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Bubi und Mädi

Else Ury: Bubi und Mädi - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorElse Ury
titleBubi und Mädi
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag G.m.b.H.
seriesProfessors Zwillinge
volume1. Band
yearo.J.
illustratorR. Sedlacek
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorRegine Kreutz
senderwww.gaga.net
created20150119
modified20150223
projectid6311606c
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12. Kapitel. Bubis Baubau

»Ach, wenn wir doch auch solch süßes, kleines Hündßen hätten, Mädi!« Das ist Bubis ständiger Wunsch, nach jedem Besuch bei der kleinen Omama.

»Wir haben ja dafür Braunchen.« Mädi genügt das.

»Och, Braunßen!« macht Bubi abfällig.

Braunchen ist empört. Aber noch einer ist entrüstet über Bubi.

»Wauwau«, klingt's aus dem Puppenwagen. »Ein süßes Hündchen will der Bubi haben. Kann es wohl einen reizenderen Filzdackel geben, als ich es bin? Ich bin nicht eingebildet. O nein! Aber das müssen Sie doch unbedingt zugeben, daß es kein niedlicheres Hündchen als mich auf der Welt gibt – wauwau!« Fifi beginnt vor Ärger zu knurren.

»Kinder sind recht undankbar!« seufzt Puppe Elschen. Sie denkt allerdings dabei nicht an Bubi, sondern an Mädi. Aber da die beiden Zwillinge sind, kommt es ja auf dasselbe heraus.

»O ja, davon weiß ich auch ein Lied zu singen«, murrt der alte Hampelmann. »Wie hat sich Bubi mit mir gefreut, als ich noch jung und schön war und zappeln konnte, wie nur je ein Hampelmann. Aber heute – kaputt gemacht, alt, vergessen und in die Ecke geworfen! Ja, ja!«

»Das ist nun mal der Lauf der Welt – bumderattata!« brummt Nauke mit der Pauke.

Puppe Lilli schlägt nur ihre Schlafaugen zum Himmel empor. Sie findet gar keine Worte für solche Undankbarkeit. Auch Schnuteken wagt seine Meinung nicht zu äußern. Er ist noch ein junger Springinsfeld und hat zu schweigen, wenn ältere Leute ihre Ansichten austauschen.

»Weißte, Mädi, was wir tun wollen?« beginnt Bubi wieder.

»Nee.« Mädi weiß es nicht, obgleich sie sein Zwilling ist.

Im Puppenwagen ist es still geworden. Alle spitzen sie die Ohren.

»Ich stecke mir ganz einfach Braunßens Pferdeleine in mein seine Hosentaße. Und wenn denn ein niedlicher kleiner Baubau angelaufen kommt, denn wird er von uns gefangen. Ja, Mädi?«

»Aber wenn der Wächter angelaufen kommt und sperrt uns ins Fängnis?« gibt Mädi zu bedenken.

»Der olle Wäßter darf uns behaupt nich ins Gefängnis versperren. Sonst sagen wir's einfach Frau Annßen«, beruhigt Bubi sie. »Und'n Maulkörbßen kriegt unser neuer kleiner Hund von Fifi verborgt«, überlegt er weiter.

»Ja, Kuchen!« blafft Fifi wütend dazwischen. »Das könnte mir wohl so passen, einem fremden Köter meinen hübschen Maulkorb zu borgen. Ich wünschte, der Parkwächter steckt euch alle beide ins Gefängnis!« Es ist nicht hübsch von Fifi, daß er solchen häßlichen Wunsch hegt. Puppe Elschen hält es sogar für eine Hundsgemeinheit. Aber er fühlt sich grenzenlos zurückgesetzt und vernachlässigt von Bubi.

Als Frau Annchen heute mit ihren Kindern in den Park spaziert, wandert auch Braunchens Pferdeleine mit.

»Fängschte'n weißen oder'n schwarzen Baubau?« erkundigt sich Mädi.

»Einen Baubau mit blonden Locken.«

»Was willst du fangen, Bubi?« fragt Frau Annchen belustigt.

»Na, so'n süßes kleines Baubaußen wie Prinßen is. Paß mal auf, Frau Annßen, wenn einer angerannt kommt, denn nehmen wir ihn mit nach Haus. Und denn mußte ihm ein niedlißes Slafkörbßen neben meinen Bettsen machen.«

»Schön.« Frau Annchen lacht noch viel mehr. »Aber erst muß der Hund auch mit dir mit nach Hause kommen, Bubi.«

»Och.« Das macht Bubi die geringste Sorge. »Ich hab' doch Braunßen seine Pferdeleine mitgenommen.«

Frau Annchen setzt sich auf ihre Bank am Spielplatz und zieht das Strickzeug hervor.

