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Briefe eines Narren an eine Närrin

Karl Gutzkow: Briefe eines Narren an eine Närrin - Kapitel 17
Quellenangabe
typeletter
booktitleBriefe eines Narren an eine Närrin
authorKarl Gutzkow
firstpub1832
year2001
publisherKulturverlag Kadmos
addressBerlin
isbn3-931659-19-4
titleBriefe eines Narren an eine Närrin
pages3-5
created20041006
sendergerd.bouillon
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Fünfzehnter Brief

Schon an die Herausgabe des Geistes Deiner sämmtlichen Werke denkst Du, und hast diese selbst noch nicht geschrieben. Wenn es Dir nur um jene Quintessenz zu thun ist, so brauchst Du ja diese nicht zu verfassen, viel weniger sie zu veröffentlichen. Du vergissest, Liebe, daß man den Duft des Samenstaubes ohne die bergende Hülle der Blumenblätter nicht geben kann.

Diese Deine Absicht bietet mir sechs Haken dar, woran ich einige moralische Redensarten, eine Verwunderung, eine Ermahnung, zwei Rührungen, eine Invective und eine Satyre, vielleicht auf die Männer, vielleicht auch auf die Frauen, aufhenke.

Mit Deinem Geiste willst Du ein ruhmvolles Muster literarischer Bescheidenheit geben; weißt Du aber auch, daß wenn Du die Menschen ehren willst, sie Dich für sonderbar halten werden? Die Gewöhnlichen lassen sich nur nach einer Durchschnittsrechnung behandeln, sie können zwar Stolz nicht, aber auch Bescheidenheit nicht ertragen. Die Großmuth ist ihnen jenes sanfte Joch; denn der großmüthige Sieger ist immer so edel, den Besiegten seine Unterwerfung nicht fühlen zu lassen! Lern' hieraus noch einige praktische Regeln!

Unter allen Blößen, die ich geben könnte, wäre die größte, sie einzugestehen. Du hältst die Aufrichtigkeit für die schönste Tugend, aber die Tugend ist nur da, um von Schelmen benutzt zu werden. Ich habe lieber, daß mich die Menschen mit ihren Vorurtheilen verdammen, als daß sie mich loben und betrügen. Schier Dich um nichts, Beste, tritt handfester auf, nimm kein Blatt vor den Mund, wirf mit Grobheiten um Dich. Sie küssen Dir die Hand, wenn sie von Ohrfeigen ermüdet ist. Darum gib keinen Geist aus Deinen Schriften! Wer dankt Dir die Mühe, die Du auf das Zurückbehaltene verwandt hast? sie werden selbst Deinen redlichen Willen, noch mehr die Mühe des Sichtens und Ausscheidens verkennen.

Mit Deinen noch nicht geschriebenen Werken kommst Du mir vor, wie Adams Lende und in ihr die Präexistenz des allgemeinen Menschengeschlechts. Der Gedanke ist nicht lächerlich, sondern grausenhaft. Vor den geheimen Werkstätten noch nicht ausgeschriebener Autorenköpfe fürcht' ich mich fast wie vor dem sonderbaren Rollen und Schnurren in Katzenleibern. Ich könnte mich zu Tod ängstigen, wenn Dir einmal so ein Buch, wie Werthers Leiden, aus dem Kopfe flöge! Thu' mir nur den Gefallen, und bestelle mich nicht zu Deiner Hebamme! Als Priester, der dem Kinde die Taufe gibt, d.h. als Kritiker bin ich zu Deinem Dienste bereit.

Nun aber ein Vorwurf, den ich besser unten zu mildern verspreche. Ich theile allerdings mit vielen meiner Zeitgenossen die Abneigung gegen schreibende Damen. Es ist das nicht Neid, nicht Anhänglichkeit an alten Castengeist und ständische Vorurtheile, Du kennst meine Vorliebe für das schöne Geschlecht als die Quelle meines Unglücks; doch kann ich dafür, wenn ich die Jungfrau von Orleans nicht gern sehe? Panzer und Schwert lieb' ich an Weibern nicht, schon weil ich dabei mich erinnern muß, wie der Mann Beides so oft nicht zu tragen versteht. Auch glaub' ich es wirklich nicht, daß die Männer ohne die Frauen Alles, diese ohne jene nur sehr wenig sind, darum möcht' ich aber auch Deine Schwestern nie an Stellen sehen, wo ich immer Männer zu sehen gewohnt bin. Zum Empfangen, nicht zum Schaffen sind die Weiber geboren.

