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Detlev Freiherr von Liliencron: Bunte Beute - Kapitel 36
Quellenangabe
typepoem
booktitleBunte Beute
authorDetlev von Liliencron
firstpub1903
year1903
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin
titleBunte Beute
created20050419
sendergerd.bouillon
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Ei, das war ein Spaß.

(König Erichs Lieblingswort.)

                    Herr Erich hat die Schlacht bei Fodewig gewonnen.
Wenn Niels, der Alte, auch nach Jütland ist entronnen,
So liegt König Magnus doch wachsbleich auf Schonens Erde,
Herr Erich schlug mit Grimme wohl zwanzig Feinde heut vom Pferde.
    Ei, das war ein Spaß.

Und hinter König Niels stürmt Erich mit Rittern und Wagen,
Doch eh er ihn ereilt, ist Niels in Schleswig erschlagen.
Das freut Erich Emun, er grinst in den Bart, den roten,
Zum Daus, mit einem Schlag trennt er vom Rumpf den Kopf des Boten.
    Ei, das war ein Spaß.

Du hörtest, Glukko Tott, Harald, meinen Bruder bellen,
Der will aufs Königsschiff und sich ans Ruder stellen?
Meinen Helm, den Hengst, die Axt! Schon liegt ihm Harald im Arme,
An den Harnisch preßt er ihn sanft: Daß deiner Seele sich Gott erbarme!
    Ei, das war ein Spaß.

Von Haralds Söhnen drei, die mußten an Bäumen baumeln,
Zwei andre schluckten Gift, daß sie zur Hölle taumeln.
Er riß die letzten vier höchstselbst von den Sattelknäufen,
Und ließ wie Kätzchen sie in der tiefen, tiefen Schlei ersäufen.
    Ei, war das ein Spaß.

Ein süßes Mädel aus Selsö, ein jung Prinzeßchen feine,
Die will er zur Königin, und die muß werden die seine.
Sie wehrt sich mit allen Kräften, und hat die Hände gerungen,
Schnell hat er sie geraubt und in den sehnigen Arm gezwungen.
    Ei, das war ein Spaß.

Was Possen! Mogens Sigurd, der will sich wichtig machen?
Komm mit, Sven Gille, Freund, wir wollen das Reich bewachen.
Und als ihn in die Faust zum Brechen gaben die Schergen,
Ließ blenden er Sigurd, und schickt ihn den Mönchen ins Kloster zu Bergen.
    Ei, das war ein Spaß.

Herr Erich sitzt nun hoch und ist König in weiten Landen,
Stolz redet er vom Thron in scharlachroten Gewanden.
Er spricht zum Bischof Adzer: Schaff bald mir ein Vergnügen.
Der macht den Buckel krumm: Schlag tot und würge die Heiden auf Rügen.
    Ei, das wird ein Spaß.

Sein Schiff, der lange Wurm, des Wimpel fliegen munter,
Der König steht im Sturm und höhnt auf die Wellen hinunter.
Die spritzen und greifen nach ihm und packen mit ihren Klauen,
Der König steht und höhnt, und klammert sich trotzig an Mast und Tauen.
    Ei, das war ein Spaß.

Er landet in Arkon und läßt die Tempel stürzen,
Vieltausend Heiden zugleich läßt er die Köpfe kürzen,
Vieltausend Heiden zugleich läßt foltern er und verbrennen,
Und lacht und lacht und lacht, daß ihm die hellen Tränen rennen.
    Ei, das war ein Spaß.

Und in Arkon wirds stumm nach den eingeprasselten Hallen.
In Asche sinkt die Stadt, die letzten Mauern fallen.
Und als das erste Rot der dritten Morgenfrühe
Den Himmel übergießt, wen ziehen Herthas weiße Kühe?
    Ei, das war ein Spaß.

Dann segelt er nach Haus und hält ein Ting bei Riepen,
Wo Erich spricht, ists still, man hört die Mäuse piepen.
König Erich, sieh dich um! Herrn Sorteplog seh ich schleichen.
Zu spät! Der König fällt unter Ritter Sorteplogs furchtbaren Streichen.
    Ei, das war kein Spaß.

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