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Bubi und Mädi

Else Ury: Bubi und Mädi - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorElse Ury
titleBubi und Mädi
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag G.m.b.H.
seriesProfessors Zwillinge
volume1. Band
yearo.J.
illustratorR. Sedlacek
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorRegine Kreutz
senderwww.gaga.net
created20150119
modified20150223
projectid6311606c
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6. Kapitel. Im Eierhäuschen

Heute sind Bubi und Mädi wieder artig. Darum scheint auch die liebe Sonne besonders hell am Himmel. Sie lacht über das ganze Gesicht vor Freude über die artigen Kinder.

Aber auch die kleinen Zwillinge lachen. Denn Mutti hat ihnen eben etwas ganz Wunderschönes erzählt.

»Wenn meine Kinderchen brav sind, nehmen Mutti und Vati sie heute nachmittag mit ins Eierhäuschen.«

»Ins Eierhäußen, Mutti?« Bubi macht seine Blauaugen noch weiter auf, als sonst. »Is das aus lauter Eier gebaut?«

»Nein, Bubi.« Mutti lacht. »Was bist du noch für ein dummer kleiner Kerl! Denk' mal, wieviel Rühreier das geben würde, wenn man in solch ein Eierhaus, das aus lauter Eiern gebaut ist, hineinginge. Nein, nein, mein kleines Dummerchen. Es heißt bloß das Eierhäuschen. Ein hübsches Gartenlokal ist es, wo man Kaffee trinken kann.«

»Na, denn muß es doch Kaffeehäußen heißen und nich Eierhäußen«, wundert sich der Kleine.

»Man kann dort auch Eier essen, Bubi«, versichert ihm die Mutter.

Nun ist Bubi einigermaßen beruhigt.

Mädi aber, die bisher still zugehört hat, meint mit leuchtenden Augen:

»Mich kennt das Eierhäuschen gansch genau.«

»Nein, mein Herzchen, du bist noch nie da gewesen, ebensowenig wie Bubi«, sagt die Mutter kopfschüttelnd.

»Mädi kennt's aber doch. Komm man mit, mein Bubi, ich scheig dir's.« Schwesterchen zieht Brüderchen den Korridor entlang zur Küche.

Mutti folgt ihnen. Sie muß doch sehen, was das kleine Mädchen meint.

»Da is das Eierhäuschen! Es gehört der Minna.« Mädi zeigt auf ein kleines Schränkchen aus Holzlatten, das an der Wand hängt, und in welchem die Eier aufbewahrt werden. Jedes Ei hat sein Loch, da schläft es drin wie in einem Bettchen.

»Minnachen, erlaubscht du, daß Mädi und Mutti und Vati und mein sein Bubi heut nach'm Mittag ein bißchen in dein süsches kleines Eierhäuschen kommen und da Kaffee trinken?« fragt sie ein wenig zaghaft. Denn Minna wirft die Kinder öfters mal aus der Küche hinaus, wenn sie ihr dort an die Schränke gehen.

»Was – in meinem Eierschrank wollt ihr Kaffee trinken? Nanu wird's Tag!« Minna hält sich die Seiten vor Lachen. Auch Frau Annchen lacht so sehr, daß ihre weiße Schürze wackelt. Und Bubi stimmt ebenfalls laut in das Lachen der beiden ein. Das ist eigentlich gar nicht hübsch von ihm, daß er seine Mädi auslacht. Denn er ist auch nicht schlauer als sie, wenn er auch zwei Stunden älter ist.

Nur Mutti lacht ihr kleines Mädelchen nicht aus. Die ist doch die allerbeste. Mutti beißt sich bloß auf die Lippen und lächelt ein wenig. Dann faßt sie ihr Töchterchen an die Hand.

»Komm, Mädi, ich zeige dir, wo das Eierhäuschen liegt.« Sie geht mit Mädi auf den Balkon vorn am Wohnzimmer. Bubi neugierig hinterdrein.

Mutti nimmt Mädi auf den Arm. Da kann sie über all die Bäume des Treptower Parks hinwegblicken. Ganz hinten, wo der Park zu Ende ist, sieht man einen hellen Silberstreifen.