Bubi und Mädi gehen heute nicht zu dem großen Sandhaufen, trotzdem all ihre kleinen Spielgefährten dort sind. Sie sitzen beide auf dem niedrigen Eisengitter und passen auf, ob ein Baubau vorüberkommt.

Zuerst erscheint ein altes Fräulein mit einem kleinen Pinscher. Die beiden sehen sich sehr ähnlich, findet Mädi. Ob sie wohl auch Zwillinge sind?

Bubi aber hat nur Augen für den kleinen Hund. O weh, das alte Fräulein führt ihn an der Leine, oder vielmehr der kleine Pinscher führt die alte Dame. Denn er ist immer ein Stück voraus, und sie muß mit, wohin er will. Nein, mit dem ist es nichts.

Bubi und Mädi sitzen weiter auf ihrem Gitter und schauen sich die Augen aus nach allem, was auf vier Beinen näherkommt. Aber leider naht es eine ganze Weile nur auf zwei Beinen.

»Warum kommen denn heute gar keine Hünde? Ob die am Ende wissen, daß sie von uns gefangen werden sollen?« überlegt Bubi.

»Da kommt ja einer, ein gansch großer – den darfste aber nicht fangen, Bubi, der beischt bestimmt!« Mädi hält angstvoll Bubis Hand fest.

Ein großer Wolfshund kommt angaloppiert, seinem Herrn ein ganzes Stück voraus. Er bleibt vor den beiden Kindern stehen und schaut sie aus klugen Augen an.

»Du, Bubi,« Mädi flüstert es scheu ihrem Bubi zu, »das is behaupt gar kein Baubau, das is der böse Wolf. Du, der hält mich bestimmt für Rotkäppchen.« Am liebsten möchte sie zu Frau Annchen hinlaufen. Aber dann muß sie dicht an dem bösen Wolf vorüber.

Auch Bubi ist es recht unbehaglich zumute. Er atmet erleichtert auf, als der »Wolf« sich dazu entschließt, weiterzugehen. Trotzdem macht er Mädi Vorwürfe.

»Warum haste denn mein seine Hand festgehalten? Denn kann ich doch keinen ßönen Baubau fangen«, sagt er ärgerlich.

»Der olle Wolf war behaupt nicht schön«, meint Mädi. »Vor so'n großen Baubau kriegt unser kleiner Fifi doch Angscht.« Daß sie selbst Angst hat, will sie nicht zeigen. Was hätte Bubi dann von seinem Zwilling für eine Meinung bekommen. »Weischte was, Bubi? Wir wollen lieber auf'n Sandplatsch spielen gehen«, schlägt sie vor. »Die ollen Hünde sind doll langweilig.«

»Gar nich langweiliß! Wenn du'n niedlichen kleinen Baubau gefangen haben willst, mußte auch hier sitzenbleiben«, bestimmt Bubi.

Mädi gibt nach, denn er ist ja zwei Stunden älter als sie und muß es daher besser wissen.

Allmählich wird es aber wirklich langweilig. Auch Bubi kommt schließlich zu dieser Erkenntnis. Auf dem Sandhaufen jubeln und lachen die andern Kinder. Soll er's aufgeben?

»Vielleicht sind alle Hünde heut mausetot gesterbt«, gähnt Mädi.

Auch Bubi beginnt zu gähnen, denn er ist doch ihr Zwilling.

»Behaupt nich! Da kommt einer, der is doll lebendiß.«

Ein krummbeiniger Dackel kommt hinter einem Herrn und einer Dame hergewackelt. Welch ein Glück, er ist nicht an der Leine. Und einen Maulkorb hat er auch. Da kann er wenigstens nicht beißen, und man braucht nicht erst Fifi um seinen zu bitten.

Der Herr und die Dame gehen plaudernd vorüber. Der Dackel bleibt am Laternenpfahl stehen und ruht sich aus. Wie der Wind ist Bubi neben ihm. Die Pferdeleine aus der Hosentasche und – schwupp – dem Dackel ein-, zweimal um den Hals gewürgt.

Hurra! Es ist gelungen. Bubi zieht den fast erstickenden, sich sträubenden und wütend kleffenden Dackel hinter sich her.

Da drehen sich der Herr und die Dame, durch das laute Gebell aufmerksam geworden, um.

»Männe, wo bist du?« ruft die Dame erschreckt.

Der Herr aber ist bereits neben dem kleinen Hunderäuber und errettet seinen armen Männe vor dem Erstickungstode.