Auf meinen Reisen durch Deutschland hatt' ich's mir zum festen Ziele gesetzt, keine Stadt vorbeizulassen, die etwa eine schriftstellernde Damenfeder aufzuweisen hätte. Ich hatt' es mir vorgenommen, solchen Autricen eclatante Sottisen zu sagen, und ich muß es gestehen, auf höchst feine und malitiöse Art hab' ich hier und da meinen Zweck erreicht. Aber warum soll ich's verschweigen? Vielleicht gereicht es Euch Weibern zur Ehre. Bei den Meisten, die ich aufsuchte, hab' ich heiße Thränen vergießen müssen. Alte, zitternde Mütterchen traf ich an, die in Kummer ihr karg zugemessenes Brod verzehrten. Außerdem hatten Viele noch die Bürde eines natürlichen Buckels, sie waren blind oder sonst gebrechlich. Zwei Thaler gab' ihr der Rabenbuchhändler für den Druckbogen, klagte mir eine kleine Person, bei deren sanfthinschmelzenden Namen ich sonst bis an die höheren und höchsten Lichtregionen zu schwärmen pflegte. Dabei müsse sie noch Demüthigung erfahren, mit anzusehen, wie jener Mann ordentlich im Verborgenen dreimal das Kreuz schlage, wenn sie die steile Treppe hinaufgekrochen sei, und ihren Pompadour voll neuer Druckbescherung auszukramen beginne.

Gewiß, mein verehrter Menzel, Du solltest die stockfleck- und thränenfeuchten Strohsäcke nicht vergessen, wenn Du von unsern schriftstellernden Damen so sprichst, als säßen sie mit ihrer Begeisterung in Gartenlauben unter seidenen und goldgestickten Vorhängen; als ließen sie sich jeden Morgen von ihren Kammermädchen die schaffende goldene Feder auf Sammetkissen in Prozession überreichen; als ruhete eine Welt von Schooßhunden auf gepolsterten Sesseln zur Erregung der Sinnlichkeit um sie her. Die Wenigsten unter ihnen haben je einen Kronenleuchter im glänzenden Salon brennen sehen. Viele würden auf dem geglätteten Fußgetäfel ausgleiten, schon weil es ihren verschobenen Gestalten an allem Gleichgewicht und Schwerpunkt ermangelt. Ich kenne eine berühmte Schriftstellerin, in deren Nähe Du immer von Thee sprichst, die aber auch dem Kaffee entsagt hat, um Dein Literaturblatt lesen zu können. Weil es ihr oft am Gelde zu Papier fehlt, so beschreibt sie die weißen Ränder ihres planirten Exemplars mit neuen Erfindungen, indem ihr die heißen, schweren Thränentropfen auf die schneidenden Verurtheilungen ihrer frühern poetischen Gestalten fallen. Einst sah ich sie das schmerzenreiche Wort: Entsagung gerade in mitten in die Lorbeervignette einer Nummer mit ihren dürren Knöcheln malen; es ging mir wie schwarzer Staar über die Augen.

Wenn man die Beschäftigung mit der edelsten Kunst als eine Art Verlobung und Ehebündniß ansehen muß, so sollte man billigerweise für eine literarische Witwenkasse sorgen. Man sollt' es sich recht Herzenssache sein lassen, die armen Hungerleider, wenn sie alt und schwach sind, zu ihrem und der Literatur Besten zu verpflegen, die Nackten zu kleiden und die Hungrigen zu speisen; nur müßten die Buchhändler dabei nichts zu schaffen haben. Manche Bettler haben die Gewohnheit, erst das Vaterunser und Luthers ganzen kleinen Katechismus herzubeten, und dann um ein Almosen zu bitten, man gebe den invaliden Autoren das ersehnte Scherflein früher, und sie werden keine schlechten Schriften verfassen. So würd' ich mich über diese Unterstützungen noch weiter expectoriren, wenn mir nicht noch zur rechten Stunde einfiele, daß mein Raisonnement wirklich so klingt, als hätt' ich über Millionen zu commandiren, was doch – weiß Gott – nicht der Fall ist.