»Siehst du, Mädi, das Wasser dort ist die Spree, und an der Spree liegt das Eierhäuschen.«

»Wo – wo – mal sehen – Bubi auch mal sehen.« Bubi zerrt energisch an Muttis Kleid, daß es bedenklich zu knacksen beginnt.

»Aber Bubi, sei nicht so ungestüm! Das Eierhäuschen selbst kann man von hier nicht sehen. Es liegt hinter den grünen Bäumen versteckt.«

»Och, Muttißen, ich hol mal ganz snell Vatis großes Fernrohr. Da kann man bestimmt das Eierhäußen mit sehen.« Bubi will spornstreichs nach hinten auf die Galerie.

»Bestimmt nicht, Bubi. Auch mit dem großen Fernrohr nicht. Und vor allem, du weißt doch, daß du Vaters Fernrohr überhaupt nicht anfassen sollst«, sagt die Mutti warnend.

»Es beischt«, warnt auch Mädi.

»Beißt behaupt nich!« Bubi tut, als ob er keine Angst hätte. »Und wenn man nie reingucken soll, denn brauch's auch gar nich bei uns zu wohnen, das olle große Fernrohr.« Der Kleine ist sehr aufgebracht.

»Damit wird der Vater nicht einverstanden sein«, meint die Mutter. »Vati reist doch jeden Abend mit seinem großen Fernrohr ins Sternenland, wenn ihr schon längst schlaft.«

»Uns nimmt der Vati nie mit. Wir müssen immer in das olle Bett!« beklagt sich auch Mädi.

»Und der Vati hat behaupt gesagt, er läßt uns bestimmt mal reingucken, wenn abends Sternßen an'n Himmel spazierengehn. Bloß Frau Annßen glaubt das nich. Die bringt mich und mein sein Mädi immer ins Bett, bevor die Sternßen kommen. Aber wenn ich erst mal groß is, dann geh ich behaupt nich mehr in das olle Bett.« Das nimmt sich Bubi bestimmt vor.

»Sei nur froh, Bubi, daß du ein schönes Bettchen hast. Es gibt Kinder, die sind so arm, daß sie nicht einmal ein Bettchen haben, darin zu schlafen.« Mutti streicht ihrem Jungen liebevoll über das braune Haar.

»Und kein Hemdchen und keine Schuh und keine süsche Mutti.« Mädi schmiegt ebenfalls zärtlich das braune Köpfchen an die liebe Mutti.

»Muttißen, is das das kleine Mädßen mit'n Sterntaler?«

»Ja, das kann schon sein, Bubi.«

»Wenn Bubi mal'n armes kleines Mädßen is, und die Sterne kullern von'n Himmel runter, denn tut er sie alle in Vatis großes Fernrohr«, überlegt Bubi.

»Schön, Bubi. Aber jetzt hat Mutti zu tun. Damit sie am Nachmittag Zeit hat, mit euch ins Eierhäuschen zu gehen.« Mutti muß an ihre Arbeit.

Bubi und Mädi haben auch zu tun. Mädi läuft ins Kinderzimmer, um Braunchen zu erzählen, was heute nachmittag los ist.

»Freuschte dich, Braunchen?« Erwartungsvoll sehen die braunen Kinderaugen in die des Schaukelpferdes.

Nein, Braunchen schüttelt seine Mähne. Es freut sich gar nicht.

»Warum freuschte dich denn nich? Weil du schu Haus bleiben mußt?« forscht Mädi weiter.

Braunchen nickt betrübt.

»Na, warte man, mein Braunchen, Mädi und sein Bubi nehmen dich mit, wenn du gansch artig bist.«

Da macht Braunchen wieder vergnügte Augen. Ja, es wiehert sogar vor Freude. Mädi hätte es hören können, wenn es im Puppenwagen nicht gerade so laut rumort hätte.

»So 'ne Gemeinheit!« Das ist Nauke mit der Pauke, der sich immer so grob ausdrückt. »Haben Sie's gehört, Herr Nachbar? Das dumme Schaukelpferd will die Mädi heute auf die Landpartie mitnehmen. Und wir haben wieder mal das Nachsehen!«

Der Hampelmann strampelt vor Entrüstung mit Armen und Beinen hin und her.