»Ja, Kleiner, was fällt denn dir ein, meinen Hund zu würgen?« sagt er halb ärgerlich, halb belustigt.

»Das ist behaupt mein sein Baubau, wenn ich'n mir doch gefangen habe«, ruft Bubi noch viel empörter als der Herr.

Ein Kreis von Zuschauern hat sich um Männe und Bubi gesammelt. Alles lacht, während Bubi auf seinem Recht besteht, den von ihm gefangenen Hund auch behalten zu dürfen. Mädi steht mit ängstlichen Augen daneben.

Da erscheint ein blauweißgestreiftes Kattunkleid und eine weiße gestärkte Schürze in der Menge.

»Frau Annchen.« Mädi flüchtet sich in ihrer Not zu ihrer alten Kinderfrau. »Frau Annchen, der olle fremde Onkel will Bubi sein Baubau, den er eben gefangt hat, wieder wegholen.« Auch sie ist entrüstet.

Die Umstehenden lachen jetzt noch viel mehr.

»Ja, mein Kleiner, man darf doch fremde Hunde nicht einfach fortstehlen«, sagt der Herr, jetzt ebenfalls lachend, und streicht Bubi über das braune Köpfchen.

»Na, wozu haste dich denn umgedreht?« Bubis Enttäuschung ist grenzenlos, daß er den glücklich erwischten Männe wieder abgeben soll.

»Ih, du meine Güte!« sagt Frau Annchen erschreckt. »Ich denk' doch nicht, daß er Ernst machen wird, der Bubi. Entschuldigen Sie, mein Herr, daß unser Jungchen noch so dumm ist«, wendet sie sich an den Fremden.

Männe schaut den betrübten Bubi an, als ob er ihn auslachen wolle. Dann wackelt er weiter hinter Herrchen und Frauchen her.

»Die Pferdeleine nehme ich jetzt an mich, Bubi, damit du nicht wieder Unfug damit machst. Für den Hundefang ist die nicht da.« Frau Annchen steckt die Pferdeleine in ihre Tasche. »So, und nun geht ihr hübsch auf den Sandplatz buddeln, Kinder.« Sie setzt sich wieder auf ihre Bank.

Aber Bubi hat heute ganz und gar keine Lust zum Buddeln. Er will seinen Hund haben. Mädi würde recht gern auf dem Sandplatz spielen. Aber da sie Bubis Zwilling ist, muß sie ihm doch Gesellschaft leisten.

So sitzen Bubi und Mädi auf ihrem Eisengitter und langweilen sich von neuem.

»Schade!« sagt Bubi mit einem schweren Seufzer aus tiefstem Herzensgrunde. Der Seufzer gilt dem davongewackelten Männe.

Auch Mädi seufzt herzbrechend. Ihr Seufzer gilt der Langweile.

»Wenn ein Baubau von allein mit uns nach Hause kommt, denn is das nich fortgestehlt«, überlegt Bubi.

»Nee«, bestätigt Mädi und langweilt sich weiter.

Es kommen jetzt eine ganze Menge Hunde vorüber. Alle sind sie an der Leine, als ob sie wüßten, daß Bubi böse Absichten gegen sie hegt.

Ein weißer Seidenspitz mit hellblauer Schleife guckt um die Wegbiegung. Dann läuft er wieder zurück.

Bubi ist ganz aufgeregt. »Glaubste, daß er wiederkommt, Mädi?«

Ehe Mädi noch ihre Meinung äußern kann, ist der Spitz auch schon wieder da. Er hat keine Leine, und er hat keinen Herrn. Wenigstens ist keiner zu sehen.

Er läuft einige Male auf dem Wege hin und her. Sicher hat er seinen Herrn verloren. Unweit von den Kindern bleibt er stehen und schnuppert in die Luft.

»Sieh mal, wie süsch«, sagt Mädi begeistert.

»Der wird mit nach Haus genommen!« Bubi hat seinen Entschluß gefaßt.

»Du hast ja behaupt keine Leine mehr«, gibt Mädi zu bedenken.

»Szad't nich, Mädi. Ich werd' ihn recht ßön bitten, denn kommt er bestimmt mit.« Bubi macht seinen tiefsten Diener vor dem Seidenspitz. »Ach, bitte ßön, liebes Baubaußen, komm doch mit mein seine Mädi und mir nach Haus. Da kriegste ein ßönes Körbßen, und ein Zaukelpferd is da und ein Fernrohr, mit dem man in den Himmel reisen kann, und eine Minna.« Bubi weiß gar nicht, was für Herrlichkeiten er sonst noch alles aufzählen soll. Dem Spitz scheint das alles recht verlockend. Er kommt näher, wedelt zum Zeichen der Freundschaft mit seinem Schwänzchen und beginnt Mädis braungebrannte Beinchen zu beschnuppern.