Du siehst nun, Geliebte, wie ich ungefähr über Deine bisherigen schriftstellerischen Leistungen urtheile. Ich wünschte Dir Deinen verstellten, männlichen Ton, den angeklebten Bart, das ganze masculinische Wesen von Herzen zu verleiden. Wie glücklich könntest Du mich machen, wenn Du Dir wieder Deine alten Kleider anzögest, die niedliche Haube, die zu Deiner geordneten Lockenunordnung so zierlich paßte, aufsetztest, und die verführerische Schürze mit den zwei Taschen und hundert Falten vorbändest! Verstehe mich recht! Ich verlange nicht, daß die Küche Dein Tempel sein soll, Du magst die Feder spitzen und die kritische Geißel schwingen, nur aber vom weiblichen Standpunkte aus. Das ist eben die versprochene Milderung jenes vorstehenden Vorwurfes. Du kannst die Fülle Deiner Gedanken zeigen, nur muß man es ihnen ansehen, daß sie unter einer Haube, nicht unter einem Hute ausgeheckt sind. Schreibe nicht mit Männern für Frauen, sondern mit den Frauen für die Männer. Ich will Dir meine Ansichten der Kritik von ihrer weiblichen Seite nicht verschweigen und dabei manche noch nie ausgesprochene Gegenstände zur Sprache bringen.

Ich werfe mich zum wärmsten Vertheidiger Deines Geschlechts auf. Ich will die Blößen eines Systems aufdecken, das an der frechen Stirn der Einen so viel Rückhalt gefunden hat, als an der nachgiebigen Schwäche der Andern. Die Bestimmungen der Vernunft reichen weiter als die der Sitte. Die Macht der Gewohnheit ist freilich dann stark, wenn man ihr huldigt, aber nie schwächer, als wenn man ihr zu trotzen wagt. Ich sehe die eine Hälfte Deiner Schwestern unter Verhältnissen leben, die keinen Unterschied der Bildung aufkommen lassen, da die Nothwendigkeit dieser selbst geläugnet wird. Die zweite hat den Muth, sich in eine andere Carriere zu werfen, leider ist die aber auf jedem Schritt von dem Blendwerke falscher Grundansicht beleuchtet. Das größte Hinderniß zur Besserung dieses Zustandes ist der Irrthum, daß die Frauen nicht als Corporation, sondern nur als Individuen angesehen werden. Man hat gefragt, ob die Frauen Menschen sind, diese Frage hat man jetzt modificirt, daß sie bei einer Unverheiratheten in der That schwer zu beantworten sei. Niemand verfolgt diese Ansicht mehr, als die Frauen selbst. Sie wüthen gegen einander, Neid und Eifersucht lassen sie nicht zu dem Gedanken kommen, daß sie nach dem Muster der Männer auch eine Gemeinde, eine Union bilden könnten.

Man verachtet die Weiber, wenn sie ihre Sphären überschreiten, und will in ihnen doch mehr sehen, als willenlose Geschöpfe. Man führt sie zu einer Quelle, und heißt sie dort dasselbe Wasser der geistigen Bildung dieser Zeit trinken, das nachher als stagnant und trüb verschrien wird. Eure Weiber sollen Euch in den Himmel führen, und Ihr lehrtet sie nur die Hölle kennen!

