügelt,
In die Werkstatt, hochgereckt.
He, »Monocle und Glas Sekt.«

Achtung! Grandseigneursallüren!
Tadellos sitzt Rock und Weste,
Ein Minister jede Geste.
Handschuh »prima«. Der Zylinder
Ist allein schon Goldsackfinder.
Und die »feinfein« Pantalons,
Damals Mode: Mit Galons.

Lachend spricht er zu den beiden:
»Hab viel Geld in meinen Taschen,
Lauter echtes. Nur nicht paschen,
Nur Geduld, und weg die Hände,
Aufgepaßt, jetzt kommt die Spende:
Ich: die Hälfte mit Verlaub,
Ihr: zwei Viertel, nehmt den Raub.

Kinder, waren das Kuriosa:
Einen Kellner in Monaco
Fand ich mit sehr leerem Tschako:
War zwei Tage in den »Laren«,
Vite, muß 8 Uhr 40 fahren,
Tausendfrancsschein, changez, schnell,
Und verließ drauf das Hotel.

Auf dem Train nach Bordighera
Traf ich Miß Honoria Birndl,
War ein gar nicht übles Dirndl,
Machte Liebschaft mit der Lady,
Säuselt bald sie: »Dearest Edy«.
Can You change me thousand Mark?
»Oa, my love, here is die Quoark.«

Dann war ich in Deutschland wieder:
Sattelplatz im Trippelgarten,
Wo die feinen Herren starten.
Abends Jeu. »Graf Honiglöwe.«
»Arthur von der Grünen Möwe.«
Bank gehalten. Mitternacht:
Braunen Lappen losgemacht.

Auf dem Ball beim Herzog FlaFla . . .
Schst, es knistern Trepp und Dielen –
»Hands off!« Sechs Revolver zielen.
Und die drei sind rasch gebunden,
Aller Reichtum futsch, verschwunden,
Rrrrrutsch, vorbei die Herrlichkeit,
Eigentlich – es tut mir leid.

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