Herr Nachbar Fifi macht traurig »wauwau«. Das bedeutet in seiner Sprache: »Ja, die Menschen sind recht schlecht!«

»Natürlich, wir werden wieder mal zu Hause gelassen – hatschi – hatschi –«, räsoniert Puppe Elschen.

»Sie haben ja sowieso einen Schnupfen, da können Sie keine Landpartie machen, sondern gehören ins Bett«, sagt Schnuteken ein wenig boshaft.

»Ist das ein Wunder? Wenn ich seit gestern in den nassen Kleidern liegen muß?« regt sich Puppe Elschen mit der verschrammten Nase auf.

»Ich wünschte, Bubi und Mädi würden heute so naß wie wir! Regnen und donnern soll's zur Strafe, daß sie uns zu Hause läßt.« Puppe Lilli hat keinen guten Charakter. Sie ist recht nachtragend.

Aber ihr Wunsch geht nicht in Erfüllung. Vom blauen Himmel scheint die liebe Sonne und lacht über das ganze Gesicht, wie hübsch Bubi und Mädi heute aussehen. Brüderchen hat einen weißen Leinenkittel an mit richtigen Jungshosen. Schwesterchen aber trägt ein weißes Stickereikleid mit der rosa Schärpe. Nein, heute kann kein Mensch die Mädi für den Bubi halten.

Aber die liebe Sonne lacht noch über etwas ganz anderes.

Mitten in der Kinderstube thront die Mädi in ihrem feinen Stickereikleidchen auf dem Schaukelpferd.

»Hü, Braunchen, jetscht reiten wir nach dem Eierhäuschen.«

Schnuteken reckt die langen Karnickelohren aus dem Puppenwagen heraus, ob es denn wirklich losgeht. Aber er hört nur die aufgebrachte Stimme der zur Tür eintretenden Frau Annchen. »Nein, aber Mädi! Nun zerdrückst du dir das schöne Kleidchen, das ich mit so viel Mühe geplättet habe. Gleich kommst du herunter von dem Schaukelpferd.«

»Ach, liebe, gute Frau Annchen, schimpf' man blosch nich. Ich hab' doch dem guten Braunchen versprochen, daß es mit darf nach'm Eierhäuschen. Sieh' blosch mal, wie lieb es mich jetscht hat!« Eigentlich ist die Sache aber umgekehrt. Mädi hat Braunchen lieb. Beide Ärmchen hat sie um seine braune Mähne geschlungen. »Nich wahr, Frau Annchen, du erlaubscht, daß Braunchen und ich nach'm Eierhäuschen hinreiten?«

»Was, so willst du nach dem Eierhäuschen hinreiten, Herzchen?« lacht die ins Zimmer kommende Mutti. »Da wirst du nicht weit kommen.«

»Braunchen läuft Galopp«, versichert Mädi. Und wirklich, Braunchen beginnt, so schnell es nur kann, zu schaukeln, denn es will schrecklich gern mit. Aber es nützt ihm nichts.

»Nein, Mädi, Braunchen muß zu Hause bleiben. Das Schaukelpferd ist zu groß. Nimm lieber Fifi mit, der ist kleiner.« Doch das mag Mädi wieder nicht. Was – das gute Braunchen daheim lassen und den Filzdackel mitnehmen? Nein, das tut sie ihrem Braunchen nicht an.

»Du bischt doch auch schon groß, Mutti, und Frau Annchen is groß, und ihr kommt doch auch mit.« Mädi versteht nicht, warum Braunchen nicht mit soll, weil es zu groß ist. Nein, dann ist sie doch lieber noch klein und wird mitgenommen.

»Auf Wiedersehen, mein Braunchen. Ich bring' dir auch schönes Heufutter mit.« Aber Braunchen will kein Heufutter, sondern will mitgenommen werden. Es dreht sich zur Wand und bockt. Auch Bubi, der sich mit einem freundschaftlichen Klaps von Braunchen verabschiedet, bekommt keinen guten Blick.