Sieh, Geliebte, mit dem Gewichte solcher Redensarten tret' ich als Dein Anwalt auf. Ich werde die Lage dieses Verhältnisses um so weniger verschleiern, je glücklichere Mittel der Abhülfe ich gefunden habe. Hier kommt es eben darauf an, jene Grundsätze zu vertheidigen, die das System der weiblichen Kritik ausmachen. Suche mit Umsicht und Klarheit die Erscheinungen unserer Literatur nach dem Einflüsse zu würdigen, den sie auf das weibliche Herz, dessen tiefste und geheimste Falten ausüben. Beweise mit standhafter Unerschrockenheit, welch ungeheuere Fülle des Unrechts und geistiger Grausamkeit in der Annihilirung des halben Menschengeschlechts enthalten ist. Man denkt sich die Menschheit in der Form einer Halbkugel und als ihre Bestandtheile nur die Glieder des Männerbundes. Behalte dies Bild bei, und stelle nun dreist Deine Rede so: Sollten wir Weiber auch nur jenen schmeichelhaften Spiegel abgeben, in dem Ihr die zweite Hälfte, also Euch wieder, und dann recht das Ideal aller Vollkommenheit, sehen möget, so hütet Euch zu Eurem eignen Besten, die Helle und Klarheit dieses Spiegels mit Eurem Nebelhauche zu trüben! Jede Eurer Handlungen sei nur dadurch vollendet und gerundet, daß sie auch das Stillleben weiblicher Seelen mit angemessener Wärme und Lebenskraft erfülle.

Du kannst Dich bei dieser Apostrophe eines Gleichnisses bedienen, das ich gestern aus dem Theater heimgebracht habe.

Heinrich IV. feiert mit seinen Kindern in Fontainebleau das Bohnenfest. (Das Polenfest? verwunderte sich mein Nachbar.) Ein Kuchen wird in fünf Theile zerschnitten. Vier Theilhaber sind zugegen, und das fünfte Stück wird von der kleinsten Königl. Hoheit für die Armen bestimmt. Man sieht die Satyre auf die Gouvernantenmoral prinzlicher Gemüther; was sollen die Armen mit drei Löffeln Reispudding? Aber in derselben Weise – so drück' Dich nur aus – müßten auch die Männer keinen Napfkuchen zerschneiden, ohne wenigstens einen zwiefachen Zehnten an die weibliche hohe Priesterschaft abzutragen.