Leider faßt Mädi seine Freundschaftsbezeigungen falsch auf.

»Er beischt mich – er will mich bestimmt beischen!« Laut schreiend rennt sie zu Frau Annchen. Spitzchen in langen Sätzen hinterdrein.

»Bleib doch da, bleib doch bei mir, Baubaußen! Meine Beine kannste ruhig beißen, ich ßreie nich.« Vergeblich ruft Bubi es hinter dem weißen Hündchen her.

Nein, so wütend ist Bubi in seinem ganzen Leben noch niemals auf seine Mädi gewesen. Muß die auch schreien und weglaufen, wo das Hündchen gerade mit ihnen Freundschaft schließen wollte!

Der Spitz hat wohl inzwischen eingesehen, daß Bubi es besser mit ihm meint, als Mädi. Er kommt wieder angesprungen und läßt sich neben Bubi nieder, als ob er sein kleiner Herr wäre.

Bubis Herz klopft poch – poch vor grenzenlosem Glück. Er wagt kaum zu atmen, sich überhaupt nicht zu rühren, aus Angst, den kleinen Gast zu verscheuchen.

»Haste mich lieb, Baubaußen?« beginnt er schließlich eine Unterhaltung.

Der Spitz würdigt Bubi gar keiner Antwort. Er hat augenblicklich Wichtigeres zu tun, nämlich nach einer Fliege zu schnappen.

»Ich hab' dich doll lieb, Baubaußen,« fährt Bubi fort, »noch viel doller als mein seine Mädi, wenn du auch nicht mein Zwilling bist.«

Diese Mitteilung scheint auf Bubis neuen Freund großen Eindruck zu machen. Er beginnt jetzt Bubis Beine zu beschnuppern.

Es ist entschieden nicht angenehm, wenn eine kalte Hundenase an warme Kinderbeinchen kommt. Auch kann man nie wissen, ob er nicht doch am Ende beißt. Aber Bubi benimmt sich wie ein kleiner Held. Er schreit nicht, und er läuft nicht weg. Steif sitzt er in atembeklemmender Angst da und läßt sich von der kalten Hundenase beschnuppern.

»Du willst mir bestimmt nur'n Kuß ßenken, nicht wahr, Baubaußen?« So spricht er sich selbst Mut zu. Behutsam beginnt er mit seinen Fingerchen über das weiße, weiche Hundefell zu streicheln. »Und wenn du immer ßön artig bist und bei mir bleibst, Hundßen, denn geb' ich dir immer was von mein sein Mittagbrot und Grießbrei ab. Und denn ßenk ich dir auch'n bißen mein seine Mutti und Vati. Der is so gut, der erlaubt bestimmt, daß du auch mal durch das große Fernrohr gucken darfst.«

Der Spitz scheint von dieser Aussicht geradezu begeistert zu sein. Er hebt den Kopf und spitzt die Ohren. Und plötzlich, ehe Bubi sich's versieht, ist er auf und davon, der Undankbare. Den Parkweg rast er entlang bis auf die Straße, ja sogar über den Fahrdamm hinüber auf die andere Seite. Denn dort hat er seinen Herrn erkannt.

Jammernd läuft Bubi hinter ihm drein.

»Liebes Baubaußen, ach, komm' doch wieder! Ich will auch so ßön mit dir bellen! Aber Hundßen; du darfst doch nich allein über'n Damm laufen, wenn nu'n Auto kommt«, schreit er hinter ihm her. Und dabei hat Bubi die größte Lust, ebenfalls allein über den Damm zu dem undankbaren Baubau hinüberzulaufen, was Mutti und Frau Annchen doch streng verboten haben.

Da fühlt sich Bubi aber jetzt selbst an der Leine. Frau Annchen ist hinter ihm hergejagt, so schnell ihre alten Füße sie tragen.

Sie hält den kleinen Ausreißer fest an der Hand.

»Na warte, dir werd' ich das Hundefangen schon abgewöhnen. Jetzt bleibst du bei mir auf der Bank, Bubi, verstanden?« sagt Frau Annchen noch immer atemlos.

Ach, Bubi ist jetzt alles ganz gleich. Alles! In seinem Schmerz um den verlorenen Hund zankt er sogar mit seiner Mädi: »Du bist schuld, daß der niedliche Baubau wieder weggelaufen is. Bloß weil du Angst vor ihm gehabt hast, dummes Ding. Das hat er bestimmt übelgenommen.«

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