Aus dem Puppenwagen aber lugen höhnisch Braunchens Feinde. Das ist dem ollen Schaukelpferd recht, daß es auch zu Hause bleiben muß!

Im Eierhäuschen gibt es eine Überraschung. Es ist zwar nicht aus Eiern gebaut, und es ist auch nicht so niedlich wie das von Minna draußen in der Küche. Es ist ein richtiges Berliner Gartenlokal an der Spree. Aber an einem Tisch sitzt eine alte Dame mit silbergrauem Scheitel und blickt mit freudigen Augen den Kindern entgegen.

»Omama – die kleine Omama!« Bubi und Mädi überkugeln sich fast. Ein jedes will zuerst bei der lieben Omama sein.

»Das is Mädi seine kleine Omama!« Zärtlich wird das kleine Mädchen von der alten Dame auf den Schoß genommen.

»Na, wenn mein seine große Omama nich da is, gehört die kleine Omama auch mir«, beschwert sich der sich zurückgesetzt fühlende Bubi.

»Aber natürlich, mein Goldjungchen. Die Omama gehört euch beiden. Ein Kind sitzt links und eines sitzt rechts von mir. Guten Tag, mein Fränzelchen – Tagchen, Annchen«. Die alte Frau Winter begrüßt die Schwiegertochter und ihre ehemalige treue Dienerin herzlich.

»Warum biste denn hier, kleine Omama?« erkundigt sich Bubi.

»Weil ich Sehnsucht nach meinen beiden Goldkinderchen hatte«, antwortet die Großmama lächelnd.

»Haschte denn gewußt, daß wir heut im Eierhäuschen sind?« verwundert sich Mädi.

»Ja, das hat heute morgen in meiner Zeitung gestanden«, lacht Großmama.

Mädis Gesichtchen verklärt sich, daß sie in der Zeitung gestanden hat. Bubi aber ruft: »Nee, is behaupt nich wahr! Die kleine Omama macht nur Spaß. Mutti hat ja heute teleniert, daß wir hier sind.«

»Telephoniert hat die Mutti – was du doch für ein Schlauköpfchen bist, Bubi! Nun sag' auch mal dem Kellner dort drüben, er möchte uns doch Kaffee bringen.«

Bubi springt bereitwillig auf und läuft zu dem Kellner. Seinen schönsten Diener macht er.

»Onkel Kellner, bitte, sei doch so gut und bring' meiner kleinen Omama Kaffee«, bittet er treuherzig.

Der Kellner schmunzelt.

»Und dir, Steppke, soll ich keinen bringen!«

»Doch, und für mein seine Mutti auch und für Frau Annßen und für mein sein Mädi. Und doll viel Kuchen und auch Eier. Viel Eier, weil hier das Eierhäußen is«, bestellt er großartig.

Zum Glück kommt da eiligst Frau Annchen herbei. »Was bestellst du da, Bubi?«

Der Kellner lacht.

»Kaffee mit doll viel Kuchen und Eier hat der Steppke bestellt.«

»Ih, du meine Güte! Wir brauchen man bloß dreimal Kaffee. Für meine Kinderchen hab' ich Milch mitgebracht. Und mit den Eiern warten wir bis zum Abendbrot.« Frau Annchen ist ganz aufgeregt.

»Ich heiß' ja gar nich Steppke, ich bin doch der Bubi«, ruft der Kleine noch hinter dem Kellner her.

So schön hat die Milch und der Kuchen noch nie gemundet, wie hier im Eierhäuschen.

Die gute Omama läßt jedem Kind einen Windbeutel mit Schlagsahne geben. Ach, schmeckt der aber fein!

Dann gehen Bubi und Mädi auf Entdeckungsreisen aus. Nein, was gibt es hier alles im Eierhäuschen zu sehen. Da ist zuerst die Spree mit ihren Schiffen und den niedlichen kleinen Booten. Mit den großen Dampfern, die so laut »tu – u – ut!« machen, daß Mädi jedesmal ängstlich nach Bubis Hand faßt. Bubi hat keine Angst, er ist ja zwei Stunden älter und außerdem ein Junge. Der darf sich nicht fürchten.