Welche Dinge betreibt Ihr jetzt! – fährst Du fort – Wir sehen Euch die Höhen besteigen, Feuerzeichen anzünden, die Schwerter emporhalten, die Schilde aneinander schlagen, in Helmen gräßliche Töne erzeugen. Dann kehrt Ihr heim, berauscht von sonderbaren Entzückungen. Gegen uns seid Ihr roh und ungeschlacht, verlangt Dinge, die wir nicht besitzen, weil Ihr sie uns nicht gegeben habt, oder andere, die wir uns anzueignen keinen Trieb fühlen. Es ist entsetzlich, wohin Euch Euer verwegener Sinn führt. Ihr fordert Könige heraus, brecht und rüttelt heimlich an den Thronen, untergrabt die ehrwürdigsten Säulen ewig denkwürdiger Staatsgebäude. O, Ihr irrt Euch, wenn Ihr glaubt, wir begriffen den Sinn jener Toaste nicht, wenn Ihr Euch unter einander zu Gaste ladet. Jedes Bankett fangt Ihr mit dem constitutionellen Königthum an, und zum Schluß ruft Ihr die Republik aus. Was uns Weibern zuträglicher scheint, darnach fragt Niemand. Vergessen wird die Bedeutung des Weibes, wie sie durch das Christenthum in die Welt eingeführt worden ist. Vergessen wird, daß Maria es gewesen, die zuerst den Auferstandenen mit ihrem friedenvollen Rabbuni begrüßte, daß in den Zeiten, wo in hiesigen Gegenden das Mittelalter herrschte, Ritter die Farben unserer Wahl getragen haben. Man vergißt, daß nur die Monarchie die Sittlichkeit der höhern Gattung, vor Allem die Würde des Weibes aufrecht hält. Verschleierten Angesichts sollten wir geduldig die Hintertreppen der in althellenischer Republikenzeit verlassenen Gynäceen wieder hinaufsteigen? Es ist entsetzlich, welche Beschuldigungen Ihr auf uns wälzt! Wir sollen die Gräuel der französischen Revolution veranlaßt haben. Wir hätten nicht unterlassen können, Häuser und Honneurs zu machen. Aller Warnung früherer Beispiele ungeachtet hätten wir Besitz genommen von den prächtigen Meubles und Pallästen, deren Eigenthümerinnen eben zum Richtplatze geführt wären. Vor weiblicher Eitelkeit, vor ewiger Hinneigung zum Glanze der Monarchie hätte so des Mordens kein Ende werden können. Wie grausam, uns Verbrechen anzurechnen, deren Urheber unsere Männer waren, unsere Absicht zu verkennen, die Nichts sehnlicher wünschte, als den Frieden! Wir wollten die steinernen Stufen und Fußböden von den schauderhaften Blutflecken säubern, wollten durch die zarten Verkettungen des häuslichen Lebens Euren wilden, entmenschten Sinn fesseln und zähmen. So wie Ihr überhaupt gewohnt seid, Alles nur in seiner nächsten Aeußerung zu erfassen, so habt Ihr auch die Tiefe des weiblichen Charakters immer verkannt. Wenn wir auch nicht verlangen, Ihr solltet untertauchen, und Perlen aus uns fischen, so habt Ihr doch jene Tiefe nicht einmal mit einem Senkblei untersucht. Und dennoch wollt Ihr die Zuchtmeister unseres Seelenlebens werden? Nein, mein Entschluß steht fest, dieser Vorsatz ist unerschütterlich. Ich sollte doch meinen, wir hätten gewisse Mittel, Euch zu kirren. Die Frauen müssen für die Frauen wirken. Jene verderbliche Lehre, daß sich das Weib an den Mann als an seinen erst Lebenshaltung gewährenden Stamm anschließen soll, muß zuerst erschüttert werden. Man zeige die Sache von ihrer moralischen Seite! und ich selbst mit der zarten Weiblichkeit meiner Empfindungen werfe mich an die Spitze, den Krieg unter der einstweiligen Form eines Journals eröffnend. Die Männer können es lesen, ja sie sollen es lesen, um die Reife unseres Geistes zu bewundern: aber ihre Ansprüche werden nicht berücksichtigt. Um auch die noch unreifere Classe, die mit schwacher Bildung gewöhnlich das meiste Geld verbindet, für uns zu gewinnen, sollen neben jener speculativen Frauenwissenschaft auch die Gegenstände der Haushaltung, die Fächer der Speisekammer nicht unberührt bleiben. An prägnanter Bezeichnung der Bestimmung möchte der Titel einer allgemeinen Literatur- und Küchenzeitung von und für Frauen seines Gleichen suchen. Wahrlich! ich werde mich meiner Haubenspitzen würdig beweisen. Ich fühle eine Unendlichkeit der glücklichsten Folgen schon mit prophetischer Ahnung. Wir werden stark sein, so lange wir einig bleiben. Wenn man fürchtet, eine jüngere Generation möchte die Triebe ihrer Natur nicht besiegen können, die Lüsternheit dürfte sie zu schmählichem Verrath an unserer heiligen Sache bewegen, so daß sie mit unsern Gegnern wieder in Gemeinschaft träte, so ist diese Furcht ungegründet. Die beste Art Verrath zu hintertreiben ist die, Leute, die Verräther werden könnten, gar nicht aufkommen zu lassen. Schon jetzt werden wir es mit unsern Männern so einzurichten wissen, daß eine junge Generation in fünfzehn Jahren gar nicht vorhanden sein wird.

Und nun, Geliebter, muß ich auch von Dir wehmüthigen Abschied nehmen. Zwar weiß ich, Deine weiche Seele steht den zarten Eindrücken der Weiblichkeit mehr offen, als irgend ein männliches Gemüth des In- oder Auslandes. Aber die unvermischte Reine des Princips, die gänzliche Aufopferung jedes Interesses zwingt mich, Dir Lebewohl zu sagen. Wie in einem alten Liede, wo der Schwieger seinem geliebten Eidam gegenübertreten und den Willen seines Herrn ausfechten muß, so reich' ich auch Dir noch einmal schmerzbewegt die sonst so treue Hand. Daß du mir treu bleiben wirst, weiß ich aus zwei Gründen: einmal, weil in fünfzehn Jahren die Minne nicht mehr à l'ordre du jour sein wird, und zweitens wirst Du es auch so sein. Hätt' ich es je ahnen können, daß sich eines solchen Streites wegen noch meine Augen in Wehmuth hüllen würden! Welch' eine Zeit!

Lebe wohl, Du Guter, Unvergessener!

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