Bubi ist sogar tollkühn. Er geht zu dicht an das Wasser heran. Da muß Frau Annchen auf ihren alten Beinen immer hinterdrein und ihn festhalten.

Dann gibt es da noch ein niedliches kleines Häuschen.

»Da wohnt bestimmt der Oschterhase, Bubi«, meint Mädi schlau. »Da gibt's schöne Oschtereier, weil hier das Eierhäuschen is.«

Nein, der Osterhase wohnt dort nicht. Es ist eine Würfelbude. Ostereier gibt's da freilich nicht, aber sonst ist alles drin, was man sich nur wünschen kann. Triesel und Eimerchen, Tuten und kleine Püppchen. Bubi und Mädi stehen mit sehnsüchtigen Augen davor.

»Na, Kinderchen, wollt ihr mal würfeln?« fragt die dicke Budenfrau freundlich.

»Au ja.« Bubi hat bereits den Würfelbecher in der Hand. Ehe Frau Annchen noch dazwischenkommen kann, rollen die Würfel bereits auf das Brett.

»Vierzehn«, sagt die dicke Budenfrau. »Du kannst dir was aussuchen, Kleiner.«

Bubi strahlt. Und jetzt greift natürlich auch Mädi nach den Würfeln.

Da aber ist auch Frau Annchen schon zur Stelle.

»Kinder, was fällt euch denn ein? Wer hat euch denn das erlaubt?« ruft sie aufgebracht.

»Die dicke Tante hat's erlaubt, Frau Annßen«, beruhigt sie Bubi. »Soll ich das ßöne Püppßen kriegen oder die Tute? Nee, lieber das niedliße rote Motizbuch.« Bubi hat es bereits in der Hand. Aber zur gleichen Zeit auch einen Klaps darauf von Frau Annchen.

»Wirst du wohl liegenlassen – das gehört dir nicht!«

»Aber freilich, das hat der Kleine ja gewonnen«, sagt die dicke Budenfrau. »Kostet hundert Mark.«

»Was – hundert Mark für so'n kleines Notizbuch! Das Kind hat überhaupt gar keine Erlaubnis gehabt zum Würfeln.« Frau Annchen ist ganz rot vor Ärger.

»Is janz jleich. Wenn er jewürfelt hat, müssen Se auch bezahlen«, dabei bleibt die dicke Würfelfrau.

Mädi hat inzwischen die gute Gelegenheit, wo Frau Annchen sich mit der Frau herumzankt, dazu benutzt, um ebenfalls ganz schnell zu würfeln. Sie möchte doch gar zu gern auch was von den schönen Dingen haben. Jetzt greift sie nach einer kleinen niedlichen Puppenbadewanne.

»Sachte, Herzeken, laß man stehen. Du hast man bloß sieben jewürfelt. Du hast verloren. Macht zweihundert Mark, nu, bezahlen Se jefälligst«, sagt die Budenfrau.

Aber Frau Annchen denkt gar nicht dran zu bezahlen. Mädi weint, weil sie die Puppenbadewanne nicht bekommt. Bubi weint ebenfalls, trotzdem er ein Junge ist. Denn er soll das schöne rote Notizbuch wieder zurückgeben, verlangt Frau Annchen. Die dicke Budenfrau schimpft, weil Frau Annchen nicht bezahlen will. Viele Menschen sammeln sich um Bubi und Mädi.

Auch Mutti und Großmama kommen schnell herbei, um zu sehen, was es mit ihren Kindern denn bloß da gäbe. Erschreckt sehen sie, daß Bubi und Mädi weinen.

Aber als die gute Großmama hört, um was es sich handelt, da bezahlt sie der schimpfenden, dicken Würfelfrau die zweihundert Mark. Trotzdem Frau Annchen dabei bleibt, daß man es gar nicht nötig hätte.

Bubi darf sich sein rotes Notizbuch wieder nehmen. Mädi weint weiter. Denn sie hat ja verloren und bekommt nichts.

Da schlingt Bubi tröstend den Arm um das weinende Schwesterchen. »Wein' man nich, mein Mädi. Heute gehört das rote Motizbuch mir und morgen gehört es dir. Wir sind ja Zwillinge.«

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